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kriechen

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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24 in 19 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kriechen

Bd. 11, Sp. 2206
kriechen , repere. II. Formen und verwandtschaft. I@11) es ist starkformig, praet. kroch, part. praet. gekrochen; mhd. kriechen krouch gekrochen, im praes. sing. kriuche kriuchest kriuchet, imp. kriuch, daher im ältern nhd. noch kreuchst, kreucht und kreuch (s. u. 3). ahd. chriohhan, doch weniger gebraucht als chrësan (s. kresen). I@22) in allen andern mundarten nimmt die wurzel den auslaut aus den lippenlauten. I@2@aa) so schon nrh., in einem voc. des 15. jh. 'repere kruychen vel kruyfen' Dief. 493a, in der seele trost kruifen (stark) Fromm. 2, 442b, auch crufen Haupt 2, 305, kruffen Dief. nov. gl. 317a. noch jetzt kruffen, krufen Fromm. 5, 415, Aach. mundart 132, siegerl. kruffe Schütz 2, 17a. ob das nicht am Rhein weiter aufwärts greift oder griff? I@2@bb) seitwärts vom Mittelrhein findet es sich auch auf md. boden, in Hessen krufen, auch kraufen, kroffen, kröffen (im nd. Hessen krupen), auskrufen auskriechen, kruffhühnchen spöttisch von kleinen frauen, s. Vilmar 229, über die flexion gibt er leider nichts an. selbst hd. spuren dieser stammgestaltung fehlen nicht, vgl. ahd. 'chriuanti reptans' Graff 4, 598, vielleicht mit î für iu chrîvan (vgl. mhd. slîfen : sliefen, klîben : klieben sp. 1162); besonders merkwürdig in den sog. cimbrischen gemeinden kruppen kriechen, serpeggiare Schmeller 139b. ein tir. krefflen s. unter krabbeln. I@2@cc) im nd. gebiete mit p, alts. criopan, criepan, ags. creópan altn. kriúpa, altfries. kriapa, alle stark; daher norw. krjupa u. ä., schwed. krypa, n. krybe, engl. creep, nl. kruipen, wie auch im nrh. einzeln crupen Teuth. 61b, Dief. 493a. nd. krupen Dief. 530a, krepen (ê für ie) in dorchkrepen weisth. 3, 318, noch jetzt starkf., z. b. götting. krûpen krôp ekrôpen Schamb. 114b. I@2@dd) doch gänzlich fehlt die gestaltung mit kehlauslaut auch auszer dem hd. nicht: englisch crouch sich ducken, kriechen (s. unter krauchen), mit anderm vocal und ablaut norw. kreka, praet. krak, p. p. krekje kriechen, krabbeln, wimmeln Aasen 237b, schwed. kräka krak kräki Rietz 359b, vergl. isl. kreika lente progredi Biörn 1, 475a. I@2@ee) auch kresen und kreisen kriechen (sp. 2157) werden höher hinauf verwandt sein (solchen wechsel von -s und -k und -p in einem stamme s. z. b. bei kratzen), nicht anders krimmen, krampf und diese sippe, denn das einziehen, zusammenziehen, das da vorkommt, erscheint auch hier als grundbegriff, s. weiter II, 1, a. I@2@ff) eine schwache nebenform ist krauchen, s. d., ein regelrechtes causativum aber trat in kreuchen sp. 2176 auf. I@33) ältere formen noch im nhd. I@3@aa) praet.: da krouch er us dem imenstock (in den er sich verkrochen). Eulensp. hist. 9 s. 11 Lapp., es ist noch ganz die mhd. form; ebenso im plur. kruchen: (blumen) die do so gar süsziglichen ruchen und ausz der erd mit kreften kruchen. Rosenblüt, fastn. sp. 1124; und kruchen durch die reben ausz. Uhland volksl. 510, die geschlagnen feinde, die durch die weinberge entfliehen. im conj. praet.: das grosz kreuz ist in der kirchen lieber mir, dan kruch der teufel in mich schier. fastn. sp. 561, 13, es wäre mhd. krüche, nhd. kröche. I@3@bb) bis in neueste zeit gilt einzeln kreucht, bes. bei religiöser färbung der rede: allerlei gewürm das auf erden kreucht. 