zu Präp.,
Adj.,
Adv.,
Konj.: 1. Präp. a. lokal, räumlich, kennzeichnet das Ziel, die Lage oder den Ort,
zu (dsū) [verbr., Christmann Kaulb 28 Mang 138 Lambert Penns 184 Krämer Gal 248], unbetonte und abgeschwächte Formen und Kontraktionen
s. F.; Zs.: darauf-, da-, hinaus-, hintig-, heim-, herauf-, herunterzu;
se Speier 'in Speyer' [PfId. 131];
zum Finschter nausgucke [Krämer Gal 248].
Kumm zu mer! [KL-H'spey].
Sie gehn zum Friseer [NW-Gimmdg].
Gehsch de zu ehr? [KL-Alsbn]. In Verbindung mit Namen Kontraktion:
zu's <
zu es, z. B.:
Geh niwwer zu's Kunze [Kröher Lyoner 27].
Der Hund keert (gehört)
zus Beidelmanns [Lambert Penns 185]. RA.:
zu sich kumme 'das Bewußtsein wiedererlangen' [KU-Kaulb].
Er geht schun lang zu re 'Er hat schon länger ein Verhältnis mit ihr' [LA-Nd'hochstdt].
Er geht zu de Hand 'Er hilft' [LU-Alsh]. — b. temporal, zeitlich, kennzeichnet einen Zeitpunkt, eine Zeitspanne [verbr.]; Zs.: ab-und-zu;
zu de Oschdere [KL-Stelzbg].
Zu meiner Zeit hat's des noch net gebb [Kaislt]. Wend.:
se gurer Letscht 'am Ende, schließlich' [Schandein Bav. IV,2 259, Lambert Penns 99]. — c. modal, instrumental, kennzeichnet die Art und Weise, das Mittel [verbr.];
zu Fuß gehe [Krämer Gal 248].
Des is net zu meim Vordel (Vorteil) [KL-Dansbg]. —
d. relational, bei Zahlen, Mengen, Verhältnissen [verbr.];
ze zwett 'zu zweien' [Schandein Ged. 253];
se Hunnerde 'sehr viele' [KL-Ottb].
Mer waren se dritt [NW-Gimmdg].
De Betze hat drei zu zwää verlor [Kaislt].
An de Hanauerstroß war'n als bis zu zwäähunnert junge Leit [Kröher Lyoner 24]. — e. kausal, kennzeichnet den Grund, Zweck [verbr.];
nor zum Vergnieje [KL-Ottb].
Des is zum Esse [Kaislt].
Der giddem uf se rore 'Er gibt im zu raten auf' [LA-Nußd]. RA.:
grad se Lääd nit 'gerade zum Trotz nicht' [Kaislt].
's isch zum Kreische (Kinnerkriehe, Verricktwerre, Devuulaafe) usw. 'Die Situation ist grotesk, unerträglich' [Bergz, verbr.].
Er kummt zu nix 'Er erreicht (wirtschaftlich) nichts' [KU-Schmittw/O].
Er kummt net ze Strääch, dass. [FR-Grünstdt]. —
f. final, kennzeichnet das Ergebnis, das Ziel [verbr.];
Eiweiß zu Schnee schlaa [Kaislt].
Die fascht weiße Hoor zu änrer Drull 'Haarknoten'
geflocht [Kröher Lyoner 35]. Drohung:
Wann de ufmuckscht, schlaa ich dich zu Brei [KL-Miesb]. — 2.
Adj., nur attrib. 'nicht offen, geschlossen' [verbr.];
e zuunie (dsūnī) Deer 'eine
[] geschlossene Tür' [Hussong Kirkel 181, mancherorts];
e zueni (dsūəni) Flasch [GH-Westh];
e zueneʳ (dsūənəʳ) Kaschde [Kaislt];
en zuner Wajje (Wagen) [Lambert Penns 185].
Er hot 'n zuene (dsūənə) Hals [NW-Kallstdt]. Der Geizige hat
e zuni Hand [FR-Bockh];
vgl. zuig, zunig. — 3.
Adv. a. 'über oder unter dem normalen Maß';
zu (se) viel (wenich, groß, klää, deier, spät) [KL-Ottb].
Das is mer zu joker 'zu teuer' [KU-Adb].
Er wollt zu gern 'überaus gern'
aa emol debei seiⁿ [NW-Dürkh]. RA.: für geistige Abnormalität, Verrücktheit:
Er (Sie) hat en Sparre (en Sprosse, e Rädche) zu viel (zu wenig) [ZW-Gr'bundb, verbr.]. SprW.:
Zu spitz stecht nit un zu scharf schneidt nit [Kamm 86, mancherorts].
Zu gut is Nochbersch Narr [mancherorts Gal]. — b. 'nach, auf etwas zu', von Bewegungsrichtungen [vereinzelt].
Uf de Hof zu hat 's Haus kää Fenschder [Kaislt].
Vun de Atzelbach bis hinnenaus, gäje die Manne-Dell zu [Kröher Lyoner 17]. RA.:
Lossen zum Deiwel zu fahre! [LA-Impfl, KU-Kaulb]. a. 1547:
vnnd das Alment vber zur Marckaichen zue [ZweibrOABannb. 51]. — c. 'geschlossen' [verbr.], häufig elliptisch.
Deer zu! [Kaislt].
Die Poscht isch zu [ZW-Battw].
Ich bin zu, bei verstopfter Nase, zugeschwollenem Hals [KL-Weilb, mancherorts].
De Himmel is zu 'wolkenverhangen' [NW-Frankeck].
Das Faß is zu 'dicht' [RO-Schweisw, vereinzelt NWPf]. RA.:
's Säckche is zu 'Es gibt nichts' [RO-Schweisw].
Er is zu 'völlig betrunken' [vereinzelt, Glass 136]. a. 1590:
Wann die Wiesen offen vnd widerumb Zu sein sollen [ZweibrUrkb. 151]. a. 1607:
Sonsten Sollen die Wäld Zu Vnd Verbotten sein [Kurpf. 1648
2 (NW-Wachh)]. — 4.
Konj. [verbr.].
's is nix se heere [KL-Ottb].
Mer hen nix se du 'nichts zu tun' [Lambert Penns 148]. RA.:
Nix se mache 'Da ist nichts auszurichten' [Kaislt].
Der hat Fieß, for Pädcher se trede, breite Füße [Kaislt]. SprW.:
Wemm net se rode is, demm is net se helfe [mancherorts, auch Don Gal Buch].
De Fisch fangt am Kopp an se stinke [Gal-Dornf]. —
F.: Das Wort wird je nach Stellung im Satz oder nach Funktion in abgeschwächten Formen verwendet:
ze (dsə), se (sə). Abschwächung findet sich besonders in unbetonter Stellung oder bei der Verwendung als Konjunktion. Daneben gibt es nicht selten eine Abschwächungsform
so (sō, so) [mancherorts, Heeger Südostpf. 20],
sou (sǫu) [LA-Nd'hochstdt BZ-Mühlhf],
z. B.:
Der hot 'n Sparre so viel 'Er ist verückt' [BZ-Eußth]. In Verbindung mit unbetonten Artikeln, Pronomen erfolgt oft Kontraktion:
zum <
zu ihm, zu dem; zume <
zu einem; zu(e)re <
zu ihr, zu einer. — Rhein. IX 836 ff.; Lothr. 560/61; Els. II 888/89; MRhSA I 36.