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trotzig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trotzig adj.

Bd. 22, Sp. 1138
trotzig, adj. , 'herausfordernd, widersetzlich, eigensinnig, mutig, zuversichtlich'. in mhd. zeit nur oberdeutsch bezeugt, und zwar als trutzig und tratzig, letzteres nur innerhalb des tratzen-gebietes (s. o. trotzen, vb., sp. 1115 ff.). die mitteldeutsche und heute schriftsprachliche form trotzig, die auch Luther ausschlieszlich verwendet, fehlt noch in mhd. zeit, doch s. trotzlich. die mundartliche verteilung der drei formen trotzig, trutzig und (seltener) tratzig (daneben auch trötzig, trützig, trätzig) entspricht der des substantivs trotz. tratzig verschwindet seit dem 16. jh. aus der schriftsprache und begegnet auch heute mundartlich nur vereinzelt, und zwar in bedeutungen, die nicht tratzen als 'lacessere' entsprechen: trätzk 'trotzig, maulend' Spiess henneberg. idiot. 257; tratsik 'trotzig' L. Brun d. mundart von Obersaxen im kanton Graubünden 62; tratzig 'waghalsig, tollkühn, keck' Unger-Khull steir. 164; vgl. weiter trätzelig bei Stalder 1, 300; trätzet 'gern neckend' Schmeller-Fr. bair. 1, 682. mundartlich und umgangssprachlich stehen sich heute nur trotzig als die md. und nd. und trutzig als die obd. form gegenüber, beide im wesentlichen sich bedeutungsmäszig als 'miszgelaunt, verstimmt, schmollend' entsprechend, vgl.: trotsig Schmidt-Petersen nordfries. 139; Damköhler Nordharz (bei Doornkaat-Koolman ostfries. als trots 3, 437); trotzech Luxemburger wb. (1906) 444; Follmann lothr. 109 (neben häufigerem trutzig); trutzig, trutzicht Martin-Lienhart elsäss. 2, 770; Fischer schwäb. 2, 429; Hunziker Aargau 62; Schmeller-Fr. bair. 1, 682; Überfelder Kärnten 81. trotzig wie trutzig sind schriftsprachlich geworden, ohne dasz sich ihr gebrauch schärfer gegeneinander abgrenzen liesze. im allgemeinen ist trutzig die archaische und gewähltere form, häufig mit dem nebensinn des wehrhaftdrohenden oder des mannhaft-selbstbewuszten, doch vgl. das anscheinend entgegengesetzte sprachempfinden des Oberdeutschen bei Rosegger: trutzig 'gekränkt, miszgelaunt, schmollend' II 1, 187; III 6, 146; dagegen heiszt es: finster und trotzig steht die burg auf dem berge I 13, 98. AA. herausfordernd, drohend, s. trotz A und trotzen A. A@11) als deutsche entsprechung von praesumptuosus, arrogans, insolens bei den lexikographen früh bezeugt, von der bedeutung 'stolz' (s. u.C 3) bei ihnen gewöhnlich nicht zu unterscheiden: presumptuosus trutzig voc. primo ponens (Straszburg 1515) c 5; ad me contumaciter, arroganter solet scribere an mich pflegt er trotzig und hoffertig zu schreiben B. Faber thes. (1587) 203b; vultuosus (qui seu indecentem seu arrogantem vultum sumit) ungeberdig oder stoltz, grob, vermessen, trötzig mit der geberde 978b; protervus dicitur, qui obvios proterit, superbus geil, übermüthig, trotzig frons proterva, impudens Reyher thes. (1668) 3, 788; trotzig arrogans, insolens, minax Wiederhold dict. (1669) 343b; einem trotzig begegnen trattare uno con dispetto, con arroganza M. Kramer dict. 2 (1702) 1153a. A@1@aa) in der literatur seit dem auftreten des wortes in diesem sinne bezeugt: tretzig und hœnig sints an allen ir gebâren, dieselben zwêne dörper Gîselholt und Engelram Neidhart 57, 34 W.; vgl. tretzig unde hêre ebda 59, 9; ein vil tumber getelink trezzic und ouch dol bei v. d. Hagen minnesinger 3, 252b; o grosser Jupiter was schalckhaftiger und trutziger menschen (scelestum atque audacem hominem) Terenz deutsch (1499) 69a; naturgemäsz häufig in der polemischen literatur des 16. jhs.: dein mtwilligen trützigen schelmen haben dir dein dück nit mögen volstrecken nach deinem anschlag J. Fundling anzeigung (1526) b 3b; alle oberzölte stuck thuon sie frei, frech und drutzig J. Nas J. Nasen esel (1571) 79a; unflätig sein im schreiben, verwegen im reden, trutzig in lugen, unverschämbt in den büchern 68b, vgl. ebda 117a; 117b; lernen sie (die landstreicher) nichts mehr als fluchen, ... mit sieben sacramenten ... umb sich werfen, trotzig sich erzeigen Pape bettel- u. garteteuffel o 2a; ob aber ainer so trutzig und faul (var. frävel) war und den pflueg nit ubertragen wolt österr. weist. 7, 130, ebenso 6, 69. auch in jüngerer zeit noch als 'dreist, frech': es sind die zeiten gekommen, in denen das alter verachtet wird, jeder knabe, der einen bart an seinem kinne fühlt, darf trotzig die erfahrungen des mannes verspotten Tieck schr. 11, 4. als 'schlecht, nichtswürdig' in moralischem sinne: was ist heutigs tags nicht nur bei melancholischen ... nohtleidenden, sondern auch bei trutzigen, boshaftigen leuten ... gemeiner als den tod wünschen Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 64; als 'mutwillig, leichtfertig': du solt nicht richter werden, du wellest dann die ungerechtigkeit mit krafft und macht zerstören, und welcher sich darzu gut beduncket, der ist leichtfertig oder trützig H. Steinhöwel spiegel (1479) 43a; die weil wir finden, das man der christlichen freiheit in vielen stücken leichtfertig und trotzig miszbraucht und on alle not ergernis und unlust anricht Luther 26, 225 W. A@1@bb) besonders als 'frech, dreist' von rede und widerrede: umb dein bös maul hab ich dich bleut, das mir so trutzig antwort beut Hans Sachs 17, 179 K.-G.; es gab ihn der keiser viel stölzeren und trutzigern bescheid weder zuvorhin N. Höniger sarracenische gesch. (1580) 162; in disem jar schreib Soliman ein trutzigen brief an papst Paulum Stumpf Schweizerchron. (1606) 27a; allein er bekam eine ziemliche trotzige antwort: nemlich, die italiänische armee were bereits unterwegens, so den accord mitbringen würde B. Ph. v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 482; ja er begehrete an Biorn trotzig gnug, er solte sein pferd mit ihm umtauschen, weil es noch unermüdet wäre und als dieser des zumuthens lachete ... Buchholtz Herkuliskus (1665) 17. dann oft objektiver, mehr auf die art der entgegnung sich beziehend, als 'grob, brüsk, barsch, unwirsch', vgl. trotzig antworten rispondere bruscamente etc. in croce Kramer dict. 2 (1702) 1153a und Weinhold schles. wb. 100; einem recht trotzig anschaffen commandare ad uno imperiosamente, con minacie, con modi bruschi, sgratiati ... ebda; brüske, stolz, trotzig, unbescheiden, ungestüm Kinderling reinigkeit d. dt. sprache (1795) 118: bei der gewalt mögen wol kurtze und trotzige wort gebraucht werden Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) b 1c; ich leuchtete ihm unter die augen; allein er gabe mir sehr trutzig zu verstehen, dasz ihn die freiheit, so ich mir nahme, gewaltig verdrosse Lindenborn Diogenes (1742) 1, 9; nachdem er ihm einigemahl in einem trotzigen tone stillzuschweigen geboten hatte Nicolai Seb. Nothanker 3, 39; kurz und trotzig verlangte er (der gast) eine gute fleischsuppe J. P. Hebel w. 2, 30 B.; ach, sagte er ganz grob und trotzig, gehet ihr hin kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 31; der freischulze ... erwiederte die nachrede minder trotzig als sonst vielleicht geschehen wäre Holtei erz. schr. 4, 25. auch sonst ergibt sich die bedeutung 'grob, unfreundlich': ich rede von dem vordersten (ritter), gegen welchen ihr euch angesehen seiner schöne und jugendt zuviel trutzig gehalten, also das euch schmach und schand bringen möcht ... hierumb ... werden ihr euch etwas freundtlichers beweisen, in ansehung dasz ich euch versprich, wo ihr euch ein wenig