1 Mos. 7, 14, vgl. v. 21; als wolten die berge gebären, da doch kaum ein kleines elendes mäuslein herausz kreuchet. Schuppius 522; was da kreucht und lebt. Fr. Müller 2, 317; den reichthum musz der neid betheuern, denn er kreucht nie in leere scheuern. Göthe 4, 326 (zahme xen. iv); das ist seine beute, was da kreucht und fleugt. Schiller Tell 3, 1; er wächst (der mensch), er kreucht, er richtet an stühlen sich empor. Chamisso 3, 59. I@3@cc) merkwürdig kreichen bei B. Waldis: vor irem (der löwen) greuwel müssen streichen (die thiere) und gleich wie in einr fallen kreichen, müssen sich ducken, bucken, schmucken. Äsop 4, 96, 32 (2, 267 Kurz). das ist schwerlich eine echte nebenform mit dem ablaut î ei i i (s. u. I, 2, b), sondern entweder für kreuchen, das man dann auch intr. gebraucht haben müszte gleich krauchen, oder falsche umsetzung der md. aussprache krîchen (s. z. b. Luther Jes. 2, 21 u. II, 1, b), wie sie noch im westlichen md. gilt, z. b. Geisze für Gieszen; s. weiter unter krieg I, 2, c, β (sp. 2213). IIII. Gebrauch und bedeutung. II@11) Die ursprüngliche bed. ist, wie es scheint, nicht die gewöhnliche, sondern sich einziehen, sich ducken. II@1@aa) so noch in einkriechen einschrumpfen, zusammenkriechen (wie ein igel z. b.), worin die alte bed. durch das zugesetzte ein-, zusammen- neu sicher gestellt wurde: so krümmet er sich wie ein igel (vor hunger), kroch in einander wie ein schniegel. Rollenhagen froschm. Dd 1a; aber auch ohne solchen zusatz in des Waldis kreichen unter I, 3, c. Diesz ist nämlich die bed. des altn. kriupa (daher auch hinknien u. ä.), s. Egilsson 478a, auch im engl. my flesh creeps = ich kriege eine gänsehaut, deutlich noch sichtbar, a creeping überlaufender schauer wo sich die haut zusammenzieht; das ags. becropen on carcern Grein 2, 328, 36 ist wol auch kein 'irrepere' (gloss. 1, 81), sondern eingeengt, wie ähnlich bei Waldis. Und das stimmt zur verwandtschaft. denn das der nd. form nächstliegende nd. krimpen heiszt eben sich einziehen, und ebenso verhält sich in form und bed. zum hd. kriechen die wurzel von krank (s. d.), sicher aber liegt die bedeutung in dem abgeleiteten krauchen vor. II@1@bb) sie wirkt deutlich auch noch in sich verkriechen, unterkriechen, selbst das auskriechen und durchkriechen und kriechen in ein loch geschieht durch solches sich einziehen: das er müge in die steinritze und felsklüfte krichen fur der furcht des herrn. Jes. 2, 21; in die felsen kriechen. Jer. 4, 29; wolt ehe neun ellen tief in die erden kriechen, denn solcher fahr warten. Luther 6, 247b; wir Deutschen haben ein sprichwort: tücke dich, Jeckel, du solst in ofen kriechen. dis sprichwort ist von der einfeltigen albern gedultigen person genomen. Mathesius Syrach 3, 77b; wann ich vil sol durch hursten kriechen ... so laszt mein kutt das haar. Garg. 244a (460); kroch hinter holz und herd, in winkel, in den garten. Günther 473, versteckte mich, geduckt; ehe wir zu dem zaun wieder hinauskrochen. Göthe 30, 109, uns durchdrückend; warum bin ich nicht der erste aus dem mutterleib gekrochen? Schiller 105b, wie vögel aus dem ei kriechen, bei Megenb. her für kriechen 274, 18. Keisersberg erzählt einmal von schlecht bewachten nonnen, die ie zwo und zwo zuosamen kriechen (in den zellen, sich zu erlustigen). has im pf. (granatapfel) a 3b, heimlich zusammenkommen, sich möglichst einziehend. drum krieche nur du kleiner dacht hinein, sonst brennt ja wol mein lämpchen gar zu helle. Gökingk lieder zw. lieb. (1777) 62. in einander kriechen, von mann und weib: Sybilla. mann und weib, das ist noch zu früh. Wurmbrand. ists uns aber doch nicht zu früh, dasz wir in einander kriechen. Köhlers kunst über alle k. 154, 24. II@1@cc) so ins bett