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klinke

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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19 in 18 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

klinke f.

Bd. 11, Sp. 1194
klinke, f. obex, pessulus (am schlusse einige andere bed.). II. Bedeutung und gebrauch. I@11) jetzt denkt man bei klinke an den 'drücker' (s.daumendrücker) am thürschlosse älterer art, mit dem man drückend den riegel des schlosses aus dem klinkhaken hebt, und schon Stielers 'manubrium' unter klinkenschlosz musz das meinen (vgl. seine erklärung von klinke 983). daher auf die klinke drücken, um die thüre zu öffnen: da drückte leise der sohn auf die klinke und so verliesz er die stube. Göthe 40, 257; kein schlüsselloch war zu sehen, keine klinke, kein klopfer. 24, 81; hatte er die klinke in der hand um aufzudrücken. Immermann Münchh. 3, 25 (45), deutlich der drücker. sprichwort abgegriffen wie eine accisklinke. ich biete euch beiden trotz, dasz ihr mir an die klinke greifet. Chr. Weise comödienpr. 215. I@22) eig. aber ist klinke der riegel selbst, wie schon das 'klinkhaken' bezeugt. I@2@aa) der auf und nieder gehende riegel den der erwähnte drücker bewegt, 'einfallender thürriegel' Richey: die klinke ist eingefallen, die thür ist zu oder eingeklinket (das häklein darein die klinke fället, the catch of a latch). Ludwig teutsch-engl. wb. 1032; aber auch 'die thüre fällt in die klinke' (wie ins schlosz), wenn man sie zuwirft; die thür ist nicht in der klinke, nicht eingeklinkt. thürklinke, hausklinke (Steinbach). I@2@bb) es hiesz aber auch die klinke (los) ziehen, öffnen: und zögst (du) die klinke los ... wie schnell spräng ich hinauf (zu dir)! Göthe 2, 98. eine klinke mit einem riemlein, daran man ziehen musz, a draw-latch. Ludwig, es musz die alte vorrichtung sein um die klinke von auszen zu öffnen. so schon deutlich bei Jeroschin, er erzählt von einem misglückten sturme der Samen auf die burg Fischhausen: (als der haufe) was kumin an daʒ burgetor, der pfortin rîme hînc hin vor (vorn heraus). îdoch si got sô blante (blendete), daʒ ir keinir irkante (sah, s. sp. 538 e) den rîmen noch des wart gewar. jâ wêr di burc gewesin gar (völlig) in geoffint und verlorn, hettin si di snûr irkorn (gesehen), dî an di clinke was gehaft. diz hette eines vingers craft dâ vil schedelîch volant (fertig gebracht). 12023 ff. I@2@cc) früher wird es als riegel überhaupt angegeben, ohne dasz die form bezeichnet ist; pessulus, repagulum, riegel, grändel, klinke. Apherd. bei Frisch 1, 523c; oft in vocc. bei Diefenbach, auszer pessulum ('holzen riegel') klingke, klink auch clepa (s.kläppe), clocerium, tendicula in janua (eig. wol der zugriemen unter b) linta, vgl. bei Trochus R 2a lingua (an der thüre) ein klinke die erklärung gibt oft auch falleisen, fallschlosz 128a. 431b. 332a, sodasz es auch da 'fallender riegel' sein wird, es war vielleicht nie etwas andres (doch vgl. 5). I@2@dd) bildlich: gleiches denken, gleiche schmerzen sind die klinke zu dem herzen. neu eröffn. musencab. (Lpz. 1702) 1181. I@33) früher auch als schlagbaum, fallriegel im groszen maszstabe, im Elsasz nach folg. (vgl. Scherz 797): die mahtent sich by sant Crüze, do ettlich klinken stont und der weg so enge ist, das nit über zwene nebent einander geriten mögent .. velletent die klinken nider. Königshofen 935. so nach Dahlmann Neocorus 1, 418 noch holst. klinke m., vielleicht auch einst in Brandenburg, s. Homeyer richtst. 