lieblich gegen ihm erzeigen, dasz ... Amadis 338 Keller; sein verstocktes undankbares wesen, seine trutzigen manieren wollt ich mir ja gerne gefallen lassen ..., das elend hat ihn so gemacht Holtei erz. schr. 5, 133. von sachlichem objekt: es (das vorspiel zum Faust) müszte beinahe umgeschrieben werden, wenn es so höflich artig und einnehmend einem publicum gebracht werden sollte als es jetzt trotzig und unfreundlich ist Göthe IV 39, 257 W. A@22) 'drohend', so am häufigsten in den wörterbüchern wiedergegeben: minax trötzig und drewlich. et num putatis dixisse eum minacius quam facturum fuisse meinet ihr, er habe trotziger und drewlicher sich hören lassen als er wol würde gethan haben Faber thes. (1587) 505b; vgl. weiter Frischlin nomencl. (1591) 163; nomencl. (Hamburg 1634) 261; Widerhold (1669) 343b; Dentzler clavis (1716) 292 und ferner die lexikographischen bezeugungen für trutzlich und trutziglich. A@2@aa) die belege berühren sich anfänglich mit den unter trotzig B 4 b ('grimmig, wütend, erregt') angeführten: ja, wenn er ir einredet, dräwet sie ihm, sie wolt ... von im ziehen und dergleichen viel trötziger wort braucht sie Er. Alberus fabeln 13 ndr.; der swartze sprach trotzig zu dem weissen bokke: tritt zurükk und weiche mir alsbald Schottel friedenssieg 5 ndr.; da droht ich trozzig: ha, ich will den tödten, der uns stöhrt Göthe 37, 46 W.; das billet mit der trotzigen forderung E. T. A. Hoffmann s. w. 4, 30 Gr.; brauen wie zwei schwarze drachen, die ... ihre mähnen trotzig sträuben Bettine die Günderode (1840) 1, 91. vom feindseligen drohenden blick; vgl. truces oculi trutzige augen Schönsleder prompt. (1618) H h 5b: und sich beide (Mars und Saturn) mit einem trotzigen und feindseligen gevierdten schein anschauen J. Reinstein prognost. astrolog. (1573) c 1b; so ladet das sanfte auszenbild des menschenfreundes den hülfsbedürftigen ein, wenn der trotzige blik des zornigen jeden zurükscheucht Schiller 1, 170 G.; der offizier ... schosz einen trotzigdrohenden blick auf Florian Zschokke s. ausgew. schr. 25, 237. vom drohenden, schreckhaften äuszern: das sind die beste adelichste farren, welche eines trutzigen anblicks sind Heyden Plinius (1565) 237; dann wo sie (die Römer) in grosser forcht und sorgen stehen, pflegen sie sich trutzig und schrecklich zu machen Xylander Polybius (1574) 167; er siehet so trotzig ausz, als ob er ihrer schon 9 gefressen und der zehnde stecke ihm noch im halse schausp. engl. comöd. 77 Creiz.; dem laidigen satan, welcher ... in gantz trutziger gestalt vor ihr erschienen Abr. a s. Clara Judas 1 (1686) 8; die räuber, furchtbare männer, mit trotzigen gesichtern Chph. v. Schmid ges. schr. 1, 26. gelegentlich tritt auch die bedeutung des drohenden zurück und nur der visuelle eindruck wird wiedergegeben: pudeln ... haben ein trutziges ansehen Heppe lehrprinz (1751) 15. als 'finster, ernst': wer seid ihr, die ihr mir unfreundlich den schlaf von den augen schüttelt? was künden eure trotzigen unsichern blicke mir an? Göthe 8, 291 W.; Menelaus wird erkannt am sanften ..., Diomed am freikühnen, Ajax steht finster und trotzig Göthe 49, 1, 78 W.; oft (verbirgt sich) unter einem trotzigen auge ein liebreicher charakter Lavater fragm. 1 (1775) 30. A@2@bb) als 'wild, rauh', nicht die einzelne äuszerung oder die gestalt, sondern den ganzen menschen charakterisierend: Siegfried ... nahm sein schwerdt ... und schlug dem trotzigsten und vornehmsten schnarcher in dem ersten streich den kopf hinweg volksb. vom gehörnten Siegfried 86 ndr.; doch waren diese (soldaten) jeweils lustiger als jene, darneben aber auch trotzig, tyrannisch, mehrenteils gottlos Grimmelshausen Simplicissimus 44 Scholte; solch seltsam und trotzige leut hab ich nicht viel gsehn, wie ihr seid bei Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 153; bleiben wir von dem soldatenhaufen! sind euch gar trotzige kameraden Schiller 12, 14 G.; sich mit der bedeutung 'kriegerisch-wehrhaft' verbindend: die höflingsschaar im kreise verlernet jeden spott des königs trotzge krieger, sie beugen sich vor gott Uhland ged. 1, 307 H.-Er. Schm. hierher auch: kühn und sanft, trotzig und milde, zu lande und wasser erscheinen hier (in den edden) abentheuer der götter und helden in beiderlei geschlecht Herder 18, 491 S. A@33) 'gebieterisch, herrisch' entsprechend trotz als 'gewalt, zwang, willkür' (s. o. sp. 1094), doch ist die verwendung des adjektivs in dem angegebenen sinne weit häufiger bezeugt: imperiosus trützig Er. Alberus dict. (1540) h 1a; sie (Eva) sagt imperiose, mit trutziger faust: Adam isz J. Agricola sprichw. (1534) F f 3b; bis in die gegenwart bezeugt: je mehr er verlangte und je trotziger er auftrat, desto williger schien sie zu werden O. Ludwig ges. schr. 2, 369; in substantivischer verwendung: herrisch, insolent und verweigernd gegen die demüthigen, nachgiebig und kriechend gegen die gebieterischen und trotzigen zu sein Justi Winckelmann 2, 1, 113; adverbiell steigernd: von ... trotzig herrischen gemüthern sich meistern lassen Schiller 13, 208 G. häufig verwendet zur charakterisierung eines gewalthabers: solche trotzige, türstige und zornige tyrannen Luther 19, 226 W.; diese gottlose verächter und stoltze und trotzige tyrannen und mutwillige freveler, die mit gewalt furen J. Mathesius Sarepta (1571) 10b; do setzt er inen (den waldstädten) ... graf Rudolfen von Habspurg zu einem landtvogt, der was ein richer, gewaltiger und trutziger mann Tschudi chron. Helvet. 1, 107; hier wohnt und schwelgt ein trotziger dynast, des armen landes reiche last Ramler fabellese 1, 262. insbesondere von der art des umganges mit den untergebenen: er (der gottlose) handelt trötzig (dominabitur) mit allen seinen feinden psalm 10, 5 (trutzlich Zürch. bib. 1531); des papsts trotzige handhabung seiner hauptmannschafft Fischart binenkorb (1588) 137b; das er die niedern nicht veracht und fahr trutzig on als erbarmen mit andern unterthan und armen Hans Sachs 9, 207 Keller; wie hat er (Bonifaz VIII.) aber ein leben gefüret? stoltz, hochmütig, untrew, trötzig gegen jedermann Sleidanus reden 94 B.; die art von niederträchtigkeit ist sehr gemein, gegen seine obern sich sclavisch bücken und zugleich ungerecht und trotzig gegen die sein, die man unter sich hält J. G. Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 86. als 'hart, mitleidlos': deszhalb haben die alten poeten und heidnischen theologi die göter grewlich, trotzich, unerbitlich gedicht, die sich umb der menschen unglück nicht bekumern S. Franck chron., zeytbuch (1531) 123a; auch lest der priester den armen gantz trutzig an alles erbarmen Hans Sachs 1, 276 K.; gegen welchen man gütig oder trotzig sein sol Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) 5 2a. neben unpersönlichem begriff: da der brandenburgische anwalt Zänner gegen den junker Wenzel von Tronka mit dem trotzigsten nachdruck verfahre H. v. Kleist 3, 231 Er. Schm.: (sie fielen) mehr der momentanen rücksicht einer trotzigen politik als dem rechtsprincip zum opfer Ranke s. w. 38, 40. BB. 'widerstand leistend' zu trotzen 'resistere' in seinen verschiedenen schattierungen, s. trotz B und trotzen B. B@11) im eigentlichen sinne 'sich widersetzend, sich aufbäumend, sich abwendend von'. B@1@aa) persönlich. vom tätlichen widerstand kaum zu belegen, da die bedeutung 'resistens' fast immer in bestimmtem sinne gefärbt ist als 'angriffsfreudig, mutig, tapfer (s.C 1), widersetzlich' u. s. w., es sei denn, dasz trotzig neben einem ihm bedeutungsver wandten verbum intensitätsbegriff wird, vgl.: das stolze element (das meer) sträubt sich unter dem kampfe der winde; trotzig erhebt es seinen rücken, mächtiger wird es niedergedrückt Gerstenberg schlesw. lit.