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trotzlich

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trotzlich

Bd. 22, Sp. 1155
trotzlich (trutzlich, tratzlich), adj., ein fast nur im 16. jh. gebräuchliches wort, meist als adverb zu trotzig neben der regelmäszigen form trotziglich verwendet. mnd. begegnet auch trasliken, s. Schiller-Lübben 4, 606 und treszliken, s. städtechron. 35, 1, 45; trastliken 16, 105, 15; die mundartliche verteilung der drei formen trotzlich, trutzlich, tratzlich, neben denen auch trötzlich, trützlich und trätzlich begegnen, entspricht der von trotz und trotzig. tratzlich, im 16. jh. weit häufiger im gebrauch als tratzig, begegnet auch im Elsasz (Geiler v. Keisersberg, Thomas Murner), wo heute tratzen (trätzen) ausgestorben ist. trotzlich (trötzlich) findet sich im 16. jh. auch bei Oberdeutschen: Seb. Franck, Jörg Wickram, Schaidenreiszer, trützlich bei Burkart Waldis. heute sind alle drei formen ausgestorben. vgl. auch die belege bei Fischer schwäb. 2, 326 und 2, 431, ferner städtechron. 5, 214; 16, 105; 33, 65; 33, 462. 11) 'hochfahrend, stolz'. die bedeutung ist der ganzen trotz-sippe von haus aus eigen und steckt auch in den nachfolgenden bedeutungsgruppen von trotzlich vielleicht hierhin: ach wie trazlich brogt dîn (der vrouwe) pfat! Frauenlob 29 Ettmüller; ret aber der sun mit einen knecht ..., so sind dieselben red hochmüeticlich und trutzlich zu lesen Terenz (1499) 8b; herr ... wie lange sollen die gottlosen pralen und so trötzlich reden und alle ubelthetter sich so rhümen? psalm 94, 4; solche stoltze geister und ungebrochene kopf, die so trotzlich her faren und wollen mit got pochen Luther 12, 499 W.; vgl. 30, 215; 18, 159; (der Pharisäer) vermiszt sich trötzlich, er sei für gott besser als ander leut Mathesius pred. v. d. wage gottes (1565) P 4a; der so trotzlich pocht, er künne nit irren Fr. Staphylus gr. abfall (1565) 39a; was den schnöden primat belangt, darin er doch so trötzlich prangt und als ein abgott tritt herein M. Rinckart christl. ritter 33 ndr.; die wurden von den anderen gar höfflich und trätzlich hernach in ihrer armut verspottet Stumpf Schweizerchron. (1606) 413a. 22) drohend; minanter auff tröuwende weisz, trutzlich; minax trutzlich, tröuwig, der tröuwt Frisius dict. (1556) 822a. schon mittelhochdeutsch bezeugt, vom kampf: (ein dît dî) mit aller macht widir den geloubin vacht in trotzlîchim drouwin, diz wârn dî Sudouwin Nicolaus v. Jeroschin v. 16743 Str. nu, so er (der teufel) sich lesst duncken, er habe einen anhang, bricht er trotzlich erfur Luther 18, 134 W.; und es rucket kaiser Ludwig herauf mit seinem volk trutzlich gen Lugenfeld in das Elsass Turmair chron. 2, 180 L. 33) 'herausfordernd, anmaszend': presumptuose trutzlich Diefenbach gloss. 457c; proterve trotzlich Calepinus (1598) 1180b. 3@aa) anscheinend hierhin: in dem ward ich herfert (erschreckt) durch vil der vogel stim die tratzlich süeszer grimm uffschrien gein dem himmel minnereden I 10, 72 Matthäi; sie (die päpstin Johanna) was so truczlichs gemütes, dasz sie sich nit fürchtet, den stul desz fischers ze besiczen und daruff alle hailikait wandlen und usztailen, das doch nie kainer frowen usz cristenlicher ordnung gegünnet ist ze handlen Stainhöwel de claris mulieribus 303 K.; die werber ... haben trotzlich mein hauss eingenommen Schaidenreiszer Odyssea (1537) 16a; dissem gepott gehen sie trotzlich und türstig unter sein augen Luther 10, 2, 135 W.; wie sie hoch, trutzlich, muettigklich auffstehendt, lerent, schreien, beweren, verwerfen dis und jhenes Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 53 ndr.; das alles sollent ir unverschempt thuon, trutzlich und getürstlich ... euch nichts hindern noch irren lassen Schade sat. u. pasqu. 