sud,
m. (
und f.),
das sieden; siedendes, gesottenes. nomen actionis zu sieden.
grundform *sudi-
in ags. syde '
decoction',
mnd. sode (
wenn gleich söde)
sud, sieden, soviel man auf einmal kocht, siedet'. das von Fick
4 443, Falk - Torp 940, Holthausen
aengl. etym. wb. 339
angeführte ahd. sut
ist nicht zu belegen. mhd. nur vereinzelt nachzuweisen: sut '
das gekochte' (12.
jh.), suot (
d. i. sut) '
das wallen' (14.
jh.)
s. u. 2 c
und 1 e;
häufiger erst seit dem frühnhd. des 15.
jh., vgl. sudt '
bullitus' Diefenbach
gloss. 84
b sowie unter 1 b.
seit dem 19.
jh. ist sud
auszer in poetischer und fachsprachlicher anwendung in der schriftsprache ungebräuchlich geworden. mundartlich hauptsächlich obd. erhalten: Staub-Tobler
schweiz. id. 7, 324; Fischer
schwäb. 5, 1949; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 328
a; Hügel
Wien. 161; Bacher
Lusern 400
u. a. md. und nd. nur vereinzelt verzeichnet: Müller-Fraureuth
obers.-erzgeb. 2, 587; süət Woeste-
N. westf. 261
b; sûd Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 253
a. —
als fem. erscheint das wort nur sporadisch, aber sowohl in älterer wie in jüngerer zeit; vgl.: von der ersten sudt Fischart
Gargantua 254
ndr.; unter wehrender sud v. Lori
samml. d. baier. bergrechts 391
c; die sud verdampfet H. Heine 1, 444
E.; tolle sud
ebda; einer sud J. Blau
Böhmerw. hausind. 1, 113. Schmeller-Fr. 2, 229
weist zweifelnd auf den fem. gebrauch neben dem masc. hin. vgl. auch unten sude, süde,
f.; ein neutrum süd,
s. unter 3. —
neben überwiegendem sud
steht gelegentlich süd: im gemainen süd (1423) v. Lori
bergrecht 25; für ein ieden kesselsüd (1450)
österr. weist. 11, 390; ein einem süde Butschky
kanzelley (1659) 382; süet,
m. Woeste-
N. westf. 261
b;
vgl. noch zss. wie südschaff E. Tucher
baumeisterbuch 107
lit. ver. neben sudschaff
ebda 303; südofen
neben sudöfen,
s. unten 4. —
plural selten, zumeist süde Kramer 2 (1702) 807
b;
häufiger in der wendung süde thun,
s. u. 1 c; süt Bacher
Lusern 400;
entrundet siedt, side Fischer
schwäb. 5, 1949;
daneben etliche sud J.
N. Seiz
trost der armen (1713) 371; sude Mozin
wb. d. frz. spr.4 (1846) 793
b und 13 suden J. Blau
Böhmerwäld. hausindustrie 1, 113.
neben dem schwundstufigen masc. i-
stamm *sudi-
steht wie üblich ein a-
stufiger masc. a-
stamm *sauda-
in sod
u. s. w. (
s. teil 10, 1, 1394)
und ein neutr. schwundstufiges compositum in ags. gesod '
coctio',
ahd. kisod
ds., nhd. gesod (
teil 4, 1, 2, 4126)
und mit präfixverlust an. sod '
suppe',
afries. soth '
brühe'.
ahd. salzsuti '
salina, salsugo' (
gen. pl. salzsutino
gl. 1, 418, 10
u. ö.)
beruht wohl als i-(n)-
abstractum auf einem nicht belegten sudjan =
ahd. *sutten,
vgl. bair. sütten '
sieden' Schmeller-Fr. 2, 340; übersüttig
ebda, s. auch unten sutte, sütte,
f., süttig '
siedendheisz'
und die weiterbildung suttern '
im kochen überwallen'. —
[] unverwandt sind ags. gesyd '
volutabrum' (
von Holthausen
falsch etymologisierend mit '
kochplatz'
übersetzt),
nl. sudde, sodde '
morast',
nd. sudde '
sumpf',
hd. sutte '
lache, pfütze',
sieh dieses wort sowie s. v. 1sudel,
m. bedeutung und gebrauch. 11)
das sieden, kochen als tätigkeit und vorgang im ganzen, sowie das aufwallen beim sieden, auch als zustand, in dem ein körper siedet; vgl. bullitus sudt (15.
