geheien,
keien,
ein altes wort mit überaus merkwürdiger geschichte, nubere, coire, stuprare, vexare, angere, molestare, prosternere, ruere, corrumpere, bedeutungen, die, so weit sie zum theil aus einander liegen, sich an dem faden des einen wortes und begriffes aufgereiht haben, theilweis unerquicklich bis ins ekelhaft abscheuliche, aber tief eingewachsen in die sprache, und auch wieder zum harmlosen zurückgekehrt. 11) 1@aa)
ahd. vom stamme hî (hîw),
der uns noch in heirat
greifbar nahe liegt, in doppelform hîan
oder hîjan
und hîwan,
verstärkt gihîan
oder gihîjan (
auch gihîgan)
und gihîwan
nubere, uxorem ducere Graff 4, 1063
ff.; dazu hîunga, hîwunga
connubium, [] matrimonium, auch einfach hîwi, hîgi
o. ä. ehe, heirat, und hîwun, hîun, hîon
pl. ehepaar Graff 4, 1067,
auch genauer sinhîun (sin-
zur bezeichnung des dauernden, vgl. sinhîlîh
conjugalis Haupt 5, 202
b),
wie alts. sinhîwun,
ags. sinhîwan (hîwan
familiares, domestici),
nebst alts. gihîwian
nubere, ags. hîwunge
matrimonium u. s. w. (
vgl. Diefenb.
goth. wb. 2, 548
fg.).
jenes ahd. hîun, hîon
die gatten noch jetzt norw., nur mit verschobenem ton, der auf die endung gekommen, hjon, hjun
n. ehepaar Aasen 294
b,
schwed. hjon
n. ehegatte, altn. hjú
n., hjún, hjón
n. pl. eheleute, altschwed. hion
n., warda hion
von zweien die sich heiraten Rietz 258
b,
altdän. hion, hyon Molbech
dansk gl. 1, 347
fg., ursprünglich doch auch hîu, hîun;
auch das n. übrigens wie ahd., beide geschlechter zusammenfassend: thiu hîun Otfr. II, 8, 9,
vom hochzeitspaar von Cana, auch nachher siu
n., vorher thiu zisamane gihîtin,
vergl. auch alts. thiu sinhîwun
Hel. 1035,
sodasz die einheit des nord. und deutschen wortes nicht gröszer sein kann. So ist aber das wort von haus aus durchaus rein, ja es war erweitert zu einem begriffskreise, der die familie, das hausverhältnis überhaupt umspannte, in ahd. hîwiski
n. familie, sippe, auch hauswesen, haushaltung (
domus Graff 4, 1068,
patria Haupt 3, 461
b),
altn. hŷski,
mit einbeschlieszen der knechte und mägde, auch der unfreien, ganz wie lat. familia,
denn ahd. hîwon, hîon
bezeichnete neben dem hausvater und der hausfrau als paar auch die familie und das gesinde (hîon
mancipia, widemhîon
mancipia dotalia, als mitgift, hîwon
familia denkm. lxv I, 3),
merkwürdig genug, ja unmöglich erscheinend: herrschaft und dienerschaft mit demselben worte bezeichnet, was sich doch mit dem hausverhältnis als innerstem kern des begriffes als möglich darstellt, wie es auch u. gehaus 2,
a auftritt, zugleich von den gatten und dem gesinde. und ebenso galt altn. hjú, hjún
auch von frau und kindern, knechten und mägden, wie altschwed. altdän. hion (
auch geschlecht, stamm),
und so schon bei den Gothen nach heivafrauja
hausherr, paterfamilias (
Marc. 14, 14).
so war der kern des begriffs der edelste im alltagsleben, der der häuslichen einheit im zugleich weitesten und innigsten sinne, auch die knechte inbegriffen als familienglieder, hausgenossen (
vgl. u. gehause 2,
b).
und doch war im 15. 16.
jh. bei uns in geheien
nur der ekelste oder gröbste kern, gleichsam das weggeworfene kernhaus, der gröbs davon übrig geblieben, in widerlicher weise weitergebildet, und noch heute lebend, nur in glücklicher verwischung des eigentlichen sinnes. 1@bb)
auch mhd. noch (
s. wb. 1, 698
fg.) hîwen, hîen
plur. sowol vom hausherren und hausfrau, diu zwei hîwen
n., als vom gesinde, vihe unde hîen (
mnl. huwen,
s. c a. e., mnd. hîen, hygen Sch.
u. L. 2, 264
b),
auch hîwisch
n. familie, gesinde, haushalt, haus (
vgl. noch heiwisch
bei Schm. 2, 259)
und gehîwen, gehîen
heiraten (
nicht hîen),
genauer zesamene gehîen
von beiden theilen, zu einander heiraten, wie schon ahd. (
s. Otfr.
u. a),
auch vom einzelnen entsprechend mit zuo (
wie gleichfalls schon ahd.),
z. b. von Jakobs heirat, wobei Rebecca dem Isaac anliegt, nicht zu dulden, daʒ Jakob ûʒ deme chunne (
s.künne) gehîte. er hieʒ in ime gewinnen (
holen) und gebôt joch bat in mit minnen, daʒ er niene gehîte zuo deheinem ungeslahten wîbe (
das nicht vom geschlechte wäre).
fundgr. 1, 40, 29
ff., mit einer bedeutsamen änderung in der späteren fassung, obwol zunächst des reimes wegen: daʒ er niht gehîete ze deheinem ungeslahtem liute. Diemer
gen. 53, 5,
der begriffskern also: einen hausstand gründen ('
in den hausstand treten' Diemer 2, 137
b),
was schon u. a deutlich genug ist; die heirat führt zwei zusammen in ein haus, den einzelnen aber auch in ein anderes geschlecht (
daher das liute
für wîbe)
und zwei sippen zusammen zu einem hîwiski
u. s. w. (
ags. hîwræden
auch stamm, tribus).
so hat man wol mit recht den wortstamm urverwandt in lat. civis
gesucht (Diefenb.
a. a. o.),
ja bei uns in heim
und haus
selber; vergl. mnl. gehusd
verheiratet Oudem. 2, 428, gehuizen
ehegatten u. gehaus 2,
a, span. casar
heiraten von casa
haus. wie edel auch das zeitwort im engeren sinne noch um 1100
war, zeigt z. b., von der empfängnis der Maria und der geburt Christi: dô gihîte der himil zuo der erde. Diemer
ged. 231, 2; iʒ gihîte alsô werde der himel zuo der erde. 85, 26; duo trante sih der alte strît (
zwiespalt in der welt), der himel was ze der erde gehît. 323, 18,
deutlich mit vollem bewusztsein von der denkbaren allerletzten einheit, zwischen himmel und erde. [] 1@cc)
auch den engsten sinn hatte schon das ahd. wort nach kehîgan
coire, kehîginnes lust
delectatio carnis, ungehîte
eunuchi (kihîetin
conjuges), ungehîta
intacta, innupta, auch von thieren gehîen,
wie noch mhd., aber offenbar als gewählter, schonender ausdruck (
wie coire
auch),
von thieren, sofern sie auf gleichem fusze mit den menschen behandelt wurden (
vgl. sich paaren, begatten);
jener sinn war nicht das ursprüngliche, nicht die hauptsache, erst die folge, wie bei gatten.
