schlieszen,
verb. claudere. II.
form und herkunft. I@11) schlieszen
ist ein auf das westgermanische beschränktes wort. dem goth. ist es völlig fremd, dän. slutte,
schwed. sluta
sind wol erst aus dem deutschen entlehnt, im isländ. ist slota '
herabhängen, nachlassen'
kaum verwandt, slot '
schlosz, burg'
ist junges lehnwort. I@22)
das altgermanische verwendet in diesem sinne lûkan,
goth. lukan,
altnord. lúka,
dän. lukke,
altengl. lûcan,
mittelengl. luken, louken,
daneben lokken,
neuengl. lock,
altfries. lûka,
ahd. lûhhan,
mhd. lûchen,
nhd. ganz vereinzelt lauchen,
s. theil 6, 300
und lucken Wachter 1002.
dem wechsel des ausdrucks scheint eine änderung in der sache zu grunde zu liegen: lûkan
bezeichnet die altgermanische art des zusperrens mit riegeln oder balken, wie die ableitung bloch, block (
s. theil 2, 135
ff.)
ersehen läszt; schlieszen
geht auf den neuen von den Römern übernommenen verschlusz durch ein schlosz, wie die zugehörigen schlosz
und schlüssel
zeigen, vgl. daselbst. für die erklärung des wortes schlieszen
bieten sich zwei wege: entweder ist das wort zugleich mit der sache von den Römern übernommen, dann müszte man von der allerdings auffälligen zusammensetzung excludere
ausgehen und die entlehnung vor die erste lautverschiebung verlegen (
die gestaltung des anlauts wie in schleuse,
s. das.),
oder es ist ein altererbtes wort auf die neue einrichtung angewandt und mit ihr zusammen verbreitet. der lebendige ablaut, namentlich in den ableitungen, dürfte vielleicht für letzteres sprechen. dann müszte man das anlautende sl
auf indogerm. skl
zurückführen und das wort mit lat. claudere
zusammenstellen, wie bereits J. Grimm
gramm. 1
2, 586 (1
3, 540)
gethan hat; so auch Kluge
5 327. Noreen
urgerm. lautl. 172. 206.
dieses selbst ist eine weiterbildung des indogerm. (
westeur.) (s)qlâvô,
ich schliesze, woraus griech. κλείω,
ferner lat. clavus,
altir. clúi
nagel, lit. kliúti
anhaken, kirchensl. ključĭ
schlüssel, s. Fick
4 1, 395.
das wort würde dann ursprünglich neben lûkan
die alte weise des verschlusses bezeichnet haben und ein rest dieser gebrauchsweise vorliegen in nordengl. slot, sloat,
s. Skeat 563
b f. I@33)
sonst ist das wort im engl. erloschen. die andern westgerm. sprachen theilen sich in 2
gruppen: die fries. und nd. dialekte zeigen im präs. durchgehends den vocal û,
wie lûkan;
das hd. hat den wechsel zwischen io (ie)
und iu
wie gieszen
u. a. im einzelnen sind die formen: fries. sluta, skluta-
prät. slat, sklath-
part. esleten;
neufries. sluwtten-sleat-sletten Richthofen 1037
b.
dazu ût bislatenun,
seclusis Merseb. gl. 35,
s. Heyne
kl. altnd. denkm.2 s. 97.
im Heliand nicht bezeugt, aber gesichert durch die ableitung slutil (3073),
auch Prud. gl. 554;
ferner altnfr. sclot
sera gl. Lips. 808,
mnl. sluten - sloot - ghesloten,
holl. sluitensloot-gesloten,
mnd. sluten - slôt - gesloten, geslaten Schiller-Lübben 4, 253
b f. ebenso im allgemeinen in neuern
nd. mundarten, vergl. brem. wb. 4, 851. Dähnert 432
b. Schütze 4, 125. Danneil 197
b. ten Doornkaat Koolman 3, 219
a. Woeste 242
b kennt neben sluten
auch slaiten. Schambach 196
b gibt die vollständige flexion folgendermaszen an: slûte, slüst, slüt (
sonst auch slust, slut),
plur. slûtet,
prät. slôt,
conj. slte,
part. eslôten (
meist sloten),
imp. slût, slûtet; Mi 81
b: slut, slüttst, slütt,
prät. slot.
ahd. slioʒan, sliuʒan,
meist in den zusammensetzungen ant-
und bislioʒan, -slôʒ-sluʒʒun-sloʒʒan Graff 6, 812
f., mhd. slieʒen-slôʒ-sluʒʒen-gesloʒʒen Lexer
handwb. 2, 976. I@44)
entwickelung der flexionsformen in der nhd. schriftsprache. I@4@aa)
das präs. (
mit ausnahme der unter b erwähnten formen)
bietet durchgehends den vocal ie. zuweilen wird dafür i
geschrieben, sodasz kurzer vocal vorzuliegen scheint; schlissen
bei Steinbach 2, 448: uwer hercz sollet er uffslisszen.
Alsf. passionssp. 2996.
etwas häufiger ist labialisierung des ie
zu ü,
so im schles.: es gehet zwar alles wohl bis hiher, aber ohne slus: denn, was verflossen, kan nicht von dem zukünftigen slüszen. Butschky
hd. kanzelley 641;
bei Günther
steht schlieszen
und schlüszen
ohne unterschied neben einander: bis gipffel, zweig und leib die schönste crone schliessen. 726 (
im reim auf büssen); denn was des himmels macht und seine vorsicht schlüssen, das kanst du allerdings zu meiner freude wissen. 1053;
so auch im conj.: und wie so? man höre nur, wie genau sein vorwurff schlüsse (: versüsse). 858.
ferner begegnet die schreibung schliesen,
wozu die mundartliche aussprache mancher gegenden (
Schwaben, Thüringen u. a.)
stimmt, so bei Frisch 2, 198
c. I@4@bb)
die 2. 3.
sing. ind. präs. und die 2.
sing. imp. haben im ahd. mhd. den vocal iu,
dem im nhd. regelrecht eu
entspricht. diese formen herrschen im älteren nhd. ausschlieszlich, Luther
gebraucht sie ausnahmslos (3.
sing. schleust
und schleuszet,
letzteres z. b.: denn weil er dich heisset den nehesten lieben, schleusset er keinen aus. Luther 6, 36
b).
erst im 16.
jahrh. kommen daneben die heutigen durch ausgleichung entstandenen formen schlieszt, schliesz
auf, so: dann Aristotel von natürlichen gweschionen schlieszt, das die vil murrischer sein, die nur einmal essen.
Garg. 44
b (
s. 62
neudr.). Schottel 594
kennt nur ich schliesze, du schleust, er schleust, wir schliszen,
dagegen Stieler 1839: ich schliesze, du schlieszest,
et schleuszest, er schlieszet, er schleust, wir schlieszen.
ebenso Steinbach 2, 448. Frisch 2, 198
c bezeichnet die formen du schleust, er schleust, schleus
als vulgär; dagegen gibt sie Gottsched 345
als die regelmäszigen (ich schliesze, du schleuszest, er schleuszt ... schleusz!, einige sprechen auch schlieszest, schlieszt, schliesze!). Adelung
und Campe
kennen sie nur noch als oberdeutsch. in der literatur herrschen im 16.
und im allgemeinen auch im 17.
jahrh. die alten formen: sleus auf dein weisze ermlîn mar. Osw. v. Wolkenstein 29, 3, 27; Kätterle, schleusz das haus wol zu. A. Gryphius 1, 768.
bei P. Gerhardt
steht neben schleusz
bereits schliesz: schleusz zu die jammerpforten.
s. 20, 37
Gödeke; ergreif mein herz und schleusz es ein in dir und deiner liebe schrein! 47, 22;
dagegen: so schliesz mich treulich in dir ein. 46, 29.
bei Günther
wechselt er schleust
mit seltenem er schlüszt,
was als entstellung aus er schlieszt
betrachtet werden musz (
vgl. a): was die academie, was stoa glaubt und schleust. 983; was das verhängnisz schleust, kan niemand hintertreiben. 1040; die vorsicht schlüszt und spricht. 584;
im 18.—19.
jahrh. begegnet schleuszt, schleusz
nur noch poetisch in gehobener rede: schleusz mich in deinen arm. Hölty 212
Halm; bewahre vor frevel deine lippen und schleusz dem feindlichen spotte dein ohr zu. Göthe 40, 352; das frevelthun schleuszt mir den himmel! Werner
der 24.
febr. 3. I@4@cc)
das prät. zeigt im ältesten nhd. vocalwechsel: schlosz-
plur. schluszen,
conj. schlüsse,
der später zu gunsten des o (ö)
aufgegeben ist. die älteren formen sind im 16.—17.
jahrh. noch ganz gewöhnlich: das büchlin thut ihm zu viel, weil es ein noth draus machet, als sollt und müszte es nicht seyn. denn wo sein ursach schlüsse, so hätte man auch nicht müssen Christum auf erden anbeten. Luther
briefe 2, 444; die entschlussen sich, uf ain ernempten tag derhalben geen Igelswis zu erscheinen.