2, 91; als übersetzung von audax : o grosser Jupiter, was grossen und trutzenlichen menschen Terenz (1499) 68b. 'mutwillig', vom verstosz gegen das gesetz: ob aber ainer ... so muetwillig, truzlich und frävenlich hier widder handlen, reden ... würde (1567) österr. weist. 5, 775; welcher fürsätzlich, muthwillig oder trutzlich darwider handlen wurde (1616) Lori bair. bergr. 502. 3@bb) besonders von verletzenden, anmaszenden äuszerungen, daher gerade neben verb. und subst. dicendi, vgl.: verba minantia tröuw- oder tratzliche und anlässige wort Frisius dict. (1556) 1560: trotzlike antwerde mit unhoveschen worden (1407) Schiller-Lübben mnd. 4, 616; si als tratzlichen wider mich reden d. heil. leben i. d. winterteil (1471) 202a; wie man sölch schnöd üppigkeit trutzlich und für gewüsz uf mich (Zwingli) red Zwingli dtsche schr. 1, 91; wo du mich mer mit sollichen trotzlichen worten wirst anfaren Wickram 2, 14 Bolte; du hättest dein bloderen nit so drützlich härusz gespüwen Eberlin v. Günzburg 1, 19 ndr.; etliche sagen, dasz papst Stephan kaiser Heinerichen der ketzerei beschuldiget und deswegen trötzlich wider ihn geschrieben habe J. Bentz päbstl. chron. (1604) 239; do schreib (er) ... denen von Baden ein tratzlichen brief, dass si wol für sich sehen söllend Tschudi chron. Helv. 2, 150; schrib ein trutzlichen brief 1, 107; ähnlich 1, 25; objectiver, auf die art der erwiderung gehend, vgl. trotzig als 'barsch, brüsk': da dise trutzlich stumpf antwurt des teutschen künigs Ernst in das römisch her kam Turmair w. 4, 1, 541 L.; Galmy dem neidigen Wernhard fast gütigklichen antwurt gab, wiewol er in so drutzlich angfallen hat Wickram 1, 64 Bolte; so einer doch leugt ..., spreche er nit trutzlich: du leugst, sunder pfeife darzu ebda 3, 19. als 'dreist, offen': es sprechen etlich frowen truczlich on alle scham, daz nichtz schmalichers ... ainer eefrowen widerfaren müge, wann daz die gerechtikait ieres schlaffbettes ainer andern frowen zugefüget werden sol Stainhöwel de claris mulieribus 238 Dr. 3@cc) in der religiösen literatur des 16. jhs. naturgemäsz sehr häufig mit dem sinn frevelhafter auflehnung: beleidigest mit villen auffrürigen tretzlichen leren die christenliche kirchen J. Dietenberger ob sant Peter zu Rom sei gewesen (1524) b 4a; abtrunnige pfaffen, ausgelauffene mönche, so ihre gelobnisse trützlich ubertreten und frevelich von sich werfen, durch apostatieren und weiber nemen Paulus Amnicola czu erweckung der schwachen ordenspersonen (1524) b 2a; wer sondere lere trutzlich gibt, die von gemainer kirch verworffen Berthold v. Chiemsee teutsche theologei 49 R. noch schärfer vom unmittelbaren verhältnis zu gott 'frevelhaft, ruchlos': wie kan doch (der mensch) wider seinen schöpfer so trutzlich handlen Wurm Barlaams eselin (1523) g 2b; das auch trutzlich Jesu von Nazareth in den mund griffen werde Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 58 ndr.; dasz er (kaiser Caligula) on scheuwen gantz trutzlich und ausz angemasztem stoltz und freffel sagen dorfte, er förchte keinen gott Kirchhof wendunmuth 1, 41 lit. ver.; den son gottes trötzlich verachtet theatr. diabol. (1569) 9a; verstockt, widersetzlich: der selbigen göttlichen warheit widerwertig sind und gegen dem wort gots sich trazlichen wören Schade sat. u. pasqu. 