schrah das Wort, schrae Theutonista,
mnd. schra,
mhd. schrâch, schrôch,
ndl. schraal entsprechend, < einer Wurzel
skrêχ-, ist in unserem Geb. allg., u. zwar Rhfrk
-; Mosfrk
-: [innerh. Merz-Schweml Bessering Bachem Brotd Rippl Rech Ballern u. in Merching Rissenth
-:; WSaarbg, WBitb
-ō:; Bitb-Mettend
-ō:x; Prüm vielfach, Malm-Aldring Neiding
-:x]; Rip
-:; Berg
-:, –ō:, –; SNfrk
-·ə.; Klevld
-, –, –; gesteigert
-Eər, –E·ə.r (-ē·ə.-), –·ə.r usf. mit Umlaut; [Rip
-tər; OBerg
-dər],
dər šrEsdə, –šdə usf., aber auch ohne Umlaut [Rip
šrtstə, –-; OBerg
-tstə; Eup-Stdt
-ǫ-]; hinsichtl. der Bed. lassen sich best. Gebiete unterscheiden, nach denen am besten das Wort dargestellt wird (anstatt aus der ursprüngl. Bed. »mager« die andere Bed. zu entwickeln)
Adj.: 1. Rhfrk. a. im Saargeb. u. Wend. α. hässlich, nicht schön;
e schr. Mönsch hässliches Weib;
schr.ər Stoft (Stoff) udgl.;
schr. schreiwe udgl. — β. erbärmlich, nicht gut, von Menschen u. Sachen;
e schr.ər Minsch; et es mer schr. (em Leib) übel;
schr. gucke (lue) schielen (dies auch Birkf). — γ. unbequem, widerwärtig, auffallend, von Menschen u. Sachen;
e schr.ər Kamerad (Hecht) eigen, seltsam, sonderbar; ungesellig, launisch;
e schr. Sach auffallend, unerwartet;
die Sopp schmackt so schr. heit (heute);
's sitt schr. aus hinsichtl. der Weltlage;
du sischt heit so schr. aus so ganz anders als sonst Allg.; beschränkt, geistesgestört Ottw. — b. an der weiteren Nahe. α. unangenehm, widerwärtig, meist vom Wetter, Gelände;
e schr.ər Wind geht heit ein scharfer Wind;
's Fläsch is schr. zähe;
es hot sich noch schr. gemach der Acker hat sich rauh, hart gepflügt. — β. wenig höflich, grob, vom Menschen. — c. im Hunsr. α.
haut (heute)
is et schr. hässliches Wetter. — β. grob, rücksichtslos, vom Menschen anschliessend an 1 b β; habgierig, übereifrig arbeitend, geizig Bernk; böswillig, zornig Goar. — 2. Mosfrk. a. an der Saar. α. hässlich Saarl-Diefflen, Merz-Becking Conf Riml Trier-Hermeskeil Mettnich;
et seiht schr. aus met em er ist ernstlich krank Allg.;
ich het bal schr. gesot unanständig geredet Merz-Saarhölzb. — β. unangenehm, eigenartig, sonderbar (im Anschluss an 1 a γ), von Menschen u. Sachen;
dat es e schr.ən Hälligen sonderbarer Kauz;
en schr. Färf (Farbe);
schr. Weder unberechenbares Wetter;
e schr. Deng schwerverständlich;
dat gemohnt mich schr. kommt mir seltsam vor:
de kennt (kommt)
der de schroscht gefohr er erzählt sonderbare, spasshafte Anekdoten;
et get (wird)
mer jo ämol esou schr. so sonderbar, übel, ein wenig verrückt,
ganz schr. irrsinnig Saarl, Merz, SSaarbg, Hochw [in Merz-Saarhölzb auch unbarmherzig, roh]. — b. in Saarbg, Trier (Mos,
n. Mos), Wittl, Bernk (Mos), Bitb (nicht WBitb), Prüm, Daun, SMalm, SSchleid. α. ungezogen, verkehrt, unnachgiebig, unverträglich, zanksüchtig, streng, rauh, heftig, plötzlich sehr aufgeregt, zornig, vom
[] Menschen; bösartig, gefährlich, vom Vieh, Hunde;
de Frau hot en schr.ə Man; en schr.ə Lihrer streng;
mei Papp wor äwel esu schr. gewest, dat en mich hätt blo a (und)
schworz haue kennen WEif, Allg.;
dat moss mer sage, do an der Ahr sen amodig (anmutige)
Löck (Leute),
lang net esu schr. wie dorövver am Bleiberg dat Volk Schleid-Holzmülh. RA.:
E schr. Kand (Kind)
an (in)
der Jugend get am Alder dack (oft)
et best Bitb-Wiersd. — β. von Sachen;
e schr. Gesicht böses, zorniges, strenges G.;
en schr.ə Fanger schwärender Finger;
en schr. Krenkt schlimme Krankheit;
e schr. Weder böses, stürmisches Wetter;
ech hom mech un de Hand geschnidden, et get schr.; et es schr. kalt. RA.:
Korwuch (Karwoche),
schr. W. die Karwoche hat in der Regel schlechte Witterung Trier-Clüsserath. — 3. Im OMosfrk an der uMos von Bernk an, in Goar
n. der Bopparder L., in May, im Westerw u. anschliessend im Rip, OBerg, Eup, das umfassendste Geb. mit einheitlicher Bedeutungsentwicklung. a.α. hässlich, von der äussern Erscheinung bei Menschen, Tieren, Sachen (im NLRip hässlich u. dabei armselig, unansehnlich);
en schr. Fra; dat Kend es arg schr.; (et es en schr.ən Art Lu [Leute] OBerg
); se hat e schr. Gesicht (den hat e schr. G. opstohn hässliches, abstossendes G. Malm);
dat Klad (de Frisur) steht dir schr.; dat Kend hat sich schr. gemacht sich beschmutzt dadurch, dass es den Kot unter sich machte;
wat es der Bodem esu schr., et es Zeit, dat e geschauert get; der Bref es schr. geschriewe; schr. senge (udgl.) May, Allg.;
mach doch net esu schr.! mach nicht solch hässliche Stimme, zu einem, der schreit, oder flucht May-Trimbs;
der Hond micht schr. knurrt Kobl-Dieblich;
jet Schrosch etwas Hässliches Rip. RA.:
Je schräre der Bock, je schöner et Zeckel May-OMendig.
