frei ,
liber, goth. freis
gen. frijis,
ahd. frî
gen. friges
und frîes,
mhd. vrî vrîes,
alts. fehlend, doch in frî,
femina ingenua wirksam, mnl. vrî vries,
nnl. vrij vrijes,
friesisch frî, fries,
ags. frî
und freo,
pl. frige,
engl. free.
altn. kein frîr
aufzuweisen, frî
selten, schw. dän. fri.
das lett. brihws
frei, erlaubt, ledig scheint von uns entnommen. dies ganze wort reicht in hohes alter und hat groszen zusammenhang. aa) frei
entspricht zunächst dem lat. prîvus (
für prigvus?),
welches singulus, suus, sl. svoi,
gr. ἴδιος ausdrückt. der freie
ist sein selbes eigen, sui juris, keines andern eigen. selbständige, unbesiegte völker heiszen freie, Frijai, Frigê, Franken,
was bedeutsam an die thrakischen Βρίγες (
bei Strabo),
Βρύγοι (
bei Herodot),
so wie an die Φρύγες mahnt. der Βρίξ,
Φρύξ steht zu friks, frech, i
und u
schwanken, das b
zu f,
gleicht dem in βάλλειν, fällen.
dem begriffe nach sind die sui Suevi,
sl. svobodnyi,
folglich hat unser Franke
und Schwab
gleichen sinn. wie uralt klingen beide namen! bb)
nach dem besiegten pflegt der freie
seinen knecht zu nennen (
GDS. 771),
sein gut ist freies eigen, freies alod, franc aleu, svês, suâs,
proprium. seine verwandten sind svêsai,
domestici, familiares, privati, gehören zum haus und geschlecht. die freie frau
ist alts. frî,
ags. freo. cc) frijôn
ist lieben, gleichsam sich aneignen, freien
ist heiraten, brautwerben. den Slaven war Prije
Aphrodite (
mater verb. 3
a),
den Deutschen Fria, Frea, Frija,
deren tag Frîatac, Freitag,
dies Veneris. hier greifen Freyja
und frowâ, fraujô
ein, von andrer seite Frieg, Fricke, Frecke,
weil auch friks,
frech, frei, mutig, anmutig. unser lieben
und lieb,
goth. liubs,
sl. ljubiti
gleicht dem lat. lîber
und lubere. dd) freien,
frei machen wird negativ zu privare, orbare, solvere, lösen, der orbus
ist seiner kinder ledig beraubt. der privus, privatus,
weil domesticus. familiaris ist auch mansuetus, zahm, fr. apprivoisé,
poln. swojski
und frei
nähert sich dem begriffe des milden, schönen. ee)
es musz sich also auch berühren mit froh, freuen
und frauja
herr, wie Fricke
und Freyja
aneinander reichen. in betracht kommt das mnl. vraei,
nnl. fraai
venustus, laetus =
froh. den übergang von frei
zu frô, freo
macht der wechsel zwischen vierter und fünfter ablautsreihe begreiflich und soll unter den betreffenden wörtern beleuchtet werden. ff)
aus weiterer ferne klingen an die partikeln fra, fri, fram
und was daher alles entspringt. an den bedeutungen des adj. wird sich das aus den wortformen geschlossene mehr entfalten. 11)
dem stande nach ist frei
wer bleiben kann wo, gehen wohin er will, ἐλεύθερος von ἐλεύθειν,
den frei gelassenen
heiszt der herr gehen wohin er wolle. ein knecht musz beim herrn verharren. ich bin ein freier mann, frei geboren, von freien eltern; nu ist si frî als ich dâ bin.
a. Heinr. 1497; ër was von frîen liden komen.
klage 697.
nhd. wenn ein man bei einem weibe liegt, die eine leibeigen magd ist, das soll gestraft werden, aber sie sollen nicht sterben, denn sie ist nicht frei gewesen.
3 Mos. 19, 20; bistu ein knecht berufen, sorge dir nicht, doch kanst du frei werden, so brauche des viel lieber (skalks galaþôþs vast, ni karôs, akei þauhjabai magt freis vairþan, mais brukei).