jh.) Diefenbach
gl. 84
b; sud, sod, sot
bollo, sbollo; M. Kramer
teutsch-italiän. dict. 2 (1702) 807
b; sud
oder sod ...
das sieden, das aufwallen Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1923; sud
coctura, bullitus Steinbach 2 (1734) 597;
bouillonement nouv. dict. allem. franc. (1762) 884; sud
aufkochung Hederich
teutschlat. lex. (1777) 2, 2925; Adelung 4, 496. 1@aa)
in allgemeiner anwendung: wann dieser stein in ein siedend wasser gelegt werde, so hOere der sud alsbald auf
Albertus Magnus v. d. geheimnissen d. weiber (1678) 261; dasz wir ... 6 grosze wasserkannen ... auf einmahl nachgieszen können, ohne dasz das wallen des sudes aufgehöret D. J. Chr. Lehmann
heitz- und siedemaschine (1719) e 2
b; tolle sud! der deckel springt H. Heine 1, 444
Elster; in der küche, apotheke bei der zubereitung von speisen, arzneien u. dgl., vgl. sud '
heiszt das aufwallen, welches das feuer bei flieszenden dingen verursacht, wenn man sie kochen läszt' Amaranthes (1773) 3416: welche (
datteln) den sud nit dulden mögen von wegen jrer zartigkeyt W. H. Ryff
confectbuch u. haussapoteck (1548) 138
b; so nam er alsdan die morgensup ein ... feiszte hennensüpplin ... matzisprülin von der ersten sut Fischart
Garg. 252
ndr.; die fünfften speisen seyn die jenigen, so einen stärkern zusatz ohne einige oder ohne sondere kochung haben ... so man in essig oder saltz einmachen ... oder in rauch auffselchen thut, wie vielerley fleisch und fisch, die hernach mit einem oder offt keinem sud gefertigt werden, als etwa die Sachsen den rohen speck Guarinonius
grewel (1610) 537; lasset milch kochen mit bonmel oder gebrochtem wissbrot, und wann der sud vollendet ist
arzneibuch 1710
bei Staub-Tobler 5, 562. 1@bb)
in dieser bedeutung und anwendung alt und fest bei der meist in gröszeren mengen vorgenommenen siedung von bier, seife, salz, metallen und dgl. infolgedessen von jeher häufig in der sprache der gewerke; heute schriftsprachlich fast nur noch als mehr oder weniger technischer fachausdruck üblich, nachdem das wort in allgemeiner anwendung seit dem ende des 18.
jh. ungewöhnlich geworden ist: item hat er (
der hofmeister) nit ain gedingten knecht, der da seut, so muesz er (
beim krautsieden) ain pestellen, und sein von iedem süd 2 D des hofmaisters und der dritt D ist des kesselknecht (1450)
österr. weist. 11, 390; auch zuo jeder sommer- und winterzeit dem pier sein gebürliche sud und kielung geben
bair. lanndtordnung (1553) 88
b; so offt ein sud im brauhause geschiehet und das bier gevaszt ist v. Hohberg
georg. cur. auct. 3 (1715) 1, 55
b; bei stärkeren bieren ... dauert der sud ... 3-4 stunden Karmarsch-Heeren (1876) 1, 485; wir sprechen auch, das der ... brobst ... vnd sein nachkommen bröbst nun hinfür zu ewigen zeiten bey dem salzsieden zum Schellnberg jr sudt anheben vnd ausleschen mügen (1458) v. Lori
baier. bergrecht 52; auch sullen sie in gemainen süd und sonst in dem jahr, wan man mit säubern nicht genöttigts ze schaffen hat, eisenwerch und clasterwerch würchen lassen (1423)
ebda 25; wann ein pfann unter wehrender sud rinnet (1614)
ebda 391; (
sie) sahen schürfen, weschen ... salpetersud, alaunsud, kupferwasserscheid Fischart
Garg. 295
ndr.; sod, sud '
die siedung einer mit einem salzigen körper geschwängert oder angefüllten lauge als der vitriol-, alaun-, salpeter-, kochsalzlauge, aschenlauge. coctio lixivii'
bergmännisches wb. (1778) 506; (
der salpeter) musz dreymal abgesotten oder geläutert und gebrochen werden ... der erste sud giebt den rohen salpeter, der zweyte den glänzenden ... v. Eggers
neues kriegslex. (1757) 2, 1064;
so bereits 1529: salpeter der vor eynmal
[] geleuttert ist, in dem anderen sudte zuo leuttern
büchsenmeysterey c 1
a;
daher als feste technische bezeichnung salpeter vom ersten sud oder roher salpeter J. G. Hoyer
allg. wb. d. artill. (1804) 2, 2, 12; Liebig
hdb. d. chemie (1843) 354; Karmarsch-Heeren
3 8, 167; salpeter vom zweiten sude, ... salpeter vom dritten sude Prechtl 12, 232; das sieden (
des vitriols) zerfällt in zwei perioden, den vorsud und den garsud. durch den vorsud (rohsud oder läutersud) wird die lauge bis zu 18 oder 20 procent gehalt abgedampft Prechtl
techn. 5, 33;
ebenso: sod, sud der seife '
so wird die ganze verrichtung des siedens der reife genannt' Jacobsson 4, 181
b; Muspratt
chemie (1900) 7, 1433; war die aus dem ersten sude kommende seifenmasse ... nicht genügend rein ... so musz die seife erst gereinigt werden Karmarsch-Heeren
3 8, 167; dann wird er (
zuckersaft) von dem letzten sud in hölzerne kühlbottiche geleitet, wo er schon anfängt zu körnen Schedel
waarenlex. (1834) 2, 738.
