Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
keck Adj.
keck Adj.
keck Adj. ‘unbefangen, kühn, verwegen’, seit Ende des 15. Jhs. auch ‘dreist’, ahd. (um 1000), mhd. kec ist eine vom Alem. ausgehende und sich in der nhd. Literatursprache durchsetzende obd. Variante von ahd. quec (8. Jh.), mhd. quec, frühnhd. queck (mit Vokalveränderung durch Brechung) neben asächs. quik, mnd. nd. quick (s. quicklebendig), mnl. quic, nl. kwi(e)k, aengl. cwic, cuc(u), engl. quick, anord. kvikr, kykr, schwed. (vielleicht unter dt. Einfluß) kvick (den ursprünglichen Anlaut zeigen noch Quecke, Quecksilber, erquicken, verquicken, s. d.). Die Bedeutung des Adjektivs wandelt sich von ‘lebendig’ (ahd. asächs. aengl. anord., ebenso noch mhd. mnd. mnl.) zu ‘lebhaft, frisch, munter’ (mhd. frühnhd., mundartlich noch im Obd., ferner nd. nl. engl.) und im Dt. schließlich zu ‘mutig, kühn’ (zuerst mhd.); andere Entwicklungen führen zu ‘fest, gedrungen’ (spätmhd. und in obd. Mundarten) und ‘schnell, flink’ (nl. engl. schwed.). Die westgerm. und nordgerm. Formen (germ. *kwikwaz) unterscheiden sich durch zweifachen Guttural (Annahme eines g-Suffixes bereits für die ie. Vorstufe ist unsicher, vgl. aber landschaftliches lett. dzīga, dzīgot neben lett. dzīve ‘Leben’, dzīvot ‘leben’) von got. qius ‘lebendig’ (germ. *kwiwaz); dieses setzt zusammen mit air. beo ‘lebendig’ und griech. bíos (βίος) ‘Leben’ (falls aus ie. *gu̯iu̯os und nicht zweisilbiges Wurzelnomen, vgl. 1, 238; s. bio-) sowie mit den nur in der ursprünglichen Vokalquantität abweichenden Bildungen aind. jīvāḥ, lat. vīvus, lit. gývas, lett. dzīvs, aslaw. živъ, russ. živój (живой) ‘lebendig’ ie. *gu̯ī̌u̯o- fort, das (als Erweiterung zur Schwundstufe) zu einer Wurzel ie. *gu̯ei-, *gu̯ei̯ə- ‘leben’ gehört, die allen genannten germ. und außergerm. Formen zugrunde liegt und mit unterschiedlichen Ablautstufen auch in griech. hygiḗs (ὑγιής) ‘gesund’ (eigentlich ‘wohllebend’), zṓon (ζῷον) ‘Lebewesen, Tier’, lat. vīta ‘Leben’ auftritt. – Keckheit f. ‘Kühnheit, Dreistigkeit’, mhd. kecheit ‘frisches, mutiges Wesen’ (Ende 12. Jh.), vgl. früheres ahd. keckī (9. Jh.), queckī (11. Jh.) ‘Lebenskraft, Lebhaftigkeit’, mhd. quecke, kecke ‘frisches, mutiges Wesen, Tapferkeit’.