lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

mucken

ahd. bis sprichw. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
21 in 16 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
Verweise rein
28
Verweise raus
26

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

mucken verb.

Bd. 12, Sp. 2609
mucken, verb. , in mehreren bedeutungen. 11) einen brummlaut hören lassen: mugire, moken, vaccarum. Dief. 369c; muggen, mûggen, brummen, zunächst vom rindvieh Stalder 2, 216; so der wächter mit brummen und mucken zeichen gibt, zur stund erwachet die ganze herd. Forer fischb. 201a; auch von dem kurzen brummlaut eines hundes: bei allen kindern Israel sol nicht ein hund mucken. 2 Mos. 11, 7 (im gegensatz zu wird ein gros geschrei sein in ganz Egyptenland v. 6). 22) mucken von menschen, brummen oder murmeln: mukken, mutire, heimlich reden. Schottel 1366; ich mucke, mutio Steinbach 2, 78; gebraucht vom kurzen ausstoszen eines brumm- oder murrlautes; in verbindung mit murren: kein murren und mucken verstört ihre heiterkeit. Niebuhr Niebuhrs leb. 1, 211; im gegensatz zu schreien, s. den beleg nachher, und zu gicken, das das ausstoszen eines hellen kurzen schreies bezeichnet: da (beim sturze eines tyrannen) singet, tichtet, lachet, spottet, hönet jederman, der zuvor nicht gicken noch mucken thurste. Luther 3, 245b; mucken als zeichen der leisen widersetzlichkeit, des widerspruchs: ist mir doch lieb, das der teufel an tag kömpt, und zu schanden wird, durch diese seine himlischen propheten, die nu lange gemucket haben, und noch nie herfür gewolt, bis ich sie mit einem gülden heraus gelocket habe. 59a; gleich wie dem bapst auch geschehen ist, durch Johannes Hussen blut, welchen er nicht mochte in einem winkel lassen [] mucken, und mus jn nu lassen in aller welt schreien. 383b; ah, welch einen groszen haufen falscher lerer, abgottischer, ketzer, hat er hie müssen vertreiben, oder je also das maul stopfen, das sie nicht haben dürfen mucken, noch sich regen. 6, 152a; und wenn sie nit heraus wollen und noch mucken und fluchen, so werden sie oft abgeschmiert. Pape bettel- u. garteteufel (1586) M 6a; er muckt nicht, verbum nullum mutit, ich darf nicht mucken, nihil mutire audeo, sie unterstunden sich nicht die augen auf zu heben oder nur zu mucken, nec attollere oculos aut hiscere audebant. Steinbach 2, 78; der kirchen macht ist todt; wer auf die inful hält, muckt, fleucht, und ist vorlängst auf lands sein grab gefällt. A. Gryphius (1698) 1, 298; der hauptmann so den leib des fürsten wird begehren, hat macht, sofern sie muckt, auf ihren hals zu gehn. 401; o freiheit süsz der presse! .. kommt laszt uns alles drucken, und walten für und für; nur sollte keiner mucken der nicht so denkt wie wir. Göthe 3, 267; dort haben sie (die Sachsen unter Karl d. gr.) lange genug gerungen, bis endlich die pfaffen sie bezwungen und sie sich unters joch geduckt; doch haben sie immer einmal gemuckt. 56, 109; mag der muckende kritiker mucken, fort doch walzet die melodie. A. W. Schlegel 2, 195; in Mitteldeutschland mucken, murren, widersprechen Albrecht 172b als leipzigisch; aufmucken, seinem unwillen ausdruck geben, murren 80b als berlinisch (dazu auch einen abmucken, durch widerspruch zurückweisen, nd. affmucken, mit harten worten widersprechen Danneil 140a); niederdeutsch in die stärkere bedeutung maulen, grollen übergegangen: mukken, grimassieren, auch maulen Schütze 3, 118; mucken, anhaltend böse sein, grollen Schambach 139a; mukken, stillschweigend zürnen, alle freundschaft mit jemand aufheben, he mukkt mit mi, er spricht mit mir kein wort, de lüde mukken, sie sind unfreunde Dähnert 315a, vergl. indes dazu unten nr. 10; selbst ins dänische und schwedische als mukke, mucka, murren, maulen aufgenommen; ihr habt genug daheim gemuckt. Voss 5, 65; umsonst! die mucker mucken fort, und reden kein vernünftig wort, und spielen (statt aufs land zu kommen). ebenda; wer nicht des ofnen himmelblaus sich freut, den lacht der kukuk aus! dem mucker ruft er zu: was, mucker, muckest du? 232. 33) gern mucken gegen, wider einen oder etwas: das, wer nur ein wenig dawider muckt, muszte bald ein ketzer, zum feur verdampt, und schuldig sein des ewigen fluchs. Luther 1, 55a; trotz allen teufeln, das sie hiewider mucken. 2, 94b; ist damit d. Carlstad .. so uberwunden, das er nicht mucken dawider kan, mucket er aber, so sol ers noch erger machen. 3, 88a; das niemand wider sie thar mucken. 4, 298b; als darwider niemand hette dürfen mucken. 5, 115b; sie wolten gern, das alle die tod weren, die wider jre gottlose lere mit einem wort mucken. 6, 404b; vorhin thurste niemand wider jn, als einen bapst, mucken. 