stolz,
adj. geschichte und form: aa)
die verbreitung unseres wortes reicht vom hochd.-niederd. gebiet in ausstrahlungen nach Frankreich (
von hier aus nach England)
und Scandinavien: mhd. (
spätahd.)
nhd. stolz;
mndd. stolt (
afries. stult) —
altfranz. estout '
keck, kühn, stolz'
ist entlehnt aus dem deutschen, vgl. Diez
4 2, 577;
aus der franz. quelle stammt wieder engl. stout '
dick, stark, muthig, stolz'
und mndl. stout
animosus, theuton. bei Verwijs-Verdam 7, 2246; stout
ferox, arrogans, fastosus Kilian;
bemerkenswerth ist bei dem letzteren der in der bedeutung liegende hinweis auf die entlehnung zur zeit der höfischen kultur, gegenüber dem einheimischen stolt (coene, moedich, menlick)
audax, animosus, cordatus ebenda (
s. im übrigen unten) —
nach Scandinavien drang einmal das hochd. stolz
zur höfischen zeit: þó þeir væri svá stolz, at þeir gjørði lønd sin helgari en aðrar jarðir í Breitafirði
Eyrbyggja saga 9,
und noch charakteristischer, wenn es sich in der þiðr. s. findet: svá styrkr ok stollz 112 (
über stolz
in den volksliedern jüngerer papierhandschriften vgl. S. Bugge
n. folkeviser 68; 90
und S. Grundtvig
d. g. folkev. 4, 471
f.) —
in einem anderen strome gelangte unser wort zur zeit der kirchlichen reformation nach dem norden und, bedeutsam genug, dieses mal in niederdeutschem gewande: schwed.-dän. stolt (
spätan. stoltr) —
dial. norw. staut,
dän. stout
sind junge entlehnungen aus dem englischen (
bez. holländ.). —
keine beziehung zu dem german. begriffsinhalt unseres worts hat ital. stolto (
s. weiteres darüber unten). bb)
den zusammenhang mit lat. stultus (stolidus)
zu suchen, lag schon gelehrt-volksthümlicher sprache nahe, um eine billige wirkung in sprichwörtlicher redensart zu erreichen: stultus und stolz wächst gern auf einem holz Stieler 2177,
vgl. Prätorius
der abenteuerliche glückstopf (1669) 281 (
wobei hier gleichgültig ist, ob das adj. oder das subst. gemeint sei): bei dem stolz man narren kennt, denn stolz von stultus wird genennt, die Teutschen hand verstanden wol, wie man die hoffart nennen sol
theatrum diabolorum 369
a (
vgl. auch Wille
die sittenlehre in denksprüchen der Deutschen 18).
und so auch sonst: wie man sie zu latein nennet die stolidi inflati, auff teutsch stoltze vnfläter Spangenberg
gansskönig 8. —
einen sprachlichen zusammenhang glaubte Stieler
aber nicht annehmen zu dürfen; doch den neueren hat er sich immer wieder aufgedrängt: Prellwitz (Kuhns
zs. 42, 91)
empfand den lautlichen anklang an lat. stolidus;
versuche, den anstosz an der schwierigkeit, welche die mhd. bedeutungen unseres wortes gegenüber der herleitung aus lat. stultus
bereiten, zu beseitigen, sind wiederholt gemacht worden, so indem man für nhd. stolz
den weg vom lat. wort über die bedeutungen '
unbesonnen —
übermüthig —
anmaszend —
vornehm —
steif'
annimmt. —
als den kulturkreis, in welchem diese entwicklung vor sich gegangen sein müszte, wird man zunächst das mönchthum zu denken haben, wo stultus (stolidus)
eine schlagwortartige verwendung fand, um die thorheit und eitelkeit aller weltlust etwa zu bezeichnen. doch diese hier hinzugefügte kulturgeschichtliche erwägung macht die übernahme des wortes durch die höfische sprache nur unwahrscheinlicher. wenn gleichwohl unter d)
die annahme der entlehnung wieder hervorgestellt wird, so geschieht es auf einem anderen grunde. cc)
mit rücksicht auf die schwierigkeit einer kulturgeschichtlichen erklärung des entlehnungsvorganges aus lat. stultus
hat man für unser wort heimische verwandtschaftsbeziehungen gesucht. sprachlich und begrifflich gleich nahe lag da die sippe von stelze,
fem. (
s. oben; als ahd. stelza,
mhd. stelze,
ndd. stölte,
dän. stylte,
engl. stilt),
wozu dann stolz
im verhältnisz des ablauts steht. (
kirchenslav. stolbŭ
[] '
säule'
mag weiter verwandt sein, vgl. Prellwitz
in Kuhns
zs. 42, 91). Mor. Heyne
hat dann auf dem grunde der alleinstehenden ahd. glosse der fursten stolze
arehitriclinus (Graff 6, 679;
vielleicht nur verderbt aus stuolsâʒo,
vgl.dem hêrsten stuolsâʒen
architriclino, diutisca 2, 42;
kaum schon kürzung wie nhd. schulze
aus ahd. scultheiʒo
u. s. w.)
das kulturgeschichtliche bild gezeichnet: den vornehmen herren in der halle, welcher auf dem hochsitz (
architriclinium)
seinen platz hat, im gegensatz zu der auf den tiefer geordneten plätzen untergebrachten gefolgsmannschaft. —
man wird die tragfähigkeit dieser einen ahd. glosse nicht überschätzen dürfen, aber gleichwohl nicht daran zweifeln, dasz die beziehung zu stelze
mannigfach unser wort beeinfluszt hat. dd)
doch daneben wird man zur annahme einer entlehnung aus dem lateinischen gerne zurückgreifen, wenn nur dieser vorgang irgend eine genügende kulturgeschichtliche erklärung zu finden vermag. zunächst musz die zeit der entlehnung (
wegen der hochd. verschiebung des t
zu z)
vor dem 6.
jahrh. liegen; damit wird der vorgang aber fast mehr in weltliche als in kirchlich-klösterliche kreise zu verlegen sein. im kreise der vermuthungen bietet sich da als ein naheliegendes der widerstreit des germanischen und antiken bildungsideals, wie er z. b. in dem einspruch der gotischen edlinge gegen die römisch-gelehrte erziehung des Athalarisch von Procop (
de bello goth. 1, 2)
uns überliefert ist (
diese vorstellungen aber waren stark genug, dasz Amalasvintha erschreckt ihnen nachgeben muszte)
: voll trotz haben vielleicht die vornehmen Goten, welche an der väter art und sitte mit nachdruck festhielten, diese ihnen von den vertretern antiker gelehrsamkeit gegebene spottbezeichnung stultus, stolidus (
vgl. indocti stolidique et depugnare parati Julian
bei August.
op. imperf. contra Julian. 2)
als eine ehrenbezeichnung für sich angenommen (
ein mehr im lichte der geschichte liegendes beispiel diene zur erhellung: ähnlich schöpften die gegen masznahmen der spanischen regierung protestierenden niederländischen edelleute aus dem hohnwort des grafen Barlaimont: ce n'est qu'un tas des gueux!
auf vorschlag des grafen Brederode
mit begeisterung als künftige bezeichnung für die bundesmitglieder den namen gueusen, geuzen,
aber doch eigentlich '
bettler').
so braucht man nicht eine vorgeschichtl. entwicklung von lat. stultus (stolidus)
über die begriffe '
unbesonnen, übermüthig, anmaszend',
zuletzt '
vornehm, steif'
bis zu mhd. stolz
anzunehmen; so erklärt sich aber auch aus dem umstande, dasz es sich um eine gotische prägung handelt, warum das ital. stolto
so gar nichts von dem germanischen begriffsinhalt unseres wortes aufnahm (
aus diesem grunde also kann die begriffsumbildung nicht im langob. liegen, denn dann wäre sehr wahrscheinlich die spiegelung dieses vorganges im italienischen zu erkennen). —
wir hätten hier aber in der übernahme dieses mit neuem inhalt erfüllten wortbegriffes (
zunächst wohl)
durch die Oberdeutschen ein neues beispiel für die auch sonst (
so auf dem gebiete der kirchlichen institution, der heldensage)
nachweisbaren gotischen beziehungen dieser stämme. —
unter den weiteren lehnwörtern weisen besonders alterthümliche bedeutung auf afranz. estout '
kühn' (
auch in der weiteren ausstrahlung nach England als stout '
stark')
und estotoier,
verb., '
miszhandeln' (
vgl. provenz. estot
für estout),
wie es vornehmer herren art leicht sein kann (
vielleicht auch hierin der hinweis auf eine herrschende kaste). — W. Bruckner (
zs. f. deutsche wortf. 13, 152)
nimmt mit rücksicht auf die bedeutung von franz. estout
und unserm stolz
als grundlage ein vulgärlat. *extultus (
für elatus;
belegtes tultus, toltus
aber nur in dem sinne von ablatus du Cange 8, 120
b,
so auch abstultus
ebenda; auch die ausschlieszlich in dieser bedeutungsrichtung sich bewegende bildung mlat. toltura
bereitet der annahme nicht sonderlich den boden).
ital. stolto (
zu lat. stultus)
wäre dann überhaupt davon zu trennen. ee)
unter dem formalen unseres wortes steht vereinzelt die schreibung stulczes lebene
im Alsfelder passionssp.; sonst ist in der steigerung hervorzuheben die den umlaut führende form compar. stölzer:
zu belegen bei Seb. Brant, Luther, Ayrer, Fischart, Logau, Grob, Butschky, Gottsched
und E. v. Kleist;
unter den wörterbüchern [] als ausschlieszlich bei Stieler;
neben stolzer
bei Steinbach 2, 720;
superlat. stölzester Stieler; das stölzste
bei Grässe
jägerbrevier. —
umlautlos: compar. stoltzer
bei Sleidanus, Ramler, Klopstock, Vosz
und seitdem in der schriftsprache herrschend wie der superlat. der stolzeste (die stoltzten kinder
Reinicke Fuchs von 1650).
s. im übrigen die belege unten. bedeutung: die abschnitte 1
bis 3
weisen die grundlinien der entwicklung auf. mannigfaltige schillerungcn der bedeutung hindern aber hier wie im folgenden eine straffe anordnung des materials. von abschnitt 4
folgt das schema der syntaktischen erscheinung und nur im untergrund hält sich das farbenspiel des bedeutungswandels. so wurde ein überblick des materials ermöglicht. 11)
animosus, fastosus, superbus; als ausdruck tüchtiger mannesart, eine deutliche spiegelung der ausgangssphäre des wortes; als grundzug von gebärde und geste des heldenthums: der lantgrâve ist sô gemuot, daʒ er mit stolzen helden sîne habe vertuot, der iegeslîcher wol ein kenpfe wære Walther 20, 11;
und wort und begriff ist seitdem nicht verloren gegangen: wohin ist mancher stolzer held, der künheit halb vor kein dürfft weichen? Kirchhof
wendunmuth 2, 46; gern läszt es dem stolzem held seine kronen Pfeffel
poet. versuche 1, 11; vor dir gebücket knien auch stolze helden maler Müller 1, 331; viel stoltzer ritter
buch der liebe 80
a (
Wigalois 8940; Blumauer
gedichte 56); so ward im zu mynne von ir ain zartes kussen kunt an seinen stoltzen ritters munt Heinr. v. Neustadt
Apollon. 18552; die ritter ziehn herbei aus fernem gau, die hohen säle füllen stolze gäste A. v. Droste-Hülshoff 2, 210. stolz
deutlicher auf dem grunde von vorrechten der geburt (
und sozialen stellung),
vgl. die zusammensetzung adelstoltz
superbo, altiero, fiero per la sua nascita Kramer
dict. 2, 983
b,
und bis zu '
anmaszend, hochfahrend'
nur ein kleiner schritt: die stolzen herren (Alexis
Roland von Berlin 1, 30);
so bei Luther
in der miszverstandenen stelle: er ist gott, seinen zorn kan niemand stillen, unter jm müssen sich beugen die stoltzen herren
Hiob 9, 13; ich floh die stolzen granden, die sich den ersten stamm Europens wähnen
Z. Werner
Martin Luther 45.
so: ein fauler stolzer adel Klinger
werke 3, 67. 1@aa)
als selbverständlich und berechtigt empfundener einschlusz im begriff vom fürsten (
der doch den anderen vorgeordnet ist) ein stolzer fürst (O. Ludwig 5, 345): sach sitzen einen herren prechtig, herrlicher geberd, stoltz, fürstmechtig Hans Sachs 1, 438
Keller; so denn auch von Christus, dem himmelskönig: Christus ist so stolcz und ein sölcher eyfferer, das er keinen andern uff seinem stul wil siczen lassen Luther 10, 3, 373
Weim.; von gott: got ist zu stoltz, er ist der oberest lehenher 27, 236
Weim. — du hast stoltze (
gloriosos Vulg.) könige gestürtzt aus ihrem bette und umbbracht
Jes. Sir. 48, 2; den stoltzen künig Baltasar H. Sachs 1, 435
Keller; Ludwig war gedemüthigt, wie vielleicht nie ein stolzer könig gedemüthigt war Herder 23, 35; der stolze herzog Göthe 8, 75
Weim.; der stolze Ludwig thut, was er nur weis und kann, die flammen stärker anzublasen Gottsched
gedichte (1751) 1, 18; ich stand dabei, als in Toledos mauren der stolze Karl die huldigung empfieng Schiller 5, 1, 7 (
don Karlos 1, 1).
nun auch: der stolze millionenreiche handelskönig Seidel
Leberecht Hühnchen 9. 1@bb) der stolze
mann (
vgl. Habacuc 2, 5)
im vollgefühl seiner männlichkeit, im bewusztsein seiner kraft; doch dann auch prächtig und stattlich durch kleidung und rüstung, wuchs und ansehen: da sach man manchen stoltzen
[] mann zuo rosz das best thuon Wickram 1, 33 (
vgl. ebenda die spiegelung ir dunckend mich ein stoltzer und kner mann sein, derhalb ich an euch beger, ir wOelt ein ritt oder drey mit mir thuon; dann ich meinem herren versprochen hab, ... der erst und manlichest held, so mir heut zuo gesicht kummet, mit dem wil ich mein heyl versuochen); der stoltz schwartz man
Thedel von Wallmoden 380; da (
vor Troia) bliben ist manig stoltzer man Schaidenraisser
Odyssea 52
a; ich will ja zu den füssen dieses stolzen mannes nur gott noch einmal danken Lessing 3, 76 (
Nathan 3, 2); denn der stolzeste mann schmeichelt dem pöbel und kriecht Göthe 5, 270
Weim. (
vgl. auch 43, 66); stolzer mann, vertrau den wogen nicht in deinem glücke Körner 1, 265;
und auch hier schon in der bedeutung von '
übermüthig'
schillernd: Wilhelm Thell, du bist ein stoltzer mann, warumb hast mim huot nit eer anthan?
