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graus

nhd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

graus adj.

Bd. 8, Sp. 2175
graus, adj. , wild, schrecklich, entsetzlich. rückbildung aus grausen, vb. (s. d.); im wesentlichen auf die literatursprache beschränkt; vereinzelt schon frühnhd. bezeugt, modewort in der barockliteratur, im 18. jh. mit weiteren anwendungsbereichen, im 19. jh. allmählich durch grauenhaft, grauenvoll, in einigen anwendungen auch durch grausam verdrängt und nur noch in einzelfällen ins 20. jh. gelangend. 11) erregt, wild u. ä., gelegentlich im älteren nhd.; in der beziehung auf personen: allererst sach ich ain grusen man, das im sein herz vor zoren bran. mengen fluch er dem tirnlein thet Zimmer. chron. 21, 592 Barack; sie (der papst und seine anhänger) schickten ihre jäger aus, wohe, Buquoi, Damphyr, die machtens graus, wohe, wohe, wohe. sie flengen an zu reumen herum, wohe, wol um das gänslein (d. i. Deutschland) um und um, wohe (1631) Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 253; so hab er der sonnenwagen, so graus, wild und unsinnig geführt, dasz von der sonnenliecht die welt entzündet in eine grausame brunst gerahten Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 346. 22) überwiegend in der bedeutung 'schrecklich, entsetzlich', je nach sachzusammenhang und beziehungswort auch nuanciert als 'quälend, erbarmungslos, unheimlich' u. ä. 2@aa) bei bezeichnungen für personen und personifizierte mächte. mit dem beisinn 'unheimlich, gespenstisch': ihr grausen geister rufft, rufft fröhlich über mir! zubrecht die feste grufft, in die euch sterben schleust! kommt längst-erblasste helden Gryphius trauersp. 58 Palm; gräszlich preisen gottes kraft pestilenzen würgende seuchen, die mit der grausen brüderschaft durchs öde thal der grabnacht schleichen Schiller 1, 299 G.; und zu der knaben (Konradin von Hohenstaufen und Friedrich von Baden) seite, auf des gerüstes höhn, sah ich (Barbarossa), ein graus geleite, den henker wartend stehn Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 58. sonst mehr 'schreckenerregend', oft mit dem nebensinn 'gewalttätig, erbarmungslos, grausam': als sich die grimme macht der grausen schar (der feinde) verband zu dämpffen unser volck mit säbel, pfeil und brand Gryphius trauersp. 153 Palm; wie grimmig fällst du mich, du grauser mordhund an? dt. schaubühne (1741) 4, 433 Gottsched; den grausen kriegesgott Bürger s. w. 161 Bohtz; die drei männer im feurigen ofen ... sangen nur um so heller, je scheuszlicher der grause könig Nebukadnezar sich gegen sie stellte W. Raabe Abu Telfan (1870) 2, 163; vom kaiser von Ruszland oder dem zaren Iwan, dem grausen, seinem fürchterlichen vorfahren Rilke ges. w. (1927) 4, 55. 2@bb) bei bezeichnungen für handlungen, ereignisse, zustände, mächte, gewalten u. ä., oft mit dem beisinn 'erbarmungslos': (Imanculi:) die grause sterbens-art ist grauser als das sterben. (Catharina:) gott musste selbst sein reich durch grause pein erwerben Gryphius trauersp. 223 Palm; Machmets grimm und grause mOerderthat Lohenstein Ibrahim sultan (o. j.) 31; als euern tempel grause gluth verheert, wart ihr von uns drum weniger geehrt? Göthe I 16, 138 W.; der grausen rache mögt ihr nie entfliehn Fouqué held d. nordens (1810) 1, 177; viel grause that gebiert der blutge krieg A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 234; was willst du (der 'drud') überbleibsel grauser wildnis? Stefan George das neue reich (o. j.) 73. ähnlich bei ausdrücken für empfindungen, affekte, verhaltensweisen, auch im sinne von 'heftig, quälend': biss ihm der grause schmerz obsiegt Gryphius trauersp. 54 Palm; von grauser furcht erweckt Triller poet. betracht. (1750) 1, 671; ein böser geist schwebt über mir, er will mich schrecklich fassen, gewalt hat er und grause gier Hegner ges. schr. (1828) 252. 'erbarmungslos', im hinblick auf die unbestechliche erkenntnis nackter tatsachen: untersuchs! sonst wird zu spät, wenn sie deinen wahn vertreibt, die nur gar zu grause wahrheit dich mit angst und qval erfüllen Brockes ird. vergnügen (1721) 2, 557; ihre befürchtung wurde am abend ... fast zur grausen gewiszheit P. Dörfler Apollonias sommer (1932) 149. 