Zimm. chron.2 2, 441, 4
Barack; do entschlussen sich die baid herren gebrüeder, das sie etliche zeit sich in iren herbrigen inhalten. 3, 246, 38; also entschlusen sich die zwen vettern, das sie dise dritte nacht bei ainandern in der cammer schlaffen welten. 4, 92, 21; so mich gens frewlein wolgestalt in rechter lieb schlüsz in jr hertz. H. Sachs
fastn. sp. 1, 2
neudruck; ach! schlüsz' August einmal das thränen-kwäll uns zu! Lohenstein
Cleopatra 4, 484;
zuweilen ist das u
des plur. auch in den sing. eingedrungen: mit sollichem beschlusz der Federhans
u. s. w. Zimm. chron.2 3, 215, 11
Barack; die schlacht eröffnet das, was Leipzig damals schlusz. Opel - Cohn 302, 4. I@4@dd)
im part. prät. ist die form gesloʒʒen
bez. geschlossen
in allen perioden fest; eine auffällige schreibung dafür ist hess. gesloisszen: herre, den man hon mer gefangen und hon en rechte woil bewart in einen kerkener gesloisszen hart.
Alsfeld. passionssp. 823. I@55)
die idiotiken führen das wort meist nicht auf, das also mehr der schriftsprache als der mundartlichen redeweise anzugehören scheint. schweiz. schlüsse, schlus, g'schlosse,
meist durch b'schlüsse
ersetzt. Hunziker 225,
vgl. Seiler 255
b.
im bair. mit der bekannten schwachen präteritalbildung: schlieszn, schloiszn, schluiszn,
oberpfälz. schlêiszn,
cond. schlieszet
und schlusz,
part. geschlossen. Schm. 2, 535.
lusernisch dafür sloszen, i han gesloszt. Zingerle 51
b;
ebenso cimbr. slozen
cimbr. wb. 233
a. IIII.
bedeutung. II@11) schlieszen
in eigentlichem sinne, zumachen: claudere slieszen, sleszen, slyszin, schliszen, sluten, beslieszen
vel zu thun,
hd. schlieszen, beschlieszen, zudon, zuschlieszen Dief.
gl. 126
a;
obserare slyszsin, sluten 389
b;
serare hd. slieszen, beslieszen,
sim. slysen
vel zuoslysen, sluyszen,
nd. sluten 529
b,
vgl. nov. gloss. 95
b. 336
b; schlieszen
claudere Dasypod.; schliesen ..
claudere, als thür oder thor, oder einen andern eingang oder ausgang zusperren,
claudere et transverso ferro vel ligno munire. Frisch 2, 198
c. II@1@aa)
zunächst einen raum durch schlosz und schlüssel absperren: den hof schlissen,
atrium claudere, er schleuszt das haus,
aedes occludit, einen kasten schlissen,
arcam obserare Steinbach 2, 448; dâ mite schiet sie sich von dan, mit ir die vürsten unde ouch die dienestman in eine kamer, die hieʒ man nâch in slieʒen.
Lohengr. 1360; ich schlosz doch ganz gewisz den schrein. Göthe 12, 143.
vgl. die zusammensetzungen verschlieszen, zuschlieszen, aufschlieszen. II@1@bb)
die beziehung zum schlüssel
zeigt sich namentlich in stellen wie: die slüʒʒel treit si (
die Minne) beide. ze liebe und ze leide, si sliuʒet unde entsliuʒet.
die gute frau 309 (
zeitschr. f. deutsches alterthum 2, 402);
doch auch vom verschlusz mittelst eines riegels; bildlich: du slewszest eren phorten mit deiner posen schanden rigel. Suchenwirt 32, 6.
dafür mit veränderter beziehung, den riegel schlieszen: Tristan stuont ûf unde slôʒ dâ vür ouch einen rigel grôʒ. Heinr. v. Freiberg
Tristan 681.
doch ist die construction so vereinzelt, dasz man fast versucht ist, den gewöhnlichen ausdruck schôʒ
einzusetzen, vgl. auch d. II@1@cc) eine thür, ein thor schlieszen: das tohr schlieszen,
claudere portam Stieler 1839; sie schleuszt die thüre,
claustrum objicit januae, sie schlissen die stubenthüre. Steinbach 2, 448; zur zeit wenn die hüter im hause zittern, ... und die thür auff der gassen geschlossen werden.
pred. Sal. 12, 4; siehe, ich habe vor dir gemacht offne thür, die niemand zu schlieszen vermag. Herder 9, 121
Suphan; und swenne daʒ tor gesloʒʒen ist. Heinr. v. Freiberg
Tristan 5775; do Brun vor dat slot was ghekomen unde de porten ghesloten vornomen.
Rein. Vos 484; und das stadtthor schlieszt sich knarrend. Schiller 11, 315.
bildlich, einem die thür schlieszen,
den verkehr mit ihm abbrechen: es ist wahr, dasz er einige heftige briefe über mich schrieb, und dasz er so mir als meiner frau die thüre schlosz.
F. L. Stolberg
abfertigung 15.
so auch: gleich an der corps de garde rühret des auszern grabens grosze brücke, die mit der zugbrück' ausgezieret, und alle nacht geschlossen wird. Brockes 7, 303. den baum schlieszen,
claustrum objicere portui Frisch 2, 198
c.
von schlagbäumen an wegen: imgleichen die innen befholene boeme in diser geferlichen zeit nicht sluten. Grimm
weisth. 3, 131; ketten schlieszen: sie hat die ketten von meinem halse geschlossen. Göthe 10, 190. schlieszen
ohne object, die thür schlieszen: Fiesko (
laut zu den thorwachen:) man soll schlieszen! Schiller
Fiesko 4, 5. II@1@dd)
häufig wird das schlieszen
vom schlüssel als subject ausgesagt: dieser schlüssel schlieszt gut,
es läszt sich gut mit ihm schlieszen, schlieszt nicht,
paszt nicht in das schlosz, sodasz man nicht mit ihm schlieszen kann; es schlieszen nicht alle schlüssel,
non omnes claves aperiunt Stieler 1839; de slötel slut daar nig to.
brem. wb. 4, 851; ich hab einen schlüssel, damit kan ich alle schlösser auffmachen, der schleust alle thüren wo er nur hinein gehen kan. Schuppius 201; der alte gesell hatte alle schlüssel im hause probiert, bis sich ergab, der schuppenschlüssel schliesze die hinterthür. Ludwig 1, 262.
im bilde: (
er setzt die pistolen an ..) grauser schlüssel, der das gefängnisz des lebens hinter mir schlieszt, und vor mir aufriegelt die behausung der ewigen nacht. Schiller
räuber 4, 5
schausp.; wie wär's? — Alcest hat geld — und diese dietrich' schlieszen. Göthe 7, 61. II@1@ee)
ganz vereinzelt steht schlieszen
in diesem sinne intransitiv statt des gewöhnlichen sich schlieszen: der himmel schlieszt, die erzengel vertheilen sich. Göthe 12, 26. II@1@ff)
weiterhin wird schlieszen
auch in andern verwendungen gesagt, wo es sich nicht um einen verschlusz mit schlosz und schlüssel handelt. so sagt man gewöhnlich die thür schlieszen,
sie zumachen, ins schlosz fallen lassen, ohne den schlüssel umzudrehen. ebenso das fenster schlieszen, die fensterläden schlieszen.
auch intransitiv gewendet: eine thür schlieszt nicht,
wenn sie nicht genau auf dem thürfutter anliegt. Adelung. das fenster schlieszt nicht dicht
u. ähnl.: wehte der kalte winternachtwind durch die locker schlieszenden läden die kalten flocken in ihr warmes gesicht .. dann war sie glücklich, etwas um ihn zu leiden. Ludwig 1, 381. einen kasten, koffer, eine lade, truhe
u. s. w. schlieszen,
durch niederlassen oder aufsetzen des deckels. eine klappe schlieszen,
zumachen. einen brief schlieszen,
mit gummi oder siegellack u. a. m. militärisch als commando schlieszet die pfanne!
fermez le bassinet! nachdem das pulver auf die pfanne geschüttet ist. Eggers
kriegslex. 821. II@1@gg)
ferner eine strasze schlieszen,
mit ketten u. a. absperren: den weg schlieszen,
introitum praecludere, iter obstruere Stieler 1839; die straszen waren durch ketten geschlossen. Schiller 9, 376; nichts aber gleicht der bestürzung, welche die bürger von Antwerpen ergriff, als ihnen die nachricht gebracht wurde, dasz die Schelde nun wirklich geschlossen, und alle zufuhr aus Seeland abgeschnitten sey. 53.
freier: so öffne leise deinen grund und nimm mich auf und schliesz ihn wieder. Uhland
ged. 44 (
das thal). II@1@hh)
von körpertheilen, die hand, faust schlieszen. — den mund, die lippen schlieszen: der ernst eines nur in die zukunft vertieften auges und eines männlich festgeschlossenen mundes. J. Paul
Titan 1, 2; als der alte dies gesprochen, er die bleichen lippen schlosz. Uhland
ged. (1864) 251;
freier: sie ist erschreckt. erstaunen und entsetzen schlieszt ihr den mund. Schiller
jungfr. v. Orl. 4, 12; es ist des himmels wunderbare fügung, die mir den mund in dieser sache schlieszt. H. v. Kleist
zerbr krug 9;
umgekehrt: wenn sie .. die knospe der rosen-lippen halb von einander schlösse. J. Paul
uns. loge 2, 94. — die augen schlieszen,
zunächst im schlafe: ich schlafe wachende, und kan kein auge schlieszen. Hofmannswaldau
heldenbr. 156; mein augen stehn verdrossen, im hui sind sie geschlossen. P. Gerhardt 61
Gödeke; sie müsse nur der ruhe pflegen, die augen schlieszen, sich nicht regen. Hagedorn 2, 107; nach tafel, wenn der trübe geist des weins das herz nun öffnet, und die augen schlieszt. Schiller
Piccol. 3, 1;
so auch: müden augen, schlieszt die lieder! Günther 113.
vom tode oder scheintode: als sie wiederkam, fand sie ihn mit geschlosznen augen, in der schrecklichsten erstarrung auf dem sopha ausgestreckt liegen. Schiller 3, 566.
