zweifeln,
vb. ,
als -ja-
und -ô-
ableitung zu zweifel
gebildet. got. tweifljan,
as. twîflian,
ahd. zwîfalen (zwîfaljan),
daneben im ahd. häufiger zwîfalôn,
selten sind as. tuiflôn,
mhd. zwîvelôn;
beide formen flieszen zusammen in mhd. zwîvelen, zwîveln,
mnd. twîvelen,
mnl. twîvelen.
in ahd. glossen erscheint zwîfalôn
als übersetzung von lat. dubitare, indubitare, hesitare, ambire, dissimulare, cunctari, ambigere, nutare, zwîfaljan
für lat. fingere. bis zum 16.
jh. finden sich zwischen z
und w
sproszvokale, vgl. z. b. zauuiflont
ahd. gl. 2, 221
St.-S., zeuuiuelon Notker 2, 505
P.; tzeweyfelns H. v. Cronberg
schr. 35
ndr. —
über das verhältnis von zweifeln
zu ahd. zweôn, zwehôn, queôn,
as. twehon,
ags. tveon, tveogan
vgl. zweifel,
m. die bedeutungsentwicklung geht der von zweifel,
m. parallel. AA.
von zwiespältiger gemütslage, geistiger verfassung, im urteilen, glauben, hoffen, handeln zwischen zwei möglichkeiten schwanken. A@11)
unsicher im urteil sein über die entscheidung einer frage, eines sachverhalts, die verschieden beantwortet oder beurteilt werden können; bei doppelter möglichkeit: sie henti ouh sino ruartin,thaz sie ni zwivolotin (
Christus wäre es leibhaftig) Otfrid V 11, 22,
vgl. ebda 32; ich zwîvelte unze an dise zît, nu habt ir mir die wârheit ungefrâget geseit Gottfried v. Straszburg
Tristan 10346
Bechst.; also das die hailig kirche von in zweifelt, ob sy behalten seind oder nit Tauler
serm. (1508) 48
b; so einer geschlagen wird und stirbt und man zweiffelt, ob er an der wunden gestorben sei
peinl. halsger.-ordn. Karls V. 125
Z.; von eim ding, daran man gar zweiffelt und von weite nit kennen kan, sagt man: es ist ein kuow odder ein geiszle S. Franck
sprichw. (1541) 1, 11
a; jedoch so will mir zweyflen schier, ob es ein got sei hochgenannt oder Tydei sohn bekannt J. Spreng
Ilias (1610) 55
b; 'das weib das thier ergriff', hier were zur zweiffeln, ob das weib vom thiere oder das thier vom weibe were ergriffen worden Opitz
poeterei 30
ndr.; ob man so etwas unter die werke des guten geschmacks zählen könne, daran zweifle ich selbst sehr Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 1; zweifeln ist schwanken zwischen ja und nein
dtsche zukunft 6. 9. 1936, 20.
bei vielen möglichkeiten auch wie '
in ungewiszheit sein': mahta got zewivelen, war Adam ware, do er frageta: Adam ubi es? Notker 2, 505
P.; do he sach de koninginne unde alle, de dar weren, twiflen under den crucen, wilh ere dat rechte were
sächs. weltchron. 123
Weiland; in incerto est author man weisz nit, wer der anfenger ist, man zweyfflet von im, er ist unbekannt Frisius (1556) 148
a; und derselben (
waren) ein überflusz also, dasz ich gleich zweiffeln musz, wo ich erstlich soll fangen an W. Mangold
marckschiff (1596) d 1
b; A@22)
im glauben schwanken, besonders in religiöser beziehung: daz der (
regenbogen) wâre scône, zeichen sîner minnône, daz wir dann och zuîuilen nescolten
Wiener genesis 1451
Dollm.; daz ein mensche beginnet zwifeln an gottes erbermede und obe sin iemer rat werde Seuse
dtsche schr. 498
B.; Abraham hat in versprechung gottes nit gezweyffelt, er ist im glaub starck gewesen Berthold v. Chiemsee
t. theolog. 18
R.; damit wir an dysem wort nit zweifelten oder wanckten Luther 10, 3, 142
W.; alsz ob ... ich ... an der allmächtigen vätterlichen vorsorge des allerhöchsten zweifflen thäte Moscherosch
insomn. cura parent. 23
ndr.; wie viele sind, die, weil sie keinen plan sehen, es geradezu läugnen, dasz irgend ein plan sei, oder die wenigstens mit scheuen zittern daran denken und zweifelnd glauben und glaubend zweifeln Herder
w. 13, 8
S.; dasz viele kleingläubige anfingen zu zweifeln, ob ein gerechter ... gott sey E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 237. A@33)
zwischen furcht und hoffnung schweben, im hoffen unsicher werden, kein sicheres zutrauen haben u. ähnl., früh mehr und mehr nach zweifeln B
übergehend, vgl. indubitare (
viribus tuis) zuiflon (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 663
St.-S.: und hâlen sich doch beide (
die liebenden), und tete daz zwîvel unde scham; si schamte sich, er tet alsam, si zwîvelte an im, er an ir Gottfried v. Straszburg
Tristan 11735
B.; ich hoff aber und zwyflen nüt H. R. Manuel
weinspiel 1993
ndr.; sie alle hiengen wankelbar zwischen der forcht und hoffnung gar, sie zweifelten an ihrem leben J. Spreng
Äneis (1610) 7
a; in einer welt, wo das geringste wanken und zweifeln an seiner hofnung schon fall und untergang ist Lenz
verteid. d. h. Wieland (1776) 42.
