unsicher,
adj. adv. ,
gth. v. sicher.
ahd. unsichûre,
mhd. unsicher,
mnd. unseker,
nd. unseker, unsiker,
mnl. onseker,
nl. onzeker;
aus dem mnd. dän. usikker,
schwed. osäker.
in a. spr. noch nicht häufig, erobert sich u.
erst nach und nach seinen platz neben dem älteren ungewisz.
vgl. unbestimmt; sicherlos. AA.
adjectiv. A@II.
von personen; vgl. ungewisz 1, 2. A@I@11) sicher 2
entsprechend, ungeschützt vor schaden, verlust, übel, unglück, beeinträchtigung, ungesichert vor gefahr. rechtssprachlich: daz er ... den juden nit sicher noch u. sagen (
ihm keinerlei eidliche sicherheit des lebens oder gutes verbürgen) wil
urk. des 15.
jhs. bei Staub-Tobler 7, 175;
nachklingend: szo folget, das der sicher ist, der des ablas gar nichts achtet, und der u. ist, der das ablas grosz achtet Luther 1, 391
W.; allgemein: ach wie sein dann wir menschen kind so ruochlosz, unsicher und blind Scheit
fröhlich heimfart e 3
b; die schützen wehren an gedachtem ort sehr u. Reutter v. Speir
kriegsordnung 89; weil wir hier u. sind, räthst du uns, in das element des todes zu fliehen? J. J. Engel 1, 311. sicher 3 a
entsprechend mit gen. (
mnl. wb. 5, 923): Hutten starb lebens u., vertrieben, in armuth fürs vaterland Chr. J. Wagenseil
bei Herder 16, 296; leibes und lebens u. G. Freytag
bilder a. d. d. vergangenheit 3, 133;
auszer solchen formeln veraltet; u. vor (
häufiger nicht sicher vor)
städtechron. 2, 71; H. Sachs 9, 193, 14
K.; vereinzelt sich u. machen (der maurer, so sich u. gemacht und ab ainem gerüst ... gefallen
quelle v. 1558
bei Fischer
schwäb. wb. 6, 220;
er hatte sich nicht gesichert). A@I@22)
wie sicher 4 a
bezogen aufs seelische empfinden; beunruhigt, voll furcht, unruhe, sorge, ohne klaren entschlusz u. dgl.; erst in n. spr. gewöhnlich. noch an 1
rührend: das wir müssen u. und ungewis sein Luther 23, 568, 36
W.; wenn ... ich, ans licht auf einmal hervorgerissen und geblendet, mich unsicher, schwankend, nicht zu fassen weisz Göthe
natürliche tochter 269; der arzt war selbst nicht wenig beängstet und u. Droste-Hülshoff
an L. Schücking 358; doch war das junge wesen dem alten, würdigen ritter und ratsmann gegenüber u. G. Keller 6, 71; das säumen und zaudern macht den menschen überall u. Körte
sprichw. 509; sich u. fühlen O. Jahn
Mozart 4, 244; u. werden G. Keller 8, 7. A@I@33) sicher 5
entsprechend, vom urtheil; vgl. ungewisz 1:
mnl. onseker der waerheyt
incertus veri; einer sache u. sein
etwas nicht wissen; Tauler
pred. 99, 10
V.; so dein stund wurd kummen (dan wir allesampt u. seynd eynisz augenblicks) Luther 7, 277, 9
W.; wir (sind) ungewisz und unsicher .. desz zukünfftigen ubels Äg. Albertinus
zeitkürtzer 7
b; Kramer (1702) 2, 802
c; des vocals in ebbe bin ich u. J. Grimm
kl. schr. 3, 158; der wanderer ... des weges u. L. Steub
wanderungen im b. gebirge 137; eine ihres zieles unsichere sentimentalität
zeitung bei Sanders
erg. wb. 480
b;
am häufigsten seiner sache u.: ein seiner sache unsicherer zeuge; er selbst war seiner sache durchaus u. Polenz
Grabenhäger 1, 24;
sonst unsicher in etwas Stifter 3, 242, über Mommsen
röm. gesch. 2, 83, inbetreff, was anbetrifft
u. s. w., mit abhängigem satz O. Jahn
Mozart 4, 386, Scherer