kriechen, sich huscheln, schmiegen: Lene war bei der erscheinung (des teufels vor ihrem bette) unter die bettdecke gekrochen. Klinger 3, 155; kriecht in sein bett und deckt sich zu. Hagedorn 3, 34, und so bis ins mhd. zurück: endlich, als die frau in das kindelbette kriechen solte. Chr. Weise pol. näscher 161; die wirthin, welche allem äuszerlichen ansehen nach bald wolte zu winkel kriechen. ders. erznarren 396 (cap. 41), ins wochenbette; wil der herr, dasz seine fraw ihre magd ihm lege bei, musz er, dasz der knecht zur fraw möge krichen, stellen frei. Logau 2, zug. 23; dasz etliche gemeine junge leute, wann sie sich mit einander ehelich versprochen, vor der priesterlichen copulation zusammen kriechen. corp. constit. Brandenb.-Culmbach 1, 246. Helmbrecht erklärt seinen hochstrebenden sinn so: dô mich mîn muoter het getragen fünfzehen wochen, dô kom 'zuo ir gekrochen' ein vil gefüeger hoveman. von dem erbet mich daʒ an ... 1376. II@1@dd) in die kleider kriechen, denn auch dazu gehört ein einziehen, schmiegen der glieder: liesz sie in ein gering kleidchen kriechen. Weise kl. leute 233; doch tritt man aus der flitterwoche, so kommt das hauscreuz nach und nach und kreucht mit sammt dem neuen paare in kleider, bett und schlafgemach. Günther 428; erhebt sich denn ein sturm, so weisz er keinen port und kreucht in noth und angst so wie in rock und hemde. 499; er selber kriecht in seinen pilgerrock. Wieland 18, 113. II@1@ee) von feinen dingen, die sich durchschleichen, einschleichen: das blei aber kreucht im schmelzen durch das leichte gestüb unten im ofen und verbirgt sich. L. Erker beschr. aller erz 117b; so wird ein giftiger rauch (dunst) drausz, der in einen kreucht und einem heimlich seel und leben abstilt. Mathesius Sar. 102b. II@22) repere, vorwärtskriechen, einherkriechen musz erst aus dem vorigen entstanden sein, als sich duckend (oder ähnlich) bewegen; die raupe z. b. zieht sich ein beim kriechen. II@2@aa) eigentlich. II@2@a@aα) im genauen sinne kommt es dem gewürm zu: swaʒ kriuchet unde fliuget und bein zer erde biuget. Walther 8, 32, gewürm, vögel und vierfüszige thiere, vgl. m. 1, 23, auch Renner 247, Jeroschin 14; daʒ loufet, kriuchet, fliuget oder fliuʒet. Wolfram Tit. 65, 4; alles was auf dem bauch kreucht und alles was auf vier oder mehr füszen gehet. 3 Mos. 11, 42, vgl. v. 29 ff.; die flügenden, die schwimmenden, die krüchenden. Zesen vorbericht 5 (s. u. krämernäglein); aber an meine blume soll mir das ungeziefer nicht kriechen. Schiller 202a. II@2@a@bβ) dann aber von allem, was sich langsam fortbewegt, am boden geduckt oder mühsam: der strom sol von fröschen wimmeln, die sollen erauf kriechen und komen in dein haus. 2 Mos. 8, 3. 4; das meerkalb kreucht auf das gestad. Forer fischb. 102b; so kriech ich (die gans) wenn ich wil herfür und such mein futter in dem gras. froschmeus. Qq 4a; ich vermisz mich nicht, über die hohen tannen zufliegen, verzweivel auch nicht, ich müge über das dürre gras kriechen. Luther 1, 52a, er sagt es bildlich von sich selber. II@2@a@gγ) auch mit dem merkwürdigen umsprunge des subjects (vgl. unter kleben sp. 1044 c, klingen sp. 1184 f): eʒ (das gebein) chriuchet bœser würme vol. Heinr. v. Melk erinnerung 675; des wolfes woll kreucht voller würm ze stunden. Megenberg 147, 18; gedenk irer (der verstorbnen) gstalt in den grebern, wie si so voller würm und schlangen kriechen. Frank weltb. 114a; und impers.: es kriecht da voller ameisen. Ludwig 1072. so voll flöh laufen wie ein hund Fischart flöhh. 851, ein land laufet grôʒer ratzen vol Germ. 3, 316, ein tisch sitzt vol (gäste), die staffel (stufen) saszen vol Uhland volksl. 