umschlingen,
vb. 11)
untrennbar. 1@aa)
um etwas (
sich)
herumschlingen, herumwinden: deren symbola gewesen: seit unverzagt ... mit einem bloszem schwert, so eine schlange umbschlungen Chemnitz
schwed. krieg (1698) 1, 185; (
er liesz die bäume) absägen und selbte mit verborgenen seilen umschlingen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 835
a; da schnell den frischen ulm die junge reb umschlingt Chr.
F. Weisze
lustspiele (1783) 1, 385; eine epheuranke umschlingt die kalte stirn Göthe 33, 256
W.; gelbblühende banisterien umschlingen den stamm der waldbäume A. v. Humboldt
ansichten der natur (1808) 1, 201; wenn mit myrthen ich umschlinge meine kleine laute mir Novalis
schr. 1, 133
Minor; die drachen umschlangen seinen leib verschiedenemal, aber sie thaten ihm kein leid brüder Grimm
deutsche sagen (1891) 1, 153; ein brauner ledergurt umschlang seinen leib G. Freytag
ges. w. 5, 141;
häufig bildlich: kaum hatte dich und sie das band, das selbst der himmel knüpft, umschlungen Gottsched
gedichte (1751) 1, 66; hat ein gleich geschick mit des Avernus netzen ihn umschlungen? Göthe 10, 43
W.; (
wonne) hat mit süszen banden mich umschlungen A. W. Schlegel
im Athenäum 2, 141; sonst umschlingen es (
das genie) die fesseln eines schwerfälligen realismus Ayrenhoff
w. (1814) 5, 240. 1@bb)
mit den armen umfassen, umarmen: gefiel dies, da ich dich umschlunge und mich an deine seite drunge? Stieler
geharnschte Venus 42
ndr.; Agathon an der seite der gefühlvollen Danae und von einem ihrer schönen arme umschlungen Wieland
Agathon (1766) 2, 345; da ich an deiner seite mit umschlingendem arme sasz S. Geszner
schr. (1777) 1, 114; seid umschlungen, millionen! Schiller 4, 1
G.; meine tochter, wenn dich ein anderer umschlingt, verlierst du meinen namen Schubart
in D. Fr. Strausz 9, 95; er hielt sie mit beiden armen fest umschlungen und fühlte ihren busen an seinem klopfenden herzen wallen Stifter 2, 34
S.; umschlangen sich (
beim abschied zwei soldaten) ungeschickt und küszten sich Alverdes
pfeiferstube (1929) 85;
das knie umfassen: (
ich will) sein knie umschlingen, so hoff ich, ihn zu bewegen Bürger 191
Bohtz; 'meine mutter', rief er auszer sich, 'warf sich zu ihren füszen, umschlang ihre knie G. Freytag
ges. w. 9, 94;
übertragen wie '
sich zuwenden, sich annehmen': derjenge mann, der neulich so voller gottvertrauen unsere sachen umschlingen wollte W. Alexis
Isegrim (1854) 3, 201;
ohne das gefühlsmoment, wie '
umfassen': (
er sah) ein löwen kämpffen mit eim trachen gar freydig, doch hett in den sachen der trach mit seinem schwantz umbschlungen, das der löw stand in angst bezwungen H. Sachs 16, 223
G.; die elefanten umschlingeten sie mit dem rüssel Opitz
Argenis (1626) 1, 581; Ajax hebt den gegner in die höhe, dieser aber wirft ihn um ..., sie umschlingen sich noch einmal Göthe 41, 1, 324
W.; da umschlangen ihn die brüder mit starkem arm ihn hinabzutragen Scheffel
ges. w. (1907) 1, 251; wie die beiden (
ringenden) eng umschlungen, wange an wange, den abschüssigen boden stampften Kolbenheyer
Paracelsus (1926) 3, 301. 1@cc)
übergehend in die allgemeinere bedeutung '
allseitig umgeben',
wobei die vorstellung des umschlingenden bandes (
s.a)
mehr oder weniger deutlich durchblickt: es hält der dickste schwarm von feinden ihn umschlungen Gottsched
deutsche schaubühne 6, 53,
hier wie im folgenden beleg sich der bedeutung '
umzingeln, belagern'
nähernd: sie umschlungen meine reiter und rissen sie vom pferd Klinger
w. (1809) 1, 295;
allgemeiner: weisze jungfraun, hand in hand umschlingen unter brautgesängen den altar Bürger
w. 99
a Bohtz; wie allmählig ein dichter kranz von zuschauern die spielenden umschlang Gotthelf
