trotzig,
adj. , '
herausfordernd, widersetzlich, eigensinnig, mutig, zuversichtlich'.
in mhd. zeit nur oberdeutsch bezeugt, und zwar als trutzig
und tratzig,
letzteres nur innerhalb des tratzen-
gebietes (
s. o. trotzen,
vb., sp. 1115
ff.).
die mitteldeutsche und heute schriftsprachliche form trotzig,
die auch Luther
ausschlieszlich verwendet, fehlt noch in mhd. zeit, doch s. trotzlich.
die mundartliche verteilung der drei formen trotzig, trutzig
und (
seltener) tratzig (
daneben auch trötzig, trützig, trätzig)
entspricht der des substantivs trotz. tratzig
verschwindet seit dem 16.
jh. aus der schriftsprache und begegnet auch heute mundartlich nur vereinzelt, und zwar in bedeutungen, die nicht tratzen
als '
lacessere'
entsprechen: trätzk '
trotzig, maulend' Spiess
henneberg. idiot. 257; tratsik '
trotzig' L. Brun
d. mundart von Obersaxen im kanton Graubünden 62; tratzig '
waghalsig, tollkühn, keck' Unger-Khull
steir. 164;
vgl. weiter trätzelig
bei Stalder 1, 300; trätzet '
gern neckend' Schmeller-Fr.
bair. 1, 682.
mundartlich und umgangssprachlich stehen sich heute nur trotzig
als die md. und nd. und trutzig
als die obd. form gegenüber, beide im wesentlichen sich bedeutungsmäszig als '
miszgelaunt, verstimmt, schmollend'
entsprechend, vgl.: trotsig Schmidt-Petersen
nordfries. 139; Damköhler
Nordharz (
bei Doornkaat-Koolman
ostfries. als trots 3, 437); trotzech
Luxemburger wb. (1906) 444; Follmann
lothr. 109 (
neben häufigerem trutzig); trutzig, trutzicht Martin-Lienhart
elsäss. 2, 770; Fischer
schwäb. 2, 429; Hunziker
Aargau 62; Schmeller-Fr.
bair. 1, 682; Überfelder
Kärnten 81. trotzig
wie trutzig
sind schriftsprachlich geworden, ohne dasz sich ihr gebrauch schärfer gegeneinander abgrenzen liesze. im allgemeinen ist trutzig
die archaische und gewähltere form, häufig mit dem nebensinn des wehrhaftdrohenden oder des mannhaft-selbstbewuszten, doch vgl. das anscheinend entgegengesetzte sprachempfinden des Oberdeutschen bei Rosegger: trutzig '
gekränkt, miszgelaunt, schmollend' II 1, 187; III 6, 146;
dagegen heiszt es: finster und trotzig steht die burg auf dem berge I 13, 98. AA.
herausfordernd, drohend, s. trotz A
und trotzen A. A@11)
als deutsche entsprechung von praesumptuosus, arrogans, insolens bei den lexikographen früh bezeugt, von der bedeutung '
stolz' (
s. u.C 3)
bei ihnen gewöhnlich nicht zu unterscheiden: presumptuosus trutzig
voc. primo ponens (
Straszburg 1515) c 5;
ad me contumaciter, arroganter solet scribere an mich pflegt er trotzig und hoffertig zu schreiben B. Faber
thes. (1587) 203
b;
vultuosus (
qui seu indecentem seu arrogantem vultum sumit) ungeberdig oder stoltz, grob, vermessen, trötzig mit der geberde 978
b;
protervus dicitur, qui obvios proterit, superbus geil, übermüthig, trotzig
frons proterva, impudens Reyher
thes. (1668) 3, 788; trotzig
arrogans, insolens, minax Wiederhold
dict. (1669) 343
b; einem trotzig begegnen
trattare uno con dispetto, con arroganza M. Kramer
dict. 2 (1702) 1153
a. A@1@aa)
in der literatur seit dem auftreten des wortes in diesem sinne bezeugt: tretzig und hœnig sints an allen ir gebâren, dieselben zwêne dörper Gîselholt und Engelram Neidhart 57, 34
W.; vgl. tretzig unde hêre
ebda 59, 9; ein vil tumber getelink trezzic und ouch dol
bei v.
d. Hagen
minnesinger 3, 252
b; o grosser Jupiter was schalckhaftiger und trutziger menschen (
scelestum atque audacem hominem)
Terenz deutsch (1499) 69
a;
naturgemäsz häufig in der polemischen literatur des 16.
jhs.: dein mtwilligen trützigen schelmen haben dir dein dück nit mögen volstrecken nach deinem anschlag J. Fundling
anzeigung (1526) b 3
b; alle oberzölte stuck thuon sie frei, frech und drutzig J. Nas
J. Nasen esel (1571) 79
a; unflätig sein im schreiben, verwegen im reden, trutzig in lugen, unverschämbt in den büchern 68
b,
vgl. ebda 117
a; 117
b; lernen sie (
die landstreicher) nichts mehr als fluchen, ... mit sieben sacramenten ... umb sich werfen, trotzig sich erzeigen Pape
bettel- u. garteteuffel o 2
a; ob aber ainer so trutzig und faul (
var. frävel) war und den pflueg nit ubertragen wolt
österr. weist. 7, 130,
ebenso 6, 69.
auch in jüngerer zeit noch als '
dreist, frech': es sind die zeiten gekommen, in denen das alter verachtet wird, jeder knabe, der einen bart an seinem kinne fühlt, darf trotzig die erfahrungen des mannes verspotten Tieck
schr. 11, 4.
als '
schlecht, nichtswürdig'
in moralischem sinne: was ist heutigs tags nicht nur bei melancholischen ... nohtleidenden, sondern auch bei trutzigen, boshaftigen leuten ... gemeiner als den tod wünschen Dannhawer
catech.-milch (1657) 2, 64;
als '
mutwillig, leichtfertig': du solt nicht richter werden, du wellest dann die ungerechtigkeit mit krafft und macht zerstören, und welcher sich darzu gut beduncket, der ist leichtfertig oder trützig H. Steinhöwel
spiegel (1479) 43
a; die weil wir finden, das man der christlichen freiheit in vielen stücken leichtfertig und trotzig miszbraucht und on alle not ergernis und unlust anricht Luther 26, 225
W. A@1@bb)
besonders als '
frech, dreist'
von rede und widerrede: umb dein bös maul hab ich dich bleut, das mir so trutzig antwort beut Hans Sachs 17, 179
K.-G.; es gab ihn der keiser viel stölzeren und trutzigern bescheid weder zuvorhin
N. Höniger
sarracenische gesch. (1580) 162; in disem jar schreib Soliman ein trutzigen brief an papst Paulum Stumpf
Schweizerchron. (1606) 27
a; allein er bekam eine ziemliche trotzige antwort: nemlich, die italiänische armee were bereits unterwegens, so den accord mitbringen würde B. Ph. v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 482; ja er begehrete an Biorn trotzig gnug, er solte sein pferd mit ihm umtauschen, weil es noch unermüdet wäre und als dieser des zumuthens lachete ... Buchholtz
Herkuliskus (1665) 17.
dann oft objektiver, mehr auf die art der entgegnung sich beziehend, als '
grob, brüsk, barsch, unwirsch',
vgl. trotzig antworten
rispondere bruscamente etc. in croce Kramer
dict. 2 (1702) 1153
a und Weinhold
schles. wb. 100; einem recht trotzig anschaffen
commandare ad uno imperiosamente, con minacie, con modi bruschi, sgratiati ... ebda; brüske, stolz, trotzig, unbescheiden, ungestüm Kinderling
reinigkeit d. dt. sprache (1795) 118: bei der gewalt mögen wol kurtze und trotzige wort gebraucht werden Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) b 1
c; ich leuchtete ihm unter die augen; allein er gabe mir sehr trutzig zu verstehen, dasz ihn die freiheit, so ich mir nahme, gewaltig verdrosse Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 9; nachdem er ihm einigemahl in einem trotzigen tone stillzuschweigen geboten hatte Nicolai
Seb. Nothanker 3, 39; kurz und trotzig verlangte er (
der gast) eine gute fleischsuppe J. P. Hebel
w. 2, 30
B.; ach, sagte er ganz grob und trotzig, gehet ihr hin
kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 31; der freischulze ... erwiederte die nachrede minder trotzig als sonst vielleicht geschehen wäre Holtei
erz. schr. 4, 25.
auch sonst ergibt sich die bedeutung '
grob, unfreundlich': ich rede von dem vordersten (
ritter), gegen welchen ihr euch angesehen seiner schöne und jugendt zuviel trutzig gehalten, also das euch schmach und schand bringen möcht ... hierumb ... werden ihr euch etwas freundtlichers beweisen, in ansehung dasz ich euch versprich, wo ihr euch ein wenig lieblich gegen ihm erzeigen, dasz ...
