kriechen ,
repere. II.
Formen und verwandtschaft. I@11)
es ist starkformig, praet. kroch,
part. praet. gekrochen;
mhd. kriechen krouch gekrochen,
im praes. sing. kriuche kriuchest kriuchet,
imp. kriuch,
daher im ältern nhd. noch kreuchst, kreucht
und kreuch (
s. u. 3).
ahd. chriohhan,
doch weniger gebraucht als chrësan (
s. kresen). I@22)
in allen andern mundarten nimmt die wurzel den auslaut aus den lippenlauten. I@2@aa)
so schon nrh., in einem voc. des 15.
jh. '
repere kruychen
vel kruyfen' Dief. 493
a,
in der seele trost kruifen (
stark) Fromm. 2, 442
b,
auch crufen Haupt 2, 305, kruffen Dief.
nov. gl. 317
a.
noch jetzt kruffen, krufen Fromm. 5, 415,
Aach. mundart 132,
siegerl. kruffe Schütz 2, 17
a.
ob das nicht am Rhein weiter aufwärts greift oder griff? I@2@bb)
seitwärts vom Mittelrhein findet es sich auch auf md. boden, in Hessen krufen,
auch kraufen, kroffen, kröffen (
im nd. Hessen krupen), auskrufen
auskriechen, kruffhühnchen
spöttisch von kleinen frauen, s. Vilmar 229,
über die flexion gibt er leider nichts an. selbst hd. spuren dieser stammgestaltung fehlen nicht, vgl. ahd. 'chriuanti
reptans' Graff 4, 598,
vielleicht mit î
für iu chrîvan (
vgl. mhd. slîfen : sliefen, klîben : klieben
sp. 1162);
besonders merkwürdig in den sog. cimbrischen gemeinden kruppen
kriechen, serpeggiare Schmeller 139
b.
ein tir. krefflen
s. unter krabbeln. I@2@cc)
im nd. gebiete mit p,
alts. criopan, criepan,
ags. creópan
altn. kriúpa,
altfries. kriapa,
alle stark; daher norw. krjupa
u. ä., schwed. krypa,
dän. krybe,
engl. creep,
nl. kruipen,
wie auch im nrh. einzeln crupen
Teuth. 61
b, Dief. 493
a.
nd. krupen Dief. 530
a, krepen (ê
für ie)
in dorchkrepen
weisth. 3, 318,
noch jetzt starkf., z. b. götting. krûpen krôp ekrôpen Schamb. 114
b. I@2@dd)
doch gänzlich fehlt die gestaltung mit kehlauslaut auch auszer dem hd. nicht: englisch crouch
sich ducken, kriechen (
s. unter krauchen),
mit anderm vocal und ablaut norw. kreka,
praet. krak,
p. p. krekje
kriechen, krabbeln, wimmeln Aasen 237
b,
schwed. kräka krak kräki Rietz 359
b,
vergl. isl. kreika
lente progredi Biörn 1, 475
a. I@2@ee)
auch kresen
und kreisen
kriechen (
sp. 2157)
werden höher hinauf verwandt sein (
solchen wechsel von -s
und -k
und -p
in einem stamme s. z. b. bei kratzen),
nicht anders krimmen, krampf
und diese sippe, denn das einziehen, zusammenziehen, das da vorkommt, erscheint auch hier als grundbegriff, s. weiter II, 1,
a. I@2@ff)
eine schwache nebenform ist krauchen,
s. d., ein regelrechtes causativum aber trat in kreuchen
sp. 2176
auf. I@33)
ältere formen noch im nhd. I@3@aa)
praet.: da
krouch er us dem imenstock (
in den er sich verkrochen).
Eulensp. hist. 9
s. 11
Lapp., es ist noch ganz die mhd. form; ebenso im plur. kruchen: (
blumen) die do so gar süsziglichen ruchen und ausz der erd mit kreften kruchen. Rosenblüt,
fastn. sp. 1124; und kruchen durch die reben ausz. Uhland
volksl. 510,
die geschlagnen feinde, die durch die weinberge entfliehen. im conj. praet.: das grosz kreuz ist in der kirchen lieber mir, dan kruch der teufel in mich schier.
fastn. sp. 561, 13,
es wäre mhd. krüche,
nhd. kröche. I@3@bb)
bis in neueste zeit gilt einzeln kreucht,
bes. bei religiöser färbung der rede: allerlei gewürm das auf erden kreucht.
