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knecht

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

knecht m.

Bd. 11, Sp. 1380
knecht, m. puer, famulus, servus, ahd. chneht, mhd. kneht, ags. aber noch cniht mit dem urspr. vocal, denn das e ist ein gebrochnes, wie noch die heutige aussprache zeigt und das collectiv giknihti n. bei Otfried; auch altfries. kniucht steht für knicht (s. gramm. 13, 407), vergl. die ags. nebenform cneoht; nd. nl. knecht, engl. knight. entlehnt sindn. knegt, schwed. kneckt, das auch mnd. sich findet (nrh. Dief. 613b s. v. verna), lapp. knikt miles. vom ursprung s. knabe, mit dem es auch in der bed. ursprünglich überein kommt; das t wird gleich stehn mit dem d in kind (vgl.knehd Hattemer 1, 201b), sodasz sich, nach nd. lautstufe gefaszt, als wurzel knik ergäbe, eine umgestaltung des ursprünglichen kin. 11) Eigentlich bezeichnet es das männliche geschlecht, mas, masculus, puer, wie nl. noch bei Kilian, auch hd. in voc. d. 15. jh. puer, knecht. 1@aa) so in bezug auf die geburt. ahd. wird puerpera erklärt mit khnehtperan[di], qui (so) primum masculum parit, thiu êriston kneht pirit Hattemer 1, 201b, puerperium mit khnehtkiperandi das.; da musz wol sogar mit khneht (wie mit dem lat. worte auch) kind überhaupt gemeint sein, wie noch mhd. (14. jh.) mit stiufkneht Wack. leseb. 1859 973, 7 stiefkind überhaupt, s. auch unter 2, c; das erklärt sich unter kind 4, a sp. 713, es ist das gegenstück zu kind für sohn; knehta heiszen T. 10, 1 die kinder in Bethlehem, pueri. ebenso mhd., z. b.: ab der vorgenante er (herr) Friderich mit tôde abe gienge und rechte (männliche) lêhenserben nicht enlieʒe, daʒ denn alle sîne tochtere .. lêhenwirdig sîn sullen ... als ob si knechte geborn wêren und mannes namen enphangen hetten. urk. von 1370 Haltaus 1106; worde iʒ (das zu gebärende) ein knechtchin, sô solde manʒ ... Ködiz Ludw. 53, 1; und gepar gar ain schönes chint, ain chnechtel. gesta Rom. 60 (nachher degenchint). 1@bb) knabe: wenne ein knecht (var. knabe) zwelf jâr alt ist, sô mag her vormunden entperen. kulmisches recht 4, 106; machet ein man sîme wîbe, knecht adir mait adir andirs îmande ein lîpgedinge u. s. w. 4, 54, hier gleich 'sohn oder tochter' (wie umgekehrt alem. tochter für mädchen überhaupt); junge meide sich nu niht schement, daʒ si sich knehte spil an nement (knabenspiele mitmachen). Renner 12569. Schmeller citiert aus Lang bair. jahrb. 337 lerner des knechts (d. i. hofmeister des jungen herrn) von Risenburg, v. j. 1284, wie sonst der junge von R., doch zugleich mit der bed. 4, a. noch jetzt am Rhein knêcht kleiner knabe, meist liebkosend (Kehrein Nass. 233), in Schwaben von knaben auch vornehmer leute, 'das ist ein rechter knecht' sagt das bauervolk liebkosend. Schmid 319, bair. im deminutiv, schweiz. du hest e rächte chnächt a der hand, senties quis fiat Schmidt id. bern. (Fromm. 2, 371b), 'aus dem wird einmal was rechtes', du bist mîn kneht, knehtle! lobt eine Bregenzerwälder mutter kosend ihren braven knaben (Bergmann im cimbr. wb. 137a). s. auch knechtchen, knechtlein. 22) Jüngling, junggeselle, man vergl. knabe 2. 2@aa) so knecht allein: der knecht nimpt zu wie die reife gerste, hic juvenis crescit veluti quod crescere nescit. Gartneri dict. prov. 57b; ist abir daʒ ein knecht loufet ûʒ sînes vater erbe mit einer juncvrowen oder verlobit sich wider sînes vater willen und sîner mûter. Freiberger stadtrecht 5, 5 s. 173 bei Schott; ouch ist unse recht, welch man edder knecht nême eine hûsfrouwen. stadtr. von Clingen (14. jh.) bei Michelsen rechtsdenkm. aus Thür. 192; welch man adir knecht nehme eine junkfrauw adir eine frauwen. stadtr. v. Arnstadt (15. jh.) das. 34. im Augsb. stadtr. sind wirt und knecht gegenüber gestellt, ehemann und junggesell. auch nd., z. b. im Bremer stadtrechte: de vormunder schölen vormunder bliven den jungfrowen, wente (bis) se to vöftein jaren kamen, und den knechten to achtein jaren. brem. wb. 2, 821; von einem jungen burschen der sich als mädchen verkleidet: he konde sik in dem habit schicken so recht, als were it eene maget un nich een knecht. Lauremberg 20 (2, 142). auch nl. knecht juvenis, puer bei Kil., obwol er die bed. servus schon voranstellt. auch studenten hieszen einst so, bursenknechte Uhland volksl. 684 (16. jh.), studierknechte Simpl. 1685 2, 273 (späterer zusatz), doch letzteres scherzend, wie noch unterm volke studiermachergesellen. 2@bb) genauer lediger knecht: handwerksleüt und ire knecht, auch sunst ledig knecht söllen kain tuoch zu hosen oder cappen tragen des die eel uber drei ort ains guldens cost. reichstagsabschied von 1500 D 2b; dem breiggalt (bräutigam) sind seine hosa so greacht, as gaond mit im zwean ledige kneacht (im brautzuge). schwäb. lied 17. jh. Frommann 4, 92. auch junger knecht imberbis Dief. 287a, wie junger knabe sp. 1314: bruoder Berhtolt (redet ein junggesell den prediger an, der die 'junge welt' zur ehe mahnt statt der unkeuschheit), ich bin noch ein junger kneht, unde diu mich gerne næme der enwil ich niht, unde die ich gerne næme diu wil mîn niht. Berthold 278, 28 (80 Kl.). 2@cc) es musz im 15. 16. jh., wie knabe, auch als gesellschaftlicher, titelmäsziger name der junggesellen gegolten haben, wie sie ihn ja in den rechtsbüchern führten, und das wird uralt sein: der edel knecht der frawen recht tet da sein herz entschlieszen. Hätzl. 35a, in dems. liede der geselle jung 33b, gesell 36a; ein mädchen sagt von ihrem liebhaber, auf die frage ob er von adel sei und im turnier reite: das ist mir von im nie gesagt, er gat als ain ander knecht uf ainem pflaster das ist schlecht. 164a, d. h. 'das zwar nicht, er geht zu fusz wie andre junge bursche'; es gieng ein wolgezogner knecht wol über ein praite aue. Uhland volksl. 661. 662. auch in dem allgemeineren unter knabe 2 gezeigten sinne, wie geselle, bursche; die jungen leute die die fastnacht feiern, heiszen fasnachtknechte (vgl. kirchweihknabe): doch wer der narrenweis thut recht, der ist ain guter vasnachtknecht, es sei von mannen oder von weiben. fastnachtsp. 735, 6, als allgemeiner fastnachtstitel, ähnlich den pfingstburschen und manchen zusammensetzungen mit geselle, aber hier selbst mit einschlusz der frauen (s. 1, a), vgl. übrigens guter knecht u. 3. 2@dd) besonders frischer knecht, wie frischer knabe, lebemann, frischer junggesell; wie fest das war, zeigt folg.: ich was Hänslin frischer knecht, sprang über alle misthaufen, erzählt von seiner theilnahme an einem lustigen hochzeittanz der Augsburger V. C. Schwarz i. j. 1560 (Scheibles kloster 6, 429), das 'frischer knecht' ist da wie ein eigenname behandelt (vgl. 4, 206 unten, besonders 213), wie Hänslin groszer knecht 3, d. schon früher auch im schlimmen sinne gebraucht (wie knabe sp. 1315): frischer knecht sang von alten egestern und fragt, ob im disz gefiel! Uhland volksl. 618, wieder halb wie eigenname, es ist aber ein landstreicher, lotterbub, einer ausz der schelmenzunft das.; wer ietz kan ungewonlich schwür (flüche), die dann verbieten duont all recht, den halt man für ein frischen knecht. S. Brant narrensch. 87, 13. 2@ee) noch im 17. 18. jh. auch in der mitte Deutschlands: wer ist er denn den sie nimbt? ... ist es ein wackerer knecht? 'je, es ist so ein straff kerl als ich mein tage einen gesehen'. Schoch studentenleben D 2a, freilich in bauernmunde; aber Stielers angabe er ist ein feiner knecht, egregius est adolescens 994 wird noch aus gebildeter rede sein. ein junggesell klagt gegen seine mutter: soll ich funfzehn jahr noch warten (mit heiraten) und ein alter tanzknecht sein? Weise überfl. ged. (1701) 400, es entspricht der 'tanzjungfer' und dem fasnachtknecht vorhin unter c. auch knecht als ehrenname der junggesellen zeigt noch im 18. jh. brautknecht, brautführer Rädlein 161a, entsprechend der brautjungfer (vgl. brautdiener, brautlümmel): ich armer brautknecht habe nun mein ämtgen übernommen: ich soll galant und artig thun, wie wird mir das bekommen? ich sollt ein knapper junker sein u. s. w. Picander ged. (1732) 3, 371, ein glückwunsch nach der hochzeit von dem so genannten brautdiener, wie die überschrift moderner sagt; vgl. hochzeitknecht Uhland volksl. 38, Rädlein 550a (hochzeitsknabe sp. 1316 unten); wie fern liegt uns jetzt das alles, dasz wirs kaum noch vermögen aus diesen stellen den niedrigen begriff hinweg zu denken. 2@ff) und doch lebt es noch heutzutage an den rändern unsres sprachreiches, unterm volke. in einem bair. schnaderhüpfel Schm. 2, 369 werden ein lebfrischer bue und ein langweiliger knecht sich entgegengestellt, beides von jungen burschen, knecht aber schon geringschätzig, 'kerl' (s. 3, c). aber der brautführer heiszt noch schwäb. ehrenknecht Schmid 170, lüneburg. der hochzeitbitter bröddegamsknecht weim. jahrb. 3, 365, der junge bursche überhaupt in Ostfriesland frêknecht (der freien kann) Frommann 4, 359, kurzweg knecht aber, mit aller ehre, in den cimbr. gemeinden ('giovine da matrimonio, celebe, galantuomo' Schm. 137a), im Kuhländchen (Meinert 404), in Siebenbürgen; hier bilden sie auch noch eine bruderschaft mit einem altknecht an der spitze (Schuller beitr. 32). der hagestolz aber heiszt dort wittknecht (wie 'wittmann'), im Kuhländchen fein herbstknecht, wie ähnlich schles. vesperknecht (s. unter flederwisch). am alterthümlichsten in der Schweiz, 'junger rüstiger bursche voll strotzender kraft' Stalder 2, 114, und das ist vielleicht genau die urbedeutung (vgl.'held' unter 3); daher selbst ein verbum knechten, sich als solchen zeigen, von einer bewundernswürdigen kraftäuszerung sagt man 'das ist geknechtet'! 33) Auch für mann überhaupt, wie knabe 3. 3@aa) knecht allein für mann, selbst gleich held: noch dede hei me swaren (schwören), alle de da eigen waren, de vriede hei mit erem geslechte, it weren wif ofte (oder) knechte. Karlmeinet 351, 22; ebenso im 14. jh. ein ieglich knecht, jeder mann lieders. 