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zwei

ahd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zwei zahlw.

Bd. 32, Sp. 972
zwei, zahlw. , indogerm. wort, got. twai, twos, twa; ahd. zwêne, zwâ und zwô, zwei; mhd. zwêne, zwô und zwâ, zwei; as. twêne, twô und twâ, twê; mnd. twē; ags. twǣʒen und twēʒen, twā, tū und twā; afries. twēne, twā, twā; anord. tveir, tvǣr, tvau (selten tvā und tū = aschwed. tū). die idg. grundform zeigt nach Kretschmer zs. f. vgl. sprachforschg. 31, 451 f. anm.; Wackernagel altind. gr. 3, 341 f. ursprünglich nur den nackten stamm *d(u)o in gr. δύο; armen. erko-tasan 'zwölf'; got. usw. wit 'wir beide' aus *wi-da (auch nach Kluge urgermanisch 250 f. im got. neutrum twa und in twalif 'zwölf'?); noch voreinzelsprachlich ist diese form dualisch flektiert worden: ai. d(u)vā, d(u)vau, fem. und neutr. d(u)ve; gr. δύω, lat. duo, aksl. dъva, fem. und neutr. dъvě, näheres s. bei Brugmann grundrisz 2, 1, 8 ff., Walde-Pokorny 1, 817 f. das germanische zeigt an dualformen den dativ got. twaim usw. (vgl. av. dvaēibya, lit. dviẽm, aksl. dъvěma), den genetiv got. twaddje usw. (doch mit anfügung der pluralischen kasusendung gegenüber aind. d(u)váyoḥ), den nom. neutr. in ags. twā, afries. twā, as. twē (gleich aind. d(u)vé, apreusz. dwai, aksl. dъvě) sowie in aschw., ags.aus dem mask. idg. *d(u)ō, vielleicht auch in got. usw. twai, wenn dies eine ursprüngliche neutralform gewesen ist. im übrigen gewinnt in allen germ. sprachen der plural der pronomina und adjectiva starken einflusz auf die formen von zwei. vgl. auszer dem genannten noch Meringer zs. f. vgl. sprachforsch. 28, 234 ff., van Helten idg. forsch. 18, 87 ff. II. zur geschichte der einzelnen formen. I@11) masculinum. got. twai ist entweder eine pluralbildung nach pronominaler art oder auf die idg. dualform dai, doi, f. und n. zurückzuführen, die in anlehnung an þai zum masc. gemacht wurde (vgl. Bethge bei Dieter laut- u. formenlehre 561; Hirt idg. forschungen 12, 238; van Helten idg. forschg. 18, 87). ahd. zwêne ist eine neubildung aus der idg. grundform doino-, das zu erwartende *zweine wurde in anlehnung an *zwê, der lautgesetzlichen entsprechung von got. twai, zu zwêne (vgl. Brugmann distr. und koll. num. 24). vom 12. jh. ab erscheinen in analogie zu den ei-formen des zahlworts vereinzelte zweine: graf Rudolf 22, 39; weist. (v. j. 1320) 1, 667; codex Tepl. 1, 949 Huttler; B. Ringwald tr. Eckart (1590) h 4b. seltener zwien: chron. d. dt. st. 2, 245. im 13. jh. wird zwêne zu zwên verkürzt: gên:zwên Lohengrin 1461 Rückert; Wolfram v. Eschenbach Parzival 603, 27; J. Enikel weltchronik 3656. im 15. jh. tritt zwêne bereits hinter zwên zurück (vgl. Stulz zs. f. dt. wortf. 2, 85). zwêne hält sich vom 16.-18. jh. hauptsächlich in Sachsen, Schlesien und bei dichtern aus dem nd. sprachgebiet. Bodmer und Breitinger brauchen zwêne, wenn das zahlwort absolut steht, ebenso regelt Gottsched sprachkunst (1762) 270 den gebrauch von zwên und zwêne. trotzdem verschwindet zwêne in der 2. hälfte des 18. jh. aus der deutschen literatursprache. späte belege: Hagedorn fabeln u. erz. (1752) 70; Kästner verm. schr. (1755) 1, 57. zween lebt einige jahrzehnte länger, es findet sich noch bei Klopstock, Herder, Voss und Schiller (vgl. Stulz 90 f.). in der poesie des 18. jh. wird zwen hier und da aus rhythmischen gründen zweisilbig gebraucht: du habest der ehre die fülle gehabt und zwen (l. zween) Homere mit einmal ertappt Klamer Schmidt poet. br. (1782) 66; zween Zamoraner ritter sind es von der ersten bravheit Herder 28, 457 S. im 19. jh. wird zween von dichtern bewuszt verwandt, um der sprache altertümlichen klang zu geben: Uhland w. (1898) 1, 264 u. ö.; Mörike ges. schr. 1, 158 Göschen. I@22) femininum. got. twos ist neubildung nach þos. twôs lebt im as. twô und in der ahd. nebenform zwô: ahd. gl. (8./9. jh.) 1, 447; Steinmeyer ahd. sprachdenkm. 