1 Mos. 7, 14,
vgl. v. 21; als wolten die berge gebären, da doch kaum ein kleines elendes mäuslein herausz
kreuchet. Schuppius 522; was da kreucht und lebt. Fr. Müller 2, 317; den reichthum musz der neid betheuern, denn er kreucht nie in leere scheuern. Göthe 4, 326 (
zahme xen. iv); das ist seine beute, was da kreucht und fleugt. Schiller
Tell 3, 1; er wächst (
der mensch), er kreucht, er richtet an stühlen sich empor. Chamisso 3, 59. I@3@cc)
merkwürdig kreichen bei B. Waldis: vor irem (
der löwen) greuwel müssen streichen (
die thiere) und gleich wie in einr fallen kreichen, müssen sich ducken, bucken, schmucken.
Äsop 4, 96, 32 (2, 267
Kurz).
das ist schwerlich eine echte nebenform mit dem ablaut î ei i i (
s. u. I, 2,
b),
sondern entweder für kreuchen,
das man dann auch intr. gebraucht haben müszte gleich krauchen,
oder falsche umsetzung der md. aussprache krîchen (
s. z. b. Luther
Jes. 2, 21
u. II, 1,
b),
wie sie noch im westlichen md. gilt, z. b. Geisze
für Gieszen;
s. weiter unter krieg I, 2,
c, β (
sp. 2213). IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
Die ursprüngliche bed. ist, wie es scheint, nicht die gewöhnliche, sondern sich einziehen, sich ducken. II@1@aa)
so noch in einkriechen
einschrumpfen, zusammenkriechen (
wie ein igel z. b.),
worin die alte bed. durch das zugesetzte ein-, zusammen-
neu sicher gestellt wurde: so krümmet er sich wie ein igel (
vor hunger), kroch in einander wie ein schniegel. Rollenhagen
froschm. Dd 1
a;
aber auch ohne solchen zusatz in des Waldis kreichen
unter I, 3,
c. Diesz ist nämlich die bed. des altn. kriupa (
daher auch hinknien u. ä.),
s. Egilsson 478
a,
auch im engl. my flesh creeps =
ich kriege eine gänsehaut, deutlich noch sichtbar, a creeping
überlaufender schauer wo sich die haut zusammenzieht; das ags. becropen on carcern Grein 2, 328, 36
ist wol auch kein '
irrepere' (
gloss. 1, 81),
sondern eingeengt, wie ähnlich bei Waldis.
Und das stimmt zur verwandtschaft. denn das der nd. form nächstliegende nd. krimpen
heiszt eben sich einziehen, und ebenso verhält sich in form und bed. zum hd. kriechen
die wurzel von krank (
s. d.),
sicher aber liegt die bedeutung in dem abgeleiteten krauchen
vor. II@1@bb)
sie wirkt deutlich auch noch in sich verkriechen, unterkriechen,
selbst das auskriechen
und durchkriechen
und kriechen in ein loch
geschieht durch solches sich einziehen: das er müge in die steinritze und felsklüfte krichen fur der furcht des herrn.
Jes. 2, 21; in die felsen kriechen.
Jer. 4, 29; wolt ehe neun ellen tief in die erden kriechen, denn solcher fahr warten. Luther 6, 247
b; wir Deutschen haben ein sprichwort: tücke dich, Jeckel, du solst in ofen kriechen. dis sprichwort ist von der einfeltigen albern gedultigen person genomen. Mathesius
Syrach 3, 77
b; wann ich vil sol durch hursten kriechen ... so laszt mein kutt das haar.
Garg. 244
a (460); kroch hinter holz und herd, in winkel, in den garten. Günther 473,
versteckte mich, geduckt; ehe wir zu dem zaun wieder hinauskrochen. Göthe 30, 109,
uns durchdrückend; warum bin ich nicht der erste aus dem mutterleib gekrochen? Schiller 105
b,
wie vögel aus dem ei kriechen,
bei Megenb. her für kriechen 274, 18. Keisersberg
erzählt einmal von schlecht bewachten nonnen, die ie zwo und zwo zuosamen kriechen (
in den zellen, sich zu erlustigen).
has im pf. (
granatapfel) a 3
b,
heimlich zusammenkommen, sich möglichst einziehend. drum krieche nur du kleiner dacht hinein, sonst brennt ja wol mein lämpchen gar zu helle. Gökingk
lieder zw. lieb. (1777) 62. in einander kriechen,
von mann und weib: Sybilla. mann und weib, das ist noch zu früh.