-br. 170 lit.-denkm.; aber der kampf beginnt von neuem im menuett, und jetzt mischt sich ein gefühl trotzigen widerstrebens ein O. Jahn Mozart 4, 101; schon hinüberneigend zur gruppe 'widersetzlich, aufsässisch' (s. u.B 3): du weiszt, ich schwor, die krone nicht zu tragen, solange Mailand trotzig widersteht Raupach dram. w. ernster gattung 5, 93; alle die trotzigen mächte, die sich dem höchsten ansehn entgegengesetzt, wurden gebeugt Ranke s. w. 1, 55. vom inneren widerstand: indem ich bei dieser vorstellung von sehnsucht und widerspruch, von einem mir unbekannten aber süszen gefühle des gehorsams und trotziger freiheitslust gleichzeitig erglühte G. Keller 3, 12; oder von der inneren ablehnung, abkehr: herzog Albrecht hielt sich ... in trotziger absonderung, und auch der kaiser ... wollte von keiner aussöhnung hören Ranke s. w. 1, 68; auch hier ist die bedeutug 'widerstand leistend' meist gefärbt, so als 'eigensinnig, eigenwillig': ha! nun seh ichs was dich eigentlich so trotzig macht Lessing 2, 295 M.; der löwe verbietet einem schwein vor seiner höle täglich vorüber zu gehen, und schneidet dem trotzigen erst ein ohr, dann auch das andere ab J. Grimm Reinhard fuchs, vorr. 283; positiv, bald als 'beharrlich', bald als 'entschlossen, mutig': ausdruck schalkischen verstandes und trotzigen willens bei aller biegsamkeit und beweglichkeit der glieder und gebärden (von den Russen) E. M. Arndt s. w. 1, 152 M.-R.; die beiden männer, die geräuschvoll und trotzig beflissen, sich nicht in den bann dieses weibes zu geben, ihre arbeit taten E. G. Kolbenheyer Paracelsus 3 (1926) 198; die angst und furcht, die ich bisher immer mit meiner trotzigen klugheit zu bezwingen verstanden habe kriegsbr. gefallener studenten (1928) 290; gleichzeitig als 'kraftvoll': war er (Mithradates) so gewaltig physisch begabt, dasz sein trotziges umsichschlagen, sein unverwüstlicher widerstandsmuth häufig wie talent, zuweilen sogar wie genie aussieht Mommsen m. gesch. (1854) 2, 268. B@1@bb) neben sachlichen begriffen entwickelt sich die bedeutung 'fähig, widerstand zu leisten', 'wehrhaft'; noch verbal: das gschlosz ob der statt auf einem hohen berg ligende ist von gebeu nit allain anschawens wirdig, sonder auch gegen dem feind trutzig gemacht S. Franck chron. Germ. (1538) 297a; doch: disz land (Schwaben) ist ... mit vil namhafftigen trutzigen stetten, schlössern erfült ders., weltbuch (1534) 52a; in jüngerer zeit sehr üblich von festungsartigen bauwerken: thürmende städte mit trotzigen mauern Denis lieder Sineds (1772) 90 Haydn (habe) ein lieblich phantastisches gartenhaus gebaut ..., das von Mozart in einen palast umgewandelt sei, auf welchen Beethoven einen kühnen trotzigen thurmbau gesetzt habe bei O. Jahn Mozart 4, 746 anm.; finster und trotzig steht die burg auf dem berge Rosegger schr. I 13, 98; das heutige sprachgefühl verbindet häufig damit den visuellen eindruck des düsteren, ernsten (s. auch trotzig A 2 'drohend'): nur der turm (der kirche) schaute noch bis zum jahre 1870 in alter trotziger ruhe, breitspurig und gestemmt dastehend, über den deich Allmers marschenb. 264; zum greifen nah liegen vor uns zwei mächtige türme ... trutzig von halbem hang her drohend K. Bröger d. unbekannte soldat (1917) 36; die kirche mitinne ist hoch und trotzig Hans Grimm volk ohne raum 1, 42. jung ist die übertragung auf berge und felsgipfel: und gegenüber trotzge berge dräuen Fouqué alts. bilders. 1, 156; mehr im sinne von 'emporragen, starren', s. o. trotzen B 1 a β: trotzige felsen ragten mitten im dunkeln tannenforst W. Raabe s. w. I 5, 448; (die krotenköpfe in den Allgäuer Alpen) ein starres, trotziges spitzenpaar H. v. Barth Kalkalpen 229; doch auch: die vereinzelten kiefern ... trotzig in ihrer ... markigen gestalt W. Alexis hosen 1, 3. B@22) 'hartnäckig, unnachgiebig': vgl. trutzig ... pertinace, ostinato ... Hulsius dict. (1618) 251b; obstinat, eigensinnig, trotzig Spanutius lex. (1720) 340: er hat bei der tortur und bei seinem ende sich trützig angestelt A. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 124; man solle allen verurtheilten vor der hinrichtung zur ader lassen, um sie ein wenig matt zu machen; ihre trotzige haltung ärgere ihn G. Büchner nachgel. schr. 116; zur milderung trotzigen sinnes dient ein dargebotenes schmuckstück Scherer litteraturgesch. 30; dann werden ... eurer gebieter und weisen nüchternste sinne und trotzigste nacken gefüge Stefan George das neue reich 11; eigenartig mit nachfolgendem infinitiv: und trotzig, den platz nicht zu verlassen, eben weil das gesindel höhnisch auf ihn einblickte H. v. Kleist 3, 199 Er. Schmidt; hinüberweisend zu 'eigenwillig': er (Winckelmann) zeigt sich selbst auf dem wege zu jedem zweck redlich, gerade, so gar trotzig und dabei klug und beharrlich Göthe I 46, 61 W.; mehr als 'eigensinnig', s. u. 6: so stirb! beharr auf deinem trotzgen schweigen Schiller 15, 1, 26 G.; jedoch vergesset nicht, dasz trotzig läugnen die schuld nicht mindert, sondern gröszer macht Z. Werner söhne des thales 2, 212. 'hart, gefühllos': kan furcht, kan liebe nicht dein trotzigs herze rühren A. U. v. Braunschweig Octavia 1 (1677) 1000; objektiver: zu den trotzigen charakteren der Iphigeneia und des Kreon sind die milderen gegenbilder Ismene und Hämon erfunden G. Freytag ges. w. 14, 41. in religiöser sprache 'verstockt, halsstarrig': wölhe menschen nit glauben, die sein trätziger und mutwilliger dann die teufel, wan die teufel gelauben und erpidemend, aber die ungelaubigen menschen glauben nit und ertzittern nit Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) a 5a; Esaie am 48.: 'dein nacken ist eisern und deine stirn ist stehlen' hat (gott) reden wöllen von einer trotzigen und gestehleten stirne, die sich nit schemet, nit rot wird und weder mit gut noch böse gar nit biegen oder lencken lesset J. Mathesius Sarepta (1571) 79b; ist also ein gleiszner under allen sündern der hochmütigste und trotzigste Moscherosch gesichte 1 (1650) 67; vor angst und schmerz klopft nun das herz des trotzigsten verbrechers J. A. Schlegel verm. ged. 1 (1787) 131. auffällig in der bildung, der bedeutung nach hierher gehörend ein vereinzeltes trostig auf nd. boden: welche alde trostig und verhart die tauffe an sich nicht nehmen wollen Chr. Hartmann preusz. kirchenhist. (1684) 41. B@33) 'ungehorsam, unbotmäszig', vgl. contumax, inobediens, halszstarrig, widerspenstig, trotzig, ungehorsam Reyher thes. (1668) 1456; trotzig gegen die obern in superiores contumax Steinbach dtsches wb. (1734) 2, 871; von frühester zeit ab bis in die gegenwart bezeugt: wir vinden leider kleiniu kint diu tratzic und ungehôrsam sint diu meisterschaft ungerne lîdent Hugo v. Trimberg renner 16490 E.; vgl. den gebrauch von tratz, adj., bei ihm, s. o. sp. 1084; was sagst du dann von den widerspen- und traczigen münchen (de monachis pertinacibus) Joh. Hartlieb Cäsarius 383 Dr.; darob da ward das volck zuletzt so trutzig, wolt dem keiser kein zins geben bei Wackernagel kirchenl. 