Amadis 338
Keller; sein verstocktes undankbares wesen, seine trutzigen manieren wollt ich mir ja gerne gefallen lassen ..., das elend hat ihn so gemacht Holtei
erz. schr. 5, 133.
von sachlichem objekt: es (
das vorspiel zum Faust) müszte beinahe umgeschrieben werden, wenn es so höflich artig und einnehmend einem publicum gebracht werden sollte als es jetzt trotzig und unfreundlich ist Göthe IV 39, 257
W. A@22) '
drohend',
so am häufigsten in den wörterbüchern wiedergegeben: minax trötzig und drewlich.
et num putatis dixisse eum minacius quam facturum fuisse meinet ihr, er habe trotziger und drewlicher sich hören lassen als er wol würde gethan haben Faber
thes. (1587) 505
b;
vgl. weiter Frischlin
nomencl. (1591) 163;
nomencl. (
Hamburg 1634) 261; Widerhold (1669) 343
b; Dentzler
clavis (1716) 292
und ferner die lexikographischen bezeugungen für trutzlich
und trutziglich. A@2@aa)
die belege berühren sich anfänglich mit den unter trotzig B 4 b ('
grimmig, wütend, erregt')
angeführten: ja, wenn er ir einredet, dräwet sie ihm, sie wolt ... von im ziehen und dergleichen viel trötziger wort braucht sie Er. Alberus
fabeln 13
ndr.; der swartze sprach trotzig zu dem weissen bokke: tritt zurükk und weiche mir alsbald Schottel
friedenssieg 5
ndr.; da droht ich trozzig: ha, ich will den tödten, der uns stöhrt Göthe 37, 46
W.; das billet mit der trotzigen forderung E. T. A. Hoffmann
s. w. 4, 30
Gr.; brauen wie zwei schwarze drachen, die ... ihre mähnen trotzig sträuben Bettine
die Günderode (1840) 1, 91.
vom feindseligen drohenden blick; vgl. truces oculi trutzige augen Schönsleder
prompt. (1618) H h 5
b: und sich beide (
Mars und Saturn) mit einem trotzigen und feindseligen gevierdten schein anschauen J. Reinstein
prognost. astrolog. (1573) c 1
b; so ladet das sanfte auszenbild des menschenfreundes den hülfsbedürftigen ein, wenn der trotzige blik des zornigen jeden zurükscheucht Schiller 1, 170
G.; der offizier ... schosz einen trotzigdrohenden blick auf Florian Zschokke
s. ausgew. schr. 25, 237.
vom drohenden, schreckhaften äuszern: das sind die beste adelichste farren, welche eines trutzigen anblicks sind Heyden
Plinius (1565) 237; dann wo sie (
die Römer) in grosser forcht und sorgen stehen, pflegen sie sich trutzig und schrecklich zu machen Xylander
Polybius (1574) 167; er siehet so trotzig ausz, als ob er ihrer schon 9 gefressen und der zehnde stecke ihm noch im halse
schausp. engl. comöd. 77
Creiz.; dem laidigen satan, welcher ... in gantz trutziger gestalt vor ihr erschienen Abr. a
s. Clara
Judas 1 (1686) 8; die räuber, furchtbare männer, mit trotzigen gesichtern Chph. v. Schmid
ges. schr. 1, 26.
gelegentlich tritt auch die bedeutung des drohenden zurück und nur der visuelle eindruck wird wiedergegeben: pudeln ... haben ein trutziges ansehen Heppe
lehrprinz (1751) 15.
als '
finster, ernst': wer seid ihr, die ihr mir unfreundlich den schlaf von den augen schüttelt? was künden eure trotzigen unsichern blicke mir an? Göthe 8, 291
W.; Menelaus wird erkannt am sanften ..., Diomed am freikühnen, Ajax steht finster und trotzig Göthe 49, 1, 78
W.; oft (
verbirgt sich) unter einem trotzigen auge ein liebreicher charakter Lavater
fragm. 1 (1775) 30. A@2@bb)
als '
wild, rauh',
nicht die einzelne äuszerung oder die gestalt, sondern den ganzen menschen charakterisierend: Siegfried ... nahm sein schwerdt ... und schlug dem trotzigsten und vornehmsten schnarcher in dem ersten streich den kopf hinweg
volksb. vom gehörnten Siegfried 86
ndr.; doch waren diese (
soldaten) jeweils lustiger als jene, darneben aber auch trotzig, tyrannisch, mehrenteils gottlos Grimmelshausen
Simplicissimus 44
Scholte; solch seltsam und trotzige leut hab ich nicht viel gsehn, wie ihr seid
bei Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 153; bleiben wir von dem soldatenhaufen! sind euch gar trotzige kameraden Schiller 12, 14
G.; sich mit der bedeutung '
kriegerisch-wehrhaft'
verbindend: die höflingsschaar im kreise verlernet jeden spott des königs trotzge krieger, sie beugen sich vor gott Uhland
ged. 1, 307
H.-Er. Schm. hierher auch: kühn und sanft, trotzig und milde, zu lande und wasser erscheinen hier (
in den edden) abentheuer der götter und helden in beiderlei geschlecht Herder 18, 491
S. A@33) '
gebieterisch, herrisch'
entsprechend trotz
als '
gewalt, zwang, willkür' (
s. o. sp. 1094),
doch ist die verwendung des adjektivs in dem angegebenen sinne weit häufiger bezeugt: imperiosus trützig Er. Alberus
dict. (1540) h 1
a; sie (
Eva) sagt imperiose, mit trutziger faust: Adam isz J. Agricola
sprichw. (1534) F f 3
b;
bis in die gegenwart bezeugt: je mehr er verlangte und je trotziger er auftrat, desto williger schien sie zu werden O. Ludwig
ges. schr. 2, 369;
in substantivischer verwendung: herrisch, insolent und verweigernd gegen die demüthigen, nachgiebig und kriechend gegen die gebieterischen und trotzigen zu sein Justi
Winckelmann 2, 1, 113;
adverbiell steigernd: von ... trotzig herrischen gemüthern sich meistern lassen Schiller 13, 208
G. häufig verwendet zur charakterisierung eines gewalthabers: solche trotzige, türstige und zornige tyrannen Luther 19, 226
W.; diese gottlose verächter und stoltze und trotzige tyrannen und mutwillige freveler, die mit gewalt furen J. Mathesius
Sarepta (1571) 10
b; do setzt er inen (
den waldstädten) ... graf Rudolfen von Habspurg zu einem landtvogt, der was ein richer, gewaltiger und trutziger mann Tschudi
chron. Helvet. 1, 107; hier wohnt und schwelgt ein trotziger dynast, des armen landes reiche last Ramler
fabellese 1, 262.