schweiz. schausp. 3, 25, 241;
vgl. (
der vorwurf,) er müsse ein stoltzer kund seyn, dasz er vor jhm den hut nicht abneme Harsdörffer
frauenzimmergesprechsp. 1, O 1
a. 1@b@aα)
auch von vertretern einer nation, besonders ein stolzer
Römer (Anton Ulrich von Braunschweig
Octavia 1, 726); stolzer Spanier! Schiller 4, 27;
vom bürgerthum: (ein) stolzer freireichsstädter O. Ludwig 5, 345; aller hochtrabenden reichen zirkel der stolzen Frankfurter (ungeachtet) E. Solger
nachgel. schr. 1, 22; ach ihr stoltzen Hamburger, hättet ihr mich zu eurem bürgemeister gemacht, ... Weise
drei erznarren 25
neudr.; ein burger ist besser als ein baur; drumb so müssen sie stöltzer sein und müssen trincken bier und wein und treiben desto gröszern pracht Ayrer
dramen 1, 75 (
erbauung Roms 3).
doch die stolzen paurn Liliencron
hist. volkslieder 2, 514, 4 (
auf den Landshuter krieg 1504)
und im bauernkrieg: sihe, wie stoltz die baurn, wie verzagt die herrn waren ynn dieser nehisten grewlichen aufrur Luther 19, 224
Weim. (
vgl. die zusammensetzung baurenstoltz
rustico borioso, chi hà boria villana, rustica ò contadinesca Kramer
dict. 2 [1702], 983
b). 1@b@bβ)
noch deutlicher kehrt jugendliche kraftfülle, freude am geputzten kleid und mannichfachem aufwand hervor (
besonders in der sphäre des liebeshandels) ein stolzer
knabe (Mone
schauspiele 1, 102, 702; Montanus
schwankbücher 10; 34; 42; 396; 408
u. ö.; Brunner
erzählungen 1, 101.
vgl. oberhessisch ě stolzer borsch Crecelius 812): du bist nicht werth, du stoltzer knab (
als personification des nomens), dasz du habst die geringste gab Gilhusius
grammatica (4, 3) 104; so solls den stolzen knaben gehn die trachten nach groszem gut Herder 25, 134; geswind vand er einen stolzen jungherren Seuse 14
Bihlmeyer; ein junger reicher stoltzer mann Hans Sachs 6, 137
Keller; stoltzer jüngling
juvenis superbus Maaler 389
d; see hin, du stoltzer jüngling fyn, und lasz hie dynen zorn usz syn!
schweiz. schausp. des 16. jh. 1, 65, 193; do was zuo den gezeyten ein stoltzer jüngeling
hürnen Seyfried 13
neudr. so auch ein engel: ein stoltzer himelscher jungling Seuse 139 (
so auch 21; 53)
Bihlmeyer. 1@cc)
besondere erwähnung finde der stolze
bettler, welcher im kampfe mit seinem selbstbewusztsein, vor fremden thüren gaben heischen musz (
s. auch bettelstolz,
adj., th. 1
sp. 1732): es ist nichts verdrieszlicher, als ein stoltzer bettler, und ein reicher geitzhals
non vi è di più amaro ch'un povero superbo ed un ricco avaro Kramer
dict. 2 (1702), 983
a; wir sind stolze bettler Caroline 1, 48; es giebt
[] stolze bettler, mein herr graf, überaus stolze bettler! Bauernfeld
ges. schr. 2, 160; der stolze held sieht mit erstauntem blicke den stolzen bettler an Ramler
fabellese 3, 238.
vgl.man findet manchen bettler, der das brod fur der thur nimpt, so stoltz und böse als kein reicher Luther 32, 307
Weim. 1@dd)
allgemein ein stolzer
mensch huomo superbo Kramer
dict. 2 (1702), 983
a (
auch: hieraus merkete Axel schon, mit was stolzen leuten ers zu tuhn haben würde Bucholtz
Herkuliskus 19): es vergnügt sie, einen stolzen menschen wie ich bin an ihrem fuszschemel angekettet zu sehen Göthe IV 1, 146
Weim.; auch dasz er den kopf mehr hoch als nieder getragen und dadurch auf manchen den eindruck eines stolzen menschen gemacht habe Kerner
bilderbuch 20.
als ausdruck sittlicher höhe: ein stolzer mensch verlangt von sich das auszerordentliche Ebner-Eschenbach 1, 41. (
emphatisch)
als die krone der schöpfung: der stolze mensch wehret sich, sein geschlecht als eine solche brut der erde und als einen raub der alles zerstörenden verwesung zu betrachten Herder 13, 8; diesz hoffe, stolzer mensch; erkenn indesz dein glücke, und misz das schicksal nicht nach deinem kurzen blicke
N. D. Giseke
poet. werke (1767) 4; wir stolze menschenkinder sind doch recht arme sünder
Mildheim. liederbuch 32. 1@ee)
eine neue sphäre erobert sich unser wort in verwendungen wie der stolze
gelehrte u. ä.: eyn predigt ... vor die stolczen, homutigen geyster Luther 34, 2, 98
Weim.; ideo ist
s. Paulus so ein stoltzer prediger 29, 10
Weim.; ein stolzer pfaff (Hans Sachs 17, 80
Keller-Götze); stolze und mit groszer weisheit ausgefüllete läute Bellin
hochd. rechtschreibung (1657) b 2; ein stoltzer philosophus, der sich auszthun und rühmen dorfft, ihm were nichts in keiner kunst verborgen Calepinus 151
a; stolze plauder- und polterköpfe Lichtenberg
nachl. 90; unverstand des glaubens macht stoltze heuchler und ketzer Dannhawer
catechismusmilch 1, 9; namentlich jurisprudenz und philologie hatten hier (
in Göttingen) lange ihre stolzesten vertreter Laube 1, 71; er ist nichz vor meim stolzen schreiber
fastnachtsp. 620, 5; es steigt der stolze candidat mit gröszerm trotz auf Themis stuffen Gottsched
gedichte (1751) 1, 178; ich lache ob den hochgelahrten affen, die sich aufblähn zu stolzen geistesrichtern Heine 1, 59. 1@ff)
mit collect. begriff, entsprechend mhd. vil stolziu rîterschaft
Nib. 6, 2: die stolze reuterey, die sonsten grosz gethan, kam flüchtig und getrennt für diszmal unrecht an Heräus
gedichte 37; mit stolzer mannschaftszahl
Reinicke Fuchs (1650) 18; stolze übermacht Thümmel
reise 1, 3; die stolzeste europäische nation (
die Engländer)
schlesw. literaturbr. (14) 109, 8
lit. denkm.; das kleine mädchen, einer adeligen, stolzen und höchst orthodoxen familie angehörig Keller 1, 47; du triff mit des speers hinschmetternder wucht das stolze geschlecht des Herakles Strachwitz
gedichte 21. 22)
in weiblicher sphäre wird bei aller parallelen entwicklung zu 1
doch der begriff des in kleidung und schmuck prächtigen besonders hervorgekehrt: stolze
frau (
Jesaja 32, 9; 11);
die stattliche haltung des körpers wird auch hier hervorgehoben oder doch stillschweigend vorausgesetzt: und sie werden euch und ewere stoltze hochtragende frawen neben den hundtschlagern setzen Paracelsus
opera 1, 142;
auch im folgenden ist dieses '
sich hochtragen'
und nicht blosz ein '
voller busen'
gemeint; ir hals was sinewel als ain zain, schne weysz als ain helffenpain. si was so stoltz umb die prust: es hett ainen siechen man gelust ir vil sussen mynne, ob er wär pey den synnen Heinrich v. Neustadt
Apollon. 15072; wenn es nur keine von den stolzen weibern ist, die voll von ihrer tugend, über alle schwachheiten erhaben zu seyn glauben Lessing 2, 301 (
Sara Sampson 3, 2);
[] dem stoltzen weib zu einer schand Hans Sachs 1, 114
Keller; ein seuberliches stoltzes weib
pfarrer von Kalenberg 37 so ist das stolze weib nun asche, grausz und staub? Lohenstein
Ibrahim Sultan 89;
auch: eine der stolzesten courtisanen ..., die man jemals in Rom reich und beliebt gesehen hatte Göthe 43, 147
Weim.; sie ging langsam, wie eine stolze südländerin ... zu einer gruppe herren und frauen Stifter 1, 60. —
hier besonders hat unser wort die bedeutung von '
üppig in der tracht, schön gekleidet'
angenommen vgl. eichsfeld. štols
schöngekleidet Hentrich 38. 2@aa)
entsprechend oben 1 a eine stolze
königin (
vgl. Dähnhardt
griech. dramen 1, 168): eine stolze Semiramis Börne
ges. schr. 2, 29. — die sanfte Venus geschickter zum ideal weiblicher schönheit als die stolze Juno Meiszner
skizzen 1, 24; und dasz sich die hohe stolze Juno, Jupiters gemahlin, von den schweifen ihrer pfauen einen federbusch gemacht Göthe 4, 319
Weim.; auch sonst in der erhabenen personification kein priester seiner stolzen göttin (
der dramatischen kunst) Freytag 14, 35. 2@bb)
mit der nebenbedeutung von '
spröde, zurückhaltend' die stolze
jungfrau (
vgl. Hans Sachs 18, 16
Keller-Götze; Caroline 1, 79),
welche in der pracht und schöne ihrer jugendfülle auf sich hält, sich nicht fortwirft: eine stolze jungfer Grob
dicht. versuchg. 22; eine stoltze dirne
una superba, superbaccia, che stà sulla reina Kramer
dict. 2 (1702), 983
a; die stolze tochter Schiller 13, 350; des stolzen mädchens grotte maler Müller 1, 125;
oberhess. ě stolz mâdche Crecelius 812;
gött. en stolt mæken Schambach 212
a; die stolze königstochter aber, als sie vernahm, dasz er ihr nicht ebenbürtig war, verschmähte ihn
kinder- und hausmärchen 17; wer gesach ie stolczer meid?
Alsfelder passionssp. 29, 938.
der sittliche grund wird deutlicher: (
so) hat deine untreue das stolze mädchen zur hausirerin gemacht Holtei
erz. schr. 2, 49; als ein herrliches, stolzes, blühendes kind war sie gegangen, als eine blasse, stille, scheue frau kam sie zurück Ebner-Eschenbach 4, 181; ich raitt ains tags allaine bis das ich dört ersach ain stoltzes diernlin raine Hätzlerin 14; ich weisz mir ein stoltze müllerin
Gargantua (1) 34
neudr.; es war eine stolze jüdin, ein wunderschönes weib Mittler
volkslieder 183.
auch: stoltze schönheit
bellezza superba Kramer
dict. 2 (1702), 983
b; sucht nun ein kleiner sturm die stoltze schönheit heim, und fällt die sehnsucht selbst auf liebes honigseim; so läst sie endlich noch den eigensinn bezwingen, dasz man ihr den und den zum freyer möge bringen Henrici
gedichte 3, 448; dich zu wecken aus tiefem wehmutsschlummer, stolze schönheit Pocci
kommödienbüchlein 4, 4.
neben spröde: die stolze, spröde männerfeindin Holtei
erz. schr. 3, 33,
neben edel: juncvrowe edele unde stolt, ich was di ie von herzen holt
Katharinenspiel 131, 68,
besonders neben jung: so pin ich hübsch, junck und stolcz, so kan ich den leuten nichts geweren, sie haben wolgefallen an mir Albrecht von Eyb
deutsche schr. 1, 28; ain schöne klosterfraw und lept noch auf das 66. jar und ist jung und stoltz
deutsche städtechron. 5, 139, 10. 2@cc)
aus dem vorigen ergiebt sich leicht stolz '
unartig, eigensinnig, ungehorsam': e stolz kenk (
kind) Müller-Weitz
Aachener mundart 237;
vgl. holld. een stout kind. 33)
die bedeutung '
anmaszend, übermüthig, überhebungsvoll'
wird besonders entwickelt von verwendungen wie der stolze
feind u. ä.: der stolze feind, der deine brüder unterdrücket, ist allein deiner überwindung würdig
[] Weiszkern in der
samml. von schauspielen 1, 4 (Klinger
werke 3, 76); wie lang sol denn mein stoltzer feind sich vber mich erheben Ringwaldt
handbüchlin a 11
a (
vgl. Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 414
a); gleich in dem frühling seiner jugent er also schlug die stoltze feind Zinkgref
auserles. ged. 37
neudr.; er machte durchs gebet mehr als durch macht der waffen, wie ehmals Constantin, dem stoltzen feind zu schaffen Neukirch
anfangsgründe (1724) 872; geschwenkt von eines helden arm hat dieser panner manchen schwarm der stolzen feind in mancher schlacht, wie scheues wildpret, weggejagt Stolberg 1, 98. 3@aa) der stolze
tyrann (Hans Sachs 1, 225, 11
Keller)
u. s. w.: was trotzest du, stolzer tyrann, dasz deine verkehrte gewalt den armen viel schaden thun kann? P. Gerhardt
gedichte 2, 1
Ebeling; du sprachst den stolzen purpurnen tyrannen ins antlitz hohn Schubart
gedichte 2, 309; es wird die sache selbst ernst gnug mit sich bringen, das den zornigen, trotzigen, stoltzen eissenfresser die zeen so stumpff sollen werden, das sie nicht wol frische butter beissen konnen Luther 19, 648
Weim.; aber ich bin seer zornig, vber die stoltzen heiden
Sacharj 1, 15; gott hat der stoltzen heiden wurtzel ausgerot (
radices gentium superbarum destruxit deus Vulg.) und demütige an jre stet gepflantzet
Jes. Syr. 10, 18; warf aber gleich sein zorn mit euch viel tausend stolze Franzen nieder Neukirch
gedichte 7; dem stolzen Gallier ein vorbild eigner siege! Ramler
lyr. ged. (1772) 132; auffhube er seine hand, und warff mit der schleuder, und schlug den stoltzen Goliath (
exultationem Goliae Vulg. entsprechend γαυρίαμα τοῦ Γολιάθ Sept. 47, 4) darnider
Jes. Syr. 47, 5; da thetten sie bei Andernach ein treffen, und schlagen den stoltzen Calvum in die flucht Franck
chron. 83
a; ich aus keiner hoffarth den stoltzen Haman nicht habe wollen anbeten
engl. comedien und tragedien (1624) D 8
b. 3@bb)
vom tod und vom teufel u. s. w.: der stoltze teuffel Luther 26, 348
Weim.; den stoltzen teuffel sol er (
Christus) treten unter sich Schmuck
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 1, 70; den bogen auch, und kocher er ihm gleich warf zu fewr, lacht ausz den stoltzen pocher (
den tod) sampt seinem grabgemäur Spee
trutznachtigall (1649) 58; die niederlage hier schreyt mord. — o stolzer Tod (
o proud Death), welch fest geht vor in deiner ewgen zelle, dasz du auf einen schlag so viele fürsten so blutig trafst?