3, 71; (der hausherr soll) die trotzigen (untertanen) strafen, die unschuldigen beschirmen Hohberg georgica curiosa 1 (1682) 100; ich hab dich überredet und dich trotzig gemacht und dich gefragt, wer dirs verbieten sollte Fontane ges. w. I 2, 393; er (Alba) habe bemerkt, dasz das volk durch diesen unfall in gärung gerathen und trotzig geworden sei Ranke s. w. 38, 39; verstärkend neben bedeutungsver wandten begriffen: unterthanen bezüchtigen oft unbillich ihre obrigkeiten wegen strenger regierung, da sie mit ihrer ungehorsamen trutzigen und rebellischen widerwertigkeit solche erwecken Lehman floril. polit. (1662) 2, 864; der lehnsmann mochte sich ... trotzig gegen seinen herrn auflehnen G. Freytag ges. w. 18, 9; als endlich ... an Lepidus der befehl des senats erging ... zurückzukehren, weigerte der proconsul trotzig den gehorsam Mommsen m. gesch. 3, 25; in der zusammenrückung: leben ist der versuch des trotzig-widerspenstigen theils, sich vom ganzen loszureiszen und für sich zu existiren Hebbel tageb. 2, 95 W. weitergreifend in religiöser sprache 'frevelhaft, ruchlos': was der mensch, der erdenknecht, trotzig hat verbrochen, wird an gott, der doch gerecht, durch und durch gerochen H. Held bei Fischer-Tümpel kirchenl. 1, 362; unser blut, das ... wider dich (gott) so trotzig hat gewallet G. Treuer dt. Dädalus 1, 40; er (der spötter) rathschlagt trotzig wider dich und lehnt sich auf und spricht zu sich: was kann der herr mich lehren? Giseke poet. w. (1787) 81. B@44) 'grimmig, wütend, zornig'. B@4@aa) als dauernde eigenschaft. B@4@a@aα) homo natura nimium vehemens feroxque gar zu hefftig und trotzig Faber thes. (1587) 315; wie trotz vom kampfesgrimm: noch ist er (der teufel) so trotzig und ficht die seele an, so offte er nur siehet, dasz sie sicher ist Jac. Böhme s. w. 4, 236 Sch.; ich (der westwind) weisz in bergesschlüchten vorm trotzigen kumpan nicht mehr wohin zu flüchten Rückert w. 3, 79; als beiwort zu feind ebenso üblich wie grimm: Cajus, ... der itzt ain gantz trütziger feind ist Schwarzenberg Cicero (1535) 71b; obschon unsre mächtige feind starck, listig und auch trotzig seind Wolfh. Spangenberg Saul, epilog v. 20; keiser Ferdinand ..., als den gott zur vorburg und vorwehre wider des trutzigen und sieghaften tyrannen der Türcken verordnet hat H. Rätel Joach. Curäi chron. (1607) 264; weil gott gemeiniglich seine allergewaltigste und trotzigste feinde durch die allerliederlichste und geringste insecta abzustraffen pflegt Grimmelshausen 2, 360 Keller; ein meuchelmörder liesze sich übeler als ein trotziger feind vom leibe halten Lohenstein Arminius 2, 1048; und sonst: Neptun ist so trotzig und wütend als das element worüber er herrscht Ramler einleitung (1758) 2, 158. B@4@a@bβ) von der wildheit der tiere, s. trotz B 5: zum Rabenstein lidte ein forstbedienter von einem bären groszen schaden und konte den trotzigen bären nicht anders als mit feuer vertreiben Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 561; er schlägt mit seinem rüssel den trotzigen löwen zu boden maler Müller 1, 23; die dienerschaft sahe sich nach halfterketten um, den trotzigen gast (einen wilden hengst) damit anzulegen Fouqué zauberring 1, 73; im vergleich: diesz sagte er wild und trotzig wie ein böser hund S. v. Laroche frl. v. Sternheim 2, 120; mehr 'bösartig': in Africa ... seind kleine faule wölf, trutzig und bissig Eppendorff Plinius (1543) 58; übertragen auf den visuellen eindruck: nun sihe an die art und gestalt des adlers, die trAeischen augen, den trotzigen schnabel, sein greulich saursehenden anplick S. Franck chron., zeytb. (1531) 119b. B@4@bb) 'erzürnt, ergrimmt, verletzt', also von der vorübergehenden erregung, vgl. tratzet irritatus, dem leids beschähen Maaler 406b; ferner die belege unter A 1 'drohend' und B 7 'gekränkt, miszgelaunt': also machet sie der herr Christus mit irem spotten je zorniger, das sie noch deste turstiger und trotziger werden Luther 33, 598 W.; er scheumet wie ein trutziger und ubermütiger mensch herzog Aimont (1535) b 1b; Esaw geet drutzig ausz, stürtzt die wehr Hans Sachs 1, 100 Keller; also ward Attila noch trutziger und durchwütete das land Gallien S. v. Birken Donaustrand (1684) 124; woher so trotzig? schnaubstu noch, ich wil dir zeign ein ander loch B. Krüger anfang und ende der welt (1580) h 5b; das hört der bischof ... und kam zu uns trotzig Göthe I 8, 25 W.; Gianettino schnaubt ihn trotzig an Schiller 3, 19 G.; vom verhaltenen inneren groll: die an den trotzigen Achilles abgeordnete gesandtschaft Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 31; Cain erscheint trotzig mit strohhalmen und heufasern im ungekämmten haar (vor gott) J. Grimm kl. schr. 7, 109; und ich ... segnete das verhüllte land drauszen und meine trotzige gemeinde, die meines segens nicht begehrte H. Watzlik d. pfarrer von Dornloh (1930) 18; vom verletzten selbstgefühl: indem sie mit eigener charakterstärke gewissen neckereien ihrer gespielinnen trotzig entgegnete Göthe I 25, 199 W.; dieser versetzte trotzig: ich bin kein schlingel Immermann 2, 15 B.; daher auch: (er erwiderte) in dem trotzigen tone der gekränkten ehre und liebe Pfeffel pros. vers. 5, 197; sonstige übertragungen auf die äuszerungen des grimmes: sie fuhr zum herde und bald darauf hörte Friedrich sie mit trotzigen schritten über die tenne gehen A. v. Droste-Hülshoff 2, 267; junker ... legt die trotzige finstere mine ab, es thut nicht gut bei den gestrengen herren da drinnen Hauff 1, 79; der adverbielle gebrauch kann sich einem intensivum nähern, vgl. ferociter, ferocissime gantz trötzig; maledicta in aliquem aspere, libere et ferociter dicere trötzig auff einen zu schelten Faber thes. (1587) 315a; die sekundanten thaten einspruch, er schrie immer trotziger, mitten drin wurde er stumm, und patsch — da lag er in ohnmacht Holtei erz. schr. 9, 162. deutlich intensiv: und weinten dieselben am trotzigsten, die sich der erbschaft wegen am meisten freueten Chr. Weise d. drei ärgsten erznarren 6 ndr. B@55) 'eigenwillig', sich eng berührend mit trotzig 'selbstbewuszt, mannhaft', s. u.C 2, noch jung: ich galt in diesen tagen für einen treuen, gehorsamen und fleiszigen jungen, aber zugleich für einen ungestümen und trotzigen, für einen solchen, der gern seinen eigenen weg ging E. M. Arndt s. w. 1, 20 R.-M.; das wesen dieser inneren haltung besteht in einem starken selbstbewusztsein, das sich auf die eigenen kräfte verläszt und jede beeinflussung von auszen her ablehnt: das trotzige ... gemeinwesen dieser 'stolten Ditmerschen' Nitzsch dtsche studien 223; an der ersten bank (der klosterschule) sitzen nur söhne von edlen, meist Thüringe und Hessen, trotzige knaben sind darunter, ungern fügen sich die stolzen darein, im kloster zu dienen G. Freytag ges. w. 9, 9; daher häufig im zusammenhang mit begriffen, die diese innere haltung nach der einen oder anderen seite hin zum ausdruck bringen: sie (scheuten) aus trotzigem selbstgefühl verbindungen mit anderen W. v. Humboldt ges. schr. 4, 185; der Italiener ohne die eitelkeit der Franzosen oder die trotzige selbstheit des Engländers oder die schwerfällige gründlichkeit des Deutschen Justi Winckelmann 2, 1, 122; in adverbiellem gebrauch: der Engländer als mensch strebt sich auch schroff und trotzig auf mächtiger persönlichkeit zu begründen E. M. Arndt schr. f. u. an s. lieben Deutschen 1, 467; bei uns Deutschen, die wir so trutzig individuell ... in sachen der arbeit sind W. H. Riehl dtsche arbeit 247; wo das volk aber dicht gesäet ist, da hängt der einzelne niemals so treu und trutzig an altväterlicher art 82; neben unpersönlichen begriffen: (die