2@cc) bei bezeichnungen für örtlichkeiten und gegenständliches, oft im sinne von 'unheimlich, gefährlich, wild'. im ersten beleg, dem frühesten nachweisbaren zeugnis des wortes, kommt die schrecken erregende wirkung besonders deutlich zum ausdruck: vnder der erden was sein (des riesen) hawsz das was so schawslich vnd so grawsz aussen an zu sehen d. jüngere Sigenot 165 (var. von 1472) Schoener; wer mocht streben nach dem leben, einem also jungen blut? ... welcher pfeil war alszo grausz Spee trutznachtigall (1649) 299; wie? oder geh ich wol durch dunckel grause wege so einsam, so allein, durch ungebähnte stege, wo des gewissens wurm stets die verbrecher nagt? Gryphius trauerspiele 322 Palm; hier von der grausen höh hing unvorsichtig ein kind einst fast schon fallend hinab Herder 26, 41 S.; die grause schlucht war keinem menschen mehr zugänglich Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 11; seine (des toten) grause gekrampfte hand Rilke ges. w. (1927) 3, 171. 2@dd) bei bezeichnungen für witterungserscheinungen, besonders unwetter, und für dunkelheit und nacht: der grause donner brüllt Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 16; doch jetzt enthüllen grause wetter, strahlen auf strahlen, das nahe schicksal Klopstock oden (1889) 2, 156; er fiel, und grause nacht umgab sein aug Bürger s. w. 159 Bohtz; in grauser macht und pracht tobte ein gewitter über die erde, wie sie selbst im berglande selten sind Gotthelf s. w. 10, 17 Hunziker-Bl.; eine grause nacht, mein vater! kalt und dunkel wie das grab Grillparzer s. w. 4, 15 Sauer. 2@ee) bei bezeichnungen für laute, äuszerungen u. ä., oft mit dem beisinn 'unheimlich, schauder erregend': wenn ihre (der hölle) klüffte sich mit grausem rasseln theilen Pietsch geb. schr. (1740) 17; das grause trauer- und todtenlied über das gestürzte, sinkende Babel Herder 9, 243 S.; der doggen kliff-klaff tönt mit grausem klang in seines sterberöchelns klaggesang A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 217; taganak! bedeutet es pest oder teufel? ach, Peter, hier (bei den schwarzen) lernen kinder doch erst die grausen worte, bevor sie an (die wörter) vater und mutter kommen P. Dörfler Peter Farde (1930) 130. 2@ff) seltener bei zeitbegriffen, im hinblick auf das schreckliche, unheimliche, qualvolle an ereignissen des betreffenden zeitraums: durch ein ausgemaltes gleichnisz alter, grauser, schrecklicher zeiten Herder 3, 347 S.; ein gespenst der nacht, das in grausen stunden wacht Stolberg ges. w. (1820) 1, 165; wie ein pulsschlag der grausen epoche, in welcher ihr staufischer lieblingsheld (in der 'hochzeit des mönchs') unterlag L. v. François u. C. F. Meyer briefw. (1920) 127 Bettelheim. 2@gg) in adverbialem gebrauch: der (gefallenen und gerichteten) eroberer kettengeklirr scholl langsam, zuckend, und grauser noch hohngelächter der hölle Klopstock s. w. (1854) 3, 15; ach es blieben wenig dörfer, graus zerstört und grimm verbrannt Kinkel ged. (1843) 42. 33) die bedeutung 'wüst' gewinnt das adj. ende des 18. jhs., indem es in seiner bedeutung 2 an bestimmte deutungen von graus, m. 'schrecken, entsetzen' (s. d. unter 2 b γ) angelehnt wird, auf das etwa gleichzeitig grausz, m. (s. d. 2 'trümmer' u. ä.) einwirkt und das mit diesem verwechselt wird: hat der schmerz, als schütterte der boden, das gebäude in einen grausen haufen schutt verwandelt? Göthe I 10, 243 W.; die kleine hütte, in der ich geboren, lag da in schutt und grausem ruin Kotzebue s. dram. w. (1827) 2, 291; die grausen trümmer Stahr zwei monate in Paris (1851) 1, 211. 44) neben oder in unmittelbarer verbindung mit grau, adj. und unter spürbarem einflusz von dessen bedeutung. zu grau A 9 d, im hinblick auf das unwirtliche, unfreundlich-freudlose einer winterlichen witterung: die wasserströme sind zu grund gefroren aus vom rauhen wind, es ist, schaw, alles grau und grausz Bohemus Horaz (1656) B 4a. jünger mehr auf das düstere und trostlose einer stimmung gehend, zum uneigentlichen gebrauch von grau B 3 b: wenn ich (ein soldat, der seine angehörigen verloren hat) nachts beim bleichen mond irre, alles grau und düster, klingts traurig um mich. das rauschen des stroms traurig, das wehen der winde traurig ... dumpf ist's um mich und graus Klinger neues theater (1790) 1, 255. 55) ganz anders vereinzeltes jemandem ist nicht graus 'jmd. ist nicht bange', hier inhaltsleer und formelhaft wie ohne graus (s.graus, m. 1 a δ): den traum wollen wir (wahrsager) legen auss, darab ist vns allen nit grauss 3 dt. Pyramus-Thisbe-spiele 121 lit. ver.
8569 Zeichen · 148 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Graus