513. 542 über die dortige gerichtsstätte tur klinken (50, 3). I@44) eine übertragung von der thürklinke scheint klinke am webtuhle vom sperrkegel. I@55) unsicher bei Stilling: nun erkannte man, warum die frau weggelaufen war. man entschlosz sich also, an jeder thüre und öfnung im hause vorsichtige klinken und klammern zu machen. jug. (1779) 58. ob gewöhnliche riegel? wahrscheinlicher gehört es doch zu IV, 1. IIII. Verbreitung des wortes. II@11) das jetzt als schriftdeutsch geltende wort ist nicht oberd., die thürklinke heiszt schwäb. bair. schnalle, schlinke, oberrh. schweiz. falle, aber klinke kennen die oberd. wbb., noch Denzler 1716 nicht. der Nürnb. voc. ex quo von 1482 hat zwar schon klink clocerium nach Dief. 128a (nr. 70), aber nicht der voc. th. 1482 aus derselben druckerei (schlink cc 4b), jenes musz also frühe einwirkung vom norden her sein, wie das klinke im Elsasz. II@22) aber in md. und nd. landen ist es von jeher heimisch; wie in den mehr westmd., auch nd. vocc. bei Dief. unter I, 2, c, so in ostmd.: pessulum, clinke Bresl. voc. 15. jh., Schröer voc. von 1420 nr. 2082, obex eine clinke 1846, und schon in mhd. zeit (s. unter I, 2, b): varnt ûf des himels klinken. Frauenlob s. 21; so mieszen di clinken vallen. Elegast (Germ. 9, 337). auch nl. klink f., undn. klinke, schwed. norw. klinka (auch alt), isl. klínka. II@33) entlehnt ehstn. klink (link), finn. klinkku (auch schleuder), litt. klingis 'linge an der thür' Mielke (auch klinge, und halseisen), niederwend. klinka (s. klinkenschlagen), eigen polnisch klamka. aber auch franz. neben loquet dial. clinche, norm. clanche, alt clenque Diez 596 (2, 250). IIIIII. Formen und herkunft. III@11) eine nebenform heiszt klinge, so in Thüringen und weiter, s. Mielke vorhin, Jungmann nachher; dasselbe ist wol kleng f. klinke im ungr. berglande Schröer 70b (vergl.klenk pessulum Mones anz. 7, 163, rhein. 15. jh.); schon im 15. jh. kling pessulum Dief. 431b, clepa 126c (s. I, 2, c), vgl. Mathes. u. klinkenschlagen. III@22) besonders wichtig eine andre nebenform klunke: wird derohalben besser sein, einen andern das thor offen thun zu lassen und die finger nicht zwischen die klunke zu stecken. allerh. selzame würme 1650 s. 53 (zur sache s. sp. 1140 d); das zeigt alten ablaut, wie z. b. schunken neben schinken, und in norm. clanche vorhin kann die dritte form versteckt sein. III@33) eine dritte nebenform zeigt sich nur auswärtig: engl. dial. click klinke (im maschinenwesen sperrkegel, s. I, 4), vgl. clicket a latch-key Hall. 255a; auch fürs festland bezeugt in champagn., wallon. cliche klinke, picard. cliquet fallriegel Diez a. a. o.; 'kligke' Dief. 431b mag nur verschrieben sein für klingke (s. I, 2, c), böhm. klika 'schnalle, klinge an der thür' b. Jungmann, Šumavsky klingt wol blosz zufällig an, es bedeutet auch haken, kurbel