ungunst,
f. (
m.),
i. a. gth. von gunst.
ahd. nur ununst;
mhd. mnd. ungunst,
mnd. auch m. und ungunste,
f.; mnl. ongonst(e), ongunste
neben ononste, wangonste;
nl. ongunst
neben wangunst.
entlehnt dän. ugunst,
schwed. ogunst. Staub-Tobler 2, 377;
els. wb. 1, 227
wohl vergunst
und miszvergunst,
nicht u.;
lux. 316
b onggönschtech,
nicht onggonscht.
vgl.aber-, ab-, misz-, ver-, wahngunst,
mhd. âgunst,
ahd. mhd. âbunst, âbanst, urbunst.
das schriftsprachlich veraltete m. u. a. bei Frisius, Apherdianus, Hulsius-Ravellus, Wiederhold, Staub-Tobler (1765). ungonst Frisius, Wurstisen, Fischart.
plur. (
in ä. zeit auch umgelautet)
in präpositionsverbindungen: mit ungunsten H. v. Cronberg,
in ungünsten Schaidenreiszer, in ungunsten Harsdörffer,
zu ungunsten
s. unten 2. 11)
nichtgestattung, nichtbegünstigung, nichtförderung, unwillfährigkeit, mangel an begünstigung oder förderung, parteilichkeit u. dgl.: u. erzeigen
pollicem convertere Dentzler; Bode
Montaigne 4, 331; keinen u. brauchen
österr. weist. 5, 1, 37, 44; werffend wir unser widerparthie in des richters u. Riederer a 8
b; u. haben zu Fronsperger
kriegsb. 1, c 3
b; nicht ansehen ... gunst noch u. 1, a 6
b; mit gunst oder u. behandeln Göthe II 4, 120, 27
W., vgl. 4; mehr u. als beförderung finden
acta publ. 8, 20
Palm; u. beweisen (
vgl. 3) Ranke 2, 95.
mit schwach empfundener, bes. in n. spr. undeutlicher personification: alle ding under des gelückes gunst und ungunste geregiert werden
N. v. Wyle
transl. 57, 4
Keller; pol. maulaffe 261; u. des geschickes Schubart
briefe 1, 3, tages Laube 1, 201, meeres Freytag 16, 117
u. s. w. vgl. 2. 22)
beeinträchtigung, benachtheiligung, nachtheil, miszstand, schaden, übel, verkleinerung u. ä. (
vgl.ungnade I 3
und ungünstigkeit): Lexer 2, 1894; allin wedirwillen und u. abstellen (1488)
lehnsurk. Schles. 1, 460; was im u., schaden odder fahr bringen mochte Luther 32, 304, 14
W.; zuodem hat das hus groszen u., ufsatz von den papstler uf sich geladen Kessler
sabb. 3.
in n. spr. viel schwächer (
vgl. ungünstig 5,
defaveur bei Campe
verd. wb. 1813, 250
a): trotz innerer und äuszerer u.
ungünstiger voraussetzungen, bedingungen, umstände, verhältnisse Göthe 7, 180
W.; dazu trat noch eine andre u., alle deutschen sprachen erfuhren lautverschiebung J. Grimm
kl. schr. 1, 338; u. zu erfahren haben Heine 6, 314; unter der u. der kirchenlehre (
sie stand im wege)
handwb. d. staatswiss. 4, 1031.
kaum personificiert: durch des himmlischen gewitters u. Hohberg
georg. 2, 8, des wetters Alexis
hosen 1, 102, klimas Stöckhardt
chem. feldpred. 1, 122
u. s. w.; vgl. ungnade I 2.