8, 210a; was wolten die armen leute thun, musten alle ja sagen, denn welcher nur dagegen gemucket hette, hette vom knebelspiesz wol so viel gekriget, das man ihn zu haus hette tragen müssen. Henneberger landt. 427; het einer dagegen gemucket, er were seines halses gefahr gestanden. Schütz Preuszen 6; so wirds viel schendlicher und unchristlicher sein unter und bei ihnen sitzen und wonen und nicht eins dawider mucken. Pape bettel- u. garteteufel E 7a; vor etwas, zu etwas, um etwas mucken: die ketzer haben sich auch aufs wasschen gegeben, das man nichts höret, denn jre trewme. unser lere und glauben kan kaum dafür mucken. Luther 3, 302b; denn so uberhin rausschen, zeigt an ein hochmütiges herz, das alle menschen veracht, als die klötze, gerade als müsten sie jnen lassen daran genügen, wenn ein schwermer ein wenig dazu mucket, und solle denn flugs für gewisse warheit anzunemen sein. 372a; ob man dir gleich nu alles nimpt, du solst darumb nicht mucken. Selneccer psalmen (1587) s. 130. 44) mucken, transitiv: ich sage Christus fleisch sei aus fleisch geboren, da las es bei bleiben und mucke kein wort dawider. Luther 3, 464b; also thut dieser geist, mucket ein wort oder zwei, das niemand weis, was er sagt, und das heiszt geantwort. [] 479b; müssen sie wie knecht und mägt dienen, noch icht von yhrem adel mucken. Frank weltb. 117a. 55) mucken, in der bedeutung sich rühren, sich aus seiner ruhigen lage erheben, eine bewegung machen: halt! keiner mucke von der stelle! wer sich rührt, ist des todes. Göthe 43, 301; so streiten sie, und denken, graf und ritter, so mancher, der ein groszes maul sonst hat, soll raus sich scheeren, ehre einzulegen. doch keiner rührt sich, keiner muckt und ihnen ists auch nicht zu verdenken, dasz sie bleiben. Tieck Octavian. 280; in Baiern beim schieszen mucken, unterm losdrücken die augen schlieszen und den arm nicht unbeweglich halten. Schm. 1, 1566 Fromm.; auch einem mucken, einem winke, verstohlene zeichen geben. ebenda; rhein. mucken, durch mundstellung und sonstige zeichen dem andern die karten verraten. Kehrein 284. 66) mucken, reflexiv: bair. sich nicht mucken, sich nicht die geringste bewegung, den geringsten laut erlauben Schm. 1, 1566 Fromm.; niederd. sik mucken, sich rühren, sich bewegen Woeste 179a; mukke di ins, unterstehe dich einmal den mund aufzuthun, rühre dich nicht. brem. wb. 3, 197; sek mucken, einen versuch machen sich zu widersetzen Schambach 139a; sek mucken, widersprechen, sich widersetzen Danneil 140a; thun sie heimlich dir ein wehe, darfst du dennoch dich nicht mucken. H. Heine 18, 139. 77) mucken, von einem übel, sich regen, seine tücke zeigen, ohne eigentlich ausgesprochen zu schmerzen: die zähne mucken oder muckern, beginnen zu schmerzen. Albrecht 172b. 88) mucken, tückisch, hinterlistig, heimlich ermorden, niederd. mukken, afmukken brem. wb. 3, 197; affmucken, einen heimlich töten, auch einen in der stille abprügeln Danneil 140a; in Ostfriesland offmucken, heimlich abthun, von sachen und personen: sê hebben de sake mit nander ofmukd, unterdrückt, dasz sie verborgen bleibt, se hebben hum ofmukt, ihn heimlich getötet ten Doornkaat - Koolman 2, 624b; bair. dafür abmäcken, dermäcken, gemeiner ausdruck für umbringen. Schm. 1, 1565 Fromm. 99) für mucken in der bed. 1. 2 und 3 auch die umgelautete form mücken: schweizerisch müggen, mggen stärker in der bedeutung als muggen, mûggen (oben 1) Stalder 2, 216; dagegen keiser, künig, fürsten mit einem wort nit mücken thürsten. B. Waldis das päpstl. reich 1, 2; die welt hat jetzt viel junger gsellen, die dem gelt wunderlich nachstellen; mit jrem mücken, fatzen, liegen jetzt fast die ganze welt betriegen. Esop 4, 50, 61. 1010) mucken in der bedeutung 1 und den daraus entflossenen folgenden (2—6) ist eine bildung von dem brummlaute muck, deren alter durch das ahd. iterativum irmuccaʒan, irmukkiʒen, mutire Graff 2, 655 (vgl. unten mucksen) bezeugt wird. wenn aber zu mucken landschaftlich aus der bedeutung 2 sich der sinn des stillschweigenden zürnens und des heimlichen widerwillens entwickelt hat, so ist wol hierbei von einflusz gewesen jene begriffsreihe, die unter meuchel sp. 2159 aufgeführt wurde und die namentlich auch ein muckseln, rummuckseln, boshaft still herumschleichen hervorbrachte, ebenso wie das sp. 2435 aufgeführte mocken schleichen, lauern mit mockeln, leise bewegungen machen oder laute von sich geben; ihr gehört entschieden die bedeutung 8 von mucken zu. in der bedeutung 7 ist das verbum zunächst nur ableitung des subst. mucke sp. 2605.
8940 Zeichen · 111 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    mucken