freier: des dulders letzte miene bebt. mit einem lächeln sich zu schlieszen. Lenau 2, 460
Koch (
Albig. 31). II@1@ii)
bildlich auch von anderen gliedern; die sinne schlieszen: die sinne er allenthalben slôʒ gegen den valschen dingen.
pass. 396, 48
Köpke; besonders die ohren: den ohren, die nicht hören, die ewig nun sind dem tone geschlossen. Klopstock
Mess. 2, 600; du aber schlieszest scheu dein ohr dem trost. Gotter 2, 72; auf ewig, ich weisz es, schlieszt sich hinter mir das ohr des königs. Schiller
dom Karlos 2, 3. das herz: sobald wir merken, dasz die anmuth erkünstelt ist, so schlieszt sich plötzlich unser herz.
werke 10, 86; die wilden elemente gehorchen meiner stimme und das herz des mannes, den ich liebe, schlieszt sich ihr! Gotter 2, 490. den magen
am ende der mahlzeit: männlein, sagte sie, lasz es (
das weintrinken) jetzt genug sein! weiszt du nicht, was im doktorbuch steht, dasz der magen nach dem essen geschlossen sei. Hebel 3, 137; der kes erschreckt den gast, dieweil er wol kan wissen dasz er, wann dieser kümmt, den magen nun soll schlissen. Logau 2, 149, 49. den leib schlieszen,
unfruchtbar machen: wan god enen licham slut.
Lüb. pass. 210
c,
s. Schiller-Lübben 4, 254
a. II@1@kk)
mhd. den mantel slieʒen,
zusammenhalten: die rehten (
hand) hæte si gewant hin nider baʒ, ir wiʒʒet wol, dâ man den mantel slieʒen sol, und slôʒ in höveschlîche enein mit ir vingere zwein.
Tristan 10944
ff. II@1@ll) eine wunde schlieszen,
heilen, sodasz sie zugeht. die zeit schlieszt alle wunden
u. ähnl. im bilde: kommt! haltet ihm ein rasches wort zu gut ... kommt! kommt! umarmt euch, laszt mich diesen risz schnell heilend schlieszen, eh er ewig wird. Schiller
jungfr. von Orl. 2, 2.
reflexiv: schlieszen sich, als eine wunde so heilen wird,
coalescere, coire Frisch 2, 198
c.
dafür auch intransitiv: die wunde schleust,
vulnus coalescit Stieler 1839. II@1@mm) blumen schlieszen ihre kelche
u. s. w.: als sie im garten die vielfarbigten tulpen ansahe, welche gegen abend ihre blätter zu schlieszen begunten. Chr. Weise
kl. leute (1675) 10;
so auch: und wenn sich einst die seele schlieszt, wie diese abendblume. Herder 25, 388
Suphan. auch vom zusammenschlieszen der blätter zu einem kopfe, beim kohl u. a.: das kraut schlieszt sich,
brassica in capita abit; die rose ist noch geschlossen,
rosa oscitat, corymbum papillatum habet Stieler 1839; schlieszen sich, als eine blume,
folia contrahere, als ein kopf-kohl, als kopf-salat,
coire in capita Frisch 2, 198
c.
von muscheln: schlieszen sich, als muscheln, alle doppelten muscheln schliesen sich,
conchae duplices omnes clusiles sunt. ebenda. II@22)
durch schlieszen befestigen, verwahren, vereinigen, absondern u. s. w. II@2@aa) einen in einen raum schlieszen,
durch schlieszen des raumes darin einsperren: daʒ er lieʒ Silvestrum in einen kerker slieʒen.
pass. 64, 25
Köpke; der, in gesellschaft von adepten, sich in die schwarze küche schlosz. Göthe 12, 58; der reiche und vornehme schlieszt sich in seine wohnung. 27, 74; etwas in einen behälter schlieszen, geld in den kasten, den vogel in den käfig schlieszen
u. ähnl. umgekehrt auch einen aus dem hause schlieszen,
aussperren, das haus zuschlieszen, sodasz er nicht hinein kann, vgl. auch die zusammensetzungen ein-
und ausschlieszen. II@2@bb) einen hund an die kette schlieszen, einen gefangenen in ketten, fesseln, eisen schlieszen: in ketten schlissen,
in vincula conjicere; sie schlossen ihn in ketten und banden. Steinbach 2, 448.
umgekehrt aus den banden schlieszen,
befreien, indem man die bande aufschlieszt: da schleust jhn (
den gefangenen) der proffosz ausz den eysen. Reutter v. Speir
kriegsordn. 66;
in freierer wendung einen mit fesseln schlieszen: dasz ich der bande, mit welchen er an händen geschlossen .. nicht gedencke. Schuppius 777; und dann faszten ihn wieder die gerichte .. und schlossen ihn mit ketten fest. Ludwig 1, 328. mit ketten woran schlieszen,
befestigen: wenn ers zu arg macht, so ruft mich nur — und ich will den junker an sein bett schlieszen lassen. Lenz 1, 330; (
Wallenstein) rühmte sich mit seinem gottlosen mund, er müsse haben die stadt Stralsund, und wär' sie mit ketten an den himmel geschlossen. Schiller
Wallenst. lager 8.
auch schlieszen
allein steht in diesem sinne: gefangene schlieszen,
catenas injicere reis, catenare sontes Stieler 1839; scharf geschlossen seyn Adelung; de konnynck wart tornich unde leet se vangen, ... he leet se bynden unde sluten vast.
Reineke Vos 2628; ich möchte Georgen und Franzen geschlossen sehn! Göthe 8, 117; sie scheint mit geschloss'nen füszen zu gehen. 12, 218. II@2@cc) einen in die arme schlieszen,
umarmen, amplecti Frisch 2, 198
c: wolt gott, solt ich sie noch meinen lust ynn mein ermelein schlissen!
bergr. 40, 23
neudr.; die mutter lief wohl hin zu ihr ... und schlosz sie in die arme. Bürger 13
b; du sollst deinen gemahl in deine arme schlieszen. Göthe 11, 86; jetzt steh' ich zweifelhaft, und wage nicht das kind in meine arme zu schlieszen. 20, 108; an die brust, ans herz schlieszen,
drücken: da hat kein neid der reitzung widerstrebt, womit du mich an halsz und brust geschlossen. Günther 909; an meine brust will ich sie freudig schlieszen, die meinen erstgebohrnen mir beglückt. Schiller
braut von Mess. 2, 5; die sich fest und ewig schlieszen möchten an das treue herz. Uhland
ged. 9; herzogin kommt zu dieser scene, sie umarmt ihren neffen und schlieszt ihn an ihr herz.
werke 15
1, 230 (
Warbeck 5, 8).
bildlich: tagtäglich sehen wir, dasz ein theaterstück .. von lesern und leserinnen .. gelobt, gescholten, an's herz geschlossen, oder vom herzen ausgeschlossen werde. Göthe 38, 288. II@2@dd)
auch sonst in freierer verwendung; etwas worin einschlieszen, womit umgeben, umfassen: nicht scheu dich diesen brief in deine hand zu schlieszen! Hofmannswaldau
heldenbr. 157;
bildlich: wie? hat auch eurer (
der Musen) freuden milden genusz die weisheit mir vergällt? schlosz sie mein herz in eine rinde? Gotter 1, 450.
worin fangen, verwickeln: dô slôʒ sich in ir minnen stric Feirefîz der werde gast.
Parz. 811, 4;
ähnlich: und wie der junge talfinsich in ir dienst mit lobe kunde slieʒʒen.
d. jüng. Titurel 1589. II@2@ee) in einen raum schlieszen,
aufnehmen oder einbegreifen, hineinziehen: auch des wilden stromes bette schlieszt sie in den heilgen raum. Schiller 11, 297; wie ward mir, königin! als ... des kolosseums herrlichkeit den staunenden umfing, ein hoher bildnergeist in seine heitre wunderwelt mich schlosz!
Maria Stuart 1, 6.
bildlich: darumb müssen wir jn (
den teufel) wider von uns weisen, .. und uns also in christo schlieszen und halten, auff das er nicht könne zu uns kommen. Luther 6, 274
b.
so besonders in sich schlieszen,
enthalten: aber der arme Schach-Gebal hat einen einzigen unheilbaren fehler, der alle andre in sich schlieszt. Wieland 8, 357 (
Danischm. 43); sie gestehen, dasz der mensch alles in sich schliesze, um glücklich zu seyn, dasz er seine glückseligkeit nur allein durch das erhalten könne, was er besitzet. Schiller 4, 311. schlieszen
allein für '
einschlieszen, in sich schlieszen': swaʒ himele tougen slieʒent. Frauenlob 232, 9. II@2@ff) etwas ins herz schlieszen,
so mhd.: daʒ dû ze herzen slieʒen ie woltest hôher triuwen hort. Konr. v. Würzburg
Engelh. 5448; den kreiʒ und die rifiere, dar inne ir sun beliben was, slôʒ si ze herzen unde las.
troj. krieg 15420; ze herzen slôʒ er unde las vil zornes dur die schande. 38221.
nhd. gewöhnlich mit persönlichem object einen ins herz schlieszen,
lieben: und schleus mir auff dein hertze! schleus mich darein.
bergr. 60, 9
neudruck; thue mir dein hertz auff schlieszen, schleus mich, hertz lieb, darein! 99, 2. ins gedächtnisz schlieszen: und was du mir zu gut gethan, das will ich stets, so tief ich kan, in mein gedächtnisz schlieszen. P. Gerhardt
s. 70
Gödeke. (einen) ins gebet schlieszen: nimphe, schliesz' in dein gebet all meine sünden ein.