litgesch. 58. A@I@44)
wie sicher 6
von können, leisten, handeln; oft ohne genauigkeit, pünktlichkeit, gesicherten erfolg, selbstsicherheit, zielbewusztheit, überlegenheit u. dgl.; ungewisz 2, 3 g
α: ein unsicherer schütze, reiter, führer, vomblattspieler, begleiter, bürge, schuldner, geschäftsmann Nestroy 5, 170
u. s. w.; hierdurch ist ... auch ein leitfaden manchem unsichern und unerfahrnen gärtner in die hand gegeben Göthe II 6, 234
W.; nicht wie geübte duellanten, sondern mehr wie etwas unsichere schüler G. Keller 2, 247; unsicher auf den füszen G. Hauptmann
weber 109; u. im thun und lassen Mommsen
röm. gesch. 2, 130 (
vgl. 2. 3); Necker, sonst so u., war kühn auf dem felde seiner kunst Dahlmann
franz. revolution 276. A@I@55)
moralisch unzuverlässig (
s. sicher 7, ungewisz 3 g
α);
ehrlos, dem man alles schlechte zutrauen kann, mnd. wb. 5, 77
a; hoverdich, swynd, opgeblaisen, onbekensam, onseecker,
popularis, infidus, male fidus mnl. wb. 5, 924, 2 a; Frisius 692
a: mörder, röuber und andere unsichere buoben Stumpf
chron. 14
b; aus unsichern unterthanen zuverlässige bundesgenossen machen Wieland
Agathon 1, 348; der art und weise zusammengelaufner und unsichrer gesellschaften (
theaterleute) Göthe IV 11, 181
W.; einen in politischer rücksicht verdächtigen und unsichern menschen Hoffmann v. Fallersleben
leben 2, 87; die unsichere masse H. Grimm
Michelangelo 1, 338; unsichere überläufer Gerstenberg
recens. 58, 37
ndr.; ra. ein unsicherer cantonist (Borchardt-Wustmann 93; Genthe
slang 26), das ist ein unsicherer cantonist,
man kann ihm nicht über den weg trauen, eigentlich ein wehrpflichtiger (cantonist
volksthümliche bezeichnung des ausgehobenen recruten, im gs. zum freiwillig eingetretenen; vgl. das preuszische cantonsystem
Friedr. Wilhelms I.; cantonist Campe
verd. wb. (1813) 169
a;
zs. f. d. wortf. 6, 219),
der sich der gestellung entzieht, ohne sich der fahnenflucht schuldig zu machen; Meyer
convers. lex. 9
5, 866;
ähnlich die ra. ein unsicherer kunde, patron, kerl, bursch, ein unsicherer (Staub-Tobler 7, 179).
im prädicat: das militär sei u. geworden Ruge
briefw. 2, 35
N.; alte leute sind u.,
man kann sich nicht auf sie verlassen, sprichw. bei Staub-Tobler
a. a. o. A@IIII.
von nichtpersönlichem. A@II@11)
ungesichert vor gefahr, verlust, schaden; keine sicherheit bietend; vgl. sicher 8 a, ungewisz 3
f. syn. ungeheuer 2, Fischer
schwäb. wb. 6, 220, Staub-Tobler 7, 179, 2 a.
attributiv: unsicher ort Steinhöwel
berühmte frauen 325
D., Herder 5, 96 (
übertragen Herder 5, 21; stellung, stand, grund Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 601; Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 31; an meinem unsichern busen Göthe 23, 205, 18
W.), weg H. Sachs 1, 427, 16
K. (Zinkgref
apophthegmata [1628] 172), gegend Göthe II 5, 2, 213
W., alpenpfade Scheffel 1, 140, dämme G. Forster 5, 233, fahrzeuge 4, 40, meer Uhland
gedichte (1898) 1, 202; dem bösen, unsichern gasthofe (
der erde) Luther 34, 2, 114, 3
W., leben 10, 2, 406, 11
W., flucht 34, 2, 84, 22
W., schatz Parac. 1, 44 A, gut, capital, besitz, gesundheit Chamisso 5, 286, glück
u. s. w.; ein wunderbar unsicher wesen (
zustand) Tschudi
chron. 1, 32.