1 Cor. 7, 21; bin ich nicht frei?
οὐκ εἰμὶ ἐλεύθερος; ni im freis? 9, 1; denn wiewol ich frei bin von jederman, hab ich doch mich selbs jederman zum knechte gemacht. 9, 19; denn der magd son sol nicht erben mit dem son der freien (untê ni nimiþ arbi sunus þiujôs miþ sunau frijaizôs).
Gal. 4, 30; und wenn man umb die güeter richten sol, so mögen die husgenoszen einen freien darsetzen ze richten. es sol auch ein vogt bei dem freien sitzen ze gericht.
weisth. 4, 370; wir sind frei und sind niemands knecht, das ist unser altväter recht.
froschm. Bb 3
a;
[] denn mit dem knechte zugleich bemüht sich der thätige freie. Göthe 40, 328; nun bist du los der allzulästgen schwere, bist frei und frank, nun frisch zu deiner sphäre! 41, 49; ich will nicht, dasz der bauer häuser baue auf seine eigne hand und also frei hinleb, als ob er herr wär in dem lande. Schiller 519
a; o lerne fühlen, welches stamms du bist, das haupt zu heiszen eines freien volks. 526
a; der mann ist wacker, doch nicht freien stands. 528
b; denn dieses ist der freien einzge pflicht, das reich zu schirmen, das sie selbst beschirmt. 529
b; wir wollen frei sein, wie die väter waren. 531
b; so reich ich diesem jüngling meine rechte, die freie Schweizerin dem freien mann. 552
b.
der herr entläszt den knecht aus seiner hand und gewalt, manumittit, läszt, macht, gibt, sagt, spricht ihn frei: da sind beide klein und grosz, knecht und der von seinem herrn frei gelassen ist.
Hiob 3, 19; das ein iglicher seinen knecht und ein iglicher seine magd solte frei geben.
Jer. 34, 9; und ire magd Abra machet sie frei.
Judith 16, 28,
mhd. bei Diemer 180, 22 dô lie si ir Abram vrîe; knecht aber, welche die Walchen sclavos nennen, seind mit leib, weib, kind und guot irs herren und alles das si gewinnen, so lang er in nit frei sagt und mit freiheit begabt. Frank
chron. 241
a; und frei erklär ich alle meine knechte. Schiller 552
b. freie menschen
bilden freie,
unabhängige völker, freie staaten,
und in königreichen sind noch freie städte, freie dörfer, freie hafen
gelegen. 22) frei,
ungefangen; er liegt gefangen, ist nicht mehr frei; er ist wieder frei geworden,
der gefangenschaft ledig; alle im krieg gemachten gefangnen sollen nach dem friedensschlusz frei gelassen, auf freien fusz gestellt werden; und Simon machet frieden mit inen und liesz sie frei abziehen. 1
Macc. 11, 66; die thiere laufen frei im walde; der vogel entfliegt aus seinem käfich frei in die lüfte; ich bin so fri und ledig und ungebunden. Keisersberg
bilger 67
d; ich kann und mag nicht wieder frei (
werden, entrinnen). Günther 252. Schmidt
von Werneuchen an seinen vogel (
gedichte 26): denn du warst ein freier sänger in der freien weiten welt, wustest nicht, wies dem gefällt, den auf lebenslang ein enger vogelthurm gefangen hält. 33)
eine vom band der liebe und ehe ungefesselte frau heiszt frei
oder ledig,
vielleicht gieng das alts. frî
n. ursprünglich auf die unvermählte, vgl. Hel. 13, 14. 16.
frauen banden sich haar und haupt, mädchen blieben ungebunden, unberingt. heute ist die vorstellung fast nur abgezogen und von herz und liebesverhältnis zu verstehn: das mädchen ist nicht mehr frei,
non amplius libera est, sie ist verlobt, vergeben; Hilariens herz ist nicht mehr frei. Göthe 22, 33; unter einigen allgemeinen gesprächen fragte ihn Therese: sind sie frei? 20, 46. 44) frei,
solutus, vom ungeschornen, frei wachsenden, vom ungeflochtnen, frei fliegenden haar der männer oder frauen: so lange die zeit solchs seines gelübds weret, sol kein schermesser uber sein heubt faren und sol das har auf seinem heubt lassen frei wachsen.