Wurmbrand. ists uns aber doch nicht zu früh, dasz wir in einander kriechen. Köhlers
kunst über alle k. 154, 24. II@1@cc)
so ins bett kriechen,
sich huscheln, schmiegen: Lene war bei der erscheinung (
des teufels vor ihrem bette) unter die bettdecke gekrochen. Klinger 3, 155; kriecht in sein bett und deckt sich zu. Hagedorn 3, 34,
und so bis ins mhd. zurück: endlich, als die frau in das kindelbette kriechen solte. Chr. Weise
pol. näscher 161; die wirthin, welche allem äuszerlichen ansehen nach bald wolte zu winkel kriechen.
ders. erznarren 396 (
cap. 41),
ins wochenbette; wil der herr, dasz seine fraw ihre magd ihm lege bei, musz er, dasz der knecht zur fraw möge krichen, stellen frei. Logau 2,
zug. 23; dasz etliche gemeine junge leute, wann sie sich mit einander ehelich versprochen, vor der priesterlichen copulation zusammen kriechen.
corp. constit. Brandenb.-Culmbach 1, 246.
Helmbrecht erklärt seinen hochstrebenden sinn so: dô mich mîn muoter het getragen fünfzehen wochen, dô kom 'zuo ir gekrochen' ein vil gefüeger hoveman. von dem erbet mich daʒ an ... 1376. II@1@dd)
in die kleider kriechen,
denn auch dazu gehört ein einziehen, schmiegen der glieder: liesz sie in ein gering kleidchen kriechen. Weise
kl. leute 233; doch tritt man aus der flitterwoche, so kommt das hauscreuz nach und nach und kreucht mit sammt dem neuen paare in kleider, bett und schlafgemach. Günther 428; erhebt sich denn ein sturm, so weisz er keinen port und kreucht in noth und angst so wie in rock und hemde. 499; er selber kriecht in seinen pilgerrock. Wieland 18, 113. II@1@ee)
von feinen dingen, die sich durchschleichen, einschleichen: das blei aber kreucht im schmelzen durch das leichte gestüb unten im ofen und verbirgt sich. L. Erker
beschr. aller erz 117
b; so wird ein giftiger rauch (
dunst) drausz, der in einen kreucht und einem heimlich seel und leben abstilt. Mathesius
Sar. 102
b. II@22)
repere, vorwärtskriechen, einherkriechen musz erst aus dem vorigen entstanden sein, als sich duckend (
oder ähnlich)
bewegen; die raupe z. b. zieht sich ein beim kriechen. II@2@aa)
eigentlich. II@2@a@aα)
im genauen sinne kommt es dem gewürm zu: swaʒ kriuchet unde fliuget und bein zer erde biuget. Walther 8, 32,
gewürm, vögel und vierfüszige thiere, vgl. Röm. 1, 23,
auch Renner 247, Jeroschin 14; daʒ loufet, kriuchet, fliuget oder fliuʒet. Wolfram
Tit. 65, 4; alles was auf dem bauch kreucht und alles was auf vier oder mehr füszen gehet.
3 Mos. 11, 42,
vgl. v. 29
ff.; die flügenden, die schwimmenden, die krüchenden. Zesen
vorbericht 5 (
s. u. krämernäglein); aber an meine blume soll mir das ungeziefer nicht kriechen. Schiller 202
a. II@2@a@bβ)
dann aber von allem, was sich langsam fortbewegt, am boden geduckt oder mühsam: der strom sol von fröschen wimmeln, die sollen erauf kriechen und komen in dein haus. 2
Mos. 8, 3. 4; das meerkalb kreucht auf das gestad. Forer
fischb. 102
b; so kriech ich (
die gans) wenn ich wil herfür und such mein futter in dem gras.
froschmeus. Qq 4
a; ich vermisz mich nicht, über die hohen tannen zufliegen, verzweivel auch nicht, ich müge über das dürre gras kriechen. Luther 1, 52
a,
er sagt es bildlich von sich selber. II@2@a@gγ)
auch mit dem merkwürdigen umsprunge des subjects (
vgl. unter kleben
sp. 1044
c, klingen
sp. 1184
f): eʒ (
das gebein) chriuchet bœser würme vol. Heinr. v. Melk
erinnerung 675; des wolfes woll kreucht voller würm ze stunden. Megenberg 147, 18; gedenk irer (
der verstorbnen) gstalt in den grebern, wie si so voller würm und schlangen kriechen. Frank
weltb. 114
a;
und impers.: es kriecht da voller ameisen. Ludwig 1072.