prädicativ: letztlich war das umbschweiffende wasser hin und wider voll steine und u. G. Forbiger
wahrh. beschreibungen (1570) 73; so wird das ertz von ausfallen der feinden u. Agricola-Bech
bergwerkb. 25; niemand gehe uber feld, denn es ist allenthalben u. fur dem schwert des feindes
Jerem. 6, 25;
man sagt heute nicht der wald ist u. vor räubern,
aber nicht sicher vor r.; dennoch denket man an dessen (
des reiches) sicherheit nicht, bis es umb und umb u. Leibniz
d. schr. 1, 223; der fuszboden drinnen war u. geworden, und hier und dort konnte man ... auf das darunter stehende wasser sehen Storm 1, 71; eine unsichere leiter, treppe; es ist hier u. zu gehen,
man kann leicht fallen Mozin; es ... war sehr u. zu wandeln und zu handeln Binhardus
thür. chronica 217; unsicher machen
infestiren Kinderling
reinigk. d. d. spr. 282; damit (
mit schuszwaffen) sie auch die schiff in dem port u. machten Carbach
Livius 206
b; hattend alle straaszen u. ze wandlen gemacht Frisius 618
a; weg und strasz u. machen Sebiz
feldbau 10; Lessing 1, 378
M.; das land weit und breit u. machen Chemnitz
schwed. krieg 2, 169: die reisen, die passage, jeden schritt u. machen
M. Quad
t. nation herligkeit 288, v. Fleming
soldat 415, Ritter
erdk. 1, 397; dasz nicht die list muhtwill'ger gäste das brautbett dir unsicher macht Göthe IV 1, 102, 21
W.; vgl. 8, 170
W.; übertragen und abgeschwächt einen ort u. machen '
sich irgendwo unerwünscht blicken lassen': Moses Freudenstein, der jetzt mit ... andern tagedieben die Pariser gassen u. macht Raabe
hungerpastor 1, 243; ich fand einen herrlichen vorwand, könig Otto abzuschütteln, der die promenaden u. macht Bismarck
briefe an s. braut 423; an sommergästen fehlt es trotz kälte nicht, ... sie machen den wald u. 504.
wie ungeheuer 4: Staub-Tobler 7, 179, 2 a; Schwan 2, 854
a; hier geht hexerey ... vor; lassen sie uns aus einem zimmer eilen, wo es so u. ist Ph. Hafner (1812) 2, 188; J. P. Hebel 2, 73, 33
B.; übertragen: gespenster ... die ... mir die zaubergärten der phantasie u. und unheimlich machen Bettine
Günderode 1, 183. A@II@22) I 2
entsprechend: wo das gewissen blOede und unsicher ist, da kan auch das hertz nicht recht keck sein Luther 19, 624
W.; sein hertz ist unrwig und u. Eberlin v. Günzburg 2, 156
ndr.; Wibalds von Corvey correspondenz zeigt allerdings auch die unsichere spannung, mit der die alte schule ... den neuen könig ... betrachtete Nitzsch
d. studien 18;
innere unsicherheit verratend: was künden eure trotzigen unsichern blicke mir an? Göthe 8, 291, 16
W.; mit unsichrer hand 3, 11
W., stimme Droste-Hülshoff 2, 299 (
vgl. 4); ein unsicheres und fast ein schlechtes gewissen verratendes auftreten Fontane I 4, 277. A@II@33)
wie I 3: unsicheres urtheil, unsichere vermuthung Gerstenberg
recens. 192, 36
ndr., in bed. 7
übergehend; das urtheil von Rochlitz ... ist auffallend u. und farblos O. Jahn
Mozart 1, 488; er ... macht den kopf seiner leser nicht heller, sondern verwirrter und unsicherer Gerstenberg
recens. 173, 20
ndr.; der seiner selbst unsicherste unglaube Brentano 4, 398 (
vgl. 2). A@II@44)
wie I 4: nach ettlicher gewonheit und unsicherer (
nicht gefestigter) practic Riederer
rhetoric (1493) O 2
b; wie unvollkommen und u. es (
das verfahren) ist W. v. Humboldt