Schr.ə Wieəkinner (Wiegekinder),
schiene Gassekinner Goar-Weiler.
Erlenholz on Böchenholz, dat get de schünste Scheirer (Scheite),
on wat de schröchste Mädcher sen, dat get de schünste Weiwer Altk-Bachenbg. Der Neuntöter (Vogel) ruft den Mädchen (auch wenn sie schön sind) zu:
Hi, hi, bat en schr. Der (Tier),
D., D.! Neuw-Brückrachd.
De es we de schr. Janne, de ho (hatte)
et Finnt (Feine)
va bannes (binnen) gesagt, wenn das Benehmen eines Mannes freundlicher ist, als man sich vorher gedacht hatte Eup.
Et finnste Mäddje ohne Geld rümmt et schrottste deck (oft)
et Feild ebd. Ne schr.ə Lapp (Flicklappen)
es besser we e feng (feines)
Louch (Loch) Schleid-Dreiborn, Aach-Büsb.
Dat Herz (des Menschen)
es jo got, awwer die Nas es schr. Altk-Kirchen.
Lofe gohn, dat steht schr., ävver me befengk (befindet)
sech got dono MülhRh.
Wat steht dat schr.: de Mädcher lofen de Jongen no! Altk-Hamm, OBerg.
En fing (feine)
Ursach steht net schr. Monsch-Kalterherbg. — β. nicht gut, sehr ungelegen, unangenehm, schwierig, gefährlich;
et es schr. Weder; dat es en schr. Zeit heit (heute);
dat es en schr. Sach; en schr.ə Weg; gef Acht, do es en schr.ə Trepp; en schr.ə Fenger, en schr. Hand, en schr. Wonn udgl. mit bösem, gefährlichem Geschwür;
se hat e schr. Maul ein
[] böses Mundwerk;
en schr.ə Dut han mit vielen Schmerzen verbunden oder etwa durch Überfahren herbeigeführt;
en schr.ən Ort wo man schlecht hingelangen kann, ein unfruchtbarer, armer Ort (OBerg);
en schr. Wis, Muər; schr. Doch (Tuch) roh, mangelhaft bereitet (Rip);
der Magen es en schr. Del (Körperteil) er tut oft weh, wird oft krank, bereitet Ärger (OBerg);
et seiht schr. aus am Himmel bedenklich bei Gewitterwolken;
et s. schr. aus en em Haus, en em Geschäft bei Unordnung u. Schulden;
et s. schr. aus en der Politik (en der Welt) wenn Krieg droht;
dem gaht et schr. gesundheitl., wirtschaftl. sehr schlecht;
et es mir (ganz) schr. übel;
dau wiərscht schr. ankomme ungelegen;
dat Kälfchen soff su schr. nicht gut;
dat schmackt schr. unangenehm bitter;
er es schr. verbimst, ausgeschand udgl.
wure gehörig, ihm ungelegen;
der hot sech schr. geschiddelt (geschüttelt) ist sehr mager geworden;
dat könnt dir schr. oprötsche könnte fatal für dich auslaufen; u. so bei
Adj. zur Verstärkung dienend:
et es sch. kalt, — häss; der es schr. krank, — mager uMos, Allg. — b. von Charaktereigenschaften, übel, böswillig, unartig, garstig, unfreundlich, lieblos, gefühllos, abscheulich;
ene schr.ə Kerl übler Kerl;
der Mann es esu schr. net, — es kene schr.ə Kerl nicht so übel;
die Kender han ene schr.ə (zu strengen)
Lihrer; menge Mann ös esu schr. gent (gegen)
mech unfreundlich, herzlos;
de Jong ös schr. g. seng Motter; dat ös schr. van dir, datste su jet dehs; dat steht dir schr., wann du su schlech van denger Frau schwätz; der behangelt mech su schr.; sech schr. mache sich durch Reden u. Tun in der öffentlichen Meinung herabsetzen Rip, Allg. [in Monsch, Aach dafür
fleddig]. RA.:
En Kitzhahn on en Noper (Nachbar),
dat sen zwei schr. Keərl Sülzt. — Auch mit Sachen; als Folge der Gesinnung:
en schr. Gesech mache ein unfreundliches, finsteres, strenges Gesicht
m.,
e schr. Stöck böser Streich;
ene schr.ə Kall übles Gerede, Verleumdung (usf.)