insbesondere von der art des umganges mit den untergebenen: er (
der gottlose) handelt trötzig (
dominabitur) mit allen seinen feinden
psalm 10, 5 (trutzlich
Zürch. bib. 1531); des papsts trotzige handhabung seiner hauptmannschafft Fischart
binenkorb (1588) 137
b; das er die niedern nicht veracht und fahr trutzig on als erbarmen mit andern unterthan und armen Hans Sachs 9, 207
Keller; wie hat er (
Bonifaz VIII.) aber ein leben gefüret? stoltz, hochmütig, untrew, trötzig gegen jedermann Sleidanus
reden 94
B.; die art von niederträchtigkeit ist sehr gemein, gegen seine obern sich sclavisch bücken und zugleich ungerecht und trotzig gegen die sein, die man unter sich hält J. G. Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 86.
als '
hart, mitleidlos': deszhalb haben die alten poeten und heidnischen theologi die göter grewlich, trotzich, unerbitlich gedicht, die sich umb der menschen unglück nicht bekumern S. Franck
chron., zeytbuch (1531) 123
a; auch lest der priester den armen gantz trutzig an alles erbarmen Hans Sachs 1, 276
K.; gegen welchen man gütig oder trotzig sein sol Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) 5 2
a.
neben unpersönlichem begriff: da der brandenburgische anwalt Zänner gegen den junker Wenzel von Tronka mit dem trotzigsten nachdruck verfahre H. v. Kleist 3, 231
Er. Schm.: (
sie fielen) mehr der momentanen rücksicht einer trotzigen politik als dem rechtsprincip zum opfer Ranke
s. w. 38, 40. BB. '
widerstand leistend'
zu trotzen '
resistere'
in seinen verschiedenen schattierungen, s. trotz B
und trotzen B. B@11)
im eigentlichen sinne '
sich widersetzend, sich aufbäumend, sich abwendend von'. B@1@aa)
persönlich. vom tätlichen widerstand kaum zu belegen, da die bedeutung '
resistens'
fast immer in bestimmtem sinne gefärbt ist als '
angriffsfreudig, mutig, tapfer (
s.C 1),
widersetzlich'
u. s. w., es sei denn, dasz trotzig
neben einem ihm bedeutungsver wandten verbum intensitätsbegriff wird, vgl.: das stolze element (
das meer) sträubt sich unter dem kampfe der winde; trotzig erhebt es seinen rücken, mächtiger wird es niedergedrückt Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 170
lit.-denkm.; aber der kampf beginnt von neuem im menuett, und jetzt mischt sich ein gefühl trotzigen widerstrebens ein O. Jahn
Mozart 4, 101;
schon hinüberneigend zur gruppe '
widersetzlich, aufsässisch' (
s. u.B 3): du weiszt, ich schwor, die krone nicht zu tragen, solange Mailand trotzig widersteht Raupach
dram. w. ernster gattung 5, 93; alle die trotzigen mächte, die sich dem höchsten ansehn entgegengesetzt, wurden gebeugt Ranke
s. w. 1, 55.
vom inneren widerstand: indem ich bei dieser vorstellung von sehnsucht und widerspruch, von einem mir unbekannten aber süszen gefühle des gehorsams und trotziger freiheitslust gleichzeitig erglühte G. Keller 3, 12;
oder von der inneren ablehnung, abkehr: herzog Albrecht hielt sich ... in trotziger absonderung, und auch der kaiser ... wollte von keiner aussöhnung hören Ranke
s. w. 1, 68;
auch hier ist die bedeutug '
widerstand leistend'
meist gefärbt, so als '
eigensinnig, eigenwillig': ha! nun seh ichs was dich eigentlich so trotzig macht Lessing 2, 295
M.; der löwe verbietet einem schwein vor seiner höle täglich vorüber zu gehen, und schneidet dem trotzigen erst ein ohr, dann auch das andere ab J. Grimm
Reinhard fuchs, vorr. 283;
positiv, bald als '
beharrlich',
bald als '
entschlossen, mutig': ausdruck schalkischen verstandes und trotzigen willens bei aller biegsamkeit und beweglichkeit der glieder und gebärden (
von den Russen) E.
M. Arndt
s. w. 1, 152
M.-R.; die beiden männer, die geräuschvoll und trotzig beflissen, sich nicht in den bann dieses weibes zu geben, ihre arbeit taten E. G. Kolbenheyer
Paracelsus 3 (1926) 198; die angst und furcht, die ich bisher immer mit meiner trotzigen klugheit zu bezwingen verstanden habe
kriegsbr. gefallener studenten (1928) 290;
gleichzeitig als '
kraftvoll': war er (
Mithradates) so gewaltig physisch begabt, dasz sein trotziges umsichschlagen, sein unverwüstlicher widerstandsmuth häufig wie talent, zuweilen sogar wie genie aussieht Mommsen
röm. gesch. (1854) 2, 268. B@1@bb)
neben sachlichen begriffen entwickelt sich die bedeutung '
fähig, widerstand zu leisten', '
wehrhaft'
; noch verbal: das gschlosz ob der statt auf einem hohen berg ligende ist von gebeu nit allain anschawens wirdig, sonder auch gegen dem feind trutzig gemacht S. Franck
chron. Germ. (1538) 297
a;
doch: disz land (
Schwaben) ist ... mit vil namhafftigen trutzigen stetten, schlössern erfült
ders., weltbuch (1534) 52
a;
in jüngerer zeit sehr üblich von festungsartigen bauwerken: thürmende städte mit trotzigen mauern Denis
lieder Sineds (1772) 90 Haydn (
habe) ein lieblich phantastisches gartenhaus gebaut ..., das von Mozart in einen palast umgewandelt sei, auf welchen Beethoven einen kühnen trotzigen thurmbau gesetzt habe
bei O. Jahn
Mozart 4, 746
anm.; finster und trotzig steht die burg auf dem berge Rosegger
schr. I 13, 98;
das heutige sprachgefühl verbindet häufig damit den visuellen eindruck des düsteren, ernsten (
s. auch trotzig A 2 '
drohend'): nur der turm (
der kirche) schaute noch bis zum jahre 1870 in alter trotziger ruhe, breitspurig und gestemmt dastehend, über den deich Allmers
marschenb. 264; zum greifen nah liegen vor uns zwei mächtige türme ... trutzig von halbem hang her drohend K. Bröger
d. unbekannte soldat (1917) 36; die kirche mitinne ist hoch und trotzig Hans Grimm
volk ohne raum 1, 42.
jung ist die übertragung auf berge und felsgipfel: und gegenüber trotzge berge dräuen Fouqué
alts. bilders. 1, 156;
mehr im sinne von '
emporragen, starren',
s. o. trotzen B 1 a
β: trotzige felsen ragten mitten im dunkeln tannenforst W. Raabe
s. w. I 5, 448; (
die krotenköpfe in den Allgäuer Alpen) ein starres, trotziges spitzenpaar H. v. Barth
Kalkalpen 229;
doch auch: die vereinzelten kiefern ... trotzig in ihrer ... markigen gestalt W. Alexis
hosen 1, 3. B@22) '
hartnäckig, unnachgiebig'
: vgl. trutzig ...
