FREILICH adv. ahd. frîlîh
adj., frîlîhhên
adv., mhd. vrîlich
adj., vrîlîche(n)
adv. mnd. vrīlike(n)
adv.; mnl. vrīlīke
adv., nnl. vrijelijk;
afrs. frīlīk;
ae. frēolīc
adj., frēolīce
adv., me. frēlī,
ne. freely.
abl. von frei adj. bis ende des 16. jhs. selten, danach vereinzelt adjektivisch. älter als bildung zu frei adj. mit entsprechendem semantischem spektrum, nachmhd. auslaufend. daneben tritt seit dem 13. jh. partikelhafte verwendung (DWB22–DWB24)
, wohl von DWB21 e
her; zunächst in negierenden konstruktionen (freilich nicht
u. ä.), aus denen sich der partikelgebrauch entwickelt. 1
frei. a
uneingeschränkt, unbehindert; häufig rechtssprachlich: ⟨790/802⟩ sosama frilihha pruhhanti keuualtida vnrehto kesezze eouueht
benediktinerregel 273,1 S. ⟨u1160⟩ dô rieten siu mir .., daz ich frîliche mîn herze nâch ime uerd[e]nen mahte
st. trudperter hohes lied 73,29 M. ⟨u1210⟩ daz sin vil gerne liezen/ vriliche, swar er wolte, gan Gottfried
42457 R. 1323 dar nach nach ir baider tode hab wir ain gut .. auch ovf daz selbe gotshaus gegeben ledichleichen vnd freileichen mit aller stæt
urkb. ob d. Enns (1852)5,335. ⟨1421⟩ is mochte ouch eyn itzlicher do kouffen unde vorkouffen freilichen .. ane zol unde ane geleite Rothe
düring. chr. 265 L. ⟨1509⟩ an desselben erstgebornen sun sol es
(stimmrecht) aber freylich vnd on widerred gefallen Tengler
layenspiegel (1511)N2a. 1572 so erbend dieselbigen kind .. alles ir verlaßen gůt glychlich vnd besitzend das frylich ane alle widerred
rechtsqu. Argau I 1,256. 1641 ob ain durchfahrenter dieb auf unser aigen käm und das der ambtman innen wierdt, der soll in freilich fahen
öst. weist. 9,568. b
furchtlos, kühn, mutig; letztbeleg in unklarer graphie: ⟨u1120/30⟩ ez doͮhte in michil schande/ ob si so urilichen ze anderen richen/ uon dem sinen solden uaren
milst. exodus 141,5 D. ⟨1250/60⟩ alsô vrîlîchen he streit/ ûf den koninc von Antîoch Berthold v. Holle
Demantin 10986 LV. ⟨14.jh.⟩ vor der veste ich nie gesach/ so manigen frylichen held
göttweiger trojanerkrieg 18793 DTM. 1469 vnd den ersten anlauff thett er/ an die vind mit stritberer wer,/ ja sogar frylich vnd freislich/ derselb vnverzagt Friderich Beheim
reimchr. 258,3 H. 1508/16 doch kamend die Berner mit not wider us Wallis; den die Walser gar frieklich uf si iltend und gern mit inen geschlagen hetind Brennwald
schweizerchr. 1,481 L. c
aus abhängigkeit, knechtschaft u. ä. losgesprochen, nicht mehr gefangen: ⟨u1150⟩ der gechoufte scalc gie friliche heim, do newas ubiral getwanc nihein
siebenzahl 7,4 M. 1290 swa man .. biwisen mag, daz die herren von dem cloͤster, daz espan ingievangen hant, daz sont sie vrilichen wider us lasen
corp. altdt. originalurk. 2,504 W. ⟨E14.jh.⟩ wan danne di eldirn fry wilkor habin, und mogin iren kindirn, di in iren jarin sint, formundin frilichin gebin Rothe
rechtsb. 122 R. d
aus freiem entschluß, willen; nicht durch jmdn. beeinflußt: ⟨u1160⟩ uon diu sô nist nehain herze raine ê iz gisiget an deme iungisten zîte. sô mach iz urîlîchen gewarthen nâch gote
st. trudperter hohes lied 114, 21 M. ⟨2.h13.jh.⟩ da von bedarf der mentsch wol .., daz er vroͤlich gange und frilich gotte dienegi
st. georgener prediger 199 DTM. 1369 brůder Conrat Stolle swůr och do ze mal frilich und unbezwngenlich uns und der froͧ Gretun der abbtissen ainen ayd
urkb. Heiligkreuztal 1,466 H. ⟨1462⟩ ain Tütscher, der jaͮren alt vnd sinem heren getrüw dem er lang frylich vnd wol hatt gedienet Niclas v. Wyle
translationen 28 LV. ⟨v1510⟩ merck die person die du sihest gott so frylichen dienen Geiler
bilgerschafft (1512)159c. e
offen, ohne etwas zurückzuhalten: ⟨u1210⟩ an rede und an gebare/ waren si beidiu gende,/ sitzende unde stende/ vrilich und offenbære Gottfried
412989 R. ⟨14.jh.⟩ ich habe zu dir einen steten mut,/ daz ich ez nicht wil rechen,/ du macht frilichen sprechen
Secundus 82 S. E15.jh. das marckte der lantgrafe unnd sprach zu deme rittere: ir syt also ernst worden; gebricht uch ichtes was, das saget mir frylichen! Stolle