Shakespeare Hamlet 2, 3; gehabt euch wohl und schlieszt mich ins gebet. Grillparzer
könig Ottokar 5; vergessen werd' ich's nie, und immerdar in mein gebet euch schlieszen. Geibel 7, 195. II@2@gg)
umgekehrt einen woraus schlieszen: wer eyn saw seyn will, der wiss was eyner saw zugehort. ich wolt gern, das ich dieselben künd aus der predig schlieszen. Luther 12, 497, 31
Weim. ausg., dafür gewöhnlich von etwas ausschlieszen,
vgl. daselbst: ic moet mede loventuten (
schmeicheln), ofte men soude mi buten sluten.
Reinaert 4176. II@2@hh)
militärisch: schlieszt das bajonet auf den lauf!
mettez la baïonette au bout du canon! als commando, s. Eggers
kriegslex. 2, 821. II@2@ii) in einander schlieszen, zusammen schlieszen,
vereinigen. besonders die hände,
falten: do si daʒ horte, do sloʒ si vingere unde hende in einandir. Ködiz 62, 4; die jungfraw sprach .. ach edler Florens werdet mir zu willen, und gehet mit mir in der stille unnd heimlich in meine gezelt ... welches jhr Florens mit groszer begierde verwilliget, mit dem ward eine hand in die ander geschlossen, und schlichen also heimlich und gantz stillschweigendt zum gezelt.
buch der liebe 23
d; die alte mutter fieng bitterlich an zu weinen, schlosz die hände zusammen, hub sie in die höhe, und sprach ...
unw. doctor 498; jr mildte hend sie schlossen zsam (
beim abschied). Schmeltzl
zug. 2
b;
auch sonst in mannigfachen verbindungen, besonders mhd.: ze samne was gesloʒʒenmanic schef vil guot.
Nibel. 1318, 1; türne von quâdern grôʒ, der fuoge niht zesamene slôʒ kein sandic phlaster.
Erec 7851; ir ahsel unde ir brustbein diu wâren alsô nâhe enein getwungen unde gesloʒʒen, und wære ein werc gegoʒʒen von êre und von golde, eʒ endorfte noch ensolde niemer baʒ gefüeget sî
n. Tristan 18211; diu Liebe sprach: so kan ich slieʒen zwei in ein, der du (
die Schönheit) niht kanst entslieʒen.
minnes. 1, 337
b, 10
Hagen; diu süeʒe starke Minne het unser beider sinne mit triuwen durchvloʒʒen unde ensamt gesloʒʒen.
Mai und Beaflor 177, 36; o Roma, du selige stat ... die nu zusamne sluʒest in eines grabes bande ... den merterer Laurencium und den heiligen Stephanum.
pass. 51, 74
Köpke; und da schleuszt er (
S. Peter) die schrifft in einander, zeucht den spruch aber an, den er oben gerürt hat .. uber das nimpt er noch ein andern spruch aus dem propheten Esaia. Luther 3, 343
b;
reflexiv: abendzehren, undertrunck, schlafftrunck, und sonst dürstige gesellencolätzlein, die sich fein inn einander fügen, unnd schlieszen, wie ein dutzend silbere becher unnd venedische trinckgläser.
Garg. 52
a; dasz so vieles was unsere vorfahren in dunkeln zeiten nur zerstückelt gewahr wurden und im ganzen trübsinnig ahneten, jetzt sich immer mehr an- und ineinander schlieszt. Göthe 43, 367;
auch sich schlieszen
allein für '
sich zusammenschlieszen': der meister wider unde vort reit biʒ an der Dangen ort dâ sich die waʒʒere slieʒen und in einander vlieʒen. dô erbeite man sô lange, dâ die Mimele und die Dange in einander slieʒen und zû samne vlieʒen.
livl. reimchron. 3635—42; sus sprach daʒ merewunder und zôch sîn houbet under, daʒ sich daʒ mere ob ime slôʒ. Albr. v. Halberstadt 24, 202; es macht nicht das glück der haufe beim haufen, nicht der acker am acker, so schön sich die güter auch schlieszen. Göthe 40, 272; arme schlieszen sich. 399.
auch intransitiv gewendet, so livl. reimchron. 3641,
s. oben: dat (rode) mer sloth to beyden syden entwey unde wart eyn droghe wech twusken deme watere .. do sloth dat mer tohope unde vordrenkede al dat volk.
quelle bei Schiller - Lübben 4, 254
a.
über das particip geschlossen
vgl. 6. II@2@kk) an etwas schlieszen,
anfügen, ohne lücke anreihen. II@2@k@aα)
transitiv: dô man schif zû schiffe slôʒ, dô wart eʒ zû allen stucken bestellet sam sie ein brucken hetten uber die vlût geleit.
livl. reimchron. 3448; wohl dem, der seiner väter gern gedenkt ... und still sich freuend an's ende dieser schönen reihe sich geschlossen sieht! Göthe 9, 18; mit ausführlicher pracht wird ein wunder, was St. Anno an einem blinden bewirkt, hererzählt, dies an die gröszesten, prächtigsten wunder Moses geschlossen und mit einem sehr treffenden edeln lobe der göttlichen güte geendigt. Herder 16, 211
Suphan; das älteste verhältnisz, welches zwei menschen an einander schlieszt (
die ehe). Freytag
bilder 1, 87; aber die kriege des groszen kaisers hatten den deutschen norden an den süden geschlossen. 349.
an etwas befestigen: der valsche tôrochte gief slôʒ an den leidigen brief sîn ingesigel.
Marienleg. 199, 126
Pfeiffer. II@2@k@bβ)
reflexiv: die säule musz, dem gleichmaas unterthan, an ihre schwestern nachbarlich sich schlieszen. Schiller 6, 269.
gewöhnlich von menschen, sich zu einem gesellen, wie sonst sich einem anschlieszen: als ich daher meine Frankfurter und Darmstädter umgebung vermiszte, war es mir höchst lieb, Gottern gefunden zu haben, der sich mit aufrichtiger neigung an mich schlosz. Göthe 26, 139; die graden, biedern, offnen .. die .. durch eine gewisse libertinage im reden und thun den unbesorgt machen, der sich an sie schlieszt. Klinger 4, 204; (
soll ich) vorübereilend frostig grüszen den guten frommen wandersmann; nicht freundschaftlich mich an ihn schlieszen. Gotter 1, 6; was ist zu thun? auf öder bahn schlöss' ein verirrter wandersmann sich selbst an einen pavian. 441; mich fröhlich an die fröhlichen zu schlieszen. Schiller
M. Stuart 1, 6; mit dem helm da und wehrgehäng, schlieszt er sich an eine würdige meng.
Wallensteins lager 7.
von abstracten: ich hoffte nun, deine mutter würde sich durch dich wiederum froh an's leben schlieszen, und dein daseyn würde ihr die düstre einsamkeit erheitern. Klinger 4, 41; so entsprang dadurch für unsere neigung ein neues leben, das uns vor allem unangenehmen bewahrte, was an solche kleine liebeshändel als verdrieszliche folge sich gewöhnlich zu schlieszen pflegt. Göthe 26, 32. II@2@k@gγ)
intransitiv: die reuterey schlos auf beiden flügeln an die fusvölker. Heilmann
Thuc. 719; ein mäszig feld, daran ein garten schlieszet. Hagedorn 1, 74. II@2@ll)
ähnlich auch sonst intransitiv, eng und fest anliegen. II@2@l@aα) ein verband schlieszt,
liegt dicht an: als .. der mann auf dem stuhle sasz und sie ihm die augen verband, ward er etwas unruhig; sie bückte sich tiefer über ihn her, um zu sehen, ob die binde überall gut schliesze. Keller 2, 236. II@2@l@bβ)
von der kleidung: wie schalkhaft verräth das knappe corset, das schlieszende mieder die schlankesten glieder. Weisze
kom. opern 3, 238; dieser bart schlieszt nicht recht an's kinn. Göthe 11, 86.
dafür passivisch: es (
das kleid) musz mehr an den leib geschlossen seyn. 14, 208. II@2@l@gγ) der reiter schlieszt,
wenn er im reiten die schenkel fest an das pferd anlegt. geschlossen reiten,
die schenkel fest anlegen Adelung (I, 2): zum ersten und letzten war immer vom schlieszen die rede, und es konnte einem doch niemand sagen, worin denn eigentlich der schlusz bestehe. Göthe 24, 232. II@2@mm) um etwas schlieszen,
rings herum anreihen, etwas damit umschlieszen, umgeben: Annchen von Tharau, mein licht, meine sonn, mein leben schliesz' ich um deines herum. Herder 25, 177
Suphan. reflexiv: um das kloster schlossen sich allmälig die häuser der stadt. Freytag
handschr. 1, 58; denn enger schlosz sich in dem einzelgehöft das hauswesen um die häupter der menschen und thiere.
bilder 1, 303; o weine du dort eine (
thräne), wie ich hier eine weine, und eine muschel schlieszen soll sich um beide her. Rückert (1882) 5, 27. um schlieszen,
intransitiv oder mit einem accusativ, der von um
abhängig ist, umgeben, umringen: an die von Troie strîten müest al diu lebende menscheit, diu daʒ künicrîche breit und sîn gewalt alumbe slôʒ. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 23555; das vûer al umme und umme slôʒ.