ebd. — 4.Siegld Ferndorft neben
- auch
-Ew [in Geisweid nur flekt.
-wə] nur »mager, spindeldürr, hässlich durch Magerkeit« (nur Freier Grund »hässlich, böse«;
därr »mager«). RA.:
schr. wē ə Killholz; dä es sō schr., dä kā səch hennər em Schdǫch-īsə ə rāilich Hemd ādō Netphet;
dä es sō schr., dat mer ən duərjə Hōnərlǫch oder
duərjə Jochrenk zē kā; sō schr., dat mər ən menəm Schdrichschbänchə āschdächə kā; hä sg sech zwōăr fätt ā, hät sech awwər schr. jəschlachdət sagt man im ob. Ferndrft von einem Schwiegervater, dessen Reichtum den Erwartungen nicht entsprach. — 5. NBerg (das OBerg geht mit dem Rip u. dem andern Geb. 3). a. mager, dürr, bes. im Gesicht Lennep, Barm, Elbf, Mettm, Düss (
n. einschl. Ruhr sich fortsetzend);
en Schr. alte, magere Kuh Mettm-Langenbg. — b. unwohl, krank;
et es (wird) mir schr.; et es (steht) noch schr. met em; he es schr. em Stang (Stand), —
em Werk; he es schr. halbkrank, —
büs (arg) schr. sehr kr.;
schr. utsehn; schr. sin den Monatsfluss haben;
schr. werden diesen bekommen
ebd. u. Sol, uWupp;
schrökes [] blass, krank, vom Kinde Mettm-Haan. — c. stumpf, vom Messer Düss-Hilden. —
d. dat es ne schr.ə Kerl eckig, ungemütlich Düss-Hilden Stdt (im übrigen geht das rip. Sol mit dem Rip (
s. 3). — 6.
n. einschl. Ruhr, Klev, Mörs, Geld, NKref, Neuss-Büttgen 1860 (im Anschluss an 5 a). a.α. mager, hager, schwächlich, von Menschen, Tieren;
hei es arg schr., — süht schr. ut; der es en schr.ən Hond; en schr. Wiff; schr. Vieh Allg. RA.:
So schr. as en Tun (Zaun) Ess, —
en Hipp (Ziege) Mörs-Hombg.
He is so schr., he kann en Hipp (Ziege)
töschen de Hörnder kisse Duisb. — β. mager, ohne Humusgehalt, vom Boden;
schr.ən Grond; en schr. Wej (Weide, Wiese) Dinsl, Rees, Klev; auch
en schr.ə Supp ohne Fettgehalt;
gei mott orndlek Fett in't Gemüs duhn, anders schmeckt et schr. schal;
bei die Lü geht et schr. her bei magerer, schlechter Kost;
dem geht et schr. schlecht;
et es ene schr.ən Tit eine magere Jahreszeit, in der es nicht genug mehr gibt
n. Ruhr, Mörs. RA.:
Wenn die Bremmblum (Ginster)
blönkt, dann ös et ene schr.ən Tit Mörs-Neuk. — b.α. rauh, unfreundlich, von Wind, Wetter;
schr.ə Wend Ostwind;
schr. Wer; et ös debute (draussen)
schr. on kalt (
schr. Wer auch heisses, austrocknendes Wetter)
n. einschl. Ruhr, Klev, Mörs, Geld. — β. rauh, ohne Bedürfnisse aufgezogen;
de Blage sin schr. grot getrocke, die frete alles Rees, Kref. — γ. rauh, spröde, brüchig, von der Hand, vom Holz;
en schr.ə Hand; dat Holt es schr. Rees-Elten Milling, Klev-Frasselt. — 7. im SNfrk ist das Wort seltener. a.
schr. weərde ohnmächtig werden,
schr. falle ohnmächtig zusammenbrechen Heinsb, Erk u. im rip. Bedeutungsraum noch in Grevbr-Garzw Hochneuk, Bergh-NEmbt Pütz, Jül-Calr Fronhv u. MülhRh-Refr. — b. rauh u. kalt, vom Wind, Wetter Grevbr-Wickr, Erk-Körrenz (im übrigen geht Grevbr, SErk mit dem Rip; aus Kemp u. vielfach aus Kref (
s. 6) fehlen die Belege). — c.
Schrotts n.: Schmutziges, Hässliches Eup.