stieben,
vb. , '
fortwirbeln, umherwirbeln'.
herkunft und form. 11)
auszer im deutschen (
ahd. stioban,
mhd. stieben,
mnd. stuven)
nur im niederländischen (
nnl. stuiven,
mnl. stuven)
vorhanden. zusammen mit dem causativum stäuben (
s. teil 10, 2, 1099),
mnd. stoven
zur germ. wurzel steuB-, stuB- (Franck-van Wijk 671, 681),
wovon auch got. stubjus =
ahd. stuppi
und ablautend ahd. mhd. stoup,
nl. stof '
staub' (
s. teil 10, 2, 1069)
sowie wahrscheinlich nl. stoom,
engl. steam '
dampf',
wenn diese aus stauB-ma
entwickelt, vgl. van Wijk
idg. forschg. 24, 34; Walde-Pokorny 1, 836; Holthausen
ae. etymologisches wb. 318.
auszergerman. verwandte fehlen; Muchs (
zs. f. dt. wortf. 2, 286)
zusammenstellung mit gr. τῦφος '
rauch, dampf, dunst'
ist ganz unsicher. —
die grundbedeutung der wurzel ist wohl mit Franck-v. Wijk 681
als '
sich wirbelnd bewegen'
anzusetzen. die ältesten belege des dt. verbums tostum stiupandi stiupenti
ahd. gl. 1, 259, 25
St.-S. (8.
jh.)
und s(
q)
ualidus (
als beiwort zu sablo '
sand') stiupinte
ahd. gl. 2, 18, 28 (11.
jh.)
weisen nicht auf den im deutschen seltneren anwendungsbereich '
dampf',
sondern auf den auch später häufigen '
staub' (
u. A 1 a). 22)
dem stammvokalausgleich im prät. (
mhd. stoup, stuben:
nhd. stob, stoben)
mit anlehnung an die verba mit h
oder dental als stammauslaut (Paul
dt. gramm. 2, 207)
gehen im 16.
jh. interne ausgleichsversuche vorauf: 3.
sg. prät. stub
findet sich im Straszb. Ulenspiegel 75
L. und gilt bei Hans Sachs (Shumway
zum ablaut. verb bei Hans Sachs 56);
in der 3.
pl. prät. stehen nebeneinander stuben
und stoben
bei Wickram 4, 163
und 7, 207
lit. ver. und bei Schumann
nachtbüchlein 88
und 317
lit. ver., vgl. auch stuben Stumpf
Schweizerchron. (1606) 686
b.
präs. und inf. mit -ü- (
im alem. undiphthongiert bewahrtes mhd. iu)
häufig bei südwestdeutschen, vereinzelt auch bei anderen autoren bis ins 17.
jh., vgl. Montanus
schwankb. 267
lit. ver.; Pegius
geburtsstundenbuch (1570)
vorr. 2
a; Zesen
verm. Helicon (1656) 2, 131; Chr. Weise
comödienprobe (1696) 283. —
mhd. sg. präs. mit dem stammvokal iu
neben plur., part. präs. und inf. mit ie
ergab nach der nhd. diphthongierung steubt
neben stieben,
so steubt Ercker
beschr. aller ertzt (1580) 15
a neben stieben
ebda. 15
b. Clajus 94
f. Weidling und Girbert
dt. gramm. (1653)
geben stiebe, steubest, steubet. Schottel
setzt bei den übrigen verben dieser ablautsreihe meist den typus fliege, fleugst, fleugt
an, führt aber (1663) 598
das ie
im präs. von stieben
durch, vielleicht um stieben
von stäuben
abzugrenzen (Nordström
ausbildung der nhd. starken präsensflexion 40);
ebenso Gottsched
gramm. (1762) 346.
vom früheren 18.
jh. an ist stieb(e)t 3.
sg. präs. auch im gebrauch der schriftsteller nachzuweisen (
belege s. teil 12, 1, 1749
unter verstieben).
der vokalwechsel im präs. gab anlasz zu einer vermischung mit dem schwachen causativ stäuben (
s. teil 10, 2, 1099),
welches das starke stieben
im 18.
jh. in höherem masze überdeckt zu haben scheint als späterhin: Wachter (1737) 1602
hat nur steuben
und bringt darunter vom starken verb nur das präfigierte zerstieben
und es stiebt
als nbf. zu es steubt; Frisch (1741) 2, 322
kennt das starke verb nur '
im gemeinen reden'; Klopstock
scheint als simplex nur stäuben
zu verwenden (
belege teil 10, 2, 1102
f.),
doch ich verstiebe (
teil 12, 1, 1749). —
schwache präteritalbildung vereinzelt schon bei Fischart
Garg. 123
ndr. und sämtl. dicht. 2, 39
K., häufiger seit der Göthezeit. bedeutung und gebrauch. das vb. wird intransitiv gebraucht, wobei subject das ist, was sich fortbewegt. verschiedentlich auftretender transitiver gebrauch (
s. u.A 1 b; e)
bleibt gelegentliche ausweichung, z. t. unter vermischung mit stäuben,
s. u.B 2 c
und oben; auf diesem einflusz beruht vielleicht teilweise auch die schon seit mhd. zeit bezeugte abweichung in der subjectswahl in einigen festen anwendungen, s. u. A 3. AA.
