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humor

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DWB
Anchors
18 in 14 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
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26

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

humor m.

Bd. 10, Sp. 1905
humor, m. stimmung, laune. 11) das wort ist seit dem 16. jahrh. aus der gelehrtensprache in das deutsche aufgenommen worden, zunächst im lateinischen gewande, mit dem plur. humores (belege s. unten) und mit der betonung húmor des singulars: dann man an der kleidung gar bald und leicht abnimmet, wie herz, rede und zung auch humor zsamen stimmet. Opel u. Cohn 412, 3 (von 1628). später nach der mode der zeit in wälscher form gebraucht, wie denn Böcklers kriegsschule (1668) s. 1023 unter den 'kriegswörtern' (d. i. unter den zierlichen worten der soldaten) auch humeur mit der erklärung natur aufführt, und Rädlein 556b kopf, sinn, meinung, humör gibt; von dieser im 17. jahrh. viel gebrauchten form sind wir seit dem 18. zur lateinischen zurückgekehrt, aber die romanische betonung humór ist uns davon geblieben. 22) humor war in der natur- und heillehre des mittelalters auch auf die feuchtigkeit, den saft im innern des menschen bezogen: naturlich feuchtigkeit, humor naturalis voc. inc. theut. o 4b; und da mit der beschaffenheit dieses saftes die menschliche art als eng zusammenhängend gedacht ward, so nahm das wort diesen letzteren sinn an, man unterschied bekanntlich vier hauptarten des menschen in bezug auf das gemüt (vgl. unter kalt 3 und komplexion): complexion, die naturliche vermischung und temperatur der vier humoren. Henisch 611. daher erwuchs die bedeutung stimmung, gesinnung, laune, die bis in unsere zeit vielfach bezeugt ist: weil aber mergedachter monsieur Fontaine des graven von Essex humores bekant, hab ich mich bei ihme erkündiget (wie bei ihm zu verfahren sei). Breuning v. Buchenbach 69; trabete fürders in holländ. dienste, allwo ich zwar richtigere bezahlung, aber einen langweiligen krieg vor meinem humor fand; dann da wurden wir eingehalten wie die mönche und solten züchtiger leben als die nonnen. Simpl. 1, 436 Kurz; man hätte eine zeitlang an meinem melancholischen humor wohl gesehen, dasz ich halber desperat gewesen wäre. 2, 56; die zeiten verändern die humorn, sonderlich in amptleuten. Lehmann flor. pol. 1, 23; ein fromm weib thut ihrem manne nichts zuwider, sondern richtet sich in billichen dingen, so viel immer möglich, nach seinem humor. Creidius 2, 70; jeder bube kann seinem humor nachlaufen, jeder narr, jedes genie. Fr. Müller 2, 44; da siehst du nun, wie viel vernünftiger es ist, die gelegenheit zu benützen, als dem humor etwas nachzufragen, wie verwöhnte kinder. Felder sonderl. 1, 229. 33) die ausläufer dieser bedeutung namentlich bei Göthe, wenn er das wort in festen formeln braucht, guter, bester, übler, schlimmer humor, anlehnend an das häufige französ. belle, bonne, mauvaise humeur (Littré 1, 2065a): wenn ich in dem eigensinne künftige standhaftigkeit und festigkeit des charakters, in dem muthwillen guten humor, und leichtigkeit, über die gefahren der welt hinzuschlüpfen, erblicke. 16, 41; es sei mehr eigensinn und übler humor, als eingeschränktheit des verstandes, der ihn sich mitzutheilen hinderte. 44; 'ich habe noch nie gehört, dasz man gegen die üble laune vom predigtstuhle gearbeitet hätte'. das müssen die stadtpfarrer thun, sagte er, die bauern haben keinen bösen humor. 46; ihren mann fanden sie gleichfalls, da sie zu tische kamen, bei sehr üblem humor, und er fing schon an, ihn über kleinigkeiten auszulassen. 18, 202; jedes versäumnis, jedes unglück muszte mit geld gebüszt werden, und man ward noch obenein ausgelacht. diesz gab mir den allerschlimmsten humor. 24, 233; ich fing mit dem besten humor meine hypothetische lebensgeschichte zu erzählen an. 277; drum wünschen wir, dasz er (Bürger) möge in guten humor gesetzt werden, (in der übersetzung des Homer) fortzufahren. im teutschen Merkur 1776 febr. s. 193; ebenso bei Wieland: wofern er durst und guten humor zu bringen schwört (wird er zu einem feste zugelassen). Wieland 5, 11 (n. Amad. 12, 13). 44) der neuere begriff des humors hat sich zuerst in England ausgebildet. wie er auf grund der ältern bedeutung der individuellen seelenstimmung erwuchs, zeigt Lessing 7, 414, wie er durch Swift und Sterne gepflegt und vorzugsweise auch auf geistesverwandtem deutschen boden, zunächst als litterarische erscheinung entwickelt ward, beschreibt die litteraturgeschichte. J. Paul definiert in diesem sinne den humor: der humor, als das umgekehrte erhabene, vernichtet nicht das einzelne, sondern das endliche durch den kontrast mit der idee. es giebt für ihn keine einzelne thorheit, keine thoren, sondern nur thorheit und eine tolle welt, er hebt — ungleich dem gemeinen spaszmacher mit seinen seitenhieben — keine einzelne narrheit heraus, sondern er erniedrigt das grosze, aber ungleich der parodie, um ihm das kleine, und erhöhet das kleine, aber ungleich der ironie, um ihm das grosze an die seite zu setzen und so beide zu vernichten, weil vor der unendlichkeit alles gleich ist und nichts. vorsch. d. ästh. 1, 166. humor wird der bloszen laune entgegengesetzt: in bloszen lyrischen ergieszungen, worin der geist sich selber beschauet, malet Leibgeber seinen welt-humor, der nie das einzelne meint und tadelt, was sein freund Siebenkäs viel mehr thut, welchem ich daher mehr laune als humor zuschreiben möchte. s. 168. — Lessing hatte das englische humour noch in dem alten sinne durch laune übersetzt: vor itzo will ich nur die erklärung mitnehmen, welche Dryden von dem was die Engländer humor nennen, giebt. ich erinnere zugleich, dasz ich humor, wo ich das wort übersetzen will, durch laune gebe, weil ich nicht glaube, dasz man ein bequemeres in der ganzen deutschen sprache finden wird. 4, 339, nahm aber diese übersetzung 7, 416 als falsch zurück, mit recht, wegen des damals mehr wie heute völlig verschiedenen begriffs, vergl. das weitere unter laune. Die heutige sprache braucht humor häufig nur in dem sinne einer scherzhaften stimmung und deren äuszerung: man sagt, redet mir humor; man findet sich mit humor in diese oder jene lage; bei längerem zusammensein der gesellschaft machte sich der humor geltend; man redet sogar von einem ausgelassenen, sprudelnden humor, mit beiwörtern die das gute deutsch bisher nur auf spasz oder witz bezogen hat.
6144 Zeichen · 70 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    humorm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    humor , m. stimmung, laune. 1 1) das wort ist seit dem 16. jahrh. aus der gelehrtensprache in das deutsche aufgenommen w…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Humor

