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unfrei

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unfrei adj. adv.

Bd. 24, Sp. 580
unfrei, adj. adv. , gegentheil von frei. ahd. mhd. unvrî; mnl. onvri; nl. onvrij; engl. unfree; n. ufri; schwed. ofri (vgl. anord. úfrjáls); Staub-Tobler 1, 1262; Dijkstra 2, 289a. AA. adjectiv. A@11) als standesbezeichnung: die eygen of onvry is teuthonista; mnl. wb. 5, 1530; den unfryen Cappodociern Zwingli d. schr. 1, 173; den freien und unfreien hintersassen Schwappach handbuch 1, 12. substantiviert: mit unfreien streitet kein edler R. Wagner 6, 33. unfrei der allgemeine ausdruck, der leibeigen, eigenbehörig und andere arten der einschränkung der freien gewalt über seine person unter sich begreift Adelung. ebenso unfreies blut Freytag 18, 51; unfreie bauerngüter Adelung. für illiberalis, eines freien unwürdig: solliche unfreye tat Terenz (1499) 107b; gewerbe, kunst, arbeit Frisius, Maaler; es ist aber schandlich und unfrey des kauffmanns gewin Agricola-Bech 19; jene sklaveneintheilung von freien und unfreien, lohn- und spielkünsten Herder 22, 130. im wortspiel: bis in den breiten schatten des jesuitencollegiums, wo .. die sieben freien künste und unfreien wissenschaften gelehrt werden Laube 8, 9. vgl. 3. mnl. onvri onedel, nicht edeldenkend wb. 5, 1531. A@22) vom mangel an staatlicher, kirchlicher, gesellschaftlicher freiheit: die deutsche kirche war unfreier J. Grimm kl. schr. 7, 543; in einem unfreien staate Treitschke aufs. 1, 25; bauernschaften Riehl d. arbeit 77; presse Herwegh briefe 302; wir sind unfrei, werkzeuge, hofsklaven Fontane I 2, 196. A@33) vom mangel an individueller, sittlicher, psychologischer, metaphysischer, künstlerischer, practischer u. s. w. freiheit; und zwar eigentlich und uneigentlich, von personen, eigenschaften, handlungen und deren ergebnis. mnl. onvri einer leidenschaft, der liebe, der sünde unterworfen: unfrîeren uuerdent sie Graff 3, 788; juden, die in unglouben wandlend, nochmaln unfrye als gevangen verhafft und zerströwt sint Riederer rhetor. t ivb; das gesetz Mosi macht gefangne unfreye hertzen Luther 8, 11 Weim.; also ist es (übung guter werke) unfry Zwingli d. schr. 1, 273. von Adelung für unzulässig gehalten. unfreie handlungen getrauet man sich so leicht nicht zu sagen, so sehr die nothwendigkeit es auch oft erforderte Heynatz antib. 2, 519. an umfangen, gebunden reichend Kinderling 64. der sprachkritik des 18. jhs. zum trotz bald reich entwickelt: den unfreien willen Herder 16, 500; mir wird unfrei, mir wird unfroh, wie zwischen gluth und welle Göthe 1, 5, 186 Weim. (Vosz contra Stolberg); vgl. frei (th. 4, 1, 1, 97) 8; halber und unfreier talente 32, 68, 2 Weim.; verdienst macht ihn (den freien geist) unfrei; zustand Arndt 1, 245; anstand Ayrenhoff 6, 62; der unwissende ist u. Hegel 10, 1, 128; gelübde Ranke 2, 50; sprachverwirrung J. Grimm kl. schr. 3, 250; im schaffen Hoffmann von Fallersleben 7, 111; so dasz ich u. wurde, weder arbeiten noch ausgehen konnte leben 4, 310; helden Freytag 14, 82; in eigner fessel fing ich mich, ich unfreiester aller R. Wagner 6, 36; die stellung des magistrats der praxis gegenüber war weder eine freie noch völlig unfreie Jhering geist 2, 1, 286; unfreie reflexbewegungen. wie ward Fr. Stolberg ein unfreier? Vosz 1819, s. o. Göthe; erst das vollkommene und freie, dann das unfreie Ruge briefw. 2, 425. A@44) die ältere sprache kennt auch verbindung mit näheren bestimmungen im genitiv, mit präposition oder infinitiv: des lobes unvrîe also theilhaftig j. Titurel 2026; des libes Scherz-Oberlin 1828; das ich glaub, kein volk vor ir (der fasnacht) sein so unfrei (also gezwungen), mit dinsten ir zu wonen bei fastnachtsp. 1, 379, 14 Keller. vgl. th. 4, 1, 1, 98. mnl. mijn selfs onvri mnl. wb. 5, 1530; nl. wb. 10, 2181. A@55) von einer theilbedeutung aus hatte sich schon mnl. onvri non securus, non tutus, onveilig, onzeker entwickelt. nl. onvry verboten einzuführen, onvry goed contrebande, eene onvrye plaats ein unsicherer platz, onvry in zyn eigen huis zyn nicht sicher in seinem hause sein Kramer-Moerbeek 1, 336b; het is hier onvrij wonen nl. wb. 10, 2181. im deutschen nicht ausgebildet, doch terminologisch: den durch krieg, einfuhr- oder ausfuhrverbot unfrei gewordenen teil der ladung ist er jedenfalls aus dem schiffe herauszunehmen verbunden handelsgesetzbuch § 636, 2. vgl.C. unfreie, mit zoll beschwerte güter nl. wb. 10, 2181. nl. auch von personen: niet vrijgesteld van tolplichtigheid of eene andere verplichting mnl. wb. 5, 1530. A@66) mundartlich und veraltet sind die bedeutungen unbequem, unangenehm, widerlich, unschön, ungeziemend, unliebenswürdig (Staub-Tobler 1, 1262): es ist nüd ufrî ziemlich bequem; ein unfreier mensch, der nun auf seinen nutz füraus luogt quelle (1557) ebd.; doch auch Stieler 559 illiberalis, absurdus; nl. onvryheid unbequemlichkeit Kramer-Moerbeek. zur bedeutungsentwicklung s. Staub-Tobler 1, 1261 f. und lat. illiberalis. BB. adv. nach den bed. des adj. B@11) unfrei geboren Dahlmann gesch. v. Dänemark 3, 339. B@22) (die cultur im Nilthal) durch priesterliche und politische einrichtungen ... unfrei gemodelt Humboldt kosmos 2, 158. B@33) das borgen und unfrei leihen Luther 15, 304, 14 Weim.; u. athmen Bettine Günderode 2, 288. CC. im rechtssprichwort: unfreies schiff, unfreies gut; frei schiff, unfrei gut; unfrei schiff, frei gut Graf-Dietherr 530. 534; vgl. oben A 5; die unfreye hand ziehet die freye nach sich Eisenhart grundsätze (1759) 75; Graf-Dietherr 59; J. Grimm kl. schr. 6, 166; vgl. oben A 1. —
5479 Zeichen · 128 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unfreiadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Unfrei , — er, — este , adj . u. adv . nicht frei, besonders nicht ohne Einschränkung und Zwang im bürgerlichen Leben, u…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unfrei