so voll flöh laufen wie ein hund Fischart
flöhh. 851, ein land laufet grôʒer ratzen vol
Germ. 3, 316, ein tisch sitzt vol (
gäste), die staffel (
stufen) saszen vol Uhland
volksl. 628, herren, ritter und knecht sitzt er vol (
der saal)
Diocl. 8581. II@2@bb)
von menschen. II@2@b@aα)
von dem, der sich '
auf allen vieren'
fortbewegt, wie kinder ehe sie gehen lernen (
vgl. Chamisso
vorhin I, 3,
b), auf dem bauche kriechen
u. ä.: ihr armer bewohner (
der in Wilna am kamin verbrannte verwundete) kroch vielleicht der wärme nach wie ein wurm dem lichte. Arndt
erinn. 176; zu kreuze kriechen,
s. unter kreuz
sp. 2179
mitte. II@2@b@bβ)
daher auch für klettern: also der minder huf hin zoch über die flu und felsen kroch, bis er hinder die figend (
feinde) kam. Lenz
Schwabenkrieg 117
a,
vgl. noch jetzt durchkriechen,
z. b. ein gebirge,
mühsam durchwandern. II@2@b@gγ)
aber auch vom gehn, schleichen an der krücke, geduckt, gekrümmt, mhd. an eime stabe kriechen
Winsb. 50, 5, ûf schemelen
pass. K. 446, 81: nun gang ich kriechen (
für kriechend) an aim stab.
Hätzl. 41
b; auf stelzen kriechen und auf krucken.
fastn. sp. 424, 11; andere .. kriechen mit achen und krachen an stecken den weg mehr denn sie gehen, fallen jetzt zweimal nieder ehe sie einmal wieder aufstehen. Kirchhof
wendunm. 1602 3, 71.
vgl. kriecher. II@2@b@dδ)
anders in Schillers
übers. der Phoenissen: doch er kroch schweigend seines weges fort. 236
a,
schritt langsam, nach des Eurip. ἕρπειν,
wie mhd. slîchen. II@33)
diesz übertragen, in mehrfachem sinne. II@3@aa)
auf dinge. II@3@a@aα)
von langsamer bewegung: als der magnet nach eisen kreucht.
froschm. Ff 2
b,
gleichsam schleichend, wie ein wurm. ähnlich wol von der bewegung des drückers am gewehr: dem andren dann das zünglin (
am gewehr) kreucht. Haupt 3, 249; dem sechsten sfederlin zfast kreucht. 250; Schmeller 2, 379
gibt aus der bair. schützensprache, dasz der tupfer
am gewehr kriecht,
wenn er nicht leicht losgeht, sondern erst etwas zurückgedrückt werden musz; als gegensatz zu springen? II@3@a@bβ)
von einer bewegung, die dicht am erdboden hingeht: die dichtverwachsenen brombeerranken, die ein kriechendes netz über den unbetretenen boden zogen. Bronner
fischerged. 145.
so von pflanzen die niedrig, gedrückt am boden kriechen,
mit ranken an der wand hinauf u. ä.: vor den eingang hab ich kürbisse gepflanzet, sie kriechen hoch empor. Geszner 1770 3, 17; das kriechende epheu.
das.; es fehlte nicht an der milden sonne, wenn sich der kriechende busch nicht zum baume aufrichtete. Schiller 314
a. II@3@a@gγ)
diesz dann bildlich: dennoch würde die empörung nur schüchtern und still am boden gekrochen sein, hätte sie nicht an dem adel eine stütze gefunden, woran sie furchtbar emporstieg. Schiller 799
b,
es ist wol zugleich an gewürm gedacht. II@3@a@dδ)
noch anders bildlich: es jagte mir zwar diser herr mit seinem discurs einen zimblichen schröcken ein und kroche mir dieses geschwätz stark in die nasen.
