gangfisch,
m. 11)
ein fisch im Bodensee, der felche
oder belche
im dritten lebensjahre, genauer mehrere nahverwandte fische, s. I, 1439
unter belche
die stelle aus Nemnich; im 16.
jh. gibt Forer
nach C. Gesner
an: zuo Costanz umb den Bodensee habend si ein anderen underscheid der nammen (
als im Züricher, Thuner, Lucerner see). im ersten jar nennet man si seelen, zuo Lindauw mydelfisch. im anderen jar stüben. im dritten jar baalen, balhen (
mhd. balhen
s. habsb. urb. 347) oder gangfisch, watfisch (
vgl. fischwate), im vierten renchen zuo Lindauw, im fünften halbfisch, zuo letst ganze felchen oder blauwling. die gangfisch ziecht man auf drei gschlächt, namlich sandgangfisch, die man adelfelchen nennet, grn gangfisch, ausz welchen die blauwfelchen sind, die dritten weisz gangfisch, welche iren nammen nit (
weiter) enderen, auch zuo der anderen grösze nit kommen.
fischbuch 187
b.
unter albula caerulea, bezola;
vorher das. unter 'lavaretus, edle albelen, adelfisch': so er jung ist, wirt er zuo Costanz ein sandgangfisch genannt, 188
b noch albula parva, ein albulen, weiszgangfisch.
Vom Bodensee sind auch folg. weisthümerstellen: da von hat er (
der herr) zins von denen von Gottlieben jærlich vierzig felchen ... wær och das si die selben nit fiengen, so sond sie ie für ainen felchen (
also m., nicht f. oder n., wie bei Grimm, Nemn.) geben vij gangfisch. 1, 241 (14.
jh.),
vgl. 242; hat ain her von Costenz alli jar ze Gottlieben drü zehen tusent gangfisch järlichs geltz (
abgabe). 4, 416,
vgl. 417,
auch 420
vom felkenlaich (16. jh.); hausen in der Donau, gangfisch im Bodensee. Fischart
groszm. 136 (655
Sch.); gereuchert renken, blo felchen, weisz und gelb gangfisch.
Garg. 56
a (91
Sch.); die bodenseeische lampreten und gangfische.
Simpl. 3, 223 (1684
s. 176). Schmeller 2, 54
kennt aus München gangfische,
kleine schlechte fische die da geräuchert in körbchen zu markte kommen, ohne zweifel vom Bodensee, vgl. bei Nemn. 4, 1212
vom weiszfelchen,
der im 3.
jahre als gangfisch
auch verschickt wird, d. h. '
gedörrt',
denn schon als abgabe muszten nach weisth. 4, 417
die gangfische
über den 12.
tag hinaus nicht grün,
sondern türr
geliefert werden; auch von den blauwfelken gibt Forer 188
a an: si werdend auch am rauch gedert, werdend also allerlei fürsten und herren fürgetragen; Henisch 1347
kennt ihn nur so: gangfisch, wattfisch, weidfisch,
ein weiszer fisch, etwas kleiner denn ein hering, gut gesalzen und am rauch gedörrt. lat. pisces aridi (
dürre)
schon in einer urk. v. 1290
aus der Bodenseegegend: piscium aridorum, qui vulgariter dicuntur gangvische. Mones
zeitschr. 4, 72.
das letztere wird gegeben mit pisces euntes,
z. b. in einer urk. um 1260
ebend. erscheinen als abgabe duo millia piscium euntium desiccatorum (
gedörrte), qui dicuntur vulgariter raibelinge. 22)
auch die alse, else,
clupea alosa heiszt u. a. auch gangfisch Nemn. 2, 1069, '
weil das thier sommers aus dem meer in die flüsse geht' (
oben I, 260),
übrigens dem häring ähnlich, wie der vorige. Adelung
unter weiszfisch
hat auch gangfisch
gleich blicke,
cyprinus alburnus, Schmid
schwäb. wb. 175
auch gleich hasel, döbel,
cyprinus dobula. 33)
noch anders schwed., z. b. in Dalekarlien, gangfisk,
fisch der laicht. Rietz 185
a,
vgl. gngstid
die streichzeit der fische, gngsdun,
ein strich fische (dun
m.)
in der laichzeit, also gng
der auszug zum laichen, was nichts als gang I, 4,
d gleich heerzug sein wird, auf die fische übertragen, und auch die alse
als gangfisch
wie der gangfisch
des Bodensees, der in massen gefangen wird, könnten ihren namen im gleichen sinne haben, wo denn das wort urgerm. wäre.