pertinace, ostinato ... Hulsius
dict. (1618) 251
b; obstinat, eigensinnig, trotzig Spanutius
lex. (1720) 340: er hat bei der tortur und bei seinem ende sich trützig angestelt A. Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 124; man solle allen verurtheilten vor der hinrichtung zur ader lassen, um sie ein wenig matt zu machen; ihre trotzige haltung ärgere ihn G. Büchner
nachgel. schr. 116; zur milderung trotzigen sinnes dient ein dargebotenes schmuckstück Scherer
litteraturgesch. 30; dann werden ... eurer gebieter und weisen nüchternste sinne und trotzigste nacken gefüge Stefan George
das neue reich 11;
eigenartig mit nachfolgendem infinitiv: und trotzig, den platz nicht zu verlassen, eben weil das gesindel höhnisch auf ihn einblickte H. v. Kleist 3, 199
Er. Schmidt; hinüberweisend zu '
eigenwillig': er (
Winckelmann) zeigt sich selbst auf dem wege zu jedem zweck redlich, gerade, so gar trotzig und dabei klug und beharrlich Göthe I 46, 61
W.; mehr als '
eigensinnig',
s. u. 6: so stirb! beharr auf deinem trotzgen schweigen Schiller 15, 1, 26
G.; jedoch vergesset nicht, dasz trotzig läugnen die schuld nicht mindert, sondern gröszer macht
Z. Werner
söhne des thales 2, 212. '
hart, gefühllos': kan furcht, kan liebe nicht dein trotzigs herze rühren A. U. v. Braunschweig
Octavia 1 (1677) 1000;
objektiver: zu den trotzigen charakteren der Iphigeneia und des Kreon sind die milderen gegenbilder Ismene und Hämon erfunden G. Freytag
ges. w. 14, 41.
in religiöser sprache '
verstockt, halsstarrig': wölhe menschen nit glauben, die sein trätziger und mutwilliger dann die teufel, wan die teufel gelauben und erpidemend, aber die ungelaubigen menschen glauben nit und ertzittern nit Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) a 5
a; Esaie am 48.: 'dein nacken ist eisern und deine stirn ist stehlen' hat (
gott) reden wöllen von einer trotzigen und gestehleten stirne, die sich nit schemet, nit rot wird und weder mit gut noch böse gar nit biegen oder lencken lesset J. Mathesius
Sarepta (1571) 79
b; ist also ein gleiszner under allen sündern der hochmütigste und trotzigste Moscherosch
gesichte 1 (1650) 67; vor angst und schmerz klopft nun das herz des trotzigsten verbrechers J. A. Schlegel
verm. ged. 1 (1787) 131.
auffällig in der bildung, der bedeutung nach hierher gehörend ein vereinzeltes trostig
auf nd. boden: welche alde trostig und verhart die tauffe an sich nicht nehmen wollen Chr. Hartmann
preusz. kirchenhist. (1684) 41. B@33) '
ungehorsam, unbotmäszig',
vgl. contumax, inobediens, halszstarrig, widerspenstig, trotzig, ungehorsam Reyher
thes. (1668) 1456; trotzig gegen die obern
in superiores contumax Steinbach
dtsches wb. (1734) 2, 871;
von frühester zeit ab bis in die gegenwart bezeugt: wir vinden leider kleiniu kint diu tratzic und ungehôrsam sint diu meisterschaft ungerne lîdent Hugo v. Trimberg
renner 16490
E.; vgl. den gebrauch von tratz,
adj., bei ihm, s. o. sp. 1084; was sagst du dann von den widerspen- und traczigen münchen (
de monachis pertinacibus) Joh. Hartlieb
Cäsarius 383
Dr.; darob da ward das volck zuletzt so trutzig, wolt dem keiser kein zins geben
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 71; (
der hausherr soll) die trotzigen (
untertanen) strafen, die unschuldigen beschirmen Hohberg
georgica curiosa 1 (1682) 100; ich hab dich überredet und dich trotzig gemacht und dich gefragt, wer dirs verbieten sollte Fontane
ges. w. I 2, 393; er (
Alba) habe bemerkt, dasz das volk durch diesen unfall in gärung gerathen und trotzig geworden sei Ranke
s. w. 38, 39;
verstärkend neben bedeutungsver wandten begriffen: unterthanen bezüchtigen oft unbillich ihre obrigkeiten wegen strenger regierung, da sie mit ihrer ungehorsamen trutzigen und rebellischen widerwertigkeit solche erwecken Lehman
floril. polit. (1662) 2, 864; der lehnsmann mochte sich ... trotzig gegen seinen herrn auflehnen G. Freytag
ges. w. 18, 9; als endlich ... an Lepidus der befehl des senats erging ... zurückzukehren, weigerte der proconsul trotzig den gehorsam Mommsen
röm. gesch. 3, 25;
in der zusammenrückung: leben ist der versuch des trotzig-widerspenstigen theils, sich vom ganzen loszureiszen und für sich zu existiren Hebbel
tageb. 2, 95
W. weitergreifend in religiöser sprache '
frevelhaft, ruchlos': was der mensch, der erdenknecht, trotzig hat verbrochen, wird an gott, der doch gerecht, durch und durch gerochen H. Held
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 1, 362; unser blut, das ... wider dich (
gott) so trotzig hat gewallet G. Treuer
dt. Dädalus 1, 40; er (
der spötter) rathschlagt trotzig wider dich und lehnt sich auf und spricht zu sich: was kann der herr mich lehren? Giseke
poet. w. (1787) 81. B@44) '
grimmig, wütend, zornig'. B@4@aa)
als dauernde eigenschaft. B@4@a@aα)
homo natura nimium vehemens feroxque gar zu hefftig und trotzig Faber
thes. (1587) 315;
wie trotz
vom kampfesgrimm: noch ist er (
der teufel) so trotzig und ficht die seele an, so offte er nur siehet, dasz sie sicher ist Jac. Böhme
s. w. 4, 236
Sch.; ich (
der westwind) weisz in bergesschlüchten vorm trotzigen kumpan nicht mehr wohin zu flüchten Rückert
w. 3, 79;
als beiwort zu feind
ebenso üblich wie grimm: Cajus, ... der itzt ain gantz trütziger feind ist Schwarzenberg
Cicero (1535) 71
b; obschon unsre mächtige feind starck, listig und auch trotzig seind Wolfh. Spangenberg
Saul, epilog v. 20; keiser Ferdinand ..., als den gott zur vorburg und vorwehre wider des trutzigen und sieghaften tyrannen der Türcken verordnet hat H. Rätel
Joach. Curäi chron. (1607) 264; weil gott gemeiniglich seine allergewaltigste und trotzigste feinde durch die allerliederlichste und geringste insecta abzustraffen pflegt Grimmelshausen 2, 360
Keller; ein meuchelmörder liesze sich übeler als ein trotziger feind vom leibe halten Lohenstein
Arminius 2, 1048;
und sonst: Neptun ist so trotzig und wütend als das element worüber er herrscht Ramler
einleitung (1758) 2, 158. B@4@a@bβ)
von der wildheit der tiere, s. trotz B 5: zum Rabenstein lidte ein forstbedienter von einem bären groszen schaden und konte den trotzigen bären nicht anders als mit feuer vertreiben Chr. Lehmann
hist. schaupl. (1699) 561; er schlägt mit seinem rüssel den trotzigen löwen zu boden maler Müller 1, 23; die dienerschaft sahe sich nach halfterketten um, den trotzigen gast (
einen wilden hengst) damit anzulegen Fouqué
zauberring 1, 73;
im vergleich: diesz sagte er wild und trotzig wie ein böser hund S. v. Laroche
frl. v. Sternheim 2, 120;
mehr '
bösartig': in Africa ... seind kleine faule wölf, trutzig und bissig Eppendorff
Plinius (1543) 58;