aber im 13.
jh. musz es sich darauf entschiedener verengt haben, denn es ist sonst da für uns im verschwinden, auszer im part. gehît (
nicht gehîwet),
im alten sinne, verheiratet, aber auch vom coitus an sich, eben mit dem part. pass. bezeichnet, in einer warnung vor übermasz: swer aber sich kan enthalten an der minne, der muoʒ walten rîches muotes und ringer zît von dem daʒ dâ heiʒet gehît. Haupt 7, 343.
im 14.
jh. in wissenschaftlichem tone, von frauenkrankheiten: der siechtuom geschicht aller meist den witwen .. dô sich der sâme in in gemêret, des sie mit
geheien solten ân werden, und meiden die
heiber sint (
seitdem). Schm.
2 1, 1027,
wo in heiber
das ältere hîwen
nachklingt (
vergl. geheier).
im 15.
jh. in volksmäsziger form: minnen,
vulgar., helsen, brauten,
keien, coire, futuare. voc. inc. teut. q ij
b (n 7
b); gange zu schwester Seyen, die laszt sich gerne nacht und tage keyen. Schm.
2 1, 1027
aus einer hs. d. 15. jh. aber die wbb. wie die schriftsteller meiden es offenbar. im 18.
jh. bringt es Frisch
wieder, in voller form: geheyen,
stuprare, coire, corrumpere virginem 1, 450
c,
ohne quelle, vielleicht aus seiner oberd. heimat, falls er es nicht aus dem kuhgeheyer
im 16.
jh. entnahm (2,
b).
nl. dagegen noch jetzt im alten sinne huwen
heiraten, verheiraten, huwelijk
n. heirat, bei Kil. houwen, houwelick
conjugium, mnl. hiwelek, huwelek Oudem. 3, 124. 198, huwen
verheiraten, auch noch huwen
pl. familie das., aber auch hiwen,
coire Dief. 130
c.
auch nrh. 15.
jh. huwen,
hijlken ter echt (
ehe)
Theut. 132
b,
sonst hylick
ehe, hylicken
connubere, aber auch coire 123
b. 22)
im 15.
jh. aber taucht es hd. wieder auf, in neuer entwickelung, aus dem gröbsten schmuz heraus, geheien,
auch geheuen, d. h. aus gehîwen,
wie jenes aus gehîen (
s. u. g). 2@aa)
als höhnendes drohwort z. b.: ich torst dir wol dein muter geheien, ee ich dirs wechselt nach deinem mut.
fastn. sp. 272, 24,
es handelt sich nur um eine zahlung für einen hasen, wobei der verkäufer die pfenninge zu genau prüft (beit, freunt
u. s. w. z. 21)
und u. a. zwei für kupfrein
erklärt, worüber des käufers ungeduld in jenen worten ausbricht; die wendung ist an sich zu stark für den fall, sodasz sie schon halb abgebraucht sein muszte; weniger im folg.: er sprach: daʒ ich dein muoter ghey! maynst daʒ ich ein vogel sey?
ring 53
d, 14
nach Schmellers
besserung (2.
ausg. 1, 1027).
dasz sie aber nichts anderes meint, als was eben die worte sagen, verbürgt ihr weiteres auftreten; mit serten (
s. u. b): ich sirt dir noch die muoter dein
u. s. w. Wittenweiler
ring 39
d, 12
ff. in nd. wendung im 18.
jh., noch unvergleichlich schlimmer, doch schon verwischt: brüe dine moor,
lasz mich ungeschoren, als abfertigungsformel aus der niedrigsten pöbelsprache im Brem. wb. 1, 146 (
wo doch noch '
etwas unflätiges'
dahinter gespürt wird)
; im 17.
jh.: hey mach sik beschyten ende sine moer bruen H. J. v. Braunschw. 315,
vgl. bei Schiller
u. Lübben 1, 435 (
wo etwas ganz harmloses, ja gutes dahinter vermutet wird): ga hen unde brüde dine moder (môr),
geh zum henker. im Simplic. 3, 23
wird aus dem Bergischen von einem schweinehütenden bauernbuben erzählt, wie ihm die magd sein fluchen verweist, aber zur antwort erhält, sie solte ihn im hintern lecken und ihr mour dartho brühen,
wie ihn darauf aber der vater züchtigt, jeden streich mit strafenden worten begleitend, darunter: ick sal di im arse lecken, ick sal di leeren dine mour brühen. 1, 343
Kz.; auch ins hd. aufgenommen, gewiss aus dem lagerleben, wie andere nd. kraftworte damals: ja ja! du alter hosenscheiszer, gehey dich nur hin und brühe deine mutter. 3, 266 (
Springinsf. 23
a. e.);
vgl. unter brühen 2,
c, wo J. Grimm
auf '
unzüchtige bedeutung'
riet. nd. brüen,
eig. brüden,
ist das mhd. briuten
nubere, s. brauten 2,
auch Schm.
2 1, 371
f. bei den Russen ist ein fluch im gange gleich scheuszlichen inhalts, aber der teufel als thäter eingesetzt. [] 2@bb)
noch mehr ekelhaft als scheuszlich thiere geheien
als hohnwort, nd. hîgen (
vgl. ahd. gihîgan 1,
a),
im 16.
jh. als hohn im kriegsleben, und zwar gegen bundesgenossen: ach der unnutten wort, de van dem folke worden gehort! se repen to aller stund: gi Hessen, higet uns den hund! Lüntzel
stiftsfehde 234,
d. h. macht uns junge hunde, das versteht ihr ja, eine anspielung auf die blinden Hessen,
da die hunde blind geboren werden (
vgl. J. Grimm
gesch. d. d. spr. 566,
auch H. Sachs
u. engsten),
vergl. vorher v. 116
auch als hohn gegen die Hessen: se leten dar hinken den hund,
auf dasselbe deutend (
vergl. hund I, 9, hundsfott, hundehochzeit
und hundsbrautlauf);
die Hessen verlieszen darauf das heer. ähnlicher hohn ergieng gegen die Schweizer in den kriegen der zeit: »
die Schweizer wurden bei Randeck von der besatzung mit dem '
unchristlichen'
wort kuhgeheyer
beleidigt«. Frisch 1, 450
c nach Stettler 333 (
zu unchristlich
vergl. u. ketzer 2), kgehyer Tschudi 2, 335
b;
zur sache vergl. auch kuhketzer, kuhgeiger, geiszbuhler (
schneider),
und aus dem rechtsbuche Ruprechts von Freising
aus dem 14.