223; immer bei Notker fort, die nicht so häufig wie zwâ belegt ist. die ahd. hauptform ist das nicht befriedigend erklärte zwâ. zwâ wird im mhd. nebenform. sie findet sich oft im bair. und md., seltener im alem. zwô herrscht als feminine hauptform bis zum ausgang des 18. jh., neben zwô gibt es ein diphthongiertes zwuo, es wird vom 12.-16. jh. besonders im alem. (Weinhold alem. gram. 306), im md. (Franck altfrk. gram. 214) und in Nürnberg bevorzugt (Dürer unterweisg. d. messg. [1525] a 4a). zwue für zwuo: Marienburger treszlerbuch 34 Joachim; E. v. Günzburg s. schr. 3, 224 ndr. zwuo wird zuerst im md. zu zwu monophthongiert: zwû nacht summa theol. 236 Waag; Marienburger treszlerbuch 10 Joach.; cod. Teplensis 25 Huttler; Hoffmann gesellschaftsl. 11 (Erfurt 1593). die form ist im 15. und 16. jh. in Nürnberg besonders häufig. später findet sich zwu auch im alem.: Arigo decamerone 13 lit. ver.; Spreng Ilias (1610) 32b. vereinzelt treffen wir zwu noch im 17. und 18. jh.: Eyering sprichw. 1, 172; Pistorius thes. paroem. (1715) 628. zwone (analog zu zweene) ist sehr selten belegt: Henneberg. urk.-buch 2, 90 Schöppach; Ossenfelder oden u. ld. (1753) 20. die hauptform zwo wird bis zum ende des 18. jh. im groszen ganzen regelmäszig für das femininum verwendet, sie verschwindet erst durch Adelungs neuordnung, die das n. zwei für alle geschlechter einführt. vereinzelte zwo im 19. jh.: Rückert w. (1867) 1, 293; Platen w. 1, 252. Storm braucht zwo im altertümelnden chronikstil: w. (1872) 3, 216; 224. im 20. jh. ist zwo von neuem lebendig geworden. um verwechslungen mit drei zu vermeiden, brauchte man zwo bei der befehlsübermittelung der artillerie vor dem kriege und während des weltkriegs an der front und heute durch amtliche bestimmung im fernsprechwesen, von dort setzt sich zwo weiter durch. I@33) neutrum. got. twa vielleicht gleich idg. *d(u)o in gr. δύο usw., s. o. sp. 972. die oft vertretene annahme, dasz twa auf einflusz der adjectivflexion beruhe, wird von Jellinek gesch. d. got. spr. 136 mit recht als bedenklich bezeichnet, da sonst nicht die adjectiva, sondern die pronomina das muster für die umgestaltung der formen von zwei abgegeben haben. ags. afries. twā, as. twē entsprechen dem idg. dual. neutr. *doi in aind. d(u)ve usw.; ahd. zwei vielleicht aus *twau aus der dualform twai mit der neutralen pluralendung u, vgl. dei. im md. treffen wir vereinzelt zwê statt zwei: B. v. Holle Crane 3465; Lamprecht Alexander 1545 K.; lehnsurk. u. besitzurk. Schles. (v. j. 1521) 2, 119. zu zwî verengt: Diemer dt. ged. d. 11. u. 12. jh. 245; formen mit gerundetem vokal: zwöi (15. jh.) Stretlinger chronik 48 Bächt.; zweu chron. d. dt. städte (15. jh.) 2, 327. I@44) verfall des geschlechts. die ältesten belege mit falsch gebrauchtem geschlecht stammen aus dem mhd.: zvei so hêrlichen scaren Lamprecht Alexander 3264 K.; zween donnen wînes (v. j. 1346) weist. 4, 385; zwu ratzbotschafftner (v. j. 1489) chron. d. dt. städte 25, 344. das mnd. verlor bereits die formen für das m. und f., das n. twe ersetzt sie (vgl. A. Lasch mnd. gram. 208). in Schlesien setzt sich das neutrum für alle geschlechter bis zum 17. jh. durch, Gryphius kennt nur zwei, in Sachsen gelten zur selben zeit noch zwei formen: m. zween; f. und n. zwei, vgl. Stulz 103. im obd. hingegen werden die drei geschlechter im 18. jh. im groszen ganzen noch deutlich unterschieden. durch diese sehr verschiedene stellung der literarisch wichtigen landschaften Deutschlands steigerte sich die unsicherheit im gebrauch der formen im 18. jh. immer mehr (vgl. Stulz 104 f.). die grammatiker kämpften für und gegen die einheitsform, der endgültig durch Adelung lehrgebäude 101; wb. 1, 568 zum siege verholfen wurde. durch seine regelung gilt zwei als hochdeutsche form für alle geschlechter. in den deutschen mundarten dagegen spiegeln sich heute noch ungefähr die verhältnisse des beginnenden 18. jh. I@55) genetiv. für den gen. gab es seit idg. zeit für alle geschlechter nur eine form. aus urgerm. *twaōm sind got. twaddje; an. tveggja; as. tweio; ahd. zweiio, zweio abzuleiten. schon im ahd. wird ein neuer gen. auf adjectivische art gebildet: zweiero manno Tatian 187. dieser setzt sich im mhd. durch. vom 15.