zwirbeln,
vb. ,
drehen, wirbeln. iterative l-
ableitung von mhd. zwirben,
das meist als mischbildung aus zirben
und wirbel
aufgefaszt wird, s. Heyne
dt. wb. 3, 1462;
ähnlich Kluge-Götze
15916
a. 11)
für den vorgang einer drehbewegung, meist schwankender oder gar taumelnder art. 1@aa)
in kreisen sich hin- und herbewegen: dem riet der tiufel, daz er ein seil nam und in einen stadel gienc und sich an einen balken hienc. und dô er zwirbelt hin und her, dô brach daz seil, zehant lief er in einen wîer und ertranc Hugo v. Trimberg
der renner 15661
Ehrismann; wie du uns am sail gezwirbelt, uns im ring herumgewirbelt, dasz uns nacht ums auge grauszte, dasz's uns in den ohren sauszte Schiller 1, 213
G. häufiger von einer flugbewegung: ain zwirbelfalck, vnd der nam wirt im darumb zugelegt, wann sein aigenschafft ist, das er sich an der paisz in dem absteigen zwirbelt alszlang, bis er den vogel, den er paisset, geschlagen vnd gepaissen mag Mynsinger
v. d. falken 8
lit. ver.; was zwirbeln und wirbeln ohne ziel? wir tragen bei uns, was uns von nöten J.
V. Widmann
maikäferkomödie (1911) 206.
bes. von dingen, die vom wind in eine unbestimmte, flugähnliche drehbewegung versetzt werden: zwirblen yr nit
auch yetz in einer windsbrut herumb ob yr schon nit empfinden!
M. Herr
sittl. zuchtbücher (1536) 183
b; ein grosses brastlen unnd sausen ..., das wie ein windsbraut alle ding umb sich eynriss und zwirbelt S. Franck
bei Fischer
schwäb. 6, 1465; vivat de winter! heisso! vivallero! schneiflocken zwirwelt!
bei Bauer-Collitz
waldeck. wb. 191a;
wirbelnd fliegen Clausz
ma. v. Uri (1929) 116; guck' einmal, wie die blätter in dem wind durcheinander zwirbeln Spiess
henneberg. id. 296; dr stāb zwerwlt auf
der staub wirbelt auf Blumer
westböhm. ma. 98
b. 1@bb)
deutlicher mit dem nebensinn eines völligen durcheinanders: verfluocht seiendt ihr grausamen wallen auff dem mör. warumb hand ir mich nit gantz verdilcket, als ich in Frankreich schiffet, da ir mich also mit ewerem ungestümen zwirbeln umbgeben hatten! (1551) Wickram
w. 1, 344
lit. ver. (
vgl. zwirbel 1 a '
wasserwirbel'); da erhebt sich denn ein solch rennen, lauffen, und durcheinander zwirbeln E. Sacerius
buch v. heil. ehestande (1553) 103
a.
meist übertragen: der kopf zwirbelt mir
es geht mir alles untereinander Berndt (1787) 168; Anton
Oberlausitz (1830) 11; s' zwirw
elt m
ir für den auje
n es wird mir schwarz vor den augen Martin-Lienhart
els. wb. 2, 926
b; '
schwindlig, verdreht sein': da war es eines morgens, als wäre ganz Paris von einem elektrischen schlag getroffen aus dem bett gefahren und zwirble noch sturm und betäubt herum J. Gotthelf
ges. schr. (1856) 1, 252; er musz nicht recht gescheit sein, er sieht so verzwirbelt aus Crecelius
oberhess. wb. 941; Hertel
Thüringen 268;
vgl. unten zwirblich. 1@cc)
sich um sich selbst drehen: '
sich dauernd im kreise herumdrehen, von kindern, die zu zweit ihre hände ineinanderhaken, die füsze gegeneinander stemmen, sich zurücklehnen und dann um ihre füsze im kreise wirbeln' Heinzerling-Reuter
Siegerland 345
b.
in der turnersprache: das zwirbeln
eine drehübung Sanders 2, 1814
b.
in der umgangssprache häufig als drohung, wo eine drehung um sich selbst als beabsichtigte und mögliche wirkung hingestellt wird: ich gAe dir ê dachtel, dasz du rum zwirbelst Reinwald
Henneberg (1793) 152
b;
sich um sich selbst drehen ech gä d
er
en o
arfij, dadd
e dech zwi
erw
elst Heinzerling-Reuter
Siegerland 345
b; i
ch haii d
ir ei
ns,
dasz de zwirb
elst! Martin-Lienhart
els. wb. 2, 926
b.
in transitiver wendung jem. zwirbeln
ihn beim tanze drehen: de kan döi weisleu regt zwörbeln Schmidt
westerwäld. id. 344;
vgl. auch Friedli
Bärndütsch 5 (1922) 380.