jh., lehenrecht § 99,
wo vom '
schelten aus der christenheit'
oder viehlichen scheltworten die rede ist: swer den andern einen zohensun haiʒet (zohe
hündin), oder er hab einen hunt gesorten oder ein ros oder ein kue .. Schmeller 3, 283 (2, 327),
denn mhd. serten
hiesz ebenfalls stuprare, coire, mnd. serden,
ags. serðan,
altn. serða. 2@cc)
als grobes scheltwort auch geheind, d. i. geheiend (
vgl. geheiendig),
eine bäurin klagt vor dem richter gegen ihren mann: nu kan ich doch kaum die torin (
scham) bedecken, so verderbt mich der geheind schalk mit seim wuten.
fastn. sp. 55, 31;
auch schon als hohles schimpfwort überhaupt: ach thut die schemlichen kron naher! hat sie denn her pracht der geheind haher (
henker)? 661, 20.
es ist wol aber eigentlich gemeint wie mädchenjäger,
fututor, vergl. im 17.
jh. mägdegeheyer W. Scherfer 476 (Weinhold
schles. wb. 34
b),
s. auch unter geheier.
in einem Ayrerschen fastnachtspiel wird eine vom markte heimkehrende bäuerin von einem buben
verfolgt, der ihr nachjagt ('du must mir erst recht katz halten'),
ihr sohn aber schützt sie: ey was! msz dein der teufel waltn! wolstu
hudlen die mutter mein .. Ayrer 2646, 33,
es kommt zu schlägen, der sohn triumphiert: lasz sehen!
keu mir mein mutter mehr! 2647, 9.
vergl. die klage einer mutter vor gericht gegen einen bauernknecht Rumpolt, der ihrer tochter die ehe versprochen und sie nun zur ehe nehmen soll: Rumpolt. herr officagel (
official), das thuen ich nicht, oder ich sei ein verhayt pöswicht ..
mater. ey das dich der teufel reyt! wie hastu mir dy tachter
keyt! fastn. sp. 992.
jenes verheit (
s. d.)
ist sehr geläufig, wieder mit eigner vielfältiger entwickelung, die eigentliche bedeutung zeigt verhyter zers Frisch 1, 450
c aus Tschudi 2, 239
b,
als schimpfwort (
vgl. Germ. 16, 78),
das gegenstück zu ausgeheite fut (
futil. germ. s. 8),
aber auch verhîte huor Altswert 54, 24
mit var. versorteniu,
vgl. Schm.
2 1, 1027.
ebenso wieder nd. verbrüdt,
jetzt für stolz, trotzig Richey 25,
auch een verbrüet mäken,
ein stolzes, naseweises Brem. wb. 1, 147,
hd. im 15.
jh. üppig und versorten
M. Beham
bei Schmeller 3, 284,
eigentlich offenbar von der stimmung und haltung eines roué und ähnlicher weiber. s. auch u. 4,
d sich geheien,
prahlen u. ä. 33) geheien
vexare u. ä., aus dem vorigen entwickelt. 3@aa)
die entstehung zeigt das vielgebrauchte lasz mich ungeheit,
eigentlich nur in frauenmund passend, wie deutlich bei derselben wendung mit ungesorten: du kümpst mir nit in meinen schlitz mit deinen groszen worten, davon so lasz mich ungesorten. Schm. 3, 284
aus Rosenblut,
doch auch hier schon in plagen überhaupt übergehend: lasz mich ungeplagt mit bulerei, wie ein bauer vor dem eherichter über seine frau klagt, z. b. dasz sie spät heim kommend ihn abweise mit seinen forschenden fragen: so spricht sie lasz mich ungeheit!
fastn. sp. 49, 4.
ursprünglich aber ist es gewiss das mishandeln beim stuprum, wie denn auch lat. vexare
vorkommt, eigentlich hin und her zerren (
frequent. zu vehere),
wie mhd. nôtzogen
eigentlich ein herumzerren (zogen)
bezeichnet zum zwecke der gewalt (nôt).
ebenso [] wieder nd. ungebrüet laten, '
ungehudelt' Richey 25,
Brem. wb. 1, 147, lât mi ungebrüt Sch.
u. L. 1, 435
a.
aber schon im 15. 16.
jh. auch arglos für lasz mich ungeschoren, unbehelligt, nur noch als derb abweisendes kraftwort: will er aber nicht aufhören, so lasz er mich mit seinen büechlein, die der teufel aus ihm speiet und scheiszet,
ungehewet. Luthers
antw. an Schwenkfeld, Schm.
2 1, 1027 (
nach bair. abschrift); lasz mich ungheit. H. Sachs III, 3, 68; lasz mich un
keit und hab dirs gicht.
das. noch jetzt in mundarten, bair. la mi unkeit! Schm. 2, 132,
tir. Schöpf 253,
auch entstellt zu lasz mich inkeit
das., diesz aber aufgefaszt als in keit,
in ruhe Lexer
kärnt. wb. 137,
so kann das schlimmste durch abschleifen wieder zum harmlosen kommen; auch schweiz. lasz mich ungheit,
plage mich nicht Stalder 2, 32,
schwäb. Schmid 269,
elsäss. Arnold
pfingstm. 182 (umkeit),
auch fränk., henneb. (
unvexiert) Reinw. 1, 42,
am Mittelrhein, auf dem Westerwalde lasz mich ungeheit Schmidt 282,
der es auch aus der Pfalz, aus dem Bergischen kennt, in Luxemburg loszt mech ongeheit,
ungeneckt, unangefochten Gangler 316,
auch siebenb. (âgeht) Schuller 21,
zum theil eben nur in dieser wendung, z. b. elsäss. nach Scherz 502,
henneb., westerw. 3@bb)
daher dann zunächst von thätlicher mishandlung überhaupt, z. b. als redensart, wenns zum kampfe geht, wird folg. angeführt: glück zu! sagt Hebenstreit (
als vorbild eines kampfhahns), nu laszt sehen, wer den andern geheit! Schade
sat. u. pasqu. 1, 57 (123), Wolff
hist. volksl. 127,
v. j. 1542,
wer des andern herr wird, genauer: ihn als sieger nach belieben behandelt, höhnend mishandelt (
auch beim vorigen geht ein kampf oder ringen voraus),
übrigens im munde eines teufels, mit rohestem klange. gerade auch der teufel geheit
seine opfer (
vgl. c a. e.),
daher der fluch, in narrenmunde: ei leug, das dich der teufel ghei!