übertragen auf den visuellen eindruck: nun sihe an die art und gestalt des adlers, die trAeischen augen, den trotzigen schnabel, sein greulich saursehenden anplick S. Franck
chron., zeytb. (1531) 119
b. B@4@bb) '
erzürnt, ergrimmt, verletzt',
also von der vorübergehenden erregung, vgl. tratzet
irritatus, dem leids beschähen Maaler 406
b;
ferner die belege unter A 1 '
drohend'
und B 7 '
gekränkt, miszgelaunt': also machet sie der herr Christus mit irem spotten je zorniger, das sie noch deste turstiger und trotziger werden Luther 33, 598
W.; er scheumet wie ein trutziger und ubermütiger mensch
herzog Aimont (1535) b 1
b; Esaw geet drutzig ausz, stürtzt die wehr Hans Sachs 1, 100
Keller; also ward Attila noch trutziger und durchwütete das land Gallien S. v. Birken
Donaustrand (1684) 124; woher so trotzig? schnaubstu noch, ich wil dir zeign ein ander loch B. Krüger
anfang und ende der welt (1580) h 5
b; das hört der bischof ... und kam zu uns trotzig Göthe I 8, 25
W.; Gianettino schnaubt ihn trotzig an Schiller 3, 19
G.; vom verhaltenen inneren groll: die an den trotzigen Achilles abgeordnete gesandtschaft Schubart
ästhetik d. tonkunst (1806) 31; Cain erscheint trotzig mit strohhalmen und heufasern im ungekämmten haar (
vor gott) J. Grimm
kl. schr. 7, 109; und ich ... segnete das verhüllte land drauszen und meine trotzige gemeinde, die meines segens nicht begehrte H. Watzlik
d. pfarrer von Dornloh (1930) 18;
vom verletzten selbstgefühl: indem sie mit eigener charakterstärke gewissen neckereien ihrer gespielinnen trotzig entgegnete Göthe I 25, 199
W.; dieser versetzte trotzig: ich bin kein schlingel Immermann 2, 15
B.; daher auch: (
er erwiderte) in dem trotzigen tone der gekränkten ehre und liebe Pfeffel
pros. vers. 5, 197;
sonstige übertragungen auf die äuszerungen des grimmes: sie fuhr zum herde und bald darauf hörte Friedrich sie mit trotzigen schritten über die tenne gehen A. v. Droste-Hülshoff 2, 267; junker ... legt die trotzige finstere mine ab, es thut nicht gut bei den gestrengen herren da drinnen Hauff 1, 79;
der adverbielle gebrauch kann sich einem intensivum nähern, vgl. ferociter, ferocissime gantz trötzig;
maledicta in aliquem aspere, libere et ferociter dicere trötzig auff einen zu schelten Faber
thes. (1587) 315
a; die sekundanten thaten einspruch, er schrie immer trotziger, mitten drin wurde er stumm, und patsch — da lag er in ohnmacht Holtei
erz. schr. 9, 162.
deutlich intensiv: und weinten dieselben am trotzigsten, die sich der erbschaft wegen am meisten freueten Chr. Weise
d. drei ärgsten erznarren 6
ndr. B@55) '
eigenwillig',
sich eng berührend mit trotzig '
selbstbewuszt, mannhaft',
s. u.C 2,
noch jung: ich galt in diesen tagen für einen treuen, gehorsamen und fleiszigen jungen, aber zugleich für einen ungestümen und trotzigen, für einen solchen, der gern seinen eigenen weg ging E.
M. Arndt
s. w. 1, 20
R.-M.; das wesen dieser inneren haltung besteht in einem starken selbstbewusztsein, das sich auf die eigenen kräfte verläszt und jede beeinflussung von auszen her ablehnt: das trotzige ... gemeinwesen dieser 'stolten Ditmerschen' Nitzsch
dtsche studien 223; an der ersten bank (
der klosterschule) sitzen nur söhne von edlen, meist Thüringe und Hessen, trotzige knaben sind darunter, ungern fügen sich die stolzen darein, im kloster zu dienen G. Freytag
ges. w. 9, 9;
daher häufig im zusammenhang mit begriffen, die diese innere haltung nach der einen oder anderen seite hin zum ausdruck bringen: sie (
scheuten) aus trotzigem selbstgefühl verbindungen mit anderen W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 185; der Italiener ohne die eitelkeit der Franzosen oder die trotzige selbstheit des Engländers oder die schwerfällige gründlichkeit des Deutschen Justi
Winckelmann 2, 1, 122;
in adverbiellem gebrauch: der Engländer als mensch strebt sich auch schroff und trotzig auf mächtiger persönlichkeit zu begründen E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lieben Deutschen 1, 467; bei uns Deutschen, die wir so trutzig individuell ... in sachen der arbeit sind W. H. Riehl
dtsche arbeit 247; wo das volk aber dicht gesäet ist, da hängt der einzelne niemals so treu und trutzig an altväterlicher art 82;
neben unpersönlichen begriffen: (
die fuge,) deren trotziges wesen (
durch den charakter der einleitung) angedeutet wird O. Jahn
Mozart 3, 386; eine so trotzig-spröde, mit bollwerken umschlossene kunst (
die dorische) Nietzsche
w. 1 (1895) 37;
das eigenartige schlägt ins wunderliche um: wie in seinen zahmen, matten ... greisen etwas ist von der unheimlich verschlossenen, trotzig verkehrten menschenart, die aus Rembrandts kopf hervorging Justi
Winckelmann 1, 288;
von den äuszeren formen des umgangs, '
widerhaarig, borstig, rauh': er (
Johannes Chrysostomus) war ... dem anschein nach verdrieszlich, unfreundlich, trotzig und stolz Zimmermann
einsamkeit 1 (1784) 259; sonst ist der gemeine mann in Graubündten schmutzig, plump und trotzig S. G. Bürde
erzählungen (1785) 96; so borstig und trutzig, aber treu und brav H. Kurz
weihnachtsfund (1856) 134;
auch sachlich als '
borstig, grob': die wunderliche, bis zum komischen trutzige korrespondenz (
des Philipp Neri an den papst) Göthe 32, 415
W. B@66)
eigensinnig, d. h. aus laune widersetzlich, sperrig gegen belehrung und bessere einsicht. mitunter der voraufgenannten gruppe und der nachfolgenden nahestehend: (
man soll die fürsten) warnen vor dem oder diesem ..., wöllen sie aber ihren eigenen köpfen und trotzigen fürnemmen folgen, so bestehen sie ihr schantz und gefahr Paracelsus
opera (1616) 2, 302; es gibt trotzige köpfe, die in allem, was sie thun sollen, das widerspiel thun
wohlgepl. priester (1695) 129; das ist ein trotziger kopf von einer jungfer, ich glaube, sie liesze sich ehe viertheilen, als dasz sie sich nur das gesicht sehen liesze, wenn sie nicht will Stranitzky
ollapatrida 340
Wiener ndr.; auf der grenze zu '
eigenwillig': mag er nachher zusehen, wie dies junge trotzige ich nach hartem kampfe sich einfüge in die handelnde gemeinschaft der menschen Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 75.
adverbiell: da man so viel unglaubliches gesehen und erlebt, so kann man in keiner weise trotzig sagen, dergleichen sei nicht wahr Görres
ges. schr. 1, 409. B@77) '
gekränkt, mürrisch, miszgelaunt gegen jemand',
stets vom gespannten verhältnis zur menschlichen umgebung. die belege schlieszen unmittelbar an die unter 4 b
angeführte reihe an. heute mundartlich und umgangssprachlich allgemein verbreitet, vgl. etwa Spiesz
Henneberg. id. 257
und Fischer
schwäb. wb. 2, 430; 6, 1783. B@7@aa)
in der umgangssprache des 18.