628, herren, ritter und knecht sitzt er vol (der saal) Diocl. 8581. II@2@bb) von menschen. II@2@b@aα) von dem, der sich 'auf allen vieren' fortbewegt, wie kinder ehe sie gehen lernen (vgl. Chamisso vorhin I, 3, b), auf dem bauche kriechen u. ä.: ihr armer bewohner (der in Wilna am kamin verbrannte verwundete) kroch vielleicht der wärme nach wie ein wurm dem lichte. Arndt erinn. 176; zu kreuze kriechen, s. unter kreuz sp. 2179 mitte. II@2@b@bβ) daher auch für klettern: also der minder huf hin zoch über die flu und felsen kroch, bis er hinder die figend (feinde) kam. Lenz Schwabenkrieg 117a, vgl. noch jetzt durchkriechen, z. b. ein gebirge, mühsam durchwandern. II@2@b@gγ) aber auch vom gehn, schleichen an der krücke, geduckt, gekrümmt, mhd. an eime stabe kriechen Winsb. 50, 5, ûf schemelen pass. K. 446, 81: nun gang ich kriechen (für kriechend) an aim stab. Hätzl. 41b; auf stelzen kriechen und auf krucken. fastn. sp. 424, 11; andere .. kriechen mit achen und krachen an stecken den weg mehr denn sie gehen, fallen jetzt zweimal nieder ehe sie einmal wieder aufstehen. Kirchhof wendunm. 1602 3, 71. vgl. kriecher. II@2@b@dδ) anders in Schillers übers. der Phoenissen: doch er kroch schweigend seines weges fort. 236a, schritt langsam, nach des Eurip. ἕρπειν, wie mhd. slîchen. II@33) diesz übertragen, in mehrfachem sinne. II@3@aa) auf dinge. II@3@a@aα) von langsamer bewegung: als der magnet nach eisen kreucht. froschm. Ff 2b, gleichsam schleichend, wie ein wurm. ähnlich wol von der bewegung des drückers am gewehr: dem andren dann das zünglin (am gewehr) kreucht. Haupt 3, 249; dem sechsten sfederlin zfast kreucht. 250; Schmeller 2, 379 gibt aus der bair. schützensprache, dasz der tupfer am gewehr kriecht, wenn er nicht leicht losgeht, sondern erst etwas zurückgedrückt werden musz; als gegensatz zu springen? II@3@a@bβ) von einer bewegung, die dicht am erdboden hingeht: die dichtverwachsenen brombeerranken, die ein kriechendes netz über den unbetretenen boden zogen. Bronner fischerged. 145. so von pflanzen die niedrig, gedrückt am boden kriechen, mit ranken an der wand hinauf u. ä.: vor den eingang hab ich kürbisse gepflanzet, sie kriechen hoch empor. Geszner 1770 3, 17; das kriechende epheu. das.; es fehlte nicht an der milden sonne, wenn sich der kriechende busch nicht zum baume aufrichtete. Schiller 314a. II@3@a@gγ) diesz dann bildlich: dennoch würde die empörung nur schüchtern und still am boden gekrochen sein, hätte sie nicht an dem adel eine stütze gefunden, woran sie furchtbar emporstieg. Schiller 799b, es ist wol zugleich an gewürm gedacht. II@3@a@dδ) noch anders bildlich: es jagte mir zwar diser herr mit seinem discurs einen zimblichen schröcken ein und kroche mir dieses geschwätz stark in die nasen. Bacchusia 398, reizend, ärgernd, etwa wie gewürm. II@3@a@eε) auch im folg. wird an gewürm gedacht sein (der heerwurm würde als bild passen): wir haben nun diese land bei tausent jaren .. mit guter ruhe besessen. wo aber der Türk also zu uns kriechen und allgemechlich zu uns rucken und wachsen wil ... müssen wir wider, fürchte ich, gott geb ich lieg .. diese lande reumen. Aventinus chr. 294b, von der langsamen aber stetigen drohenden heranbewegung der türkischen herschaft und macht. II@3@bb) von menschen und menschlichem. II@3@b@aα) gleich schleichen, feindselig lauernd nahen u. ä., z. b.: was kreuchstu hier viel, quid te hic intrudis et insidiose obversaris? Stieler 1034, es wird an schlangen gedacht sein, die gleich vorher erwähnt sind. bei Fischart Garg. 47a (74 Sch.) schneckkriechig, tückisch schleichend, von einer kupplerin. s. auch erdekriechend. II@3@b@bβ) um geistige niederträchtigkeit zu bezeichnen, die 'am boden klebt', sich nicht erheben kann: ein kriechend erdegeist Logau 1, 1, 3 im gegensatz zu hohen sinnen; er (der engl. Spectator) kriecht unter lauter kleinigkeiten herum und phantasiret. Gellert 1784 3, 301 (loos in d. lott. 4, 3); gegen mich kriecht Milton. Lessing 1, 273 (jung. gel. 3, 3), so 'erhaben' dichte ich: der stil ist in der grundsprache schwach, in der übersetzung ist er oft kriechend geworden. 