2, 311. 313 (leseb. 1859 961, 14. 962, 32). ahd. wird vir fortis mit chuonêr chneht übersetzt, vir allein mit guot chneht, aber auch athleta mit bloszem chneht (Graff 4, 577), sodasz die bedeutung tapfrer mann, held schon in chneht allein enthalten war, s. dazu knechtheit, knechtlich, die ahd. mhd. tapferkeit, tapfer bedeuteten (vgl. virtus von vir). doch wird auch das von der bed. 2 ausgegangen sein, mann in voller jugendkraft und frische. ebenso bezeichnete degen männliches kind, jüngling und held, und das südsl. junák held, krieger ist eig. nur 'junger mann'. s. auch 5. 3@bb) jenes guot kneht bedarf besonderer betrachtung, es ist mhd. sehr häufig und erscheint da wie der ehrenname des rechten manns unter den leuten, ganz eingewachsen auch in die höfische rede, aber offenbar aus altheimischem gebrauche, nicht nach dem französischen. 3@b@aα) besonders zur bezeichnung heldenhafter tapferkeit, guot im alten sinne von rechter mannheit (vgl.guoter helt, ritter guot, eʒ guot tuon tapfer kämpfen, bœse aber gleich feig), gleich dem alten guotman, guot man (RA. 294, altd. gespräche nachtr. s. 251. 236), altengl. goodman, schott. gudeman: si sint guote chnehte, geturren wole vehten. gen. 86, 31; zû deme swerte was er ein gût knecht. Roland 23, 14 (Strickers Karl 1274), in einer hs. ohne art. gût knecht, wie oben frischer knecht (2, d), wie guot man Parz. 740, 30; si wâren guote chnechte, des keiseres vorvechten. Roland 3, 8; jâ vâchten, herre, dîne man, sôʒ guoten chnechten wol gezam. 229, 22; wir habin sô guote knehte (zum kampfe) unde sô manigen dietdegen. Lamprecht Alex. 4392 W.; mih hete Darius irkorn zeinem guoten knehte. 2597; mit den zwein gûten knehten (Turnus u. Eneas), die dâ wolden vehten. Eneit 321, 33. 320, 29 u. o.; die dâ gûte knehte wolden wesen, der nande her (Ascanius) sô vil mit namen, daʒ si sich alle begonden schamen. 190, 8, besonders deutlich, die helden sein wollten, nicht verzagen trotz der übermacht der fast siegreichen feinde; dô sach man sî vehten glîch zwein guoten knehten. Erec 834 unser blœdeʒ vehten gezimt niht guoten knehten. 902; ze sehenne ein vehten von zwein sô guoten knehten. Iwein 6934. 7342; hei waʒ dâ (im kampfe) guoter knehte gevellet und geveiget wart. Trist. 43, 30; ist er ein sô guot kneht (in C frumer kneht), als man iu gesaget hât. Wig. 70, 36, letzteres bezieht sich auf die worte vorher nu pflac er solher manheit, daʒ in dâ niemen torste bestân. 69, 39; der muoʒ zehant in einen rinc, mit mîme vetern vehten, als sit ist guoten knehten. Lanz. 1746; dâ wart (im turnier) von guoten knehten vil kleider ab geriten. Nib. 557, 1; von der guoten knehte nôt. klage 2150 BC (in A recken). 3@b@bβ) oft aber auch als allgemeines lob, ein trefflicher braver mann, ein biedermann, ehrenmann u. dgl.: Karl (der kaiser) ist selbe ein guot kneht. Roland 82, 18. Karl 2811; der ist niht guot kneht (kein braver mann), der dâ habet unreht, swie vil man in gelêret, daʒ er sich niht bekêret. Karajans sprachd. 21, 14; ir (Iwein) habt alsô gelebt unz her ... nâch êren als ein guot kneht. Iwein 2901. 2513; owê wie manic guot kneht (in der belagerten stadt) mit dem grimmen tôde ranc. Servat. 1770; nach âventiure wâne reit der guote kneht Êrec. Er. 3111. 3344; Gâwein der guote kneht. 1628; eʒ lâgen undern benken (vor furcht und schreck) vil guoter knehte wider ritter rehte. 6645. 1614; den selben guoten knehten (den Schwaben) geburet daʒ vorvehten. Ebernand 657, halb launig neckisch. 3@b@gγ) daher einem gesellschaftlichen titel gleich, mit dem man andere nennt oder anredet: Randolt sprach 'daʒ (urtheil) ist reht, des volget (das bestätigt) manec guot kneht'. Reinhart 1634, vgl. 2010; man sols ûf einer hürte verbrennen nâch rehte, ob dise guoten knehte wellen gevolgen. Flore 6654, d. i. falls 'die herren' (die anwesenden, der hof 6660) das urtheil gut heiszen, als reine titulatur; des jâmert manegen guoten kneht. Ebernand v. Erfurt 1450, von den anwesenden rittern, vgl. Erec 1501. 3658. 7017; nu hêrre, sprach er, hie bin ich und vordere mîn kamphreht: wâ ist nu der guote kneht, der mich von mînen êren hie wænet umbe kêren? Trist. 278, 2, da erhält der gegner, der beleidiger in ritterlicher weise den titel, wie man noch jetzt gerade da den vollen titel nennt; unserm guoten knehte. Lanz. 1992. 3620, der dichter sagt es von seinem helden, so dasz der begriff held, wie vorher oft, noch mit darin enthalten ist. in der anrede, gerade auch da wo man mit einem gegner zu thun hat: Êrec sprach: herre guot kneht, ir habt den sperwær âne reht genomen disiu zwei jâr. Er. 699; entriuwen, herre, guot kneht. Trist. 137, 18; dô sprach diu kuneginne: her guot knecht, swie wir wîp sîn u. s. w. Herbort 14781; der rîter sprach: her guot kneht, ich wil iu râten waʒ ir tuot (conj.): nu lêrt iuch selben, daʒ ist guot. Wig. 75, 23. es scheint aber da 'her guot kneht' mit éinem tone, guotkneht (schon unter α. β?), wie 'her guotman' als anrede im Ortnit 76 Ettm., auch guotman allein, wie biderman. daher nhd. Gutknecht als name, wie Gutgesell, Gutmann, schon goth. 'Gôthman' Haupt 1, 390. 391. 3@cc) sonst auch frumer kneht (vorhin Wig. 70, 36), tiurer kneht (Alexander heiszt so 1653 W.), werder kneht (Wig. 194, 32), sneller kneht leseb. 254, 6; der gereimte prolog zum Sachsensp. bittet um die hilfe wîser knechte zur prüfung des werks (3. ausg. s. 137). aber auch bœser kneht, tumber, armer kneht u. dgl., sodasz es deutlich in die allgemeine bed. des nachherigen kerl übergetreten war, das eig. auch held, rechter mann bedeutete: wer gern verlüset und gern hilt und gerne fint und gerne stilt, wil man nemmen den nach recht, so haiszet er ein böser knecht. W. Grimms Freidank s. 218 (2. ausg. s. 162), ein böser kerl, bœse wiht, auch in dem echten spruche das. 49, 8 ist es vielleicht nicht blosz von dienern gemeint (s. die anmerkung zu 49, 1): müeʒekeit hât daʒ reht, si machet manigen bœsen kneht. Hartmann nennt sich einen tumben kneht, wol in demselben sinne (vgl.dummer kerl im hausdeutsch): sî muoʒ von mir belîben ungelobet nâch ir rehte, wan des gebrist mir tumben knehte. Erec 1602, es entspricht dem nû bin ich niht sô wîser man u. s. w. 1591 (tump unerfahren); diu sorge tuot eim armen knehte wê, daʒ ieman fremder an sîn bette gê. Neidhart 103, 13; er (der rechte ritter) sol durch arme knehte, durch weisen und durch armiu wîp wâgen sîn guot und sînen lîp. w. gast 8674, wol auch allgemein hilfsbedürftige leute, denn es entsprechen sich arme knehte und armiu wîp, vgl. 6, c a. e. ähnlich englisch knight z. b. in cowardly knight Shaksp. k. Henry VI 1. th. 3, 2. 3@dd) das galt denn auch nhd. noch lange, zuletzt nur noch in gewissen festgewordenen verbindungen: Jesse, du bist ein frölicher knecht. Mones schausp. d. m. 2, 189; ach du (Jesus) bist ein hüpscher knecht. 294 (hübscher man 275); wenn hats ein end, ir fulen knecht? 319, (ir fulen man 316); bis David kam, der trüwe knecht. 335; wer iederman künd dienen recht (es jedem recht machen), der mst sin gar ein guoter knecht. Brant narr. 41, 24, wir können guter kerl dafür setzen, wie im folg. fauler, hübscher kerl u. a.; haben die ret (räthe) erkant zuo recht, das die haubtlewt sein pese knecht worden an der edlen künigin. Teuerd. 109, 150, zu bösewichten, zu schurken, 'schlechten kerlen' geworden sind an der königin, wie wir noch sagen (sp. 589); o sommer, du bist ein seltsamer knecht, du tuost auch nit eim ieglichen recht. Uhland volksl. 28, der winter zum sommer im streitliede; der vater sprach: du sagest recht, erbeit und sparn macht reiche knecht. Rollenhagen froschm. Aa 5b; der ist hierzu ein rechter knecht (der rechte mann). Ayrer fastn. 128b (2977, 2); so lang dieselbige (die Schweden) wellich, strömling und kackenbrö (s. knackerbre) fressen, sind sie gute knecht, so bald sie etwas bessers bekommen, werden sie muthwillig. Schuppius 350; quecksilber und das blei gesellen sich nicht recht; was soll ein junges kind (mädchen) dir, Veit, du alter knecht? Logau 3, 2, 31, ganz wie alter kerl, oder wie alter knabe, sodasz knecht unter 2 gehören würde; dieser dreckichte knecht (Rogier, einer aus der gesellschaft), der allezeit trachtete die leber zu kühlen. Happel acad. roman 38. dem Hänslin frischer knecht unter 2, d steht gleich folg. (wie auch sonst natürlich 2 und 3 mehrfach verflieszen): unterwegs kamen zween kerl zu mir, darvon war der eine Hännslein groszer knecht oder wolte es wenigst sein, dann er schnitte auf von seinen weiten reisen. Simpl. 2, 323 (3, 410 Kurz, vogelnest 1, 18). ja bin ich dem gewande gar ein zu groszer knecht, an lenge und an der weite ist es mir nindert recht. Wolfdietrich 432 bei Hagen heldenb. 1, 128. ja noch im 18. jh. in folg. unverkennbar: herr professor, hör er doch an, was hab ich armer teufel gethan ... dasz er seinen kunstrichterbesen als ein groszer baumstarker knecht (kerl) nach mir geworfen? das ist nicht recht! Rost, der teufel an Gottsched, Schmidts anth. 1, 215. es gilt nämlich landschaftlich bis jetzt, z. b. schweiz.: es brucht e rächte chnächt darzue. Fromm. 2, 371b, das kann nicht jeder, dazu gehört ein tüchtiger kerl, knecht in dem kraftsinn wie u. 2 und wie kerl eigentlich, vgl. rechter knecht unter 1, b. auch nd., in Holstein z. b. du büst 'n schönen knecht! ironisch, auch knecht! wat wustu, kerl, was willst du. in tadelndem sinne, wie stubenknecht, ignavus socius. Stieler 995, stubenhocker, schmeichelknecht u. a. 3@ee) auch von thieren (und dingen), wie kerl, z. b.: der wolf spricht 'du dürrer knecht (der hirsch), du muest durch meinen kragen (hals) sein gerecht. weidspruch, weimar. jahrb. 