jhs. bereits üblich, wie briefstellen zeigen: ich will auch nicht sagen, dasz ich im hause mit der mir schon verheiratheten demoiselle trotzig seie und nichts rede, aber, verliebt auch nicht Mozart
an seinen vater bei O. Jahn
Mozart 3, 131; der Göchhausen sage, es sei gar trotzig von ihr, dasz sie mir nicht geschrieben, sie werde, wenn sie sich nicht bessere, kein bildchen erhalten (1787) Göthe IV 8, 160
W.; die bedeutung reicht jedoch noch weiter hinauf, vielleicht hierhin schon: torvum os ein krumb maul oder schepp maul, ein trötzig maul Er. Alberus
dict. (1540) a 2
a; wann als sie itzt für mich thet gen, sah sie mich also tückisch an; und als ich reden wolt mit ir, da schnurrt sie trotzig hin vor mir. ich merckt, sie het ein laun auf mich Hans Sachs 9, 41
K.; geschicht es, das etwann dein weib auch wütet und tobet, trutzig, stutzig und butzig ist, so must du mit ihr nicht gleich verfahren wie Samson mit den Philistern Abr. a
s. Clara
etwas für alle 2 (1711) 463;
gleichzeitig als '
bockig, sperrig': dann ist er ... viel männlicher, als wenn er trutzig weiter und weiter liefe
M. Meyr
erz. aus d. Ries (1868) 1, 142;
übertragen: die altgefangenen schwarzdrosseln sind anfangs trotzig und wollen nicht sogleich ans futter Naumann
vögel 2, 1, 335. B@7@bb)
heute allgemein von kindern als '
eigensinnig und ungehorsam'.
auch dieser gebrauch ist vielleicht schon alt, vgl. die verwendung von trotz (
adj.)
in gleichem sinne (
s. o. sp. 1084)
und den ersatz von freidic
durch trotzig
im Frankfurter druck des Renner (
mhd.: kleffisch und freidic sind nu diu kint
v. 6204): weil er ... bei aller seiner gutherzigkeit äuszerst hartnäckig, ausgelassen und trotzig gewesen wäre Fr. H. Jacobi
w. 1 (1812) 28; hätte Gustav nicht unbedenklich der letzteren ansicht gehuldigt und sich in diese hineingelebt wie ein eigensinniger, trotziger ... junge Holtei
erz. schr. 2, 221; die teilnahme für ihn (
das findelkind) verminderte sich, wodurch er seinerseits wiederum tückisch und trotzig wurde 5, 137;
nebenher geht eine verwendung in milderem sinne, so als '
schelmisch': Wolf hustet bei nacht, ist aber am tage munter, artig und trutzig Göthe IV 39, 213
W. (
später heiszt es: munter und neckisch);
auch: (
der bart,) den er sehr liebte und der kindisch-trotzig auf der oberlippe sasz Stifter
s. w. 1, 16;
ganz ins positive gekehrt als sinnlich-anschaulicher ausdruck für die anmut eines schmollenden kindergesichts: das kleine, trotzige Jesuskind, das ideal eines schönen knaben fürst Pückler
briefw. u. tageb. 2, 185; während wir so sprachen, standen die winzig kleinen kinder der schwester herum, horchten zu, hielten die trotzigen engelsköpfchen ganz stille Stifter
s. w. 2, 147.
vgl.trotz,
m., B 6,
sp. 1102. B@7@cc)
in der liebessprache, '
spröde, unempfänglich für liebeswerbungen': guck, wie spröd sie tut zum scheine, trutzig ihre zöpfe flicht Mörike 3, 106
Göschen; solch trutzigthun, das fängt die männer O. Ludwig
ges. schr. 3, 561; 'warum just du mit mir so trutzig bist, Kundel?' fragte er sie — 'und warum dir just mein trutzigsein so zuwider ist, Hansel?' war ihre widerred P. Rosegger
schr. III 6, 140. CC.
mutig, stolz, zuversichtlich, s. trotzen C
und trotz,
subst., C. C@11) '
unerschrocken, furchtlos, kühn, beherzt, tapfer',
vgl. gladiatorius animus trutzig, frech gemüt Dasypodius
dict. (1536) 442
a;
animus gladiatorius trutzig Er. Alberus
dict. (1540) h 1
a;
confidenter getrost, trotzig, unerschrocken.
confidentissime alicui resistere sich wieder einen aufs trötzigste setzen Faber
thes. (1587) 319
a;
cornua alicui addere einen trotzig machen.
cornua sibi sumere hörner aufsetzen, trotzig werden Reyher
thes. (1668) 1493. C@1@aa)
vom kampfe '
bereit zu angriff und abwehr': brûdir Heinrîch von Plotzik der marschalk, der î trotzik was mit urlougis vreidin kegn den vorworchtin heidin Nikolaus v. Jeroschin 25063
Str.; wenn er nun auf eine feindliche parthie stoszen ... solte, musz er ... keineswegs ... lassen einige furcht oder schrecken vermerken, sondern vielmehr mit tapfern und trotzigen muthe auf solche loszgehen H. v. Fleming
vollk. soldat (1726) 265;
besonders vom kriegerisch-wehrhaften aussehen und auftreten: da er (
der marschall) sahe, dasz die meisten (
husaren) von einer guten und trotzigen mine und auszerordentlich equipirt waren, schöpfte (
er) grosze hoffnung, sie dereinst wohl zu gebrauchen H. v. Fleming
vollk. soldat (1726) 112;
so gerade in den jüngeren belegen: Paris ... bedeckt mit einer pantherhaut, bewafnet mit schwerdt und bogen, zog trotzig vor der spitze der Trojaner einher Ramler
einltg. 2, 136; dort unten vor der reuterschaar trabt Vala trotzig her Kretschmann
s. w. 1, 97; trotzig schauet und kühn aus finstern wimpern der jüngling, und gehärtet zum kampf, spannt die sehne sich an Schiller 11, 195
G.; und sonst: auch hier war der sieg ... in den händen der tapferen und trutzigen Alemannen J. P. Hebel
w. 2, 364
Behaghel; neben zugehörigen begriffen stehendes beiwort: hie solte der trotzige helt (
Zwingli) antworten Luther 26, 376
W.; nun, ich beklage seinen tod von herzen, ich hätt — verzeiht — ihn selbst erschlagen mögen, es musz ein trotzger held gewesen sein Hebbel
w. 4, 227
W.; ritter trotzigkühn Herder 28, 460
S.; ein trotziger ritter ... bestieg einst sein muthiges pferd R.
Z. Becker
mildheim. liederb. (1799) 110;
mannigfach übertragen, auch in sehr freier form: er zweifelte nicht, dasz er siegen werde, ... seine trotzige losung war: hilf gott und lasz nicht leben Ranke
dtsche gesch. 4, 393; über helmspitzen, aus staub und sonne und kinderjauchzen blüht ein lied auf: ein trutziges soldatenlied
Liller kriegszeitung 3, 252; und stirbt den schönen, trotzigen tod des unbezwungenen siegers H. v. Kahlenberg
Eva Sehring 5.
auszerhalb des eigentlichen kampfes, aber von dorther bestimmt: so stellte sich das trotzig muthige mädchen einst (
beim spiel) an die spitze des einen heeres Göthe I 20, 324
W.; diese spartanischen jünglinge, wie sie einherschritten in trutziger haltung, abgehärteten leibes, in altdeutscher tracht Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 138. C@1@bb)
der sonstige gebrauch: Thomas ist trutziger gewest quam Joannes Baptista, utpatet Mathei 3 (1521) Egranus
predigten 59
Buchwald; und was aber der alt Hartman Onsorg ain tratziger man und wolt sein sun mit ubermuet und drengen ledig machen gen den von Augspurg
städtechron. 5, 51; nach absterben hertzog Friderichen ... hatt hertzog Albrecht der lam, wölcher doch sunst ein drotziger herr was, nie aussprach gehabt von wegen der regierung S. Münster
cosmogr. (1550) 430; das thut Eberlin nit, wiewol er trotzig genug ist alweg gewesen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 157
ndr.; trotzig und kühn die welt beschauen Cl. Brentano
Godwi 1 (1801) 206.