um das leben eines erkrankten ernstlich besorgt sein, das schlimmste fürchten: so ist frau B. ser kranck und also, dasz die ertzt an ir begunden zu zweivelen (
v. j. 1479)
privatbr. d. ma. 1, 203
St.; er wer von dem verfluchten tranck übr ausz matt und so hertzlich kranck, daz er zweiffelt an seinem leben Rollenhagen
froschmeuseler (1595) g 5
b; darüber fiel der könig in eine grosze leibesschwachheit, also dasz man an ihm zweiffelte H. Rätel
Curäi chron. (1607) 252; die erzte zweifelten für sein leben Schiller 2, 389
G. —
allgemeiner dem ausgang einer unternehmung mit unentschiedenen gefühlen gegenüberstehen: ja, wer auch nur an dem siege zweifelte, der ... Lohenstein
Arminius (1689) 1, 35
a; mir zweifelt, dasz wir so gelangen an den port Hallmann
Theoderich (1684) 55; nun zweifelte Zephir fast, Selinden zu besiegen Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 255; sie (
die kurfürstin v. Bayern) hatte ... versprochen, ihr möglichstes zu tun, aber sie zweifelte am gelingen O. Jahn
Mozart (1856) 2, 45.
als part. praes.: '
unbestimmt, unentschieden': und jeglicher trieb zur vaterländischen bardenkunst lag noch in meiner brust in zweifelndem schlummer Denis
lieder Sineds (1772) 255; es woogte lange zweifelnd hin und her Schiller 13, 7
G.; noch messen beide (
Rom u. Carthago) zweifelnd ihre kräfte H. J. v. Collin
Regulus (1802) 12. A@44)
unentschlossen sein zum handeln, zwischen zwei möglichkeiten des verhaltens schwanken, vgl. ambiunt (
quid disponant) zauuiflont
ahd. gl. 2, 221
St.-S.: und zwîvelte vaste dran weder ez bezzer getân mohte sîn oder verlân Hartmann v. Aue
a. Heinrich 1004; diese gaistlich und weltlich zwispeltung machten allen cristenheit zweifeln, ob dem babst zu Rom oder dem andern gehorsamkeit ... solt beschehen (
Nürnberg 1488)
städtechron. 3, 84; Ulysses zweifelte erstlich, ob er yhr solt zuo fuosz fallen Schaidenreisser
Odyssea (1537) 24
b; zweiflend, soll sie zum knaben, soll sie zum mädchen dich machen, hat dich fast die natur, knabe, zum mädchen gemacht J.