zur fachsprachlichen verwendung des worts vgl. noch: sud '(
färber)
die wolle zur annehmung einiger farben vorbereiten' Jacobsson 1, 58,
vgl.ansud; sud '
das kochen gewisser wollener zeuge, wenn sie vom stuhle kommen'
encyclop. lex. (1803) 9, 98; zum versilbern durch sud kann eine kochende lösung von weinstein, kochsalz und ⅙ chlorsilber dienen
ebda 7, 1659.
in der glasschmelze: das durchschnittliche ergebnisz einer sud war 1, 66 zentner J. Blau
Böhmerwäld. hausind. 1, 113. 1@cc)
vom zustand des siedens (
vgl. Voigtel
wb. 3, 384
a; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 328
a)
meist in präpositionaler fügung: dieses musz zusammen abgekocht, und dann abgeseiht, hernach wieder gewAermet, und wann es nahe beim sut ist, ber den tabak gegossen werden
J. Balde die truckene trunkenheit (1568) 173; das wasser ist noch im sude
aqua adhuc igne effervescit Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 597; dasz ein ei weich zu kochen, so lang im sud gelassen werden musz, bis man 3 ave Maria gebetet E. Weigel
zeitspiegel (1664) 5; also schnell ist diese matery erhertt worden und als ein corpus gefallen, das auch sein anzeigen ist, mit seinen bucklen und formen, dasz er in allem sudt gestanden ist und auffbleen und im selbigen erkaltet Paracelsus
opera (1616) 2, 101; ... damit der kessel in stettem sudt ... bleibt L. Ercker
beschr. aller min. ertzt (1580) 128
a; aber diese linde unnd langsahme kochung erfordert eine längere zeit, als diejenige welche stetig in vollen sud geschicht Glauber
libellus dialogorum (1663) 72; in einem sud sieden lassen Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 807
b; das wasser siedet in einem sude fort '
ununterbrochen' Adelung 4, 496; den thee soll man im sude trinken,
d. i. während er noch siedet Steinbach (1734) 2, 597;
so auch: aus dem sude essen, trinken Kramer 2 (1702) 807
b; Adelung; aus dem sud kommen
aufhören zu sieden Kramer (1719) 2, 210; e grumbeer uss em sudd nemme Ch. Schmidt
Straszburger ma. 107
b;
schwäb. grumbira ... jetz sind se sein leibessa vom sud weg J. Nefflen
d. orgelmacher (1845) 262; d suppn kummt grad vom sud Hügel
Wiener dial. 161. 1@dd)
z. t. in fester verbaler verbindung: ingleichen in was für zeit es (
das fasz voll wasser) geheitzet und zum sude gebracht, wie lange es unverändert im sude erhalten und was für eine quantität wasser auch würcklich eingesotten würde J. Chr. Lehmann
zweymahlige auffweiszung einer heitz- und siedemaschine (1719)
s. a 2
b; e 3
a; sie bemühen sich, dasz derselbige (
reis) eben auf den mittag in sud gebracht werden möge Chr. Arnold
offne thür (1663) 377; das wasser in sud bringen Kramer (1719) 2, 210; Fr. Nicolai
österr. id. (1781) 135; einen topf, das wasser zum sude bringen Adelung 4, 496; Braun
orthogr.-gr. wb. (1793) 251
a.