3, 346. mit obscöner personification, wie kerl, knabe, geselle: stuond im der knecht in der bruoch (hose) auf. Bebels geschwenk Q 4a; schon mhd. Kellers erzähl. 435, 23, und noch bei Göthe. 44) Gleich knabe 4, knappe 3, eigentlich jüngling als lernender und dienender. 4@aa) beim adel, knappe, der bei einem ritter dienend die ritterschaft lernt und bis zum ritterschlag den namen kneht führte, altfranz. varlet, vallet. 4@a@aα) zur unterscheidung von den andern knechten hiesz er edelknecht, mhd. edel kneht, auch wolgeboren kneht, kneht zum schilde geboren (RA. 304) u. a.: ich wil einen edeln kneht (singt eine bauerdirne), kein Gôʒbreht (ein bauernknecht) kumt ze mînem lîbe, mich mache (denn) ein edelkneht ê zeinem wîbe. Neidhart lii, 4 H. (MS. 2, 84a); ein dienstman haben sol ze reht rîtær und edel knehte, die gerne unde rehte im dienen eigenlîche. Helbling 8, 30. 152; nie dienstman wart ze rehte, ân (auszer) ritær unde ân knehte die ouch rîtermæʒic sîn. 15, 192; einen wolgeborenen knecht. urk. v. 1341 Haltaus 1105, einen ritter oder einen êrbæren rittermæʒigen chnecht. das. v. 1315 (ehrbar noch nicht im jetzigen sinne); und hielts für eines ritters pflicht, vom kampfplatz (des wetttrinkens) eher nicht zu weichen, als bis sein feind zu boden lag. ein scythisches axiom, worinn auf diesen tag ihm zwischen dem Ister und Rhein viel edle knechte gleichen. Wieland neuer Amadis (1771) 2, 75. 4@a@bβ) bei aufzählung des gesamten reichsadels stehen die knechte zuletzt: ir herren, ritter, knehte, tuot nâch dem alten rehte durch got und durch iur werden ritterlîchen prîs. Frauenlob spr. 331; fursten, graven, herren, ritter und knecht. Haupt 1, 435, v. j. 1400; am dinstag .. hat Wolf von Seinsheim .. (des) Michel von Seinsheim helm und kleinat (sp. 1126) auf dem rathaus (zu Würzburg) mit einem hackmesser zuhawen vor manchem (in bestätigendem beisein vieler) herrn, ritter und knecht. archiv d. h. vereins v. Unterfr. u. Asch. 19, 2, 209, v. j. 1486; wir gebieten hierauf allen und jeden, churfürsten, fürsten, geistlichen und weltlichen, prälaten, grafen, freien, herren, rittern, knechten, landvögten, hauptleuten u. s. w. urkunde des kaisers Ferdinand III. v. 1653 bei P. Wigand, denkw. aus dem archiv des reichskammerg. s. 208; allen fürsten, herzogen und graven, vreiherrn, rittern, hofeleuten, knechten und underthanen und getreuwen des reichs. urk. v. 1490 das. 135; uf ein zeit hilten die .. fürsten von Brunschwick ein .. tornieren mit vil frembden fürsten und heren, ritter und knechten .. und mit iren hintersassen. Eulensp. 88 s. 128 Lapp.; wolauf, grafen, freien und herrn recht, alle edel, dazu ritter und knecht, auch alle gute gesellen, die heut mit ins gejaide wöllen. weidspruch nr. 71, 'die herren aufzuwecken', vgl. weim. jahrb. 3, 350. 4@a@gγ) hauptsächlich bezogen sich ritter und knecht auf einander, und diesz verhältnis stand zugleich über allen andern standesverhältnissen oder durchkreuzte sie gleichsam, so dasz es für alle galt, auch für fürsten und könige: ich wil ritter werden ê, sprach er (der fürst), ê danne daʒ ergê (die nochzeit). eʒ sol an eines knehtes arm mîn vrouwe nimmer werden warm. Mai 81, 9. vgl. 82, 37. 83, 4 und sp. 1320 (α); dô der künec leite swert (bei der schwertleite), der herre in knehtes namen kam und ritters namen alhie genam (empfieng). g. Gerh. 4957, vgl. 3930. 4075; des zoch der kaiser aus sein swert (vor der schlacht) und sprach 'ir seits der eren wert'. er schluog sie mit der chling entwers (quer über), und ward in singend disen vers (recitativartig): 'hie besser ritter danne knecht!' Wittenweiler ring 51d, 42. das wertverhältnis von knecht zu ritter zeigt folg.: sô solen wir în varen zu Grimberg mit uns selves lîve (in eigner person), of (oder) einen ritter of zwêne walgeboren knechte vor uns senden darîn. nrh. urk. von 1323 bei Höfer auswahl 167, also zwei knechte gleich einem ritter (vgl. sp. 1313 unten); im Löwlerbunde hatte ein graf oder herr 5 gulden, ein ritter 3 g., ein knecht 2 g. jährlichen beitrag zu leisten, s. Schmeller 2, 370. in unterschriften von urk.: herr Sîverd (Siegfried) von Saldere, ridder, und Sîverd von Saldere, knecht. Frisch 1, 527b; Herman von Redere, knecht. Höfer auswahl 165. 4@a@dδ) daher formelhaft ritter und knechte ('equites aurati cum strenuis famulis' Stieler 994), ritter oder knecht u. dgl., in amtlicher rede sowol (in lat. urk. milites et famuli) als in der rede des volkes: auch sollen die ritter und knecht des heiligen reichs in disem loblichen cristenlichen werk (dem Türkenkriege) .. ausz adellichem gemt, zu behaltung und rettung irer selbs vatterlands .. nach irm vermugen auch etwas thun. reichstagsabschied von 1500 B 1b; rittern und knechten des hailigen reichs. D 6b gleich der ritterschaft vorher; da sasz der bischof mit seinen rittern und knechten (bei tafel). Eulensp. 87 s. 126; und die ritter und knecht boten dem bischof ein ieder ein feisten ochsen. s. 127; wann (denn) ritter und knecht freis gemt nemen (empfangen) von rainer frawen gt, so si nach iren hulden streben. Hätzl. 119a; wann ainem ritter oder knecht aine fraw ir lieb vergicht (bekennt). das.; mich freut chain ritter oder knecht. 216b, klagt eine frau; wärs sitt dasz die frewlein harnisch trgen als ritter und auch knechte, so wölt ich mit dem jungen von Wirtenberg wol umb mein feins lieb fechten. Uhland volksl. 299; was soll mir das rote gold (der ring), so ichs nit tragen soll vor rittern und vor knechten? 163; do sie nu gen Augsburg kam ... sie fragt wol nach dem besten wein, da ritter und knecht bei saszen. 675; der ulen nest (Peine) men stormen sach van ridderen und ok knechten. Soltau 2, 90; du solt beistan dem rechten mit andern rittern und knechten. Soltau 1, 257, an Ulrich v. Hutten; und wer mirs vor die augen brächt, es wäre ritter oder knecht, der soll mein trauter bleiben. Göthe 1, 189 (blüml. wunderschön), genau wie in den mhd. gedichten in ähnlichem falle eʒ wære ritter oder kneht, noch im 15. jh. es wäre ritter oder knecht. Hätzl. 170b. 4@a@eε) wie aber edel, adel im engern sinne den höhern adel bezeichnete, so werden diesem auch knechte von niederm adel entgegengesetzt: wers (die räuber) usz und in tuot laszen (in burgen), si (sei er) edel oder knecht, ist mit in gleichem recht (gleich strafbar). Uhland 371, in einem liede wider den fränkischen adel, das über räuberei gegen die kaufleute klagt; dem adel will nit klecken (ausreichen) sin gült (einkünfte), als ('s) etwan was, so will dem knecht nit schmecken sin sold, was schaffet das (wird daraus)? 372, die knechte scheinen armer, niederer adel in kriegsdiensten bei herren (zugleich nach der bed. 5), denn in der str. vorher heiszen beide adel; in dem von ihnen selbst gesungenen liede, worauf jenes die antwort ist, nennen sie sich uns armen reutersknaben 368 (s. sp. 1321 mitte), der reutersorden, uns arme knecht 369. gegen eine reiche kaufmannstochter singt ein solcher: brauns meidlin, lasz mich unverschmächt! ich bin (zwar) meins guots ein armer knecht, ich bin (aber doch) wol deines gleichen: ein reicher kaufman kan werden arm, ein armer reuter reiche. 389, sie hatte ihn verschmäht, weil er kein edelman wäre, er aber ist ein 'verarmter knecht' von adel, ein armes reuterlein, ein freier hofman, d. i. der sich aus dem stegreif nährt, auf der landstrasze. in meier Betzen hochzeit werden aber solche raubgesellen halb edel genannt (Hätzl. 261a), im Renner 1698 halp edel knehte, sie sind dort mit bauern gut freund und sind selbst von 'buntscheckigem geschlechte' (s. 3, 1323), d. h. sie stammen aus vermischung von edlen und bauern, über die schon am ende des 13. jh. klage geführt wird (s. Helbling 8, 197 ff. Helmbr. 480 ff. 1372 ff. 1384 ff.), vgl. halpritter Renner 1504 (Mones anz. 6, 380 mitte, städtechron. 4, 123, 27). 4@a@zζ) übrigens konnte auch innerhalb des adels einer zugleich ritter und knecht sein, ja seinem herren gegenüber zugleich eigen als dienestman, wie das Reinmar von Zweter einmal zusammenstellt zur hervorhebung der widersprüche darin, die er dann moralisierend löst: ein herre, von gebürte frî, daʒ der ein dienestman, ein ritter und ein kneht doch sî, dar zuo ein eigen man: wie daʒ geschehe, des wunder (conj.) man noch wîp. MSH. 2, 187. vergl. engl. knight ritter, noch jetzt von der ersten klasse des niederen adels, der gentry. s. auch schildknecht scutifer, schwertknecht satelles Dief. 513c, schon ahd. chneht vasallus, vassus Graff 4, 577. 4@bb) bürgerlich, in den gewerken, wie geselle, knappe 3, b, knabe 4, b; ebenso nl. knegt, und wieder auch altfranz. varlet, vallet. da alle diese ausdrücke auch höfisch sind, sieht man wie alle stände nach gleicher form geordnet waren. 4@b@aα) auch kneht so schon mhd.: einem knehte rief er dar (Joseph, der zimmermann). kindheit Jesu 1373 Feif.; der kneht misseworhte dô, daʒ er eʒ (das holz zum bett) versneit. 1378, Joseph heiszt sîn herre 1383, wie beim adel; burgerknehte und antwürkerknehte. stadtr. von Meran Haupt 6, 427, die erstern sind wol ledige bürgerssöhne; îglîcher meister der einen knecht ûfnemen wil, der (knecht) sal sîne gebort (eheliche geburt) vorhin mit briefen bewîsen. stadtr. von Freiberg, innung der sensensmede, bei Schott 3, 291 (nachher geselle); an S. Ambrosien abend a. d. 1386 do saszent die zunftmaister, do kament die wullweber für si und ir kneht (pl.) ... von der stösz (streitigkeiten) wegen, so die wullweber mit ir knehten hattent und die kneht mit inen. zunftbuch in Konstanz, protokoll von 1386, Mones zeitschr. 9, 143; zunftmaister und zunftknecht von 1407 das. 9, 177. 4@b@bβ) und zwar bei allen zünften gleichmäszig (während knappe sich früh beschränkte): handwerksleüt und ire knecht. reichstagsabschied 1500 D 2b; ain hantwerksman, der from knecht hat, die gern arbaiten frue und spat. Keller alte gute schwänke s. 56; jeder knecht meister werden will, des sint ietz aller hantwerk vil. Brant narr. 48, 7; sölt ich si (meine frau) lan verbrennen, si het der sachen guot recht (verdiente es von rechtswegen), si tregt mir iez ain erben bei meinem ältern knecht. Uhland volksl. 