N. Götz
verm. ged. (1785) 1, 162; soll ich fliehen, soll ichs fassen? nun gezweifelt ist genug Göthe I 1, 103
W. ohne nachfolgenden nebensatz der bedeutung '
zaudern, zögern'
sehr nahe kommend, doch ohne verlust der grundbedeutung, vgl. non cunctabor (
proferre quod sentio) ni zuiflon (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 602
St.-S.: (
nihil)
cunctatus zuiulonter (
navem conscenderam) (11.
jh.)
ebda 2, 751, 17: was harret ihr, was zweifelt ihr Albrecht v. Eyb
dtsche schr. 2, 107; wer einem willfertig zu seyn zweiffelt oder auff die lange banck schiebt, der ist zunächst bei einer abschlägigen antwort Lehman
floril. polit. (1662) 1, 5; scheint das verhängnis nicht, die armen uns zu reichen? was wart- und zweifeln wir? Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) 98;
ähnlich: man sieht ihn besorgt, beängstigt ... zweifelnd und zaudernd Göthe I 46, 12
W., vgl. auch C 2. —
mhd. '
wankelmütig werden, jemandem untreu werden',
vgl. Wiener genesis 3746
Dollm. (
unter D 1): si (
die christen) habent dine helde gestruot after uelde, ir ist so uil geuallen: di gote zwiuelent alle
Rolandslied 286
Grimm; daz er aber wider begunde mit muote und mit gedanken an sîner liebe wanken, er zwîvelte an Isolde, ob er wolde oder enwolde Gottfried v. Straszburg
Tristan 19253
B. von hier aus wohl zu verstehen: fluctuare zwyfeln (15.
jh.) Diefenbach
gl. 240
b. BB.
von eindeutig negativer gemütsverfassung und geistiger haltung, vgl. zweifel B. B@11) '
sich fürchten, in sorge sein': ... ne latad gi iuwan hugi twiflean, seBon swikandian ...
Heliand 1896
Sievers; des (
wegen d. menge d. heiden) begunde zwîvelen etslîch schar Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 319, 24; die zwen prüeder, die sere czweifelten und sorge hatten, (
dasz) sie von S. betrogen würden Arigo
decam. 27
K.; keine furcht, kein zweifeln zügelt ihren (
der zeit) lauf, wenn sie enteilt Schiller 11, 14
G.; o laszt uns frisch und heiter sein, was soll das zweifeln, soll das zagen? Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 1, 166. '
verzagen, verzweifeln',
vgl. desperare czweiuelen (
obd. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 176
b: under in wart ain ertbîbe, daz sie harte begunden zwîvelen, diu stainhûs erwageten, die liute verzageten
kaiserchron. 16253
Schr.; dem ist gezwîvelt sô der muot, daz er ... niht nützer wære danne ein wîp
Biterolf 7879. B@22) '
jem. im verdacht haben, etwas verdächtig finden': er arcwânde sî und in und zwîvelte sî ouch beide Gottfried v. Straszburg
Tristan 13769
B.; mich zwifelt an diesem ijser, brenge mir dinen wer, so wil ich dich bezailen (
formel, um verdächtiges eisen zu kennzeichnen) (
v. j. 1490)
Kölner zunfturk. 2, 382
Loesch; der künic erst mercklichen uff den ritter O. zweifflen thet Wickram
w. 1, 244
lit. ver.; wer aber daran schuld tregt, mir verborgen ist, kan auch auff niemands nicht zweiffeln
buch d. liebe (1587) 254
c; fürwahr, ein fürsichtiger ... und erfahrner dieser kunst, so er am glauben des verkauffens oder kauffens zweiflet, fart er alsbald in die gruben, damit er ... besehe Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 19.
in dieser bedeutung mundartlich: mir hon schun lang gezweiwelt an ihm
im verdacht haben, vermuten Martin-Lienhart
elsäss. 2, 923
a. B@33) '
kein vertrauen haben'
zum guten im menschen, besonders zu einzelnen guten eigenschaften, vgl. etwas bezweifeln: ist die herberg ungestalt, so zweiffelt man am wirth Lehman
floril. polit. (1662) 2, 844; und so rückte nach und nach der zeitpunkt heran, wo ... ich selbst an den gröszten und besten individuen zweifeln ... sollte Göthe I 27, 129
W.; dasz ich an meinem eigenen werte nicht länger zu zweifeln brauchte G. Keller
ges. w. (1899) 4, 56.