vorwiegend der älteren sprache gehört die wendung an einen sud tun lassen '
aufkochen lassen'
; s. auch die belege bei Fischer
schwäb. 5, 1949: thue kleine rosinlin darzu und sovil weins, als man bedarff, lass ein sud thuon Seutter
hippiatria 52; den kOehl einen sud thun lassen Kramer
d. neue dict. (1678) 1032
a; setze es (
sauerkraut) zum feuer, damit es einen sud thue Amaranthes (1715) 19, 125; man musz den syrup wieder
[] sieden ... es darf aber täglich zweymal nur einen einigen sud thun v. Hohberg
georg. 1 (1682) 218
a; nim granatäpffelschelffen ... vnd geläutert honig ... lasz in einem viertheilen roten weins ein guten sudt thun Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 150; Seuter
roszarznei (1599) 51; v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 233;
vgl.: ə sud mochn '
sieden lassen' Blumer
nordwest.-böhm. 79.
so auch pluralisch, wobei sich gelegentlich die nebenvorstellung des beim sieden aufsprudelnden wassers einschiebt: lass ein drey siedt thuen
medicin. quelle von 1571
bei Fischer
schwäb. 5, 1949; nimm lebendigen schwefel ... stosze dieses zu pulver, welches man mit 8 maasz flieszwasser etliche sud thun lasse J. Nic. Seiz
trost d. armen (1713) 371; das wasser
etc. ein par süde thun lassen Kramer 2 (1702) 807
b; Amaranthes (1773) 1733; Adelung 4, 496; də patátn (
kartoffeln) machən nō zwia süt Bacher
Lusern 400.
mundartlich vgl. noch: də patátn gäbm an ən sut (
brodeln)
ebda; s wassr hat gəheft ən sut (
ist aufgewallt)
ebda; d
en süet drü
awer gn lten ('
gusz siedenden wassers beim gemüse kochen') Woeste-
N. westfäl. 261
b;
vgl.den söde woröver gahn laten '
etwas nur aufsieden lassen' Richey
id. Hamburgense (1755) 277; Schütze
holst. 4, 154.
auf den siedevorgang als ganzes bezogen: einem jeden burger ist erlaubt drey sde zu thun
a ciascun habitante è permesso di far trè cotte (
brassate)
di birra Kramer 2 (1702) 807
b,
d. i. jeder bürger darf im jahre 3
mal brauen, auf jeden bürger kommen jährlich 3 süde,
vgl. Campe, Heinsius,
s. auch Adelung; er (
glasschmelzer) machte 1862 ... 13 suden ... zu deren jeder er drei bis 4 tage brauchte Blau
Böhmerwald. hausindustr. 1, 113. 1@ee)
übertragen und bildlich; vom aufbrausen einer woge, eines sees, vom wallen des feuers: der marner sach einen suot verre dort her walgen Heinrich von Neustadt
Apoll. 1288
Strobl, dafür einen duz 1283
Singer; leicht konnte der geist ja zornig im grund aufwühlen die wasser und über die ufer treiben in sud und dampf den gewaltigen see Mörike 1, 252
Göschen; sie (
feuerquelle) siedet auf vom tiefsten schlund ... wallt wieder auf in glut und sud Göthe I 15, 56
W. (
Faust 5925);
vom aufwallen des blutes, vgl. sieden 2 a: davon (
vom zorn) das geblütte erhizt, als in einem süde üm das herze aufgetriben in di euszerliche glider ausgeteilet wird Butschky
kanzlei (1659) 382;
von innerer erregung, vgl. sod 3: im sud sein
von hitzigen jünglingen und jungfrauen (
a. d. j. 1659)
bei Staub-Tobler 7, 324; Tehemtens herz geriet in sud, er brüllte, wie ein löwe tut Rückert
Firdosi (1890) 1, 367
Bayer. '
aufregung' Fischer
schwäb. 5, 1949; de
n sud hau
n '
schlechter laune, verstimmt sein'
ebda. von chaotischen zuständen: hört an wie gott der herr die welt begann ... noch immer braust es. gift und schaum durchströmt die zeit, verschlämmt den raum; soviel es dessen sich entlud, steht es noch immerfort in sud Thümmel
reise i. d. mitt. prov. (1791) 5, 95; es ist nicht zu verkennen, dasz ... man den hexenkessel, in dem man mit gewalt diese zeit wieder jung kochen will ... bei lustigem feuer ... fleiszig im brodelnden, qualmenden sud erhält Görres
ges. schrift. 4, 171; was in jener periode sich besonders geltend machte und die gärung bis zur kochenden sud steigerte, waren die polnischen und rheinbayrischen vorgänge H. Heine 7, 83