323, vom altgesellen, bäckerknecht; er (der schneider) het auch vil guoter knecht, die vast wol nehen kunden. Steinhöwel Es., leseb. 1, 1057, 10, gesellen 1058, 42; ob es sich begebe das ein meister und der knecht umb den lon zweitrechtig würden, (das) sol vor dem hantwerk verhort und vertragen werden. rheinische schneiderordnung von 1520 § 1, Mones anz. 8, 285 ff., einzeln auch geselle § 2, vergl. meisterknecht § 32 (s. dazu sp. 1322 und unter knechtevieh), aber auch lereknecht § 35 lehrling (s.γ); item soll er (der steinmetz der domfabrik zu Speier) knechte gewinnen, so man ir bedarf. das. 5, 246, knechte des schieferdeckers 248; Ulenspiegel sprach 'ich bin ein beckerknecht'. der brotbecker der sprach 'ich hab eben kein knecht, wiltu mir dienen?' Eul. Lapp. 18 s. 25 (man beachte das dienen, dazu dienstknecht von schneidergesellen Michelsen thür. rechtsd. 270, 14. jh.); der wüllenweber sagt 'lieber knecht, das meint ich nit also'. hist. 51 s. 75, das ist die anrede die dem gesellen gebührt (er nennt den weber lieber meister); so vom kürschner 52 s. 77, gerber 56 s. 82, barbier 74 s. 109, schreinerknecht 62 s. 88, rotgerberknecht weim. jahrb. 6, 426, bappiererknecht Soltau 243, vom schuhmacher H. Sachs 1, 375b (1590), vom büchsenschmied Haupt 3, 254, vom müller: auf der mühl soll aller abtrag vermieden und deswegen so viel möglich ungeheuratte knecht gehalten werden. bairische mühlordnung Schmeller 1, 482. vom schlosser: ihr ehrliche kleinschmiede, ich bitte euch .. ihr wollet euren knechten zureden, dasz sie solchen leuten ja nicht willfahren und solche in wachs gedrückte schlüssel nachmachen. Schuppius 204, schuster- oder schneiderknecht 191, beim barchenweber 57. der meisterknecht oder oberknecht in einer zuckerbeckerei Ludwig (1716) 1040. wie aber das besser klingende geselle sich schon im 17. jh. vordrängte, zeigt folg.: wie jener schneiderknecht. man sagt, dasz einsmals ein schneider seine gesellen übel mit essen und trinken tractiret habe ... da seien die gesellen ungedultig worden .... zu seinen mitgesellen. Schuppius 298, letzteres wird aus der sprache der schneiderknechte selbst genommen sein. so ward knecht allmälich durch geselle ersetzt, das wieder allmälich durch gehülfe verdrängt zu werden scheint. Adelung führt knecht noch als bei den brauern, bäckern, fleischern, grobschmieden, schustern, badern geltend an, was noch Schmeller 2, 369 aus Baiern bestätigt mit hinzufügung der müller; es heiszt oder hiesz brauknecht, beckenknecht, schmiedeknecht, schuhknecht oder schusterknecht, badeknecht, mühlknecht (Rädlein 549b). 4@b@gγ) es umfaszte aber auch den lehrling mit (vgl.knabe sp. 1321 unten), da es ja von alters her den knaben wie den jungen mann bezeichnete; er hiesz lernknecht und knecht Schm. 2, 369, auch lehrknecht, mhd. lêrkneht Nürnb. poliz. 166: nu hulde mir, ich wil dich hie ze knehte enpfân. Frauenlob spr. 108, 1, sagt der meister, nämlich zum lehrling in der sangeskunst, die ja gleichfalls zünftig geordnet war wie die malerkunst und andere; es sind aber dieselben worte die bei annahme eines edeln knechts gegolten hätten, man beachte besonders das hulden. 4@cc) überhaupt erstreckte sich die eine form, von der familie ausgegangen, über alle verhältnisse und stände. die kaufmannsdiener, commis waren einst des kaufherren knechte, so war Bartholomäus Welser, der reiche Augsburger, in seinen jungen jahren 1445 knecht Hansen Renas in Ulm (Schmid schwäb. wb. 319), vielleicht auch lehrling; uber dise geringe sach klagt einmal zuo Nüremberg in d. Pirkheimers haus eins kaufmans knecht von Leipzig, der sagt er hielt nichts von dir (Luther), du künst die lauten wol schlagen und trügst hemder an mit bendlin (vgl. sp. 1369 mitte, 1368 mitte). Ickelsamer clag etl. brüder (1525) a 4b, vgl.gadenknecht, ladendiener. ebenso beim weidwerk, auch im bergwesen ursprünglich: und als sie in den wald nein kam, da kam des jägers knecht. volksl., weim. jahrb. 3, 284, in Hoffmanns schles. volksl. s. 204 ein jägersknecht, jetzt jägerbursche (vgl. jägermeister); die hüttleut thun verrichten ihr hüttmannschaft gar recht, sie ordnen an die schlichten (so) (den) bergg'sellen und auch knecht. bergmannslied von 1655 bei Abele gerichtsh. (1684) 2, 41; gespreche eines esels und bergknechts. 1557 o. o. (Gödeke grundrisz s. 251), knehte von bergknappen mhd. im märe vom feldbauer 111. 317. 439 (Germ. 1, 347). matrosen, ruderer hieszen schiffknechte (Steinbach 1, 884), Harff pilg. 58, 9, wie knaben, nd. knapen, mhd. kint, vgl. die noch gebrauchten ruderknecht, bootsknecht, und schiffmeister: schrie ich den knechten, handlich zuzugehn, bis dasz wir vor die felsenplatte kämen. Schiller 540b, Tell 4, 1, nach Tschudi: dasz die schiffmeister erschroken und des farens nit wol bericht .... schry den knechten zu, dasz sie hantlich zugind (d. i. zögen, d. h. ruderten, von Sch. misverstanden). noch jetzt heiszt auf den schiffen zum heringsfang der schiffer selbst der beste knecht (die übrigen noch schiffskinder), schäferknecht, dem meister gegenüber (vergl. u. knechtevieh): die schäfer haben ir eigen recht, man henket den meister ober den knecht. Uhland vl. 701. fuhrmannsknecht und meister: darauf der fuhrmann seinen knecht hingeschickt ... worauf meister und knecht mit einer axt zugelaufen. Simpl. 3, 412 Kurz (vogeln. 1, 18). henkersknecht, schinderknecht, diebsknecht, im dienst des meisters. so noch stallknecht und stallmeister, postknecht und postmeister u. s. f., nur dasz knecht jetzt entwertet ist, ganz anders klingt als es ursprünglich gemeint war. 4@dd) auf dem lande, bauerknecht, knecht auf einem herrenhof, pachtgut u. dgl., wo sich das wort allein im alten werte erhalten hat, wie franz. valet, weil es da nichts weiter zu entwerten gab, wie bei magd: und fehet an zu schlahen knechte und megde. Luc. 12, 45; um zwölf uhr wird die gesindeglocke geläutet, und nie bin ich froher als wenn ich ohne bemerkt zu werden eine grosze tafel voll gesunder und hungriger mägde und knechte speisen sehe. Gellert briefe nr. 73; bei dem erntemahle iszt aus einer schale knecht und bauersmann. Hölty 210. auch hier steht eigentlich und noch in der Schweiz dem knecht der bauer als sein meister gegenüber, und aus dem alten verhältnis hat sich hier auch das theilweis erhalten, dasz selbst der bauersohn, der künftige erbe des hofes, eine zeit lang auf dem eignen oder einem andern hofe als knecht dient und lernt, die bauertochter als magd, ganz wie einst der sohn des edeln als kneht zu einem ritter an den hof gieng; die knechte und mägde bilden noch das gesinde, wie einst die edeln knehte und meide, megede das hofgesinde, ingesinde waren. mhd. kneht bei bauern Helmbr. 614. 1081, der junge Helmbrecht dient seinem vater als kneht 1086; bûkneht Helbling 1, 1208, nhd. bauknecht, dann ackerknecht, pferdeknecht, viehknecht, fuhrknecht, groszknecht, mittelknecht, kleinknecht, meisterknecht (frz. maître valet), oberknecht, unterknecht. 55) knecht als kriegsknecht, reisknecht Brant 79, 29, schon ahd. chneht, herichneht miles, satelles, chneht wesan militare Graff 4, 577 ff.; vergl. die bed. streitbarer mann, held unter 3, wonach die jugendlich frische männlichkeit auch hier der hauptbegriff wäre; doch auch die bed. 6, h kommt in frage, denn die leibeignen knechte muszten früh dem herrn auch kriegsdienste leisten zu fusze (s. RA. 354, vgl. 350), daher wol knecht als fuszsoldat. 5@aa) bei dem armen adel, der den krieg im solde zum handwerk machte, hatte es anfangs gewiss noch die höfische bedeutung (s. 4, a), es waren reutersknechte, reisige knechte (Soltau 1, 223, reuter 223) im unterschied von den fuszknechten, vergl. die schweren klagen über die räuberischen und ärmlichen schiltknehte im herrendienste schon bei Berthold 368, 23 ff. 230, 33 (21. 22. 252 Kl.), Hugo von Trimberg 90a, Haupt 2, 80, wo sie als ein orden den landsknechten gleich erscheinen; dieselben sind wol die 'armen knechte' im herrendienste, s. z. b. Germ. 5, 234. 236. reisige knechte auszer herrendienste sollten nicht geduldet werden (wie in der zunft kein geselle ohne meister arbeiten soll): item es sol auch fürbasz kein reisiger knecht sein, der sein eigen pferd hab, er hab dann einen herren oder junkern oder sei einer statt diener, des oder der gebröter (im brot stehender) oder gedingter knecht er sei u. s. w. reichsordnungen Worms 1539 bl. 14b, reform. v. 1442; und als vil reisig und fuoszknecht seind, der eins theils ganz kein herrschaft haben ... wöllen wir dasz hinfür solch reisig und fuoszknecht in dem reich nit sollen gedult oder aufenthalten werden. 21a, landfrid von 1495. 5@bb) aber auch die stolzen landsknechte (s. d) seit dem ende des 15. jh., die aus den städten und vom lande kamen, nahmen offenbar den adelichen klang von knecht für sich in anspruch, denn sie nennen ihr thun ausdrücklich ritterlich, adelich (z. b. Uhland 522), sich selbst edle helden (Soltau 1, 414), verwenden überhaupt ritterliche wörter von sich (vergl. Soltau 2, 31). auch die anrede frumme knechte, die ihnen ihr hauptmann gab, ist vielleicht dem ritterleben entlehnt, wie sicher die anrede als werte knechte (Soltau 1, 410). so gilt nun von ihnen auch die alte formel ritter und knechte (sp. 1386): der könig (Maximilian) zog zu München aus mit rittern und mit knechten. Soltau 2, 41, die knechte sind aber nach str. 12 landsknechte. ebenso in einem schweiz. liede bei Körner hist. volksl. 