-17. jh. begegnet einige male eine schwache form zweien, die in der stellung nach artikel gebraucht wird (vgl. Stulz 92 f.), der bis jetzt späteste beleg: Neumark poet.-musik. lustw. (1657) 1, 352. in nhd. zeit macht sich die tendenz bemerkbar, auch für den gen. formen einzuführen, die sich nach den geschlechtern unterscheiden. a) in anlehnung an zwen vereinzelt im 17., häufig im 18. jh. zwener: österr. weist. (v. j. 1674) 2, 281; J. J. Chr. Bode gesch. d. Th. Jones (1786) 1, 83; Braun dtsch. orthogr.-gram. wb. (1798) 221b; zweener wird hauptsächlich von dichtern gebraucht, die aus dem nd. sprachgebiet stammen, vielleicht liegt hier auch einflusz von nd. twener vor (vgl. Stulz 94). b) zu dem femininum zwo wird ein gen. zwoer gebildet, im 16. und 17. jh. finden sich die belege dafür nur vereinzelt, im 18. jh. sind sie nicht ganz so selten: L. Alberus teutsch gram. (1573) 63; Ph. Zesen jugendflammen (1651) 152; Herder 3, 10 S. vom 12. bis zum 18. jh. beherrscht zweier als hauptform das feld. I@66) dativ. die germ. grundform *twaimiz ist aus einem idg. dual- oder pluralinstrum. herzuleiten. got. twaim; an. tveim(r); ahd. zweim; as. twêm; ags. twǽm, twám. schon im 10. jh. erscheint zwein mit auslautendem n: ahd. gl. 1, 815 und gilt bald allgemein. md. zwên aus mhd. zeit ist aus -ei- abzuleiten: deutsche myst. 1, 87 Pf.; livl. reimchron. 8726 M. nhd. zwen kann nom. masc. sein, der in den dat. eingedrungen ist: Sebiz feldbau (1570) 6; Spreng Äneis (1610) 56a; Wieland Agathon (1766) 1, 5. im 13./14. jh. wird nach dem vorbild der adjectivflexion aus zwein zweien: zweihen Schwabenspiegel 9 Wackern.; zweien Eckhart buch der göttl. tröstunge 16 Strauch; Nürnberger polizeiordn. 70. selten erscheint zwien: chron. d. dt. städte (15. jh.) 3, 280; im 15. jh. ist zweien bereits die gebräuchlichere form (vgl. Stulz 91 f.). seit dem spätmhd. finden sich ähnlich wie beim gen. nebenformen. a) für das masc. zwenen und zweinen: mit zwenen fanen (v. j. 1382) chron. d. dtsch. städte 9, 774; Murner v. gr. luth. narren 186 W.; zweinen Arigo decamerone 605 lit. ver. im späten 16. und 17. jh. verschwinden die formen fast ganz, um im 18. jh. noch einmal in ein paar dutzend belegen aufzutauchen, vgl. Stulz 93 f. b) für das fem. zwoen und zwuen: dünn ziehen sich die belege durch das 16. und 17. jh.: zwoen Fischart Gargantua 58 ndr.; zwuen Eyering sprichw. (1601) 2, 329; zwoen S. v. Birken ostl. lorbeerhayn 24; zwoen Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 390. wie bei zwenen häufen sich diese formen im 18. jh., um dann ganz zu verschwinden. I@77) verfall der flexion. die md. dative zween aus dem 14. und 15. jh. können als formen mit kontrahiertem vokal gedeutet werden. die ersten belege, die den verfall der flexion sicher bezeugen, stammen aus dem 16. jh.: an zwo stangen Krüger H. Clawert 12 ndr.; den groszen zwo machten urkd. Maxim. I. 301 Chmel; vor zwey jaren Scheit Grobianus 3 ndr. im 17. jh. überwiegt die unflektierte form schon in Sachsen und Schlesien, in Oberdeutschland werden belege mit unflektiertem zwei häufiger (vgl. Stulz 99 f.), im 18. jh. gilt nach artikel und präposition bereits die unflektierte form. diesen brauch legt Gottsched sprachkunst (1762) 270 als erster in einer regel fest, er nimmt allerdings noch den dativ aus; durch Adelung wird zwei für alle casus als alleingiltig erklärt. im 18. und 19. jh. finden sich nur noch vereinzelte flektierte formen: zweien Tieck schr. (1828) 5, 440; Grillparzer s. w. 3, 74 Sauer; C. Harms pastoraltheol. (1834) 2, 34; Th. Storm w. (1872) 5, 42. heute ist zweier noch gebräuchlich, wenn die flexionsendung des zahlworts das einzige erkennungszeichen des casus ist, und zweien musz als dativ gesetzt