mundartlich den zweiwelt u neischt
der hat viel selbstbewusztsein lux. ma. 511; wie konnte ich an ihrer unschuld zweifeln Raupach
dram. w. kom. gatt. (1829) 1, 45; dasz ich an deiner treu zweifle Frisius
dict. (1556) 1111
a; ich weisz es, dasz sie auch ... an meiner freundschaft zweifeln Cronegk
schr. (1771) 1, 47; zweifeln sie nie an der treuesten freundschaft ihres ... Knigge
rom. m. lebens (1781) 3, 80. B@44)
nicht glauben an die richtigkeit und möglichkeit von aussagen und tatsachen. B@4@aa)
bei aussagen, behauptungen, erzählungen, versprechungen u. s. w.: jains auk manniskaim waurdam weitwodjans tweifljan þuhta, sunjeins wisands, þaim unkunnandam mahta
skeireins 6, 10
Streitberg ('
so konnten seine äuszerungen, von denen, die dies nicht wuszten, bezweifelt werden',
sieh a. a. o.): wer zwîvelt nû dem mære
gesamtabenteuer 2, 12
v. d. Hagen; ob auch dein weib, wie sie gibt für, mein mutter sey, zweiffel ich schier W. Spangenberg
gr. dram. 1, 115
Dähnhardt; der dritte sprach, ich zweiffel daran, doch wolt ich gern die warheit wissen
buch d. liebe (1587) 88
c; an dessen (
des geschichtchens) warhafftigkeit und glauben keiner zweiffeln wird Prätorius
Blockesberges verricht. (1668) 15; und (
die nymphen) zweifelten wohl gar dabei, ob Famens nachricht glaublich sei Gottsched
ged. (1751) 1, 212; Theseus ist todt, gebieterin, du bists allein, die daran zweifelt Schiller 15, 1, 33
G.; mit gutem grunde kann man an der wahrheit dieses gerüchtes zweifeln Ranke
s. w. 30, 10. B@4@bb)
gegenüber wunderbaren, übernatürlichen ereignissen: be diu chad er (
Moses) zeuuiuelondo, e er virgam sluoge an den stein: ja be gote uuir bringen iu nu sar uzzir disimo steine uuazzir? Notker 2, 456
P; got vragen began den selben man (
Moses), do er zwivelote an sinem worte, wer des mennischen munt hete gezimberot
exodus 129, 27
Diemer; dahero ich billich an der wahrheit solcher begebenheiten nicht zweiffeln solte J. G. Schmidt
rockenphil. (1709) 1, 11; ohm, der in büchern las ... und an gespenstern zweifelte J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 38; glaubte ich unverweilt an die sache, (
an merkwürdige träume und ahnungen) je mehr ich vorhin daran gezweifelt G. Keller (1889)
w. 2, 44. B@4@cc)
an die wirklichkeit und möglichkeit eines tatsächlichen geschehens nicht glauben können: und er zweifelt, was er sieht, zu sehen Ramler
fabellese (1783) 1, 116; die Beetjuanen ... kannten ... aus sagen die weiszen menschen, zweifelten jedoch ... an der wirklichkeit ihrer existenz Ritter
erdkde (1822) 1, 102; die freude macht ihn wundersam verrückt und wie ein zweifeln wird es in ihm rege, ob nicht dies bild, so zart, so lieb, so treu nur ein phantastisch fieberwähnen sei A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 238. B@4@dd) zweifeln
mit negation im folgenden nebensatz statt glauben
mit positiver ergänzung: dasz ich zweifele, es sey kein eintziges in der hochgeschätzten gesellschafft, dasz nicht eines des andern freude durch tausendfache liebesreitzungen würde angenehm machen Ettner v. Eiteritz
med. maulaffe (1719) 6; gleichwohl zweifle ich, ob es nicht zwang und fessel für unsere barden seyn würde, wenn man ihnen einen bestimmten ton vorschreiben wollte Kretschmann
s. w. 1, 15.
vgl. mundartlich: ech han et gezweifelt
ich habe es geglaubt Wegeler
Coblenz 97. B@4@ee) ich zweifle
als antwort '
ich glaube nicht': ists ein mensch von gutem hause? ist er von adel? ich zweifle Lenz
ges. schr. 1, 82
Tieck; ihr denkt, dasz Eleonore den pfalzgrafen heiraten wird? es ist möglich, aber ich zweifle A. v. Arnim 9, 89; wird ... ein Elsässer ein mann werden? ich zweifle E.