91 von ritter und ouch knechten, es sind nach der vorhergehenden str. landsknechte; reuter und knechte Soltau 2, 249, wie noch im 17. jh. fromb lanzt (landsknechte) und cabalirer 325 (ritter durch das ital. wort ersetzt); gar bald wird unser auch ein hauf von reütern und von lantsknecht guot. Soltau 1, 240 (1519); mit reuter und landsknechten vil. 2, 279 (1586); er brach mit reutern und knechten auf. 268; ir knecht und reuter, seit wol gemuet, und trost euch auf den eisenhut! Uhland 953. knecht bezeichnet da den söldner, landsknecht zu fusze, obwol es auch reisige landsknechte gab: Ditterich von Quitzow sprach als ritmeister an: 'wolauf, ir werden reutersman, frisch her in gotes namen! treft neben den knechten fein ordentlich, und halt euch woll zusamen!' Soltau 2, 271, unter den 'reutern' sind reuterssön 272, ritterssöhne; reisige, equites, und knechte, pedites, in Rihels Livius 483 u. o. (vergl. knechtefähnlein); knecht und reuter, reuter und knecht oft in Schertlins briefen, z. b. 90. 91, aber auch blosz die knecht zur bezeichnung seines heeres. 5@cc) denn knecht war damals auch der allgemeine, ehrende name des kriegers überhaupt. miles zwar, das man in der mhd. zeit und noch im 15. jh. (Dief. 361a) dem ritter gleich stellte, übersetzt Frisius 821a mit den allgemeinen kriegsmann, söldner, aber colligere exercitum mit knecht annemmen 504a, knächt nemmen contrahere copias, conscribere exercitum Maaler 246b. daher z. b. von den streitkräften der Schweizer: fünfzechen hundert sturben erlicher knechten von eidgenoszen. Joh. Lenz Schwabenkrieg 6a; das si so vil knecht hetten verlorn. 6b u. o., mit anklang an die bed. 2, vergl. unter knabe 2; die Dockenburger knaben (d. i. 'die Dockenburger', s. sp. 1319 mitte) zugen frölich daran, mit iren frischen knechten (vgl. 2, d) hielten si gute hut. 72a; und wie die Glarner fechtend, do kam in me bistand, von Schwiz driszig guter knechten (zur form sp. 708 g). Wolff hist. volksl. 464. ebenso die schweiz. söldner: nemend war, üwere knecht sind iez in Mailand, lidend hunger, durst und krankheiten. Zwingli vermahnung an die eidgenossen (leseb. 3, 1, 257). Es vertrat eben das jetzige soldat: als der (wenn einer) ein schlosz mit knechten bsitz, die allein im rodel (rolle) gschriben sind. kloster 8, 881; Knipperdollinc tot sinen knechten sprack: ghi borghers, coemt hier op die wacht u. s. w. Uhland 548, das lied ist von einem landsknechte, der die bürger von Münster Knipperdollings knechte nennt. auch, eben wie soldat, den officieren gegenüber, im pl. gleich mann pl., mannschaft: und bekam nebenst drei obristen (adj.) leutenanten und soviel capitänen zweene rittmeister und 300 knechte gefangen Micrälius Pommern 5, 364; unser oberster, sagte er, hat 200 knechte auf seiner roll in der besatzung. Harsdörfer Nathan und Jotham (1659) 2, 2 s. 129 (Z 5a); der könig brach über dieser unverhofften zeitung eilend auf und vertröstete seine obersten und knechte auf gut und blut. Hoffmannswaldau, duces et milites. auch 'reuter und knechte' noch im 17. jh.: desgleichen unser knechte und reuter manigfalt, die man nausz schickt zufechten wider des feinds gewalt. Philander (1650) 2, 923. 5@dd) auch die landsknechte hieszen geschäftlich kurz knechte (s. besonders knechtisch 1): es get wol gegen der sommerzeit, dasz mancher knecht zu felde leit. Uhland 516; ihr lieben knecht, thut all das best, und nemet uns gefangen. Soltau 2, 44; da man uns zalt, da zoch wir ab; sechs tausend, ich vernommen hab, der knecht ist (in dem kriege) minder worden. 88; doch hett man recht (es gehörte sich), das man die knecht berft aus teutschen landen. 96; mit den hauptleuten stund er zu forderst dran: 'stecht drein, ir frommen knechte!' 272; es kostet manchen stolzen knecht. Soltau 1, 436; es sind lüt, heiszend gällersch knecht (geldrische landskn.). Körner hist. volksl. 46; Clot der sagt dem (belagernden) herzog dar, er solte seinen knechten bar vier monat an sold darlegen, als dann wolt er und seine knecht in die stat Neusz ubergeben. Soltau 2, 280 v. j. 1586, die landsknechte als besatzung, die kriegsleute des herzogs dagegen nennt das lied 281 schon soldaten, das sind aber Spanier (die indes 279 gleichfalls einmal reuter und landsknechte heiszen), vgl. eilf fendlin knecht (deutsche landsknechte) und ein fendlin Spanier Schertlin briefe 124 u. o.; lieben gesellen, lieben knechte, seid frisch und getrost, wir wollen ob gott wil heute ehre einlegen und reich werden. Luther 3, 328b, so soll der hauptmann die landsknechte ermuntern, statt sie an den buhlen denken zu heiszen (wie es z. b. geschieht bei Uhland 954, vergl. 519. 517. 524. Soltau 2, 273. 498), was auch entlehnte rittersitte war. es gab einfache knechte, den doppelsöldnern gegenüber: mit den ubrigen doppelsöldnern und einfachen knechten (seind die kein harnisch oder rüstung tragen). Kirchhof mil. disc. 113; die fendlin und die einfachen knecht, welche helleparten, schlachtschwerter, scheflin oder knebelspiesz tragen. Fronsperger kriegsb. (1596) 3, 105a. 5@ee) natürlich übertrug man das auch auf alte zeiten: da der könig solchs höret, ergrimmet er seer und lies zusamen foddern seine fürsten und heubtleute uber das fusvolk und uber die reisigen und nam frembde knechte an aus den insulen. 1 Maccab. 6, 19; und Abner zoch aus sampt den knechten Isboseth ... und Joab zoch aus sampt den knechten David, und stieszen auf einander. 2 Sam. 2, 12. 13 (v. 14 knaben); Joab aber .. versamlet (nach dem kampfe) das ganze volk (heer) und es feileten an den knechten Davids neunzehen man. 2, 30; dahin kame Philocles mit 1500 knechten (militibus). Rihels Livius 420; keiner weichen wolt, dann die knecht stritten umb ihre freiheit. 279; Abanter die mannhafte knecht. Spreng Iliad 36a; entzwischen sich auf ebnem feld der jüngling Turnus oft gemeldt mit wenig knechten sehen liesz. dess. Aeneide 448a. 5@ff) es musz noch im 17. jh. seinen urspr. ehrenden klang eingebüszt haben. noch Stieler 994 zwar gibt reisiger knecht equiso, gemeine knechte pedites, gartknecht vagabundus miles, noch Rädlein (1711) 550a knecht soldat, aber es war veraltet, der fleiszige Ludwig (1716) hat es nicht mehr. heute nur noch von älterer zeit (vgl. kriegsknecht), wenn nicht wagenknechte bei einer armee Ludwig, stückknecht, trainknecht ein nachklang davon sind: Ehrhardt Truchsesz durchstach mir einen knecht. Göthe 42, 115 im Götz; es war der bravste knecht den ich gesehen habe. das. und oft, reitersknecht 116, reichsknechte 117; vgl. auch spieszknecht, hutknecht, zeugknecht. daher übrigens auch schwed. kneckt soldat, finn. knihti. 66) Knecht als dienender, erwachsen aus knecht 4, schon ahd. famulus, servus, vernaculus, manumissus, apparitor, vasallus, satelles; die bed. hat sich aber im nhd. so vorgedrängt, dasz sie nicht nur Stieler, Rädlein, Steinbach, Frisch u. a., sondern schon Maaler, Dasypodius als die erste voranstellen, während sie uns fast als die einzige erscheint. auch in dieser bed. ist es übrigens jetzt wieder auf die niedersten verhältnisse hinabgedrückt, während es einst im allgemeinen gebrauch war. vgl. beknechtet, mit knechten (dienern) versehen, von junkern Garg. 47b (47 Sch.). ebenso älter engl. knight, nl. knegt. 6@aa) es entsprachen sich urspr. ganz allgemein herr und knecht: si (die thiere) kiesent künege unde reht, si setzent hêrren unde kneht. Walther 9, 7; wer kan den hêrren von dem knehte scheiden, swa er ir gebeine blôʒeʒ fünde? 22, 12; der kneht ist dicke über den herren geleget, sô si ligen in dem beinhûse. myst. 1, 164; gott ist wahrhaftig und gerecht, hie liegt der herr, hie liegt der knecht. nu ihr weltweisen, tretet herbei, sagt wer knecht oder herre sei. Petri sprichw., vgl. Haupt 9, 329; der tod .. richtet recht, den herren wie den knecht. Lehman floril. 1, 767; das ist ein schlechter herr, der sein knecht förchten musz. 414; der herr gilt nichts, als (alles) gilt der knecht, wo geschah es bei unsern alten? Soltau 1, 457; der knecht soll geben dem herren masz! wer hat mehr unfueg gsehen? 458, in bezug auf die empörten Böhmen 1619 dem kaiser gegenüber; bi herren und bi knechten (politisch gemeint) halt niemant nicht (nichts) von rechten (vom rechtsweg), ein ieder wils (selbst) uszfechten. Uhland volksl. 369. wie der herr, so der knecht, s. die sprichwörter Simrock 4595—4607, eins sagt keiner mag herr sein, er sei denn zuvor knecht gewesen, worin sich recht deutlich die über alle verhältnisse hin reichende geltung des worts spiegelt, wie in frühe herren späte knechte (wer früh gebietet, lernt spät gehorchen), in besser kleiner herr als groszer knecht; wie herr, so knecht! Gryphius 1, 559; ein schönes paar zusammen! so herr, so knecht. 1, 776. mehr bürgerlich meister und knecht: zu Kunzen trat freund Klapperbein (der tod), was half ihm nun sein bauch? es hiesz 'sei meister oder knecht, herr Kunz, du hast nun ausgezecht'. J. Fr. Kind ged. die allgemeine bed. setzt auch folg. ins licht: ich sihe manchen reichen in stetten hin und wider, der unrüwig fast zablet (in unruhiger thätigkeit) und in dem nicht (nichts) thuot dann dasz er seiner mägd und knecht knecht ist. Frank spr. 2, 151a; durch sie (die tugend) steigst du zum göttlichen geschlechte, und ohne sie sind könige nur knechte. Gellert (1784) 1, 165. 6@bb) dem kaiser und reich gegenüber galt einst selbst der hohe adel als des heil. reiches knechte (s. Frisch 1, 527b), wie jeder lehnsmann als knecht seines lehnsherrn, alle unterthanen als knechte des fürsten (vgl. unter a aus Soltau): es denkt mich noch ein spiel bei meinen jungen jahren, drinn ich ein könig war, da andre knechte waren. Logau 1, 1, 84; der herzog (Wallenstein) ist gewaltig und hochverständig, aber er bleibt doch schlecht und recht, wie wir alle, des kaisers knecht. Schiller 328a; ich weisz, dasz hundert augen gedungen sind mich zu bewachen, weisz, dasz könig Philipp seinen einzgen sohn an seiner knechte schlechtesten verkaufte u. s. w. 244b; der förster also (als) des herrn knecht. weisth. 