in der luft wirbeln, wallen, sich wirbelnd zerstreuen, bewegen; von massenhaft auftretenden stoffen. A@11)
das vb. ist von anfang an meist mit präp. und adverbien der richtung verbunden. am ältesten und reichsten ausgebildet ist '
vom boden oder einem körper aus nach oben aufwirbeln, wegfliegen',
beachte die starke entfaltung von aufstieben besonders im mhd. (
u. c, b;
vgl. teil 1, 750);
daneben steht in allgemeiner richtungsangabe '
fortwirbeln, wohin wirbeln'. A@1@aa)
seit alters (
vgl. oben die glossen)
vom aufwirbeln, heftigen fortwehen des staubes und ähnlicher stoffe: stieben dô began diu molte von den strâzen: sie riten über lant
Nibelungen 197, 2
Bartsch; und seind im hor und uff dem haubt vil kleiner schüplin als die klyen seind, und styebent von dem hor, so man das strälet Gersdorff
wundartzney (1526) 84
a; der vater aber that den sohn umschlingen, dasz von den locken rings der puder stob Eichendorff
s. w. (1864) 3, 527; von solcher hitz erhebt sich das klein geriebene ertz und steubt ausz dem schirben L. Ercker
beschr. aller ertzt und bergw. (1580) 15
a; ich will ihm was von meinem carfunckel brandtewein geben, davon soll ihm der rusz zum halse raus stüben, als wenns rauchte Chr. Weise
comödienprobe (1696) 283; de junge ... had up de pêr haut, dat de damp ût n mârs stôf
nd. bei Frommann 6, 282; so will ich doch auch mein glück erproben. (sie bläst auf die blume [
pusteblume]) sieh, da ist alles rein weg gestoben Tieck
schr. 2 (1828) 355. dô sach man ritter vellen, vâhen und dringen, ... und sach den dicken melm ûf mit kreften stieben und die schilde zeklieben von den kreftigen stichen Heinrich v.
d. Türlin
krone 18573; die aschen si namen, ... si sprancten si sa ze stund vor in allen in den luft; si stoup zware ubir al
Milstätter genesis 142
Diemer; dar quam deme yennen, de dar warp, also vele aschen up dat houet stuvende, dat he nicht de oghen konde up don
bei Schiller-Lübben 4, 456; dîn asche stiubet in diu ougen mîn Walther v.
d. Vogelweide 38, 7; item nim auripigmentum, das stos klein, und huth dich, das es dir nicht inn die nassenn stibe Heinr. v. Pfolspeundt
bündthertznei (1460) 139; so geben sie ihm nur dreust einen nasenstüber, oder schlagen ihm die tabacksdose in die höhe, dasz ihm der spaniol in die augen stiebt Gottsched
deutsche schaubühne 5, 124; man spräche, das kehrig stübete in teig (
wenn man die backstube auskehrt) J. G. Schmidt
rockenphil. (1705) 1, 62; gab einer vom schlosse fewer hart neben ihm in die maure, dasz der staub und kalck ihm unters gesichte stoben v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 233;
vom geruch: würd es (
etwas stinkendes) euch stieben in die nasz
fastnachtspiele 1059
Keller. A@1@bb)
von der charakteristischen bewegung der funken '
sprühen, fliegen'
; in dieser anwendung heute besonders lebendig. neben der aufwärts- und fortbewegung steht in diesem anwendungsbereich auch das sonst u. 2
ausgebildete richtungslose '
umherfliegen'. —
alt vom feuer
selbst: daz fiwer stoup ûz ringen,als ob ez tribe der wint. den gêr schôz mit ellendaz Sigmundes kint
Nibelungen 433, 1
Lachmann; und sluoc in mit der klingen so vaste ûf den gezierten helm, daz im des wilden fiures melm dar ûz begunde stieben Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 31067; zerfetzt mir der verfluchte zweig das gesicht, dasz das feuer aus den augen mir stiebt v. Gökingk
ged. 3, 18; der sturm aber ist jnen nachgevolget, und das fewer auff dem herde, welches mit aschen und kolenstaub zugedeckt gewesen, dermaszen im hausz umb sie und die kinder herumb gefüret, das für dem stiebenden fewer eines das ander nicht hat sehen können C. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 500
b; daz ez (
das feuer) den helledieben begunde sere stieben umbe ir hobt und ougen Hugo v. Langenstein
Martina 216
Keller. vereinzelt: bald spritzt es (
das feuer) in die luft gleich wasserstrahlen empor, bald stiebt es in glänzenden flocken, wie schnee
zur erde nieder Wieland (1794) 5, 2.
auch von flammen: und mit zornig wüsten schlägen schlug er, dasz der ambosz stöhnte, ... flammen stoben, funken spritzten Fr. W. Weber
ges. dicht. (1922) 3, 119; nach hochzeitsfackel und brautgewand griff täppisch des tauwinds feuchte hand, bis wirr, ein verschlungenes fahnentuch, die stiebende flamme zu boden schlug Agnes Miegel
balladen u. lieder (1924) 14.
uneigentlich: en grot greselik bestie ... hadde grote ogen, dar stoven vlammen uth alse lampen
Lüb. chron. 2, 341
Grauthoff. —
später in fester ausbildung funken stieben,
vereinzelt schon mhd. (
s. u.): ein schmidknecht ... zündet die aglen an, der meinung die würm darinn zu verbrennen. also stuben die funcken vber den velsen auff in die kamer des schlosses, darinn der bereitet hanff hanget, der kam auch zu fheür Stumpf
Schweizerchron. (1606) 686
b; mussen doch die Papisten ... mit ihrem wüthen und toben nichts anders thun, denn in die aschen blasen, dasz ihnen die funken und aschen in die augen stieben Luther 63, 368
Erl.; wer dem fewer zu hoffe zu nahe kompt, dem stieben die funcken unter die augen Petri
d. Teutschen weiszh. E e e 4
v; darinnen sey das hurenhausz verbrennet, aber die funcken in alle häuser gestoben
grillenvertreiber (1670) 154; legte ich ... in der küche eine rakete ... ins feuer, welche auch alsbald ihren zug durchs kamin nahm, so dasz über demselben noch die funken in die luft stoben Kerner
bilderbuch (1849) 136; das feur sie schon uszbrochen, und koch yetz der babst darby, und stieben die funcken, rauch und flam in aller cardinäl und bischoff kuchenen
bei O. Clemen
reformationsflugschr. 4, 308; da erlöschen alle gute funken, die gott laszt in sie stieben, der guten insprachen und ermanungen Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 22
a; die funckhen stuben so weit, das bald hernach nit allein die clöster und gottsheuser zerstört ... wurden Joh. Herold
chron. 194
Kolb.; dô sluoc der hêrre Sîfrit daz al daz veld erdôz. dô stoup ûz dem helme,sam von brenden grôz, die viwerrôte vanken von des heldes hant
Nibelungen 185, 2
Lachmann; vuryge vunken, de ut enen gloyendygen oven stuven
leben des heil. Franz 161
b bei Schiller - Lübben 4, 456; alles in ihr sang. als sie sich am abend vor dem spiegel die haare bürstete, war es, als müszten funken von ihr stieben H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 153. die flamme griff in das dürre geäst ... die funken stoben wie prasselnder staub E. v. Wildenbruch
in: Jungdeutschland 252
Arent; auf der nur durch stiebende funken erhellten wiese E. Jünger
in stahlgewittern (1934) 160.