u. ä. III@44) das stammwort ist zwischen diesen nebenformen zu suchen. III@4@aa) den formen nach bietet sich dafür ein wort mit der bed. schlagen, klappen (nur hd. nicht, wie klinke selbst): nl. klinken, klonk (urspr. klank), geklonken schallend schlagen, klink m. schlag, klaps; mit gleichem ablaut engl. dial. clink und clank starker schlag, schott. auch to clink, clank, to beat smartly; auch schwed. klinka klopfen, schlagen dasz es klingt Rietz 328a. es ist eine schwesterform zu dem in der bed. schwächeren klicken (klacken, klocken) sp. 1159, wie zu klappen, klippen, klopfen sich das verlorne starke verbum verhält das sich in klampern, klimpern, klumpern andeutet (s.klapf 4, b), s. dazu klippen 3. zu klinken stimmen klinke, klunke, clanche, zu klicken ebenso click, cliquet. III@4@bb) und auch für die bed. scheint das brauchbar. das wesen eines guten riegels ist scharfer verschlusz, und das verrät sich in seinem einschnappen, 'einschlagen' mit einem gewissen scharfen klange; wie nun kläppe klinke von diesem klappen benannt sein wird (man vergl. sp. 963 unten), so kann wol auch klinke herstammen von dem klange den sie in ihrem dienste gibt. auch bair. schnalle klinke stimmt so zu bair. schnallen knallen u. ä. III@4@cc) die form klinge nähert sich klingen, das aber selbst jenem klinken schlagen nahe steht, sei es von haus aus oder durch spätere annäherung; die bed. schlagen und klingen sind in dem stamme öfter vereinigt, s. besonders klempern, klampfe. IVIV. ein andres, nicht hd. klinke gehört zu einem andern stamme. IV@11) auf schiffen die spitze eines bolzens oder spikers, die 'geklunken', umgeschlagen ist (s. klinkbolzen), nl. klink, engl. clinch (auch klammer u. ä.), s. dazu das zweite klinken 2, a; die grundbedeutung ist haken, krümmung, und Stillings klinken unter I, 5 könnten wol haken sein, denn das wort wird auch nrh., nd. sein, s. folg. IV@22) dasselbe scheint klinke, wol nordd., das scharreisen des schornsteinfegers, der davon klinkenträger heiszt, s. Homeyer der richtsteig landrechts 543, der andere verwandte nd. und auswärtige bedd. zusammenstellt. VV. noch anders klinke f. gleich klinker (s. d.), von ziegelsteinen? in einem niederhess. weisthum von 1589 wird eine ziegel- und klingkenmühl zu Lauterbach genannt weisth. 3, 369, der ziegel- und klinkenmöller 370, auch anderwärts gibt es nordd. 'klinkmühlen', noch im namen Klinkmüller erhalten, s. Homeyer a. a. o. 513, obwol klinke selbst als name einer mühle das. aus dem 12. 13. jh. sich daraus nicht wol begreift. VIVI. endlich oberd. klinke schlinge, s. klank 1, 'klinke klanke' sp. 952.
8795 Zeichen · 237 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KLINKEswf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    KLINKE swf. thürklinke. pessulus Diefenb. gl. 211. pessulum voc. vrat. vgl. Frisch 1,523. — gên sîner vetchen winken var…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    klinkeF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    klinke , F. nhd. Klinke, gewinkelter Hebel, einfallender Türriegel, Verschlussklinke des Schlagbaums, vorgeschobener Rie…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Klinke