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    1. Der Graus , des -es, plur. inus. ein im Hochdeutschen meisten Theils, veraltetes Wort, zerbrochene Stücke Stein, Kalk…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    graus

    Goethe-Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    graus -ß AAJw1,209 JahrmPlund 1 245 ; 58 Belege, fast nur im dichterischen Werk; vereinzelt superl; einmal subst a furch…

  3. modern
    Dialekt
    Graus'f.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Graus' f. saftiges Grün, frischer Pflanzenwuchs: dat Kuurn steiht mal schön inne Graus' (1884) Ha Red ; 'gleichergestalt…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit graus

105 Bildungen · 102 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

graus‑ als Erstglied (30 von 102)

Graus(eⁿ)

Idiotikon

Graus(eⁿ) Band 2, Spalte 782 Graus(eⁿ) 2,782

Grausal

Campe

grau·sal

○ Das Grausal , des — es, Mz. die — e , etwas das Graus oder Grauen erregt; nach Scheusal  gebildet. »So viel von dem Grausale , der (das) …

grausam

DWB

grau·sam

grausam , adj. , ableitung von grau, m. ( s. d. ), seit etwa 1300 bezeugt; mhd. grûwesam (grûesam, grûsam). das wort ist im hd. sprachgebiet…

grausam

FWB

1. allg.: ›durch Aussehen oder Handlungen (besonders bei Tieren oft ineinander übergehend) beim Betrachter Grauen und Schrecken erregend‹; s…

grausamblutig

GWB

grausam·blutig

grausam-blutig zu grausam 1 [ Thales: ] Doch jener Mordgeschosse Regen | Schafft grausam-blut’gen Rache-Segen Faust II 7893 Brigitte Mattaus…

grausame

DWB

grau·same

grausame , f. , schauder und schauder erregendes. nur frühnhd. bezeugte abstraktbildung zu grausam, adj. A ( s. d. ). 1 1) was schauder und …

grausamen

DWB

graus·amen

grausamen , vb. , zu grausam, adj. ( s. d. ) gebildet. 1) sich fürchten, zurückschrecken; zu grausam A. unpersönlich und nur in älterer spra…