ges. schr. 5, 71; unsichere versuche Göthe 40, 273
W., behandlung H. Meyer
gesch. d. bild. künste 1, 9, schaffen G. Freytag 14, 5; das durchgehen durch die reflexion macht sie (
die thätigkeit) u. Schopenhauer 1, 98
Gr.; in der leistung unzuverlässig: dasz durch eine schlechte politur das prisma u. geworden sei Göthe II 2, 107
W.; ihr unsichers (
unsicher geführtes) ruder Dusch
verm. werke (1754) 19; mit unsicherem messerschnitt Scheffel 1, 170;
von bewegungen Pückler
briefwechsel 3, 113,
rhythmen Bücher
arbeit und rhythmus4 353, flug J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 103, fusz S. Gesner
schr. (1777) 1, 126, sohlen Göthe 2, 81
W., schritte Storm 3, 32 (
übertragen '
keinen sichern erfolg versprechend' Göthe 33, 51
W., vgl. 8); die sorgfältige, aber noch unsichere (
ungeübte) hand H. Brunn
kl. schr. 3, 59; H. v. Kleist 3, 92
Schm.; der unsicherkleinliche zug der linien Justi
Winckelmann 1, 342; unsicheres gehör Bode
Montaigne 3, 103, blick Mörike 3, 132, gedächtnis, erinnerung (
vgl. 3). A@II@55)
keine (
moralische)
sicherheit bietend, unzuverlässig, trügerisch; oft von bed. 6
nicht zu scheiden: unsichere haltung der freunde, bundesgenossen; unsichere freundschaft, treue; unsicheres bündnis; unsicherer vertrag, friede A. v. Haller
Usong 154; Lohenstein
Arm. 1, 173
b; beweis Adelung; ein unsicheres versprechen; ekel, unsicher wird die tugend, die nur immer das spiel des lasters bleibt Klinger
neues theater 1, 128; ein mann von unsicherer gesinnung; in unsichere hände gerathen J. Möser 1, 247; geben Bismarck
ged. u. erinnerungen 2, 129; in Baden hatte sogar die landwehr aus districten, die für u. galten, ihre schuldigkeit nach kräften gethan 1, 83; das regiment ward unstet und u. Mommsen
röm. gesch. 2, 57. A@II@66)
ungesichert, bedenklich, miszlich, precär (Campe
verd. wb. [1813] 495
a): das gar ain sorglich, unsicher (
gefährlich u. bedenklich) ding ist Tauler
serm. (1508) 35
b; Fontane I 1, 181; die unsichre zeit H. L. Wagner
theaterstücke 75, lage G. Forster 2, 285, zustand Niebuhr
röm. gesch. 1, 253, existenz, leben Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 7, 137, natur Th. Abbt 6, 1, 32; daher ist's um alles geschichtliche ein gar wunderliches, unsicheres wesen Göthe IV 38, 92
W.; prädicativ: nützit ist mir mit ir ze handeln, aber disz ist u. also ze tuond
N. v. Wyle
transl. 27, 17
K.; wie u. ist es aber, solchen leuten eine beständige freundschaft zuzusagen
vern. tadlerinnen 1, 188; weil er's für u. und unmöglich hielt, sie alle mitzunehmen Bürger 255
b B. A@II@77)
ohne gewähr für thatsächlichkeit, richtigkeit; unbegründet, falsch, unrichtig oder auch nur nicht zu entscheiden, unausgemacht, unklar, schwankend, zweideutig: da wardt sich funden mit dem mere, das solch anklag unsicher were Th. Murner
entehrung Mariä 590; eine onsichere, ongegründte, falsche, angemaszte und lose sache (
die päpstliche gewalt) Sleidanus
reden 92
B.; Fischart
bienenkorb 71
b; der zeit unsichre zahl Heräus
gedichte (1721) 242; nachrichten Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 53
M., kunden Scherer
litgesch. 128, sagen Tieck 4, 13, auskunft Laistner
nebelsagen 274; ein unsichres, veraltetes costüm Göthe 49, 207, 4
W.; einen sehr unsicheren gebrauch Kant 3, 220, 17
ak. ausg., schlüsse