fastn. sp. 175, 4.
in höhnischer ironie als lob der tapferkeit im felde: ach ir verheiten jungen tiltappen, was möcht ir ausrichten mit eurem schreien? wol würdt ir ein (
feind) in eim veld geheien! man solt euch neur an die Türken schicken!
fastn. sp. 88, 24.
schwächer, in bloszes plagen übergehend, doch noch thätlich, in der flohiade (flochia)
von 1689,
in macaronischem latein: nunc quoque per bartum kriechunt, dant vulnera menschis, vulnera quae schmerzunt, augos nasosque geheiunt.
weimar. jahrb. 2, 438.
schläge mögen auch bei folgendem noch mit sein, wenn eine bäurin klagt: mein mann der gheyd mich alle tag, wenn ich wahr in die statt rein trag, sagt, ich komm stets zu langsam nausz (
wieder heim). Ayrer
fastn. 59
d (2636, 8). 3@cc)
dann von anderem mishandeln, mit wort und witz, zum hohngelächter der andern (
wie unter a und b gleichfalls),
was eben auch vexieren
eigentlich bedeutet, zum gespött machen, verhöhnen, foppen, äffen, narren, zum besten haben u. ä.; so im 15.
jahrh. hessisch mit dem alten vocal gehîgen ( : blîen),
im handel zwischen Caiphas und Judas, der sich den verräterlohn auszahlen läszt und die silberlinge scharf prüft und ausmustert, am ende: Judas. dér (pennig) ist blien (
von blei)!
C. wiltu uns dissen tagk gehigen?
Alsfeld. pass. 3227,
wie nd. im 16.
jh. gehygen
äffen Sch.
u. L. 2, 33
b,
dazu hîerie
f. (
hd. keierei,
s. geheierei),
auch einem de hîhasen antên,
die vexierhosen, narrenstrümpfe anziehen das. 2, 264 (
vergl. hijen
unter g a. e.),
z. b. ein bauer zum andern, der einen bürger mit dem holzkauf angeführt hat: ho ho! wo (
wie) hefstu en bedragen (
betrogen), ja wo hefstu em de hihasen angetagen!
fastn. sp. 963, 1.
so für betrügen auch hd.: der wil mich geheyen mit dem leberlein.
wegkürzer 15 (29
b)
eigentlich als gefoppten nachher zum gespött machen; du wilt uns lauter geheien mit dem wucher. es ist gült und nit wucher. Schade
sat. u. p. 2, 76,
uns aufs eis führen, es ist selbst nicht dein ernst. so weist ein reuter einen wahrsagenden zigeuner ab: was gheist mich? H. Sachs IV, 4, 2,
ich wäre lächerlich, wenn ich dir glauben wollte. auch vexieren und geheien
verbunden: das gefelt mir wol, wenn ein teufel den andern vexirt und geheyet. Luther
tischr. 219
a; (
ein guter prediger) sol sich von jederman lassen vexiren und geheien. 180
b, Luther
wuszte gewiss dabei nichts mehr vom ursprünglichen sinne (
vgl. dens. unter gehei,
gespött). Henisch 1436
kennt es nur, noch weiter verdünnt, als verspotten, illudere, er führt einen spruch an: [] wer sich nicht will lassen geheyen, der musz die welt meiden.
auch Stieler
kennt den eigentlichen sinn nicht mehr: geheyen
subsannare 31,
aber auch impedire, remorari, prohibere, parvi facere, wenn er das nicht blosz aus der wendung 4,
e entnahm. auch aus derberen kreisen im 17.
jh. verrät sich unkenntnis des ursprungs im folgenden, wo im andern falle die gelegenheit zu einem derben witze gewiss benutzt wäre: so gehts, wenn sich die alten narrn wolln setzen auf frau Venus karrn und wollen junge weiber freien, so thun dieselben sie geheien.
engl. komöd. II, Ee 3
b; noch wolt ihr (
alter) eine junge frein, stattlich wird sie euch gehein. Ff 4
a; ich will ein hübsche junge freien. 'wie stattlich wird sie euch geheien'. Oo 6
a.
gemeint ist ehelicher betrug, wie schon im folgenden: o herr, nun lasz uns nit geschehen mit unsern weiben als den dreien, das sie uns auch nit also geheien. Folz
bei Haupt 8, 528. 3@dd)
früh doch auch schon in allgemeiner, auch ernstester verwendung, selbst in sittlichster stimmung, für plagen, quälen, alem. gehîgen, geschrieben gehyggen (
d. h. nach viel späterer abschrift): eigen nutz, gunst, verbunst (
misgönnen) und gelt, die vier gehygen jetzt alle welt. S. Brant
s. 155
a Zarncke; in einer mahnung, nicht über seine berufung
hinaus zu streben: der fürwitz uns so sehr geheit, verblendet also gar die leut, das uber sein ampt ein jeder klagt .. Waldis
Es. II, 49, 45; ich bin selber der herr im haus, dennoch die armut mich geheyt. H. Sachs II, 4, 2
d; die armut hat uns lang geheit. 5, 339;
ein todkranker bauer sagt von seinem weibe: ich hab erst grosze lieb zu ir und gheyt mich ietzund nichs als wol, als das ich von ir sterben sol.
fastn. sp., nachlese 11, 30.
auch für ärgern, ganz arglos, nur als kraftwort geheien,
keyen, geheuen: ein mayrin hab ich mir erkoren schön, von guten sitten .. sie ist mein und ich bin ihr, das thut manchen gehewen, schaut mich an von hinden und für, im herzen thuts mich frewen.
flieg. bl. um 1600,
zwey schön new weltl. lieder; nein, auf mein eid, es gheud mich hart, das er nicht wolt zum gfattern mich. Ayrer 2484, 21; secht wunders zu, wie keyts den pfaffen? 1308, 31;
ein bauer, der von seinem schwiegervater vorwürfe erhält, dasz er seine frau schlecht halte, erwidert ärgerlich: so geheit ir mich gleich heur als fert, die weis hat ie und ie gewert
u. s. w. fastn. sp. 42, 25; und in summa fast alles zu thun, was andere leute geheyet und deiner seele schädlich, der göttlichen majestät aber misfällig ist.