E. 1@ff)
gelegentlich vom schmerzhaften, brennenden gefühl in der brust und im hals, vgl. das üblichere sod 4
u. sodbrennen: sud, '
m., wann es einem umb das hertz seud und essigt, mal de coeur' Hulsius (1616) 316
a;
dolor cordis seu gulae Stör (1663) 472; Schottel 1416; der sud plaget mich
j'ay mal de coeur, qui m'afflige Hulsius (1616) 316
a,
laboro dolore gulae Stör 472; sud in dem halsz des menschen Duez
dict. germ.-gall.-lat. (1664) 505
a; der geruch,
[] so man das fleisch brattet, in sich gezogen, benimpt den suot und brinnen des magens W. Ryff
thierbuch Alberti magni (1545) f 1
a. 22)
in den siedevorgang wird der siedende körper mit einbezogen. 2@aa)
als mengen- und maszbezeichnung, 'sud,
soviel als von einer sache auf einmal gesotten wird' Adelung 4, 496,
besonders handwerklich und technisch, s. bergmänn. wb. (1778) 543;
F. Richter
berg- u. hüttenlexikon (1805) 2, 482.
vgl. in gleicher bedeutung sod 7, gusz II 2: ein sud (gebräu) bier Kramer
hoch-niderteutsch (1719) 210; '
ein gebräude in einigen gegenden' Adelung 4, 496; Anton
Oberlausitzer wörter st. 13, 12; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 328
a; Staub-Tobler 7, 324; ein sud meht Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 807
b; ein sud seife Kramer
a. a. o.; Mozin
wb. d. frz. spr. (1856)
3 4, 793;
vgl. auch söd
zuckermasse, die auf einmal gekocht wird C. Schumann
Lübeck 61; sud '
was man auf einmal an butter oder fett einschmilzt'
; in Zürich ebenso vom hafer, der gesotten und gedörrt wurde, ehe man ihn zur mühle brachte Staub-Tobler 7, 324,
was beim metzger auf einmal gesotten wird ebda; ein sud fische
ein gericht fische Adelung. 2@bb) sud
ist der siedende körper selbst, die flüssigkeit im zustande des siedens: gott sei dank! die sud verdampfet in dem kessel, der allmählich ganz verstummt H. Heine 1, 444
Elster; eine bäuerin ... hatte einen kessel mit anke, welche sie auslassen wollte über dem feuer hangen. der kessel war gerade halb voll sud Grimm
deutsche sagen3 1, 228; den zerstörenden dämpfen des sudes (
d. i. zuckermasse) ausgesetzt
Westermanns jahrbuch 3 (1858) 634
a.
für den strom siedend heiszen blutes, ital. bollore vermiglio: so gingen wir am rothen sud von hinnen, aus dem die rotte der gesottnen schrie Streckfusz
Dantes hölle (1824) 130.
von metallischen körpern und dgl. in flüssigem, siedendem zustand: so schütt der stern ein sudt herausser in den lufft, derselbig auswurff facht an zu donnern Paracelsus
opera (1616) 2, 104
Huser; ich habe oft in den bergwerken, wo das silber geschmolzen wird, mit sehnsucht geharrt bis der glänzende sud hervordringt; man nennt es den silberblick Brentano
ges. schr. 8, 123; dein stab ... ich tauch ihn rasch in sud und glut Göthe I 15, 49 (
Faust 5741); ich könnte eher in den trichter des berges steigen, wo ein dichter, ein schwefelblauer brodem deckt roth lavakochen, nicht versteckt jedoch den sud im abgrundskessel Immermann 13, 248
Boxberger. technisch: sud '
die siedende entweder roh oder raffinierte lauge'
F. Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 482; sud '
mit gewissen dingen versetztes wasser, worin zeuge von dem färber gekocht werden, damit sie nachher die farbe besser annehmen'
encyclopäd. lexik. (1803) 9, 98. 2@cc)
die gesottene flüssigkeit als ergebnis des siedens die brühe, lauge, der absud; in dieser bedeutung erscheint der erste beleg für das wort: sut '
das gekochte'
in einem arzneibuch des 12.
jh., handschriftlich, bei Lexer
mhd. hwb. 2, 1328;
in zusammenhängender bezeugung seit dem ende des 16.
jh.: den bauch zu erwaichen muss man nüchtern die erst prüh oder den ersten sud von kOel oder von mangolt oder von pappeln ... trinken Sebiz
feldbau (1579) 81; die ... erbsen in reichlichem wasser abzusieden, den sud ... weg zu gieszen C.