F. Th. v. Schubert 3, 151, begriffe Göthe 46, 72
W., kennzeichen 46, 80
W., resultat
u. dgl.; unsicherwerden verjährter religionsmeynung
allg. d. bibl. 111, 370; ausdrücke Varnhagen v. Ense
tageb. 6, 197, wort Gutzkow 10, 29, götterbilder Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 75; und doch ist auch hier die grenze so u. A. G. Meiszner
Alcibiades 1, 228; je unsichrer ... ihr geschlecht ist E. Gerhard
ak. abh. 1, 4; die charaktere (
der Medea) aber u. (
schwankend gezeichnet)
jahrb. der Grillparzerges. 5, 5. A@II@88)
ohne sicherheit der verwirklichung, des eintretens, des erfolges; von zeitpuncten und fristen; worauf man also mit sicherheit nicht rechnen kann; vgl. ungewisz 3 c: Tauler
predigten 417, 2
V.; die zit ist kurz und u., kain stund wir wissen, wen das end hie ist
privatbriefe 2, 54
St.; vom kriegsvortheil: Butschky
Pathmos 47; fremde hülfe, die ihrer natur nach u. ... ist K. L. v. Haller
restauration d. staatsw. 1, 298; meines vaters einwilligung bleibt u. Brentano 7, 58; keine unsterblichkeit ist unsicherer als die des tonkünstlers Schubart
leben 1, 179; Göthe 21, 79
W.; Lichtenberg
briefe (1901) 2, 194; wenn die verwirklichung eines anspruchs u. ist
bgb. § 779, 2; u. machen
beeinträchtigen discourse d. mahlern 3, 22; Göthe IV 31, 187
W.; es ist noch u., ob er kommen werde Kramer (1702) 2, 802
c; Bismarck
briefe an seine braut 206. unsicheres leben
heiligenleben winterteil (1471) 92
b, ende, tod, rettung, sieg, schicksal, zukunft S. Brunner
erz. u. schr. 2, 48, erfolg Holtei
erz. schr. 5, 132, hülfe A. v. Haller
Alfred 186, hoffnung Schiller 4, 157, erbfolge Moltke 2, 281, unternehmung 7, 37
u. s. w.; wetter Göthe III 4, 332
W., regenzeiten Peschel
völkerkunde 512; unsichere lauffung des jars
J. de Acosta America (1605) 43, gefälle, besoldung Kramer (1702) 2, 802
c, ertrag, zinsen, einnahmen, zahlungen, papiergeld Göthe IV 33, 3
W., zahlungsmittel
handwb. d. staatswiss. 2, 142, unterhalt Niebuhr
röm. gesch. 1, 28, schriftstellerei G. Forster 8, 210; ein ungelegt ei, ein unsicher ei; der hase im busch ist unsicheres fleisch Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 169
a; 120
b;
nl. wb. 10, 2230, 3 a. A@II@99)
unsicher wirkend, nicht zum ziele führend, versagend: die newen hochtrabenden ärzte mit ihren unsichern mitteln J. Wittich
consilium apoplecticum (1594) 143; weillen sie (
die doktoren) alles rahten müssen, ist es kein wunder, dasz alles so u. bey ihnen ist E. Charl. v. Orleans 3, 99; befehlen ist ein unsicheres mittel, befolgt zu werden Lessing 2, 367
M.; den unsichersten auskunftsmitteln H. v. Barth
kalkalpen 501; der unsicherste maszstab Adelung
magazin 2, 2, 34; einer harten, wenigstens unsichern mundart (
als maszstab versagend) Gottsched
d. neueste 1, 831; unsichre formeln Brentano 6, 282; aufgethürmt wird sie (
die cykloide) ... unsichrer zu ihrem zweck Herder 22, 46; bande Schiller 14, 28; pfadspur H. v. Barth
kalkalpen 575. A@II@1010)
wie ungewisz 3 a
von gesichts- und lichterscheinungen, nach dem lateinischen: wenn ... die lampe einen unsichern schein durch das schlafzimmer wirft Göthe 20, 187
W.; unsichere dämmerung G. Freytag 11, 116; zwielicht Treitschke
d. gesch. 1, 314; unsichere umrisse Göthe IV 38, 90
W.; L. Steub
wanderungen im b. gebirge 130;