Shakespeare 3, 362 (
Hamlet 5, 2);
auch: schau den menschen, o du schnöde, frech und stoltze, böse welt Bäumker
kathol. kirchenlied 1, 499; stolze hölle! wo ist dein sieg? Matthisson
schr. 1, 19. 3@cc)
hierher auch: dasz seine freunde, die stoltzen spötter, sich müssen für jhm demütigen
theatrum diabolorum (1569) 43
b; von dem verachten frommen Aschenpössel und seinen stoltzen spötischen brüdern Rollenhagen
froschmeuseler B 1
a. — ein bube auffm ros (
id est tyrannus), ein bubin auffm schlos; ein laus ym grind sind drey stoltze ding Luther
sprichw. 476;
vgl.da hielte ich mich wie das alte sprichwort lautet: ein schneider auf eim rosz, ein hur aufm schlosz, ein laus auf dem grind seynd drey stoltzer hofgesind
Simpl. 3, 65
Kurz. 3@dd)
als. adjectiv. bestimmung einer schelte, in der bedeutung '
hochfahrend, eitel, groszthuerisch, anmaszend'
[] u. s. w.: si dico: ego sum doctior, tum sum ein stoltzer tropff Luther 34, 2, 162
Weim.; ein stoltzer narr
un pazzo superbo, un superbaccio, arrogantaccio Kramer
dict. 2 (1702), 983
a; und wölcher sündtlichs rms begert, der ist ains stoltzen narren wert Schwarzenberg
teutsch Cicero 159; du bist ein alter grober hund! ein aufgeblaszner, stolzer kund! Dähnhardt
griech. dramen 2, 209,
vgl. kunde 3 b (
th. 5
sp. 2621); der pfaffen (seht nur zu) ihr huren und auch kinder, die sie zur welt gebracht, das seyn die stoltzten rinder
Reinicke Fuchs (1650) 262,
vgl. rind 6 (
th. 8
sp. 962). ein stoltzer esel
stulte arrogans Apinus
gloss. 206; etliche meyneten, wo es hertzog George wüste, das er (
Myritianus) ein solcher stoltzer esel were, er würde yhm die collegiatur widder nemen Luther 26, 552
Weim.; bistu ein stoltzer frecher esel, so far hin 27, 283
Weim. (28, 531
Weim.); die hoffertigen stoltzen esel 34, 2, 342
Weim.; ein armer redet weiszlich, der wird doch weder gehöret noch angesehen; ein stoltzer esel wird herfür gezogen, geehret, gehöret, und gelobet, weil er gelt hat Moscherosch
gesichte 2, 252. —
von der frau: ein stoltzes aas Stranitzky
ollapatrida 337
Wiener neudr.; ist eine dienstmagd, die durch heirathen oder anderem glük zu ehren kommt, dasz sie selbsten frau wird und dienstboten halten kan, so ist kein stoltzer thier auf erden, als eben sie
Reinicke Fuchs (1650) 163; und fürwahr, es ist kein stöltzer thier auf der welt, als ein weib, welche auch mit ihrem hochmuth die sünde in die welt eingeführet, denn sie wolte gott gleich seyn J. B. Carpzov
leichpredigten (1698) 98; oft will sie erbar thun, und erwirbt sich den namen eines stoltzen thieres, welches sich selbst nicht kennet
vernünft. tadlerinnen 2, 20; kein stöltzer thier lebt hie auf erden denn wenn ein magd ein fraw thut werden Eyering 3, 140.
allgemeiner: wenn ich erwäg, wie ein schwach und geringe ankunft des aller stoltzesten thyers, des menschen, ist, so beschämme ich mich Eppendorff
Plinius 7, 11. — das mochte myr eyn stolczer vogel seyn, qui plus habet toto mammone Luther 29, 406
Weim. 44)
der besondere bedeutungsinhalt unseres wortes spiegelt sich in beigeordneten begriffen von oft tautologischem werte: sie ist stolz und
edel Schiller
don Carlos 2, 15 (
als scenar. bemerkung 2, 8). —
dagegen: wiewol das war ist, das kain volk auf erdtrich ist stoltzer und hoffertiger (
als das englische)
Fortunatus (1509) 102
neudr.; die selbigen hoffertigen stoltzen rültze Luther 23, 687
Weim. (29, 498
Weim.); ein sehr reicher, aber stoltzer, hoffertiger mensch Frey
gartengesellschaft 39, 28 (Sleidanus
reden 73
Böhmer); den sohn dieses stolzen und hoffärtigen mannes nun als knecht im hause zu haben ..., war für ihn ein köstlicher gedanke
M. Meyr
erzählungen aus dem Ries 1, 65. — Arsace aber war ein schön, lang, gerad weib, darzu
hochmütig und stoltz, und das darumb, dann sie war eines grossen königes schwester
buch der liebe 207
c (Ayrer
processus juris 230).
edler: ein stolzes, hochfahrendes, leidenschaftliches mädchen O. Jahn
Mozart 1, 371 (
vgl. Schweinichen
denkwürdigkeiten 461). — schön leut, die sich selbs kennen, werden stolz und
übermütig S. Franck
sprüchwörter (1545) 1, 100
b (Hedio
chronicon G 6
a; Hertzog
schildwache G; Xylander
Polybius 52; ein stoltz vbermütigs weib Lindener
katzipori 75; ein stoltze, vbermütige gebieterin Stumpf
Schwytzerchron. 9
a; prechtig, stoltz und ubermütig H. Sachs 21, 220
Keller-Götze; man hat jmer gesagt von dem stoltzen Moab, das er seer stoltz sey, hoffertig, hohmütig, trotzig und vbermütig
Jerem. 48, 29. 4@aa)
in älterer sprache stolz und
geil (
übermüthig, üppig, muthwillig th. 4, 1, 2
sp. 2583
unter 2): sonst wenn wir den begirden den zaum zuo lang lassen, das geile stoltze fleisch nicht hinder sich reissen, ... so thuots kein guot Heyden
Plinius 210; eine solche rache, welche durch veränderung das gar zu geile und stoltze glück castriret und demütiget Butschky
Pathmos 24; sie sind wol hie stoltz, bösz und geil Scheit
frölich heimfart D 3
a;
[] vgl. des wart si stolz unde geil
Flore 506. 4@bb) stolz und
eitel u. ä. zusammenstellungen: stolz, eitel, wankelmüthig Musäus
volksmärchen 1, 5
Hempel; er, als ein stolzer und eitler mann, hatte gehofft, dasz in diesem sohne der glanz seiner familie sich neu beleben sollte Tieck 19, 4; die tapferen, aber eitlen und stolzen Franzosen Scherer
litteraturgesch. 79. — hütet euch ... vor der eitlen kleiderpracht, die euch stolz und
aufgeblasen macht Miller
predigten für das landvolk 1, 29; aufgeblasener und stolzer als ein heidengott Fr. L. Schröder
dram. werke 1, 13. 4@cc)
im unbeugsamen, widerstrebenden element (
ein wesentliches in der physiologie unseres wortes): so stoltz und hart, das sye nit künnen die liebe ertzeigen Luther 10, 3, 218
Weim.; in seiner eltern hause ... sind alle stolz und
hart Fontane I 5, 56; je meh gelehrter, je verkehrter und hingegen: je ungelehrter, je unverschampter, stöltzer, herter Fischart
die gelehrten 337
Kurz. neben kraus (
widerstrebend, unwirsch th. 5
sp. 2091
unter 6 a): die hoffart musz ich (
Luther) haben und von der hoffart soll niemands mich bringen und kond ich alhier nur kraus und stoltz gnung sein, es were guth, den ich stehe nit auf mihr, sondern auf einem, der heisset Christus, auf den bin ich gedauft Luther 33, 529
Weim. —
neben störrig, trotzig
u. ä.: die düringische baurn hab ich selbst erfaren, das, yhe mehr man sie vermanet und leret, yhe storriger, stoltzer, toller sie wurden 18, 391
Weim. (
vgl. Fischart
ehzuchtbüchl. 238
Hauffen); jhn für ainen trutzigen, stoltzen, unbestendigen schifer ausgeben Nas
antipap. eins und hundert 2, E 8
b; (
er war) dem anschein nach verdrieszlich, unfreundlich,
trotzig und stolz für leute, die ihn nicht sehr genau kannten Zimmermann
über die einsamkeit 1, 259; stolz und trotzig gegen alles, doch vom schönen unterjocht Platen 1, 123; deum, qui juvat den nidrigen und zubricht, was gros und stoltz ist Luther 34, 1, 566
Weim.; steiff, stoltz und hönisch Mathesius
Sarepta 10
b; von natur gewaltthätig,
unbiegsam und stolz, ist ihm abhängigkeit unerträglich Göthe 40, 39
Weim.; vgl. den stolzesten und unbeugsamsten wählen Häusser
deutsche gesch. 2, 653. — seyd ihr dann nun so stoltz und ungedultig, o Lucidor, dasz ihr nicht warten könt Schupp
schr. 309. — stolz und kühl
vgl. Lessing 10, 243; stolz oder menschenscheu Knigge
umgang mit menschen 1, 31; harthörig, hartherzig, kurzsichtig, stolz und eigensinnig volk Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 20. 4@dd)
sonst: ich aber bin freisinnig und stolz Pückler
briefwechsel 1, 103. — der gottlose ist so stoltz und
zornig, das er nach niemand fraget, in allen seinen tücken helt er gott fur nichts
ps. 10, 4, (
wo Kautzsch
einfach übersetzt der gottlose wähnt in seinem hochmut, ...); der stoltz und vermessen ist, heiszt ein loser mensch, der im zorn stoltz beweiset
spr. Salom. 21, 24; stolz und böse
vgl. Boltz
Terenz 114
b; stoltz und fräfen
Zürcher bibel (2.
Esr. 9);
frech und stoltz Luther 18, 88
Weim. (15. 705
Weim.); und hie sihestu gottes gericht und werck, wie er zornig ist uber die sichern frey frechen stoltzen geister 23, 518 (H. Sachs 1, 209
Keller); frecher und stölzer
tischreden 2, 132; denck, ob dein weisz (
einen grusz nicht zu erwiedern) schon bewrisch sey, so bisz doch stoltz und frech darbey, halsstarrig, trutzig, freuel gnuog, dasz alle menschen auff dich luog Scheit
Grobianus 1164
neudr.; geytzig und stoltz Güttel
evangel. warheyt (1523)
A 2
a; stolz, gierig, wild, diss ist alles, was man von ihm sagen kann Abbt
verm. w. 6, 1, 131;
dumm und stolz maler Müller 1, 25. 55)
von thieren, welche sich durch edle haltung und stattlichen gang auszeichnen. 5@aa)
allen voran das adlige rosz: ein stoltzes pferd Kramer
dict. 2 (1702), 983
a (
fastnachtspiele 440, 23
Keller);
[] kein stoltzer thier auff erden ist, dann ein pferd Friedr. Wilhelm
sprichwörterreg. (1577)
c N 58; die pferde sind stolz und wild und voll feuer Gleim
briefwechsel 1, 359; das edle stolze
pferd maler Müller 1, 24;
niederd. een stolt peerd Richey
idiot. Hamburg. 292; (
im vergleich de is so stolt as'n soldatenperd Kern-Willms
Ostfriesland 74); (
die streu,) die seinen stolzen rossen untergeworfen wird H. v. Kleist 2, 188
E. Schmidt; ich hab geschlagen mein rothrosz todt! und's war so stolz und treu! o! Herder 5, 173; gestern noch auf stolzen rossen, heute durch die brust geschossen, morgen in das kühle grab! Hauff
kriegs- und volkslieder (1824) 84 (
vgl. Hoffmann-Prahl
volkst. lieder4 189); dem rosse Wodans gleich, dem stolzen läufer Weber
Dreizehnlinden 37; die reiter machen viel vergnügen, wenn sie ihr stolzes ross bestiegen W. Busch
kritik des herzens 10; ein stolzer
stier: e šdlzer šdēr Hertel
salz. ma. 45 (
thür. ma. 136)
vgl. die ganze heerde brüllt ihm froh entgegen, da er (
der bulle) stolz zur weide kehrt maler Müller 1, 131;
auch: eine schöne alp mit stolzen kühen
der arme mann im Tockenburg 2, 110; man sieht das stoltze opfervieh sich allgemach zum altar dringen Hagedorn
vers. einiger gedichte 24, 51
neudr.; wie stoltz böck in der herd wüten Fischart
thierbilder 427, 120
Hauffen; indem er also iszt, hört er der schafe schellen, die von der weyde nun sich wider heimgesellen, sicht wie die stoltze gaisz will für dem wider gehn Opitz
teutsche poemata 31
neudr. 5@bb)
unter den wilden thieren der stolze
löwe (Eppendorf
Plinius 8, 50); voran gingen die heldenthiere, zuerst der stolze löwe maler Müller 1, 20 (
s. auch 1, 75.). —
unter den einheimischen der stolze
hirsch: ains mals kam ain stolczer hirsz über ainen silbern claren lutern brunnen Steinhöwel
Äsop 150; (
zum leithund:) wolan, wolan, traut guter gesellman, hinan, hinan gen holtz, da schleucht heut manch edler hirsch stoltz Sebiz
feldbau (1579) 565; stolze sechzehnender decket deiner dickung grüne nacht
Mildheim. liederbuch 20 'sag mir das hübsch und fein: welches mag das stölzste, das höchste und das edelste thier seyn?' 'das will ich dir sagen: der edle hirsch ist das stölzste, das eichhorn das höchste' Grässe
jägerbrevier 12; stolz
wird in der weidmannsprache im besondern der hirsch genannt, welcher '
gänzlich verenket und geschlagen hat; denn da geht er hoch und auf den zehen' Heppe (1763) 287
b; Behlen 5, 716. 5@cc)
unter den vögeln besonders der vogel der Juno (
s. oben 2 a) der stolze
pfau Spee
trutznachtigal 106; Ramler
fabellese 1, 4;
zugleich der fast sprichwörtliche vertreter des thierreiches in der sphäre von oben stolz 2: ein stolzer pfâwe Walther 38, 1; der pfaw hat die schönsten federn ... darum ist er auch so stoltz und hochmütig Sebiz
feldbau 114; so reizend verbreitet der stolze pfau die pracht der augenvollen federn nicht Heinse 3, 346. die Venus ist die zier der freundlichen jungfrawen, damit sie prangen thun auf art der stoltzen pfawen, damit sie unser hertz und sinnen nehmen ein Opitz
teutsche poemata 73
neudr.; wo die stolzen pfauen rüsten hell den tausendaugenkranz
trösteinsamkeit 17; stolz wie ein pfau! furchtsam wie ein hase! Gottl. Stephanie
d. j.
lustspiele 190;
niederd.: he geit so stolt as'n pau Kern - Willms
Ostfriesland 74;
vgl. die zusammensetzung pfauenstoltz
adj. superbo come il pavone, gonfio, enfiato Kramer
dict. 2 (1702), 983
b (pfau
bedeutet stoltz
Gargantua 189
neudr.). —
hahn: wann er den kopf aufrichtet ... also stoltz wie ein calecutischer haan Maynhinckler
sack (1612)
B 3
a; dem stoltzen, neydischen, untrewen hanen Paracelsus
opera 2, 610;
[] der stoltze hahn hat kaum des nachts zweymahl gekräht Hoffmannswaldau
gedichte 4, 3; ihrer hühner waren drei und ein stolzer hahn dabei W. Busch
Max u. Moritz 2.