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)

    firmuckenAWB sw.v. I, nur part.perf. in Gl. 1,130,36 (Ra, Kb, Pa): ‚abgestumpft sein (?), ersticken (?); suffocatio‘ <〈V…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    muckenswv.

    Nachträge (Lexer)

    mucken swv. in zermucken 3,1074.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    muckenSb.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    mucken , Sb. nhd. getrocknete (größere) Rasenstücke oder Plaggen zum Brennen E.: Herkunft ungeklärt? L.: Lü 236b (mucken…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Mucken

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Mucken , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1. Einen Laut von sich geben, als wenn man anfangen wo…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    mucken

    Goethe-Wörterbuch

    mucken 1 aufmucken, aufbegehren, Mißfallen erkennen lassen/bekunden O Freiheit süß der Presse!|..Kommt, laßt uns alles d…

  6. modern
    Dialekt
    mucken

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    mucke n I , muckse n , mückse n [mykə Liebsd. bis Scherw. ; mùkə Felleri. Rauw. ; myksə fast allg.; miksə M. ; mùksə Urb…

  7. Sprichwörter
    Mucken

    Wander (Sprichwörter)

    Mucken 1. Wenn öppis mugget, so het's Läba. – Sutermeister, 133. 2. Das (Ding) hat Mucken. ( Rottenburg. ) Soviel wie: d…

Verweisungsnetz

57 Knoten, 49 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 7 Wurzel 1 Kompositum 35 Sackgasse 14

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit mucken

119 Bildungen · 88 Erstglied · 28 Zweitglied · 3 Ableitungen

mucken‑ als Erstglied (30 von 88)

mucken I

SHW

mucken I Band 4, Spalte 787-788

mucken II

SHW

mucken II Band 4, Spalte 787-788

Muckenbein

SHW

Mucken-bein Band 4, Spalte 789-790

Muckending

SHW

Mucken-ding Band 4, Spalte 789-790

Muckenfuck

SHW

Mucken-fuck Band 4, Spalte 787-788

Muckenfuß

SHW

Mucken-fuß Band 4, Spalte 787-788

Muckenglas

SHW

Mucken-glas Band 4, Spalte 787-788

Muckensau

SHW

Mucken-sau Band 4, Spalte 787-788

mucken als Zweitglied (28 von 28)