2, 183; im dritten jar seines königreichs machet er (Ahasveros) bei im ein mal allen seinen fürsten und knechten, nemlich den gewaltigen in Persen und Meden, den landpflegern und obersten in seinen lendern, das er sehen liesze den herrlichen reichthum seines königreichs. Esther 1, 3; da begieng Pharao seinen jartag, und er macht eine malzeit allen seinen knechten. 1 Mos. 40, 20. 41, 10; und Pharao sprach zu seinen knechten. 41, 37, die hofleute; und (David) sandte hin und lies in trösten durch seine knechte. 2 Sam. 10, 2, das hebr. wort ist eig. leibeigner. der voc. theut. 1482 gibt legatus mit gesanter pote oder gesanter knecht, legatarius gesanter knecht m 1b. 6@cc) das lebte zuletzt in höflichkeitsformeln (wie diener und das entsprechende herr, mein herr noch jetzt). gegen hohe personen war es noch im vorigen jahrh. gebräuchlich, dasz man sich als deren 'allerunterthänigsten, unterthänigsten oder unterthänigen knecht' bezeichnete, 'um den groszen abstand zwischen sich und ihnen dadurch merklich zu machen' wie Adelung angibt: aber sie (die gräfin) .. weisz wer ihr redlich und treu dient, sie weisz wer nur dem schein nach (mit worten) ihr unterthäniger knecht ist. Göthe 15, 32 (die aufgeregten 2, 1), der amtmann ist gemeint. ew. hochfürstl. durchlaucht unterthänigster knecht unterschreibt sich Merck briefs. 3, 181 an herzog Carl August im jahre 1781, aber s. 283 i. j. 1789 ew. hf. d. meines gnädigsten herrn unterthänigster ... diener. ähnlich in der bibel: herr, hab ich gnade funden fur deinen augen, so gehe nicht fur deinem knecht uber. 1 Mos. 18, 3, gleich 'vor mir'; da trat Juda zu im (Joseph) und sprach 'mein herr, las deinen knecht ein wort reden fur deinen ohren, mein herr'. 44, 18; da zogen wir hinauf zu deinem knecht, meinem vater, und sagten im an meins herrn rede. 44, 24 u. o. man erbot sich einem andern zum knechte in bezug auf einen bestimmten wunsch von ihm (wie man ja noch sagt, man wolle einem dienen, schon mhd. Gudr. 378, 1. 387, 2): ich sprach zu der vil hêrsten: 'vil gern ich bin ewr armer knecht'. Hätzl. 265b, es ist kein liebesverhältnis, der verlangte dienst besteht in einer belehrung über die liebe; auch das arm verstärkt blosz die kraft des unterwürfigen erbietens, denn dem herrn gegenüber war jeder diener der arme. auch im bürgerlichen leben noch im 18. jh. 'gehorsamer knecht, votre très-humble serviteur' Rädlein 549b: Alcest (zu Sophien). o, ihr ergebner knecht kennt sie nur gar zu wol. Göthe 7, 100 (mitsch. 3, 8), doch zugleich im sinne des folgenden. 6@dd) der mann nennt sich der geliebten knecht, denn er dient ihr, ist in ihrem dienste, wie es in der mhd. höfischen dichtung heiszt: hör, liebste frau, mich deinen knecht. fundgr. 1, 334; das tät ich als ir aigner knecht. 336; leib, guot und muot sei euch ergeben, nach ewrem gevallen will ich leben ... nach ewer straf gehorsam sein ... darumb sült ir mich handeln als ain fraw iren lieben knecht. Hätzl. 191a, von der anrede 'lieber knecht', vgl. sp. 1387 unten; als ich ward der schönsten knecht. Fleming 520 (398 Lapp.); ach hastu auch einmahl an deinen knecht gedacht? Chr. Weise überfl. ged. (1701) 396; mein liebstes, mein vergnügen, mein alles auf der welt, dein knecht ist so verschwiegen ... Chr. Mariane v. Ziegler (1739) 112; ich habe geliebet, nun lieb ich erst recht! erst war ich der diener, nun bin ich der knecht, erst war ich der diener von allen; nun fesselt mich diese scharmante person. Göthe 1, 137. vgl.frauenknecht fastn. sp. 1418, auch dienstman 1419, wie im lehnsverhältnis; jungfernknecht, damenknecht (Wieland 21, 107). 6@ee) gottes knecht u. dgl. (Gottschalk bedeutet gottes knecht): Silvestrum den gotes kneht. Konrad Silv. 340; ûf tugent leite er sînen vlîʒ als ein getriuwer gotes kneht. 593, von den christen überhaupt das. 174, vgl. oben 2, 1130; tuot dem kriuze rehte, sô sît ir gotes knehte und dar zuo sîniu lieben kint. Stricker Karl 710, von den glaubenskämpfern, daher die bed. 5 ins spiel kommt, gleich gotes degen, gotes helt, ritter, kempfe; knecht aller knechte, servus servorum, der pabst Stieler 994, nach 1 Mos. 9, 25 ein knecht aller knecht (soll Canaan sein nach Noahs verfluchung), Eulenspiegel redet den pabst an 'allergnedigster vater, du knecht aller knecht' Eul. Lapp. 34 s. 49; sie aber (die Juden) gaben uns solche wort zu antwort und sprachen 'wir sind knechte des gottes himels und der erden' u. s. w. Esra 5, 11, oft im A. T. von Moses u. a. der knecht gottes, das hebr. wort dafür, ד, bedeutet eigentlich sclave, leibeigner; Paulus ein knecht gottes, aber ein apostel Jhesu Christi. ep. an Titum 1, 1; lobet unsern gott, alle seine knechte. offenb. 19, 5, vgl. 1, 1; nu ir aber seid von der sünde frei und gottes knechte worden. m. 6, 22; knecht des herrn 2 Tim. 2, 24, Christi Col. 4, 14; (der kaiser) grüszte das pfäfflein mit höhnischem mund 'knecht gottes, wie gehts dir? mir däucht, nicht ganz schlecht'. Bürger 66a. im weimarischen kirchengebete noch: und so befehlen wir in deinen mächtigen schutz deinen knecht, unsern groszherzog; ähnlich in einem von Herder verfaszten gebete, s. erinnerungen aus Herders leben 2, 199. 6@ff) dagegen des teufels knecht, von wilden, bösen menschen, mhd. des tiuvels kneht. Servat. 2953, Iwein 6338 von riesen: da gen sie (die landsknechte) einhar watten gleich als der teufel recht. schüren (schören) sie nur ein platten, sie wären seine knecht. Uhland volksl. 526; zu Scherwiler wart in rechter lon, wie allen teufels knechten. 499. 6@gg) diener in allerlei verhältnissen des lebens, dienstknecht, lohnknecht, mietknecht, gedingter knecht Uhland volksl. 231. 232, hofknecht, herrenknecht u. a. 6@g@aα) so aus alter zeit her bis ins 16. 17. jh. ohne den gedrückten begriff, den es jetzt für uns hat: ze wîbe und ze knehte und ze frowen, swie er mich wil hân, des bin ich im alles undertân. Erec 3812. 3772, von einer frau (vgl. knechtin); nu het er trunken gemacht beidiu bruoder unde knehte (im kloster). pf. Amis 1525; er gewan (als kaufmann) gevüege knehte ... (die) im der soumer phlâgen. 1591; ein bischof in Hispanien, do der ... in ein herberg keret und den knecht schickt fisch zekaufen. Steinhöwel im leseb. 1, 1060; der pfaff dingt in für ein knecht. Eul. Lapp. 11 s. 13; knecht des arztes im osterspiele Wackern. leseb. 1, 1016. 1017; Jungher Sebold und Rudolf schon von Perroman zu Schlechtstatt hon in der schul drü kind, ein knecht der der kinden solt warten recht. J. Lenz Schwabenkrieg 86a, diener zur abwartung der knaben, die in der fremden stadt auf der schule sind; itzlicher burger sol des gerichts knecht von ietzlichem gebot in der stadt geben ein pfenning. Arnstädter stadtr. v. 1543 bei Michelsen rechtsd. 90 u. o.; es ist ein alt sprichwort: wie viel knecht einer im hause hat, so viel diebe hat er auch. Colerus hausb. 7. In der bibel ist es das herschende wort, z. b.: Abraham ... sprach zu seinem eltesten knecht seines hauses, der allen seinen gütern furstund. 1 Mos. 24, 2; welcher ist aber nu ein trewer und kluger knecht, den der herr gesetzt hat uber sein gesinde? Matth. 24, 45 (haushalter, als knecht Luc. 12, 42. 43); es war ein mensch, der machte ein gros abendmal .. und sandte seinen knecht aus u. s. w. Luc. 14, 16. 17; hastu einen knecht, so halt uber im als uber dir selbs. Sirach 33, 31; da sprach sein herr zu im 'ei du fromer und getrewer knecht' u. s. w. Matth. 25, 21. 23; du schalk und fauler knecht. 25, 26; den unnützen knecht. 25, 30. 6@g@bβ) das wort, das hier knecht hinabdrücken sollte, tritt aber schon früh daneben auf, schon mhd.: ir diener oder ir knehte ... junc oder alt, arm oder rîch. Berthold 268, 27 (64 Kl.), er hat vorher die knehte angeredet und denkt an dienstknechte bei bauern u. ä., dann zusammenfassend andere diener (z. 26), er scheint dabei schon an höhere dienststellungen zu denken. in den wbb. des 16. jh. beides zusammen; famulus wird erklärt ein diener, knecht Dasyp. 70b, ein knecht, diener, famulari dienen, knecht sein Frisius 544b, minister, ein diener, knecht 822b, vicarius, ein knecht oder diener der an statt eines andern dieners ist 1376b (bei Maaler 246b vicarius knächtsknächt, vgl.knehtes kneht Freid. 73, 3). so wechseln beide noch im 17. jh.: studenten im gasthofe, welche des knechts relation mit anhöreten. Chr. Weise erzn. 224 c. 22, s. 223 heiszt er ein alter diener, bedienter. früher auch thürknecht, kammerknecht u. a. 6@g@gγ) am längsten hat sich knecht im öffentlichen dienste erhalten, doch auch immer mehr auf niedere stellen herabsinkend: gemeiner knecht, famulus communis, minister publicus Stieler 994, stadtknecht, landknecht, amtsknecht, fronknecht, achtknecht, wartknecht, gerichtsknecht, steckenknecht, wiesenknecht wiesenvogt das., kanzleiknecht, kirchenknecht, schreiberknecht, deren einige noch heute amtlich gelten mögen, wie schweiz. wegknecht straszenaufseher. vom hofe nennt noch 1716 Ludwig ober- mittel- und unterknechte, sergeants, yeomen and grooms, thürknecht portier. aber jetzt sind allgemein bekannt nur noch hausknecht, stallknecht, packknecht u. dergl., fast immer vom niedrigsten dienste (vergl. 4, c a. e.), oder zur bedienung von pferden (mit einem schatten noch aus der ritterzeit), wie reitknecht, sattelknecht, pferdeknecht, tummelknecht (in der reitschule) Schm. 1, 444, postknecht, fuhrknecht; maulthierknecht Göthe 28, 187 (it. mulattiere). 6@g@dδ) wenn es sonst in neuerer zeit gebraucht wird, so geschieht es zu besonderm nachdruck, wegen der ihm verbliebenen unersetzbaren kraft, besonders im gegensatz zu herr (s. a) und in jenem erhöhten lebenskreise der dichtung, der das im leben veraltende gewöhnlich noch fort hegt, daher auch bildlich (s. 7, b): das hab ich gethan als ein ehrlicher knecht. Kotzebue dram. sp. 2, 269; denn nichts zu ändern hat für sich der knecht gewalt. Göthe 41, 182 (Faust 2. th., 3. act); nicht was der knecht sei, fragt der herr, nur wie er dient. 