werden, wenn auf das zahlwort kein dazugehöriges hauptwort folgt. in anlehnung an das seit dem ahd. gebräuchliche dreie (vgl. Behaghel deutsche syntax 1, 427) ist zweie gebildet worden. umgangssprachlich weit verbreitet, in der literatursprache nur ganz vereinzelt: er schlachte der opfer zweie Schiller 11, 288 G.; da ich nicht stoff genug habe für zwei briefe an zweie, die nur eins sind A. v. Droste-Hülshoff an Louise Schücking 290 Sch.; H. Hopfen der väter zweie (1898) (buchtitel). IIII. anwendung. II@11) zwei als glied der zahlenreihe bei abzählungen und aufzählungen (im weitesten sinn). II@1@aa) in einer längeren fortlaufenden abzählung: umme dy buinde sprechin wir, sint sy dar inne geseizchin haint ein jar, sveich, druo, seizhe odir cehinne, daz sy sy bilche behaldin (v. j. 1308) hess. urk.-buch 2, 104 W.-R.; (Annas dat sic pecuniam ...) se hin: ainen, zwen, drey, vier ... schauw, die pesten gib ich dir altdt. passionssp. aus Tirol 36 Wackernell. häufig in abzählreimen: een, twee, dree du büst free plattdt. kinderreime aus Schlesw.-Holst. (1908) 103. attributiv als eins und noch ein ebenso beschaffenes, die nebengeordnet sind, von allem zählbaren: zuene bruodera gelicho getane Notker 1, 758 P.; de erste man, de twie echte wif nam sächs. weltchron. 68 Weiland; mittheilungen ..., die ein junger ... mann ... in groszer hast zweien damen machte K. Gutzkow ges. w. (1872) 3, 347; die zwei hobitt hant, die erstant ouch mit zweigen lucidarius 67 Heidlauf; er hatte ... zwey kraut und fleisch allerdings auffgeriben Grimmelshausen w. 2, 17 Keller; durch die übersetzung zwoer abhandlungen des herrn Hume J. J. Dusch verm. krit. u. sat. schr. (1758) a 2b; doch fielen mir zu meinem trost zween gründe bey B. H. Brockes ird. vergn. (1721) 2, 60; armuot und alter seind zwo schwer bürde schöne weise klugred. (1548) 46b. II@1@bb) bei maszbegriffen kennzeichnet zwei eine unscheinbare grösze und meint eine ganz kleine menge, entfernung, zeitspanne: zwey tropffen bösen geblütes stecken den gantzen leib an Lohenstein Arminius (1689) 1, 28a; weil sarg und brautbett offt zwey zoll entfernt kaum ist ders. in: Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1731) 6, 7; ich behauptete, das costüm sei nur noch zwei finger breit vom Hanswurst Göthe I 23, 136 W.; ich wette, nach zweien secunden hätten sie sich angesehen Tieck schr. (1828) 4, 33; allein das glück dauerte nie länger als zwei minuten G. Keller ges. w. 4, 46. ganz allgemein: zwei 'einige, ein paar' Fischer 6, 1424. zwei worte reden, sagen knapp und kurz mit jem. sprechen: durch hoischeit hoirt mich vort, ich ensain uch numme dan zwei wort Gotfried Hagen köln. reimchron. 2370; ich wollte gern zwey worte mit ihm reden A. Gryphius t. ged. (1698) 1, 862; ich habe mich hierüber schon erklärt und will es noch mit zwei worten thun E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 372; ich habe nur zwei worte mit einem herrn zu sprechen Schnitzler liebelei (1896) 56. seltener in verbindung mit drei: ich erzehlete ... flugs mit zwey drei worten Chr. Reuter Schellmuffsky 49 abdr. d. vollst. ausg. II@1@cc) einer oder zwei für eine geringe anzahl, wenige: als mir aber bald darnach solche ding nit einer oder zwen, sonder mer vnnd vil zu erkennen geben Hutten opera 1, 407 Böcking; das die menschen nit auff einen tag sAeuffer werden, sonder so sie von tag zu tag ... alle tag eines oder zweier becher weins mehr dann vor trincken Ambach vom zusauffen e 3a. asyndetisch: als ich war jung, hett keinen bart, sonder ein härlin, zwey erschin an meinem ungeschornen kin Spreng Äneis (1610) 155b. in derselben bedeutung: zwey oder drey: dasz ich zwey oder drey lateinische ... wörter mit eingeschoben J. Rachel sat. ged. 12 ndr.; daher sagt man mit recht, dasz es seit erschaffung der welt kaum zwei oder drei poeten gegeben habe Gerstenberg schlesw. litbr. 232 lit.