fuge,) deren trotziges wesen (durch den charakter der einleitung) angedeutet wird O. Jahn Mozart 3, 386; eine so trotzig-spröde, mit bollwerken umschlossene kunst (die dorische) Nietzsche w. 1 (1895) 37; das eigenartige schlägt ins wunderliche um: wie in seinen zahmen, matten ... greisen etwas ist von der unheimlich verschlossenen, trotzig verkehrten menschenart, die aus Rembrandts kopf hervorging Justi Winckelmann 1, 288; von den äuszeren formen des umgangs, 'widerhaarig, borstig, rauh': er (Johannes Chrysostomus) war ... dem anschein nach verdrieszlich, unfreundlich, trotzig und stolz Zimmermann einsamkeit 1 (1784) 259; sonst ist der gemeine mann in Graubündten schmutzig, plump und trotzig S. G. Bürde erzählungen (1785) 96; so borstig und trutzig, aber treu und brav H. Kurz weihnachtsfund (1856) 134; auch sachlich als 'borstig, grob': die wunderliche, bis zum komischen trutzige korrespondenz (des Philipp Neri an den papst) Göthe 32, 415 W. B@66) eigensinnig, d. h. aus laune widersetzlich, sperrig gegen belehrung und bessere einsicht. mitunter der voraufgenannten gruppe und der nachfolgenden nahestehend: (man soll die fürsten) warnen vor dem oder diesem ..., wöllen sie aber ihren eigenen köpfen und trotzigen fürnemmen folgen, so bestehen sie ihr schantz und gefahr Paracelsus opera (1616) 2, 302; es gibt trotzige köpfe, die in allem, was sie thun sollen, das widerspiel thun wohlgepl. priester (1695) 129; das ist ein trotziger kopf von einer jungfer, ich glaube, sie liesze sich ehe viertheilen, als dasz sie sich nur das gesicht sehen liesze, wenn sie nicht will Stranitzky ollapatrida 340 Wiener ndr.; auf der grenze zu 'eigenwillig': mag er nachher zusehen, wie dies junge trotzige ich nach hartem kampfe sich einfüge in die handelnde gemeinschaft der menschen Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 75. adverbiell: da man so viel unglaubliches gesehen und erlebt, so kann man in keiner weise trotzig sagen, dergleichen sei nicht wahr Görres ges. schr. 1, 409. B@77) 'gekränkt, mürrisch, miszgelaunt gegen jemand', stets vom gespannten verhältnis zur menschlichen umgebung. die belege schlieszen unmittelbar an die unter 4 b angeführte reihe an. heute mundartlich und umgangssprachlich allgemein verbreitet, vgl. etwa Spiesz Henneberg. id. 257 und Fischer schwäb. wb. 2, 430; 6, 1783. B@7@aa) in der umgangssprache des 18. jhs. bereits üblich, wie briefstellen zeigen: ich will auch nicht sagen, dasz ich im hause mit der mir schon verheiratheten demoiselle trotzig seie und nichts rede, aber, verliebt auch nicht Mozart an seinen vater bei O. Jahn Mozart 3, 131; der Göchhausen sage, es sei gar trotzig von ihr, dasz sie mir nicht geschrieben, sie werde, wenn sie sich nicht bessere, kein bildchen erhalten (1787) Göthe IV 8, 160 W.; die bedeutung reicht jedoch noch weiter hinauf, vielleicht hierhin schon: torvum os ein krumb maul oder schepp maul, ein trötzig maul Er. Alberus dict. (1540) a 2a; wann als sie itzt für mich thet gen, sah sie mich also tückisch an; und als ich reden wolt mit ir, da schnurrt sie trotzig hin vor mir. ich merckt, sie het ein laun auf mich Hans Sachs 9, 41 K.; geschicht es, das etwann dein weib auch wütet und tobet, trutzig, stutzig und butzig ist, so must du mit ihr nicht gleich verfahren wie Samson mit den Philistern Abr. a s. Clara etwas für alle 2 (1711) 463; gleichzeitig als 'bockig, sperrig': dann ist er ... viel männlicher, als wenn er trutzig weiter und weiter liefe M. Meyr erz. aus d. Ries (1868) 1, 142; übertragen: die altgefangenen schwarzdrosseln sind anfangs trotzig und wollen nicht sogleich ans futter Naumann vögel 2, 1, 335. B@7@bb) heute allgemein von kindern als 'eigensinnig und ungehorsam'. auch dieser gebrauch ist vielleicht schon alt, vgl. die verwendung von trotz (adj.) in gleichem sinne (s. o. sp. 1084) und den ersatz von freidic durch trotzig im Frankfurter druck des Renner (mhd.: kleffisch und freidic sind nu diu kint v. 6204): weil er ... bei aller seiner gutherzigkeit äuszerst hartnäckig, ausgelassen und trotzig gewesen wäre Fr. H. Jacobi w. 1 (1812) 28; hätte Gustav nicht unbedenklich der letzteren ansicht gehuldigt und sich in diese hineingelebt wie ein eigensinniger, trotziger ... junge Holtei erz. schr. 2, 221; die teilnahme für ihn (das findelkind) verminderte sich, wodurch er seinerseits wiederum tückisch und trotzig wurde 5, 137; nebenher geht eine verwendung in milderem sinne, so als 'schelmisch': Wolf hustet bei nacht, ist aber am tage munter, artig und trutzig Göthe IV 39, 213 W. (später heiszt es: munter und neckisch); auch: (der bart,) den er sehr liebte und der kindisch-trotzig auf der oberlippe sasz Stifter s. w. 1, 16; ganz ins positive gekehrt als sinnlich-anschaulicher ausdruck für die anmut eines schmollenden kindergesichts: das kleine, trotzige Jesuskind, das ideal eines schönen knaben fürst Pückler briefw. u. tageb. 2, 185; während wir so sprachen, standen die winzig kleinen kinder der schwester herum, horchten zu, hielten die trotzigen engelsköpfchen ganz stille Stifter s. w. 2, 147. vgl.trotz, m., B 6, sp. 1102. B@7@cc) in der liebessprache, 'spröde, unempfänglich für liebeswerbungen': guck, wie spröd sie tut zum scheine, trutzig ihre zöpfe flicht Mörike 3, 106 Göschen; solch trutzigthun, das fängt die männer O. Ludwig ges. schr. 3, 561; 'warum just du mit mir so trutzig bist, Kundel?' fragte er sie — 'und warum dir just mein trutzigsein so zuwider ist, Hansel?' war ihre widerred P. Rosegger schr. III 6, 140. CC. mutig, stolz, zuversichtlich, s. trotzen C und trotz, subst., C. C@11) 'unerschrocken, furchtlos, kühn, beherzt, tapfer', vgl. gladiatorius animus trutzig, frech gemüt Dasypodius dict. (1536) 442a; animus gladiatorius trutzig Er. Alberus dict. (1540) h 1a; confidenter getrost, trotzig, unerschrocken. confidentissime alicui resistere sich wieder einen aufs trötzigste setzen Faber thes. (1587) 319a; cornua alicui addere einen trotzig machen. cornua sibi sumere hörner aufsetzen, trotzig werden Reyher thes. (1668) 1493. C@1@aa) vom kampfe 'bereit zu angriff und abwehr': brûdir Heinrîch von Plotzik der marschalk, der î trotzik was mit urlougis vreidin kegn den vorworchtin heidin Nikolaus v. Jeroschin 25063 Str.; wenn er nun auf eine feindliche parthie stoszen ... solte, musz er ... keineswegs ... lassen einige furcht oder schrecken vermerken, sondern vielmehr mit tapfern und trotzigen muthe auf solche loszgehen H. v. Fleming vollk. soldat (1726) 265; besonders vom kriegerisch-wehrhaften aussehen und auftreten: da er (der marschall) sahe, dasz die meisten (husaren) von einer guten und trotzigen mine und auszerordentlich equipirt waren, schöpfte (er) grosze hoffnung, sie dereinst wohl zu gebrauchen H. v. Fleming vollk. soldat (1726) 112; so gerade in den jüngeren belegen: Paris ... bedeckt mit einer pantherhaut, bewafnet mit schwerdt und bogen, zog trotzig vor der spitze der Trojaner einher Ramler einltg. 2, 136; dort unten vor der reuterschaar trabt Vala trotzig her Kretschmann s. w. 1, 97; trotzig schauet und kühn aus finstern wimpern der jüngling, und gehärtet zum kampf, spannt die sehne sich an Schiller 11, 195 G.; und sonst: auch hier war der sieg ... in den händen der tapferen und trutzigen Alemannen J. P. Hebel w. 2, 364 Behaghel; neben zugehörigen begriffen stehendes beiwort: hie solte der trotzige helt (Zwingli) antworten Luther 26, 376 W.; nun, ich beklage seinen tod von herzen, ich hätt — verzeiht — ihn selbst erschlagen mögen, es musz ein trotzger held gewesen sein Hebbel w. 4, 227 W.; ritter trotzigkühn Herder 28, 460 S.; ein trotziger ritter ... bestieg einst sein muthiges pferd R. Z. Becker mildheim. liederb. (1799) 110; mannigfach übertragen, auch in sehr freier form: er zweifelte nicht, dasz er siegen werde, ... seine trotzige losung war: hilf gott und lasz nicht leben Ranke dtsche gesch. 