hier auch von der sich beim spinnen drehenden spule: die hängende, in leises zwirble versetzte spule 5, 513. 1@dd)
der gedanke des sich-drehens tritt zurück gegenüber der vorstellung einer unsicheren, schwankenden, wirbelnden vorwärtsbewegung. α)
schwanken, torkeln: wie der bär also ein gut weyl vmbgezwirblet vnd zletst nidergefallen, gestorben Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 18;
taumeln, wie ein trunkener kollern Seiler
Basel 330
b;
taumeln, im zickzack gehen (
wie trunkene),
zu boden stürzen Martin-Lienhart
els. wb. 2, 926
b;
taumeln Schild
Brienz in PBB 18, 332; herumzwirbeln, hinanzwirbeln
besinnungslos hinfallen Fischer
schwäb. 6, 1465.
β)
sich vorwärtsbewegen; mit unsicheren, schwankenden und abwehrenden bewegungen: es wird der armen maus angst, sie wehrt sich, und zwirbelt, und musz der schlange denn doch noch zum maul hinzu laufen (1785) Pestalozzi
s. w. 3, 88
Stecher; (
er) drehte und zwirbelte den zornschnaubenden keuchenden bauern zur türe L. Thoma
ges. w. 5, 525.
rasch und wirbelnd vorwärtsstürmen: das mägdlein aber hat sich bald ermannt und ist über den kirchhof davon und zum dorf hinausgezwirbelt, wie eine katz, dasz alle leute voll entsetzen heimgeflohen sind und ihre thüren verriegelt haben G. Keller
ges. w. (1889) 1, 55; wöi dat könd dort hinaus zwörbelt
schnell sich fortarbeitet Schmidt
westerwäld. id. 344;
sich wirbelnd bewegen Weber
ma. d. Zürcher Oberlandes (1923) 32. 22)
in vornehmlich transitiver verwendung, einen gegenstand drehen oder ihn in eine drehende bewegung versetzen. 2@aa)
in häufiger wendung den bart zwirbeln,
ihn mit den fingern spitz aufwärtsdrehen: er ... zwirbelte seinen stichelhaarigen knebelbart
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 167; er trug einen klemmer, hatte kluge dunkle augen und einen gezwirbelten schnurrbart Sven Hedin 50
jahre in Deutschl. (
31939) 57; das waren gut angezogene herren mit gezwirbelten schnurrbärten Renn
adel im untergang (1947) 104; die männer trugen lange bärte zur schau oder zwirbelten zum mindesten einen mächtigen schnurrbart als weithin erkennbares attribut ihrer männlichkeit empor St. Zweig
welt v. gestern (1947) 94; (
er) zwirbelt seinen schnurrbart L. Feuchtwanger
Simone (1950) 102.
auch '
locken drehen': du solltest dir übrigens jetzt eben auch so eine reihe kleiner löckchen zwirbeln, so um die stirn hier Mörike
ges. schr. (1905) 3, 116
Göschen. 2@bb)
einen faden mit den fingerspitzen drehen: '
zusammendrehen, z. b. ein aufgelöstes fadenende' Fischer
schwäb. 6, 1465; '
zwirnen'
ebda; '
einen faden zu hart zwirnen, drillen' Martin-Lienhart
els. wb. 2, 926
b; die baronin zwirbelte (
beim nähen) an einem schwarzen faden
quelle von 1930.
im bilde: rauch von einem feuer der waldhüter stieg dünn und kerzengrade bis in sehr grosze höhe, er schien sich im steigen nicht zu bewegen; dann aber war es mit einem male, als würde der rauchfaden in den fingern einer unsichtbaren riesenhand gezwirbelt Ponten
rhein. zwischenspiel (1937) 190. 2@cc)
etwas in kreisende bewegung versetzen; mit unterdrücktem objekt: '
quirlen' Schmeller-Fr. 2, 1181; '
kreiseln'
Schmitz Eifler volk 234; '
dullern, den kreisel schlagen' Pfister
nachtr. z. Vilmar 348.
vereinzelt: sich erinnern, erzählen, auch ein wenig fabulieren darf doch das alter — die kinder hören es gerne, diese zuversicht musz das alter haben, sonst schweigt es und setzt sich still auf die ofenbank und zwirbelt die daumen übereinander H. Thoma im
winter d. lebens (1925) 4;
dazu stieszen sie (
die umstehenden frauen) glucksende rufe aus, zwirbelten mit den fingern vor den augen der kleinen kreatur (
dem kinde) und spitzten die lippen E.
M. Remarque
drei kameraden (1951) 68. 2@dd)
jemanden drehen, ihn hart behandeln, quälen, plagen, s. Schmitz
Eifler volk (1856) 234; Martin-Lienhart
els. wb. 2, 926
b;
vgl. auch Andresen
dt. volksetym. 397,
der zwiebeln
von zwirbeln
herleiten will; doch s. dazu zwiebeln
teil 16, 1138
f.