-denkm. asyndetisch: in zwei, drey tagen wirst du des gewinns genieszen A. Gryphius t. ged. (1698) 1, 219; zwei, drei bilderläden waren ihm dabei sehr willkommen Fontane ges. w. I 5, 156. eins, zwei und eins, zwei, drei heiszt besonders in der umgangssprache, 'im umsehen, im nu, schnell': ich liesz mich wohl eins, zwei bedunken, es wer erlogen und erstunken P. Rebhuhn in: schausp. d. 16. jh. 1, 85 Tittmann; ich eile nun auch an meine geschäfte, und eins, zwey, drey ist der mittag da A. v. Kotzebue s. dram. w. (1827) 2, 33. II@1@dd) zwei wird zu eins in beziehung gesetzt, die überwiegende mehrzahl der belege sind sprichwörter. zwei vermögen mehr als einer: zwêne sint eines her Hartmann v. Aue Iwein 6636; zwen heben mer dann einer schöne weise klugreden (1548) 40b; zween können mehr als einer Spanutius (1720) 634; zwey hunde halten vester ein schwein als einer kern auserlesener sprichw. (1718) 68; ein schiff steht an zweien anckern fester denn an einem Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, y 3b; was ein stund nicht kan thuon, das thuond zwo schöne weise klugreden (1548) 138a. umgekehrt: ich næme ains wîsen mannes muot vür zweier rîcher tôren guot Freidank 80, 17 Gr.; ain wol undterwiszner oder berichteter mensch ist hOeher zuo achten dann zwen ungeleerte Mayr sprüchw. (1567) e 5a. zwei treffend als verdoppelung von eins: mancher ist so glückhaft, wenn er ein thaler auffs hausz wirft, so fallen zween herab Lehman floril. pol. (1662) 1, 308; ein kreutzer erspahrt, ist zween gewonnen ebda 2, 745; amptleut geben dem herrn ein ey, sie nehmen den unterthanen zwey ebda 1, 20; daheim ist ein man zween S. Franck sprüchw. (1541) 2, 53b; aus einer gab werden zwo, gibstus bald ebda 1, 138b; dem man ein ey, dem frommen Schweppermann zwey Pistorius thes. paroem. (1715) 362. in ironischer umkehrung: dem arbeyter gehOert ein brot, dem feirer zwey S. Franck sprüchw. (1541) 2, 132; dem vromen lecht men en kussen, dem schalke twe Tunnicius sprichw. nr. 208 Hoffmann. zwei in der bedeutung von doppelt ohne erwähnung der eins: doch thee wy dan twey socke an, dat us de herschap nicht hore ghan H. v. Ghetelen narrenschip 81 Brandes; so seind doch ewer noch vier, wOelche meiner und desz ritters stercke wol zwo haben Wickram w. 1, 50 lit. ver.; der staub bedecket die stirne (Friedrichs d. gr.), die zweene cronen verdient Karschin ged. (1764) 132. einen doppelten zweck mit einem mittel erreichen: zwey ding thun in einem streich Dentzler (1716) 372a; zwei mucken auf einen schlag, streich treffen Fischer 6, 1423; zwei fliegen mit einem schlage treffen Binder sprichwörterschatz (1873) 53. vgl. hierzu 3 c. II@22) ein ganzes spaltet sich in zwei teile auf: lahan thes tempales zislizzan uuas in zuei teil Tatian 166, 4 S.; ih meine 'y', der fone einemo cinken in zuene sih spaltet Notker 1, 775 P.; und dich vor menniglichen auff den freyen platz führen lassen, und dein leib mit dem schwerdt zu zweyen stücken schlagen L. Fronsperger kriegsbuch (1573) 1, 16b; der könig bricht, wie ers gehört, den becher in zwo stücke Hebbel w. 7, 85 Werner. daraus erwuchs das adverbielle in zwei (vgl. ags. on twa Bosworth-Toller 1022; altostfries. twā neben atwā v. Helten 336) 'in zwei teile, stücke' in verbindung mit teilen, schlagen, reiszen, zerbrechen u. ä.: allero rihho gahuuelih in zuei zasceitan zagengit (divisum contra se) Monsee fragm. 7 H.; that fêha lacan tebrast an middion an twe Heliand 5656; duo diu vrone godes hant diu spêhin werch gescuoph so manicvalt, duo deilti got siniu werch al in zwei Annolied 23 Rödiger; si hete ir leben in zwei geteilt: daz ein teil gab si dem gebet, ... daz ander gab si zuo erbeiten d. hlg. regel 13 Priebsch; ein zung in zwey gespalten Maaler (1561) 534b. in zwey brechen, springen u. ä. in viele stücke zerbrechen, zu existieren aufhören: lieb on gesicht gar leicht in zwei bricht schöne weise klugreden (1548) 61a; sie (die wagenkette) sprang auf den ersten hieb vor seiner in zwei wie glas bezauberten klinge Wieland d. neue Amadis (1771) 179. in zwei in dieser bedeutung in den maa.: Müller-Fraureuth 718. im nd. twei alleinstehend: Schambach Göttingen 237; Danneil plattdt. wb. 229; Schütze holstein. id. 4, 293. seit dem mhd. ist daneben die zusammengewachsene form inzwei, enzwei immer gebräuchlicher geworden, s. mhd. wb. 3, 952; heute dafür entzwei (s. d.). II@33) von zwei gegebenheiten wird eine herausgehoben: alteruter einer unter den czwain (v. j. 1421) Diefenbach n. gl. 18. diese verwendung des zahlworts hat in einigen fällen zu sprachlichen sonderprägungen geführt. II@3@aa) zwei handlungsmöglichkeiten stehen zur wahl: ihr bestes tagwerk ist, die ovenbank zuo messen, und eins von zweyen thun alsz schlaffen oder fressen J. Rachel sat. ged. 16 ndr. die entscheidung für eine von ihnen fällt aus einer konfliktsituation, die nur ein entwederoder zuläszt: wann dem reht sol sin, dem muoss ye under zweyen dingen eins geschehen: entweder er sol gab niemen (nehmen) und lernen haben in den wercken, oder er sol alle werck lassen Eckhart rede d. unterscheidg. 13 Diederichs; entweder ihr werdet den mammon müssen hassen und gott lieben oder werdet gott hassen und den mammon lieben: der zweier musz eins sein Luther 6, 49 Erl.2; inn oder ausserhalb der ehe ist beschwerden, yedoch so muosz man under zwayen bOesen das geringst annemen G. Mayr sprüchw. (1567) b 7b; aus zweyen eins hast du dir zu erwählen A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 148. mehr vom logischen aus gesehen: darumb mus der zweier eines sein, das du Luthers schrifft nie recht gelesen noch recht verstanden hast B. Raida widder Agricola (1539) b 3a. II@3@bb) die schwierige lage des menschen, der zwei dinge auf einmal tun will oder gar in einer konfliktsituation um seines vorteils willen zu keiner klaren entscheidung kommen kann, malt der volksmund in einer reihe von anschaulichen und drastischen bildern aus, das älteste ist biblisch: ni manna mag twaim fraujam skalkinon Matth. 6, 24; tu nemaht nieht mit einero dohder zeuuena eidima machon Notker 1, 595 P.; zweyen herren dienst zu sagen, mit eym hund zwen hasen iagen, loben dort und dorthin klagen das kan nit seyn durch grosze witzen Murner schelmenzunft 32 ndr.; zwen brei in einer pfannen kochen schöne, weise klugreden (1548) 41b; keiner kan mit einem löffel auff einmahl zwo suppen versuchen Lehman flor. pol. (1662) 1, 146; zween köpf laszen sich nicht mit einem hut bedecken ebda 1, 187; wer zween weg will gehen, musz den ars und die bruch zerreiszen ebda 3, 489; er kan zwu wend auff einmal malen Eyering cop. prov. (1601) 2, 381. auf menschen, die mit ihrem reden zwei meinungen, tätigkeiten, parteien gutheiszen, um es mit keiner zu verderben: ausz zweyen münden kallen schöne weise klugreden (1548) 41b; du redest mit zweyen zungen Tappius adag. cent. septem (1545) v 5a; duplices viri ... proverbio dicuntur ... ungewisze, falsche leute, die mit zweien zungen reden B. Faber thes. (1587) 266b. zwischen zwei stühlen sitzen, nämlich auf keinem von beiden platz finden, heiszt es von diesen leuten, die durch schwanken oder falschheit es mit beiden parteien verdorben haben, vgl. teil 10, 4, sp. 333: sus bin ich an die blozen stat zwischen zwein stüelen gesezzen, an der selben stat hat si min vergezzen W. v. Metz in: minnes. 1, 307a v. d. Hagen; also das wir zwischen zweyen stüln in die eschen grob möchten nider sitzen und von allen enden verstozen werden Fischart bienenkorb (1581) 101a; du benimmst dich falsch und setzest dich zwischen zwey stühle Göthe I 42, 2, 133 W. II@44) zwei gehören eng zusammen, sie bilden ein paar, in vielen fällen steht hier zwei an stelle eines alten duals oder für 'beide'. II@4@aa) von der liebes- und ehegemeinschaft: zauwei gimahhido par (10. jh.) ahd. gl. 2, 269; zwei herze und einen lîp hân wir gar ungescheiden Wolfram v. Eschenbach lieder 3; es müssen alle zeit zwei ungleiche zusamen kommen Tappius adag. cent. sept. (1545) h 2b; denn da kommen