im bilde: die funcken, die da stuben usz der esz oder usz der schmitten deines hertzen Keisersberg
emeis (1516) 83
c; der Parnas ist nun ein ausgebranter vulkan; und wo haben wohl jene männer, die aus Göthes esse funkelnd stoben, ihren glanz und ihre wärme gelassen Jean Paul
palingenesien (1798) 1, 175. —
in allgemeinerer verwendung des bildes, von der wirkung der schläge (
vgl. o. die concreten zeugnisse im mhd.) dasz die funken stieben: o, da gehört guot bengelkraut zuo, dapffer drauff geschlagen, das die funcken darvon stüben Montanus
schwankbücher 267
Bolte; zwischendurch prügeln sie sich, dasz die funken davon stieben Görres
ges. br. 1, 313; mit welchem (
flegel) er drasch in der grubn, das umb jhn her die funcken stubn Ringwald
christl. warnung (1589) j 5
b;
concret: Siegfried ... griff zu seinem ... schwerdt. ... damit schlugen sie kräfftiglich zusammen, dasz die funcken herummer stoben
volksb. v. gehörnten Siegfried 68
ndr. auf eigentlicher anschauung beruht auch der junge gebrauch dieser wendung bezüglich des hufschlags der pferde: die vier pferde stürmten übers pflaster, dasz die funken stoben Gaudy 3, 165; gleich darauf sprengte Nicolo quer über den schloszhof, dasz die funken stoben, durchs thor in die nacht hinaus Eichendorff
s. w. (1864) 3, 328; und hurre hurre! hop hop hop! gings fort in sausendem galopp, dasz rosz und reiter schnoben, und kies und funken stoben Bürger 14
b Bohtz. geläufig auch in der form es stiebt funken,
nur in der form transitiv, vgl. auch u. 3: er sprengte, dasz es funken stob, hinunter von dem hofe Bürger 52
a Bohtz. so auch: einen stern faszte sie und schwang ihn, dasz es funken stob nah und fern Rückert 3, 54;
ähnlich, mit eigenwilliger wahl des subjects: wie du (
der sonnengott) deine liebesfunken über all die schöpfung stobst Rückert
ges. ged. (1837) 1, 15;
anders schon alt: ob sich nun wol die genanten Evangelischen ... zu dem gotteslesterer Arrio ... nicht bekennen, ... so stieben sie doch hin und wider gifftige funcken dieses arrianischen grewels, in ihren schrifften C. Ulenberg
erhebliche u. wichtige ursachen (1589) 583. A@1@cc)
in mhd. und älter nhd. zeit in fester anwendung vom heftigen wegfliegen der waffentrümmer, die beim aufprall absplittern; meist ausdrücklich in der richtung nach oben (
s. sp. 2756): sie understachen beide sich, so daz der schaft ûf stoup als vor dem winde ein durre loup Herbort v. Fritzlar 8791; ir ros vil edel unde guot si alsô swinde truogen dar, daz die schefte wurden gar mer danne halp zerschrenzet und also vaste engenzet, daz diu kleinen stückelîn ûf in der liehten sunnen schîn begunden stieben als ein melm Konrad v. Würzburg
Engelhard 2605; ir beider sper unz an die hant sich von den herten stichen cluben; sie brâchen; die drunzilen stuben zu tûsent stucken in die luft Heinrich v. Freiberg
Tristan 1746
Bechstein; sie rannten zusammen als zween kühne helden, und zerbrachen beyde spähr, dasz die trümmer in die höhe stoben
buch der liebe (1587) 382
d; da warde rytterlichen gestochen in dreyen stechbanen, das die stucken der spiesz zuo himmel stuben und flogen Schumann
nachtbüchlein 317
Bolte; die schilde von der tjost sich cluben, di sprîzel von den scheften stuben Ulrich v. Lichtenstein 190, 8
L.; manlich sie ire sper zerranten, eynander ire schilt zertranten, so dasz sie von eynander kluben, die schilt und sper gehn himel stuben Wickram 7, 207
lit. ver.; auch stob von den zerbrochnen speern ein dicker wald bis an die sternen Fuchs
mückenkrieg 93
Genthe; die schilte sie zerklubenund diu îsîn gewant, daz vil der ringe stubenumb diu nasebant
Wolfdietrich D v
str. 210, 4
Amelung; hierher auch: firmt er ihm ... ein streich uber der ... näd der hirnschalen her, das im der kopff zu stucken dort hinausz stibet Fischart
Gargantua 325
ndr. A@1@dd) '
fortfliegen'
kleiner teile, die sich von einem ganzen heftig und gewaltsam ablösen, wie c,
in verschiedenen anwendungen bis in junge zeit: es weichen ettlich hinden ab, sprach der hauptman, es schadet nichts, die spreuwer stieben von den kernen Seb. Münster
cosmogr. (1550) 464; darzu würd der staub und die spreuer, welche ausz der scheuren vom tröschen hin und her fliget, auff die bäume stieben Sebiz
feldbau (1580) 312; auch ist understanden worden, kleyder usz haszenharen zuo machen, welches ... der kurtz halber hynweg steübet H. v. Eppendorff
Plinius (1543) 87; bliesz auff die köpff der teuffel oben, dasz die haar häuffig dannen stoben L. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 112
ndr.; kaum, als ich diesz gesagt, sah ich mit mehr betrüben von einem rosenknopf die purpurhaare stieben, so dasz das land hiervon wie roth gefärbet ward Triller
poet. betracht. (1750) 1, 247; ... und weit hinweg von dem haupte stob der glänzende schmuck des haars, der bund und die haube Bürger 240
Bohtz; und alle unsere masten von oben bis unten aus zersplitterten, wovon auch zwei über bord stoben
Münchhausens reisen (1788) 72; da sprang das thier ... durch die scheiben ins freie, dasz die glasscherben klingend hinterdrein stoben Storm
w. 3 (1899) 22;
etwas anders: er müst im in den schweren seckel plasen und die guldin federn dar ausz stieben machen Arigo
decamerone 42
Keller. A@1@ee)
von dem heftigen fortfliegen verschiedener stoffe, körper u. s. w., die nicht von vorneherein als teile und trümmer aufgefaszt sind, sondern als zunächst selbständige ganze. von dem reinen '
sich bewegen' (B)
dadurch verschieden, dasz (
wie in a-d)
ein ausgangs- oder zielpunkt des stiebens ausgedrückt oder vorausgesetzt ist: Johannes thuot uns schreiben von einem engel klar, der gottes wort soll treiben gantz luter offenbar: ... hoch kunst die laszt er stieben weyt über berg und tal
M. Stifel
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 74; sie lieszen eine buchse nach der andern abe und traffen meisterlich, das si (
die feinde) in die lufft stoben und gaben die flucht Grunau
preusz. chron. 2, 466.