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Klinke , plur. die -n, überhaupt, ein jedes Werkzeug, welches mit einem Klange oder Schalle niederfällt und dadurch …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Klinke

    Goethe-Wörterbuch

    Klinke Teil des Schließmechanismus von Türen: Riegel O schönes Mädchen du, .. | Die du .. | Auf dem Balcone stehst! .. |…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Klinke

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Klinke ( Sperrklinke ), s. Sperrgetriebe .

  6. modern
    Dialekt
    Klinkef.

    Pfälzisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Klinke 1 f. : wie schd., Klink (gliŋg) [verbr.]; vgl. Schlinke . Zs. Türklinke . RA.: Er dut Klinke butze, von einem Bet…

  7. Sprichwörter
    Klinke

    Wander (Sprichwörter)

    Klinke 1. Eine gute Klincke fürm Maul schadet nimand. – Herberger, I, 736. 2. A gît réim Kléinka schlôn. ( Oesterr.-Schl…

  8. Spezial
    Klinke

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Klin|ke f. (-,-n) 1 (Türgriff) snola (-les) f. , mantia (-ies) f. 2 (Griff, Hebel) brancia (-ces) f. 3 saradú (-dus) m. …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit klinke

84 Bildungen · 77 Erstglied · 6 Zweitglied · 1 Ableitungen

klinke‑ als Erstglied (30 von 77)

klinke · 1+ Belege

KöblerAfries

klinke 1 und häufiger , F. nhd. Schlagbaum ne. barrier Hw.: vgl. mnd. klinke I.: Lw. mnd. klinke? E.: s. mnd. klinke?, F., Schlagbaum; vgl. …

klinke, klenke

LW

klinke·klenke

klinke, klenke, f. Klinke, einfallender Thürriegel, clatrum; Schlagbaum. -klinken slân wird von Herumtreibern gesagt, die von Haus zu Haus g…

klinkeln

DWB

klin·keln

klinkeln , ein dunkles oberd. wort: wie ein unbendigs .. hartnägkigs kind nit wol wirt zogen durch seins vaters klinkelen und verhengen. S. …

Klinkenbutzer

RhWB

klinken·butzer

Klinken-butzer -o- Kobl-Kärlich , Rheinb-Neuk , Sieg-ODollend , MGladb-Rheind , Kemp-Amern SAnton Dornbusch , Mörs-Pelden , Mülh-Ruhr , Rees…

Klinkendräger

MeckWB

Klinkendräger m. im Spottreim Schosteinfäger, Klinkendräger Wo. V. 3, S. 329.

Klinkendrücker

PfWB

klinken·druecker

Klinken-drücker m. : 'wandernder Handwerksbursche', scherzh., Klinkedrickeʳ [ KU-Erdb ZW-Bechhf RO-Finkb/Gersw ]; vgl. Klinkenputzer , Schli…

Klinkenfeister

RhWB

klinken·feister

Klinken-feister -ī- (-furzer) Elbf , Barm , Mettm , Lennep m.: Horcher, Schnüffler (der an den Türklinken horcht); der an allem mäkelt; klei…

klinkenfeistern

RhWB

klinken·feistern

klinken-feistern -ī- ebd. u. Gummb-Bergneustdt ; -fīstən Gummb-Berghsn Lantenb ; -fīsən u. -stən Elbf schw.: 1. an den Haustüren herumlaufen…

klinken II

RhWB

klinken II -e- nur Rip, SNfrk, Klevld [ -ǫ- Schleid , Ahr, Prüm-Steffeln ; -ę- Sieg-ODollend , Eup ] schw. [doch Prät. -oŋk, Part. jəkloŋkə …

Klinkenkette

RhWB

klinken·kette

Klinken-kette -eŋkętə Gummb ; -øŋkęt Monsch-Hargart; -eŋkęteŋ Geld-Straelen f.: Zugkette.

Klinkenohren

RhWB

klinken·ohren

Klinken-ohren -ū·ə.rən Remschd Pl.: Haken, in denen die Zugketten eingeklinkt werden.

Klinkenputser

WWB

klinken·putser

Klinken-putser m. [verstr.] 1.1. Bettler. — 1.2. Landstreicher, wandernder Handwerksbursche ( Det Is ). — 1.3. Vertreter, Hausierer ( WmWb )…

Klinkenputzer

Wander

klinken·putzer

Klinkenputzer Er ist ein Klinkenputzer. – Frischbier 2 , 2050. Schmückende Umschreibung für Bettler.

klinke als Zweitglied (6 von 6)

Türklinke

RDWB1

Türklinke f Türklinken putzen / Klinken putzen idiom. - толкаться во все двери идиом. , обивать пороги идиом. , стучаться во все двери идиом…

hüppeklinke

MNWB

hueppe·klinke

*° hüppeklinke ein Laufspiel, h. spēlen (Nic. Gryse Spegel M 4 b , vgl. Dähnert).

hüppeklinke

KöblerMnd

hüppeklinke , Sb. nhd. ein Laufspiel Q.: Nic. Gryse Spegel M 4b (1593), vgl. Dähnert E.: s. hüppen (1), klinke L.: MndHwb 2, 390 (hüppeklink…

stütteklinke

KöblerMnd

stütteklinke , F. nhd. „Stützklinke“, Klinke mit der das aufgeschobene Fenster gestützt wird E.: s. stütte, klinke L.: MndHwb 3, 577 (stütte…

Ableitungen von klinke (1 von 1)

Geklinke

Campe

Х Das Geklinke , des — s , o. Mz. s. Ge — 2. 2).

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APA
Cotta, M. (2026). „klinke". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/klinke/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „klinke". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/klinke/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „klinke". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/klinke/dwb.
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