7, 108; die deutsche sprache aber kroch meistens unter akademischen oder homiletischen fesseln. Herder fragm. 3, 26 (1767); eine matte, kriechende und gereimte prosa. Breitinger forts. d. crit. dichtk. 161; gedanken die im staube kriechen. Uz (1768) 2, 315; der stümper, der zu meinen füszen kreucht. Bürger 31a. II@3@b@gγ) in sittlichem sinne: neid ist ein kleines, kriechendes laster. Lessing 7, 137; die menschen sind vom fluch gedrückt der auf die schlange fallen sollte, die kriechen auf dem bauche und fressen staub. Göthe an fr. v. Stein 1, 335; der zwang .. macht aus muthigen, fleiszigen und lebhaften bürgern eine träge, verzagte und kriechende herde. Möser phant. 1, 153, halb zum folgenden; das innere krümmen und kriechen der seele. J. Paul Hesp. 4, 32. II@3@cc) bes. von schmeichelndem kriechen vor einem gönner u. ä. II@3@c@aα) sich bücken und schmeicheln und kriechen, und die Marinellis auszustechen suchen? Lessing 2, 133; (die weisheit der sophisten) vergötterte die groszen, kroch vor ihren dienern. Wieland 1, 65; wenn es nach deinem kopfe gienge, du kröchst dein leben lang im staube (nach b). 'o immer noch besser, vater, als ich kröch um den thron herum'. Schiller 186b; lieber unglücklich, als gekrochen! ich schäme mich, dasz ich schon gekrochen habe. Voss br. 3, 1, 139, das perf. mit haben, während es in der gewöhnlichen bed. sein zu sich nimmt. II@3@c@bβ) besonders auch im part., kriechend: man soll demüthig und ehrerbietig sprechen, und wie leicht kann diese sprache kriechend und sklavisch werden? Gellert (1784) 4, 71; die edle bescheidenheit, die so weit von dem kriechenden des clienten unterschieden ist. 6, 323; ihr kriechend lächeln. Klopstock 1, 10; der niederträchtige kriechende schmeichler! Schiller 197a; die stupendeste höflichkeit habe ich verschwendet, ich bin so zu sagen recht kriechend gewesen. ach! das kriechen ist sonst eine kluge gewohnheit, die haben wir den hunden abgelernt, wenn die in angst sind, so kriechen sie auf dem bauche. Kotzebue dram. sp. 2, 316. das part. auch im superl., der kriechendste schmeichler. II@3@c@gγ) auch als refl. causativum, von einem 'geadelten schmeichler' (vgl. erkriechen): doch einem hund' an unverschämtheit gleich lebt er und bellt und kriecht sich adelich und reich. Voss epigr. 25 (1825 4, 184). II@3@dd) in eignem bilde in folg.: mir der ich noch kaum ausz der kindheit in die jugend gekrochen. Kirchhof disc. mil. vorr. II@3@ee) und noch anders: es kriechen so viel arten der ungeschickligkeit durch die schulen, welchen abzuhelfen u. s. w. Schuppius 848, wie lat. serpere, von übeln die sich schleichend forterben oder um sich greifen. ähnlich von körperlichem schmerze: die pein kriechet mir bis in den kleinen finger. Ludwig teutsch-engl. wb. 1073. II@44) unpers.: es kroch mir übern magen. Wieland 12, 22, wurmte, verdrosz mich, wie die maus lief, die laus kroch mir über die leber.
17787 Zeichen · 434 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KRIECHEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    KRIECHEN s. ich KRIUCHE .