offt zweene ehegatten zusammen, die nicht viel haben Joh. Quirsfeld geistl. myrrhengarten (1717) 96; das liebesband, dessen geheime süszigkeit Clarissa preist, erfordert zwo vereinigte seelen Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 184; ein schauspiel für götter zwei liebende zu sehn Göthe 11, 289 W. vom tierpaar: gabin ... zua gimachun turtilitubun (par turturum) Tatian 7, 3 S. absolut: bidhiu huuanda sunu ist, nibu fona zuuem chiboran uuerdhe Isidor 3, 15 H.; die umb ein genäschelin zwei in eine kamer stôzent Berthold v. Regensburg 1, 121 Pf.; zwei liebten sich und wollten sichs nicht sagen O. Ludwig ges. schr. 2, 423; zwu sein a par K. Rother schles. sprichw. 138a. II@4@bb) von der freundschaft: also dasz zwen recht ware freund ... gleichsam ein christenlich ehe in got mit einander haben S. Franck sprüchw. (1545) a 1a; zween tiefsinnige freunde besprachen sich J. H. Voss s. ged. (1802) 6, 272; zwei freunde, die wir in des ufers höhlen versteckt gefunden ... ... sind in meiner hand Göthe I 10, 24 W.; zwei musikfreunde brauchen nur erst einmal etliche quartette oder trios schlecht zusammen gegeigt zu haben, dann verstehen sie sich leicht W. H. Riehl mus. charakterköpfe (1899) 2, 287. im sprichwort wird den zweien, die zusammenhalten, der dritte entgegengestellt: daz zwein ist reht ze wit ist drin Winsbeke 9 Haupt; wann zu hof zween zusammen halten, so ist der dritt ihr narr Lehman flor. pol. (1662) 1, 422; können zwein sich vertragen, hat der dritte nichts zu sagen Simrock d. sprichw. 668. II@4@dd) von paarigen körperteilen: due palme zo palma (8./9. jh.) ahd. gl. 1, 409; zuêne dine spunne sint samo zuei zuinele kizze der reion Williram hohes lied 26 Seem.; zwai praune euglin klar Oswald v. Wolkenstein 63 Schatz; ... alse zweiger ougen, swer sich ein ouge keret, der keret sich daz ander nach lucidarius 75 Heidlauf; sie blickte mich mit ihren groszen seelenvollen zwei beiden augen an Gaudy s. w. 2, 132; mein lieb gab mir ein umbevank zwe ermlin blank Uhland volksl. (1844) 1, 86. zwei augen für einen menschen: zwei augen ändern oft viel Fischer 1, 440; vier augen sehen mehr dann zwey schöne weise klugreden (1548) 109a; auf zwei augen leihen einen hof auf lebenszeit eines, auf vier augen auf lebenszeit beider gatten verleihen Fischer 1, 440. ein geschlecht steht auf zwei augen, wenn es nur noch einen lebenden erben hat: hingegen überkommst du ... die anwarthschafft zu so vielen königreichen. denn diese stehen auf den zweien augen seines einigen sohnes Hippon Lohenstein Arminius (1689) 1, 157a; dasz der stamm im norden nur noch auf zwei augen stehe A. Sperl fahrt nach d. alten urkde (1898) 24. auf zwei beinen als kennzeichnung des menschen: ufreth sol er gen, an zuein beinen sten genesis 209 Dollm.; ist denn das auf zwei füszen aufrecht einhergehen etwas so groszes, dasz ... E. Th. A. Hoffmann s. w. 10, 16 Griesebach; hei wir de allergrötste esel, de up twei beinen rümmer lep F. Reuter w. 1, 267 Seelm.; en verzwickter pfiffikus wie nid lîcht einer uf zwei beinen schweiz. id. 4, 1295; wenn der weber noch uf zwee been'n rumlauft, da machst du'n schonn a sarg fertig G. Hauptmann weber (1892) 54. II@4@ee) von paarigen kleidungsstücken: zweine ermeln leben d. hl. Elisabeth 8297. im mhd. häufig für 'ein paar schuhe, strümpfe': der herre bat sie dar bestân und heiz die goltsmide sîn zwêne schuh silberîn îlende giezen unde zwêne von golde Rother 2024; von vilze truoc er einen huot und zwêne schuohe rinderin Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 1657; alle jar zwen sokche und vier schueh (v. j. 1325) mon. boica 12, 167; zwêne niuwe hantschuoh er unz uf den ellenbogen zoch Neithard 75, 13. mundartlich noch gebräuchlich, s. Schmeller-Fr. 1169. zwei hosen eines tuchs sagte man früher von gleichgesinnten, gleichgearteten: ich nimm es für eins, procurator und advokat ... es seind zwo hosen eins tuochs Keisersberg Marie himelfart (1512) 