auch in junger zeit: wolkensteine (
d. i. hagel) stieben im wetter in der streiter augen vom scharfen sturm Herder 25, 262
S.; wie wasserschaum der wellen stoben weisze wolken über dem kamm der schneehügel in die luft G. Freytag
ges. w. 11, 240; ... dasz die brandung über sich schlagend in schaum zergohr und der dampf in die luft stob Kosegarten
dichtungen (1812) 1, 119; ein gärtner läszt aus blanker messingbrause den kalten quell in busch und beete stieben Hans Carossa
ged. (1912) 28;
vereinzelt transitiv: dann kommen ... fontainen, die ihre perlen in die lüfte stieben Bettine
an Göthe in: schr. der Göthegesellsch. 14, 185; die geister waren nicht heraufzubringen ..., sie sind hier unten gewesen, ... sie stiebten von unten auf sand und steine an die fenster, dasz es klirrte C.
F. Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 4, 180. A@1@ff)
im sinne von '
zerstieben, auseinander fliegen',
von e
nicht immer scharf getrennt: diu sper ouch dâ niht ganz beliben, ze stucken sie vil cleine stuben Ulrich v. Lichtenstein 74, 13
Lachmann; got beraube euch (
den tod) ewer macht und lasse sie zu pulver stieben (
var. neben zerstieben)
ackermann aus Böhmen 5, 20
Bernt. auch jung: bis unsre hand in asche stiebt, soll sie vom schwert nicht lassen Herwegh
ged. e. lebendigen (1842) 1, 78;
so wohl auch: wie spreu vor dem winde, so stiebet meine liebe, die ich geliebet Geibel
w. (1888) 2, 12. A@22)
daneben ist das vb. schon früh ohne ausdrückliche richtungsangabe bezeugt. stieben
ist dann häufig nicht eine von einem festen ausgangspunkt ausgehende bewegung, sondern '
umherwirbeln, herumfliegen'.
in vielen fällen liegt jedoch trotz der fehlenden präp. und adverbiellen richtungsbestimmung die bedeutung 1
verborgen. A@2@aa) '
wirbelnd, sich zerstreuend herumfliegen'
; wie weit daneben '
nach oben aufwirbeln' (
o. 1)
enthalten ist, bleibt im einzelnen unentschieden: dem (
heizer) sleht sie einez an daz mûl: bœswiht unrein unde fûl, wie stiubet sô der asche ... woldestû niht begiezen ê
Seifried Helbling 1, 1199
Seem.; nim menschenbein ... darzu weissen weyrauch, ... stosz wol zu meel durch einander, und wann es stieben will, so netz es mit rosenwasser Gäbelkover
artzneybuch (1596) 2, 258; des anderen dages seghen se den melme stuven in den velde
Lübecker chron. 1, 92
Grautoff; aus dem stiebenden sande unserer dünen Kosegarten
rhapsodien (1790) 3, 305; sie vergiszt auch bald alle schmach, fürnemlich wann die federen stieben, allda ... der rechte bettanstand ... regieret Fischart
Garg. 110
ndr.; mit den federn, die da stieben, stopf ich meines nestes lücken
F. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 161;
besonders eindeutig '
umherfliegen'
ohne richtung von oder auf einen bestimmten punkt, wenn stieben
mit umher, um
verbunden ist: davon so dicker staub sich hub und wie ein wolck umb sie her stub Fuchs
mückenkrieg 107
Genthe; es thet jhm nur sanft, dasz jhme die federn umbs maul stieben Lehman
flor. polit. 1 (1662) 340; einst bin ich unterm maienbaum gelegen, und, wie ich lag, hat sich ein wind erhoben! wie sind die blüten da um mich gestoben! Hebbel
w. 6, 308
Werner; worauf zuletzt das korn mit der schaufel geworfelt wurde, dasz die spreu rundum stiebte Isolde Kurz
Cora (1915) 73.
dagegen sicher '
empor wehen, sich hochbauschen': eyn paulun van sytenwand da obir waz gewiret, stub sam eynes robes rand Eberhard Cersne
der minne regel 511;
so wohl auch, etwa '
aufwallen': hinder im der nebel stoup, des tropfe velwet grüenez loup Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 6821. A@2@bb)
duratives '
in der luft herumfliegen'
und inchoatives '
von einem festen punkt wegfliegen' (
o. 1)
sind beim fehlen von richtungsbezeichnungen kaum unterschieden und erscheinen häufig miteinander verbunden; diese verbindung erfährt feste ausbildung in der wendung dasz etwas stiebt,
womit die heftigkeit einer gewaltsamen einwirkung und ihrer folgen gekennzeichnet wird, vgl. auch dasz die funken stieben (
o. sp. 2758): wann ains (
ein waldvogel) ain rosenplatt im mund begraiff, die andern ims ze stund zerrissen und zercluben, das die rosenpletter stuben als die molten in der hitz Hätzlerin 2, 57; ik (
habicht) wolde ju (
tauben) so helpen doven, dat juwe vederen alle stoven Gerhard v. Minden 69
Seelm.; frey dapffer her, gantz unerschrockn, drauff geschlagen, dasz stüben die plockn Gilhusius
gramm. (1597) 105; und hätte den schwersten (
hasen) ausz dem hauffen herauszgeschossen, dasz die haare gestoben Chr. Weise
erznarren 166
ndr.; biss ich Bartels Gritte wider da kupff verbrüht ha, das er de wulle stüben soll A. Gryphius
lustsp. 259
lit. ver.; und lasse sich die herren reuffen, weil sie haare haben, bisz die haare stieben J. Mathesius
erkl. der ep. an die Cor. (1591) 1, 19
b; und hauen mit dem ochsenziemer drunter, dasz das fel stiebt Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 37;
übertragen: nun will ich studieren, dachte er bei sich selbst, dasz das fell stieben soll
ders. pastor Rindvigius 1, 80. ich will ihn prügeln, dasz die stücke nur so stieben
quelle d. 19.