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kriechen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Kriechen , verb. irreg. neutr. ich krieche, du kriechst, (Oberd. kreuchst,) er kriecht, (Oberd. kreucht); Imperf. ich kr…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    kriechen

    Goethe-Wörterbuch

    kriechen 3.Sg Präs ‘kreucht’ 3,301 Vs 1019 u 15 2 ,20 ; 3.Sg Konjunktiv II apokopiert ‘kröch’ 38,482,10 Korr 53,535 ; Pa…

  4. modern
    Dialekt
    kriechen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    krieche n [krìèχə Bf. Hf. ; Part. krìèχt Hf. ] nur von Kindern gebraucht Hf. ; auch von Würmern und Pflanzen Bf. — Schwe…

  5. Sprichwörter
    Kriechen

    Wander (Sprichwörter)

    Kriechen Kriechen (s. Krupen). 1. Das Kriechen ist eine langsame und beschmuzte Methode, gehen zu lernen. 2. Durch Kriec…

  6. Spezial
    kriechen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    krie|chen (kroch, gekrochen) vb.intr. 1 (sich am Boden fortbewegen) serpejé (-jëia), striscé (ia por tera), se trá por t…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kriechen

44 Bildungen · 15 Erstglied · 24 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von kriechen 2 Analysen

krie + -chen

kriechen leitet sich vom Lemma krie ab mit Suffix -chen.

Alternativen: kri+-e+-chen

kriechen‑ als Erstglied (15 von 15)

Kriechenlant

Lexer

kriech·enlant

Kriechen-lant stn. Griechenland Msh. 3,91 a . Troj. 4357. Loh. 4214. Fragm. 16 a . Mgb. 84,31. 270,21. Narr. 56,87. Dfg. 269 a . Kriech lant…

Kriechenpflaume

PfWB

kriechen·pflaume

Kriechen-pflaume f. : ' die Pflaumenart Prunus insititia ', Kriecheplaum (grīχəblaum) [mancherorts ( Wilde 191)]. — Aus lat. (prūna) graeca …

kriechensaf

KöblerMhd

kriechen·saf

kriechensaf , st. N. nhd. Kriechensaft, Pflaumensaft ÜG.: lat. litium Gl Q.: Gl (15. Jh.?) E.: s. krieche (2), saf W.: nhd. Kriechensaft, M.…

kriechenvüreste

KöblerMhd

kriechenvüreste , st. M. nhd. „Griechenfürst“, Herrscher der Griechen Q.: Herb (1190-1200) E.: s. Krieche (1), vüreste* (2) W.: nhd. DW- L.:…

kriechenvürste

MWB

kriechen·vürste

kriechenvürste swM. ‘Herrscher der Griechen’ die wile claugten [klagten] andersit / die crichenfursten vnderdes Herb 6209 MWB 3,2 588,25; Be…

kriechen als Zweitglied (24 von 24)

umbekriechen?

KöblerMhd

*umbekriechen? , st. V. nhd. „umkriechen“, herumhumpeln E.: s. umbe, kriechen W.: nhd. (ält.) umkriechen, st. V., umherkriechen, DW 23, 991

abekriechen

KöblerMhd

abe·kriechen

abekriechen , st. V. nhd. sich verkriechen E.: s. abe, kriechen W.: nhd. (ält.) abkriechen, st. V., hinunterkriechen, wegkriechen, DW2 1, 45…

ankriechen

DWB

ank·riechen

ankriechen , arrepere, nnl. aankruipen: die raupe kriecht das blatt an, kriecht an das blatt: von Mopsen wird er kaum erkannt, so dürftig ko…

auskriechen

DWB

aus·kriechen

auskriechen , prorepere, 1 1) excludi, ex ovis prodire: die küchlein sind ausgekrochen; die seidenwürmer kriechen erst in zwei tagen aus. 2 …

bekriechen

DWB

bek·riechen

bekriechen , irrepere, circumrepere, gilt von insecten: so wird die gelbe frucht von kefern schon bekrochen. Lohenst. Hyac. 66 ; steh auf, u…