4, 393; über helmspitzen, aus staub und sonne und kinderjauchzen blüht ein lied auf: ein trutziges soldatenlied Liller kriegszeitung 3, 252; und stirbt den schönen, trotzigen tod des unbezwungenen siegers H. v. Kahlenberg Eva Sehring 5. auszerhalb des eigentlichen kampfes, aber von dorther bestimmt: so stellte sich das trotzig muthige mädchen einst (beim spiel) an die spitze des einen heeres Göthe I 20, 324 W.; diese spartanischen jünglinge, wie sie einherschritten in trutziger haltung, abgehärteten leibes, in altdeutscher tracht Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 138. C@1@bb) der sonstige gebrauch: Thomas ist trutziger gewest quam Joannes Baptista, utpatet Mathei 3 (1521) Egranus predigten 59 Buchwald; und was aber der alt Hartman Onsorg ain tratziger man und wolt sein sun mit ubermuet und drengen ledig machen gen den von Augspurg städtechron. 5, 51; nach absterben hertzog Friderichen ... hatt hertzog Albrecht der lam, wölcher doch sunst ein drotziger herr was, nie aussprach gehabt von wegen der regierung S. Münster cosmogr. (1550) 430; das thut Eberlin nit, wiewol er trotzig genug ist alweg gewesen Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 157 ndr.; trotzig und kühn die welt beschauen Cl. Brentano Godwi 1 (1801) 206. der ursprünglich verbale gehalt von trotzig als 'sich widersetzend, die stirn bietend' ist mitunter stark fühlbar: gar grimmige Croaten ... mich sah der eine an als wollt er mich verschlingen ... da trat ich trotzig in die pfütze neben ihm, dasz ihm der koth ins gesicht spritzte. der kerl sah mich verwundert an und liesz mich gehen A. v. Arnim s. w. 5, 322; gerade dort, wo es steigernd zu einem sinnverwandten verbum tritt: wir wären ihnen (den Engländern) trotzig bart gegen bart entgegengetreten H. L. Wagner theaterstücke 176; auch seinen stiefsöhnen ... traten wir trotzig entgegen Steffens was ich erlebte 1, 213; es dünkte mich auch, dasz herr Pantoffel die sache ziemlich trotzig angrief Jos. v. Petrasch lustsp. 1, 504. C@1@cc) 'verwegen, tollkühn', also das übermasz bezeichnend: es fraget die trotzige und thumküne welt stetigs wie St. Peter: herr, sollen wir schier drein schmeiszen Mathesius Sarepta (1578) 94b; hiemit macht er sich auf, gar trotzig und verwegen Reinicke fuchs (1650) 59; wer gebehrdete sich denn so verwogen und trutzig und wollte es ... mit dem bösen selber aufnehmen Gaudy s. w. 14, 94; er sei gewarnt und doch trotzig mitgeritten Ranke s. w. 1, 225; anders, 'leichtfertig, übermütig': wen es uns woll gehet, so sein wir keck und trotzigk (1522) Egranus predigten 99 Buchw.; gott thut es darumb das er will die vermessenheit nidderschlagen, das wir nicht trotzig und ubermutig werden, sondern stehen in der forcht allwegen Luther 17, 1, 455 W. C@1@dd) mitunter scheint trotzig auch eine moralische oder intellektuelle qualität mit einzuschlieszen: von nöten ist, dasz sie (die musterherren) auch trützig und verstendig seien, den finantzen ... wissen mit geschickligkeit zu begegnen, denn sie müssen offt seltzam schnöder rachtungen von hauptleuten ... auffnemmen. darzu wo ein musterherr nicht getruew, so wirt nicht allein der herr umb das gelt, sondern auch das kriegsvolck betrogen Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 60; es kan ein prangmacher mehr fragen, den zehn trutzige bescheidtt geben S. Grunau preusz. chron. 3, 48, s. auch trutzlich. C@22) 'selbstbewuszt, mannhaft'. C@2@aa) oft verbunden mit anderen bedeutungen, so mit 'sich auflehnend' (s. o. B 1): der adel ... hatte beschlossen den reichstag nicht zu beschicken ...; um so trotziger traten die 42 abgeordneten seines dritten standes auf Dahlmann franz. revol. 163; der titanische künstler (Prometheus) fand in sich den trotzigen glauben, menschen schaffen und olympische götter wenigstens vernichten zu können Nietzsche w. 1, 69; 'grimmig' (s. o. B 4): jetzt schien ihm der trotzige ausdruck derselben (der augen) noch schöner und ihre augen gefielen ihm so wild und scheu noch mehr als da sie lachten O. Ludwig ges. schr. 2, 19; 'überheblich' (s. u.C 3): also musz die staatsklugheit, welche zuweilen mit trotzigen riesenschritten gegen einen hergetreten, die achseln einziehen Lohenstein Arminius 1 (1689) 1158b; die rauhe und trotzige sprache, die noch jüngst Joseph II. geführt, stimmte nicht mehr zu der lage der österreichischen monarchie Häuszer dtsche geschichte 1, 322; so auch in einem adverbiellen gebrauch des 18. jhs.: es läszt verdächtig, wenn ... man da am trozigsten entscheidet, wo die Rousseaue und die Locke ihre unwissenheit gestehen H. P. Sturz schr. 1 (1779) 178; (es) fehlt unendlich viel daran, dasz irgendein synthetischer satz der reinen ... vernunft so augenscheinlich sei (wie man sich trotzig auszudrücken pflegt) als der satz, dasz zweimal zwei vier geben Kant 3, 481 akad.; besonders nahe steht die bedeutung 'mutig, kühn' (s.C 1): (Claudius) war bewegt durch ir (der Deutschen) redlichkait und trutzig tat, dan do man si füert do das gmain volk sas ..., giengen si hinauf, setzten sich ... für ander all nation, sagten, die Teutschen teten an mannheit, glaub und trauen andern allen nationen vor, sässen auch billich vor in Aventinus w. 4, 766 L.; ebenso 'beherzt': Wilhelm nahm sich vor, recht trutzig zu tun und auf diese weise seine verlegenheit zu verbergen Göthe 22, 108 W., oder 'beharrlich, hart': so musz sich trösten, wer die waffen nicht führen kann. lassen sie doch ihre knaben recht kräftig werden, recht fest, trozig, waffenlustig, liebevoll und fromm aus Schleiermachers leben 2, 103. C@2@bb) selbständig. anscheinend schon im 17. jh., und zwar in einer übertragung: (die japanische sprache klingt) im aussprechen sehr trotzig und mannhaft Christoph Arnold wahrhaftige beschr. (1672) 265. der allgemeine gebrauch setzt erst später ein. eigentümlich ist ihm, dasz er fast immer die äuszere ausprägung des selbstbewusztseins in gesichtsausdruck, haltung, gebärde u. s. w. voranstellt: ich mag ihn wohl den guten, trotzgen blick, den prallen gang Lessing 3, 58 M.; ihr haar flog in den wind und ein weiszer federhut schmückte die trutzige stirn Zachariä poet. schr. 1, 347; in seiner stellung (haltung) herrschte etwas trotzig-edles J. G. Müller kom. romane 2 (1786) 154; dich sah ich einst so froh und wach, so trutzig dich am jahrmarktstag A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 81; es war eine gestalt von gleichem wuchse wie der sohn, hünenhafter höhe und trotzigfesten schrittes Gutzkow zauberer 1 (1858) 103; mit seinem kernhaften schädel, dem schmalen munde und der mächtigen bartkrause unter dem trotzigen kinn W. v. Polenz Grabenhäger 1, 44; ein gerötetes gesicht mit trotzig emporlachenden blauen augen E. Strausz der nackte mann (1912) 82; schlieszlich wird trotzig ebenso wie trotzen (s. o. sp. 1135), nicht ohne einflusz von strotzig und strotzend (s. d.), ausdruck physischer kraft: jungfrau Emma, frisch herumblickend, voll trotziger gesundheit Stifter 1, 169; wo es wimmelt und fluthet von weiszen schürzen, fragenden augen, trotzigen waden H. Laube ges. schr. 8, 8. der begriff des selbstbewuszten findet sich gelegentlich auch übertragen auf unpersönliche begriffe: einen adler mit trotzig ausgebreiteten schwingen Gutzkow ritter vom geiste 1, 94; in der zweiten (zeile) spottet der jambus mit seinem trotzigen nachschlage Gerstenberg recensionen 287 lit.