ähnlich von gehörserscheinungen: ein unsicheres geschwirre Göthe IV 37, 259
W. BB.
adverbium, in den unter A
aufgewiesenen bedeutungen: u. wandern Tauler
sermon. (1508) 72
a; gehen Stifter 3, 97; Iffland 3, 24; leben Steinhöwel
Äsop 168
Ö.; wohnen Kramer (1702) 2, 892
c. u. blicken, dreinschauen, sich benehmen, auftreten, sprechen; seinen u. suchenden blick Ebner-Eschenbach 2, 46; G. Hauptmann
Rose Bernd 18; Fr. Schlegel 4, 117. u. urtheilen, vermuten, erraten, entscheiden K. Fr. Cramer
Neseggab 2, 127. u. folgen Göthe
Tasso 750; stehen Gaudy 4, 14; der mann war u. lang (
so dasz er zu schwanken schien) Laube 8, 14; u. spielen Fouqué
gefühle (1819) 1, 162; tasten Treitschke
aufsätze 1, 8; sich bewegen A. v. Humboldt
kosmos 1, 68; eines u. herumschweifenden geistes Fr. Schlegel 4, 19; etwas nur u. versprechen. du weiszt ja, wie u. es mit meinem leben ... steht Caroline 1, 346
W.; Holtei
erz. schr. 4, 46. u. prophetieren Murner
an d. adel 31
ndr.; schreiben Eppendorff
Plinius 29; schlieszen Hippel
lebensläufe 2, 327. in solchen fällen sieht es ... mit den zahlungen der pensionen, wenn nicht geradezu u., doch mindestens sehr unregelmäszig und beengend aus Droste-Hülshoff
an Schücking 86. u. und langsam bewirken Herder 17, 131. u. zuckende lichter Raabe
hungerpastor 2, 230; u. schwankende linien Fontane I 1, 46. CC.
substantiviert: ein unsicherer
s.A I 5; ir solt nit loben den unsichern, wann ich möcht noch sün und töchter haben
Franciscuslegende (1512) f 2
a; geheimnisse unsichern vertrauen Göthe
maximen u. reflexionen (
schr. d. Götheges. 21) 276. den reichtum stelt man nach, also das nicht unsicherers ist S. Franck
sprichw. (1541) 1, 135
b; das unsichere des augenblicklichen wohlstandes (A II 1). sein ton hatte etwas unsicheres, zitterndes Göthe 21, 308
W. (A II 2).
nach A II 3
ff.: das unsichere des urtheils, des verfahrens, der haltung, existenz, des mittels, der dämmerungsbeleuchtung
u. s. f. ich geb auch wieder, was ich unrecht hab, sicher und unsicher (
was als unrecht nachzuweisen oder auch nur zu vermuthen ist; vgl. un
sp. 26, 3; unsicher A II 7)
urk. (1445)
bei Haltaus 1686. mancher förcht ... das sicher und unsicher (
so gut wie alles; sp. 26, 3; A II 8) Lehmann
florileg. 1, 252; das sichre für das unsichre nehmen Göthe 18, 370
W.; Staub-Tobler 7, 177; es läszt sich mit der hülfe des unsicheren ganz gut hier leben Mozart
bei Jahn 3, 139. so sehr war Schiller noch 1795 über die richtung, die er ... nehmen wollte, im unsicheren Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 419;
vgl. sicher 8 e, im ungewissen; jemand im unsichern lassen,
nl. iemand in het onzekere laten (
wb. 10, 2231). —