der ursprünglich verbale gehalt von trotzig
als '
sich widersetzend, die stirn bietend'
ist mitunter stark fühlbar: gar grimmige Croaten ... mich sah der eine an als wollt er mich verschlingen ... da trat ich trotzig in die pfütze neben ihm, dasz ihm der koth ins gesicht spritzte. der kerl sah mich verwundert an und liesz mich gehen A. v. Arnim
s. w. 5, 322;
gerade dort, wo es steigernd zu einem sinnverwandten verbum tritt: wir wären ihnen (
den Engländern) trotzig bart gegen bart entgegengetreten H. L. Wagner
theaterstücke 176; auch seinen stiefsöhnen ... traten wir trotzig entgegen Steffens
was ich erlebte 1, 213; es dünkte mich auch, dasz herr Pantoffel die sache ziemlich trotzig angrief Jos. v. Petrasch
lustsp. 1, 504. C@1@cc) '
verwegen, tollkühn',
also das übermasz bezeichnend: es fraget die trotzige und thumküne welt stetigs wie St. Peter: herr, sollen wir schier drein schmeiszen Mathesius
Sarepta (1578) 94
b; hiemit macht er sich auf, gar trotzig und verwegen
Reinicke fuchs (1650) 59; wer gebehrdete sich denn so verwogen und trutzig und wollte es ... mit dem bösen selber aufnehmen Gaudy
s. w. 14, 94; er sei gewarnt und doch trotzig mitgeritten Ranke
s. w. 1, 225;
anders, '
leichtfertig, übermütig': wen es uns woll gehet, so sein wir keck und trotzigk (1522) Egranus
predigten 99
Buchw.; gott thut es darumb das er will die vermessenheit nidderschlagen, das wir nicht trotzig und ubermutig werden, sondern stehen in der forcht allwegen Luther 17, 1, 455
W. C@1@dd)
mitunter scheint trotzig
auch eine moralische oder intellektuelle qualität mit einzuschlieszen: von nöten ist, dasz sie (
die musterherren) auch trützig und verstendig seien, den finantzen ... wissen mit geschickligkeit zu begegnen, denn sie müssen offt seltzam schnöder rachtungen von hauptleuten ... auffnemmen. darzu wo ein musterherr nicht getruew, so wirt nicht allein der herr umb das gelt, sondern auch das kriegsvolck betrogen Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) 60; es kan ein prangmacher mehr fragen, den zehn trutzige bescheidtt geben S. Grunau
preusz. chron. 3, 48,
s. auch trutzlich. C@22) '
selbstbewuszt, mannhaft'. C@2@aa)
oft verbunden mit anderen bedeutungen, so mit '
sich auflehnend' (
s. o. B 1): der adel ... hatte beschlossen den reichstag nicht zu beschicken ...; um so trotziger traten die 42 abgeordneten seines dritten standes auf Dahlmann
franz. revol. 163; der titanische künstler (
Prometheus) fand in sich den trotzigen glauben, menschen schaffen und olympische götter wenigstens vernichten zu können Nietzsche
w. 1, 69; '
grimmig' (
s. o. B 4): jetzt schien ihm der trotzige ausdruck derselben (
der augen) noch schöner und ihre augen gefielen ihm so wild und scheu noch mehr als da sie lachten O. Ludwig
ges. schr. 2, 19; '
überheblich' (
s. u.C 3): also musz die staatsklugheit, welche zuweilen mit trotzigen riesenschritten gegen einen hergetreten, die achseln einziehen Lohenstein
Arminius 1 (1689) 1158
b; die rauhe und trotzige sprache, die noch jüngst Joseph II. geführt, stimmte nicht mehr zu der lage der österreichischen monarchie Häuszer
dtsche geschichte 1, 322;
so auch in einem adverbiellen gebrauch des 18.
jhs.: es läszt verdächtig, wenn ... man da am trozigsten entscheidet, wo die Rousseaue und die Locke ihre unwissenheit gestehen H. P. Sturz
schr. 1 (1779) 178; (
es) fehlt unendlich viel daran, dasz irgendein synthetischer satz der reinen ... vernunft so augenscheinlich sei (wie man sich trotzig auszudrücken pflegt) als der satz, dasz zweimal zwei vier geben Kant 3, 481
akad.; besonders nahe steht die bedeutung '
mutig, kühn' (
s.C 1): (
Claudius) war bewegt durch ir (
der Deutschen) redlichkait und trutzig tat, dan do man si füert do das gmain volk sas ..., giengen si hinauf, setzten sich ... für ander all nation, sagten, die Teutschen teten an mannheit, glaub und trauen andern allen nationen vor, sässen auch billich vor in Aventinus
w. 4, 766
L.; ebenso '
beherzt': Wilhelm nahm sich vor, recht trutzig zu tun und auf diese weise seine verlegenheit zu verbergen Göthe 22, 108
W., oder '
beharrlich, hart': so musz sich trösten, wer die waffen nicht führen kann. lassen sie doch ihre knaben recht kräftig werden, recht fest, trozig, waffenlustig, liebevoll und fromm
aus Schleiermachers leben 2, 103. C@2@bb)
selbständig. anscheinend schon im 17.
jh., und zwar in einer übertragung: (
die japanische sprache klingt) im aussprechen sehr trotzig und mannhaft Christoph Arnold
wahrhaftige beschr. (1672) 265.
der allgemeine gebrauch setzt erst später ein. eigentümlich ist ihm, dasz er fast immer die äuszere ausprägung des selbstbewusztseins in gesichtsausdruck, haltung, gebärde u. s. w. voranstellt: ich mag ihn wohl den guten, trotzgen blick, den prallen gang Lessing 3, 58
M.; ihr haar flog in den wind und ein weiszer federhut schmückte die trutzige stirn Zachariä
poet. schr. 1, 347; in seiner stellung (
haltung) herrschte etwas trotzig-edles J. G. Müller
kom. romane 2 (1786) 154; dich sah ich einst so froh und wach, so trutzig dich am jahrmarktstag A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 81; es war eine gestalt von gleichem wuchse wie der sohn, hünenhafter höhe und trotzigfesten schrittes Gutzkow
zauberer 1 (1858) 103; mit seinem kernhaften schädel, dem schmalen munde und der mächtigen bartkrause unter dem trotzigen kinn W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 44; ein gerötetes gesicht mit trotzig emporlachenden blauen augen E. Strausz
der nackte mann (1912) 82;
schlieszlich wird trotzig
ebenso wie trotzen (
s. o. sp. 1135),
nicht ohne einflusz von strotzig
und strotzend (
s. d.),
ausdruck physischer kraft: jungfrau Emma, frisch herumblickend, voll trotziger gesundheit Stifter 1, 169; wo es wimmelt und fluthet von weiszen schürzen, fragenden augen, trotzigen waden H. Laube
ges. schr. 8, 8.