4 Mos. 6, 5; ir heubt sollen sie nicht bescheren und sollen auch nicht die har frei wachsen lassen, sondern sollen die har umbher frei verschneiten.
Ez. 44, 20.
im alterthum trug der freie mann
und das ledige freie mädchen
locken; ihr haar flog frei, wie es sich von selbst ringelte; Agathon, aus dessen schwarzen augen männer freundschaft, mädchen liebe saugen, mit dem freien dunkelbraunen haar. Gotter 1, 84. 55) frei,
offen, apertus, patens, 5@aa)
von hals und brust, 'freie brüste',
ofner busen: ein schnee ist mir bekannt, der mehr als feuer hitzt, wann Nivula entblöszt mit freien brüsten sitzt. Logau 1, 181, 63; euer brust die ist ein fenster, euer brüste, die sind scheiben, die ihr jungfern so mit fleisze pfleget an den tag zu treiben. 3, 63, 32, 'freie brüste'; von ihrem freien hals hangt eine perlenschnur. Zachariä 1, 23. 5@bb)
von brunnen und wasser: zu der zeit wird das haus David und die bürger zu Jerusalem einen frei offenen born haben wider die sünde und unreinigkeit (
vulg. in die illa erit fons patens domui David).
Zachar. 13, 1; sich im freien flusz baden; das baden im freien wasser, unter offenem himmel. Göthe 48, 96.
[] 5@cc)
von himmel, luft, feld und strasze, was auch durch das blosze adj. mit ausgelasznem subst. ausgedrückt zu werden pflegt: im freien,
sub divo, unter freiem himmel; ins freie gehen,
prodire in apertum; sie durfte frei im freien sich ergehen. Schiller 503
a; wenn in der ersten frühlingszeit die mädchen sich ins freie trauen. Uhlands
ged. 17; hoch soll michs erfreuen, wenn unter den reihen der sylphen und feien du schön dich im freien verlustiget hast. Kl. Schmidt
poet. br. 64; er wollte das freie suchen, fand sich aber gefangen. Göthe 21, 158; bis dieser schatz zuletzt ganz ins freie fiel (
offen lag). 30, 42; drauszen im freien stiegen nebel auf; der vogel ist wieder im freien; hat der adler die hasen nur erst aufs freie, so entlaufen sie ihm nicht. Döbel 1, 73
b.
ebenso oft geleiten substantiva: freier himmel, freie luft,
vacuum, liberum; in der freien luft sich umtreiben; die eule sasz in einer holen kluft, in welcher sie mit klugem auge wachte, und hörte da, wie in der freien luft auf einem baum die elster sie verlachte. Drollinger 140; ich sah ihn in der freien luft sich bilden. Göthe 20, 115; das freie feld,
campus patens; und lasse den lebendigen vogel ins frei feld fliegen.
3 Mos. 14, 7; ich bin aufgewachsen wie ein schöner olebaum auf freiem felde.
Sir. 14, 19; freier raum, platz, freie bühne, freie aussicht,
prospectus apertus; der mord geschah auf freiem markte; zu Babel wurden schöne töchter auf freiem markte feil gestellt. Logau 3, 117, 92; freier weg, freie strasze; die unzüchtigen würden auf freier gasse ihre lust ausüben. Ettners
hebamme 229; die freie strasze sperren; der weg steht dir frei; jetzt fort, geschwind, da der weg noch frei ist! Schiller 655
b; auf freier strasze,
en pleine rue; auf der freien strasze ermordet.