    Goethe-Wörterbuch

    unfrei [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unfrei

    Rheinisches Wb.

    un-frei: dafür net fr. — Wird einer beim Klickersp. kabut u. glaubt er, in diesem Spiele seinen Kl. noch zu gewinnen, so…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unfrei

17 Bildungen · 17 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unfrei 2 Analysen

un- + frei

unfrei leitet sich vom Lemma frei ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+fr+-ei

unfrei‑ als Erstglied (17 von 17)

unfreideins* 2=

KöblerGot

unfreideins*<b> </b>2= , st. F. (i/ō) nhd. Schonungslosigkeit, Härte ne. non-sparingness, non-safeguarding, mercilessness, severity ÜG.: gr.…

unfreigebigkeit

DWB

unfreigebig·keit

-keit , f. , ebd. illiberalitas; Gervinus gesch. d. d. dicht. 2, 349 ; für illiberalität Campe verd. wb. 364 b . —

Unfreigeisterisch

Campe

Unfreigeisterisch , adj . u. adv . nicht freigeisterisch. S. Freigeisterisch .

unfreiheit

DWB

unfrei·heit

unfreiheit , f. , gegentheil und mangel der freiheit. mnl. onvriheit; nl. onvrijheid; onfrijens Dijkstra 2, 289 a . deutsch im 16. und 17. j…

unfreimüthig

DWB

unfreimüthig , nl. onvrijmoedig, -lijk; unüblich. —

unfreisinn

DWB

unfrei·sinn

unfreisinn , m. : der u. oder konservatismus Keller 4, 185 . älter unfreisinnig, adj. adv., nl. onvrijzinnig, gegentheil von freisinnig: ein…

unfreisīg

KöblerAhd

unfreisīg , Adj. nhd. ungefährlich ne. not dangerous ÜG.: lat. securus N Q.: N (1000) I.: lat. beeinflusst? E.: s. un, freisīg

unfreiwillig

DWB

unfrei·willig

unfreiwillig , adj. adv. , gegentheil von freiwillig. erst in der 2. hälfte des 18. jhs. bezeugt und wahrscheinlich von involuntarius, it. i…

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Cotta, M. (2026). „unfrei". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unfrei/dwb?formid=U06579
MLA
Cotta, Marcel. „unfrei". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unfrei/dwb?formid=U06579. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „unfrei". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unfrei/dwb?formid=U06579.
BibTeX
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