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grausamlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grausamlich adj.

Bd. 8, Sp. 2206
grausamlich, adj. , seit dem 14. jh. bezeugte weiterbildung zu grausam (s. d.), vorwiegend (1) in dessen älterem bedeutungsbereich A stehend; seit dem 18. jh. nur noch dünn in einer qualitätsarmen bedeutung (2) bezeugt. in älterer sprache überwiegt adjektivischer, seit der mitte des 16. jhs. adverbialer gebrauch. als adv. älter auch mit der erweiterten endung -lichen. 11) von der auf die wirkung einer sache zielenden bedeutungsgrundlage 'schauder erregend' her als objektives merkmal personen und sonstige gegebenheiten als 'grimmig, schrecklich, hart' kennzeichnend. die bedeutungsbreite veranschaulichen glossierungen und lexikographische entsprechungen wie atrociter (15. jh.) Diefenbach gloss. 58a; metuendus (15. jh.) ebda 360a; immanis (obd. 15. jh.) ebda 287b; peinlich, austere, attrociter voc. teut.-lat. (1482) m 7a; toruus gemma gemmarum (1508) C 4b; sœuiter Frisius dict. (1556) 1173a; tyrannice ebda 1340b; crudeliter ebda 347a; Steinbach dt. wb. (1734) 1, 636. 1@aa) 'wütend, grimmig'; wenig ausgeprägt und nur älter: jr werden sssen mAeget (die an dem verwundeten Wigalois den tod ihres herrn rächen wollen) nicht geparent also, stellet ab euer grausamlichs hassen gegen disem tugentlichen hOelden Wigoleys (1493) d 1b; denn Goffroy der war ein zorniger grausamlicher vnd freysamer mann buch d. liebe (1587) 274d; das rossz aber stellet sich grausamlich, ... vnd schlug jhn mit eim hinderfusz so hart ebda 25a. 1@bb) überwiegend, aber schon seit dem 16. jh. mit abnehmender tendenz, in der bedeutung 'schauder, schrecken, abscheu erregend'. 1@b@aα) im sinne eines gewichtigen 'schrecklich', 'auf schreckliche weise'; von personen, tieren, handlungen, vorgängen, zuständen, seltener von sachlichen gegebenheiten: zu hand man da sach ain grausamlich tyer gan, daz waz frayslich getann d. gr. Alexander 3947 Guth; sturm wetter man dick sicht so grusamlich gebarn, das die von jungen jarn gar dick erschrecken müessen meister Altswert 212 lit.-ver.; die wolffen giengen ain weil nach mit grausamlichem hẃln Hartlieb dial. mirac. 309, 16 Drescher; dardurch ranne ein dief und greusamlich wasser, das nit zu gründen Wilwolt von Schaumburg 185 Keller; do sach er ... ainen grauszamlichen feürigen vnd geschwOebleten brunnen Keisersberg schiff d. penitentz (1512) 107a; nachdem er (Theodosius) sie (die stadt) durch sein kriegsvolk eröbert, grausamlich hatte gewütet Luther tischr. 1, 807 W.; dem Cristus selb hett kund getan, wie grusamlich das fegfür brönt N. Manuel 123 Bächtold; in derselben nacht kam ein grausamlicher schreck und forcht in die von Zrich (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 2, 312: Dirodorus ... sagt von den Celten in gemein, wie sie weren grausamlich an zusehen Schill ehrenkranz (1644) 186; sonderlich die Hiberen grausamlich darinn hauseten A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 125. mit dem nebensinn 'seltsam, erstaunlich': da die (aus dem himmel fallenden) flammen nyder in den lufft komen, da tailten sy sich gar in vil land und tetten vast grausamleich, als bedeẃtten sy ain grosz wunder und zaichen (terribiliter ac mirabiliter movebatur) Hartlieb dial. mirac. 301, 28 Drescher; ich mag doch wol von wunder sagen! hat vch (die narren) der tüffel zuosamen tragen in meins lieben vettern (des groszen lutherischen narren) magen? das ist ein grausamlicher fal. wie kanstu sie verdauwen al? Murner luther. narr 473 Merker. 1@b@bβ) 'abscheulich, scheuszlich, schändlich': ich mag nicht becheren mein syn zw deiner fleyschlicher mynn. dein will ist grawssamleich vnd dein leben süntleich marter d. hl. Margareta 325 in: zfda. 1, 170; er (ein toter graf) erschain ainer verschlossen frawen ... und was gar unsauber und grawssamlich (vultu lurido ac macilento) Hartlieb dialog. mirac. 370, 7 Drescher; auch fiel auff mich die grausamlich anfechtung, ob ich von got ausserwelt wer zuo der seligkeit Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 107 ndr.; in diesen letzten zeiten, da allerley laster grausamlich im schwang gehn theatrum diabolorum (1569) titelbl.; das haupt ist grausamlich verhönt, mit einem dornen krantz gekrOent Angelus Silesius hl. seelenlust 67 ndr. 1@cc) 'streng, hart, gewaltsam, roh', von personen, handlungen, vorgängen u. ä.; im 16./17. jh., mit langsam zunehmender bezeugungsdichte: also geben vnns die manigfaltigen plagen gotes des herrn ain vrkund des strengen grausamlichen vrtails, daz hernach künftig ist Keisersberg predigen teutsch (1508) 113a; dasz ... er sein ehelich weib ... sehr grausamlich schlahe Luther briefw. 