Simpl. 1, 153
Kz. (2, 11).
auch unpersönlich, es geheit mich: es gheit mich, das ir so grob mügt sein.
fastn. sp. 335, 22.
auch abgeschwächt was geheit es mich,
was kümmerts mich (
vgl. 4,
e),
was gehts mich an: aber was geheyte es mich (
dasz die mir untreu war), sie war doch nicht meine ehefrau.
Simpl. 1685 2, 44; ein jeder dächte nur hin weck! ey was geheuet mich der dreck. 1, 12.
da musz denn schon Brant
die eigentliche bedeutung gar nicht mehr im sinn gehabt haben; aber auch serten
war schon früh im 15.
jh. zu dieser bed. gekommen: vexare, muen oder serten. Fromm. 4, 305
b. 3@ee)
doch haftete dem worte der geruch seiner herkunft noch im 16. 17.
jh. an, wie folgendes beweist: 10 albus (
gestraft) Joh. Ernstheuser, das er zu Hans Kochen gesagt hatt, was er ihn viel gehey. Vilmar
hess. id. 157 (
aus Estor
t. rechtsgl. 3, 1409),
der danach eine schwere beschimpfung darin wol fühlt, wozu doch seine annahme von schlagen als grundbedeutung nicht ausreicht; man sieht da vielmehr das gericht gegen die vordringende roheit kämpfen. ebenso in Schwaben im 16.
jh. nach einer erzählung der Zimmerischen chronik II, 406
fg. von gueten schwenken
am hofgericht zu Rottweil, darunter von einem doctor juris, der einen handel führt für ein bös alt geschwetzig weib,
die ihn dabei immer von hinten zupfend anspornt, ihm einbläst u. dergl., bis [] er dafür hülfe sucht beim vorsitzenden, ist aber dabei so irrig
geworden, dasz er diesen anspricht: wolgeborne gnedige fraw. des ward er von iederman verlacht, derhalben der doctor übel geschampt sich entschuldigen wolt, spricht in der gehe (
s.gähe) und unverdacht: 'gnediger herr, das alt weib
geheit mich dahinden'. und wiewol er noch mehr verlacht, iedoch ward er darnach von den urthelsprechern ... umb etliche gulden gestraft, und ward hieraus ein sollichs gespai über in, das er hernach sein procuratur aufgab. 407, 31;
man sieht, weshalb die lacher nun noch mehr lachten, weil man den eigentlichen sinn von geheien
noch wuszte, dasz aber auch eben das die strafe herbei zog, wie dort in Hessen. noch im 17.
jahrh. kämpfte auch das gebildete bewusztsein damit, wovon wir ein wertvolles zeugnis aus dem j. 1673
haben in Grimmelshausens
teutschem Michel im 10.
cap. (
Simpl. 4, 399
fg. Kurz),
das ganz davon handelt (
überschrieben was gehey ich mich drumb?),
zugleich ein wertwolles zeugnis aus der geschichte des sprachgefühls überhaupt, welchem von einem rohen worte der eigentliche sinn verschwinden, der abscheu aber bleiben kann (
wie ein gestank länger bleibt als das stinkende): das wort gehey ist bei uns Teutschen so verhasset, dasz sichs ein ehrlicher mann (
ungefähr: ein gebildeter, doch auch bürger und bauern an sich nicht ausgeschlossen) schämbt auszusprechen, und wann es jemand ungefähr im zorn oder sonst entwischt, so wirds einem vor eine schändliche red gerechnet, dahero es etliche verzwicken, wann sie es jemand also nachsagen: was
geschneids mich? ist aber gefählet, weil dieses schöne wort jetziger zeit unter vilen tausend Teutschen kein einiger mehr recht verstehet;
folgt eine verhandlung darüber vor gericht, da einer von einem priester verklagt worden war, von dem er gesagt hatte: was gehey ich mich umb den pfaffen?
der verklagte redet sich mit einer wunderlich gelehrten etymologie heraus, der priester aber bleibt dabei: es sei landkündig, dasz disz garstige (
ekelhafte) wort niemahlen gebraucht werde, es geschehe dann jemand damit zuverschimpfen, dahero scheuten sich ehrliche leut solches nur ins maul zunehmen,
weisz aber offenbar die eigentliche bedeutung doch nicht mehr, wie Grimmelshausen
selber; der verklagte gibt dann als bedeutung an, begrifflich verdünnt: was geheyts mich heists: was kränkts mich? was gehey ich mich umb ihn heists: was hab ich mich umb ihn zu quelen (
was doch keinem abscheu erwecken konnte),
gibt aber endlich wunderlich genug zu, es sei von unsern vorfahren verworfen als unchristlich, aber nicht als unhöflich,
wovon jenes eigentlich noch das richtige trifft (
s. aus Stettler
unter 2,
b).
s. auch lasz mich ungeheit
unter 3,
a. 3@ff)
dennoch drang der reiz des kraftwortes durch gegen den abscheu, nicht blosz im leben, es erscheint auch bei hofe und vorübergehend in der gelehrten dichtung. das letztere bei Schlesiern, als kraftwort für ärgern, auch noch höhnen, narren: auch die juden es geheyet, da gott sprach: es ist vollbracht. Büttner
Bunzl. quäckbrun 1662
s. 143 (Fromm. 4, 171); kein monath sich verschleichet, dis und das uns geheit. Sylvanders
feld- u. hirtenlieder 1670 (
das.); wo man mit solchem schminke mich nicht nur spöttlich schmink, und äffet und geheih't. Lohenstein
Ibrah. Bassa 2, 29.
im lustspiel, in A. Gryphii
seugamme (2, 5),
da ist eine falsche anweisung auf 500
ducaten ausgestellt worden und der betrug ans licht gekommen, als rettung wird vorgeschlagen: Musca. wir wollen vorgeben, als hätten wir den fremden ein wenig in die zähne geheyen wollen?
Gismund. geheyen? es ist der warheit nicht ähnlich! Gryphius 1, 886,
zum gelächter machen, seinen witz auf die probe stellen (
gleich dem jetzigen mystificieren), in die zähne
eigentlich offen ins gesicht, vor den leuten. so in schles. volksrede: Salome. o harzes kind, du krigst Durnrusen nicht.
Kornblume. je se hot mers ju zugesait.
Salome. se geheit dich in de zähne ney.