memoriale 150 Th. f
großzügig, freigebig: ⟨u1235⟩ ir wænet triegen mich/ sô daz ir bietet mir diu lant/ diu ich doch hân in mîner hant./ ir mügt mir wol vrîlîche/ bieten disiu rîche,/ wan sie sint iu tiure Rudolf v. Ems
Alexander 11521 LV. ⟨u1300⟩ nach sime heiligen rate/ nam er an sich vil drate/ die armen, die er indert vant,/ den er mit vrilicher hant/ gab daz vorgenante gut
passional 379a K. A15.jh. gib auch freilich, wilt du geben,/ und lass verziehen unterwegen Wittenwiler
4640 DLE. 1528 bey zweyen jarn hab er ein maln Cristoffeln Marschalck ein metz habern, brot und ayer und freylich ein flasch mit wein auch in das holtz pracht
verh. Th. v. Absberg 462 LV. 2
etwas einschränkend; jedoch, hingegen, allerdings; älter fast ausschließlich, jünger häufig in verbindung mit negationen: (2.h13.jh.)hs.u1430 so wil ich im syn gezelt off das eynig heubt werffen, des er zu mal groß schand haben sol, und laß das frilich umb synen willen nit
Lancelot 2,188 DTM. E14.jh. wolt ieman schaffen fuͤr baß/ oder ieman andern geben/ da mag ich frilich wider streben
lieder saal 232,94 L. ⟨1453⟩ das ruemen und den ayd gesworn/ als mich hie zeiht die hochgeborn,/ das hon ich freylich nit geton Hermann v. Sachsenheim
mörin 2397 LV. 1521 wer erbarmen sucht, der keufft noch wechszlet freylich nicht, sondern sucht lautter gnad Luther
w. 8,358 W. ⟨1568⟩ ich meyn freylich sie haben jhrer aigenen laͤnder silberbühel, die monstrantzen vn̄ andere kleynodia deponirt Nas
warhait 4(1570)207b. 1638 es mangelte freylich Hiskiae an klugheit, vnd er jrrete in seinem thun
mon. sepvlcrale 116. 1676 das hette ich mir freylich wol nicht eingebildet; sehe auch nicht, wie es bestehen könne Francisci
lust-haus 424. 1717 freyllich werde ich mich nicht ahnstellen, alß wen ichs wüste Elisabeth Ch. v. Orléans
br. 3,101 LV. ⟨1763⟩ ohne ihren vorgängigen unterricht wärs freylich nicht so gut gegangen Weisze
lustsp. (1783)1,207. 1817 in genau verschlossenen gefäßen, wo die dämpfe mit der hitze beysammen bleiben, geht dies freylich nicht Poppe
jugendfreund 1,42. ⟨1861⟩ manches – freilich bei weitem nicht alles – würde im pfarrerstande beßer sein, wenn es kirchliche behörden gäbe Vilmar
kirche u. welt (1872)1,297. 1911 dieser protestantische satz sei freilich ‘in solcher fassung’ nicht zu halten Mausbach
moral 216. 1979 gerade deswegen darf es freilich nicht bagatellisiert werden
frankf. rundschau 97,11. 2004 mit dem hektischen treiben der übernahmeschlacht anfang 2000 hatte sie freilich wenig zu tun
spiegel 12,90. 3
etwas zugestehend, zustimmend; gewiß, durchaus, sicherlich: ⟨E14.jh.⟩ do sprach der hertzog vnerfert:/ geturste ich das gesagen fur dich?/ jo, sprach er, herre, frilich,/ wann ich mich des pflichte
7 meister 201,31 K. z.j.1439/40 do sprach die edel kuniginn: ‘es ist freylich ain grosz wunder von got dem almechtigen, wann es hat ee ny gesein moͤgen’ Kottanner
denkw. (1846)27. 1518 doch wass ich sing ist freilich war,/ ich hons selbs ghört vnd gsehen
lieder u. reime Strassb. 151 G. 1562 freilich hat er diese macht, wie denn sein klarer befehl da stehet: nemet hin, vnd trincket alle daraus Spangenberg
sieben (Eisleben)I2a. 1610 dann weil das zettelkraut die trunckenheit verhindert, so verhindert es freylich vielerley kranckheiten vnd allerley ander vnglück Guarinonius
grewel 570. 1669 ohn solche künste kan das gemeinwesen nicht bestehen, daher sie freilich nohtwendig genennet werden Schottel
ethica 416. 1711 es ist freylich wahr, daß ich vor dem frauenzimmer keine minute frey bin Stranitzky
ollapatrida 319 WND. 1782 wo es dann freilich gut und nöthig ist, daß sie unter einer regierung stehen, die ihnen stillschweigen auferlegen kann Sulzer
altes 108. 1808 unter diesen voraussetzungen würde dieses gleichgewicht freilich das einzige mittel seyn die ruhe zu erhalten Fichte
reden 413. ⟨1871⟩ nachher erzählte mir der Gabriel diese geschichte; da konnte ich mich freilich nicht mehr wundern Volkmann‐L.
