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ungunst

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungunst f.

Bd. 24, Sp. 1036
ungunst, f. (m.), i. a. gth. von gunst. ahd. nur ununst; mhd. mnd. ungunst, mnd. auch m. und ungunste, f.; mnl. ongonst(e), ongunste neben ononste, wangonste; nl. ongunst neben wangunst. entlehntn. ugunst, schwed. ogunst. Staub-Tobler 2, 377; els. wb. 1, 227 wohl vergunst und miszvergunst, nicht u.; lux. 316b onggönschtech, nicht onggonscht. vgl.aber-, ab-, misz-, ver-, wahngunst, mhd. âgunst, ahd. mhd. âbunst, âbanst, urbunst. das schriftsprachlich veraltete m. u. a. bei Frisius, Apherdianus, Hulsius-Ravellus, Wiederhold, Staub-Tobler (1765). ungonst Frisius, Wurstisen, Fischart. plur. (in ä. zeit auch umgelautet) in präpositionsverbindungen: mit ungunsten H. v. Cronberg, in ungünsten Schaidenreiszer, in ungunsten Harsdörffer, zu ungunsten s. unten 2. 11) nichtgestattung, nichtbegünstigung, nichtförderung, unwillfährigkeit, mangel an begünstigung oder förderung, parteilichkeit u. dgl.: u. erzeigen pollicem convertere Dentzler; Bode Montaigne 4, 331; keinen u. brauchen österr. weist. 5, 1, 37, 44; werffend wir unser widerparthie in des richters u. Riederer a 8b; u. haben zu Fronsperger kriegsb. 1, c 3b; nicht ansehen ... gunst noch u. 1, a 6b; mit gunst oder u. behandeln Göthe II 4, 120, 27 W., vgl. 4; mehr u. als beförderung finden acta publ. 8, 20 Palm; u. beweisen (vgl. 3) Ranke 2, 95. mit schwach empfundener, bes. in n. spr. undeutlicher personification: alle ding under des gelückes gunst und ungunste geregiert werden N. v. Wyle transl. 57, 4 Keller; pol. maulaffe 261; u. des geschickes Schubart briefe 1, 3, tages Laube 1, 201, meeres Freytag 16, 117 u. s. w. vgl. 2. 22) beeinträchtigung, benachtheiligung, nachtheil, miszstand, schaden, übel, verkleinerung u. ä. (vgl.ungnade I 3 und ungünstigkeit): Lexer 2, 1894; allin wedirwillen und u. abstellen (1488) lehnsurk. Schles. 1, 460; was im u., schaden odder fahr bringen mochte Luther 32, 304, 14 W.; zuodem hat das hus groszen u., ufsatz von den papstler uf sich geladen Kessler sabb. 3. in n. spr. viel schwächer (vgl. ungünstig 5, defaveur bei Campe verd. wb. 1813, 250a): trotz innerer und äuszerer u. ungünstiger voraussetzungen, bedingungen, umstände, verhältnisse Göthe 7, 180 W.; dazu trat noch eine andre u., alle deutschen sprachen erfuhren lautverschiebung J. Grimm kl. schr. 1, 338; u. zu erfahren haben Heine 6, 314; unter der u. der kirchenlehre (sie stand im wege) handwb. d. staatswiss. 4, 1031. kaum personificiert: durch des himmlischen gewitters u. Hohberg georg. 2, 8, des wetters Alexis hosen 1, 102, klimas Stöckhardt chem. feldpred. 1, 122 u. s. w.; vgl. ungnade I 2. beliebt: u. der verhältnisse Schubart briefe 1, 34, ereignisse Göthe IV 42, 7 W.; des locals M. Meyr aus d. Ries 1, 318, seiner lage Meinecke Boyen 1, 254 u. ä.; Vischer ästhetik 3, 3, 675; Treitschke aufsätze 1, 196. zu gunsten entsprechend: dasz sie mir das nicht zu ungunsten (häufiger zu meinen u.) deuten mögen H. Beck verirrung ohne laster 113; dafür selten zur ungunst Gutzkow zauberer 9, 14, vgl.zur gunst; der kunst, mit der solches geschehen, will ich nicht zu ungunsten sprechen Göthe IV 23, 212, 22 W.; IV 23, 198, 8 W.; was sich .. zu ungunsten der arbeit sagen liesz IV 13, 227, 9 W.; IV 29, 124, 9 W.; 29, 147 W.; 421, 252 W.; wenn die entscheidung .. zu ungunsten der Römer fiel Mommsen m. gesch. 5, 42. 33) mit berücksichtigung der gefühlswirkung auch miszliebigkeit, miszcredit, miszfallen, unwillen, unzufriedenheit, ärger u. ä. (vgl.ungnade I 4): ausz hertzlicher, grundlicher gunst zu Christo und u. auff unsz selbs die sund betrachten, das ist rechte rew Luther 7, 361, 5 W.; u. und miszfallen vermeiden Eberlin v. Günzburg 1, 48 neudr.; Frisius 618a; mit iedermanns u. Franck chron. G. (1538) 145a; doch dasz kein ungunst uns drausz wachs, bitt samt sein spilleuten Hans Sachs H. Sachs 21, 75, 16; 14, 71, 20 G.; odium Boltz Terenz 106b; ein u. schöpffen Ryff spiegel d. gesundheit cc 4b, machen Sachs 14, 136, 3 G., u. auf sich bringen Waldis 1, 33 Kurz, laden Bentzius päpstl. chron. 331, erlangen, überkommen, fassen u. s. f.; der gantze u. fiel auff die Gasconier Wurstisen P. Ämilij hist. 1, 103; man hat u. von den professoren Schoch stud. leben l m 2a; unbeliebtheit Göthe gespräche 7, 274; die miszstimmung und u. des publicums Hebbel I 12, 11. in präpositionsverbindungen (vgl. in, mit, zu ungnaden): ewer vest werde ... mir mit ungünsten ... wider mich sich nit bewegen lassen H. v. Cronberg 94 ndr.; zu u. bewegt Xylander Plut. 72b (vgl.zu ungleichem bewegen); in kainen ungünsten annemen Schaidenreiszer Od. vorr. 2a, aufnehmen Ettner unwürdiger doctor 301, veraltet; die ballette sind, besonders bey hofe, dergestalt in ungunst, dasz Göthe IV 22, 472 W.; Görres 1, 257; in u. gerathen Dahlmann gesch. von Dännemark 2, 96; Gervinus gesch. d. d. dicht. 