Dornr. 51 (94
Palm).
so besonders in liebessachen, wo denn auch vom ursprünglichen sinn der gerade gegensatz erscheint, in einem bäurischen hochzeitsliede (
als schlesische polognoise),
der bräutigam singt seiner Grete: wenn mer warn eis himmelbette medanander schluffa gihn, o do war ich wacker mitter freya, gleb mers ack, ich war dich ne (
nit) geheya. D. Stoppe
ged. (1728) 1, 66.
vom hofe bezeugt es Elis. Charl. v. Orleans,
als kraftwort für plagen: aber man ist hir so geplagt (hette schir auf gut
[] Pfälzisch geheyt gesagt), dasz man nicht weisz was man thut oder schreibt.
briefe 2 (1871), 631; wenn ihr, liebe Louise, sehen soltet, wie man in diesem Paris geplagt wird (hette schir auf gut Heidelbergisch
geheüt gesagt). 688; man ist, wie man in der Pfalz sagt, gar zu übel geheydt hir. 3, 1; freilich schmerzts mich, dasz man die armen alten einwohner zu Heidelberg so plagt, hette schir auf gut pfälzisch gesagt: so geheydt. 4, 281. 3@gg)
noch jetzt in Schlesien, denn wie es Steinb. 1, 751
angibt, geheyen
illudere, so bei Weinh. 34
b verspotten, im benachbarten Kuhländchen gehaye
quälen, necken, unpers. verdrieszen (
auch rutschen, rücken),
s. Meinert
volksl. d. Kuhl. 395,
auch weiter im osten, in der Zips gehain
vexieren, betrügen Schröer 59
b.
dann in Kärnten gihain, ghain, kain,
quälen, z. b. in der arbeit stören (
also necken),
bair. keien
plagen, kümmern Schm. 2, 132,
der auch östr. beispiele aus Abr. a S. Clara
bringt, wie: nit umbsonst hat der erste baur
Cain gehaiszen, maszen es schon ein halbe propheceyung gewest, dasz der bauersmann werde
keyt genug werden.
schwäbisch es gheit mich,
ärgert, reut (gheiig
verdrieszlich, ärgerlich). Schmid 269,
wie schweiz. das gheyt (keit) mich), macht mich gheyig,
ungehalten, s. Stalder 2, 31
fg., dazu besonders Tobler 98
b.
ferner in Oberhessen geheien (
doch schwindend) Vilmar 157,
auch im Rheinlande hie und da, z. b. auf der Eifel quälen Schmitz 225
a,
luxemb. quälen, ärgern Gangler 170.
auch nl. bei Kil. hijen, quellen,
vexare, molestare, bei Binnaert (1702) N 1
c als holl. bezeichnet, d. h. nicht fläm., vergl. hijlick (hielick)
conjugium Kil.,
auch bei Halma
neben huwelijk (
s. 1,
c am ende);
auch im nd. gebiete z. b. in Danzig hijen
necken Firmenich I, 94. 28. 49 (Schm.
2 1, 1026),
s. nd. gehîgen
unter c, auch heigen
unter 9,
b. auch in wbb. einzeln noch lange: geheyen,
plagen, ontrusten, was geheiet es mich?
wat bruyt my dat? Moerbeek
M. Kramer (1787) 167;
geheuen, molestum esse Haas (1808) 2, 228
b. 44)
sich geheien, wieder mit sehr verschiedener bedeutung. 4@aa)
der älteste gebrauch musz sich gleichfalls an die rohe ausartung des wortes anschlieszen, in welcher weise, wird deutlicher bei dem entsprechenden nd. brüen (
s. 2,
a): brüe dinen buk!
lasz mich ungeschoren, geh deiner wege! Brem. wb. 1, 146,
bei Sch.
u. L. 435
a loop hen unde brüh den bukk,
aus dem 16.
oder 15.
jh.: vulgus ita loquitur, quando irati aliquem repellunt, brye dinen buck;
das ist aber eigentlich: stupra te ipsum, zuerst in frauenmunde (dinen,
statt minen),
als abfertigung eines zudringlichen geheiers; auch das brüde dine moder
unter 2,
a wird zum theil so gemeint und so entstanden sein, womit auch die entsetzliche roheit milder, ja begreiflich wird als hohnwitz zur abwehr. entsprechende belege für geheien
werden sich finden. 4@bb)
die abweisung, das fortschicken trat dann in den vordergrund, von frauen auch auf männer übergegangen; eine frau weist nächtlichen buhlbesuch als lose hudler (
vgl. a. e.)
ab: ir losen hudler, thut euch weg
gheüen! ich hab kein mann unter euch dreyen. Ayrer 2387, 19; fort unthier!
geheue dich fort! Filidor
Ernelinde 20; sie antwortet: ja ja, du alter hosenscheiszer, gehey dich nur hin und brühe deine mutter.
Simpl. 3, 266
Kz.; da hörete ich erst, dasz es kein teufel war .. sagte demnach, er solte sich aus dem trog geheyen. 1, 276 (3, 8); ey key dich wegk! es kan nicht sein ... das musz ich thun, darumb geh hin! Ayrer
fastn. 115
c (2913, 25); key hin (
gedr. keyhin), darfst nicht reden mit mir. 2837, 5.
wie früh aber auch das abgebraucht war, d. h. wie viel gebraucht, zeigt, dasz es im 15.
jh. auch schon als verächtliche aufforderung, näher her zu kommen erscheint (
und zwar ohne sich,
s. c): geheit naher, ir verfluchten hunt (
juden)!
fastn. sp. 175, 10.
auch nur als grobe aufforderung überhaupt: holla, ir stallbrüder (
ruft der überfallene Keibkamp die feinde an), holla, hüpschlich! .. was wolt ir mit mir anfangen! ihr secht doch, ich bin nur ein armer teufel (
der keine beute verheiszt, dann zu einem, der ihn antastet), hei, pfei, gehei dich! thu mir disen treck von der nasen (
als deine beute).
Garg. 228
b,
Sch. 427 (37.
cap.).
noch jetzt z. b. bair. kei di furt,
packe dich Schm. 2, 132.
schwäb. 17.
jahrh. sich aus da füesza keyha,
aus dem wege gehn o. ä., s. Fromm. 4, 95. 112.
ebenso wieder nd. brüe darhen H. J. v. Braunschweig 324, brüdet darvan,
schert euch davon Richey 25,
vgl. diesz schert euch
neben scheren
plagen, auch sich hudeln,
sich packen IV
2, 1864, sich forthudeln
oben sp. 20
neben hudeln
mishandeln, ausdrücklich auch buhlerisch Ayrer 2646, 33
unter 2,
c (hudel
auch hure).
[] 4@cc)
aber auch mit auslassung des sich,
wie vorhin in geheit naher,
so im 16.
jh. (Schm.