    Goethe-Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    Humor etwa 300 Belege. G-s Wortgebrauch spiegelt versch ältere u zeitgenöss Bedeutungen dieses bei Adelung noch nicht be…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Humor

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Humor , ein aus dem Lateinischen bei uns eingebürgertes Wort, bezeichnet: Feuchtigkeit. Flüssigkeit u. wurde gleichbedeu…

  4. modern
    Dialekt
    Humor

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Humor [Hùmûr Dü. ; Hùmór Su. Bf. ] nur Pl. Humore n Angewohnheiten, Manieren: er het eso gspässigi H. an sich: wënn e r …

  5. Sprichwörter
    Humor

    Wander (Sprichwörter)

    Humor 1. Humores peccantes muss man mit purgiren oder Aderlass evacuiren. – Lehmann, 19, 19. 2. Wer den Humor eines Burs…

  6. Latein
    humor

    Mittellateinisches Wb. · +2 Parallelbelege

    [ 3. humor v. tumor: Antidot. Glasg. p. 117,4. ] Weber

  7. Spezial
    Humorm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Humor , m юмор , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit humor

18 Bildungen · 17 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

humor‑ als Erstglied (17 von 17)

humoralis

MLW

humor·alis

* humoralis , -e. ad humores pertinens – die Säfte betreffend, Säfte- : Thadd. Florent. cons. 10,18 alia (sc. causa) fuit ex parte membrorum…

Hŭmor aquēus

Meyers

Hŭmor aquēus (lat.), die »wässerige Flüssigkeit« der vordern Augenkammer. Humor vitreus (auch Corpus vitreum ), der Glaskörper des Auges (s.…

Humoreske

Pfeifer_etym

Humor m. ‘heitere Gelassenheit als Grundhaltung gegenüber dem Dasein, Sinn für Komik, gute Laune, fröhliche Stimmung’. Zugrunde liegt lat. h…

humorig

Pfeifer_etym

Humor m. ‘heitere Gelassenheit als Grundhaltung gegenüber dem Dasein, Sinn für Komik, gute Laune, fröhliche Stimmung’. Zugrunde liegt lat. h…

humorisch

DWB

humor·isch

humorisch , adj. dem humor eigen: humorische totalität. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 166 .

humorist

DWB

humor·ist

humorist , m. schriftsteller von humor: als man Sterne in Deutschland zuerst ausschiffte, bildete und zog er hinter sich einen langen wässer…

humoristisch

DWB

humorist·isch

humoristisch , adj. mit humor, humor habend: ein humoristischer schriftsteller; jetzt auch eine humoristische rede, ansprache, eine humorist…

humoristischzart

GWB

humoristisch·zart

humoristisch-zart Sentimentalität, Der Engländer, humoristischzart N11,349 MuR(363) Var → beschaulich-humoristisch dramatisch-humoristisch g…

humorlos

GWB

humor·los

humorlos stimmungslos, ohne Schwung; idVbdg ‘geist- und humorlos’ als Bewertung einer Aufführung von WMüllers komischer Oper ‘Die Schwestern…

humorositas

MLW

* humorositas (u-), -atis f. humiditas – Feuchtigkeit, Feuchte (tam de qualitate quam de humore ipso) : 1 in univ.: Circa Instans p. 16r b -…

humorosus

MLW

humorosus , -a, -um. humore plenus, humidus – Feuchtigkeit enthaltend, feucht : 1 gener. et natur.: a in univ.: Urso qual. 545 humectat humi…

humorvoll

FiloSlov

humor·voll

humorvoll , adj юмористический , п → FiloSlov humoristisch, adj

humor als Zweitglied (1 von 1)

Galgenhumor

RDWB1

Galgenhumor m (Lakune) чёрный юмор

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „humor". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/humor/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „humor". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/humor/dwb. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „humor". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/humor/dwb.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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