2, 12. 44) mangel an zuneigung oder geneigtheit, vielfach mit ungnade sich begegnend, dessen verbindungen einwirken. offensa u. und ungnad gegen eim Frisius 911a, disgrace Spanutius 224; i. a. bezieht man heute das verbalabstractum u. eher auf affect als auf gesinnung (etwas mit ausgesprochener u. behandeln, nicht mit ungnade; Logau 594, 11), ungnade ist also stärker; vgl. défaveur und disgrâce. über das verhältnis zu ab-, miszgunst s. c. 4@aa) heute nicht mehr in alter begriffstärke für bosheit, grausamkeit, feindseligkeit, hasz, neid, zorn, übelwollen, miszgunst, widerwillen u. s. w. (vgl.ungnade II 1): Lexer 2, 1895; mnd. wb. 5, 58a; mnl. wb. 5, 763; J. Grimm rechtsalt. 1, 22; niemant woll sich zu myr hass odder u. vorsehen Luther 6, 478 W.; Fischart d. gelehrten die verk. 1675; Amadis 1, 240 K.; Weckherlin 1, 160, 21; Eccard bei Fischer-Tümpel 1, 85. 4@bb) in ursprünglich rechtlichem sinne, an der entwicklung von ungnade II 2 a und c theilnehmend: Friedberger urkb. 1, 215; lehnsurk. Schles. 1, 460; und entgingk alszo seiner u. und stroffunge Hedwigleg. (1504) d 4a; bei u. P. Fleming d. gedichte 1, 153; mit u. Moscherosch gesichte 1, 87; sich ergeben in des kaysers gnad und u. Montanus 521 B.; dasz am königlichen hofe allerlei ungonsts auff ihn fiel Wurstisen P. Ämilij hist. 2, 175; Logau 396, 2, 10, 14; in ungunsten kommen Harsdörffer gesprechsp. 2, 193 (ungunstblick Francisci traursaal 3, 96); jemanden in u. setzen Hahn reichshist. 1, 262; die herrin warf darüber grosze u. auf den grafen (vgl. 3) Uhland schriften z. gesch. d. dicht. u. sage 2, 104. in n. spr. meist verwischt: da der fremde leicht u. erleidet, wenn der einheimische vor seiner obrigkeit gegen sie klagbar ward Niebuhr m. gesch. 3, 339 (vgl. 2); einen die u. der staatsgewalt empfinden lassen Ranke 38, 244; zeichen persönlicher u. 8, 142; in u. stehen bei H. Grimm Michelangelo 2, 204; Bauernfeld 3, 156. angewendet auf liebe (Sachs 9, 85, 12 K.; Weckherlin 1, 242, 110; Rückert 9, 296) und auf gott, götter, göttliches (Luther 18, 482, 31 W.; 19, 560, 13 W.; R. Wagner 6, 106). 4@cc) verallgemeinert: euwer (der leser u. zuhörer) u. zuo vermeiden Wickram 2, 122, 22; Stainhöwel Äsop 343; Schupp (1663) 61; ein system ..., das er ... mit der u. eines entschiedenen Leibnitzischen deismus betrachtet hatte M. Mendelssohn 1, 99; Fouqué bildersaal 1, 37; Göthe 45, 179, 19 W.; 411, 162, 20 W.; ungünstige einwirkung 44, 266, 8 W., auslegung Voss antisymb. 1, 351; ausdruck des mangels an wohlwollen Stifter 14, 30; übelwollen O. Jahn Mozart 2, 22. abgunst (Weigand syn. 3, 875) und miszgunst (Rückert weisheit d. brahm. [1836] 2, 31) sind heute stärker als das zum eulogismus geeignete ungunst; noch Stieler 684 setzte sie gleich. 55) persönlich, bildlich, sprichwörtlich, sentenziös: kein corpus juris darff man nicht, wo gunst und ungunst urthel spricht Logau 230, 28; der gunst und u. zimmer 382; das lächeln der gunst oder u. (vgl. 1) Klinger 11, 152; felsen der u. W. Spangenberg 2, 274 Dähnhardt; u. ein sich fressen M. Eccard bei Fischer-Tümpel 1, 85; lasz dein ungunst von uns traben R. Weinheimer bei Fischer-Tümpel 3, 256; das gefäsz der allgemeinen u. Nietzsche I 2, 318; Scherer kl. schr. 1, 684; so mir der grosz u. nit so hefftig auff dem halsz lege Parac. 1, 225 B.; u. auf sich, auf den hals laden u. dgl. s. 3; klaffen (viel reden, schwätzen, waschen, plaudern u. s. w.) bringt u. Franck sprüchw. (1541) 2, 87b; Wander 4, 439, 101; Husemann 81; Schumann nachtb. 196 B.; Kirchhofer 177; Eyering 1, 232; Voigtländer oden 74, 16; Wille 135; gunst und u., has und gnad, gedeien und verderben stehet alles auff einem radt Fr. Wilhelm sprichw. reg. d β 33; u. und neid macht kriegen Fischart Dom. leben 159 Kurz; Wander 4, 1460.
8644 Zeichen · 303 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ungunststf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    ungunst stf. misgeschik. mîn herze dir ungünste giht W. Wh. 30,30.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ungunstM., F.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    ungunst , M., F. nhd. Ungunst, Unwillen, Missgunst, Missfallen, Übelwollen, Hass, Ungnade, Missbehagen, Unzufriedenheit,…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungunst

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Ungunst , plur. car. der Gegensatz der Gunst, thätige Abwesenheit der Neigung, andern Gutes zu erweisen, wo es ein g…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Ungunst

    Goethe-Wörterbuch

    Ungunst [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    Ungunst

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    Ungunst Band 2, Spalte 377 Ungunst 2,377

  6. Sprichwörter
    Ungunst

    Wander (Sprichwörter)

    Ungunst 1. Niemand kan Vngunst allezeit meyden. – Lehmann, II, 428, 110. 2. Wo man nicht will vngunst verdienen, da gehe…

  7. Spezial
    Ungunst

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Un|gunst f. (-) 1 desvantaje (-ji) m. , desfavur (-s) m. 2 (Nachteil) dann m. ▬ zu Ungunst en en desfavur; a dann (de).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungunst

10 Bildungen · 9 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von ungunst

un- + gunst

ungunst leitet sich vom Lemma gunst ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungunst 2 Komponenten

ung+unst

ungunst setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungunst‑ als Erstglied (9 von 9)

ungunstec

Lexer

un-gunstec , un-gunstic adj. misgünstig, übelwollend, infavorabilis Dfg. 296 c . wirt man im ung. Msh. 3,66 b ; ungünstig, -glücklich, infau…

ungunsten

Lexer

un-gunsten swv. übelwollend, mürrisch sein, sich verdriessen lassen. nit ungunste, ob die speise etwas geprestens habe Br. 25 a .

ungunstic

KöblerMhd

ungunstic , Adj. Vw.: s. ungünstic

ungunstlīcheit

KöblerMhd

ungunstlīcheit , st. F. nhd. Ungünstigkeit ÜG.: lat. infavorabilitas Gl Q.: Gl (15. Jh.?) E.: s. ungünstlich, *heit? (2) W.: nhd. DW- L.: Le…

Ableitungen von ungunst (1 von 1)

ungunste

KöblerMnd

ungunste , F. nhd. „Ungunst“, Missgunst, Übelwollen, Hass, Ungnade Hw.: s. ungunst; vgl. mnl. ongonste E.: s. un... (1), gunst W.: s. nhd. U…