41, 191. 211; was euch genehm ist, das ist mir recht, ihr seid die herscher, und ich bin der knecht. Schiller 493a (braut von Messina, chor); ein frommer knecht war Fridolin. 67a; sie hielt ihn nicht als ihren knecht. 67b, am ende diener; doch sieh, da kommt mein treuer knecht zurück, nur näher, näher, redlicher Diego. 502b. 500b; ich bin dein geselle, und mach ich dirs recht, bin ich dein diener, bin dein knecht! Göthe 12, 84, hier, um diener zu überbieten, den begriff der abhängigkeit zu steigern, ebenso schon in einem sprichwort Henisch 701, 56 fürsten müssen ihrer diener knecht sein; kannst du vom himmel es erbitten, so sei dein eigner herr und knecht, diesz bleibt des mittelstandes recht. Lichtwer fab. 2, 6. augenknecht (Schiller), schon mhd. ougenkneht in einer hs. Freid. 50, 2 für jâherre, jetzt augendiener. im hause aber lebt das alte knecht an einer stelle doch noch, im knecht Ruprecht, eigentlich diener des heil. Christs. Frisch 1, 527b, Göthe 20, 157, knecht Robert Voss 3, 164 (1825). 6@hh) endlich am tiefsten knecht, sclave. 6@h@aα) eigentlich hiesz das aber eigner knecht, mhd. eigen kneht, eigenkneht, der eines eigenthum ist: jâ sol man sînen eigenkneht lâʒen leben nâch mannes (menschen) reht. Thomasin 7865, im inhaltsverzeichnis aber blosz daʒ man lâʒe sînen chnecht nâch mannes recht leben. s. 410; men spricht: it si unreicht of (oder) reicht, linden hêre (acc.) verwint eigen kneicht. Hagen reimchr. von Köln 2914; damit er uns neme zu eigen knechten. 1 Mos. 43, 18. 2n. 4, 1; leibeigen knechte. 3 Mos. 25, 44; ein zinsbar knecht. 1 Mos. 49, 15. vgl. erbknecht, kammerknecht, kaufknecht. 6@h@bβ) aber oft auch knecht allein, wo es der zusammenhang mit sich bringt: wir würden doch zu knechten und megden verkauft. Esther 7, 4; der ebreische knecht (Joseph), den du uns herein gebracht hast. 1 Mos. 40, 17, einen zum knecht machen, in servitutem redigere, abripere. Stieler 994. 6@h@gγ) daher der gegensatz von knecht und frei. wir sind durch einen geist alle zu einem leib getauft, wir seien Jüden oder Griechen, knechte oder freien. 1 Cor. 12, 13. Gal. 3, 28; er sei ein knecht oder ein freier. Eph. 6, 8; denn wiewol ich frei bin von jederman, hab ich doch mich selbs jederman (dat.) zum knechte gemacht, auf das ich irer viel gewinne. 1 Cor. 9, 19. 6@h@dδ) es verflieszt aber oft mit der bed. u. g, auch b und 4, c, da die leibeigenschaft selbst sich allmälich löste und verflüchtigte, auch früher schon in andre verhältnisse überspielte. so braucht Göthe den gegensatz von freier und knecht vom dienstherrn und dem gemieteten diener, in Hermann und Dor.: denn mit dem knechte zugleich bemüht sich der thätige freie. 40, 328. 6@h@eε) überhaupt hat sich knecht servus in dieser abgeschwächten mehr bildlichen verwendung am festesten erhalten, gleich sclave das in diesem sinne auch nie eingehen wird, um dienstliche abhängigkeit, unterwürfigkeit, unfreiheit kräftig und geringschätzig zu bezeichnen, vergl. herrenknecht, fürstenknecht, pfaffenknecht, knechten: denn dieses ist der freien einzge pflicht, das reich zu schirmen, das sie selbst beschirmt. 'was drüber ist, ist merkmal eines knechts'. Schiller 529b, Tell 2, 2; wo sind hier spuren, dasz wir knechte sind? das., nachher sclaven; erleiden von dem fremden knecht (Geszler), was uns in seiner macht kein kaiser durfte bieten? das., darauf herrenknecht; von dem fremden inselvolk, das über uns gekommen, uns zu knechten zu machen und den fremdgebornen herrn uns aufzuzwingen. 458b, jungfr. v. Orl. 1, 10; und jetzt sehen wir uns als knechte, unterthan diesem fremden geschlechte (den Normannen). 491a, braut v. Mess., nachher sclaven; s'ist ein gesetz der teufel und gespenster: wo sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus. das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir knechte (unfrei, gebunden). Göthe 12, 73; wie ich beharre, bin ich knecht (verliere meine freiheit), ob dein, was frag ich, oder wessen. 12, 86, Faust zu Meph.; s. weiter das folg. vom unterliegenden im spiele: laszt uns eins toppeln (würfeln), der minst ist knecht. Garg. 97b (Sch. 171), doch könnte das alt und urspr. ernst sein, ein nachklang des von Tacitus Germ. 24 berichteten gebrauchs, bei den würfeln sich selbst zu verspielen. von Christo heiszt es Philipp. 2, 7, er euszert sich selbs und nam knechts gestalt an (früher die gestalt eines knechts), ward gleich wie ein ander mensch, μορφὴν δούλου λαβών. danach Schiller im kampf mit dem drachen: denn wo der herr in seiner grösze gewandelt hat in knechtes blösze. musenalm. 1799 s. 163, in den nachherigen ausgaben knechtesblösze 77) bildlich nach 6 oder 4. 7@aa) von dingen, auch von abstracten: der lîp ist der sêle kneht, er sol ir dienen, daʒ ist reht. Stricker Karl 723; dô (in der alten guten zeit) was diemuot des vrides kneht und gie daʒ reht vürʒ unreht. pf. Amis 35, fügte sich dem frieden zu liebe; laid ist liebes nächster knecht. Hätzl. 163a, nachher lieb on laid mag nit bestan, wol das leid folgt dem 'lieb', dem angenehmen auf dem fusze nach, oder sollte knecht hier ganz gleich geselle gebraucht sein, dem es unter 3. 4 so oft gleich kommt? wann nur der sinn recht fällt, wo nur die meinung recht, so sei der sinn der herr, so sei der reim der knecht. Logau 2, 8, 70 'von meinen reimen', musz der reim dem gedanken nachstehn, ihm dienen. so denket dasz der zweck des krieges einig gehet auf eintracht und vertrag: krieg ist des friedens knecht. Opitz 1, 52 (Vesuv. a. e.). 7@bb) von menschen, vergl. schon unter 6, h. 7@b@aα) gleich sclave: möcht ich mich nicht frei achten recht, so ich noch wer der sünden knecht. Brant freiheitstafel 41 (s. 160b Zarncke); wer sünde thut, der ist der sünden knecht. Joh. 8, 34, vgl. m. 6, 17. 18, wo auch knechte der gerechtigkeit, des verderbens 2 Petr. 2, 19; rechte schlaven und knecht des geizes. Fischart bienenk. 1588 254a; und merkt ein solcher armer mensch (geldsammler) nicht, dasz er ein knecht seiner verdammenden reichthum sei. Simpl. 3, 25. vgl.sündenknecht, bauchknecht, mammonsknecht, vernunftsknecht (Stieler), titelknecht (Hagedorn 1, 72), damenknecht; allein wann setzten je die knechte der wollust ihren kopf aufs spiel? Gökingk (1781) 2, 42; was achtest du auf jeden knecht der meinung, die im thurm versteckt ein kranker uhu ausgeheckt? Bürger 94b; sind wir der noth, sind wir des zufalls knechte? Tiedge, dem zufall willenlos unterworfen, des zufalls sclaven, wie es in solchem fall gewöhnlich heiszt. 7@b@bβ) knecht allein, mensch von knechtischer gesinnung: doch wer aus voller seele haszt das schlechte, auch aus der heimat wird es ihn verjagen, wenn dort verehrt es wird vom volk der knechte. Platen (nach servum pecus Hor.?). 7@b@gγ) in gutem sinne, gleich diener: wann ein jeder physicus oder chirurgicus ist ein knecht der naturen. Braunschweig chir. 1498 54a, wol soll der natur dienen; das alle hochgelärte klagen, es sei tyrannisch und nicht gut, wo der könig (nur) sein willen thut. hinwidder sei billig und recht, das er sei der gerechtigkeit knecht. Rollenhagen froschm. Y 6a; ich musz leben, für das vaterland leben, dessen knecht ich bin. Lessing 2, 570; denn der richter ist kein gesetzgeber, sondern ein knecht des gesetzes. Möser phant. (1778) 3, 371; recht findet seinen knecht, was ich verdient habe, wird mir werden. Hebel 3, 264. 7@cc) von gegenständen, werkzeugen die dem menschen dienen, als 'träger' oder 'halter' oder helfer überhaupt; ebenso schalk von einem gestell (Frisch), schon mhd. Neidh. xxxix, 14 H., und hänsel Schm. 2, 215. jeder kennt den stiefelknecht, der uns, seinen herren geduldig den stiefel hält beim ausziehen, den lichtknecht auf dem leuchter der den lichtstumpf fest hält. so heiszt beim tischler der knecht ein gestell mit fusz und hoch und niedrig stellbarem arme (sattel), um das eine ende eines eingeschraubten bretes zu tragen (Frisch 1, 527b); am spinnrade das stück worauf die spinnende tritt, das rad bewegend (thür., götting. Schamb. 105b), wetterauisch das schmale holz das den tritt mit dem die achse bildenden eisen verbindet; am bratenwender das eisen worauf der drehende spiesz ruht (brem. wb. 2, 821); auf kupferhämmern ein eisen im amboszstocke, das die kupferscheibe trägt; im östr. bergbau ein gestell oder sitz zum einfahren am grubenseile (auch wasserknecht zum aufhalten des wassers); auf schiffen ein holz mit starken rollen nahe am maste zum gebrauch der hisstaue (groszer knecht, fockknecht, besanknecht); zu tragen haben auch der schüsselknecht, pfannenknecht, bratknecht (Schm. 2, 370), mantelknecht Ludwig 1040. auch der rammklotz an der ramme, bär, wird zuweilen knecht genannt; in mühlen eine vorrichtung die unter dem mahlen die körner unter die mühlsteine scharrt ( Campe); ostpreusz. ein strohwisch als leuchte Hennig 126; schweiz. ein seil zum aufrechthalten des segels. Stalder 2, 114. eine rechentabelle heiszt rechenknecht (der für den besitzer rechnet), auch faulknecht Schm. 2, 370, d. i. eig. knecht für den faulen: er (Hippel) nannte das system den faulen knecht des verstandes. Gervinus lit. (1844) 5, 191. 88) eigen ist knecht am weinstocke, bei Denzler, Kirsch s. v. custos, junges schosz das man vom boden heraufpflanzt, um im folgenden jahre einen bogen zu ziehen Stalder 2, 114. auch bei M. Kramer 1768. 1787. noch nach knecht 1? s. kindlein 3. 99) der alte knecht, der wachtelkönig. Nemnich. Die zusammensetzungen sind theils pluralisch mit knechte-, wie früher, theils singularisch mit knechtes-, knechts-, oder mit knecht- gebildet.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    knechtst. M. (a)