unter dem wilden gevögel steht voran der stolze
adler: 's war ein ton, wie wenn, vom schusse schmerzlich in der luft getroffen, laut der stolze adler kreischet Müllner
dramat. w. 2, 12 (
schuld 1, 2); wie ein stolzer adler schwingt sich auf das lied
deutsches soldatenlied. 66)
von einzelheiten des körperlichen eindrucks von mensch und thier (
häufig im hinabsinken zum bloszen poetischen füllsel). 6@aa)
in haltung und ausdruck des kopfes: (
ein mann,) dessen stolze, kühne, düstre gesichtsbildung jeden andern zurückgestoszen hätte Klinger
werke 3, 118; o weh! kein so finsteres stolzes
gesicht! Schiller 2, 110 (
die räuber 3, 1); ein stolzes schönes frauengesicht W. H. Riehl
nov. 2, 42; das stolze gesicht unter dem abgetragenen lodenhute Löns
dahinten in der haide 26; wie schlugest du den wasserdrachen die stolzen häupter schnell entzwey Drollinger
gedichte 38; im staube liegt dein stolzes haupt Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 1, 53. stolze
augen (
occhi altieri Kramer
dict. 2 [1702], 983
a): herr, mein hertz ist nicht hoffertig, und meine augen sind nicht stoltz, und wandele nicht in groszen dingen, die mir zu hoch sind
psalm 131, 1; (
er) machte so stolze augen Arnim 1, 159; die stoltzen augen prangen wie Venus schöner stern den blauen himmel ziert Rachel
sat. ged. 26
neudr.; und siehst den henkern meiner ruh mit kaltgesinntem scherz und stolzen augen zu Neukirch
ged. (1744) 16; wenn du einmal an ehren steigst und deinen freunden und verwandten ein fremd und stoltzes auge zeigst, so geh in dich Lichtwer
Äsop. fabeln (1748) 22.
auch: einem einen stolzen blick zuwerfen (E. Th. A. Hoffmann 11, 73); Emilie mit einem stolzen, begehrlichen blick Schnitzler
Anatol 108. — ein periode schlieszt sich, wie der andre, wenn er seine meinung gesagt hat; das stolze
ohr wird durch einerlei cadencen gequält Herder 1, 195; die den Griechen mit zarter kunst nachgebildeten rhythmustänze ... sind für ein stolzeres ohr berechnet J. H. Voss
zeitm. der deutschen spr. 180. — stolzer
mund: ein stolzer knabenmund Löns
dahinten in der haide 15; stolzes gebisz (
vgl. maler Müller 1, 23); cum autem ille arbor superbiae eradicatur, nihil valere coram deo, szo wyrt der stolczen zungen wol geweret werden Luther 29, 406
Weim.; vgl. dazu yhr zung stoltz offenbar spricht 'trotz, wer wils uns weeren?'
ders. bei Ph. Wackernagel
kirchenl. 3, 6. die gerade (gebogene) stolze
nase: es war eine etwas grosze, korpulente, mächtige dame mit einer stolzen adlernase und hochgewölbten schwarzen augenbraunen, so recht zum erschrecken schön Eichendorff 3, 80;
zugleich '
stolz in die höhe gehoben',
so in der entwicklung zur schelte: denn got braucht noch sein alte gnaden, der wird umb seines namens willen all lestrer und stoltz nasen stillen Fischart
s. Dominici leben 131
Kurz. von Chloris stolzen haaren (singen) A. G. Kästner
verm. schr. 1, 174. —
besonders wichtig im kreise der gebärden der stolze
nacken: (
der löwe) wirft über sich den stolzen nacken maler Müller 1, 20; dennoch beuget, o Gleim, dir ihren stolzeren nacken nicht Deutschlands muse! Klopstock
oden (1889) 1, 103, 32; beugst dem kreuz den stolzen nacken, beugst den kopf dem christenwasser Weber
Dreizehnlinden 109.
vuch der stolze
hals (
bei mensch und thier),
gern verwendet in dem bilde vom stürzenden fall menschlicher [] grösze: was kost es doch, ehe man den stoltzen hals bricht Luther 20, 308
Weim. — durch eine stolze kopfbewegung seinen willen zu erkennen (geben) A. v. Droste-Hülshoff 2, 294. 6@bb)
in der sphäre des übrigen körpers gerät unser wort mehr und mehr in gefahr, bloszes poetisches flickwort zu werden; doch noch: er hatte breite schultern und eine stolze
brust Zahn
Albin Indergand 11. — der mit gelübden scherzt, zum zeitvertreib entehrt, und falscher, als das glück im spiele, gefallner unschuld kalt den stolzen rücken kehrt Gotter 1, 253; und mancher prüft den stolzen
arm, wie er ihn recht mit macht will schwingen, den gegner in den staub zu ringen Rückert
werke 3, 23; diese tausende, die in wägen, auf rossen und noch stolzeren füszen da an ihm vorüberschwirrten Gutzkow
werke 4, 121; der stoltze fuos komme nicht bis zuo mir Melissus
psalmen 135
neudr.; vielleicht ach! beugt, von dir (
dem strumpfband) umschlungen, dem gotte sich ihr stolzes knie! Gotter 1, 179; vom stolzen huf
des pferdes maler Müller 1, 365. 6@cc)
besonderen inhalt hat noch ein stoltzer
gang Alberus X 1
a (maler Müller 1, 18); schon mehre mal hatte er den stolzen sichern gang des neben ihm gleichgültig wandelnden mädchens bemerken müssen Gutzkow
ritter vom geist 1, 46;
auch: der paur rein trit ein stoltzen schrit, ist kleidt dem burger gleiche Forster
liedlein 9 (3, 2)
neudr.; und ging zur thür hinaus mit stolzen siegerschritten Zach. Werner
ged. 40. stolzer tritt: ein dichter der so manches litt, fährt her, begafft von leuten, steigt aus und kommt mit stolzem tritt Göthe 4, 165
Weim.; schlaffe, tücksche züge künden, was verbarg der stolze tritt A. v. Droste-Hülshoff 2, 204 stolzer ritt (
auf dem pferde): er hat manchen stolzen ritt gethan Erlach
volkslieder der Deutschen 1, 97 (Wickram 1, 158). stolzer flug: der sonnenadler, der ... im stolzen himmelsfluge die augen immer zur sonne dreht maler Müller 1, 25; nie stürze von des traumes stolzem fluge ein trauriges erwachen dich herab Schiller 6, 20.
allgemein: stolze
geberden (
portamenti altieri Kramer
dict. 2, 983
a): der seinen nehesten heimlich verleumbdet, den vertilge ich, ich mag des nicht, der stoltz geberde und hohen mut hat
ps. 101, 5; stolze
haltung Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 142; die stolze haltung, das glänzende auftreten sind im gefolge der freiheit und kühnheit charakteristische attribute echten adels O. Jahn
Mozart 4, 135;
auch in stolzer, schöner grazie Schiller 5, 2, 268 (
don Carlos 2, 15). — mit einem pedantischen stolzen wesen Petrasch
lustsp. 1, 165; in ein förmliches stolzes
wesen (fallen) Göthe 22, 250
Weim.; durch stolzes zänkisches wesen (einen aufbringen) Hauff 1, 6. 6@dd)
die einzelnen begriffe stattlicher menschenschöne werden noch einmal zusammengefaszt zu einer gesamtheit: dein stoltzer
leib Simplic. 4, 727; göttin Venus hat mich so sehr gegen euch verwundt, dasz ich auch keine ruhe habe, ehe dasz ich ewren stoltzen leibs theilhaftig werde
schauspiele engl. comöd. 23, 12
Creizenach; besonders der volksthümlich-dichterischen sprache eigen in immer neuer verwendung in liebeslust und -leid: ich bin ein ledig junges wîp und tragen einen stolzen lîp Mone
schausp. des ma. 1, 79, 57: mein tochter mit irem stoltzen leib Hans Sachs 7, 149
Keller; die fraw den held gar schon umbschlosz, vil haisser zäher sy uff in gosz, sy truckt in lieplich an irn stoltzen leibe Hätzlerin
liederbuch 3;
[] dein stoltzen leib du mir verschreibst und schleus mir auf dein hertze!
bergreihen 60
neudr.; jetz rewet mich mein stoltzer leib, das ich bin worden ewer weib Fischart
ritter von Stauffenberg 1716; gebt mir urlaub fraue zart von eurem stoltzem leibe Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 21;
weiter gesteigert durch entsprechende adject. wie jung, gerade
u. a.: ehe du dein jungen stoltzen leib verlierest
buch der liebe 80
c; (
du) zeigst vor manchem schönen weib dein jungen, graden, stoltzen leib Scheit
Grobianus 1047
neudr. —
zur schilderung des begriffes der vergänglichkeit: dyn stoltzer lyb wirdt zuo eschen; dich thuon dan die wurm zerneschen
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 99
b;
seltener dafür und prosaisch empfunden: wievil sehlen hat deine wöhr ausz den stoltzen cörpern getriben, das das feld von der feinden hör einer schedelstat gleich gebliben? Weckherlin
gedichte 1, 129, 70. —
in neuerer sprache: die schlanke, stolze, schneeweisze gestalt des mädchens Keller 5, 36;
auch: es war ein jüngling in der schönsten blüthe — ein stolzer wuchs, eine gewölbte brust, funkelnde augen Chr. L. Heyne
in den erzähl. des 18.
jhs. 32
lit. denkm.; sogar aus der pflanzensphäre geschöpft: das stolze gewächs ihres (
des weibes) schlanken leibes Heinse 4, 231. 6@ee)
mehr innerlich gewandt (
und zugleich als übergang zu der verwendung unter 8): wenn einer zu grund gehen sol, wird sein hertz zuvor stoltz, und ehe man zu ehren kompt, mus man zuvor leiden
spr. Salom. 18, 12; da ward das reich Nebucadnezar mechtig, und sein hertz stoltz (
Vulg.: et cor eius elevatum est)
Judith 1, 7; (
es) schwoll ihr das stolze
herz über diese schändung der theuren (heimath) Mommsen
röm. geschichte 2, 37; und du willst im miszgeschick noch dein stolzes herz nicht fassen Tieck 1, 313; ein stoltz hertz ist dem herrn ein grewel, und wird nicht ungestraft bleiben, wenn sie sich gleich alle an einander hengen
spr. Salom. 16, 5; fahre hin, du stolzes herz! maler Müller 1, 136; das stolze herz, das nichts im sinne habe, als die ehre Ranke
w. 8, 79; ein stolzes herz (versöhnen) A. v. Droste-Hülshoff 2, 239; (
wenn Amor,) über alles siegend, jedes stolze herz bezwingt Overbeck
verm. gedichte (1794) 57; diesz stolze herz ist nicht zu brechen Schiller 12, 440 (
Maria Stuart 1, 8); wähnst du dies stolze herz so leicht besiegt, von glanz und übermuth in keckem bunde? A. v. Droste-Hülshoff 2, 206.
selten dafür: schmerzlich sah er (
der Bayern herzog) Deutschlands gold auf des kaisers stirne gleiszen: und die stolze seele wünscht es einmal an sich zu reiszen Schönaich
Heinrich der vogler (1757) 3. 77)
übertragen: 7@aa) stolzer
baum, der stattlich und prächtig emporragt (Storm 1, 193): so wern die demütige rohr, am end ihr heupt heben empor, den stoltzen baum do sehen liegn, der sich vorm wind nicht wollen biegn Eyering
proverb. copia 3, 32; (
bildlich): das denken sucht sich nach auszen raum, im fühlen sind wir daheim; und all unsres wissens stolzer baum hat im herzen den fruchtbaren keim Grillparzer 2, 35; stolze stämme (
im walde) W. H. Riehl
nov. 1, 340; die wälder seitab sind stolz, hohen, üppigen wuchses 1, 190; der Hasbruch ist ein so stolzer, wunderprächtiger eichenwald, wie wohl kaum das nördliche Deutschland einen zweiten besitzt Allmers
marschenbuch 1, 140;
[] die stolzesten der wipfel rauschten, und leise bäche murmelten Gerstenberg
gedichte eines skalden 361;
auch: tannen, die ihre stoltzen häupter bis zu den wolcken heben
discourse der mahlern 2, 3; da sie (
die äste) ietzt in stoltzer breite, ründ und höhe herrlich prangen und als grosse gartenlauben, nett geflochten, wunderschön, besser, als die hängegärten Babels, in den lüfften stehn Brockes 4, 136. stolze staude,
vgl. (?) mit stauden stoltz gekrönet die krufften (
klüfte; s. th. 5
sp. 2430) geben klang Spee
trutznachtigal 2. warum, geliebtes veilchen, blühst du so entfernt im thal? versteckst dich unter blättern, fliehst der stolzern blumen zahl? (Chr.
F. Weisze)
lieder für kinder (1767) 5; du prangst am stolzen rosenstamme, verpflanzt aus andern welten Lenau 3
Recl. stolze ähren; stolze üppige saat
vgl. (
adverb.) wie stolz und üppig die saat unter dem schatten dieses waldes von breiten obstbäumen aufstrebt! Solger
Erwin 1, 1; und wenn man nun den halm empor geschossen sieht, wenn ihn die ähre krönt, und wenn sie bitter blüht, so steht er stoltz und steiff, und wird sich nicht bewegen, es thät es denn der wind, und ein geschwinder regen Henrici
ernst-scherzhafte und sat. ged. 3, 447; auf feldern, wo noch stolz die vollen ähren stehn Rabener
werke 6, 201. stolze
frucht u. ä.: wenn berg und thal mit stoltzen früchten pranget Neukirch
anfangsgründe 123; um Balsorens stirne blühn, lieblich düftend, stolze, volle rosen Eschenburg
beispielsammlung 1, 110; der wald verliert das stolze laub Kretschmann
sämtl. w. 2, 210
unter den pflanzennamen gehört hierher stoltzer Heinrich (bonus Henricus
sein latein. name Hohberg
georgica 3, 463
a)
der gemeine gänsefusz, schmierige mangold, chenopodium bonus Henricus; gut Heynrich, stoltz Heynrich, kühwurtz
atriplex canina vel faetida Alberus (1540) CC 4
a; guter
vel stoltzer Heinrich, schmerbel
crisola Tabernaemontanus
bei Diefenbach 158
b;
zum latein. tota bona (
franz. toute bonne,
unser allgut
s. th. 1
sp. 235) 590
b;
die möglichkeit einer beziehung zum koboldnamen Heinrich,
besonders in der koseform Heinz
ist möglich (
s. th. 4, 2
sp. 887,
wo eine liste entsprechender verwendungen gegeben wird)
dän. stolt Hendrik: nimb des krauts stoltzer Heinrich genant ... ein hand voll
M. Böhme
rossartzney (1618) 47.
die redensart de štôlzen Heinerech špillen
vornehm tun, Luxemb. ma. 426
b,
empfing von unserem ausdruck wohl nur eine mehr zufällige anregung (
auch zufällig nur der anklang an Heinrich den Stolzen
von Bayern).