M. Arndt
s. w. 1, 201
R.-M. B@55)
geltende lehrmeinungen, ansichten in frage stellen, vgl. scrupuliren,
nachgrübeln,
forschen, zweifeln Spannutius
sprichw. (1720) 423: junge studenten wissen im ersten jahr alles, im andern zweiffeln sie, im dritten fahen sie erst an zu lernen Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, L l 1
a; als wenn in der natur kein vacuum nicht wär. wenn Aristoteles daran gezweifelt hat, so weisz mans itzt gewisz Stoppe
Parnasz (1735) 421; Cartes zerreiszt die fesseln ... er zweifelt und sucht gründe, er findet, und es tagt Dusch
verm. w. (1754) 235; wo die Bayle zweifeln und die Leibnize vermuten H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 178; freilich ist der zustand eines gelehrten, der über vorgetragene wahrheiten nachdenkt, zweifelt ... nicht so gemächlich, als dessen, der ohne nachdenken annimmt Chr. Fr. Nicolai
reise d. Deutschl. (1783) 2, 318; wenn ich zweifle, ob zweimal zwei vier seien, so sind es darum nicht minder vier G. Keller
ges. w. (1889) 1, 338. CC.
in negativer wendung nicht zweifeln. C@11)
fest glauben, '
überzeugt, sicher sein': ni zuivolo muat thinaz, sus findist thu iz gidanaz Otfrid III 2, 33,
vgl. V 11, 22; des geheizzes er ne zuiuelote
Wiener genesis 1669
Dollm.; dâne zwîvel ich niht an Hartmann v. Aue
Iwein 560; und nit zwivele, er wurt dir geistliche vil lichte fruchtberlicher Tauler
pred. 313
V.; da zweyfelten sye nit dar an, es wäre der lieb herr
summerteil d. heyl. leben (1472) 23
a; alls haben wir ... den ... steuereinnähmern eine übliche interimsquittung erfolgen lassen, nicht zweifelnde, die herren fürsten dieselbe ... ausz zuwexeln keinen bedenken haben werden
acta publica 1, 59
P.; ich zwifel nit, das auch die götter selbs sorg haben Hedio
chron. Germ. (1530) e 2
a; ich zweifle nicht, der neider wird ... dieses büchlein nicht unangefochten lassen J. Rachel
sat. ged. 3
ndr.; dieses schicksal hätte mir, woran nicht zu zweifeln ist, ebenfalls das leben kosten können
d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 30; vielfach sind zum Hades die pfade — heiszt ein altes liedchen — und einen gehst du selber. zweifle nicht Mörike
ges. schr. (1905) 1, 101;
entsprechend mit niemand: kot, chad si, nezuiuelot nioman (
nemo dubitaverit) uuesen alemahtigen Notker 1, 217
P.; dasz alle symptome dieser wunderlichen ... krankheit auch einmal mein innerstes durchrast haben, daran läszt Werther wohl niemand zweifeln Göthe IV 23, 185
W.; aber viel gescheites würde nicht dabei herauskommen; daran zweifelte niemand W. Vesper
d. harte geschlecht 80.
ähnlich wer zweifelt (daran): wer czweyfelt daran, das ir bOeszlich gedenckt?
erste dtsche bibel 3, 251 (
var.)
Kurr.; recht ist ein gut ding und gabe gottis, wer zweyffelt daran? Luther 7, 581
W.; und wer wollte zweiffeln, dasz eben darum ihre fluszwässerlein ... geadelt werden? S. v. Birken
ostl. lorbeerh. (1657) 12;
vereinzelt mit darin: meine liebe frau von B., wer wollte denn darin zweifeln, dasz es nicht anders ging? W. Alexis
hosen (1846) 1, 40. C@22) '
kein bedenken tragen, nicht zögern',
vgl.A 4: der sohn des lebendigen gottes hat nicht gezweifelt, für uns zu sterben Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1491; liebe neue freundin, ich zweifle nicht, sie so zu nennen Göthe IV 1, 521
W. DD.
in festen syntaktischen fügungen. D@11)
mit präpositionen, am häufigsten an: ub er an ime ieht zwivelote
Wien. genesis 3746
Dollm.; so pis allzeit stät und zweifel nicht an mir Oswald v. Wolkenstein 80
Schatz; der herr sagt den juden, da sie an im zweiffelten Sleidanus
reden 85
lit. ver.; der arzt zweifelte an meinem aufkommen Chr. Fel. Weisze
lustsp. (1783) 3, 154; die staatsmänner ... Preuszens zweifelten damals nicht an einer raschen und glücklichen lösung der polnischen wirren Häuszer
dtsche gesch. 2, 591.
vom 14.-17.