der begriff des selbstbewuszten findet sich gelegentlich auch übertragen auf unpersönliche begriffe: einen adler mit trotzig ausgebreiteten schwingen Gutzkow
ritter vom geiste 1, 94; in der zweiten (
zeile) spottet der jambus mit seinem trotzigen nachschlage Gerstenberg
recensionen 287
lit.-denkm., vgl. noch: trotzige kraft und gutes herz strömte in seinen worten Scheffel
ges. w. 2, 147. C@33) '
hoffärtig, stolz, aufgeblasen'
; vgl. trotzig
fier, superbe arrogans, insolens Wiederhold
dict. (1669) 343
und die von Kramer
dict. 2 (1702) 1153
angeführten gebrauchsweisen. die belege stehen mitunter den unter trotzig '
herausfordernd'
angeführten (
s. o. A 1)
sehr nahe. C@3@aa)
früh reich bezeugt: keck und trotzig als heten sie gewonnen Luther 18, 399
W.; und folgen ihm die geistlichen, sind alle trotzig und schwulstig, wollen von yderman ungericht sein 10, 1, 1, 659
W.; 19, 648; 30, 2, 42; zuo lessten tagen ... werden ... menschen aufsteen, die von inen selbs vil hallten und sein geitzig, trutzig, stolz Berthold v. Chiemsee 107
Reithm.; dieser feind (
war) über die massen stoltz, hoffertig und drütztig J. Wild
postill (1554) 1, 147; so hat es auch sonst viel vermessene und trötzige leute und die den andern wollen zun haubten wachsen und die viel von ihn selbs halten Mathesius
Sarepta (1562) 309
b; die leichtsinnigkeit unsers geschlechts hat die mannsbilder dermaszen trotzig gemacht, dasz sie wollen, man solle es vor ein glück halten, wenn sie sich so weit erniedrigen und ein mägdlein heurathen Stranitzky
ollapatrida 240
Wiener ndr.; allein da er so gar trotzig geredet und sich bei unserm stillschweigen vielleicht den sieg schon völlig zugeschrieben hat Schwabe
belustigungen 1 (1741) 163; Epaminondas ..., welcher in erhabenem tone seine groszthaten erzählte und solche dem volke auf seine stolze und trotzige art vorwarf J. J. Chr. Bode
Montaignes meinungen 1, 5; die glücklichen unternehmungen seiner landsleute auf Friesland hatten diesen barbar so trotzig gemacht, dasz er öffentlich den Franken hohn sprach
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 426;
gleichzeitig als '
widerspenstig': dann haben des eigenen rechts und gewisz des himmlischen feuers gespottet die trotzigen ... und den göttern gleich zu werden getrachtet Hölderlin
ges. dicht. 1, 265
L.;
neben bedeutungsverwandten häufig und dann meist nur verstärkend: trotzig prahlen Harsdörffer
gesprächsp. 4 (1644) c 1
b; sich trotzig aufblehen S.
Dach 710
Ö.; trotzig pochen auf E.
M. Arndt 5, 301
R.-M.; trotzige überhebung Mommsen
röm. gesch. (1854) 1, 570. trotzig tun auf: kann man es einem manne, der auf seine frostigen nachahmungen des Horaz so trozig thut, vergeben, ducentia durch zweihundert übersetzt zu haben? Lessing 12, 28
M.; ist es ihr bischen gesicht, worauf sie so trozig thut? Schiller 3, 461
G. C@3@bb)
verschiedene nüancierungen: '
eitel': ain rapp erhuob sich in ubermuot und ward so truczig, daz er die gefallen pfauenfedern samnet und zieret sich selber damit Steinhöwel
Äsop 128
Ö. '
prahlend, grosztuerisch',
vgl. bravache, bravazzo trutzig, so gern trutzet Hulsius-Ravellus (1616) 331
b: wenn der trunckenbold trotzig ist und seins sauffens als ein bierhelt oder weinritter wil gerhümet sein Luther 19, 397
W.; das gesprech der kriegsleute pfleget trotzig und pucherisch zu sein Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) f 2
d;
stutzerisch: die irdisch macht so hoch aufmutzt, mit irer klugheit ziert und putzt, zu rosz, zu fusz, mit harnisch, wehr so prechtig, trutzig zeucht daher B. Waldis
streitged. 29
ndr.; (
sie) gehen stutzerisch und trutzig auf und nieder Schoch
studentenleben (1657) I 5
b. C@3@cc)
von Luther
stammt das vielzitierte: es ist das herz ein trotzig und verzagt ding
Jer. 17, 9 (
pravum est cor),
anders bei Dietenberger
und Eck: bös und unergründlich,
in der niederdeutschen bibel (
Lübeck 1533): heilosz und unergründlich.
zu der bedeutung, die Luther
seiner von der vorlage abweichenden übersetzung gab, vgl. seine zusätzliche bemerkung: auff deudsch sagen wir: es ist ein verzweivelt bose ding umb ein hertz. es kan weder guts noch boses ertragen,
ferner die randglosse: wenns eim menschen wol (gehet, so) pocht, schart, dominatur. econtra diffidit tempore felicitatis, non audit legem tempore miseriae non audit (consolationem), indomitum et miserum desperatim, ein stoltz und verzweivelt ding umb ein hertz, das niemand ergründen kan, schwebt oben, thut in legem ..., conculcat omnia,
s. dtsche bibel 4, 99
W. seither immer wieder zitiert, auch mit abweichungen in bedeutung und form, vgl.: es ist ein trotzig ding um des menschen hertz
c'e una cosa fiera, dispettosa, presontuosa ed arrogante ch'il cuore d'un huomo Kramer
dict. 2, 1153
a: die mänschliche natur ist forchtsam und verzagt, doch darbei fast trotzig und stoltz Moscherosch
insomnis cura parentum 119
ndr.; ich wil sagen, das unser hertz, wann ihm das glück liebkoset, trotzig, frech und muthig ist Butschky
Pathmos (1677) 139; es wird aber uns halsstarrigen leuten, als verzagten und trotzigen hertzen ... solches beispiel zur grösten beschimpfung J. Prätorius
winterfl. (1678)
vorr. a 4
a; er (
der mensch) nichts als das mittelding zwischen trotzig und verzagt, in bedürfnisz strebend, in unthätigkeit und üppigkeit ermattend Herder
w. 5, 558
S.; vgl. 23, 490; deine heilige harfe soll mein herz in eine heilige ruhe spielen, wenn es ein trotzig oder verzagt ding sein will Hippel
lebensläufe 1 (1778) 345; man sagt von dem menschlichen herzen, es sei ein trotzig und verzagtes wesen. von dem menschlichen geiste darf man wohl ähnliches prädicieren. er ist ungeduldig und anmaszlich und zugleich unsicher und zaghaft Göthe II 3, 212
W.; dasz des menschen herz ein trotzig und verzagtes ding sei, ist ein gemeinspruch, der auch den allereinfältigsten auf den lippen schwebet Lenz
ges. schr. 3, 154
Tieck. C@44) Luther
verwendet, dem gebrauch von trotz
entsprechend (
s. sp. 1104), trotzig
im sinne von '
zuversichtlich': dan wo diese zuvorsicht und glauben ist, da ist ein mutiges, trotziges, unerschrocknes hertz, das hin an setzt und der warheit beisteht 6, 275
W.; und habe zwar sonst nichts mehr, das mein hertz erhelt, sterckt, frolich und yhe lenger yhe trotziger macht 23, 29,
vgl. weiter 7, 295; 8, 240; 9, 394; 519; 14, 382; 17, 1, 435; 18, 635; 24, 545; 34, 1, 124;
vereinzelt auch unpersönlich: so hastu dennoch das herliche, trotzige vorteil, das du mit gutem gewissen kannst auf unserm text stehen 26, 446.
auszerhalb seiner schriften nur selten: durch welchen (
Christus) wir haben ein zugang durch den glauben in die gnad, in welcher wir stan und trötzig seinen in der hoffnung der eer der kinder gottes Joh. Lonicerus
berichtbüchlin (1523) l 2
b; (
glaube) macht fröhlich, trotzig und lustig gegen got und allen creaturen Er. Alberus
widder Jörg Witzeln (1539) 27
a;
unabhängig von diesem gebrauch hielt sich ein trotzig auf,
angelehnt an trotzen auf (
s. sp. 1133),
bis ins 19.
jh.: sie hielten die berge ... beständig besezt und waren auf diesen vortheil so trotzig, dasz sie von keinem billigen frieden hören wollten Wieland I 3, 23
akadem.; diese stadt (
Valenciennes) auf ihre befestigungen trotzig, schickte sich lebhaft zur vertheidigung an Schiller 7, 261
G.; trotzig auf die beiträge des reiches Ranke
s. w. 1, 91.