2 1, 1027): thu nur bald aus dem schlosz geheyen oder ich stosz mein schwert durch dich. H. Sachs II, 3, 25; ghey aus dem kloster, lasz mich unplagt. II, 3, 79;
key weck in aller teufel namen. III, 3, 68; khey naus, hack holz, du fauler tropf. III, 3, 45
a;
vergl.mach fort!
gleich mach dich fort! Höfer
Germ. 15, 79
zieht auch hierher: hiet usz, arm und rich, wichem (
so l.) mir usz dem pfad und stig. Uhland
volksl. 7,
aufforderung des sängers, ihm raum zu geben; doch klingt mir dasz zu roh hier, und bloszes hîen
ist hd. sonst nicht bezeugt. 4@dd)
aber auch ganz anders, sich brüsten, prahlen u. ähnl., besonders in bezug auf buhlerei; bauernbursche erzählen sich buhlerabenteuer (
der rohesten art),
einer am ende seines berichts: was gheit ir euch mit euer puolerei? kum einer, dem ain söllichs begeget sei!
fastn. sp. 335, 17; was geheit ir euch mit solcher lepperei? sagt, wem solch pulschaft geschehen sei! 274, 24.
auch mit an,
also sich angeheien: was
geheustu dich mit deiner puolschaft an .. 330, 26; was mugt ir euch all geheien an? 275, 20.
dazu ungeheit sein,
d. i. sich nicht geheien: seit mit eur pulschaft vor ungheit. 287, 6,
prahlt erst nicht so u. s. w. aber man rühmte sich auch als ungeheit,
im Neidhartspiel: so bin ich doch der Eltschenbrecht und bin ein ungeheiter knecht. 194, 6,
wie sonst verheit (
s. 2,
c),
wol auch für prahlerisch fastn. sp. 88, 22 (
s. 3,
b).
man sieht, dasz das wort noch mehr falten hat; vgl. auch versarten,
auszer sich vor freude oder übermut Schm. 3, 284.
das prahlen, übermütig sein ist eigentlich vielleicht wie der haber sticht ihn,
vgl. unter kitzel 2,
b. c der kitzel sticht
u. ähnl., besonders auch sich kitzeln (
s. d. 6,
c. d),
sich heimlich ein gütchen thun, hämisch freuen u. ähnl. zu dem zweiten ungeheit
gehört wol bair. ungeheit, unkeit
ungeheuer, ungemein, s. Schm. 2, 132,
schwäbisch z. b. es regnet ungheit Schmid 269,
schweiz. aber überhît, überheit
übermäszig, sehr Stalder 2, 32. 4@ee)
auch zu der bed. 3,
plagen, ärgern, gehört sich geheien,
sich bekümmern u. ä.: was gehey ich mich umb ihn,
was hab ich mich umb ihn zu quelen? Simpl. 4, 400, 23
Kz. (
s. u. 3,
e); da geheyen sie sich den teufel darum. 1, 111; das (
geld) darf ein politicus nicht achten, wer geheyt sich ums geld. Weise
erzn. 142,
cap. 12 (
s. 74
Br.); wer geheyet sich umb eure briefe.
complimentircom. 413; was gehey ich mich um den narren?
überfl. ged. 2, 299; was geheye ich mich drüm,
cur talia curem? Stieler 31; ich geheye mich nichts üm dich,
nihil te moror, flocci te habeo. das. noch bair. ich keie mich um ein ding Schm. 2, 132,
auch östr., kärnt. si gehain, kain,
sich kümmern, betrüben Lexer 137;
auch auf der Eifel seg jeheien Schm.
2 1, 1026.
auch ungeheit,
z. b.: er soll uns mit dem befehle ungeheyt lassen. Weise
Machiavell 41. 55)
wieder anders keien, keuen, geheuen,
werfen, schmeiszen. 5@aa)
im 16.
jh., keuwen, bair.: von dem her (
von der verwirrung beim babylonischen thurmbau her) wird obgenannte erste statt geheiszen von dem jüdischen wort babel, so durcheinander gieszen, mischen, keuwen und werfen heiszt. Avent.
chron. 19
a;
vergl. östr. sich zerkeyen,
sich zerwerfen, uneins werden (keierei
verwirrung) Höfer 2, 130,
kärntisch si zerkain Lexer 137,
zwei liebende zkein,
entzweien Fromm. 5, 246
b (51). 254,
vgl. auch schweiz. ein gheyen,
streit, zank, gelärm Stalder 2, 31 (
s. doch Tobler 99
a,
dazu keden 4,
b).
im 17.
jahrh. geheuen: gehewte sie zum fenster hinaus.
Harnisch 73. 5@bb)
noch jetzt landschaftlich, z. b. luxemb. geheien
werfen Gangler 170,
schweiz. gheyen, ghyen, keyen, kyen,
auf den boden werfen in ausgedehntem gebrauch (
auch nider- an- abeghyen
u. s. w.) Stalder 2, 31, ghia, kia, keia, '
in der unfeinen sprache',
werfen, schmeiszen, keis of de boda,
schmeisz es auf den boden Tobler 98
b.
auch schwäb. gheien, keien Schmid 269 (nâu gheien
zu boden werfen Germ. 16, 79),
bair. Schm. 2, 132,
östr. kaien Castelli 178,
z. b. etwas vom fenster herab keyen Höfer 2, 130.
es ist aber fast überall pöbelhaft, in der Schweiz z. b. auch bei bauern gemieden, die auf anstand halten, d. h. es hat unbewuszt doch noch immer von dem geruch seiner entstehung an sich, wie bei Grimmelshausen
unter 3,
e. [] 5@cc)
denn es geht gleichfalls auf das mishandeln beim stuprum zurück; es ist auch nicht eigentlich werfen überhaupt, sondern auf den boden werfen, hinschmeiszen (
s. unter b).
so galt lat. prosternere,
auf den boden, unter die füsze werfen u. ä. auch geradezu für stuprare (
vgl.prosternere hostem,
dazu 3,
b),
und landschaftliche ausdrücke, wie eine umstoszen
nordd., sagen im grunde dasselbe; vgl. fällen, zu falle bringen.
vgl.geheugen
von mishandlung unter 9,
a a. e. 66)
aber auch fallen, fast überall in den unter 5
angeführten mundarten, luxemb. z. b. en as de lange wee doir geheit,
er ist der länge nach hingefallen, schweiz. besonders auf den boden fallen (
auch durregheyen,
bei einer wahl durchfallen),
von thieren verrecken, s. Stalder,
schwäb. herabkeien,
alem. bei Hebel keje (
doch von gheie
unterschieden).
bair. östr. zwar nicht, aber wieder im Kuhländchen (
s. 3,
g) gehaye
z. b. von einem wagen, der rutschend in den abgrund fällt Meinert 395,
also zugleich mit verderb (
s. 8).