Bacchusia 398,
reizend, ärgernd, etwa wie gewürm. II@3@a@eε)
auch im folg. wird an gewürm gedacht sein (
der heerwurm würde als bild passen): wir haben nun diese land bei tausent jaren .. mit guter ruhe besessen. wo aber der Türk also zu uns kriechen und allgemechlich zu uns rucken und wachsen wil ... müssen wir wider, fürchte ich, gott geb ich lieg .. diese lande reumen. Aventinus
chr. 294
b,
von der langsamen aber stetigen drohenden heranbewegung der türkischen herschaft und macht. II@3@bb)
von menschen und menschlichem. II@3@b@aα)
gleich schleichen,
feindselig lauernd nahen u. ä., z. b.: was kreuchstu hier viel,
quid te hic intrudis et insidiose obversaris? Stieler 1034,
es wird an schlangen gedacht sein, die gleich vorher erwähnt sind. bei Fischart
Garg. 47
a (74
Sch.) schneckkriechig,
tückisch schleichend, von einer kupplerin. s. auch erdekriechend. II@3@b@bβ)
um geistige niederträchtigkeit zu bezeichnen, die '
am boden klebt',
sich nicht erheben kann: ein kriechend erdegeist Logau 1, 1, 3
im gegensatz zu hohen sinnen; er (
der engl. Spectator) kriecht unter lauter kleinigkeiten herum und phantasiret. Gellert 1784 3, 301 (
loos in d. lott. 4, 3); gegen mich kriecht Milton. Lessing 1, 273 (
jung. gel. 3, 3),
so '
erhaben'
dichte ich: der stil ist in der grundsprache schwach, in der übersetzung ist er oft kriechend geworden. 7, 108; die deutsche sprache aber kroch meistens unter akademischen oder homiletischen fesseln. Herder
fragm. 3, 26 (1767); eine matte, kriechende und gereimte prosa. Breitinger
forts. d. crit. dichtk. 161; gedanken die im staube kriechen. Uz (1768) 2, 315; der stümper, der zu meinen füszen kreucht. Bürger 31
a. II@3@b@gγ)
in sittlichem sinne: neid ist ein kleines, kriechendes laster. Lessing 7, 137; die menschen sind vom fluch gedrückt der auf die schlange fallen sollte, die kriechen auf dem bauche und fressen staub. Göthe
an fr. v. Stein 1, 335; der zwang .. macht aus muthigen, fleiszigen und lebhaften bürgern eine träge, verzagte und kriechende herde. Möser
phant. 1, 153,
halb zum folgenden; das innere krümmen und kriechen der seele. J. Paul
Hesp. 4, 32. II@3@cc)
bes. von schmeichelndem kriechen
vor einem gönner u. ä. II@3@c@aα) sich bücken und schmeicheln und kriechen, und die Marinellis auszustechen suchen? Lessing 2, 133; (
die weisheit der sophisten) vergötterte die groszen, kroch vor ihren dienern. Wieland 1, 65; wenn es nach deinem kopfe gienge, du kröchst dein leben lang im staube (
nach b). 'o immer noch besser, vater, als ich kröch um den thron herum'. Schiller 186
b; lieber unglücklich, als gekrochen! ich schäme mich, dasz ich schon gekrochen habe. Voss
br. 3, 1, 139,
das perf. mit haben,
während es in der gewöhnlichen bed. sein
zu sich nimmt. II@3@c@bβ)
besonders auch im part., kriechend: man soll demüthig und ehrerbietig sprechen, und wie leicht kann diese sprache kriechend und sklavisch werden? Gellert (1784) 4, 71; die edle bescheidenheit, die so weit von dem kriechenden des clienten unterschieden ist. 6, 323; ihr kriechend lächeln. Klopstock 1, 10; der niederträchtige kriechende schmeichler! Schiller 197
a; die stupendeste höflichkeit habe ich verschwendet, ich bin so zu sagen recht kriechend gewesen. ach! das kriechen ist sonst eine kluge gewohnheit, die haben wir den hunden abgelernt, wenn die in angst sind, so kriechen sie auf dem bauche. Kotzebue
dram. sp. 2, 316.
das part. auch im superl., der kriechendste schmeichler. II@3@c@gγ)
auch als refl. causativum, von einem '
geadelten schmeichler' (
vgl. erkriechen): doch einem hund' an unverschämtheit gleich lebt er und bellt und kriecht sich adelich und reich. Voss
epigr. 25 (1825 4, 184). II@3@dd)
in eignem bilde in folg.: mir der ich noch kaum ausz der kindheit in die jugend gekrochen. Kirchhof
disc. mil. vorr. II@3@ee)
und noch anders: es kriechen so viel arten der ungeschickligkeit durch die schulen, welchen abzuhelfen
u. s. w. Schuppius 848,
wie lat. serpere,
von übeln die sich schleichend forterben oder um sich greifen. ähnlich von körperlichem schmerze: die pein kriechet mir bis in den kleinen finger. Ludwig
teutsch-engl. wb. 1073. II@44)
unpers.: es kroch mir übern magen. Wieland 12, 22,
wurmte, verdrosz mich, wie die maus lief, die laus kroch mir über die leber.