F. v. Rumohr
geist der kochkunst (1822) 124; geistiges getränk ... palmsaft oder gegorner sud von reis J. H. Voss
antisymbolik (1824) 1, 56; '
brühe, suppe': doch speisen magst du wohl? vom spiesze bring ich den braten. versuchtest du gern den sud? für dich sott ich ihn gar (Siegfried ... schmeiszt ihm topf und braten aus der hand) R. Wagner
ges. schr. u. dicht. 6, 89; '
aufgusz': die schönere (
hälfte der gemeinde) sasz ... beim thee ... ein sud aus schlüsselblumen-, holder- und schleeblüte
[] Fr. Th. Vischer
auch einer (1879) 1, 367;
als '
heilkräftiger zaubertrank': zwar man raunt von wilden weibern, die mit sud und segensprüchen rettung bringen kranken leibern Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 201; du (
eine hexenartige alte) willst mir die Marie Ev verschaffen ... ? ... koch deinen sud für andere! P. Dörfler
d. notwender (1934) 102.
bildlich: fast zu viele fermente in dem episch-tragischen sude (
unseres buches) W. Raabe
Horacker (1876) 154.
in den mundarten vgl. noch: sud '
gesottene masse, brühe' Staub-Tobler
schweiz. id. 7, 324; sud '
gesottene milch' Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgeb. 2, 587
b; sut '
einbrenne' Stauf v.
d. March
nordmähr. ma. 90.
technisch: lixivium sud Trochus
voc. (1517)
bei Diefenbach 334
c; sud '
heiszt bey verschiedenen anstalten z. b. in den zuckersiedereyen, potaschensiedereyen und bei den färbern das product, welches durch das sieden gewonnen wird' J. H. Fr. Meinecke
technologisches hwb. (1818) 269; sud, sod '
die vitriollauge, welche genugsam gesotten ist'
bergmänn. wb. (1778) 543; Jacobsson (1784) 4, 351; sud für metalle '
lösungen von metallsalzen zum überziehen von metallgegenständen zwecks schutz', ... goldsud, silbersud, nickelsud ... Lueger (1894) 7, 585; (
man verwendet zur wollfärbung) 6 proc. ... aluminium oder 10 proc. alaun, sodasz die beizflotte (der sud) ... 0,2 proc. aluminiumsulfat enthält Muspratt
chemie (1891) 3, 21; der sud (
tanninextract) wird in bottichen geklärt v. Hesse-Wartegg
zw. Anden u. Amazonas2 489. 33)
von der anwendung 2 c
ausgehend erscheint sud
in besonderer, abgelegenerer bedeutung; so als '
schmutzige flüssigkeit, lache': dann holte sie den kleinen purzel aus der ecke, welcher dort jämmerlich im sude lag ... wusch und strählte ihn und zog ihm ein reines hemd und röcklein an G. Freytag
ges. w. 11, 234,
vgl. den gebrauch von in seinem sode seyn '
in unsauberkeit liegen' Anton
Oberlausitzer wörter st. 4, 11
sowie brühe 5
ende. — sud,
m., '
abfall von getreideähren' (
die abgesotten als viehfutter verwandt werden) Fischer
schwäb. 5, 1949; (
der hirte) darf in die scheune gehen, mitdreschen und von je 2 stück (
garben) ein viertel nehmen, musz aber sud und stroh liegen lassen
fränkisches gemeinderecht in den württemberg. vierteljahrsheft. 9 (1886) 227.
vgl. süd,
n., häcksel, klein geschnittenes stroh, spreu Ruckert
unterfränk. ma. 179,
sowie dieselbe bedeutung von sude, süde,
f., unten sp. 928, gesud, gesüd
teil 4, 1, 2, 4289,
und besonders gesod, gesöd
ebda 4127. 44)
zusammensetzungen mit sud-
erscheinen seit dem 14.
jh. (
s. u.),
durchweg in der form sud-,
nur vereinzelt süd-.
zur allgemeinen anwendung von sud 1 a
gehörig sind nur wenige, doch alte bildungen literarisch greifbar; bildungen ohne quellenangabe sieh an alphabetischer stelle.