    Köbler Afries. Wörterbuch

    knecht , st. M. (a) Vw.: s. kniucht

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    knechtM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +31 Parallelbelege

    knecht , M. nhd. Knecht, Knabe, Junge, Jüngling, Unverheirateter, Junggeselle, Diener, Bedienter, Mietknecht, Pferdeknec…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Knêcht

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Knêcht , des -es, plur. die -e, ein Wort, welches ehedem von einem weitern Umfange der Bedeutung war als jetzt. Es b…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Knecht

    Goethe-Wörterbuch

    Knecht überwiegend in Bed 1b 1 männl Person in dienstbarer, untergeordneter Stellung a Schild- od Edelknappe, wiederholt…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Knecht

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Knecht , ursprünglich jede dienende männliche Person, wie Knappen (s. Knappe ) und gemeine Söldner (Lands-, Fuß-, Stück-…

  6. modern
    Dialekt
    Knëcht

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    Knëcht [‘ X nat Pfetterhsn. ; Knaχt Attenschw. Eschenzw. Hi. Mü. Obhergh. Dü. ; Knêχ Dollern ; Knáχt Ndhsn. K. Z. Betsc…

  7. Sprichwörter
    Knecht

    Wander (Sprichwörter)

    Knecht 1. A ual Knecht steant beaft di, diar ia sagt. ( Nordfries. ) – Johansen, 7. Der alte Knecht (der Teufel) steht h…

  8. Spezial
    Knecht

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Knecht m. (-[e]s,-e) 1 (auf einem landwirtschaftlichen Betrieb) fant (fanc) m. 2 (Hilfsgeselle) garsun (-s) m. ✒ so lang…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit knecht

920 Bildungen · 143 Erstglied · 771 Zweitglied · 6 Ableitungen

knecht‑ als Erstglied (30 von 143)

Knechtstube

SHW

Knecht-stube Band 3, Spalte 1485-1486

Knechttag

SHW

Knecht-tag Band 3, Spalte 1485-1486

Knechtwurst

SHW

Knecht-wurst Band 3, Spalte 1485-1486

Knechtbedd'

MeckWB

Knechtbedd' n. a. Spr. Knechtsbett: '4 cleyne knechtebedde' (Wi 1498) Jb. 91, 201; (Wi 1500) 47, 81.

knechtchen

DWB

knecht·chen

knechtchen , n. 1 1) puerulus, masculus ( s. knecht 1): juvenculus, md. knechtchin, nd. knechtekin, knechtiken Dief. 313 b , infantulus knec…

knechtefähnlein

DWB

knecht·e·faehnlein

knechtefähnlein , n. fahne der knechte, des fuszvolks, das in fähnlein geordnet war: nach der schlacht auf der Soltauer heide i. j. 1519 war…

knechtegeld

LW

knecht·e·geld

knechtegeld, Geld, das zur Unterhaltung von knechten (Soldaten, Truppen) gezahlt wird.

knechtegelt

KöblerMnd

knecht·egelt

knechtegelt , N. nhd. Abgabe zur Haltung von Soldaten, Abgabe zur Ablösung der Kriegsdienstpflicht Hw.: s. knechtgelt E.: s. knecht, gelt W.…

knechtekiste

KöblerMnd

knecht·e·kiste

knechtekiste , F. nhd. Truhe für Knechte, Kleiderkiste für Knechte, Truhe für Gesellen, Kleiderkiste für Gesellen E.: s. knecht, kiste L.: M…

knechteklēdinge

KöblerMnd

knecht·e·klēdinge

knechteklēdinge , F. nhd. Bekleidung der Stadtbediensteten E.: s. knecht, klēdinge L.: MndHwb 2, 595 (knechtebedde/knechteklê[i]dinge)

knechtel

DWB

knechtlein , knechtel , n. ahd. chnehtilîn, mhd. knehtelîn, knehtel. 1 1) juvenculus, knechtlein (knechtel) Dief. 313 b , infantulus voc. op…

Knechtelei

Campe

knecht·e·lei

◎ Die Knechtelei , d. Mz . ungew. knechtische Gesinnung und knechtisches Betragen. War'n allzumahl wieder die alten Schranzen, Mit ihrer alt…

Knechteln

Campe

knecht·eln

◎ Knechteln , v. intrs . sich knechtisch, kriechend betragen, knechtische Gesinnungen verrathen. »Schmeicheln und knechteln war ihm eins wie…

knechtelāken

KöblerMnd

knechtelāken , N. nhd. Betttuch für Knechtsbetten E.: s. knecht, lāken (1) L.: MndHwb 2, 595 (knechtebedde/knechtelāken)

knechtelōn

KöblerMnd

knecht·e·lōn

knechtelōn , N. nhd. Lohn für den Knecht, Lohn für den Gehilfen, Lohn für den Gesellen E.: s. knecht, lōn L.: MndHwb 2, 595 (knechtbedde/kne…

knechten

DWB

knechten , 1 1) zum knechte machen, wie einen knecht behandeln, in knechtschaft bringen und halten: kehrte seinem .. durch den könig Harald …

Knechtenbäu

RhWB

Knechten-bäu (-erntezeit) Neuss-Büttgen , Kemp-Vorst m.: Ziehtag (Lichtmess) des Gesindes.

knecht als Zweitglied (30 von 771)

abbetēkenknecht

KöblerMnd

abbetēke·n·knecht

abbetēkenknecht , M. nhd. „Apothekenknecht“, Apothekergehilfe Hw.: s. abbetēkæreknecht, abbetēkæregeselle E.: s. abbetēke, knecht L.: MndHwb…

abbetēkæreknecht

KöblerMnd

abbetēkære·knecht

abbetēkæreknecht , M. nhd. „Apothekerknecht“, Apothekergehilfe Hw.: s. abbetēkenknecht E.: s. abbetēkære, knecht L.: MndHwb 1, 2 (abbetêkerk…

Achtknecht

DRW

acht·knecht

Achtknecht zu 1Acht Gerichtsdiener der rodt ... eynen orer achtknechte zur phandunge leyhen um 1500 ErfurtWasserO. II 1 "achtknecht apparito…

ackerknecht

DWB

acker·knecht

ackerknecht , m. , auf groszen landhöfen, der knecht, welcher den acker zu bestellen hat, im gegensatz des pferdeknechts, fuhrknechts: diene…

Alpknecht

DRW

alp·knecht

Alpknecht 1609 JbSchweizG. 25 (1900) 42 SchweizId. III 722 Faksimile UriLB. II 28 Art. 281

ambachtenknecht

KöblerMnd

ambacht·enknecht

ambachtenknecht , M. nhd. „Amtknecht“, Zunftgeselle, Handwerksgeselle, Amtsdiener Hw.: s. ambachtknecht, ambachtesknecht E.: s. ambacht, kne…

ambachtesknecht

KöblerMnd

ambachtes·knecht

ambachtesknecht , M. nhd. „Amtsknecht“, Zunftgeselle, Handwerksgeselle, Amtsdiener Hw.: s. ambachtknecht, ambachtenknecht E.: s. ambacht, kn…

ambachtknecht

KöblerMnd

ambacht·knecht

ambachtknecht , M. nhd. „Amtknecht“, Zunftgeselle, Handwerksgeselle, Amtsdiener Hw.: s. ambachtesknecht, ambachtenknecht Q.: DW2 (1385) E.: …

Amtmannsknecht

DRW

amtmann·s·knecht

Amtmannsknecht Förster die amptmansknecht des waldes pfenden doran und ist wagen und pferd verloren 1461 Tucher,NürnbBaumeisterb. 93 Faksimi…

Amtslandknecht

DRW

amts·landknecht

Amtslandknecht Amtsdiener 1659 CAug. II 316 Faksimile Hugo Meyer, Strafverfahren gegen Abwesende 166 Anm. 1

anknecht

DWB

ank·n·echt

anknecht , m. apparitor, eine ehmals zu Erfurt hergebrachte benennung. Stieler 994 .

armborstæreknecht

KöblerMnd

armborstære·knecht

armborstæreknecht , M. nhd. „Armbrustknecht“, Geselle des Armbrustmachers Hw.: s. armborstēræreknecht E.: s. armborstære, knecht L.: MndHwb …

armborstēræreknecht

KöblerMnd

armborstērære·knecht

armborstēræreknecht , M. nhd. „Armbrustknecht“, Geselle des Armbrustmachers Hw.: s. armborstæreknecht E.: s. armborstērære, knecht L.: MndHw…

Armknecht

DRW

arm·knecht

Armknecht Leibeigener 1432 Indersdorf I 232 (nr. 601) Faksimile 1449 SchwäbWB. I 322 Faksimile EgerChr. nr. 1150 MZoll. I 444 Faksimile

Ableitungen von knecht (6 von 6)

beknechten

DWB

beknechten , in servitutem redigere: den menschlichen geist beknechten. man sagt lieber blosz knechten. sich beknehten hiesz mhd. sich mit k…

beknechtung

DWB

beknechtung , f. was knechtung: der kampf für geistesfreiheit gegen beknechtung.

entknechten

DWB

entknechten , liberare, vindicare in libertatem. Stieler 995 .

unknecht

DWB

unknecht , m. , servus iners Stieler 995 (un IV B). —

verknechten

DWB

verknechten , verb. zum knecht machen: von den verdorbenen, verknechteten und romanischen Galliern. Arndt erinnerungen 221 (1840) .

verknechtung

DWB

verknechtung , f. : königthum und kirche im engsten bunde zu dem gemeinsamen zwecke: der verdummung und verknechtung der völker. Berl. jahrb…