vgl. noch unten (8) e
β. 7@bb) stolzer
bau Kramer
dict. 2, 983
a; (
in) stolzen gebüwen Zwingli
deutsche schr. 1, 98 '
prächtig ausgeführt'
besonders aber auch '
machtvoll in die höhe ragend',
so stolze burg (Ramler
lyr. ged. 221); in alten zeiten stand da, wo jetzt der see ist, eine stolze burg brüder Grimm
deutsche sagen 1, 103; ich biete fehde dir, du stolze burg Grabbe
w. 1, 38; ein stolzeres palais (Arndt
w. 2, 5); dieses stolze schlosz Hebbel I 6, 7
vgl. von solchen vertheidigungsmitteln (
wassergräben) sind gewöhnlich diejenigen schlösser umgeben, die auf flächen liegen, also das vertheidigungsmittel des wassers haben, aber dafür desjenigen entbehren, das ihre stolzen schwestern auf hohen bergen und schroffen felsen besitzen Stifter 5, 1, 345; er baut ein stolzes schlosz, das andre nun bewohnen J. E. Schlegel
w. 4, 159; komm herab, du schöne holde, und verlasz dein stolzes schlosz! Schiller 11, 378; selbst Burnecks alte stolze veste soll jetzt einen andern fremden herrn erkennen A. v. Droste-Hülshoff 2, 256 (
Walther 6).
namentlich: die stolze Wartburg (Pückler
briefwechsel 2, 308); das stolze Ehrenbreitstein blickte goldroth durch den feinen, blauen nebelhauch herab Moltke
ges. schr. [] 6, 154. — von den stolzen tempeln (erzählen) W. Raabe
hungerpastor 3, 199;
ndd. ene stolte kerke Schambach 212
a; die herrlichen palläst und stolzen mausoleen, ... sind alle von verstand und fleisz gezeuget Triller
poet. betracht. (1750) 1, 138;
vgl. ich sehe wieder stolz gen himmel ragen den frommen dom Heine 1, 57.
auch: dort niden in jenem holze leit sich ein mülen stolz Uhland
volkslieder 76 (
goldmühle); krieg, feur und zeit verlacht der stoltzen häuser pracht Abraham a S. Clara
etwas für alle 2, 76; die stolze villa Gutzkow
zauberer von Rom 3, 320. — eine stolze
stadt (
una città superba Kramer
dict. [1702] 2, 983
b)
gewisz auch hier mit rücksicht auf ihre wehrhaftigkeit, neben aller pracht und wohlhabenheit: sie verdilgetin vil lande unde menche stolcze stad Wig. Gerstenberg
chron. 64; diese stolze stadt (
Venedig) stund damals auf dem höchsten gipfel des wohlstandes Haller
Usong 45; da, wo die Pleisse sich mit krummen fluthen schlingt, ... liegt eine stolze stadt Zachariä
poet. schr. 1, 7; des stolzen Ilions Bürger 151
b Bohtz; das stolze Rom erschreckte uns nicht mit seiner herrlichkeit Hölderlin 2, 85
Litzmann; dem ohngeachtet verdient das geringfügige Nördlingen vor dem mit graben und bollwerken umschanzten stolzen Ulm (
in einem stücke) den vorzug Schubart
briefe 1, 100; als, rings umpflanzt mit wolkenhohen thürmen, das stolze Wien mir aus den augen kam Blumauer
ged. (1782) 139 (Lessing 8, 35).
auch: die stolze lage Genuas Gutzkow
werke 11, 128. —
theile heben sich hervor: stolze thürme,
die hoch ragen (Pfeffel
poet. versuche 1, 48); da winken mir die stolzen thürme der fürstlichen residenz Kotzebue
dram. w. 2, 192 (
kind der liebe 3, 1); bald darauf gelangt man an einen oben flachen hügel, auf welchem einst Pergamons stolze zinnen sich erhoben haben sollen Moltke
ges. schr. 4, 92; seht! wie die Türken schon betrauren den fall der vor so stolzen mauren von König
gedichte (1745) 102; von der paläste stolzen mauern J. G. Jacobi 1, 10.
auch: wer schätzt der stolzen thore zier? wer kann der dächer pracht, der flügel grösze nennen? Gottsched
gedichte (1751) 1, 40; weh euch, ihr stolzen hallen! nie töne süszer klang durch eure räume wieder Uhland
ged. 1, 308. 7@cc)
von der natürlichen landschaft u. s. w.: die stolzen
berge Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) 46; das stolze gebirge Hölderlin 1, 61
Litzmann; lasz mich von deinen stolzen höhn mein wohnhaus, gottes welt besehn!
Mildheim. liederbuch 12; stoltze klippen Sigm. von Birken
fortsetz. der Pegnitzschäferei (1645) 24; gar sittiglich thut schmelzen der schnee, wan er crystallenrein fleust ab von stoltzen felsen Spee
güldenes tugendbuch 26; wieder glänzt ihr, stolze firnen, jeden abend, jeden morgen frische rosen um die stirnen Herwegh
gedichte eines lebendigen 2, 44; stolz sind die fluren Paphos Mastalier
ged. (1774) 12.
land und volk: das stolze Frankreich erobern Nicolai
Seb. Nothanker 1, 31; das stolze Britannien Schubart
leben und gesinnungen 2, 31;
vgl. die vermittlung zum vorigen von Britanniens stolzem eiland Klopstock
oden (1889) 1, 11; allein es regten sich im stolzen occidente drey starke machten fast zugleich Gottsched
gedichte (1751) 1, 7. stolze
wellen (
vgl. Rachel
satyr. ged. 20
neudr.): bis hie her soltu komen und nicht weiter, hie sollen sich legen deine stoltzen wellen
Hiob 38, 11;
[] es schwellet sich das meer mit stolzen wellen auf Neukirch
anfangsgründe (1724) 123; die stolzen wellen legen sich mit ihrer wuth Gottsched
gedichte (1751) 1, 219 (
bildlich) eile dich uns einzuschiffen auf diesem stolzen strom Schleiermacher I 5, 614; es wird mir gar schauerlich zu mute dabei, dasz du dich dem stolzen herrischen element (
dem meere) vermähltest E. Th. A. Hoffmann 2, 52 (
doge und dogaresse); das stoltze wasser nauff gehemmet an himmel in die höhe hoch, scheint wie es sich erfrewe noch, dasz es die welt hab vberschwemmet D. v.
d. Werder
buszpsalmen (1632) B 4
b; (
es wird) Bosphorus den rücken vor dem geschwollnen arm der stoltzen Donau bücken Pietsch
ges. schr. (1740) 6; bescheiden rieselt so durch blumenpfade der kleine bach, von stolzen flüssen fern Gotter
gedichte 1, 4; (
bildlich) (
der reiche fürst) lässt die quellen seines landes in stolzen bögen gen himmel springen Schiller 3, 390 (
kabale und liebe 2, 1); drum sog der wind, der uns vergeblich pfiff, als wie zur rache, böse nebel auf vom grund des meers; die fielen auf das land, und machten jeden winzgen bach so stolz, dasz er des bettes dämme niederrisz
Shakespeare 1, 200 (
sommernachtstraum 2, 1). stolze eisbahn,
schön, auszerordentlich glatt und fest vgl. und up der Elve was so stolten slichtenbane ok nie gedacht gelik wo se dussen winter was Lappenberg
Hamb. chron. 182 (
z. j. 1541). — dasz meine leidenschaft in so stolzen flammen aufsprüht Bettine
die Günderode 1, 75. — (
allitterierend): eia starck und freche wällen, eia starck und stoltze windt, ihr mich nimmer sollet fellen Spee
trutznachtigal 105; des höchsten machtstimme, ... wenn ich sie zum ersten mal durch die stolzen wolken rollen höre
der arme mann im Tockenburg 2, 260; das stolze weltall hatte seine grosze brust schmerzlich ausgedehnt Jean Paul
Titan 1, 13; wenn die mücke in ihren stralen sich sonnt; kann sie das strafen, die stolze majestätische sonne Schiller 3, 368 (
kabale und liebe 1, 3). 7@dd)
in der sphäre menschlichen gebrauchs, zum ausdruck des ausgezeichneten in seiner art, in leistung und wirkung: eine stolze
waffe (Ratzel
völkerkunde 2, 159); (
die helden,) die vor das vaterland ihr leben aufgesetzet, und in der feinde blut das stoltze schwerdt genetzet Andr. Gryphius
w. 22
Palm; er (
der könig) trägt ein stolzes heldenschwert, und eisen steht, wie gold, im werth Hebbel I 3, 349 (
steinwurf 1);
auch: gebt gott allein die ehre und schwingt nicht stolzen brand Rückert
werke 1, 161;
von geistiger waffe: was ist der stolzen feder frucht? was wirkt des dichters wirbelsucht? zum mindsten, glaub ich, Odysseen! Eschenburg
beispielsamml. 1, 48. die stolze rüstung Bürger 163
b Bohtz (
daneben überm stolzen rüstgezeug 173); seine stoltze schupen sind, wie feste schilde, fest und enge in einander
Hiob 41, 6;
vgl. (
den leib,) den vor kurzer zeit mit stolzem licht der panzer hielt umfangen A. v. Droste-Hülshoff 2, 196. dein stolzer wagen Ramler
lyr. ged. (1772) 126 (Bürger 165
Bohtz)
ndd. en stolte brûdwâgen Schambach 212
a; und stolzen siegeswagen stürzt ich mich brausend nach Mörike 1, 137.
vgl.: ich sehe karossen stolz und reich
moderne dichtercharaktere (1885) 8.
auch: nimm hin die stolzen zügel, nimm die peitsch und fahr Bürger 161
a Bohtz; mit stolzer
flotte Ramler
lyr. ged. (1772) 115; die stolze Brittenflotte Rückert
werke 1, 83; das stolze geusengeschwader Raabe I 5, 514;
[] die stolze flottenrüstung seiner maste erschreckt den alten Belt in seinem meerpallaste Schiller 15, 1, 10;
besonders stolzes
segel u. s. w.: doch seh ich schon das schiff mit stoltzen segeln gehn Neukirch
anfangsgründe (1724) 123; ein weibchen, die der turteltaube an sanftheit und an treue gleicht; die, anspruchslos, in schlichter alltagshaube die niedern seegel gern vor stolzen flaggen streicht Gotter 1, 254; wie nunmehr mancher meint, dass kunst den adel lähmt, und bücher übel stehen, bey stoltzen rittersfahnen Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 44; stolzes zeichen, das voran im streite weht! Arndt
w. 4, 15; bunte fahnen, die stolzen zeichen der erlauchten ahnen Geibel 1, 10;
von einem theatervorhang: diesz gefühl, wann ich der symphonie begeisterndem signal sonst froh entgegen lauschte, und, mit dem letzten ton, der stolze vorhang rauschte Gotter 1, 268.
von kleiderpracht ein stolzes
kleid prächtig in material und farbe, von vornehmem schnitt (
un vestito superbo Kramer
dict. 2, 983
b;
vgl. Vilmar
hess. id. 402, Crecelius
oberhess. wb. 812;
götting.-grubenh. en stolt klêd Schambach 212
a); stolcz kleydunge
apparatus Diefenbach
gloss. 42
a;
auch Serv. Asinius Göschenus als prätor auf seinem stuhle, die toga in stolze falten werfend Heine 3, 66; die andern kleider sind auch schön, und seide ist immer ein stolzes tragen Stifter 3, 290; so ziehen wir jungfrauen, geschmücket wie die pfauen, durchs land mit stolzem putz, den männern nur zum trutz Brentano 2, 405;
niederd. van stolten bedden Lappenberg
geschichtsquellen des erzstiftes und der stadt Bremen 71; die stolzen federhüte Jean Paul
flegeljahre 1, 149; ein stolzer hut Kluge
studentensprache 128
a;
thierzähne als eine stolze gesichtszierde
der naturvölker Ratzel
völkerkunde 2, 239; fahr, hin, du stoltz geschmeidt, dasz du mich wilt braviren Zinkgref
auserles. ged. 21
neudr. die männer aber trugen stolze orden an jener stelle, wo das herz soll schlagen; wie sind sie überglücklich doch geworden, dasz sie so kleine kreuzlein dürfen tragen! Jul. Mosen (1863) 1, 55; seine stolze habe Platen 1, 6;
norddeutsch bei einem geschäft einen stolzen
thaler geld verdienen,
d. h. tüchtig verdienen Adelung,
wie sonst einen schönen thaler;
mit spöttischem beisinn: vom bapst der wolff hatt römsch gewalt, die manchen stoltzen heller galt, das man dem wolff vergeben solt, und absolviern von pein und scholt Alberus
fabeln 52 (11)
neudr. — diese stolze erfindung (
die orgel) Schubart
ästhetik der tonkunst 277; (
zugleich personific.:) es ist nicht stoltzers, dann ein volle tasch S. Franck
sprüchw. (1541) 127
b (Bebel
sprüchw. [1548] 173
b). 7@ee)
in hauswirthschaftlicher sprache: 7@e@aα) stolz
von der butter, '
wenn sie des winters aus der kälte gebracht wird und sich nicht recht auf das brod schmieren lässt' Bock
Pruss. 67, Frischbier 2, 375
a (Heynatz
antibarbarus 2, 453)
also '
spröde, widerstrebend' (
s. oben unter 2);
doch möglich, dasz sich hinter der (
dann überhaupt den ausgangspunkt gebenden)
ndd. form stolt
nur das part. pass. von stollen
verb. (
sp. 210,
dort unter 3)
verbirgt. 7@e@bβ) stolze
wurst (
götting. grubenh. stolte wost)
besonders von gutgestopfter mettwurst, der königin unter den würsten; eine grosze blutwurst heiszt stolzer Heinrich,
niederd. stolten Hinerk (
auch gastronom. benennung für einen mit füllung zugerichteten gänsehals) Schiller
zum meklenb. thier- und kräuterb. 2, 32
a;
zu dem ausdruck stolzer Heinrich
vgl. oben unter a. 7@ff)
in technischer sprache: 7@f@aα)
aus der ursprünglichen sphäre des wortes unter 1
geschöpft),
in der bedeutung von '
steil' (
eigentlich '
zu sehr emporgerichtet'); die treppe ist sehr stolz
als handwerksausdruck [] Helfft
landbaukunst 349; stolz
auch von einem augenfällig zu steilen spitzbogen Schoenermark-Stüber
hochbaulex. 802. 7@f@bβ)
als malerausdruck stolze farben,
die besonders frisch, glänzend, lebhaft in die augen fallen (
sonst auch hohe farben
s. th. 4, 2
sp. 1599
unter III, 1 l
β); der pinsel eines gemäldes ist stolz,
wenn die farben tokiert aufgetragen und die tinten nicht verrieben sind Jacobsson 4, 305
a (
heute pastös); die manier des Michael Angelo ist stolz und erschrecklich
ebenda; eine stolze zeichnung
flieszend entworfen (
ebenda);
substant. ein gemälde hat niemals das stolze des originals
ebenda (
frz. entsprechend fierté). 88)
abstract: 8@aa)
anknüpfung an oben 6
bildet stolzer
mut (
animo altiero, fastoso e pieno di fumo e di puzza Kramer
dict. 2, 983
a): wie er (
Paulus) den stoltzen mut gehabt hat omnes perdendi Luther 29, 48
Weim.; wie lange wiltu solchs reden? und die rede deines mundes so einen stoltzen mut haben?