livländ. reimchron. 5954; der abgrund schlosz mich um und um. Herder 10, 103
Suphan; willkommen! willkommen! o schlieszt mich um und führt zum alten, zum ahnherrn mich! Göthe 57, 69. —
gewöhnlich zusammengezogen in ein wort als untrennbares compositum, s. umschlieszen. II@33)
aus der grundbedeutung des absperrens entwickelt sich leicht der begriff des begrenzens und endigens, wie häufig bei dem compositum abschlieszen,
vgl. daselbst. II@3@aa) der kaufmann schlieszt seinen laden, sein geschäft,
zunächst im eigentlichen sinne, er schlieszt das verkaufslocal zu, womit zugleich das aufhören des betriebes ausgedrückt ist: an sonntagen werden während des hauptgottesdienstes alle läden geschlossen
u. ähnl.; bildlich: hätte ich nicht zum glück den überrest meiner handschrift zu hause gelassen, es wäre ihm nicht besser ergangen, und mir nichts übrig geblieben, als meine boutique zu schlieszen. Thümmel
reise 10, 248.
so auch die post, den schalter schlieszen
u. a. ähnlich bergmännisch das feld schlieszen,
sperren Veith 181. II@3@bb)
räumlich: schliesen, umgeben,
s. einschliesen, mit zaun, graben, bergen, wasser, vestungs - gebäuden
etc.,
concludere, cingere Frisch 2, 198
c;
ähnlich als jagdausdruck schlieszen
oder ganz machen, zustellen,
ein jagen mit jagdzeugen und menschen völlig umstellen. Behlen 3, 38. 5, 497.
gewöhnlich im sinne begrenzen, abschlieszen: den winkel mit einer linie schliesen,
triangulum facere. das land mit einer linie schliesen,
territorium linea sive vallo et fossa claudere. Frisch
a. a. o.; bis endlich die Tegeater mit etlichen wenigen Lacedämoniern den rechten flügel schlossen. Heilmann
Thuc. 719; sie (
die hügel) sind vulcanisch, sagt man, und schlieszen die ebene. Göthe 27, 77; die Paduanischen und Vicentinischen berge und das Tyroler gebirge schlieszen .. das bild ganz trefflich schö
n. 108; du kennest das gebirg, das von der see hinein das land zur rechten seite schlieszt. 10, 19.
reflexiv sich schlieszen,
endigen, aufhören: ein bräunlich männliches gesichte ... das sich im dichten barte schlosz. Lessing 1, 115.
bildlich: hier ist der gähe hinuntersturz, wo die mark der tugend sich schlieszt, sich scheiden himmel und hölle. Schiller
Fiesko 2, 19. II@3@cc) einen zug, eine reihe
u. s. w. schlieszen
vom letzten: am 10ten august .. führte der herzog die armee durch einen engen pasz .. Egmont mit seinen leichten reitern voran ... der herzog von Savoyen selbst schlosz mit dem fuszvolck. Schiller 9, 4; und siehe da! ein tapfres paar, das würdig den heldenreihen schlieszt.
d. Piccolom. 1, 2; wohl hab' ich euer grüszen, ihr heldengeister, gehört: eure reihe soll ich schlieszen. Uhland
ged. 199;
im bilde: bis den furientrupp zulezt schlieszt — die verzweiflung! Schiller
räuber 2, 1
schauspiel; ähnlich eine schlachtordnung schlieszen,
sodasz sie vollzählig und lückenlos ist: und wen er gedrungen käm, in eingelaszen, und hinter ime schlieszen .. im wart entwichen und eingelaszen, aber zu stund die ordnung wider hinter im zugemacht.
Wilwolt v. Schaumburg 53.
andere verbindungen gehen in die bedeutung 4,
a über, s. daselbst. II@3@dd)
zeitlich gewendet: dasz .. diese tage der weinlese, indem sie den sommer schlieszen und zugleich den winter eröffnen, eine unglaubliche heiterkeit verbreiten. Göthe 24, 247; indem das sechszehnte jahrhundert sich schlieszt und das siebzehnte anfängt. 53, 149.
so besonders sein leben schlieszen,
sterben, vitae clausulam imponere; sein leben am stricke schlissen,
vitam fune claudere. Steinbach 2, 448; o wie selig ich denn meine tage also schlieszen thet. Luther 3, 420
a; so du allein nicht werest, wolte ich gleich als mehr anders wo als hie mein leben schlieszen.
buch d. liebe 230
a; unser leben, sorg und müh schliest sich hie gar in wenig tag- und jaren. Rompler v. Löwenhalt
reimged. 193; dein mitleid, fürstinn, wird mich fragen, wie könig Priam seine tage schlosz? Schiller 6, 371; so denkt der mensch auch seines lebens bahnen in ruh' zu schlieszen. Rückert (1882) 5, 18.
manchmal auch mehr mit der bedeutung '
bis zu ende durchleben': er könte seinen rest der tage glücklich schlieszen. Caniz 91. II@3@ee)
weiterhin auch: arbeit schlieszen,
opus absolvere, laboribus perfungi, finem imponere Stieler 1839; er hat das werck geschlossen,
operi finem imposuit Steinbach 2, 448; schliesen, zu ende bringen, richtig machen,
facere, conficere, finire, finem facere Frisch 2, 198
c; der angenehme tod sol schlieszen mein verderben. Rist
Parnasz 559. eine versammlung, sitzung schlieszen
oder aufheben: die conferenz ist lebhaft gewesen, und hat sich mit absendung eines abgeordneten in das kloster geschlossen. Gotter 1, 22.
überhaupt sich schlieszen,
endigen, aufhören: auch weisz ich nicht den augenblick, an dem mein creutz und ungelück sich mit einander schlüssen sollen. Günther 113; haben doch die Engländer selbst bekannt, dasz das hauptinteresse (
im Hamlet) sich mit dem dritten act schlösse. Göthe 19, 89;
bergmännisch sich schlieszen,
von lagerstätten, mitteln, aufhören. Veith 421. II@3@ff)
besonders vom reden oder schreiben: eine rede schlieszen,
perorare Stieler 1839; einen brief schliesen,
finire epistolam Frisch 2, 198
c; und der hochweise cavallier Cominxus schleust endlich diesen discurs und sagt .. Schuppius 84; mit diesem seufzer schlossen sich ihre predigten allemal. Rabener
8 4, 190; so eben schliesze ich eine angenehme, halb wunderbare geschichte, die ich für dich aus dem munde eines wackern mannes aufgeschrieben habe. Göthe 21, 37; wo ich zuerst noch dieses schreibe, das zweyte stück meines tagebuchs schliesze und hefte. 27, 53; er (
der alte Moor) befiehlt mir den brief zu schlieszen. Schiller 2, 38 (
räub. 1, 2
schausp.); Phöbus — so schlosz sich das gedicht — Phöbus überzählt die stücke. Mörike 2, 371; ja, synen sermoen slut he alzo.
Reineke Vos 4033; itzt will ich meinen brief doch nicht die hoffnung schlissen. Hofmannswaldau
bei Steinbach 2, 448; ich schreib und weisz nicht was ... das joch der einsamkeit schlägt meinen leib darnieder, dem nacht und finsternisz die müde seite schleuszt. Günther 629;
absolut: die post ist da, mein kind! ich schlüsse. 1052.
vom abschlieszen des schriftwechsels in einem prozesse: die Sykofanten hatten in sachen geschlossen, und die akten waren einem referenten, nahmens Miltias, übergeben worden. Wieland 20, 28. II@3@gg)
in der börse vom schlieszlichen kurse: die 3 % rente eröffnete zu 60, 05, hob sich auf 68, 15 und schlosz zu diesem course in ziemlich guter haltung.
Weserz. 1861, 5366, 3
b; bei stillem geschäft war die börse fest und schlossen sowohl fonds und actien, als devisen und contanten beinahe wie gestern.
Hamb. börsenhalle 1849, 9.
aug. ähnlich schon mnd.: an kese, an butteren [und an stuten] die prîs began widderumb to sluten (
hörte auf zu steigen). Schiller - Lübben 4, 254
a.
auch vom resultat einer rechnung oder bilanz: die rechnung schlieszt mit einem deficit (fehlbetrag)
u. ähnl. II@44)
etwas geschlossenes bilden, zu stande bringen, herstellen. II@4@aa)
concret als bauausdruck. nur mhd. begegnen verbindungen wie ein gezimber slieʒen,
errichten: ze Wormʒ bî dem münsterein gezimber man ir slôʒ.