Beykriechen

Adelung

bey·kriechen

† Beykriechen , verb. irreg. neutr. welches nur im gemeinen Leben, und auch hier nur im Infinitive gebraucht wird. Beykriechen müssen, in da…

durchkriechen

DWB

durch·kriechen

durchkriechen , durch einen ort kriechen, perrepere Maaler 94 b , Rädlein 207 , niederd. dôrkrûpen Schambach 45 b niederl. doorkruipen. durc…

einkriechen

DWB

ein·kriechen

einkriechen , irrepere, nnl. inkruipen, voc. theut. 1482 f 8 a . 1 1) hinein schlüpfen: der dachs kriecht in seinen bau ein; wir sind auf di…

enkriechen

MWB

enk·riechen

enkriechen stV. vgl. auch md. krûfen → kriechen . ‘davonkriechen’ hie intkrouff up henden ind up voissen HagenChr (G) 3520 MWB 1 1650,54; Be…

erkriechen

DWB

erk·riechen

erkriechen , rependo assequi: die raupe erkriecht den stengel des krauts; man hält ihn des glücks für unwürdig, weil er es erkriechen will; …

fortkriechen

DWB

fort·kriechen

fortkriechen , proserpere: da ein ros einen faulen und fortkriechenden schaden im maul hat. Zechendorfer 66 ; doch von dem ohr des argwohns …

hinkriechen

DWB

hin·kriechen

hinkriechen , verb. nach einem abliegenden orte kriechen: da sie ( die schlange ) zwischen kräutern und gesträuchen hinkroch. Göthe 15, 213 …

underkriechen

AWB

under·kriechen

under- kriechen mhd. st. v. , nhd. unterkriechen. — Graff IV,591 s. v. untarkriuchan. Praes.: under-criechent: 3. pl. Gl 3,419,69 [HD 1,80] …

unterkriechen

DWB

unter·kriechen

unterkriechen , v.; subrepo ich kriech under, schleich heimlich hinein Alberus (1540) n 4 b ; vgl. ags. undercréopan, engl. undercreep; mnl.…

verkriechen

DWB

verk·riechen

verkriechen , n. substantiv. infin. des vorigen: dann desz .. besorgenden übersteigens, des waldverkriechens, des nächtlichen auszreissens, …

wegkriechen

DWB

weg·kriechen

wegkriechen , von thieren und menschen: abrepere, verre weg krichen Diefenbach mlat. hd. böhm. wb. 4 ; von den feinden seindt auff gemeldten…

widerkriechen

KöblerMhd

wider·kriechen

widerkriechen , st. V. nhd. zurückkriechen E.: s. wider, kriechen W.: nhd. DW- L.: Hennig (widerkriechen)

īnkriechen

KöblerMhd

īnkriechen , st. V. nhd. „einkriechen“, hineinkriechen Hw.: vgl. mnd. inkrūpen Q.: Kolm (um 1460) E.: s. in, kriechen (1) W.: nhd. (ält.) ei…

ūzgekriechen

KöblerMhd

ūzgekriechen , st. V. nhd. „auskriechen“ Q.: EckhII (vor 1326) (FB ūgekriechen) E.: s. ūz, gekriechen W.: nhd. DW- L.: FB 400a (ūzgekriechen…

ūzkriechen

KöblerMhd

ūzkriechen , st. V. nhd. „auskriechen“, hervorschlüpfen, herauskommen Q.: DW2 (2. Hälfte 14. Jh.) E.: s. ūz, kriechen W.: s. nhd. auskrieche…

Ableitungen von kriechen (5 von 5)

bekriechen

DWB

bekriechen , irrepere, circumrepere, gilt von insecten: so wird die gelbe frucht von kefern schon bekrochen. Lohenst. Hyac. 66 ; steh auf, u…

entkriechen

DWB

entkriechen , erepere, nnl. ontkruipen: das küchlein entkriecht dem ei; seitdem die menschen den eichen entkrochen. Wielands Amadis ges. 4 ;…

erkriechen

DWB

erkriechen , rependo assequi: die raupe erkriecht den stengel des krauts; man hält ihn des glücks für unwürdig, weil er es erkriechen will; …

gekriechen

Lexer

ge-kriechen stv. III. BMZ Mein.

verkriechen

DWB

verkriechen , n. substantiv. infin. des vorigen: dann desz .. besorgenden übersteigens, des waldverkriechens, des nächtlichen auszreissens, …