Hiob 8, 2; hoffertige augen und stoltzer mut
spr. Salomon. 21, 4; stoltzer mut kompt für den fall 16, 18 (28, 681
Weim.); dann eigen sinn, und stoltzer mut, thun selten oder nimmer gut Alberus
fabeln 24
neudr.; Johannes aber, ... do er sahe den rust der feind, ist jm angst worden, hatt er sich geförcht, gelage jhm sein stoltzer muot Steinhöwel
de claris mulieribus 314; gar hesslich wil ich dir verkeren dein angsicht, welchs schawt gott den herren, und brechen deinen stoltzen mut Krüger
aktion von dem anfang und ende der welt B 5
b; hie (
im tode) ist der stoltze muth geendet und in ein tunckel grab verwendet
Königsberger dichterkreis 46
neudr. auch: den stoltzen mut schärfen
ihn anfachen, anfeuern, stärken Rachel
satyr. ged. 33
neudr.; (
vereinzelnd:) '
übermüthiger einfall, plan, gedanke'
in der wendung gar manchen stoltzen muth (haben)
Reinicke Fuchs (1650) 185. —
in dem sinne von stolzmütig (
s. unten) aus (mit) stolzem mut: doch vil sagen ausz stoltzem muth: Hans Sachs 18, 35
Keller-Götze; als wol der babst aus stoltzem muth mit seinen jesuiten tut Ringwaldt
evangelia C 2
b; lasz andre sich mit stoltzem muth erfreuen über groszes gut P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 387
a; der feind schlug alles aus, des Persen trotze macht hat, was Gurgistan bat, mit stoltzem muth verlacht A. Gryphius
trauersp. 165
Palm. ersetzt durch den einfachen genitiv: auf gros reichtuom truotzende stoltzes muots Melissus
psalmen 187, 7
neudr. auf eine besondere art wieder aufgelöst: voran dem zug sprengt Alhards stolzer muth A. v. Droste-Hülshoff 2, 212. 8@a@aα)
noch deutlicher als seelische gesammtanlage (
und so stärker zu b
sich stellend) stoltz
gemüt, undultig, unhandsam
asper animus Maaler 389
d; (
du mögest) dein stoltzes heldisch gemüt brauchen und üben Hutten 1, 449; (
des Coriolanus eigenschaft,) das er unbehüter wort und eyns stoltzen gemüts was Carbach
Livius 33
b; da nun aber jede verpflichtung sein stolzes, herrschsüchtiges gemüt wie eine last drückte E. Th. A. Hoffmann 2, 18 (
doge und dogaresse); er hatte noch nicht alles gesagt, was ihm sein stolzes gemüth (eingab) Dahlmann
franz. revolution 74. 8@a@bβ)
in tautologischer steigerung dein stoltzer
hochmuth volksbuch vom dr. Faust 19
neudr. (Arnim 21, 178).
auch ir stoltze hoffart Hans Sachs 1, 219
Keller; stoltzer übermuoht
nachtbüchlein (1559) 221. —
andrerseits auch (
als oxymoron) stolze
demuth Schubart
gedichte (1825), 1 v (
vorbericht); und wenn der mensch nach der höchsten persönlichsten ehre der arbeit ringt, so sagt er in stolzer demuth, er arbeite zur ehre gottes W. H. Riehl
deutsche arbeit 17. 8@bb)
ähnlich dem vorigen stolzer
sinn: weder die sinne noch der wille mit kainer kraft zu frey noch zu stoltz wäre Tauler
sermones 27
a; hüttet euch fur trotzigem
[] stoltzem synn Eberlin von Günzburg 3, 203
neudr.: (
sprichwörtlich) kein klein veracht aus stoltzem sinn Eyering 1, 669; dess wirdt er sich mit stoltzem sin berühmen sehr an allem ort Spreng
Ilias 97
b; die letzte regung des stolzen makedonischen nationalsinns Mommsen
röm. gesch. 2, 42;
neben hochmut: in hochmut und stoltzem sinn
Jesaja 9, 9. — in dem widerspruch der an sich unverächtlichen stolzen
gesinnung, die ihrer natur nach auf würde anspruch macht O. Jahn
Mozart 4, 223; der harte psalm (
der 68.) voll stolzer kriegsgesinnung Herder 12, 67. — er vergasz in diesem stolzen gefühle die beweggründe seiner verbindung mit dem teufel Klinger
werke 3, 144; (
ich) rief mir mit einem stolzen
gefühl jeden ausdruck des wohlwollens oder der freundlichkeit ... in die seele zurück Fouqué
ge fühle, bilder 1, 272; von einem seltsamen, freudigen, ja stolzen gefühle durchdrungen Steffens
was ich erlebte 1, 97; (
es) beschlich mich ein stolzes gefühl Keller 2, 49; in diesen worten Ottos spricht sich das stolze gefühl dieses gegensatzes ... aus Nitzsch
deutsche studien 32;
auch: niemand kann mit so stolzem selbstgefühl seinen heimatsboden besitzen als der marschbewohner, der ihn zum teil geschaffen und mühevoll errungen hat Allmers
marschenbuch 1, 10. — (
der siebzigjährige ortsvorsteher,) der als erfahrener leitbock den zug mit gleich stolzem
bewusztsein anführte, wie er seinen sitz in der gerichtsstube einnahm A. v. Droste-Hülshoff 2, 263; lasse dir an dem stolzen bewusztsein genügen, dasz du ein wunder — hättest vollbringen können Schnitzler
Anatol 37. — (
das buch) heget aber keineswegs die stolze
gedanken, durch seine lehre ... alte gute weydmänner eines besseren zu unterrichten Heppe
lehrprinz (1751) 13. — trieb, alles zu verzerren und zu miszbrauchen durch seine stolze
vernunft Klinger
werke 3, 146. — sein stolzer
geist zürnte der schwäche seines herzens 3, 14; schon siegte der bürgermeister in stolzem geiste 69. 8@b@aα) ein stolzes, aber ungereimtes
vorurtheil Herder 15, 311; (
wir müssen) unsre stolzen vorurtheile verläugnen 13, 228; sölte man den ietzigen pfaffen das alles nachlan, das sie erdenkend us iren stolzen eintönigen grinden, sie wurdend uns die hut über die oren ab schinden Nik. Manuel
vom papst und seiner priesterschaft 1318; (
nachdem) durch stoltzen
wahn im wissen das arme christenthumb in stücken ist gespliessen Opitz 4, 347; die ihr euch weise meister im stolzen wahn genannt Schenkendorf
ged. (1815) 11. eine seiner stolzen
grillen Klinger
werke 3, 33; er vermied die stolzen grillen, die so manchem Ikarus seinen kopf mit winde füllen Neukirch
ged. (1744) 20. ich habe wüstlinge gekannt, ... die lange mit der stolzesten
überzeugung ihr verächtliches leben führten Tieck 4, 65. ich fühle mit demutsvoller dankbarkeit die gnade, die eure königliche majestät durch diese stolze
meinung auf mich häufen Schiller 5, 2, 303 (
don Carlos 3, 10),
nicht nur wie sonst hohe meinung,
sondern '
meinung, welche einen andern stolz macht, auf welche man stolz sein könnte';
so auch (
jene krone,) die seit tausend jahren mit den stolzesten und schmachvollsten
erinnerungen des deutschen volkes verwachsen war Treitschke
deutsche gesch. 1, 235. — seine stolze träumerei von der spartanischen abkunft Immermann
werke 1, 119; die träumten keinen stolzern
traum als schwerdterklirren und lanzenschieszen Arndt
werke 5, 347; den abfall von der jugend stolzem traum Geibel 6, 56;
vgl. die stoltzen getraum spilen in der betriegenlich nacht mit den menschen Albrecht von Eybe
spiegel der sitten 25
b.
[] 8@b@bβ) stolze
hoffnung u. s. w.: in seiner stolzen hofnung betrogen Lessing 8, 56; von dieser stolzen hoffnung so tief herabgesunken Klinger
werke 3, 5; die insurgenten ... beklagten den verlust ihrer stolzen hoffnungen Mommsen
röm. gesch. 2, 304; mit empfindlichkeit sieht sie (
die ehrgeizige königin) in ihrer stolzen hoffnung sich getäuscht, und von des thrones antheil ausgeschlossen Schiller 5, 2, 358 (
don Carlos 4, 12). feuriger stolzer
wunsch (Bürger 183
Bohtz); der wunsch, gutes zu thun, ist ein kühner, stolzer wunsch Göthe IV 4, 45
Weim. — stolze
zuversicht E.
M. Arndt
schriften für und an seine lieben Deutschen 2, 461; mit stolzer zuversicht (eintreten, handeln
u. s. w.) W. H. Riehl
nov. 1, 336; ich ging, mit stolzem geistsvertrauen, auf dem jahrmarkt mich umzuschauen Göthe 2, 268
Weim. ich vor meine person konnte natürlicher weise nicht die geringste begierde haben, ihm diese stolze
zufriedenheit mit sich selbst zu rauben Liscow
sat. und ernsth. schr. 21 (
vorr.); aus der gerundeten sphäre ihrer stolzen genugsamkeit fürstin Galizin
an Göthe (
Göthejahrb. 3, 283); mit stolzer
bescheidenheit Justi
Winckelmann 2, 1, 48; in stolzer schmollender
zurückhaltung Moltke
ges. schr. 1, 112; im stolzen
behagen über ihre schimmernde pracht Seidel
vorstadtgesch. 135; und jezt da ihn die heilige natur dir gab, dir in der wiege schon ihn schenkte, trittst du, ein frevler an dem eignen blut, mit stolzer
willkühr ihr geschenk mit füszen Schiller 14, 29 (
braut von Messina 1, 4). vor stolzer scham (erröthen) Stägemann
kriegsgesänge (1813) 12; sich über den stolzen kaltsinn beklagen (Lessing 2, 51
freigeist 1, 1); von stoltzem
eigensinn, dem alles weichen soll Canitz
gedichte (1727) 25; das erste, worauf erweckte seelen gemeiniglich fallen, ist stolzes verachten ... anderer Lavater
verm. schr. 2, 90; mit stolzer
verachtung Forster
schr. 1, 73; stolze gleichgültigkeit
F. M. Böhme
gesch. des tanzes 146. 8@b@gγ) eine stolze
freude (Ebner-Eschenbach 4, 69): erheitre bey hartem schicksal deine seele, und im glück bezähme ihre stoltze freude Ramler
einl. in die schönen wissenschaften 3, 55; mit stolzer freude Schiller
don Carlos 2, 15; Brentano 5, 26; auch hab ich noch so manche felder, da man sich reichlich nehren kann, so manche schattenreiche wälder, da ich beliebter schäfermann die herde kann mit stoltzen freuden, und mit vergnügter anmuht weiden Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustwäldchen 1, 337; wie viele lassen sich durch rauschendes vergnügen, durch stolzer freude lärm um stille lust betrügen Uz 2, 29. im stolzen
jubel maler Müller 1, 24. — wilch eyn seliger stoltzer trotz das ist, so man gewis ist, das man umb gottis willen leydet? Luther 15, 71
Weim.; mit stoltzem pochen und trotzen 30, 2, 25
Weim.; (
die heiden) in ihrer stoltzen wuht Weckherlin
ged. 1, 342; ein mehr stoltzer schmertz 2, 166; seine stoltze zärtlichkeit Cramer
nordischer aufseher 53; in stolzem grimme maler Müller 1, 205; einen wegen seiner stolzen grobheit hassen (Jean Paul
Hesperus 2, 54). 8@b@dδ) strebende, stolze
kraft des geistes Klinger
werke 3, 4; die stoltze gluth der jungen brust Lichtwer
Äsopische fabeln (1748) 58. 8@cc) stolze
ruhe bei Luther: das mein volck in heusern des frides wonen wird, in sichern wonungen und in stoltzer ruge
Jesaja 32, 18;
und danach schlagwortartig, vgl. Teller
in den beiträgen zur deutschen sprachkunde (1796) 2, 221
zu Witzel
annotationes in sacras litteras 96
a: wer hat sein tage gehört, das Deutsche 'stolze ruge' sprechen? ... sonst hiesz es 'in reicher ruge' (Teller
erläutert unsern wortbegriff als '
ehrenvolle ruhe'
; vgl. noch Luthers
erwägungen zu Sacharja 1, 15: das wörtlin 'stoltz', auf ebreisch 'saanannim', kan ich
[] auf deutsch nicht gnugsam geben. denn es heist 'sicher, gewis, frey, on sorge und furcht sein', als wenn die grossen herren sich so gar hoch auf yhr gut und gewalt verlassen Luther 23, 517
Weim.): wann die völcker wohnen können in den heusern des friedes, in sicheren wohnungen, und in stoltzer ruh
Reinicke Fuchs (1650) 174 (
politischer maulaffe, kupferblatt); wir leben in stolzer ruhe
nous vivons en profonde paix Schwan
dict. 2, 724
a; ach hilff, dasz ich in stoltzer ruh jetzt frölich mög in Sion weiden Joh. Rist
bei Fischer-Tümpel 2, 210; wie glücklich, rief Apoll, ist dieses volk zu nennen, dasz so beglückt und frei in stolzer ruhe lebt! Triller
wurmsaamen 2, 4; er (
der adler) kämpft mit macht und dringt mit ihr (
der natter) hoch in die luft, zerreiszt sie mit den klauen und schleudert sie herab und fliegt in stolzer ruh wie sonst der sonne zu E. v. Kleist 1, 96
Sauer; ich hörte dort (
im grünen) in stolzer ruh der büsche hellen kehlen zu 1, 39; alle wollen lieber in diesen güldenen ketten verschmachten, als bey mittelmäszigem glücke, stoltzer ruh und edler freyheit genüszen Lohenstein
Arminius 1, 142
a; fern sey es also von uns, die stolze ruhe und den süszen schlummer, worin unser vaterland liegt, nur einen augenblick zu unterbrechen! Wieland 1, 129;
auch: eh geh die stoltze ruh der sichren länder ein! A. Gryphius 32
Palm; gestärkt in reiner freuden fülle, kostet sie der götter stolze ruh! Hölderlin
dicht. 1, 105;
seitdem auch: stoltzer
friede tuta et tranquilla pax Corvinus
fons latinit. (1641) 920; in stoltzem frieden (leben)
volksbuch vom geh. Siegfried 93
neudr.; begraben liegt, doch lebt nunmehr in stoltzem friede, der deiner wütterey, o schnöde welt, ist müde Logau
sinnged. 92; schöne oder stolze sicherheit über das schon erreichte Fr. Schlegel
werke 5, 153; dann hier (
im himmel) ist die feste burg aller stoltzen sicherheit Logau
sinnged. 265; inmitten tiefer und stolzer waldeinsamkeit A. v. Droste-Hülshoff 2, 262; was ist ein name, wo der herr allein in stolzer
einsamkeit spricht zu den wüstenein Freiligrath 5, 11. das stoltze
glück Simon Dach 711
Österley; Pfeffel
poet. vers. 1, 159; der Welfen stolzes glück Weichmann
poesie der Niedersachsen 1, 33; und so berauscht (
ist Cyprian) vom stolzen glücke des alleinbesitzens Schnitzler
der grüne kakadu 18. diese stoltze
ehre gebührete ... Bodmer
crit. poet. schr. 1, 32; die ehre des bürgers gegen den kavalier, ist die stolzeste in der welt Iffland
theatr. w. 1, 179 (
verbrechen aus ehrsucht 3, 5).
hierher auch stolzer
sieg, glänzender sieg: erzähle es unter deinen stolzesten siegen, dasz du das herz eines weibes brachst! Schiller 3, 307 (
Fiesko 4, 10); dein tod eröfnet mir den weg zu stolzen siegen Gottsched
deutsche schaubühne 1, 21. stolzes
schicksal: geschichtschreiber und dichter möchten uns gern überreden, dasz ein so stolzes loos dem menschen fallen könne Göthe 22, 89
Weim. — stolzes
leben, prächtige, auch üppige, übermüthige lebensführung: denn umb seines stoltzen und bübischen lebens willen ... ist er des regiments entsetzet Binhardus
thür. chron. (1613) 16; solde ich also ein stulczes leben umb mîner swester klaffen begeben?