3, 59; darin (in den lastern) sie fürsetziglich, mutwillig und trotzlich fortfahren A. Taurer buszruffer (1596) e 2a; (die) gantz trotzlich mit der grossen part ohn busz zur hellen draben Ringwald evang. (1581) k 5b. 44) 'rücksichtslos, willkürlich' von gewalthabern, s. trotzig A 3: darumb hat er Ursatio und denen die bei im waren gwalt geben, trutzlich wider die kirchen zu handlen irs gefallens C. Hedio chron. Germ. (1530) 54b; des antichristlichen bapsts tyrannei, gewalt und mutwillen, so sie an der weltlichen obrigkeit und an andern ehrlichen leuten trötzlich und ungebürlich geübet E. Sarcerius hirtenbuch (1566) 223. ohne den negativen sinn: als barmhertzig sie (die regenten) seind den armen, als tratzlich sollen sie sein den schelcken, ... aber ... dem schalck ubersicht man und dem frummen ist man tratzlich und geferd Geiler v. Keisersberg brösamlin 1 (1517) 50. ganz sachlich: da ward nüzit gespart, das zuo einer tratzlichen gefenknus dienet zitglögglin (Basel 1512) 75a. 55) 'grimmig, wütend', von den den angriff oder die abwehr begleitenden inneren zuständen; zunächst vom kampf: tratzlich zerstieszen sich zwen berg volksl. 2, 308 Liliencron (um 1492); es ist ein sprichwort, der Hess kriegt trutzlich, der Wittenberger nutzlich Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 152 ndr.; und stritten zu beider seitten so trutzlich, das irer vil todt geschlagen worden Carbach Titus Livius (1550) 41a; attolit minas serpens richt sich zornig auf oder embört sich trutzlich Frisius (1556) 133b; dass alle ... dornschwein ... zu den hunden und jägern gantz trutzlich mit iren stachlen schiessen Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 35. als 'gereizt, ärgerlich': do ... gepart (das Christuskind) gar tretzlichen und sprach: ich laz mich niht also nieczzen nonne v. Engelthal 36 lit. ver. gelegentlich ist auch mehr als eine vorübergehende erregung gemeint, als 'grimmig': do aber die andern alle desz morgens von dem truczlichen vatter umb das grosz übel von inen volbracht (den mord) gelobt wurden Steinhöwel de claris mulieribus 59 Keller; dasz dieser hauff von trutzlichen nationen versammelt, so sie vom gemachten fried hörten, abgeschafft und sonst getrennt würden A. Reiszner Frundsberg (1572) 104a. als 'zänkisch': unliebs und übels (erlebte ich) ... besunder mit meinem zornigen trätzlichen weib städtechron. 5, 313; als 'eigensinnig-hartnäckig': pugnaciter certare de re aliqua von einem ding gantz eigenrichtigklich, kiblich, trutzlich zancken Frisius dict. (1556) 212a. 66) 'tapfer, mutig, unerschrocken', vgl.: pugnaciter streitbarlich, dapferlich, trutzlich Frisius dict. (1556) 1091a: verwaffnet sich Triaria so keklich, so ritterlich, so manlich und so trüzlich, umb ieren man ze beschirmen Stainhöwel de claris mul. 290 Dr.; wie Teurdank, der trutzlich held, mit dem fünften ritter des dritten tags teutsch stach Teuerdank 105 Haltaus; ebda 23; 46; 167; (die frauen) griffen die feind trutzlich an Turmair chron. 1, 957 Lexer; ebda 1, 739; 2, 180; 600; ein sonder mannlicher und trutzlicher man, ... was in zwentzig und hundert streiten und schlachten ... gewesen Carbach Livius (1551) 45b; dann wie der herr auff der jacht sich vor einem bösen wilden thier jetzunder vorsiehet und weicht, bald trötzlich und geherzt demselben unter augen gehet ... also auch in kriegen Lorichius paedagogia principum (1595) 303; auszerhalb des kampfes: von dem so wunderleichen mer dem richter dise junge magt also tratzleich het gesagt bei Diemer beitr. 