Nib. 1042, 1. einen bogen schlieszen
als technische bezeichnung: einen bogen, ein gewölbe schlieszen,
den schluszstein eintreiben; so auch eine thür
oder ein fenster schlieszen,
wenn der obertheil des bogens im vollen zirkel oder im geraden sturz zugemacht wird. Jacobsson 3, 628
b; schwibbogen schlieszen,
absolvere arcum Stieler 1839.
davon übertragen ein geschloszner bogen: der verwachsnen zweige menge zeugt hier eine grüne nacht, welche der geschloszne bogen dunkler und doch schöner macht. Brockes 7, 336.
gewöhnlich überhaupt in dem sinne: eine figur bilden, menschen oder dinge in einer bestimmten weise anordnen. eine reihe, einen kreis, einen ring schlieszen
u. ähnl.: einen kreisz schlissen,
orbem facere Steinbach 2, 448; sie schlissen einen kreisz,
in orbem coeunt. ebenda; die gluth schlosz einen ring. Gryphius 1, 207; so kann ich doch nicht loben, dasz er selbst den kreis vermeidet, den die freunde schlieszen. Göthe 9, 111; schlieszt den heilgen zirkel dichter. Schiller 4, 5; herein! herein! gesellen alle, schlieszt den reihen, dasz wir die glocke taufend weihen. 11, 318; karree wir sollten schlieszen. Ludwig 1, 100; sie schlieszen schon den ring. 112; sie hielten eine lange blumenguirlande in den händen, schlossen schnell einen kreis um mich, tanzten um mich herum. Eichendorff
2 3, 98.
bildlich: und so schlieszt sich der kreis. Göthe 53, 167.
in andern verbindungen überwiegt die bedeutung des abschlieszens, vgl. 3,
b. eine wagenburg schlieszen,
mit ketten zusperren: sie zugen widerumb zu ruck, und schlussen da yhre wagenburgk, sam wolten sie sich weren. Soltau
volksl. 2, 112. locken schlieszen: le Grand baut das toppee, und läszt sich locken schlieszen. Zachariä
renomm. 2, 206. reime schlieszen,
vgl.: von schlieszung der reimen, klingenden und stumpffen syllaben. Opitz
ps. vorr. s. 12; zum exempel: das e in dem worte ehren wird wie ein griechisch
ε, in dem worte nehren wie ein
η auszgesprochen: kan ich also mit diesen zweyen keinen reim schlieszen.
poeterei s. 36
neudr. (
vgl. schlieszung). II@4@bb)
in übertragener verwendung: einen bund, vertrag schlieszen,
abschlieszen, eingehen: einen bund schlissen,
foedus ferire; einen vergleich schlissen,
pactionem cum aliquo conflare. Steinbach 2, 448; wohl gibt es gewisse gemeinschafftliche pakta, die man geschlossen hat, die pulse des weltzirkels zu treiben. Schiller
räuber 1, 1
schausp.; zu was ende die allianzen, so diese Doria schlossen?
Fiesko 4, 6; er rechnete, spekulierte, schlosz verträge. Keller 1, 26; er könne nicht kommen, werde aber seine frau stracks an den scharfrichter von Arnheim senden, mit dem er einen vertrag zu gegenseitiger aushilfe geschlossen habe. 2, 236; zwey hertzen, deren bund verstand und liebe schlüszt. Günther 699; arme schlieszen sich, ein heil'ger bund ist, jubelt nun das herz, er ist geschlossen. Göthe 40, 399. eine ehe schlieszen,
sprichwörtlich: die ehen werden im himmel geschlossen, und die thorheiten auf erden begangen. Simrock
sprichw. 1789; nicht jede eh ist im himmel geschlossen.
wunderhorn 2, 437
Boxberger. mit einem einen frieden schlissen,
pacem cum aliquo facere; er schlosz mit den benachbarten völckern friede. Steinbach 2, 448; absolute gewalt hat er, müszt ihr wissen, krieg zu führen und frieden zu schlieszen. Schiller
Wallenst. lager 11. eine wette schlieszen: drauf eine wette schlossen sie ganz leise sich in's ohr. Göthe 47, 84. II@4@cc) einen kauf schlieszen,
bildlich: der herzog sucht eine parthie für die Milford. ein anderer kann sich melden — den kauf schlieszen. Schiller
kab. u. liebe 1, 5; Hans sprach zu Liesen: willst du mich? und Liese sagte: ja! gleich schlosz der handel sich. Ramler
fabellese 38; die miethung schlieszt den kauf. Günther 1066,
vgl. theil 6, 2182.
in der börsensprache sagt man für den kauf einer ware schlieszen
auch eine ware schlieszen,
fest kaufen: auf lieferung wurden 100 barrels (
terpentinöl) geschlossen.
Weserz. 1859,
nr. 4877, 2
c; in caffee mehrere schwimmende ladungen geschlossen für einen nahen hafen. 1861, 5366, 3
b. II@4@dd) ein urtheil schlieszen,
fällen; so indes nur in der älteren sprache (16.—17.
jh.):
mnd. dei ordell sluiten,
die gerichtliche verhandlung schlieszen. Schiller-Lübben 4, 254
a; da schleuszet nu gott ein urteil, das die on werck herein tretten, komen zu der gerechtigkeit durch den glauben allein, jene aber komen nicht dazu. Luther 2, 343
b; denn das urteil schon geschlossen war, das sie den fromen gottseligen Henricum brennen wolten. 3, 34
a; so ist hie .. ein urteil geschlossen, was nicht von gottes wort ist, das ist verloren. 4, 100
b; da schlosz der könig eyn urteyl und sagt: das ist die rechte mutter, nempts und gebt yhr das kind. 12, 351, 18
Weim. ausg.; welche aber ewer gefangenen und seine malefitzhändel ... berahtschlagen, und das urtheil darauff schlieszen. Kirchhof
milit. discipl. 217; weil ir habt wie recht die sach erkennet ... wolln wir auch das urteil drüber schlieszen. P. Rebhun
Susanna 323 (
schausp. aus dem 16. jahrh. 2, 77).
dafür zum urtheil schlieszen: also wird nunmehr zum urthel, lieber leser, hier geschlossen; mir genügt, wo dir nichts gnüget, wann dich auch nur nichts verdrossen. Logau 3, 261, 257 (
schlusz des ganzen).
ähnliche verbindungen: men plach ghenen wisen nauwen raet te sluten, ic enwas daerbi.
Reinaert 6165; de achtundvertig schloten en rath, wegen der drier doden drad, wo men et damit scholde maken.
wunderhorn 2, 30
Boxberger; wer ists, der je erfunden hat den schlusz, den er im himmel schleuszt. P. Gerhardt 261
Gödeke; dasz ich .. ein solche ernstliche ordnung und satzung fürnehmen und schlüszen helfen wolle.
tirol. weisth. 2, 192, 28; sed Christus schleust das widderspil dicens 'hic descendit justificatus in domum suam'. Luther 12, 654, 18
Weim. ausg. allgemein sich schlieszen,
zu stande kommen (?): ob wol fast viel, oder schier alle reichstage umb solcher sachen willen sind .. gehalten worden, es wil sich nirgend schlieszen noch schicken, das es scheinet als spotte gott unser reichstage. Luther 4, 433
a. II@55)
indem sich die beziehung ändert, und der inhalt des urtheils oder planes als direktes object zu schlieszen
gestellt wird, ergeben sich sehr verbreitete wendungen. II@5@aa) schlieszen,
dasz etwas sein soll, einen beschlusz fassen, ein urtheil fällen, bestimmen. den übergang von der ursprünglichen bedeutung vermitteln stellen wie die folgenden: damit man auff dem tage Nicolai desto ehr schlieszen unnd zur enntschafft kommen moge.
Frankf. urk. von 1535
bei Dief.-Wülcker 840; sie sollen die stritigen sachen befahren vond (
l. unnd?) berathschlagenn unnd zugleich schlieszen, damit in gleichenn fällen .. gleiche unnd einerley weisung, schied unnd sentenz gegebenn und gehaltenn werden.
Weim. urk. von 1566,
s. ebenda. so in der älteren sprache sehr gewöhnlich, dagegen jetzt aufgegeben und durch das compositum beschlieszen
ersetzt: schlieszen, wer bürgermeister seyn soll,
designare, declarare consulem Stieler 1839; unde wesz se dar des avendes by deme behre schloten, dat mosten des anderen dages de gemeyne vor recht annehmen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 254
a; aber was solt ich thun, es wolt mir nicht gebüren in dieser sach etwas zu schlieszen. Luther 1, 52
b; so schlecht ligt es da, wie ein tod wort, noch ists so starck, das es schleuszet und urteilet uber die gantze welt. 4, 100
b; dann ich mich sollt des best zu ihnen versehen, sie wurden christenlich schlieszen.
briefe 1, 604; der höre hie, was sein gott und schöpfer uber ihn schleuszt, und spricht: er wölle nicht, dasz er einsam sey. 2, 638; davon ist alzeit mein bedencken gewesen, das kein solcher synodus fürzunemen sey, es sind denn zuvor die chur unnd fürsten davon eintrechtig, .. was sie entlich schlieszen, und worauff sie endlich bleiben wollen. Melanchthon
etliche lehr u. trostreiche schriften (
Wittenb. 1588) R 4
b; derhalben mag er (
der pabst) alles schlieszen und bestellen was den glauben angeht. Fischart
bienenk. 123
b; dann man sagt: vil solten rathen, aber nur ainer schlieszen.
spec. vit. hum. 6
neudr.; gleichwie aber meine erfahrenheit schlecht und gering war, als konte ich auch nichts rechtschaffenes schlieszen.
Simpl. 1, 53, 5
Kurz; im Parnasso ist geschlossen, das die fuchsschwäntzer lebendig solten geschunden werden. Butschky
Pathm. 264; Cejonius schleuszt sich zu ergeben. Lohenstein
Armin. 1, 4; darauff ward gerathschlaget, welches rathsamer ... und endlich umb vielerley uhrsachen willen geschlossen, dasz man ... es über see ferner wagen solte. Olearius
pers. reisebeschr. 34
b (2, 2); Henrich succedirte seinem vater ... vermöge des, durch die einmahl geschehene wahl erlangten rechts; und geschahe diese noch immer von den gesamten Teutschen haupt-völckern, indem kein volck ohne des andern bewilligung etwas zu schlieszen vermochte, wenn die wahl ... allgemein seyn solte. Hahn
hist. (1723) 3, 98; und was dann die mehrern abröden und schlieszen, soln die torfmaister verrichten.
tirol. weisth. 1, 80, 36 (
quelle vom jahre 1727); se sloten eyndrachtygen unde eynes modes: 'Reynke de vos is schuldich des dodes'.