grausamheit

DWB

grausam·heit

grausamheit , f. , frühnhd. gelegentlich neben grausamkeit ( s. d. 1): mit einer flammen der grawsamheyt weren die hewser vnd die kirchen ve…

grausamig

DWB

graus·amig

grausamig , adj. , frühnhd. weiterbildung zu grausam ( s. d. A); mnd. grûwsāmich Lasch-Borchling mnd. handwb. 1, 2, 184 . schrecklich, entse…

grausamigkeit

DWB

grausamig·keit

grausamigkeit , f. , im frühnhd. soviel wie gleichzeitiges grausame ( s. d. ) und grausamkeit ( s. d. ); vgl. abhominatio gräwssamichait ( o…

grausamiglich

DWB

grausam·iglich

grausamiglich , adj. , vornehmlich adverbial gebraucht, nur frühnhd. wütend, drohend: sy hielten gen ainander vnder ir beiden paner, yeglich…

grausamkeit

DWB

grausam·keit

grausamkeit , f. , abstraktbildung zu grausam ( s. d. ), seit dem 15. jh. 1 1) zu grausam A; von einem schaudern erregenden aussehen oder ve…

grausamkeit

FWB

1. ›Bosheit, Brutalität; Ungerechtigkeit, Rücksichtslosigkeit bis hin zu Willkür; unbarmherziges, gnadenloses Verhalten eines Menschen gegen…

grausamlich

DWB

grausam·lich

grausamlich , adj. , seit dem 14. jh. bezeugte weiterbildung zu grausam ( s. d. ), vorwiegend (1) in dessen älterem bedeutungsbereich A steh…

grausamlich

FWB

1. ›entsetzlich, grauenhaft, füchterlich, bei anderen Personen Grauen und Entsetzen, auch Mitleid hervorrufend‹; speziell: ›auf brutale, rüc…

grausamlichkeit

DWB

grausamlich·keit

grausamlichkeit , f. , auch -heit, abstraktbildung zu grausamlich ( s. d. ), vereinzelt im frühnhd. neben grausamkeit ( s. d. ). ernst, stre…

Grausamsüß

Campe

grausam·suess

◬ Grausamsüß , adj . u. adv . auf eine grausame Art süß, süß und dabei doch grausam. Denn die Stunde der Entbindung Naht, die grausamsüße St…

grausam(s)voll

DWB

grausam·s·voll

grausam(s)voll , adj. , schreckenerregend. zu grausame, f. ( s. d. ), gelegentlich im älteren nhd.: von da bisz gegen Morgenlande die gegend…

grausamwiderwärtig

GWB

grausam·widerwaertig

grausam-widerwärtig zu grausam 1 dem leidigen Genre der grausam-widerwärtigen [ modernen frz ] Schauspiele und Romane B46,287,26 Zelter 27.3…

grausbirne

DWB

graus·birne

grausbirne , f. vermutlich zusammengesetzt mit grausz, m. ( s. d. 1 a α ) in dessen beziehung auf körniges, die in obd. maa. noch geläufig i…

grauscheckig

DWB

grau·scheckig

-scheckig , -scheckicht : grauscheckicht Schrader dt.-frz. 1 (1781) 571 ; grauschäckig Regis Rabelais (1832) 1, 590 ,

grauschillernd

DWB

-schillernd Ratzeburg forstinsekten (1844) 2, 146 ,

grauschimmel

DWB

grau·schimmel

grauschimmel , m. 1) name eines schimmels, dessen helle farbe eher grau als weisz ist: equus glaucus ein grawschimmel nomencl. lat. germ. ( …

graus als Zweitglied (1 von 1)

steingraus

DWB

stein·graus

-graus , m. kleine abgefallene stücke und sand von bearbeiteten steinen Campe 4, 623 ;

Ableitungen von graus (2 von 2)

ergrausen

DWB

ergrausen , horrere, horrescere, ahd. irgrûisôn, mhd. ergrûsen: seine ( des stromes ) wellen sind gehoben, dasz die seele mir ergraust. Schi…

urgraus

DWB

urgraus Fouqué zauberring 3, 111 . —