schroh Adj.: 1.a.
α. 'rauh, spröde, grob, hart',
z. B. von der ausgetrockneten Schnittfläche des Brotes, von rauher Haut, von ausgetrocknetem, scholligem Ackerboden, von der Oberfläche eines unbehauenen Steins usw.,
schroh (šrō) [verbr. (außer SOPf), Bernhard 167 Schandein Sprachsch. 64 PfId. 129 Don-Lenauheim],
(šr) [vereinzelt äußerste NWPf],
schrah (šrā) [PS-Fehrb],
schruh (šrū) [RO-Rehborn Odh],
schreh [KU-Etschbg HB-Breitft].
's Brot es schun ganz sch. [RO-Als].
Der Acker is sch. [KU-Schmittw/O].
De Borrem (Boden)
es so sch. [KB-Boland].
Ich hun schrohe Händ [RO-Ebbg].
's is mer ganz sch. im Hals 'Ich habe einen rauhen, trockenen Hals' [KL-Reichbstg]. BR.:
Acker mit Holz macht den Acker stolz, / Acker mit Laub macht den Acker taub, / Acker mit Stroh macht den Acker sch. [NW-Elmst]. — β. 'zäh, faserig', bes. vom Fleisch [KU-Aschb Trahw FR-Ebertsh Tiefth Pirmas]. — γ. 'ungekocht, halbroh' [Schandein Ged. 249 Kühn Hamet 136]. — b. 'struppig, ungepflegt, unansehnlich, häßlich' [verbr. (außer SOPf)];
e sch. Gesicht [KL-Vogb].
Die ist sch. wie die Nacht 'sehr häßlich' [IB-Aßw].
Das es e schroh Märe (Mädchen) [RO-Gehrw].
Des Haus is sch. 'Das Haus macht einen verwahrlosten Eindruck' [KL-Rodb]. — c. 'schlecht genährt, mager, dürr', von Tier und Mensch [KU-Frankb Wahnwg HB-Einöd ZW-Mauschb Riedbg PS-L'mühl Hintwdth Ruppw Salzwg Th'eischw KB-Lauth FR-Eppst Gr'karlb LU-Alsh/Gr Assh Böhl Friesh Fußgh Ruchh NW-Meckh Mußb Seeb Ungst Weish/S SP-Schiffstdt];
vgl. schrohig.
Die Kuh isch sch. [PS-Hintwdth]. —
d. schroh gucke 'schielen' [KU-Relsbg WD-Hoof HB-Lu'thal]. — e. 'geschmacklos, fade', von Mahlzeiten [KU-Kollw KL-Neukch].
Die Grumbeere schmacke so sch. [KL-Neukch].
Oh geh mer hämer mit Marane! (Maronen) /
Die sin ke bißel sieß un zart, / Un schmecken sch., wie dicke Bahne (Bohnen) [Räder 47]. — 2.a. 'roh, ungehobelt, ungesittet, flegelhaft, verwegen', [mancherorts WPf NPf nördl. VPf].
Des is e schroeʳ Kerl [LU-Opp].
Wann eener schennt, / dein Sprooch wär grob un schroh [Müller Butterbärwel (Geleitwort zur Aufl. v. 1918)].
Noht endlich, wie de schroh Bibi dran war, mol dabber die Scher in die Hand krieht [Kraus Arwed 20]. — b.α. 'eigenwillig, absonderlich, eigenbrötlerisch, verschroben, geistig verquer' [KU-Gries W'mohr WD-Niedkch HB-Lu'thal O'bexb Seyw IB-Lautzkch Ommh Rohrb Nd'würzb Zweibr].
Dass schrooe Minsch konnsche joo nirchens meddholle! Doo dusche dich jo blo'miere! [Glass Klutzkopp 115]. — β. 'spaßig, schalkhaft' [IB-Hass Ingb Ommh]. — c. 'unfreundlich, widerwärtig, niederträchtig, böse, schlecht, schlimm, übel' [verbr. (außer SOPf) Hussong Kirkel 153];
schroh Wedder 'unfreundlich kaltes Wetter' [NW-Weish/S].
Du schroheʳ Hund! [KU-Körbn].
Er is heit so sch. [Zweibr (Wilms Alph. 50)].
Der guckt mich so sch. aⁿ 'Er schaut mich unfreundlich, böse an' [ZW-Hengstb].
Die Ald in der Wohnung unner meer hat heit widder ganz schroh geguckt! [Damm Dreifaltichkäät 25].
Der macht e schroe Kopp 'Er macht einen abweisenden Gesichtsausdruck' [KU-A'glan].
Es Läwe isch verkehrt un sch. [Kraus Gloori Bagaasch 11].
Mir werd ganz sch. vor de Aage 'Mir wird übel' [FR-Maxd].
Es Schicksal dät mir doch im Läwe nix meh gunne; ma därmelt durch die Zejt, werd langsam groh un schroh [Kraus Putscheblum 59].
's is mer so sch. heit (nach einem Zechgelage) [KU-Konk].
Vom Warte werd's äm schon schroh [Kraus Arwed 26].
's geht sch. her 'Es sind schlechte, arme Verhältnisse' [ZW-Battw]. —
d. 'unberechen- bar, jähzornig, aufbrausend, zu Tätlichkeiten neigend' [HB-Brenschb Kirrbg Nd'bexb Ingb]. — e. 'hinterlistig, raffiniert' [KU-Kübbg Theisbgstg KL-Erfb]. —
f. 'neidisch, mißgünstig' [KU-Diedk KL-O'mohr]. — Mhd. schrâch, schrôch 'mager, dürr, rauh, grob' (
Lexer II 783). — Südhess. V 766/67;
Rhein. VII 1762 ff. schrah;
Lothr. 467; Hess.-Nass. III 439 ff.;
DWb. IX 1766.