-denkm., vgl. noch: trotzige kraft und gutes herz strömte in seinen worten Scheffel ges. w. 2, 147. C@33) 'hoffärtig, stolz, aufgeblasen'; vgl. trotzig fier, superbe arrogans, insolens Wiederhold dict. (1669) 343 und die von Kramer dict. 2 (1702) 1153 angeführten gebrauchsweisen. die belege stehen mitunter den unter trotzig 'herausfordernd' angeführten (s. o. A 1) sehr nahe. C@3@aa) früh reich bezeugt: keck und trotzig als heten sie gewonnen Luther 18, 399 W.; und folgen ihm die geistlichen, sind alle trotzig und schwulstig, wollen von yderman ungericht sein 10, 1, 1, 659 W.; 19, 648; 30, 2, 42; zuo lessten tagen ... werden ... menschen aufsteen, die von inen selbs vil hallten und sein geitzig, trutzig, stolz Berthold v. Chiemsee 107 Reithm.; dieser feind (war) über die massen stoltz, hoffertig und drütztig J. Wild postill (1554) 1, 147; so hat es auch sonst viel vermessene und trötzige leute und die den andern wollen zun haubten wachsen und die viel von ihn selbs halten Mathesius Sarepta (1562) 309b; die leichtsinnigkeit unsers geschlechts hat die mannsbilder dermaszen trotzig gemacht, dasz sie wollen, man solle es vor ein glück halten, wenn sie sich so weit erniedrigen und ein mägdlein heurathen Stranitzky ollapatrida 240 Wiener ndr.; allein da er so gar trotzig geredet und sich bei unserm stillschweigen vielleicht den sieg schon völlig zugeschrieben hat Schwabe belustigungen 1 (1741) 163; Epaminondas ..., welcher in erhabenem tone seine groszthaten erzählte und solche dem volke auf seine stolze und trotzige art vorwarf J. J. Chr. Bode Montaignes meinungen 1, 5; die glücklichen unternehmungen seiner landsleute auf Friesland hatten diesen barbar so trotzig gemacht, dasz er öffentlich den Franken hohn sprach M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 1, 426; gleichzeitig als 'widerspenstig': dann haben des eigenen rechts und gewisz des himmlischen feuers gespottet die trotzigen ... und den göttern gleich zu werden getrachtet Hölderlin ges. dicht. 1, 265 L.; neben bedeutungsverwandten häufig und dann meist nur verstärkend: trotzig prahlen Harsdörffer gesprächsp. 4 (1644) c 1b; sich trotzig aufblehen S. Dach 710 Ö.; trotzig pochen auf E. M. Arndt 5, 301 R.-M.; trotzige überhebung Mommsen m. gesch. (1854) 1, 570. trotzig tun auf: kann man es einem manne, der auf seine frostigen nachahmungen des Horaz so trozig thut, vergeben, ducentia durch zweihundert übersetzt zu haben? Lessing 12, 28 M.; ist es ihr bischen gesicht, worauf sie so trozig thut? Schiller 3, 461 G. C@3@bb) verschiedene nüancierungen: 'eitel': ain rapp erhuob sich in ubermuot und ward so truczig, daz er die gefallen pfauenfedern samnet und zieret sich selber damit Steinhöwel Äsop 128 Ö. 'prahlend, grosztuerisch', vgl. bravache, bravazzo trutzig, so gern trutzet Hulsius-Ravellus (1616) 331b: wenn der trunckenbold trotzig ist und seins sauffens als ein bierhelt oder weinritter wil gerhümet sein Luther 19, 397 W.; das gesprech der kriegsleute pfleget trotzig und pucherisch zu sein Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) f 2d; stutzerisch: die irdisch macht so hoch aufmutzt, mit irer klugheit ziert und putzt, zu rosz, zu fusz, mit harnisch, wehr so prechtig, trutzig zeucht daher B. Waldis streitged. 29 ndr.; (sie) gehen stutzerisch und trutzig auf und nieder Schoch studentenleben (1657) I 5b. C@3@cc) von Luther stammt das vielzitierte: es ist das herz ein trotzig und verzagt ding Jer. 17, 9 (pravum est cor), anders bei Dietenberger und Eck: bös und unergründlich, in der niederdeutschen bibel (Lübeck 1533): heilosz und unergründlich. zu der bedeutung, die Luther seiner von der vorlage abweichenden übersetzung gab, vgl. seine zusätzliche bemerkung: auff deudsch sagen wir: es ist ein verzweivelt bose ding umb ein hertz. es kan weder guts noch boses ertragen, ferner die randglosse: wenns eim menschen wol (gehet, so) pocht, schart, dominatur. econtra diffidit tempore felicitatis, non audit legem tempore miseriae non audit (consolationem), indomitum et miserum desperatim, ein stoltz und verzweivelt ding umb ein hertz, das niemand ergründen kan, schwebt oben, thut in legem ..., conculcat omnia, s. dtsche bibel 4, 99 W. seither immer wieder zitiert, auch mit abweichungen in bedeutung und form, vgl.: es ist ein trotzig ding um des menschen hertz c'e una cosa fiera, dispettosa, presontuosa ed arrogante ch'il cuore d'un huomo Kramer dict. 2, 1153a: die mänschliche natur ist forchtsam und verzagt, doch darbei fast trotzig und stoltz Moscherosch insomnis cura parentum 119 ndr.; ich wil sagen, das unser hertz, wann ihm das glück liebkoset, trotzig, frech und muthig ist Butschky Pathmos (1677) 139; es wird aber uns halsstarrigen leuten, als verzagten und trotzigen hertzen ... solches beispiel zur grösten beschimpfung J. Prätorius winterfl. (1678) vorr. a 4a; er (der mensch) nichts als das mittelding zwischen trotzig und verzagt, in bedürfnisz strebend, in unthätigkeit und üppigkeit ermattend Herder w. 5, 558 S.; vgl. 23, 490; deine heilige harfe soll mein herz in eine heilige ruhe spielen, wenn es ein trotzig oder verzagt ding sein will Hippel lebensläufe 1 (1778) 345; man sagt von dem menschlichen herzen, es sei ein trotzig und verzagtes wesen. von dem menschlichen geiste darf man wohl ähnliches prädicieren. er ist ungeduldig und anmaszlich und zugleich unsicher und zaghaft Göthe II 3, 212 W.; dasz des menschen herz ein trotzig und verzagtes ding sei, ist ein gemeinspruch, der auch den allereinfältigsten auf den lippen schwebet Lenz ges. schr. 3, 154 Tieck. C@44) Luther verwendet, dem gebrauch von trotz entsprechend (s. sp. 1104), trotzig im sinne von 'zuversichtlich': dan wo diese zuvorsicht und glauben ist, da ist ein mutiges, trotziges, unerschrocknes hertz, das hin an setzt und der warheit beisteht 6, 275 W.; und habe zwar sonst nichts mehr, das mein hertz erhelt, sterckt, frolich und yhe lenger yhe trotziger macht 23, 29, vgl. weiter 7, 295; 8, 240; 9, 394; 519; 14, 382; 17, 1, 435; 18, 635; 24, 545; 34, 1, 124; vereinzelt auch unpersönlich: so hastu dennoch das herliche, trotzige vorteil, das du mit gutem gewissen kannst auf unserm text stehen 26, 446. auszerhalb seiner schriften nur selten: durch welchen (Christus) wir haben ein zugang durch den glauben in die gnad, in welcher wir stan und trötzig seinen in der hoffnung der eer der kinder gottes Joh. Lonicerus berichtbüchlin (1523) l 2b; (glaube) macht fröhlich, trotzig und lustig gegen got und allen creaturen Er. Alberus widder Jörg Witzeln (1539) 27a; unabhängig von diesem gebrauch hielt sich ein trotzig auf, angelehnt an trotzen auf (s. sp. 1133), bis ins 19. jh.: sie hielten die berge ... beständig besezt und waren auf diesen vortheil so trotzig, dasz sie von keinem billigen frieden hören wollten Wieland I 3, 23 akadem.; diese stadt (Valenciennes) auf ihre befestigungen trotzig, schickte sich lebhaft zur vertheidigung an Schiller 7, 261 G.; trotzig auf die beiträge des reiches Ranke s. w. 1, 91.
51863 Zeichen · 931 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trotzig