jh. bei Sanders
wb. 2, 2, 1184
c; die (
zähne) spritzen rechts und links; dem nächsten stieben kopfschwarte, knochen von des kaisers hieben, ein grausen packt die leute Paul Ernst
kaiserbuch 2, 2 (1927) 352;
ähnlich: (
die schenkin) schlug die schüssel ... in den herd hinein, dasz die scherben stoben Rosegger
ges. w. (1913) 22, 17;
formelhaft, meist völlig entsinnlicht in der wendung dasz es stiebt: sunder bi unser leven frouwen kerkhof word sin koff afgehouwen, dat et stof v. Liliencron
volkslieder 2, 231; stiesz die lanz und vom sattel ihn hob und warf ihn hin in den grund, dasz es stob Rückert
Firdusi (1894) 2, 458; dat geit, dat t stuft, se de junge, dô rêt he up n swîn
nd. bei Frommann 2, 539; er lügt, dasz stübt Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 162; natürlich, dir ist betteln keine schand, du laufst dein lebtag betteln, dasz es stiebt P. Dörfler
der notwender (1934) 194. A@2@cc)
am reinsten ist die bedeutung '
umherwirbeln'
in junger zeit entwickelt, von dem wallen, wogen, spritzen u. s. w. kleinster teile, dem ausgangs- und zielpunkt und richtung völlig fehlt: kochend und brausend stob der gischt
M. v. Ebner-Eschenbach 6, 142; also gelangten die mägdlein hinab zum strande des meeres, dessen erbrandende flut bis hoch hinauf in die schlucht schlug, nicht zu nahe sich wagend, dasz nicht das gestiebe sie nässe ..., bang aufschauernd, nicht selten erreicht von dem stiebenden dunstschwall Kosegarten
dichtungen (1812) 1, 174;
schon alt: verrere aequora schiffen mit sölicher macht, dasz das wasser stübt oder hin und här sprützt Frisius
dict. (1590) e 2
b.
hierher auch: mir eine handvoll grobgekörnten sandes ... wie hagel, stiebend, in die augen fliegt H. v. Kleist 1, 378
Schmidt. meist vom wirbeln der schneeflocken im winde: breitflockiger schnee stiebt in der tiefe und zieht über alles einen ewig beweglichen flor Göthe 19, 290
W.; der schnee hätte ihr um die nase gestiebt, und der wind die röcke aufgehoben W. Alexis
Isegrimm 98; ein blick in den stiebenden schneedunst zu seinen füszen brachte ihm neue hoffnung Stratz
der weisze tod (1903) 187;
vereinzelt formal wie 1: indes der schnee ans kleine fenster stiebt, du horchst hinaus auf wind und waldgebrause A. Meiszner
ged. (1845) 83;
in gleicher sachbeziehung, doch nicht in historischem zusammenhang: wâ nement nû die vogel dach? dâ man si hiure sitzen sach, dâ stiubet nû der kalte snê Heinzelin v. Konstanz 101, 12
Pfeiffer. es stiebt,
von der bewegung des schnees, regens, windes: es stiebte zwischen regen und schnee Göthe 19, 177
W.; wie da alles, während es drauszen stob und stürmte, gemüthlich um den warmen ofen sasz Eichendorff
s. w. (1864) 2, 194; wenn die tür aufging, drang regen und wind herein, darum tat man sie lieber garnicht zu, wenn es nicht zu arg stürmte und stiebte W. Alexis
hist. romane 7, 48
Weichert; auch mundartlich: et fenget all ... an te stûwen '
fein regnen' Schambach
Göttingen 217; es het gstobe '
ein wenig geregnet' Hunziker
Aargau 263;
schon früher verzeichnet: es steubet, stiebet
pluit tenuissime Wachter
gloss. Germ. (1737) 1602
b. A@33)
in alter und junger zeit steht als subject manchmal nicht das, was sich fortbewegt, sondern der ausgangspunkt, von dem etwas fortfliegt, oder der ort, an dem ein stieben
stattfindet; in der bedeutung steht '
herumfliegen, herumwirbeln' (
o. 2)
am nächsten; vielleicht hat das factitive stäuben (
teil 10, 2, 1099)
eingewirkt. verschiedenartig im mhd., z. t. in poetischer diction: da wære ein griuwelicher stoup gesehen ûf dem plâne breit. ... daz vor der fiuhtekeite sîn (
des blutes) der plân niht mochte stieben Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 33909;
im sinne von '
funken sprühen',
vgl. o. 1 b: dô sluog er Wolfharten,daz er stieben began. des fiwers ûz den ringenhiuwen si genuoc
Nibelungen 2277, 4
Bartsch. stiebender steg, stiebende brücke
über die das stürzende wasser spritzt, die von spritzendem wasser umgeben ist, vgl. Frisius
o. bei 2 c: daz wazzer was grôz unde tief, dar zuo ez als drâte lief, daz nieman dran getorste komen, wan, als ich ez hân vernomen, z' einer brücke gein dem wege: diu hiez ze dem Stiebenden stege Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelet 7136; dasz wir all straszen von der Stübenden bruck untz gen Zürich ... schirmen sollend Tschudi
chron. Helvet. 1, 473;
vgl. auch Buck
obd. flurn. 267; J. v. Müller
s. w. (1810) 25, 245.