beliebt: u. der verhältnisse Schubart
briefe 1, 34, ereignisse Göthe IV 42, 7
W.; des locals
M. Meyr
aus d. Ries 1, 318, seiner lage Meinecke
Boyen 1, 254
u. ä.; Vischer
ästhetik 3, 3, 675; Treitschke
aufsätze 1, 196. zu gunsten
entsprechend: dasz sie mir das nicht zu ungunsten (
häufiger zu meinen u.) deuten mögen H. Beck
verirrung ohne laster 113;
dafür selten zur ungunst Gutzkow
zauberer 9, 14,
vgl.zur gunst; der kunst, mit der solches geschehen, will ich nicht zu ungunsten sprechen Göthe IV 23, 212, 22
W.; IV 23, 198, 8
W.; was sich .. zu ungunsten der arbeit sagen liesz IV 13, 227, 9
W.; IV 29, 124, 9
W.; 29, 147
W.; 42
1, 252
W.; wenn die entscheidung .. zu ungunsten der Römer fiel Mommsen
röm. gesch. 5, 42. 33)
mit berücksichtigung der gefühlswirkung auch miszliebigkeit, miszcredit, miszfallen, unwillen, unzufriedenheit, ärger u. ä. (
vgl.ungnade I 4): ausz hertzlicher, grundlicher gunst zu Christo und u. auff unsz selbs die sund betrachten, das ist rechte rew Luther 7, 361, 5
W.; u. und miszfallen vermeiden Eberlin v. Günzburg 1, 48
neudr.; Frisius 618
a; mit iedermanns u. Franck
chron. G. (1538) 145
a; doch dasz kein ungunst uns drausz wachs, bitt samt sein spilleuten Hans Sachs H. Sachs 21, 75, 16; 14, 71, 20
G.; odium Boltz
Terenz 106
b; ein u. schöpffen Ryff
spiegel d. gesundheit cc 4
b, machen Sachs 14, 136, 3
G., u. auf sich bringen Waldis 1, 33
Kurz, laden Bentzius
päpstl. chron. 331, erlangen, überkommen, fassen
u. s. f.; der gantze u. fiel auff die Gasconier Wurstisen
P. Ämilij hist. 1, 103; man hat u. von den professoren Schoch
stud. leben l m 2
a;
unbeliebtheit Göthe
gespräche 7, 274; die miszstimmung und u. des publicums Hebbel I 12, 11.
in präpositionsverbindungen (
vgl. in, mit, zu ungnaden): ewer vest werde ... mir mit ungünsten ... wider mich sich nit bewegen lassen H. v. Cronberg 94
ndr.; zu u. bewegt Xylander
Plut. 72
b (
vgl.zu ungleichem bewegen); in kainen ungünsten annemen Schaidenreiszer
Od. vorr. 2
a, aufnehmen Ettner
unwürdiger doctor 301,
veraltet; die ballette sind, besonders bey hofe, dergestalt in ungunst, dasz Göthe IV 22, 472
W.; Görres 1, 257; in u. gerathen Dahlmann
gesch. von Dännemark 2, 96; Gervinus
gesch. d. d. dicht. 2, 12. 44)
mangel an zuneigung oder geneigtheit, vielfach mit ungnade sich begegnend, dessen verbindungen einwirken. offensa u. und ungnad gegen eim Frisius 911
a,
disgrace Spanutius 224;
i. a. bezieht man heute das verbalabstractum u.
eher auf affect als auf gesinnung (etwas mit ausgesprochener u. behandeln,
nicht mit ungnade; Logau 594, 11), ungnade
ist also stärker; vgl. défaveur
und disgrâce.