irrg. der liebe 364; ich schleiche nicht, ich wandle nur für mich, wies mir gefällt, auf freier, breiter strasze. Göthe 10, 238; ihr thut nicht wol, dasz ihr um diese stunde allein auf freien straszen wandelt. 10, 239; er hatte in den angesehensten häusern freien zutritt; der flusz hat seinen freien lauf durch das flache land. 5@dd)
anwendungen: seinen worten, empfindungen freien lauf lassen; sie liesz nunmehr ihren lange zurückgehaltnen vorwürfen freisten lauf; seinen thränen freien lauf lassen; ein freies,
ofnes auge; ein freier blick; sie wechselten zum ersten mal entschiedne freie küsse. Göthe 17, 359; die brust, der athem ist wieder frei. 66) frei,
ungehindert, in freier wahl und willkür stehend. freie hand haben,
ad arbitrium agere; er hat nicht mehr freie hand, seine hand ist nicht mehr frei; es steht in meiner hand, es steht mir frei zu thun oder zu lassen; ich will ihm seine hände frei machen,
lösen; um also dem kaiser gegen die Böhmen geschwind freie hände zu machen, stellte es (
das französische ministerium) sich zwischen die union und ligue als mittelsperson dar. Schiller 903
b. das haus soll aus freier hand verkauft werden,
inter privatos, sua ipsius auctoritate; das guot sol der vogt ziehen mit einer freien hand.
weisth. 4, 245; etwas mit freier hand schreiben, entwerfen, zeichnen,
vgl. lat. proprio Marte. ich thue es aus freien stücken,
sponte; umarmete und küssete sie ihn von freien stücken.
irrg. der liebe 347. 77) frei,
ungebunden, losgebunden, unsittlich, frech. der freigelassene wird ausgelassen, libertinus, libertin, leichtfertiger bube, s. freihart.
eine freie dirne,
nach dem späteren ausdruck, eine freie schöne,
ist eine zuchtlose, ausschweifende, die namen dirne, bube
selbst tragen übeln sinn an sich (2, 1188. 460). die Jüden meinen sie sei eine freie dirne. Luther 6, 106
b; das der Türken ehe fast gleich sihet dem züchtigen leben, so kriegsknecht füren mit iren freien dirnen.
vom krieg wider die Türken. Wittenb. 1529 D 3; es ist kein mensch so arg er hat etwas guts an sich, es hat zuweilen ein frei weib solche gute art an sich, als sonst kaum zehen ehrliche matronen haben. D 4.
in Reuters
kriegsordn. s. 70
hebt des profoszen anklage an: herr schultheisz, der profosz stehet allhier vor recht und klaget von regiments wegen uber diese gegenwertige weibsperson N von N wegen ihrer missethat, so sie bei nacht und nebel begangen, das sie als ein heillose, trew und ehr vergessene hur vormals ins läger unter disz regiment kommen und ires freien lebens mit jedermann gepfleget;
[] ein freies leben führen wir, ein leben voller wonne. Schiller 133
a. dein freies maul ist so bekannt. Günther 220; freie,
freche worte, reden fielen unter dem erhitzten volk; nichts gefährlicher als ein allzufreies gespräch, das einen strafbaren oder halbstrafbaren zustand als einen gewöhnlichen, gemeinen, ja löblichen behandelt. Göthe 17, 113. 88)
im gegensatz neigt frei
in die vorstellung des anmutigen, schönen, heiteren, frohen, frischen. sp. 56
sahen wir das verwandte frank
unmittelbar zu froh
und fröhlich
gesellt, frank
und frei
verhalten sich wie frank
und froh,
für frech
bestand die edle bedeutung von kühn und mutig, gerade so ist auch in frei
das frohe, freudige, frische gelegen: vrî sî dër, swër eine reine lieplîch mac umbevâ
n. MSH. 2, 395
b; Ludewîc dër frîe sîne bürge sach.
Gudr. 956, 1; frî (
al. vrô) und sêre fröudehaft.