im älter nhd. von pflanzen, deren blütenstaub wegfliegt, und ähnlichem: nim sonnenwirbelrhörlin stengel, die ... rund tragen gelbe blumen, nach welchen weisze stiebende kolben kommen Gäbelkover
artzneybuch (1596) 1, 82; wenn er (
der teufel) aber mit gottes wort geschlagen wird, so wird der papst zur puppen und tostblumen, das ist, zu einer solchen blumen, die morgens mit der sonnen aufgehet, mit ihr wieder untergehet, wie dieselbige gelbe blume (
löwenzahn), daraus auf den abend ein stiebender kahler mönch wird Luther
tischreden 4, 341
W.; sonderlich um die zeit, wenn die weiden (
wiesen) blühen und stieben. ... die bauern pflegen zu sagen: wann die weide stieben, so stieben die jungen gänsz auch, dasz ist, sie fliegen mit weg oder sterben
viehbüchlein (1667) 108; ez geschiht oft, daz daz selb getraid, dar auf ez (
mehltau) vellt, steubt, wenn ez gedorret, sam ez mit aschen sei besträut Konrad v. Megenberg 87, 4
Pfeiffer; der roggen stübt, der haber flügt Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 308; den (
pilz) ettlich haissent vohenfest, und ist synwel und stuibt, wann man in uf pricht, und ettliche haissent in wolffsplauter Mynsinger
von d. falken, pferden u. hunden (1863) 62
lit. ver.; auch an fäulin der trauben, wann dieselben an den stöcken ganz dirr werden und stieben
qu. v. 1596
in: württ. landtagsakten II 1, 431.
uneigentlich stieben von etwas '
wimmeln, voll sein von etwas': bey den Savojern und in Piemont alles von unholden stiebe und steube Prätorius
Blocksberg (1668) 135;
modern reicher bezeugt: vier chausseen ... stieben den ganzen tag von zu- und abfahrenden, von lust- und spazierfahrenden Göthe IV 25, 6
W.; so auch, '
von tanzenden wimmeln': er nimmt sie am arm und führt sie zur stiebenden tanzflur vor die häuschen H. Federer
berge u. menschen (1919) 553; der schiefe kasten (
schrank), der von motten stiebt Josef Weinheber
adel u. untergang (1934) 58; wie hatte es damals nicht in ihrer ehe ... von scharfen worten gestoben! Heer
d. könig d. Bernina (1904) 222. BB.
sich heftig und schnell in einer richtung bewegen, von tätigen, selbständigen wesen. aus A 1
erwachsen: aus dem '
von unsichtbarer kraft bewegt, gewirbelt werden'
wird '
sich aus eigener kraft bewegen'. B@11)
der übergang geschah durch einfache übertragung an verschiedenen stellen; zwischen B
und A
besteht kein erheblicher altersunterschied; vgl. mnl. stuven '
sich schnell fortbewegen'.
in verbindung mit fliegen (
s. auch u. 2 b, c),
im sinne von '
dahingehen, fortfliegen',
von dingen: van kettereye, wycheleye, verredereye, devereye, molkentoverschen, und alle stoven und verflogen und gestolen guit und alle dat jene, dat tegen god, ere und recht is (1490)
bei Kindlinger
zur gesch. Deutschl. 3, 628; la stieben und fliegen alle ding, das es im (
gott) allein behage! Tauler
pred. 207
V.; als nu Lutheri lehr in der augspurgischen confession ubergeben wird, fleuget und steubet sie in alle welt
V. Herberger
gloria Lutheri (1609) 69;
anders: daz briefel pand er an ein stein und warf es hin zum fensterlein; min briefel daz ward fliegen, zum fenster in hin stieben Wittenweiler
ring 1923
Wieszner; hierher wohl auch, etwa im sinne von '
auf keine weise angekommen', weder gestoben noch geflogen '
frei erfunden': das ist weder gestoben noch geflogen
fictum plane est Dentzler (1716) 2, 132
b; der (
ein mann) konnt euch stunden lang die abenteuerlichsten dinge erzählen, die weder gestoben noch geflogen waren U. Bräker
arme mann im Tockenburg 48
Bülow. mnd., älternhd. und jünger in der redensart wohin er gestoben oder geflogen ist
wo er geblieben ist, von menschen (
s. u. 3): dat men ... nicht geweten, wor de grote hupe aller papen und mönneke gestaven und geflagen Nic. Gryse
hist. van der lere Joach. Slüters (1593) f 2
b; sie war 14 tage auszen gewesen, dasz ihre zugehörige nicht gewust, wohin sie gestoben oder geflogen wäre Prätorius
glückstopf (1669) 182; liesz er mich mit noch zwey schwestern sitzen und verlohr sich von uns, dasz niemand wuste, wo er hin gestoben oder geflogen war Ettner
med. maulaffe (1719) 119; kein mensch konnte mir sagen, wo Regine hin gestoben oder geflogen war Hermes
für töchter edler herkunft (1789) 1, 30;
noch heute im nd.: ik wêt nitt, bà he stowen of flogen es Woeste
Westf. 261;
ebenso bei Schambach
Göttingen 217; Müller
Mecklenburger volksm. in Reuters schr. 677; Dähnert
pomm.-rüg. 464;
aus dem nd. auch ins dänische gedrungen, s. Falk-Torp 1199.
in gleichem sinn, aber anderer wendung: wuste niemand, wo der mann hinkommen, gestoben oder gestorben war W. Bütner
epitome hist. (1596) 158
b; wo denn sein eydam hertzog Gottwald aus der welt hin gestoben wäre Lohenstein
Armin. (1689) 2, 911
b.