8, 262 W.; sag die wahrheit oder ich dich so grawsamlich martern als nie erhOeret ist engl. comedien u. trag. (1624) R 5a; die plagen, welch ihm (Jesus) grausahmlich sein edle glieder zerren Rist bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 2, 211; sie wolle sich lieber lassen brennen, und sterben, weder noch einmal so grausamliche pein leiden: welches ihr widerfahren würde, wann sie auff ihrer unschuld beharrete Er. Francisci der höllische Proteus (1695) 115. 1@dd) in qualitätsarmer bedeutung. 1@d@aα) intensivierend, 'heftig, stark, sehr': so du got hyn usz an die strasze wurffest in das kott esz were eyn grusamlich grosz erschrecklich sunde (15. jh.) J. Wolff beichtbüchl. 32 Battenberg; ob sy wider den Luther vnnd seinen anhang noch vil hefftiger vnd grawsamlicher ergrymmendten Regius v. luth. wunderzaychenn (1524) A 3a; dasz erdtrich an manchem ort grausamlichen hoch übersich gegen dem himmel steigt Seb. Münster cosmogr. (1550) 3; das schreckt mich grawsamlich Rollenhagen spiel v. reichen manne 145 Bolte; es schlugen die hohen wellen grausamlich hinter an das schiff Mandelslo morgenländ. reisebeschr. (1696) 118 Olearius; wann der hirsch im sept. auf die brunst tritt, stinckt er wie ein bock ... bOerlet grausamlich Chr. Lehmann hist. schauplatz (1699) 582. 1@d@bβ) einem distanzierenden und abschwächenden 'erbärmlich, elendiglich, schändlich' nahestehend, meist adverbial in einem gewalttaten umschreibenden zusammenhang; vorwiegend von c, aber auch von b β her: vnd da sie meineten, jre snde solten verborgen, vnd vnter einem blinden deckel vergessen sein, wurden sie grausamlich zurstrewet, vnd durch gespenster erschreckt weish. 17, 3; Holophernus, der aylfft tyrann, ... der bracht viel künigreich in weh ..., die leut sehr grausamlich ermört H. Sachs 1, 227 lit. ver.; verurtailt zum tod ân alle gnad obgenanten Lucium Opimium und ander, so sich grausamlich aller hertikait wider all freund obgenanter zwaier brüeder Gracchon geflissen hetten Aventin bayer. chron. 1, 495 Lexer; so wirstu (Agamemnon) doch auszrichten wenig, wann Hector vnd sein starcke menig die Griechen grausamlich vmbbringen Spreng Ilias (1610) 6a; die wurden ... grausamlich hingerichtet Birken verm. Donaustrand (1864) 55. 22) ein nur schwach ausgeprägter, ungewichtiger und wenig profilierter jüngerer gebrauch (seit dem späten 18. jh.) setzt bis weit ins 19. jh. hinein, oft in distanzierender absicht und mit archaisierender wirkung, in etwa den qualitätsarmen gebrauch unter 1 d fort, steht aber in einem sehr allgemeinen sinne unter dem einflusz von grausam C. 2@aa) 'zu gewalttaten geneigt, schändlich' u. ä., stets ohne gewicht: ermordet nicht so grausamlich euch selbst und mich in euch Wieland s. w. 4, 145 Hempel; eben so (waren in einem alten buch abgebildet) auch grausamliche völkerschlachten, wo es gar wild herging Gaudy s. w. (1844) 4, 126; überhaupt geht es hier fürchterlich zu ... ein grausamlicher wildschütze, Melcher mit namen, ... wird gerichtet, mit zangen zerrissen ... er hat zweihundet ein und funfzig mordthaten eingestanden Holtei erz. schr. (1861) 15, 80; grausamlich müssen die unsern im Morgenland geschlachtet haben Rosegger schr. (1895) I 13, 30. 2@bb) aus der sicht des betroffenen, 'empfindlich, erbärmlich, elendiglich': grausamlich hats mich gejuckt Laukhard leben (1791) 1, 328; hier oben aber — wie grausamlich sonne und rosen stechen sie mich! Heine s. w. 2, 103 E.; man hat beispiele, dasz menschen auf solche weise grausamlich erstickten Holtei erz. schr. (1861) 13, 118; alles sieht und fühlt sich wie im unangenehmsten herbst. man friert grausamlich Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 3, 179.
8232 Zeichen · 169 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grausamlichadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    ≠ Grausamlich , adj . u. adv . im O. D. grausam. »Sie wurden grausamlich zerstreut.« Weish. 17, 3.

  2. modern
    Dialekt
    grausamlich

    Mecklenburgisches Wb.

    grausamlich wie das Vor. Reut. 3, 243.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grausamlich

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Ableitung von grausamlich 2 Analysen

grausam + -lich

grausamlich leitet sich vom Lemma grausam ab mit Suffix -lich.

Alternativen: grau+-sam+-lich

grausamlich‑ als Erstglied (1 von 1)

grausamlichkeit

DWB

grausamlich·keit

grausamlichkeit , f. , auch -heit, abstraktbildung zu grausamlich ( s. d. ), vereinzelt im frühnhd. neben grausamkeit ( s. d. ). ernst, stre…