über das verhältnis zu ab-, miszgunst
s. c. 4@aa)
heute nicht mehr in alter begriffstärke für bosheit, grausamkeit, feindseligkeit, hasz, neid, zorn, übelwollen, miszgunst, widerwillen u. s. w. (
vgl.ungnade II 1): Lexer 2, 1895;
mnd. wb. 5, 58
a;
mnl. wb. 5, 763; J. Grimm
rechtsalt. 1, 22; niemant woll sich zu myr hass odder u. vorsehen Luther 6, 478
W.; Fischart
d. gelehrten die verk. 1675;
Amadis 1, 240
K.; Weckherlin 1, 160, 21; Eccard
bei Fischer-Tümpel 1, 85. 4@bb)
in ursprünglich rechtlichem sinne, an der entwicklung von ungnade II 2 a
und c
theilnehmend: Friedberger urkb. 1, 215;
lehnsurk. Schles. 1, 460; und entgingk alszo seiner u. und stroffunge
Hedwigleg. (1504) d 4
a; bei u. P. Fleming
d. gedichte 1, 153; mit u. Moscherosch
gesichte 1, 87; sich ergeben in des kaysers gnad und u. Montanus 521
B.; dasz am königlichen hofe allerlei ungonsts auff ihn fiel Wurstisen
P. Ämilij hist. 2, 175; Logau 396, 2, 10, 14; in ungunsten kommen Harsdörffer
gesprechsp. 2, 193 (ungunstblick Francisci
traursaal 3, 96); jemanden in u. setzen Hahn
reichshist. 1, 262; die herrin warf darüber grosze u. auf den grafen (
vgl. 3) Uhland
schriften z. gesch. d. dicht. u. sage 2, 104.
in n. spr. meist verwischt: da der fremde leicht u. erleidet, wenn der einheimische vor seiner obrigkeit gegen sie klagbar ward Niebuhr
röm. gesch. 3, 339 (
vgl. 2); einen die u. der staatsgewalt empfinden lassen Ranke 38, 244; zeichen persönlicher u. 8, 142; in u. stehen bei H. Grimm
Michelangelo 2, 204; Bauernfeld 3, 156.
angewendet auf liebe (Sachs 9, 85, 12
K.; Weckherlin 1, 242, 110; Rückert 9, 296)
und auf gott, götter, göttliches (Luther 18, 482, 31
W.; 19, 560, 13
W.; R. Wagner 6, 106). 4@cc)
verallgemeinert: euwer (
der leser u. zuhörer) u. zuo vermeiden Wickram 2, 122, 22; Stainhöwel
Äsop 343; Schupp (1663) 61; ein system ..., das er ... mit der u. eines entschiedenen Leibnitzischen deismus betrachtet hatte
M. Mendelssohn 1, 99; Fouqué
bildersaal 1, 37; Göthe 45, 179, 19
W.; 41
1, 162, 20
W.; ungünstige einwirkung 44, 266, 8
W., auslegung Voss
antisymb. 1, 351;
ausdruck des mangels an wohlwollen Stifter 14, 30;
übelwollen O. Jahn
Mozart 2, 22. abgunst (Weigand
syn. 3, 875)
und miszgunst (Rückert
weisheit d. brahm. [1836] 2, 31)
sind heute stärker als das zum eulogismus geeignete ungunst;
noch Stieler 684
setzte sie gleich. 55)
persönlich, bildlich, sprichwörtlich, sentenziös: kein corpus juris darff man nicht, wo gunst und ungunst urthel spricht Logau 230, 28; der gunst und u. zimmer 382; das lächeln der gunst oder u. (
vgl. 1) Klinger 11, 152; felsen der u. W. Spangenberg 2, 274
Dähnhardt; u. ein sich fressen
M. Eccard
bei Fischer-Tümpel 1, 85; lasz dein ungunst von uns traben R. Weinheimer
bei Fischer-Tümpel 3, 256; das gefäsz der allgemeinen u. Nietzsche I 2, 318; Scherer
kl. schr. 1, 684; so mir der grosz u. nit so hefftig auff dem halsz lege Parac. 1, 225
B.; u. auf sich, auf den hals laden
u. dgl. s. 3; klaffen (viel reden, schwätzen, waschen, plaudern
u. s. w.) bringt u. Franck
sprüchw. (1541) 2, 87
b; Wander 4, 439, 101; Husemann 81; Schumann
nachtb. 196
B.; Kirchhofer 177; Eyering 1, 232; Voigtländer
oden 74, 16; Wille 135; gunst und u., has und gnad, gedeien und verderben stehet alles auff einem radt Fr. Wilhelm
sprichw. reg. d
β 33; u. und neid macht kriegen Fischart
Dom. leben 159
Kurz; Wander 4, 1460.