auch alleinstehend in verschiedenen anwendungen; '
fliegen, leicht fortgehen': ross unde kleiderdaz stoup in (
den freigebigen) von der hant
Nibelungen 41, 2
Bartsch; so teilt er wehr und solt, es stob ihm von der hand das eisen und das gold Rückert 12, 142; schon stoben ihm königskronen und fürstenhüte nur so von der hand Joh. Scherr
Blücher (1862) 2, 208; nach solchen langsam aber in jedem schritt sicheren arbeiten stob ihm die kritik des Iwein ... und anderes leicht von der hand Jac. Grimm
kl. schr. 1, 158;
ähnlich wieder stieben, fliegen: die wunderlichsten reime schneyen, stieben, fliegen ihr (
der muse) aus vergnügen über dir wie ein binschwarm aus dem munde Stoppe
Parnasz (1735) 120. —
in junger sprache poetisch '
verloren gehen',
wie zerstieben,
s. o. A 1 f: eh ich selber meinen herd seh zum teufel stieben Freiligrath
ges. dicht. (1870) 3, 114; da mir die leeren hoffnungen gestoben in die leere luft Platen
ghaselen (1839) 93; fort stob der erde pein und weh, wie unterm hufe die kiese graf Strachwitz
ged. (1850) 13; ach sehr bald ward der rest des verstands wie gestoben so weit in die luft Tieck
schr. (1828) 10, 113. —
auch in der bezeichnung der bewegung des windes als stieben
liegt stärker die bedeutung '
sich schnell voran bewegen'
als '
sich wirbelnd bewegen' (A 1)
vor: auch kam ein schneller edler wind gestoben von eym berg geschwindt Wickram 7, 133
Bolte; auch jung: die stürme stieben über brache flächen Stefan George
jahr der seele (1927) 107; von dem albernen samum der aufgeblasenheit, der daher gestoben kommt in der wüste Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 105. B@22)
in fester ausbildung von tieren, '
sich heftig und stürmisch bewegen'. B@2@aa)
alt bezeugt von pferden: hie mite wart ein rûm gemaht. die zwêne ritter wol geslaht zein ander liezen stieben Konrad v. Würzburg
Engelhard 2583
Haupt; so auch jung: nû latt stüwen!
lasz die pferde laufen Woeste
westfäl. 261; die rosse stoben in den hof G. Freytag
ahnen (1887) 1, 167;
ebenso, auf den reiter bezogen: Remus im gewarte und stoub im engein. da geschach under in zwein stiche und slege so grôz Herbort v. Fritzlar 5220; ân stegereif in den satel er spranc, ... gegen einander si dô stuben als zwêne valken die dâ flugen
Laurin 267
dt. heldenb.; als viel zu rosz stoben daher Kirchhof
wendunmuth 3, 390
lit. ver.; die für Angelina in solcher gluth sich tag und nacht auf ihren sätteln übten und einzeln, ohne dasz sie je geruht, nach den Ardennen ihrer wege stiebten G. Regis
Bojardos verliebter Roland (1840) 16; auf schwarzen rossen stiebten sie herbei Paul Ernst
kaiserbuch 2, 2 (1927) 69. —
von anderen tieren: die forster und jäger (
ersehen) ausz dem gspor im schnee oder staub, daz ein haasz, fuchs, hirsch, gembs vorhanden und allda vorüber gestoben sey, ob sie schon mit augen daz wild nit sehen noch hören Guarinonius
grewel der verwüst. (1610) 57; wenn nur ein eintziger schusz in ihrer gegend ... geschahe, so stoben sie (
die tiere) alle wie ein blitz darvon und kamen wohl in etlichen tagen nicht wieder auf denselben platz Schnabel
insel Felsenburg 4 (1751) 329; ins freie stoben die hunde G. Freytag (1887) 8, 121; de hund stoof ut hunnlock Klaus Groth (1904) 2, 243; (
die gänse) geschwind hinter das ... buchenwellholz wackelten; ... sofort stoben sie hinter den wellhaufen Sohnrey im
grünen klee (1903) 108. —
besonders von tieren, die sich in der luft bewegen, also '
stürmisch fliegen': (
die heuschrecken) stuben vil dicke ubir daz gevilde sam si wæren wilde
Milstätter genesis 148, 21
Diemer; ein schiff mOecht die nit all getragen die yetzt sind in der narren zal. ein teil kein fuor hant überal, die stieben zuoher wie die ymmen, vil understont zuo dem schiff schwymmen S. Brant
narrenschiff 2
Zarncke; falcken und blofüsz wol gezirt sah man in lüfften halten oben. dorthar vil der antvögel stoben, von reygern, falcken was ein streit Wickram 4, 163
Bolte. in der jägersprache: stieben '
das ungewöhnlich hohe aufsteigen der rebhühner, namentlich im spätherbste und winter' Behlen
forst- u. jagdkunde (1840) 5, 700;
vgl. aufstieben; neigt sich die sonne, so stiebt mama mit denen (
jungen rebhühnern) die ihr eben nah, hinaus ins feld H. Laube
jagdbrevier (1841) 123;
ähnlich: auf brüder, auf! es graut der tag! schon eilt das wild zu busch und hag, der adler stiebt vom horste E. v. Houwald
s. w. (1839) 2, 467.
modern poetisch auch stärker an den eigentlichen gebrauch (A)
angenähert: ein dunkler vogel ... flatterte taumelnd ... und stob verglitzernd in die höhen H. Hesse
diesseits (1907) 41; wie ich so lag, da rauscht und stobs herbei, dasz mir der lufthauch durch die locken sauste, und aus der höh schosz senkrecht her der weih G. Keller
w. (1906) 9, 144;
in älterer sprache in verbindung mit herum '
sich schnell bewegen',
jedoch '
herumwirbeln' (A 2)
nahe: (
er) seine schwartze mucken umb den kopff herumb stieben und fliegen höret Reutter v. Speir
kriegsordnung 81; ist ... ein tauben ... durch das fenster hineyn geflogen und lang herumb gestoben S. Franck
bei Fischer
schwäb. 5, 1755; und seind also viel leute, jung und alt ..., gleich wie die kleinen vöglein umb ein eulen zu, rings umb ihn gestoben und haben sich ab seiner schlechten kleidung verwundert Xylander
Plutarch (1580) 274
a. B@2@bb) stiebendes und fliegendes wild
als bezeichnung des vierbeinigen und fliegenden wildes: wie wol man sagt, ain haselhun das fleugt, ain rech das da steubt, ain äsch der da schwimmet sey das best wildpret das man find Fischart
Gargantua 58
ndr.; jagdrechtlich für das niedere im gegensatz zum hohen wild, vgl. s. v. reisjagd (
teil 8, 748): zum dritten so verpeut ich euch alles wildprät, auch fliegents und stiebents, wie das namen gehaben mag
österr. weisth. 1, 347; solche auch die eyn hasen, oder eyn fuchs, stiebend und fliehend wildprett zufahen haben, werden auch reiszjäger genannt Sebiz
feldbau (1578) 568;
so auch Harsdörfer
frauenzimmergesprächsp. 3, 113; und seind auch die wäld mit allerlei fliegendem und stiebendem wildpret reichlich begabt P. Welser
bayr. gesch. (1604) 177.