Trist. 16, 28; vrî unde vrœlîch. 396, 20;
nhd. er hats gar wol gesungen aus frischem freien mut. Hildebrand 159; ei wer uns dieses liedlein sang? ein freier reiter ist ers genant.
lb. 1582, 138; wer ist nun der das liedlein sang, ein freier landsknecht ist ers genant, er hats so frei gesungen. Soltau 359. mutige
und freie herzen
verbindet Luther 3, 27
b. seid ir nit freies lebens? Steinhöwel
dec. 528, 37,
wo spätere ausg. setzen freies mutes,
und der text hat se non vi dà il cuore d'esser ben sicuro; Freiesleben
ist ein bekannter eigenname, der also einen freien, frischen mann bedeutet; bei Walther 11, 21
war frîeʒ lëben
das unknechtische. Göthe
redet 60, 141
von höhen, abhängen, flächen, die mit weide, wiese, fruchtbau, wald immerfort abwechselnd, einen freien, frohen blick gewähren; 20, 115
von einem knaben, der durch felder und wälder laufend, neben einer freien und heiteren begleiterin sich bildet.
der sorgenfreie mensch
sieht heiter aus, der traurige
niedergeschlagen. 'du siehst nicht ganz frei, was fehlt dir?' 8, 44. 42, 56. 279; 'willkommen Oranien. ihr scheint mir nicht ganz frei'. 8, 217; desto heitrer, freier werde ich zu dir zurückkehren. 42, 317.
in den br. an frau von Stein 2, 326
geht aber 'wie hast du geruht? ist dein kopf frei?'
auf abwesenheit des kopfschmerzes. jenes frei
scheint nahe das nl. fraai,
welchem sich buchstäblich unser froh
vergleichen darf: lasz die freien jauchzer klingen! Günther 912.
menschen wie bäumen wird ein freier,
schlanker wuchs
beigelegt, gerade wie sich frech
auf den frischen wuchs bezog (
sp. 92).
dies frei
ist also schön und heiter: o wie frei, wie schön ist sie. Lessing 1, 72. die natur ist überall schön und frei.
der sprachgebrauch macht hiervon manche anwendungen. freie künste,
arts libéraux und schöne künste,
beaux arts grenzen an einander. der freien kunst,
den freien künsten
sind handwerk
und strenge künste
entgegengestellt, die freien künstler
den handwerkern. Göthe 23, 159. 161. das grosze, freie talent, die dreiste hand des künstlers, 22, 141,
der freie pinsel des mahlers
unterscheiden sich von der beschränkten, gebundnen, zunftmäszigen hand.
die freie übersetzung
oder bearbeitung
ist entgegengesetzt der knechtischen, strengen. es gibt zweierlei arten von schönheit,
sagt Kant 7, 51
und 74: freie schönheit und blosz anhängende, blumen sind freie naturschönheiten.
das wolgefallen des geschmacks am schönen ist ein freies.
nach allem diesem ist in der schönen natur freiheit und heiterkeit gelegen, wie auch in den wortbedeutungen erscheint. 99)
der mensch hat freien willen,
ist freies mutes,
seine gedanken, entschlüsse, handlungen sind frei,
seine sitten und zustände, seine rede und sein betragen bilden sich frei
aus. freies mutes,
sua sponte. Steinhöwel
dec. 118, 7; aus freiem willen.
Esra 1, 4; freies lob, freier tadel, freie wahrheit, freies zeugnis
und bekenntnis. wie er Ottilien in absicht eines freieren betragens, einer bequemeren mittheilung sehr zu ihrem vortheil verändert finde. Göthe 17, 288; sohn, mehr wünschest du nicht die braut in die kammer zu führen, dasz dir werde die nacht zur schönen hälfte des lebens, und die arbeit des tags dir freier und eigener werde, als der vater es wünscht und die mutter. 40, 273; sein tagebuch das er mit der aufrichtigkeit der freiesten seele für seinen vater machte. J. P.
Hesp. 2, 27; auch ihm war freie wahrheit der offene helm des seelenadels.
Tit. 3, 16.