ABMUCKEN

DWB2

DWB2 ABMUCKEN vb. DWB2 DWB2 DWB2 1 töten, umbringen, übel zurichten ( vgl. mucken 8 1 DWB ) ; mundartl. noch geläufig: 1768 afmucken heimlic…

afmucken

MeckWB

Wossidia afmucken töten, morden Mi 1 b ; intrans. sterben: dee kann nich afmucken, dee liggt up Hohnerfeddern (nur auf Gänsefedern kann man …

aufmucken

Pfeifer_etym

auf·mucken

mucken Vb. ‘mit halb geöffnetem Mund Laute von sich geben, murren, aufbegehren, sich leise, vorsichtig oder unwillkürlich bewegen’, seit dem…

entmucken

ElsWB

ent·mucken

entmucken einschlafen. ‘Als sie ein wenig was entmuckt’ Fisch. Flöhh. 427. vgl. i n nicke n .

firmucken

AWB

fir·mucken

? fir- mucken sw. v. ; vgl. mhd. zermucken, nhd. mucken ( DWb. VI,2609 ff., vgl. dazu Pfeifer, Et. Wb. 2 S. 894 u. Kluge, Et. Wb. 25 S. 637 …

fortmucken

DWB

fort·mucken

fortmucken , pergere mutire: umsonst, die mucker mucken fort und reden kein vernünftig wort. Voss 5, 65 .

Kalkmucken

RhWB

kalk·mucken

Kalk-mucken Elbf Pl.: kalkiges, unbrauchbares Gestein, wie es beim Tiefbau ausgesprengt wird.

kalmucken

MeckWB

kal·mucken

Wossidia kalmucken Adj. aus Kalmuck: in minen Öhme sin oll kalmucken Pijäcke Bri. 2, 237; kamucken Rock, dat wir grau Tüg, 'n bäten hoorig, …

Keimucken

RhWB

kei·mucken

Kei-mucken May-Eltz, Schleid-Holzh Pl. t.: die Samenkapseln der Herbstzeitlose.

kemucken

MeckWB

Wossidia kemucken s. MeckWB kalmucken .

Kuhschmucken

RhWB

kuh·schmucken

Kuh-schmucken k:- Schleid-Blankenheimerd Pl.: Samenkapseln der Herbstzeitlose mit Blätterwerk.

Kuschemucken

PfWB

kusche·mucken

Kusche-mucken Pl. , Kusche-muckel(s) n. : 1. 'verstecktes Spiel, betrügerische Manöver', Kuschemucke (kušəmugə) [mancherorts WPf vereinzelt …

Schmucken

Campe

sch·mucken

† Schmucken , v. intrs . in Hamburg, schmatzen, z. B. beim Küssen. D. Schmucken .

upmucken

MeckWB

Wossidia upmucken aufbegehren: seih di vör mit em, süs muckt hei up Gü Güstrow@Bützow Bütz ; sich unbefriedigt über nicht erfüllte Verpflich…

vermucken

ElsWB

ver·mucken

vermucke n einwerfen, in Stücke werfen: d Schiwe n sin d an dëm Fënster vermuckt wor d e n Horbg.

vörsmucken

KöblerMnd

vörsmucken , sw. V. nhd. liederlich verbringen Hw.: vgl. mhd. versmücken E.: s. vör, smucken (1) W.: s. nhd. (ält.) verschmücken, sw. V., ve…

zermucken

Lexer

zer·mucken

zer-mucken swv. zerdrücken, -malmen. die îsen zermukend als ain stain Netz 10985. vgl. Schm. Fr. 1,1566.

zusammenschmucken

DWB

zusammen·schmucken

-schmucken , -schmücken, v.: sie ... schmucket die achseln zusammen Borstel v. d. lieb Astreae u. Celadonis 2, 632 (1619); ein man ..., von …

īnsmucken

KöblerMhd

īnsmucken , sw. V. Vw.: s. īnsmücken*

Ableitungen von mucken (3 von 3)

entmucken

ElsWB

entmucken einschlafen. ‘Als sie ein wenig was entmuckt’ Fisch. Flöhh. 427. vgl. i n nicke n .

vermucken

ElsWB

vermucke n einwerfen, in Stücke werfen: d Schiwe n sin d an dëm Fënster vermuckt wor d e n Horbg.

zermucken

Lexer

zer-mucken swv. zerdrücken, -malmen. die îsen zermukend als ain stain Netz 10985. vgl. Schm. Fr. 1,1566.