Alsfelder passionsspiel 60 (
als worte der Maria Magdalena). stolze
sitte von vornehmer, edler art: sie zeigt so stolze sitten, des wundert er sich sehr Mörike 1, 36;
vgl. sus quam er dar mit stolzen siten in den rinc hêrlîch mit wâpenkleit geriten
Lohengrin 2074.
[] entsprechend stolzer
brauch: sie führen einen stoltzen brauch Spreng
Ilias (1610) 14
b; das röslein hat gar stolzen brauch und strebet immer nach oben Göthe 1, 173
Weim. es giebt stolze
tugenden, die mehr erschrecken als frölich machen Cramer
nord. aufseher 1, 47; die stolze freiheit Arndt 4, 7; die stolze pflicht 6; (
könig Johann:) und wenn wir dieses weigern, was erfolgt? (
Chatillon:) der stolze zwang (
the proud control) des wilden blutgen kriegs, zu dringen auf diesz abgedrungne recht
Shakespeare 5, 8 (
könig Johann 1, 1); die stolze trägheit, mit worten alles abzuthun Herder 22, 11. 8@dd) die stoltz
armut Gargantua 20
neudr., dazu oben unter 1 c
der stoltze bettler
zu vergleichen. 's war eine thränenschwere zeit voll bittrer lust und stolzem
leid A. v. Droste-Hülshoff 2, 120; sein stolzer
hunger wächst, je mehr dasz du ihm gibst Göthe 9, 16
Weim.; bey ihrem gutsthun siehts so wie beym stolzen
geiz aus Hippel
lebensläufe 1, 102; gleich fern von dürftigkeit und stolzem
überflusz Wieland 9, 97; nicht ein traurig büszen, stumpfes harren, stolz verdienen halt euch in der wildnisz fest Göthe 3, 14
Weim.; stolze prunksucht türmte dich einst, o grabmal Platen 1, 170 (
die pyramide des Cestius). 8@ee) eine stolze
zeit, die sich durch die ereignisse weit über den sonstigen gang der zeiten hinaushebt: vermächtnisz einer stolzen zeit Körner 1, 109 (
Hempel); in jener stolzen zeit (
meines lebens, wo ich politik trieb) W. Raabe I 6, 154;
auch: hohe blume, also hier soll deine stolze blüthenzeit verrinnen A. v. Droste-Hülshoff 2, 229. 8@e@aα) stolzer tag, augenblick
u. ä.: ich freue mich, in diesen stolzen weltgeschichtlichen tagen ihnen die hand zu drücken A. Ruge
briefw. 2, 9; es war ein trauriger, aber ein stolzer tag Ebner-Eschenbach 4, 368; und wenn sie (
die groszen meister) auch selten zur kirche gingen, so bekundeten sie doch gerade in den stolzesten augenblicken ihres schaffens jene tiefste demuth stillen gebetes W. H. Riehl
deutsche arbeit 167. 8@e@bβ)
im volksthümlichen festkalender der stolze montag
pfingstmontag: der stolz mäntag
mon. boic. 20, 498;
vgl. Schmeller
2 2, 755;
auch in Feldkirch. urk. (
statth. archiv Innsbruck) Grotefend 1, 183
a,
wie der hohe mittwoch
der mittwoch nach Pfingsten (
s. th. 4, 2
sp. 1603 hoch
III 2 d).
doch vgl. der geile montag
der montag vor aschermittwoch (
s. th. 4, 1, 2
sp. 2583 geil 1 c
β und die zusammenstellung stolz und geil
oben unter 4 a). 8@ff) stolzes
wort zu umschreiben mit '
hochfahrend, übermüthig, trotzig'
u. s. w.: denn die geyster, die so mit stoltzen worten pochen und poltern, die thuns nicht, sondern die heymlich schleychen und den schaden thun, ehe man sie höret Luther 15, 215
Weim.; denn sie reden stoltze wort (
ὑπέρογκα), da nichts hinder ist 2.
Petr. 2, 18 (
vgl. Judasbr. 16); das wolt er (
der knecht) nicht thun, und fluchet dem herren vbel und gab im stoltze wort Pauli
schimpf und ernst 45
a; (
er) begeret mit viel stoltzen worten von dem könige, ... sich und sein königreich dem soldan zinszbar machen
buch der liebe 319
b; er (
Christus) schlicht uns nach an alle ort, und gitt uns vil der stoltzen wort Mone
schausp. des mittelalters 2, 242; der fängt ein schäferlied mit stolzen worten an Neukirch
ged. (1744) 158;
ganz andern inhalt hat das stolze heldenwort voll selbstgefühl
vgl. Scherer
litteraturgesch. 56,
und zur begrifflichen sphäre: solang im Sunde rothe wikingswimpel fliegen, ist kein schrei so stolz und trotzig einer männerbrust entstiegen Weber
Dreizehnlinden 34.
[] in der zusammenstellung mit entsprechenden adj.: ein fräfen, stoltz und widerspennig wort
protervum dictum Maaler 389
d; stoltze und aufgeblaaszne wort
ebenda; auch hoher und stoltzer wort brauchen
ampullari Brack (1487)
bei Diefenbach
gloss. 637
b; grosze, hoche und stoltze wort treyben und auszstossen
ampullari Maaler 389
d; uff sölche stoltze unbescheidne wort (
antworten) Tschudi
chron. helvet. 1, 88. —
im edlen sinne '
groszes, bedeutendes, gedankentiefes wort': szo ist das wort (
das evangelium) szo stolcz und wyl nichts leyden Luther 34, 1, 543
Weim.; nie war ein gröszeres stolzeres wort über mich ausgesprochen worden Göthe 19, 84
Weim.; (
der heiland hat) durch seine guten, starken und stolzen worte eine mächtige fülle von gedanken und leben in die menschheit geworfen Frenssen
Jörn Uhl 368; denn er war unser! mag das stolze wort den lauten schmerz gewaltig übertönen! Göthe 16, 166
Weim. (
epilog zu Schillers glocke); was redet ihr so viel von höhen! höhn! laszt weg aus eurem munde das stolze wort Herder 12, 199. 8@f@aα) welche ein stoltze
antwort gibt der eselskopff Luther 16, 151
Weim.; eine freche und stoltze antwort 24, 137
Weim. (Archenholz
England und Italien 1, 28);
sprichwörtlich uff stoltze wort gehört eine stoltze antwort Fried. Wilhelm
sprichw. reg. ee 2; dich hilfft dein stoltze antwort nit Hans Sachs 2, 7
Keller die stolze
warnung Mommsen
röm. gesch. 2, 176; stolzer
befehl vgl. Brentano
Godwi 1, 23. 8@f@bβ) der stolze
name gewöhnlich in edlem sinne: der stolze name einer ontologie, welche sich anmaszt, von dingen überhaupt synthetische erkenntnisse a priori in einer systematischen doctrin zu geben, ... musz dem bescheidenen einer bloszen analytik des reinen verstandes platz machen Kant 3, 207 (
kritik der reinen vernunft); im fünften jahr seiner herrschaft, im jahr 1804, legte er (
Napoleon) sich den stolzen namen kaiser von Frankreich und könig von Italien bei Arndt
schriften für und an seine lieben Deutschen 1, 235; daher verwarf Pythagoras den stolzen namen eines weisen Gottsched
gedichte (1751) 1, 268; nicht an wenig stolze namen ist die liederkunst gebannt; ausgestreuet ist der samen über alles deutsche land Uhland
gedichte 1, 32. ein stolzer beyname Adelung
magazin für die deutsche sprache 2, 4, 46. — der stolze
titel der 'arbeiter' ward in den tagen socialer bewegung ausgemünzt W. H. Riehl
deutsche arbeit 312. 8@f@gγ) eine stolze
rede (Mozart
bei O. Jahn 3, 137)
u. s. w.: da Hannibal dise stoltze red ... hort und vernam Carbach
Livius 192
b: bey dem gegentheil einer stoltzen rede Chr. Weise
polit. redner (1677) 728; stoltze und prachtige red
superbiloquentia Maaler 389
d; in einer stolzen wohlgesetzten rede maler Müller 1, 256;
auch: ein stoltzes reden
un parlare superbo Kramer
dict. 2, 983
a. —
spöttisch: allhier sind die grammatici streitbare ziegenböcke; die dünken sich kein schlechtes vieh das zeigt ihr stolz geblöcke Hagedorn 3, 50. ein stoltzer
spruch (
Galat. 6, 13) Luther 34, 1, 7
Weim.; auch etwan triben sie umb byschoff und pfarrer, statt und herren mit iren stoltzen bullen und unmässigem predigen vor dem einfeltigen volck Eberlin von Günzburg 1, 14
neudr.; euer gestreng hat ein stoltzes fedbrieflein von
N. erhalten Harsdörffer
teutscher secretarius 1, C c 5
b; die stolze inschrift Herm. Grimm
Michelangelo 1, 6. — für das stolze, schöne evangelium (gewinnen) Frenssen
Jörn Uhl 367. — stolzes
lied (Ramler
lyr. ged. 130; Börne 5, 78): es klang von meiner leyer zwar manch stolzes lied Göthe IV 1, 45
Weim.; [] meine etwas zu stolze ode Klopstock
an Hagedorn (
briefe 22
Lappenberg); hier (
in der musik) findet man keine prächtigen und stoltzen verse Ramler
einleitung (1758) 1, 233; das stolze lob der weisheit Pfeffel
poet. versuche 1, 63. —
vgl. noch zu schwülstige, zu stolze wörterpracht v. König
gedichte (1745) 91. 8@gg) stolzer
ton u. s. w.: mit stolzem ton halbverdaute dinge (sagen) Gerstenberg
Hamb. n. zeitg. 182
lit. denkm.; mit einem stolzen, rauhen tone (antworten) Tieck 17, 7; der geistige inhalt und der stolze ton (
der streitschriften Glucks) O. Jahn
Mozart 2, 253; mit stolzer betonung; mit stolzem nachdruck aussprechen 'ich bin ein Deutscher' Bennigsen
die nationalliberale partei 77. —
statt jeder antwort ein stolzes
lächeln: dabey spatzierte er immer mit stolzem lächeln die stube auf und ab
der arme mann im Tockenburg 2, 163; in der mutter züge kam ein heimliches, stolzes lächeln A. v. Droste-Hülshoff 2, 271; und ein kühn, und stolzes lächeln treibt den frechen hohn zurück Schönaich
Heinrich der Vogler (1757) 15. wenn man den frieden durch geld von ihnen erkauft hatte, hörten sie (
die Deutschen) mit stolzem lachen, dasz der kaiser als neuen ehrentitel den namen ihres volkes angenommen Freytag
bilder 1, 104. 8@hh) stolze
musik u. s. w.: sie (
Mozarts musik) ist so erhaben und doch so herablassend, so stolz und doch jedem zugänglich, so tiefsinnig und verständlich zugleich Börne 1, 156; folg ihr, wie in des stolzen
rythmus tanz sie mit leichtigkeit schwebt! Klopstock
oden 1, 197; die jubelnden, doch königlich stolzen accorde und rhythmen einer sarabande W. H. Riehl
nov. 1, 143; stolze triumphierende liedweise. 8@ii) stolze
wissenschaft u. s. w. (
dazu oben der stolze gelehrte
unter 1 e): wahn und selbstbetrug herrschen hier wie überall, vom felsenfesten schwärmer an bis zur stolzen schulphilosophie Zimmermann
über die einsamkeit 1, 14; stolze gelehrsamkeit; eine stolze wissenschaft der nationalökonomie W. H. Riehl
deutsche arbeit 131; die vielen stolzen werke des geistes 93; stolzes buch. — stolze
kunst C. Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 137; was sind die stolzen künste, die man von Memphis holt? gefärbte wasserdünste, die im beschaun vergehn, wie Iris bunter kreis? Wieland
moral. briefe 10, 157. 99)
in verbindung mit einer präposition: 9@aa)
wider einen sich vor ihm brüsten, ihm gegenüber den kopf höher tragen: und der jünger wird stoltz sein wider den alten, und ein loser man wider den ehrlichen
Jesaja 3, 5,
vgl. Nehem. 9, 10;
auch: dasz sie immer trotziger und stolzer wider die obrigkeit ... wurden Arnold
kirchen- und ketzerhistorie 281
a. —
gegen: stoltz gegen den minderen oder schlächteren
arrogans minoribus Maaler 389
d; nach diesem sieg war gar hochmütig Alexander, stoltz und ungütig gen seinen Macedoniern Hans Sachs 8, 392
Keller. vor: laszt mich immer einen augenblick stolz vor euch seyn Klinger
neues theater 1, 48; aber alle groszen genien waren in ihrer arbeit stolz vor menschen und desto demüthiger vor gott W. H. Riehl
deutsche arbeit 167. —
selten und nur landschaftlich stolz
auf jemanden
ihm gegenüber Sallmann
esthländische mundart 85,
wie mit stolzem blick auf
ihn herabsehend. die gewöhnliche bedeutung von stolz auf einen
s. unter c
β. 9@bb)
weiter bestimmend: stoltz von gmüht seyn die klein von leib Guarinonius
grewel der verwüstung 72; stoltz von worten
contumeliosus Maaler 389
d,
gebraucht stolze worte; ist sie (
die frau) von hohen (!) stamm und adel, so thut sie was sie will, sie leidet kein verweisz noch tadel, und du must schweigen still, ist frech und stoltz von hertz und sinnen, zu wider ist dir jhr beginnen G. Voigtländer
oden und lieder (1642) 20; viel töchter bringen geld und gut, sind zart am leib und stoltz am muth P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 377
b.