doch allgemeiner: stiebendes und fliegendes wild schreckt mich H. Watzlik
Phönix (1916) 114; wie dann sein göttliche maiestat zuvor dieselb erdkugel mit hohen bergen, ... fliegenden und stübenden gethieren ... sichtbarlich gezieret
M. Pegius
geburtsstundenbuch (1570)
vorr. 2
a.
schon älter bezeugt was da stiebt und fliegt
redensartlich für '
alles lebendige',
vgl.was da kreucht und fleugt: es si vernunftig oder unvernunftig: alles das do fliegen oder stieben mag, do enker dich zemole nút an Tauler
pred. 152
V.; (
der tolle hund) überrumpelt alles, daz do stübt und flühet Keisersberg
pilgerschaft (1512) 140
c; (
die phantasie) mag nit müssig gon, sie inbildet und fantasiert allwegen und bringt der frouwen (
der vernunft) alles das zuo oren, das stübt und flügt
ebda 8
d; was lieget und flieget, was sitzet und stübet, mus alles der liebe leibeigen sein Ph. Zesen
verm. Helikon (1656) 2, 131; nun, ihr seid ein Deutscher, die lernen fleiszig, was da fliegt und stiebt, in schwarzen ziffern über blätter kriecht Ad. Pichler
neue marksteine (1890) 8. B@2@cc)
vereinzelt hier ein transitives stieben '
aufjagen',
für übliches stäuben (
teil 10, 2, 1104),
vgl. zur vermischung von stäuben
und stieben
o. sp. 2756: zog ... hinaus, ... seinen hund Bombo abzurichten, ... die enten zu stieben unnd sonst wild ... auffzutreiben Fischart
Garg. 270
ndr.; einen trupp vögel aufstieben Adelung 4, 368.
vgl. stieber 3. B@33) '
stürmisch, eilig laufen',
von menschen, s. auch o. 1
und 2 a (
sp. 2764);
schon mhd., bis in die jüngste zeit, doch vielleicht nicht in ununterbrochener continuität: von dannen stoup der kappelân in ein gadem daz er veste vant, die tür warf er dâ zuo ze hant
Tyrol u. Fridebrant iii h
Wilken; von wannen stiebend ir dahar? wir kommend gangen von der schar, die by Joanne ist zuo Aenon Johannes Aal
trag. Johannis 106
ndr.; item wyter ist zu wyssen, dasz das lutherisch (wicklevisch) wesen zu Basel merglichen hat zugenomen von ein stuck in das ander. namlich im jar 1520 und 21
etc. fiengen an munch und nonnen usz den clostern zu stüben oder gon, dorfft die oberkeit der clöster nit straffen
Basler chronik 1, 477; die scharwechter stuben von allen orten herzuo dem lerman nach, und als sie an den kornmarckt kamen, fielen sie über die gespanten seyl Jac. Frey
gartengesellschaft 106
Bolte; nachdem also die pilger auszgehaben, flohen und stoben sie über die heyd hinüber Fischart
Gargantua 379
ndr.; wie stob ich aus dem bett heraus v. Göckingk
lieder zweier liebenden (1779) 83; Gertrud von Goltze ging oft früh in dieses holz spazieren; ... als durchs gebusch gestoben das fräulein kam
ders. ged. (1780) 3, 138; ich spielte mit kameraden im hofe eines kaufmannshauses ..., unheimlich erschreckt stoben wir jungen von dannen H. Laube
ges. schr. (1875) 1, 4; pu, wie stoben die kinder zweg um die herrlichkeit zu beschleunigen J. Gotthelf
schuldenbauer (1854) 148; so stoben sie (
ein trupp fliehender soldaten) wie zerstreute blätter im sturme durch die schreckliche nacht Eichendorff
s. w. (1864) 3, 247; flüchtig wie tauben stoben die roth und silbernen fremden (
in ihrer barke) vor uns her, wie ein blutdürstiger falk stürmten wir hinterdrein Gaudy (1844) 13, 22; als der gefürchtete mönch in das gedränge stob, fuhren die leute auseinander G. Freytag
ges. w. 9, 42; da sprang Jan Guldt von der yacht auf die brücke und stob durch die zur seite weichenden menschen hindurch und lief nach dem strand G. Frenssen
Anna Hollmann (1911) 15; (
die frau) trat mit stiebendem schritt unter die hühner, die erschreckt auseinanderflogen Ric. Huch
hahn von Quakenbrück (1920) 16.
in junger zeit fest ausgebildet auseinander stieben '
auseinander laufen',
mit anlehnung an das eigentliche '
zerplatzen, zerstieben' (
o. A 1): ich sah die kugel, weit hinter der auseinander gestobenen menge, noch durch einige zäune ricochetieren Göthe 33, 35
W.; und ehe man es sich versieht, stiebt unvermuthet alles mit lautem gelächter plötzlich auseinander J. Schopenhauer
reise von Paris (1824) 1, 139; so sahen wir eine menge bewaffneter, die uns im wege lagen; das waren zu viele um sie anzugreifen, alles stiebte auseinander A. v. Arnim
s. werke 11, 180; wie sie (
walfische) nach allen seiten auseinander stoben und untertauchten, indem wir uns näherten H. Steffens
was ich erlebte (1840) 3, 88; wie wir auseinanderstoben, wenn einer von uns das gesicht der alten dame hinter den geranienbäumen am fenster gewahrte Storm
ges. schr. (1884) 3, 12.