jh. selten von: die heilige kirche von in zwifelt Tauler
pred. 66
V.; in incerto est autor ... man zweiflet von im Frisius
dict. (1556) 148
a; dasz sie (
die mädchen) gar zweifeln von der wahle, die sie darinnen haben ohne zahl Morhof
unterr. v. d. dtschen sprache (1682) 1, 583.
vereinzelt in: und er zweiuelt ioch nit mit ungelauben in der geheiszung gotz
erste dtsche bibel 2, 33
K; ich zweiffle in den worten G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 25.
eine vermischung mit fürchten
ergibt gelegentlich für: die ärzte zweifelten für sein leben Schiller 2, 289
G. D@22)
mit objekten. im ahd. und mhd. ist der genetiv gebräuchlich, vgl. Antrim
d. syntakt. verw. d. gen. b. Otfried (
diss. 1897) 17: drof ni zuifelo thu thes Otfrid IV 29, 53; tes zuivelon ih Notker 1, 201
P., vgl. Wiener genesis 1669
Dollm. (
unter C 1); den muot mir ganziu liebe geit, die ich iu trage: des enzwifelt niht Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 314, 15
S. selten mit acc.: und zwiflest du noch út hier inne, so luog umb dich in die bluojenden schOenen wingarten Seuse 221
B.; dasz die welt aus nichts erschaffen, wer nur dieses glauben kann, wie er billich soll, wird zweifeln nichts, was sonst die schrift zeigt an Logau 242
E. die Franken, niemand zweifelts, sind tapfere kriegesleute Scheffel
ges. w. (1907) 2, 171. D@33)
unpersönlich mit dem dativ der pers.; vom 15.-17.
jh. häufig: wann mir gancz nit zweifelt, tut ir daz, uns werd gelingen (
Nürnberg)
städtechron. 2, 485; dann mir zwivelt nit, sie lernen von uwer liebe bessere zucht dann von mir
privatbr. d. ma. 1, 56
St.; myr zweyfelt auch nicht, es sey e. g. gründlich und ernste meynung Luther 12, 64
W.; denn daran zwiflet dheinem christen Zwingli
dtsche schr. 1, 242; mir zweiffelt nit, Lazarus hab mit gröszern ehren das almuosen genommen dann der reich man Seb. Franck
paradoxa (1539) 146
a; mir auch nicht zweiffelt, dasz es nicht mir geschehen werde Jac. Ayrer
proc. juris (1600) )( 2
b; wie wohl mir nicht zweifelt, es werde keiner (
der aussprüche) so unscheinbar fallen, der nicht zu etwas nutz, anzuglich und lehrreich sein werde Zinkgref
apophthegmata (1628)
vorr. ** 5
a; mir zweifelt auch, ob dich zu fragen mir gehöre Tscherning (1642) 227; wann ihr für den spiegel steht, immer, fürstin, zweifelt mir, ob der spiegel spiegelt euch, ob den spiegel ihr Logau 496
E.; mir zweiflet nicht ..., O. werde von einem so edlen bruder sich gerne sehen lassen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 372. D@44)
abhängige objektsätze werden mit ob
und dasz
eingeleitet: do ih zuîueleta, obe ih ad exhortationem sponsi scolte ... uure kuman Williram 36
Seem.; mir zwüfelt, ob ein sölichs nu besche C. Justinger
Bern. chron. 57
Studer; ain yeder zweifeln muoess, ob er recht glawb oder nit Berthold v. Chiemsee
t. theologey 9
Reithm.; dörffte ich zweiffeln, ob jemals dergleichen bey uns üblich gewesen Opitz
t. poemata 5
ndr.; dasz man zweifelte, ob sie je in ihrem leben gelacht G. Keller
ges. w. (1889) 5, 191; nezuiueloe nehein uuise man, daz ouh tie ubelen niomer ane uuize neuuerdent Notker 1, 249, 6
P.; so zweyffel nicht daran, das es eytel finsternis sey Luther 14, 30
W.; seine hoffnung liesze ihn nicht mehr zweifeln, dasz hier die namen ... ihm und seiner unbekanten schönen gelten dürften A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 7;
seltener mit was: du zweifel nicht, was ich dir hie wil sagen Oswald v. Wolkenstein 223
Schatz; auch indirect fragend: die zeit ist was und nichts, der mensch in gleichem falle, doch was dasselbe was und nichts sei, zweifeln alle P. Fleming 1, 30
L.; ihr zweifelt nicht, was ich von eurem charakter halte Göthe I 45, 101
W.