[] 1010) frei
auf sachen, zustände, vorgänge bezogen: ein körper in freier bewegung. Kant 8, 32; freie schwingungen des pendels; freie,
ungebundne wärme; der freie handel, freie umlauf des geldes; das freie geld,
das überall gültige: sie sein komen in guter fruntschaft und haben aldo umb ir frei geld getrunken. Neumanns
Magdeburger weisth. s. 34 (
a. 1452). ein freier tag,
dem die arbeit erlassen ist, eine freie nacht,
die gesellschaftlich im wirtshaus zugebracht werden darf; freie stunden,
denen das gewöhnliche geschäft entnommen wurde; freie,
erübrigte musze,
in welchem worte an sich schon diese vorstellung enthalten ist, ahd. muoʒa,
otium; ich habe keine freie zeit, meine zeit ist nicht mehr frei; ich hasche nach freien augenblicken. freie kost, freie speise
heiszt es vom empfang des sacraments im abendmahl; freie wohnung
ist gefängnis oder sarg: so sehr das volk auch abendmahl, wie testament, für eine selbstverschreibung an den tod ansieht, so konnte seine zerronnene frau ihn doch nicht in dieser freien wohnung liegen sehen, ohne ihn zu freier kost zu bereden. J. P.
Fibel 73 (51). 1111) frei
bindet sich zum subst. im gen. oder durch praepositionen. des gen. bediente sich die alte sprache viel häufiger: nëve, ich pin dës mærs noch vrî (
weisz noch nicht), wër diu clâre fünfte frouwe sî.
Parz. 672, 23; nû sprëchent ir doch, ir sît vrî valscher rede, wie schînet daʒ?
Iw. 2510; Ortrûn was alles arges gegen ir tugende frî.
Gudr. 983, 1; dô was ër dës gedingen gar in hërzen vrî.
Nib. 679, 2; daʒ si vor iu sî spotes frî. Lichtenst. 618, 19.
nhd. thue es in einen hafen, der innen verglast sei, daran pistu der farbe frei (
er kann farbe haben, welche er will). Haupt 9, 372; pflag den leuten die schuhe zu flicken, mit holz und henfen drat zu sticken, jedoch war er seins mutes (
in seinem mute) frei, sang und war stäts frölich darbei. Waldis 4, 32; das ich nur wer des todes frei.
froschm. Aa 3
b; daher dan solcher müh und ruhm sie beede frei. Weckherlin 611; grunzt ein so hoher gott, als wenn er sinnen frei? Gryphius 1, 711; der lebte wol vergnügt und aller sorgen frei. Canitz 91; mach uns aller sünden frei. Klopstock 7, 185; dann mag die todtenglocke schallen, dann bist du deines dienstes frei. Göthe 12, 86; und ich fühlte frei mich aller banden. Körner 1, 264; komm und in stiller pflege werd eitler arbeit frei. Rückert 265.
solchen gen. kann die praep. von
oder vor
ersetzen: mhd. von dëm mær was ër dër frîe.
Parz. 478, 29;
nhd. vom bart der alten welt und von der alten treu ist unser glattes kinn und unsre seele frei. Hagedorn 1, 41; der wald ist frei von eis und reifgehänge. Göthe 1, 232; denn nu ir frei worden seid von der sünde.
Röm. 6, 18; denn da ir der sünde knechte waret, da waret ir frei von der gerechtigkeit. 6, 22; er fühlt sich frei von vorurtheil, leidenschaft; ich bin frei von allem leid, von schmerz; das land ist frei geblieben von der seuche; frei von schuld, von klage, von vorwurf =
schuldfrei, klagfrei, vorwurfsfrei; dein brief, dein brief allein kann meine ruhe stiften, die liebe spricht mich auch von andrer arbeit frei. Rost
schäferg. 66.
mhd. mache unsich vor dën heiden frî.
Rol. 268, 19; ër wëste wol daʒ Keiî in niemer gelieʒe vrî vor spotte und vor leide.
Iw. 1532; si ist worden vrî vor leide.
MS. 2, 53
a; vor zagheit dër vrîe.
Parz. 27, 26; kint vor missewende vrî. 87, 18. 234, 27; vor valscheit diu vrîe. 413, 2; alrêst bin ich nu worden vrî vor vreuden.