die einheit mit dem vorigen begriffe zeigt auch z. b. stürzen
und md. hinschmeiszen
als derber ausdruck für gefährlich hinfallen, eigentlich hinwerfen. merkwürdig aber wieder auch nd. brüden, brüen,
z. b. den barg henunner, vam peerde
Brem. wb. 1, 146,
also von menschen, mit gefahr und schaden. 77)
im bair. gebirge auch für schlagen, z. b. der pfarrer keit auf die kanzel. Schm. 2, 132,
auch in der Heanzenmundart kaia,
z. b. einen ins gesicht, s. Fromm. 6, 332,
in deutsch-ungrischen mundarten, s. Schröer
weihnachtssp. aus Ungarn 204.
so ist das md. schmeiszen
auch grobes kraftwort für schlagen. sich geheien,
platzen, schmeiszen o. ä., schlesisch 17.
jh., in gröbster verwendung: biszweilen lach so sehr (
bei tische), das, was du schon gekäut, sich wieder aus dem maul ins essen hin
geheüt. W. Scherffer
grob. 157 (Fromm. 4, 171).
in der 2.
ausg. von Schmeller 1, 1026
wird eine stelle aus dem Simpl. beigebracht: zu jenen zweyen aber sagte er, warum sie sich nur so von mir geheyen lieszen und mich nicht wieder schlü
gen. 1, 253, 26
Kz. (3, 2);
aber das geheien
ist da nur ein vexieren mit witz und drohung, um einen zum zweikampf zu zwingen, dessen er sich eben weigert. doch ist eine entstehung aus dem geheien
des feindes im kampfe 3,
b wol denkbar. aber ein ähnliches eingeheien,
mit gewalt '
hinein bringen'
knüpft auch noch im 17.
jh. an den garstigen ursprung bewuszt an: diesz alles sachen sind, nicht blosz allein zum däwen, besonders (
sondern) die das fleisch auch statlich eingeheyen (
zum essen reizen), wie jene dirne sagt, sie hett' es nicht gedacht, der kreen, der kreen hett' ihr das fleisch hinein gebracht. W. Scherffer
grob. 128 (Fromm. 4, 171),
d. h. kreen,
meerrettich, aber zugleich ein knecht mit namen Kreen. 88)
auch eine bedeutung verderben schlieszt sich noch an jenen ursprung an, in welcher weise, zeigt z. b. die klage der mutter unter 2,
c wie hastu mir die tochter keyt?
schwäb. verheien
verderben, zerschlagen, zu grund richten Schmid 269,
schweiz. verhyen, verheyen Stalder 2, 32,
bair. erheien, dergheien,
z. b. e dergheite gsundheit Schm. 2, 132,
auch zgheien (zergeheien)
das. vergl. wieder auch verserten, versarten
vor leid, angst Schm. 3, 284,
und nd. verbrüden
verhunzen, corrumpere Richey 25,
verhudeln Brem. wb. 1, 147. 99)
zur form ist noch zu erinnern, wegen der nebenformen, 9@aa)
wie sich eine doppelheit im vocal aus dem adj. her ins nhd. fortsetzt, indem neben dem vorherschenden geheien,
ahd. gihîan,
in fast allen bed. geheuen, keuen
hergeht, auch gehewen 3,
a, keuwen 5,
a, d. i. das ahd. gihîwan;
noch jetzt in Kärnten keuen
neben kain Lexer 137,
im Riesz es kuit mich
gleich keit,
ärgert Schm. 2, 132,
vgl. auch pfälz. unter 3,
f. das bürgt zugleich für die einheit der verschiedenen bedeutungen, es ist wie in heurat
neben heirat (
s. auch nl. u. 1,
c. 3,
g),
wie in mhd. gesiune
gesicht neben gesihene (
goth. saíhvan
sehen);
vgl. auch gedeuen
gleich gedeihen (
s. d.).
Daher erklärt sich auch geheib (
nachträglich zu sp. 2340)
für gehei,
ärger, gegenseitiger verdrusz: des bunds krieg gegen den Schweizern hett nit so treffenlich ursach (
triftigen anlasz), sondern war sonst ein groll und geheib, den das mererteil des keisers räth .. anrichten (
praet.). S. Frank
Germ. chron. (1538) 231
b,
im b
das alte w
erhalten, mhd. wol gehîwe.
Aber auch mit -g
für -w,
wie so oft: wird man doch von einer ecken zur andern
geheuget und gestoszen, wie eine ackermähre. Filidor
Ernelinde 15,
zur bedeutung s. 5,
c. 9@bb)
auffallender und fraglich ist eine andere doppelheit im vocal, hd. wie nd.; mnd. heigen
neben hîgen,
in einem liebesbrief des [] 15.
jahrh.: myn lewe frunt .. (
wähnet nicht) dat ek iw heigen wylle.
Germ. 10, 392,
zum narren haben (
s. 3,
c); wore Hans enwech, gy scholden wol sen, ef ek iw heygede.
das. ebenso noch schweiz. neben ghia
auch gheia (keia) Tobler 98
b. 220
a, ghyen
und gheyen Stalder (
s. z. b. 5,
b).
entsprechend auch im bair. gebiete kärnt. ghein, kein
und kain Lexer 137,
die zweite form hier wie dort sogar vorherschend. sie reicht aber zurück ins 15.
jahrh. nach der schreibung verhait
fastn. sp. 399. 991, 28
u. ö. 9@cc)
dabei eine spur starker bildung, elsäss. 15.
jh.: in dem habe Ulrich über Hanman kummen laufen und zu im gesprochen, wer dich, du
gehigener bœsewiht, du must sterben! Scherz 502
aus Straszb. ratsacten vom j. 1439; wol uf, du gehingener (
so) bœsewiht und wer dich.
das. (
zur sache s. geheiendig),
d. h. wie von starkem gehîen,
vermutlich nur so im part., wie oft, z. b. zu heien, heigen
hegen ein part. geheien IV
2, 813, erheien III, 846 (
vergleiche schon ahd. '
nutritur, wirt kehagin' Schm. 2, 129).
das aufkommen jenes geheien
neben gehîen
wird mit diesem übertritt in starke form zusammenhängen, vgl. mhd. beiten
neben bîten
warten, ahd. bîtan
und beitôn,
ohne sichtbaren unterschied der bedeutung (
vgl.gefäsz 5,
b).
merkwürdig übrigens erscheint hegen, sonst pflegen, schwäb. auch für plagen, gleich geheien,
s. Schmid 268. 269,
wie nrh. heghen
gleich plagen, moeyen,
vexare, sauciare, irritare u. a. Teuth. 21
a,
als ob in hegen
sich heien
pflegen und geheien, gehîen
vexare gekreuzt hätten trotz entgegengesetzter bedeutung.