[] stolz seyn im sinn
arrogantiae opinione laborare Dentzler 277
a (
mhd. auch dafür der einfache genitiv: sô was er selbe ein stolzer man des muotes
Lohengrin 2073): der ist gar stoltz in seinem sinn Dedekind
christl. ritter (1590)
G 2
b; sondern hub sein haupt hoch empor, und gieng fein auffgericht herein, war stoltz in den geberden sein Sandrub
hist. und poet. kurzweil 58
neudr.; das bild des manns in nackter jugendkraft, so stolz in ruhe und bewegt so edel, wohl ists ein anblick, der bewundrung schafft W. Busch
kritik des herzens 53.
mehr rein local, so im sprichwort: besser stolz am irdenen topfe als demüthig am goldenen tisch Simrock 10410; denen in ihrem gehege stolzen personen Hippel
über die ehe 23. 9@cc)
der grund wird angegeben: stoltz vom sig
subnixus victoria Maaler 389
d; durch reichtum stolz (werden); aus anmaszung stolz.
in gröszerer anschaulichkeit (
doch nun ungewöhnlich): gold ist jhr gott, geld ist jhr liecht, sind stoltz bey groszem gute P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 364
a; (
d. h. mit stolzem protzigen behagen bei den aufgestapelten schätzen sitzen). —
mit der präposit. in: erheb dich nicht deiner kleider, und sey nicht stoltz (
ne ... extollaris Vulg.) in deinen ehren
Jes. Sirach 11, 4; sie soll zu trawrig nicht, zu lustig noch zu geil, nicht stoltz in kleidern seyn G. Voigtländer
oden und lieder (1642) 73; 9@c@aα)
mit einem, wie das gewöhnlichere stolz auf eines
im folgenden: o wie würd der flegelbeschiltete Marcolfus so stoltz mit seim Rustinco Rustibaldo werden?
Gargantua (1) 30
neudr.; des edlen herrn Sidney Arcadia macht die Engellender fast stoltz mit jhrer sprach Opitz
teutsche poemata 5
A 1
a; rauft sich die welt noch um meine tochter, so hab ich ursach, mit ihr stolz zu seyn Hafner
ges. lustspiele 1, 184; es rühmt sich unsre zeit nichts mehr von Wittekinden, dieweil wir ihn in dir annoch gedoppelt finden, und bildet sich mit ihm das altertum was ein, so haben wir wohl recht, gar stolz mit dir zu seyn v. König
ged. 33 (
heldenlob Friedrich Augusts 1719).
dann auch '
spröde mit ihm thun, sich gerne damit nöthigen lassen': ich, leb ich, werd allhie wol nicht der letzte seyn, du weist, ich bin nicht stoltz mit meinem fiddelbogen Simon Dach 775
Österley; vgl. wie stoltz die jungfern doch mit buhlern immer seyn! kümmt einer etwa für, so kümmt ein andrer drein Logau 343, 88. 9@c@bβ) stolz
auf eines (
dabei doch deutlich die vorstellung von einem, der mit einem gefühl von stolz auf einen gegenstand blickt, von ihm für seinen stolz nahrung zieht): wider die nassweisen, die aufsetzig auf yeden hafen ein deck ... finden, und auf alle ding stolz ein oben drauf haben S. Franck
sprüchw. (1545) 1, 11
b; sie (
die schloszfrau) ist ... stolz auf wappen, goldkette, goldbrocat des hauses Freytag 17, 2. — der junker, der auf eine kette von wildschützen stolz ist Lichtenberg
verm. schr. 3, 26; ihr (
der seifenblase) ist ein junges herrchen gleich, stolz auf sein kleid, vom golde reich (Chr.
F. Weisze)
lieder für kinder (1767) 15; (
vergleichend:) er ist stolz wie ein junger rathsherr auf seine kartenperrücke Wander 4, 878; das land, wo das mädchen, das das beste garn gesponnen hat, auf ihr werk so stolz ist als Voltaire auf sein marquisat Möser 1, 213; der Engländer ist auf seine faustfechter ... eben so stolz, als es eine alte jungfer auf ihre keuschheit ist Zimmermann
von dem nationalstolze (1758) 22. — Sie können glauben, dasz man in Deutschland stoltz auf Ihren namen ist Lichtenberg
briefe 2, 64 (Laroche
fräulein von Sternheim 1, 32); ('
Christen',) ein titel auf
[] den sie stolz sind Ritter
erdkunde 1, 177; stolz auf den spitznamen Fontane I 4, 258; ferner blick auf dein geschlechte diesz verdient mit allem rechte, dasz ein edler zweig dabey stolz auf seinen stammbaum sey Gottsched
gedichte (1751) 1, 108; stolz auf unsre vorzüge Klopstock
briefe 11; (
ein director,) der auf die sitten seiner truppe stolz ist Göthe 21, 65
Weim.; stolz auf selbständigkeit Wilh. Schlegel im
Athenäum 1, 2, 16; sein bester trost war daher, stolz auf seine unabhängigkeit und einstweilige unbescholtenheit zu sein, und in diesem stolze liesz er die tage trotzig verstreichen und wandte die augen von der zukunft ab Keller 4, 93; stolz auf sein glück und seine sicherheit Mastalier
gedichte 4, 6; auf sein herz stolz seyn Adelung
lehrgang der deutschen sprache 2, 63; und wenn ich unklug muth und freiheit sang und redlichkeit und freiheit sonder zwang, stolz auf sich selbst und herzliches behagen, erwarb ich mir der menschen schöne gunst Göthe 2, 145
Weim.; sey stolz auf den gedanken Klinger
werke 3, 282; stolz auf die aufklärung und die herrschaft der vernunft Meinecke
generalfeldm. v. Boyen 1, 13; (
die bemerkung,) dasz gelehrte oft weniger stolz sind auf ihr wissen, als ungelehrte auf ihre unwissenheit Ebner - Eschenbach 4, 160; der beste springer dieser knaben, auf seine künste stolz und kühn Ramler
fabellese 1, 63; gebt mir her die harf aus zedernholz, die, auf neugeweihte saiten stolz, gern am Karmel und am Sion tönet Kretschmann
werke 2, 71; ich bin nicht stolz auf heldenthaten und auf gelehrsamkeit Lenz
ged. 187
Weinhold; weh dem, der nicht stolz auf die seinigen seyn darf! maler Müller 1, 356; ich (
bin) stolz auf meinen urgroszvater L. Schücking
an A. v. Droste-Hülshoff 24. — stolz auf das vaterland A. v. Humboldt
kosmos 1, 40; stolz auf seine patriotische aufopferung Mommsen
röm. geschichte 2, 68; stolz auf ihre heimische weise Freytag 17, 122; stolz auf des vaterlandes ehre, heischet sie (
die muse des patrioten) kränze für ihre schwestern Ramler
lyr. ged. (1722) 163; darum bleibt sie (
die vom dichter verherrlichte jungfrau) auf einmal entzückt, tiefsinnig und lächelnd, unter der versammlung ihrer gespielinnen stehn; auf die unsterblichkeit stolz, wenn ihre schönheit dahin ist, hat sie doch den nachruhm, ihre gespielinnen nichts Klopstock
oden 1, 37; stolz auf unsterblichkeit erhöhn sich edle seelen Croneck
schr. 2, 6; ein einziges ist noch zurücke, und drauf ist jeder lord so stolz: das ist eine ungeheure brücke von holz Göthe 17, 38
Weim. (
triumph der empfindsamkeit 4).
als beispiel einer gedanklichen ellipse: wir sterben von wonne trunken: Friederich bleibt hinter uns; ihr stolzen enkel sollt ihn erben Ramler
lyr. ged. (1772) 101 (
d. h. der auf ihn stolzen). 9@c@b@aaαα)
in relativer anknüpfung: eine herablassung, worauf das publicum stolz seyn musz Gerstenberg
Hamb. n. zeitg. 167
lit. denkm.; was wollen denn die meisten dieser axiome bedeuten, worauf die geometrie so stolz ist? Göthe II 11, 80
Weim.; das ist's allein, worauf ich stolz bin
der arme mann im Tockenburg 1, 5; elende prahlerey! werden sich die menschen das nehmen lassen, worauf sie nie stolzer sind, als wenn sie es miszbrauchen? Klinger
werke 3, 33; was der grosze haufe an einem gemälde ... bewundert, das ist es wahrlich nicht, worauf die künstler stolz sein dürfen Forster
schr. 3, 29; Adamberger, Teuber, lauter Teutsche, worauf
[] Teutschland stolz seyn darf Mozart
bei O. Jahn 4, 151. — die umstände ... machen sie (
die arbeit) mir zu einem vergnügen, auf welches ich stolz zu seyn ursache habe Lessing 8, 5. 9@c@b@bbββ) stolz darauf, etwas zu thun (etwas zu besitzen
u. s. w.): die Socratische weisheit war stolz darauf, den reichthum entbehren zu können Wieland 1, 90 (
Agathon 2, 1); sie können nicht glauben, madame, wie stolz ich darauf bin, feinde zu haben Deinhardstein
dram. w. 5, 197; ich lobe jeden Rigenser, der stolz darauf ist, so zu heiszen Holtei
erz. schr. 1, 110; da es eine auszeichnung war, diesen schwierigen erdwinkel aufzunehmen, so war ich stolz darauf, es recht schön und ansehnlich zu thun Stifter 5, 1, 101; insofern euer excellenz überhaupt diese arbeit einer solchen auszeichnung würdig erachten, würde ich stolz darauf sein, sie der beurtheilung des erlauchtesten kenners zu unterbreiten Moltke
ges. schr. 1, 186. — sey stoltz darauf, schwester, dasz ich dir ein stück der zeit schencke, die ich so nothwendig brauche Göthe IV 1, 19
Weim. 9@c@b@ggγγ)
mit auslassung des hinweisenden und vorbereitenden darauf,
mit causalem infinitiv: der cardinal war stolz, sein siegel mit den siegeln der übrigen cardinäle zu vergleichen Göthe 44, 11
Weim.; zwei geister, welche neben einander zu sehen das jahrhundert stolz war Brentano 9, 452; man war stolz, einen punct gefunden zu haben, wo nur die neueren canonische muster aufwiesen Justi
Winckelmann 1, 268; der tapfere Gepidenkönig Ardarich war stolz, einer seiner (
des Attila) getreusten zu sein Freytag
bilder 1, 141; wir waren stolz, keinen der schulmänner bei uns zu haben, welche die grosze kolonne begleiteten Keller 1, 135; das rosz, das, einen solchen held zu tragen, stolz, nicht müde von dem langen fluge war Lessing 8, 36; sie folgt ihrem gebieter nach, stolz, dem trägeren erben nachzulassen, was sie erkämpft Herder 27, 35; und ist sie stolzer, mensch zu sein, mit menschen menschlich sich zu freun, als über sie zu ragen Schiller 6, 8.
mit folgendem dasz: der jüngling werde stolz, dasz ihn ein herz, wie meines, wählt Miller
gedichte (1783 154; vergisz da deines freundes nicht, der sich mit wonne stets und stets mit stolz erinnern wird, dasz er als arzt dir zweymal hat gedient, ... der aber noch weit stolzer ist, dasz du sein freund bist, so wie er Sigm. Barisani
in Mozarts stammbuch (O. Jahn 3, 243). 9@c@gγ)
weniger anschaulich: wegen etwas stoltz seyn,
andar superbo, tumido di qualche cosa Kramer
dict. 2, 983
a;
dafür auch der blosze genitiv: jeder des lernens froh, keiner stolz des lehrens und berichtigens Voss
antisymbolik 2, 2,
wie schon mhd.: (Ênîte) was sîner manheit beide stolz unde gemeit
Erec 2851; dô wart der küniginne diu kristenfrouwe für ir teil. des wart sî stolz unde geil
Flore 506. 1010)
in verbalen wendungen. 10@aa)
einen stolz machen, durch handlungen oder worte in ihm das gefühl des stolzes rege machen: stoltz machen
animos tollere, efferre animos Maaler 389
d (
vgl. Rist
friedewünschendes Teutschland 17; Wieland
Agathon 1, 10;
Leipz. aventurieur 1, 75); gute werck blehen auf und machen stoltz Luther 23, 508
Weim.; zu dem allem reicht es (
das lange, vergebliche belagern einer festung) auch dem kriegsherrn zu gespött, macht jhn und sein kriegsvolck kleinmütig, und dargegen den feind behertzigt und stoltz Fronsperger
kriegsbuch 1, 57; reichthum und schönheit machet stoltz
richezza e bellezza generano alterezza Kramer
dict. 2, 983
b; so wird uns dieses glücke nicht stolz machen Mayr
päckchen satiren (1769) 9; der glückliche fortgang meiner eroberungen machte mich stolz, und wer stolz ist, ist kühn Göthe 37, 23
Weim.; [] sie danken mir wohl gar öfters so in ihrem herzen für meine belehrungen? sie werden mich noch ganz stolz machen! Mozart
bei O. Jahn 3, 174; Quintilius! dein kaiser macht mich stolz (
durch die geschenke) Kleist 2, 379
Schmidt (
Hermannsschlacht 3, 5).
sich stolz machen, sich stolz zurückhalten, sich aus stolz versagen (
doch zweifelhaft:) stehe nicht auf deinem eigen kopf, in deinem ampt, und mache dich nicht stoltz, wenn man dein darf
Jes. Sirach 10, 29,
wo freilich die Vulg. (
et noli cunctari in tempore angustiae)
für diese bedeutung eintritt (
die Sept. hat καὶ μὴ δοξάζου)
vgl. auch sonst bei Luther: ihr machet meinen glauben nur stöltzer und prechtiger 33, 667
Weim. 10@bb)
stolz werden (Göthe 23, 4
Weim.): ich werd stoltz
ampullor, efferor, extollor, tumesco, sumo ferociam Alberus (1540) JJ 3
b (Frisius 30
a); wenn nu das hertz solchs fulet, ists nit muglich, das es nicht solt stoltz und mutig werden Luther 17, 1, 436
Weim.; wir (
Artaxerxes) befinden, das viel sind, welche der fürsten gnade misbrauchen, und von den ehren, so jnen widerferet, stoltz und böse werden (
abusi sunt in superbiam Vulg.)
Esther 6, 2; wann man einem bawren liebkost, so wird er stoltz Lehmann
florilegium polit. 1, 22; das gibt einen dicken grossen schweren regen, darmit wirdt dann der Nilus stoltz, vermeynt kein wasser zu seyn, sonder geuszt sich vber gewönliche gestaden aus und bedeckt das land Egypten wie ein meer
buch der liebe 190; lasz ihn nicht stoltz werden Kramer
dict. 2, 983
b; wenn man die kinder unter einem jahre lässet in spiegel schauen, so werden sie stoltz Schmidt
rockenphilosophie 1, 44 (Wuttke
volksaberglaube3 392); (
ein reicher hirte) hob an, stolz zu werden brüder Grimm
sagen 1, 77; ihr jungfern, hört mir zu; doch fasset die geberden und meint durch meinen ruhm nicht stöltzer wo zu werden! Logau 281, 58 (Luther 5, 115
b); das er (
der leib) nicht zu wilde und böse noch das fleisch zu stolz werde 24, 112
Weim.; darumb (
weil ihm niemand widerstehen konnte) ward er (
der teufel) auch seer stoltz und mutig 32, 40
Weim.; da er (
Alexander) nu die königreiche innen hatte, ward er stoltz, und fiel in kranckheit 1.
Maccab. 1, 5 (
Daniel 5, 20); aber unser veter wurden stoltz und halsstarrig, das sie deinen geboten nicht gehorchten
Nehem. 9, 16; das nicht jre feinde stoltz würden, und möchten sagen, unser macht ist hoch, und der herr hat nicht solchs alles gethan
5. Moses 32, 27. —