träumereien (1949)71. ⟨1911⟩ ja, freilich hör ich was, aber muß es denn dein mann sein! Hofmannsthal
lustsp. 1,292 S. 1974 sie schaut mich triumphierend an, ich gehe auf das spielchen ein: ja, das kann freilich sein Rinser
esel 184. –
eine frage, aussage satzförmig bejahend: 1571 ‘ist er auch fuͤr dich gestorben, wie wann er dich nicht gemeynet hette?’ beichtkindt. ‘freylich’
kirchen agenda Oesterreich 75a. 1644 Andreas. ‘bistu nicht ein christ?’ Johannes. ‘freylich ja’ Hoburg
krieg 225. 1657 bürger. ‘seind sie denn noch schöner?’ pickelhering. ‘freylich’ Schoch
studenten-leben E2a. 1738 wer? ich? mein herr! = ja, freilich, eben du Hagedorn
fabeln 195. 1771 Kittm. ‘also gefalle ich dir besser?’ Rose. ‘freylich’ Stephanie
lustsp. 1,79. ⟨1823⟩ Zadi. ‘du hast gewiß von jenen feigen gegessen?’ Quecksilber. ‘freilich’ Raimund
1,54 B./C. ⟨1895⟩ Theodor. ‘na, geigt er schon, der herr papa?’ Christine. ‘freilich’ Schnitzler
(1912) II 1,216. 1927 Karl Thomas: ‘eure mutter vermietet zimmer?’ Grete: ‘freilich’ Toller
hoppla 60. 1975 ‘sie müssen mich doch gesehen haben, vorhin’, sagte sie. ‘freilich’, antwortete er Bieler
mädchenkrieg 513. 4
zwar, aber; in verbindung mit folgendem aber
u. ä.: 1523 denn das Christus hie spricht, man werde widder zu Jerusalem noch auff dem berge anbeten, verwirfft er freylich alle euserliche stette. aber doch alßo, das er alle stette frey mache Luther
w. 11,444 W. 1562 die macht suͤnde zu vergeben ist freilich allen in gemein gegeben, aber neben demselben auch die macht, die suͤnde den vnbusfertigen zu behalten Spangenberg
sieben (Eisleben)Y2b. 1627 die religion wird freylich gesuchet, aber der gestalt, daß mans nicht gestehet
discurs v. jetzigen kriege C2b. 1654 freilich findt man in dem garten gifft, aber nicht in den rosen Abele
gerichtshändel 454. 1721 die wiederlegung gehört freylich vornehmlich vor solche offenbahr schädliche leute; aber nicht allein Löscher
Verinus (1718)2,359. 1779 seine füße sind freilich ein wenig abgängig, aber sein herz ist so gesund als jemals Sturz
schr. 1,24. 1816 die lehre .. ist freylich nicht sehr alt, aber ihre erfindung doch auch nicht dem achtzehnten jahrhundert beyzumessen Haller
restauration 1,79. 1857 unwillig freilich; doch sie geht Geibel
Brunhild 51. ⟨1923⟩ mein blick war freilich ausdauernder; aber er war der strömende menschenblick nicht mehr Buber
leben (1947)105. 1975 freilich ist die entwicklung der theorie über die entfremdung seit Karl Marx weitergegangen. aber noch rascher hat sich die wirklichkeit geändert Cramer
fortschritt 122.Casemir