Reineke Vos 1817; wat he slut efte wat he radet. 6695; Belial und jr andern gesellen, wir müssen schlieszen, was wir thun söllen.
ein lustig gesprech der teuffel (1542) b 3
b; darauff so thu schlieszen eben, dasz das lebendig kind ist jr. H. Sachs 2, 1, 27
a; idoch sie paid nichs entlichs schlieszen.
fastn. sp. 6, 107, 15
neudruck; ihr herren, ihr müszt schlieszen, ein andre glock zu gieszen, weil die gesprungen ist. Opel - Cohn 295, 38; die drey die wurden eins, sie kamen offt zusammen und schlossen diese sach' in unsres gottes nahmen mit lust zu greiffen
an. Rist
poet. lust-garte J 6
b; wer ist, den nicht zu zeiten gleichwol die affen reiten? zum schlissen schadet eile, zum schlissen dienet weile. Logau 3, 125, 36; was das verhängnüsz schliest, kan keine klugheit wenden! Hallmann
Mariamne 2, 139; was das verhängnüsz schleust musz' erd' und mensch erfüllen. Lohenstein
Cleop. 1, 960; ihr schlieszet seinen tod? A. Gryphius 1, 33; mich drückt des himmels hand und unerbittlich schlieszen. Joh. El. Schlegel 1, 9.
seltener ist die verbindung auf etwas schlieszen,
es beschlieszen: der churfurst zu Sachsen und der landgraf zu Hessen haben uff die sequestration des herzogthums Brunswig geslossen. Melanchthon
an Albrecht ep. 23
beilage. so auch auf einen schlieszen: wo nun e. c.
f. g. auf eine andre person schlieszen wollten, habe ich unterthäniglich hiemit zween lediger gesellen verzeichnet, die allhie sehr wohl bekannt sind.
opp. 3, 320
Bretschneider; mnl. mnd. an einen sluten,
nach dessen rate, seinen antrag annehmen: meyst an my alle de rad slut.
Reineke Vos 1329,
nach: al die raet sluut meest in mi.
Reinaert II, 1423. II@5@bb) schlieszen,
dasz etwas ist, folgern, ein urtheil aus gegebenen prämissen als endergebnis ableiten: eins aus dem andern schlieszen,
argumentis uti, aliud ex alio colligere. es ist leicht zuschlieszen,
levi conjectura pendet Stieler 1839; einen schlusz machen,
präs. ich schlisse,
colligo, statuo, ratiocinor, conjicio. schlissen, dasz einem etwas lieb sey; aus dem wetter schlissen; was schliszt du daraus? Steinbach 2, 448;
ratiocinari, colligendo judicare, ex noto ignotum colligere, concludere. Frisch 2, 198
c;
conjicere, conjecturam capere. ebenda; wenn wir einen satz aus zwey andern heraus bringen, nennen wir es schlüszen, und die art zu schlüszen einen schlusz. Chr. Wolff
ged. von gott § 340; unter schlieszen ist diejenige function des denkens zu verstehen, wodurch ein urtheil aus einem anderen hergeleitet wird. Kant 1, 446; vernunft ... ist das vermögen zu schlieszen
d. i. mittelbar (durch die subsumtion der bedingung eines möglichen urtheils unter die bedingung eines gegebenen) zu urtheilen. 2, 300. II@5@b@aα)
ohne object: o unerfahrner witz! der gar so thöricht schleust, sind glück und weiszheit denn so scharffe stieff-geschwister? Günther 526; die wahrheit, unter der dein tapfrer ernst gestritten, bringt selbst dein conterfey mit hohen farben her, und wirffts Hygeen zu, und fügt nebst deinen jahren den frühen lob-spruch bey: durch schlüssen und erfahren. 652; wenn man die gesundheits - regeln nicht vorher in kopf gebracht, noch auch durch vernünfftig schlieszen die erfahrung brauchbar macht. 859; so schleust der unverstand, wenn ihn der neid bethört. 980; wie bündig schlieszt der mann! Grillparzer
4 6, 77 (
des meeres und der liebe wellen 4). aus
oder nach etwas schlieszen: wenn ich zwar aus ihrem gesprächigen munde schlieszen sollte, so dürfte ich beynahe das letzte behaupten. Lessing 1, 319. nach etwas zu schliessen,
wenn man daraus schlieszen darf: nach den glänzenden offerten, die ihm gethan wurden, zu schlieszen, muszte die nachfrage von einem sehr reichen mann herrühren. Schiller 4, 331; gegen einen schlieszen (lassen),
zu seinen ungunsten: was aus ihrer (
Desdemonas) verschuldung an dem vater gegen sie als weib schlieszen liesze, wird nur einfach von Othello erwähnt. Ludwig 5, 255. II@5@b@bβ) etwas schlieszen: dasz wer glauben wolte, dasz der welt kräffte abnehmen, dafür halten müste, als wenn die göttliche gewalt selbst aufhörete. solches von gott zuschlissen, seye als eine grosse schmach ferne. Schuppius 776; läszt sich aus diesem bilde wohl der charakter der person schlieszen? Lessing 2, 118 (
Em. Gal. 1, 4); die worte, die du mir hinterbracht hast, sind gut, lassen sich thaten daraus schlieszen. Schiller
Fiesko 2, 4; dasz alle menschen sterben müssen, befrembdet unser keinen mehr, weil wir es neben gottes lehr ausz aller tag erfahrung schlieszen.
ged. des Königsb. dichterkr. 40
neudruck; ist gott mein gott und ich sein knecht, so kan ich zum voraus mit recht ein immer heilsam glücke schlieszen. Günther 87; in diesem schatten sucht ein weiser glantz und licht, bis zeit und arbeit ihm die harten schaalen bricht, aus deren fabeln wir den kern der wahrheit schlieszen. 1062;
mit prädicativem accusativ: mancher wil in glaubens-sachen reiner sich als andre schlissen; gut! obs wahr, da lasse reden seinen wandel und gewissen. denn ausz wandel und gewissen kan man erst den glauben schlieszen. Logau 3, 60, 13.
selten in dem sinne '
erforschen, durch nachdenken herausbringen': warumb der allmechtig barmhertzig gott, erst zu diesen unsern letzten zeiten das aller greuwlichst werck mit pulffer und kugeln, ausz büchszen zu schieszen .. hat an tag kommen lassen und verhengt, ist dem menschlichen verstandt zu ergründen und zu erforschen nit wol müglich, oder gebürlich, allein dieweil solches einer grausamen ernstlichen straff gar wol gleich sicht, wil ich michs zu schlieszen nit hoch bekümmern. Fronsperger
kriegsb. 1, 135
b. II@5@b@gγ) auf etwas schlieszen,
es durch schlieszen herausbringen: freund, bringe nur zuerst aufs reine, dasz in den neuen welten weine, wie in der, die wir kennen, sind, und glaube mir, dann kann ein kind auf seine trinker schlieszen. Lessing 1, 52; weil ich nicht gern zurück, von der miszlungenen verbesserung auf den ungrund der kritik, geschlossen wissen möchte. 7, 74; da schlieszest du wieder von dir auf andere. Wieland 8, 392 (
Danischm. 45); man kann auf die stimmung des geistes und herzens der mächtigen und reichen, nach den gegenständen der gemählde schlieszen, die sie an den wänden des zimmers um sich haben. Klinger 11, 171; das verfahren gegen Valenciennes liesz alle übrigen städte, die in gleichem falle waren, auf das schicksal schlieszen, welches ihnen selbst zugedacht war. Schiller 7, 260.
seltener steht auf etwas schlieszen
in dem sinne '
einen schlusz darauf gründen, auf grund davon schlieszen',
wie sonst aus
oder nach (
vgl.α): die worte Pauli .. die er zun Gal. am 5. cap. schreibet: .. 'die solches thun, werden das reich gottes nicht ererben!' da gedachte ich: 'das thut ja fast jederman offentlich, warum solte dann ich nicht auch auf des apostels wort offenhertzig schlieszen dörffen, dasz auch nicht jederman selig werde.'
Simpl. 1, 82, 7
Kurz. von etwas schlieszen: wer hinterm ofen her wil von der kälte schlissen. Logau 1, 135, 82. II@5@b@dδ)
mit abhängigem satz: Blandula, die göldne sonne, zwischen deinen weiszen brüsten macht dasz die, die beydes sehen, gerne recht zu schlissen wüsten, ob der reine schnee der brüste von der sonnen glantz entsteh, oder ob den glantz der sonne, kläre deiner brüste schnee. Logau 2, 76, 85; als Wolf nun den hier nachbarlich geleg'nen keller auch gespalten vermerkend dreist hinüberschlich, stiesz er auf ein geschöpf, das sich noch lebend, schien es ihm, erhalten. ihm dient an liechtes statt die hand, er fühlt, und seine sinne schlieszen, es lieg' ein weib im nachtgewand — bei gott! es lag auf stroh und sand des nachbars tochter ihm zu füszen. Thümmel
d. heil. Kilian 2; sihe, eben daraus schliesze ich wider dich, das du nicht recht bist.