Wh. 172, 2; manec hôchgemüetic lîp und doch niht vor jâmer vrî. 370, 7; von
und vor
schwanken auch, z. b. Nib. 419, 8.
nhd. das sie unter euch frei seien fur dem blutrecher.
Jos. 20, 3; der wolf nimmt was ihm kümmt, ist feind für wild und vieh, was mensch und menschlich ist, ist frei für menschen nie. Logau 1, 108, 53.
auch kann mit
auf frei
folgen: wer redlich ist im herzen und mit dem munde frei, der wisse dasz bei hofe behäglich er nicht sei. 3, 11, 33;
[] weil ich gerne gebe zu und bin frei mit schenken, wird man dasz die wahr gar schlecht leichtlich wollen denken. 3, 192, 2. 1212) frei
neben dem verbum erscheint 12@aa)
im nom. frei sein, werden, bleiben,
wie oben unter 1: frei sein ist der götter art. Günther 913; allein sein herz blieb frei. Gellert 1, 135; frei sein,
unverpflichtet, ungehalten sein. 5 Mos. 24, 5.
heute oft in der höfischen formel: ich bin so frei,
so kühn, erlaube mir, nehme mir die freiheit zu fragen; darf ich so frei sein, sie zu bemühen? frei liegen
oder stehen: das haus liegt frei auf einem hügel; es steht mir frei,
ist mir gestattet. frei stehn,
licere, ad arbitrium agere posse: seht weg, seht hin, es steht euch alles frei. Rost
schäfererz. 46; dem rauch steht frei zur thür oder durch die dachklinsen hinaus zu schleichen. Berlepsch
Alpen 370.
ähnlich ist, es frei haben: wenn die katzen nicht zu hause sind, haben die mäuse frei tanzen. Kretschman
hauskabale 34,
wo sich tanzen
auch substantivisch fassen läszt. frei ausgehn,
oft im sinn von unbestraft bleiben oder nicht haften, nicht bezahlen: er ist schon wieder frei ausgegangen,
ohne strafe; wer den gröszten wunsch hervor bringe, der solle frei ausgehen an der zeche. Hebel
hausfr. 67. frei daher schreiten, zurück treten, zurückstehen: um diese ehr mag Schwitz mit Uri streiten, wir Unterwaldner stehen frei zurück. Schiller 528
b. 12@bb)
im acc. frei lassen, geben, machen, sprechen, erklären, bitten,
der heutige schreibgebrauch rückt die wörter zusammen: ër sprach, sun sô wil ich dich mîner zühte lâʒen frî.
Helmbr. 425. ich bitt ihn frei. Gellert 1, 200; die schule frei bitten; frei gehen, laufen lassen: wer hat das wild so frei lassen gehen?
Hiob 39, 5; aber du lessest sie frei gehen wie schafe, das sie geschlacht werden.
Jer. 12, 3; und das wir das siebende jar aller beschwerung frei lassen wollen.
Neh. 10, 31; mach ich so gut ich kann mich dieser gäste frei. Canitz 109,
mich davon los; einen lehrling frei sprechen; sie, herr Melina, haben mich noch nicht bezahlt, und ich spreche sie von dieser forderung hiemit völlig frei. Göthe 19, 52; wenn mich das reinste bewustsein nicht frei spräche. 19, 51; gib die gewissen frei in deinen reichen. Schiller 307
a. einem frei lassen, frei geben
bedeutet erlauben, gestatten, zugeben: falsch, dasz auf diesem concilio zu Tours dem Berengarius frei gegeben worden, seine meinung zu vertheidigen. Lessing 8, 397.
aus dem passiven ausdruck folgt der active. frei wehen,
spirando liberare: du freudenbringer, schöner mai, erquicker mit dem blütenkranze, du wehest brust und athem frei. Seume
gedichte s. 241. 1313)
in folgender stelle steht frei
für freiherr (
baro): der edelman bgert zu sein ein frei, der graf wünscht das er gfürstet sei. Thurneisser
archidoxa 39.