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Trotzig , -er, -ste, adj. et adv. Trotz an den Tag legend, in dem Trotze gegründet, doch nur in der dritten Bedeutung de…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    trotzig

    Goethe-Wörterbuch

    trotzig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    trotzig

    Bayerisches Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    trotzig Band 4, Spalte 4,736f.

  4. Sprichwörter
    Trotzig

    Wander (Sprichwörter)

    Trotzig 1. Sey nit trutzig oder wild, wer weiss, was das Korn gilt. – Chaos, 677. 2. Er gehet so trotzerlich daher, als …

  5. Spezial
    trotzig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    trot|zig adj. 1 (eigensinnig) testard (-rg, -a), ostiné (-ná, -nada), dal ce dür 2 caprizius (-sc, -iosa) 3 trazus (-sc,…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit trotzig

7 Bildungen · 4 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von trotzig

trotz + -ig

trotzig leitet sich vom Lemma trotz ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von trotzig 2 Komponenten

trot+zig

trotzig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

trotzig‑ als Erstglied (4 von 4)

trotzigkeit

DWB

trotzig·keit

trotzigkeit , f. , contumacia; nebenform: trutzigkeit, vereinzelt begegnet tretzigkeit Calepinus septem. ling. (1731) 1, 225 a . das wort fo…

trotziglich

DWB

trotz·iglich

trotziglich , adv. zu trotzig, auch in der gegenwart gelegentlich noch gebildet. 1 1) hochfahrend, stolz. im 16. und 17. jh. ganz gebräuchli…

trotzig als Zweitglied (2 von 2)

freveltrotzig

MeckWBN

frevel·trotzig

Wossidia freveltrotzig a. Spr. dass.: 'Lde, so ... Wreveltrotzich leven' Gry. Lb. 2, O 2 a .

Ableitungen von trotzig (1 von 1)

urtrotzig

BWB

urtrotzig Band 4, Spalte 4,737

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „trotzig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/trotzig/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „trotzig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/trotzig/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „trotzig". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/trotzig/dwb.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„trotzig"},
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