Hiob 33, 12; aus dieser versichrung sollst du aber nicht schlieszen, als führte ich wirklich ein solch schlaraffenleben, wie hofrath Uslar dir's beschrieben hat. Boie
an Bürger den 1.
sept. 1776 (Bürger
briefe 1, 335); einige worte der urkunde lassen uns schlieszen, dasz die polygamie in jenen frühen zeiten etwas seltnes gewesen. Schiller 9, 136.
mit unabhängigem satz: (
er) wug das wasser, so herausz flosz, und rechnet denn den uberschosz, wie viel das silber mehr auszprest, denn sonst des goldwassers gewest. und schlos zuletzt .. so viel da würd, die kron auszdringn mit jhrer bürd mehr wassers, denn jhr gold gwicht solt, so viel silber wer bey dem gold. Rollenhagen
froschm. N 6
a. II@5@b@eε)
in der ältern sprache häufig reflexiv es schlieszt sich,
läszt sich schlieszen, folgt aus etwas: denn aus diesem wort schleuszt sichs mit gewalt, das der jüngste tag und aufferstehen der todten komen mus. Luther 3, 187
b; ob daraus auch folgen, und sich schlieszen künde, das die kirche uber das evangelium sey? 521
b; hieraus, so der prophet warhafftig ist, schleuszt sichs nu gewaltig, das das reich Christi, .. ein ewig reich sey. 5, 477
b; daraus schleuszt sichs und folget gewiss. Melanchthon
hauptart. christl. lehre 642
im corp. doctr. Christ. (
Leipz. 1560); es schleust sich daher, das eben derselbe baum, so mitten im paradys gestanden, ein feigenbaum gewesen sey.
a. weisheit lustg. 755. II@5@cc)
mit einer weiteren verschiebung sagt man auch von dem argumente, woraus geschlossen wird, es schliesze;
doch ist auch diese verwendung mehr der ältern sprache eigen und jetzt kaum noch gebräuchlich: widerumb, das wir Römischen fürwenden, die fehrligkeit, oder des weins in vielen landen gebrechen, schleuszt auch nicht. das schleuszt aber, was S. Paulus sagt. Luther 1, 211
b; das sie aber anzögen, das sie jn nicht lassen kündten, on wissen und willen einer gantzen gemeine, schlüsse bey jm nichts. 3, 32
a; denn wo sie bey diesem text allein blieben, weren sie uberwunden, denn dieser spruch schleuszt zu starck. 432
a; solche sprüche müssen allzumal so viel schlieszen, Christus leib ist nicht im abendmal. 452
a; darumb schleust dieser spruch nicht, das sie wollen damit bewehren. 4, 2
b; der text schleuszt nicht, das der cherub das schwert in der hand habe gehabt und gehalten, sondern gibt nur so viel, das es für den garten gelegt sey. 31
b; darumb schleuszt disz argument nicht, Christus sahe der Phariseer hertzen und gedancken, ... sondern also schleuszts recht
u. s. w. tischr. 209
b; also dasz sein auszsage allenthalben nicht schleust, dergestalt, dasz .. seine auszsage allerdings, als unschlieszlich und widerwertig, zuverwerffen unnd richtig were. Ayrer
proc. juris (1600) 362 (1, 14). das schlieszt nicht Adelung (I, 4)
als selten. für
oder wider einen schlieszen,
beweisen, zeugen, sprechen: weil schier keyn spruch ist, der stercker widder sie schleust als eben disser. Luther 12, 552, 14
Weim. ausgabe; das schlieszt für mich, mein vater. Lessing 2, 200 (
Nathan 1, 2). schlieszend,
beweisend, durchschlagend: erlauben sie mir, die ganze stelle durchzugehen, und anzuzeigen, was ich für mehr oder weniger schlieszend, und was ich für völlig entscheidend darinn halte. 8, 113; bis hieher ist also von den einwendungen des Göttingschen gelehrten, dieses die schlieszendere! 116; was Winkelmann in der anmerkung
s. 391
n. 6 dem Bianchini entgegen setzt, ist nicht so gar schlieszend. 11, 124. II@66)
das part. geschlossen
begegnet in adjectivischer verwendung, besonders in festen verbindungen, die meist von der bedeutung 3
und 4
ausgehen. II@6@aa)
abgeschlossen, abgesperrt, räumlich: geschlossenes land,
welches auf allen seiten gegen einen feind verwahrt ist Adelung. geschlossene jagd,
wenn das jagdrevier rings mit zeug umstellt ist (
vgl. 3,
b).
ebenda. II@6@bb)
daraus entwickelt sich der begriff der absperrung durch gesetz; beschränkt, verboten. so bedeutet eine geschlossene jagd
auch eine solche, wo nur der eigenthümer jagen darf Adelung; geschlossene wiese,
worauf nicht gehütet werden darf. ebenda; die felder sind geschlossen,
pascuis interdictum est Stieler 1839.
auch eine geschlossene zeit,
worin eine gewisse handlung verboten ist, wie bei den katholiken das fleischessen in der fastenzeit oder das heiraten in der adventszeit Adelung. II@6@cc)
in eins zusammengezogen und lückenlos aneinandergefügt, compact, vgl. 2,
i. ein geschlossenes land,
worin alle einwohner zugleich unterthanen des landesherren sind, im gegensatze zu einem ungeschlossenen,
welches auch besitzungen enthält, die dem landesherren nicht unterstehen Adelung. geschlossener besitz,
der in einem stück zusammenliegt u. ähnl.: ihre (
der Sueben) häuptlinge hatten dem Römer erklärt, weshalb sie auf erobertem grunde den einzelnen ihres stammes geschlossenen eigenbesitz nicht gewähren könnten. Freytag
bilder 1, 58; geschlossene ansiedelungen,
wo die häuser dicht zusammenstehen: auch erkennen wir deutlich aus den Römerberichten, wie der deutsche landwirth damals lebte, im norden in einzelhöfen, meist aber in geschlossenen dörfern. 67.
auch von einer baumgruppe: die häuser suchten die luft, wie bäume die geschlossen stehen. Göthe 27, 103.
auch sonst, fest vereinigt und zusammengefügt, bildlich: gesloʒʒen sint diu wort kneht unde herre, sin unde sælde reht als ein gesperre (
sparrenwerk, gebälk eines hauses). Frauenlob 397, 1; und eine frevelhandlung faszt die andre in enggeschloszner kette grausend
an. Schiller
Wallensteins tod 3, 18. II@6@dd) eine geschlossene schaar, schlachtreihe
u. ähnl.: einst war die mehrzahl von ihnen (
den mönchen des klosters Bancor) bei einem kampfe mit den .. Angelsachsen in geschlossener schaar ausgezogen. Freytag
bilder 1, 354; die dicht geschlossenen schwedischen bataillons werden unter einem mörderischen gefechte über die gräben zurückgetrieben. Schiller 8, 291; stehn wir nicht gegen den feind geschlossen, recht wie zusammengeleimt und gegossen?
Wallensteins lager 11. eine gesellschaft ist geschlossen,
zu der nur feste mitglieder zutritt haben oder die keine neuen mitglieder mehr aufnimmt: ist denn der cirkel dieser groszen männer geschlossen, oder ist es möglich, darin aufgenommen zu werden? Göthe 14, 196; allerdings genieszt der ichling den gröszten grad häuslichen glücks, nämlich nur sein eignes, und es ist seine eigne geschloszne gesellschaft. J. Paul
friedenpred. 29.
ähnlich: so lange ihre (
der Niederlande) vorigen beherrscher kein höheres anliegen hatten, als ihren wohlstand abzuwarten, näherte sich ihr zustand dem stillen glück einer geschlossenen familie, deren haupt der regent war. Schiller 7, 47; die noch bestehenden oder wiederhergestellten patrimonialgerichte wurden früher alle als geschlossene gerichte betrachtet ... die zahlreichen gerichte, welche sonst im Bremischen für ungeschlossen galten und welche nur in einer gerichtsbarkeit der gutsherrn über ihre meier bis zum tropfenfall ihrer wohnungen bestanden, sind sämmtlich aufgehoben. Kobbe
Bremen u. Verden 1, 269. II@6@ee) ein geschlossenes werk,
abgeschlossen, vollendet; auch in sich abgeschlossen und einheitlich: es ist ein groszer vortheil für ein kunstwerk, wenn es selbstständig, wenn es geschlossen ist. ein ruhiger gegenstand zeigt sich blosz in seinem daseyn, er ist also durch und in sich selbst geschlossen. Göthe 38, 39; man ist höchst ungerecht gegen Virgil und die dichtkunst, wenn man das geschlossenste meisterwerk der bildhauerarbeit mit der episodischen behandlung in der Aeneis auch nur einen augenblick vergleicht. 51; die aussicht auf ein bestimmtes und geschlossenes wissen hat einen besondern reiz. Kant 3, 295; die Agnes Bernauer des grafen Törring. ein auszerordentlich solid gearbeitetes stück, geschlossen und vom besten zusammenhang. Ludwig 5, 342.
weiterhin auch: eine menge kleiner eindrücke, es zerstört einer den andern; einen eindruck des ganzen, einen geschlosznen ganzen eindruck macht es (
Maria Stuart) nicht. 319; fällt der pragmatische nexus mit dem idealen zusammen, ist die ganze fabel dargestellter, geschloszner gehalt. 329. II@6@ff)
ebenso eine geschlossene persönlichkeit: er wuszte nicht oder wollte nicht wissen, welchen zauber eine geschloszne persönlichkeit ausübt. Ludwig 1, 201; nach der erkennungsszene steht Elektra erst als geschloszner charakter vor uns. 5, 326; wie uns jede lebensäuszerung eines fremden mannes, der vor unser auge tritt, ... das bild einer geschlossenen persönlichkeit geben, ein unvollkommenes und unfertiges bild, aber doch ein ganzes. Freytag
bilder 1, 22. II@6@gg)
andrerseits auch vom zustande, besonders in sich geschlossen,
nach innen gerichtet, mit sich beschäftigt, nach auszen gleichgiltig, schweigsam: alle gehen kalt, ernst, in sich geschlossen an mir vorüber. Klinger 4, 57; in sich selbst geschlossen und still bereitete sie das nachtessen. Pestalozzi 1, 138.
ähnlich verschlossen
von einem schweigsamen, reservierten benehmen. dafür mundartlich im Münsterlande auch schlûten (
part.?): biäter n schlûten wîf, äs n kîwen wî
f. Frommann 6, 427, 70,
vgl. s. 430.