2, 12; wer sich offenbarlich und so trutzlich vor dem künig ... entschuldiget ..., ist zu gedenken, das der war sag A. v. Pforr buch d. beisp. 70 lit. ver.; wann wir aber das behaubten und die Berner uns gelaubten, so seind sie alle tratzlich leut und bfesten unser sach mit streit Th. Murner von den fier ketzeren 80 F.; wenn er kondte und dorfte künlich und trotzlich mit den heiden reden F. Fabri eigentl. beschr. (1557) 120a. mehr als 'keck, dreist, verwegen': wann ich eurs geleichen wär ... so wolt ich bstan ein trutzlich stück Teuerdank 205 Haltaus; so ihr ewer sachen auff solch kecklich, drutzlich that setzet, sein euch die weisen wennig nutz oder schade J. v. Schwarzenberg büchlein vom zutrinken 30 ndr.; also uberzoch sie der bischoff und trötzlich bracht ers in seinen gewalt J. Herold chron. aller ertzbischoven zu Maintz (1551) 48b. anscheinend hierhin auch: musca haizt ain muck oder ain flieg, diu hât die art, daz si gar trätzleich fleugt und hât daz lieht liep Konrad v. Megenberg buch d. natur 304 Pf. ungewöhnlich neben intellectuellem begriff: dann der jung mann hett ein hurtig gemüt, ein trutzlichen verstand (animo alacrem, ingenio potentem) M. Herr sittl. zuchtb. (1536) 224a oder in ethischem sinne: (der oberfeldherr soll) seinem gerechten fürnemmen also trutzlich nachkommen Fronsperger kriegsb. (1578) 174b, doch vgl. trotzig C 1 d. 77) bei Luther 'vertrauend', 'zuversichtlich aus gläubiger gewiszheit': der wird ... mit gutem mut ... hinein gehen in jenes leben, also das er trutzlich sterbe und das leben verachte Luther 14, 24 W.; gern bei bestimmten verben: ich will gott die sache heimstellen, den hals dran wagen mit gotts gnaden und mich trötzlich auf ihn verlassen 18, 316; ebda 18, 313; 24, 475; weil wir denn solchs wissen und gleuben, so können wir auch widderümb die welt ja so trötzlich verachten als sie uns thut 36, 459; ebda 32, 339; das ist eine rechtschaffene liebe, die solchs trotzlich rhümen kan 34, 2, 401; ebda 36, 476.
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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    trotzlichAdj.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    trotzlich , Adj. Vw.: s. trazlich

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    trotzlich

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    trotzlich (trutzlich, tratzlich), adj., ein fast nur im 16. jh. gebräuchliches wort, meist als adverb zu trotzig neben d…

  3. modern
    Dialekt
    trotzlich

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    trotzlich Band 4, Spalte 4,737

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Ableitung von trotzlich

trotz + -lich

trotzlich leitet sich vom Lemma trotz ab mit Suffix -lich.

trotzlich‑ als Erstglied (1 von 1)

trotzlichkeit

DWB

trotzlich·keit

trotzlichkeit , f. , nur in den formen trutzlichkeit und tratzlichkeit für die zeit des 15. und 16. jh. bezeugt. als ' aufsässigkeit, widers…

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APA
Cotta, M. (2026). „trotzlich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/trotzlich/dwb?formid=T13012
MLA
Cotta, Marcel. „trotzlich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/trotzlich/dwb?formid=T13012. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „trotzlich". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/trotzlich/dwb?formid=T13012.
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