ges. schr. (1855) 2, 55;
gern in dichterischer sprache: die umschlingende fluth scheidet vom weltgeräusch, darum lockte mich stets deiner (
der insel) gestade ruh Matthisson
ged. 1, 174; das neugebaute haus umschlingen pappelbäche Göthe 3, 41
W.; den (
hain) hohe felsen rund umschlangen Pfeffel
poet. vers. (1812) 8, 75; ir saal war mit wabernder lohe umschlungen J. Grimm
mythologie (1875) 1, 351;
neben abstracten entwickelt sich die allgemeinere bedeutung '
rings umgeben, umfangen'
am deutlichsten: mich umschlingt ein kaltes grausen Schiller 14, 54
G.; schon umschlingt sein herz das misztrauen Klinger
w. (1809) 2, 448; wenn zweifel dich an menschentugend mit drückendem gefühl umschlingt Novalis
schr. 1, 148
Minor; so umschlang auch ahnende ehrfurcht vor der unsterblichen schar die gemüther der wanderer U. Hegner
ges. schr. 158; beginnt aus den thälern ein heimlich singen, als wollts mit wehmuth die welt umschlingen Eichendorff
s. w. (1864) 1, 540; die liebe, welche die drei brüder stets umschlungen hielt Grabbe
w. 1, 39
Blum.; (
sphärenklang) tönet in dein kühl gemach hernieder, wo dich die vergessenheit umschlingt Hebbel
w. 7, 41
Werner; wenn dann nachts wonnevoll alles die ruh umschlang Stelzhamer
ausgew. dicht. 3, 267
Ros.; (
erinnerung) jener abende voll purpurdunkel, wo hohes leben festlich uns umschlungen St. George
das neue reich 50;
anders, als '
zusammenfassen, in sich schlieszen': die sprache umschlingt mehr als sonst etwas im menschen das ganze geschlecht W. v. Humboldt
ges. schr. 6, 39
akad.; die griechische lyrik und dramatik umschlingt ... alle möglichen menschlichen beziehungen Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. 41, 291. 22)
trennbar. statt umgeschlungen
im part. praet. auch umschlungen Thomasius
gedanken und erinn. (1720) 1, 91; Hagedorn
versuch einiger ged. 21
litt.-denkm.; E. Th. A. Hoffmann 4, 53
Gris. 2@aa) '
herumschwingen, -schleudern',
vgl. schlingen II 1: daz ainer ain offen glas mit wein so snell umbslinget mit einer sling, daz nichts herauzfleuzt Konrad v. Megenberg
buch der natur 94
Pfeiffer; öpis ummeschlingge '
herumschleudern' Hunziker
Aargau 276. 2@bb) '
herumwinden',
reflexiv: aus der wurtzen (
der scammonia monpellana) kommen lange dünne reben, welche sich allenthalben, wo sie etwas ergreiffen mögen, umschlingen und aufwinden Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 530.
häufig den strick, faden ... umschlingen: daselbst hielt sie Dogaragi, dass die andern ihr (
der frau) den strick umbschlingeten Lohenstein
Ibrahim sultan L 2
a; wenn die nabelschnur sich etliche mall um das hälsgen umschlungen und verhindert, dasz das kind nicht respiriren kan Thomasius
gedancken und erinn. (1720) 1, 91; man tauche das ey an einem umgeschlungenen faden in geschmolzenes fett Gottsched
anmuthige gelehrsamkeit (1751) 5, 616; indem sie die schleife des umgeschlungenen bandes wieder aufzog Göthe 24, 294
W.; woher der dicke finger? — vom faden drehen ... und umschlingen
kinder- und hausmärchen (1812) 1, 49; mit aufgerissener weste, das halstuch nur leicht umschlungen, stand er da E. Th. A. Hoffmann 4, 53
Gris.; ich selber trug ... keine weste über dem burschikosen hemde, hingegen das rote seidentuch der groszmutter malerisch umgeschlungen G. Keller 1, 207.
poetisch auch jemandem den arm umschlingen: dort (
im dorf) tanzt ein bunter ring mit umgeschlungenen händen Haller
gedichte (1882) 25; sie ruht, vom tanzen matt und warm, in seinem ihr umschlungnen arm und läszt ihn tausend küsse brechen Hagedorn
vers. einiger gedichte 21
litt.-denkm.; (
als) traurig Orest und mit beladnem herzen irrte, schlang ihm Pylades, auch ein jüngling, liebend den arm um Herder 27, 25
S.