2c; zwo hosen eins duoches Tappius adag. cent. septem (1545) b 5a. vgl. teil 4, 2, sp. 1839. ähnlich: dat sün twe el vun een stück Mensing 5, 213. II@4@ff) zu zweien als feste verbindung: steigt er (der basz) ... per gradus herunter, so musz man alzeit zu zweyen frische concordantzien spielen Königsbg. dichterkreis 36 ndr.; einzeln, zu zweien und vielen Göthe I 15, 4 W. (Faust); ich mag recht viel erzählt haben, sie wissen, so zu zweien, und beim guten glase Storm w. (1899) 4, 195; und Minz und Maunz, die schreien gar jämmerlich zu zweien Struwwelpeter 7; sechs türme steigen zu zweien übereinander an der steilen seite eines fast senkrechten felsens empor Moltke schr. u. denkw. 1, 118. ma. zu zween Martin-Lienhart 2, 922. mit fortfall der dativendung: wir wandelten zufrieden, wir glaubten uns zu zwei Göthe I 1, 114 W.; könig Helge, der held, und die maid Sigrun, sie muszten zu zwei im hügel ruhn W. v. Strachwitz ged. (1891) 235; nu also denn! wir sind zu zwei Grillparzer s. w. 8, 27 Sauer. jünger und seltener zu zweit: unten an der stieg hört ich drauf zu zweit pispern maler Müller (1811) 3, 137; ich habe schon gehört, dasz ihr zu zweit mitwollt Hans Grimm volk ohne raum 2, 444. vgl.zu zwät gehn schwanger sein Martin-Lienhart 2, 922b. II@4@gg) je zwei und zwei in distributiver verwendung schon dem germanischen eigen, vgl. aisl. oe tuinne ok tuinne: irweliti sibincig unta ziweni iungerun, der er ie ziweni unde ziweni furisanti (11.-12. jh.) Graff diut. 3, 120; mit Noe in der arke waren allerhande vogele, dier ja tve und tve sächs. weltchron. 69 Weiland; sich ye zwen und zwen zuosammen thetten Wickram w. 1, 63 lit. ver.; je zwey sive je zwey und zwey alias je zwene bini, binae, bina Stieler 2657. im spätmhd. kommt daneben zwei und zwei auf, das sich im nhd. durchsetzt: ... so sach ich zway und zway hübscher wort in züchten pflegen Hätzlerin liederb. 138 Haltaus; zwischen zwei und zweien schiffen W. Xylander Polybius (1574) 19; es theilten zwey und zwey den humpen unter sich und soffen auf die reyh J. Rachel sat. ged. 86 ndr.; die quellen sich gesellen, die vöglein zwei und zwei ... Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 274. mundartlich: zwei und zwei in paaren Martin-Lienhart 2, 922. II@4@hh) duale bedeutung hat zwei besonders nach pers. pron. es vertritt in dieser stellung beide: uuîb, ih zellu thir ein,uuaz drifit sulih zi uns zwein Otfrid 2, 8, 17 P.; son weiz doch lützel ieman, wiez under uns zwein ist getân Kürenberg in: minnes. frühl. 10, 8; si beide einander meinden mit solher kraft, daz von in zwein ir beider muot sich slôz in ein Rudolf v. Ems Alexander 15347 J.; unser meister hat uns gesant uns tzwen zu dir ... altdt. passionssp. aus Tirol 22 Wackernell; geht hin, ir zwen H. Sachs w. 2, 33 K.; nach dem ich von dir gekommen und wir zwey geschieden seyn Venusgärtlein 7 ndr.; ich denke, wir zween kennen uns genauer Schiller 1, 200 G. und liesz uns zwei bein knechten daheim im hinterhalt Fr. Rückert w. (1867) 1, 63. in pleonastischer ausdrucksweise werden zwei und beide zusammengestellt: met dem nette er besloch si twei beide Heinrich v. Veldeke Eneide 5646; ja, wenn er wüszte, was wir zwei beide, ich und du, alles schon darüber verhandelt hatten B. v. Arnim Cl. Brentanos frühlingskr. (1844) 1, 236; das fleisch gibt wintervorrat für uns zweibeide J. V. v. Scheffel ges. w. (1907) 2, 159. mundartlich bes. md. und nd.: mir zwä bäde Jecht Mansfeld 129b; mer gehn alle zwee beede hin Albrecht Leipzig 242b; wir zwee beede Brendicke Berlin 169; Mensing 5, 215. II@55) zwei sind sehr verschieden untereinander, diese verschiedenheit kann sich bis zum kampf gegeneinander steigern. II@5@aa) eine gegebenheit wird von einer zweiten deutlich abgegrenzt, ihr anderssein wird betont: dannini lisit man, daz zwâ werilte sîn. diu eine, da wir inne birin, diu ander ist geistin Annolied 26 Rödiger; drum ich zwo erbeit thun, die erste, das ich dr. Carlstadts grund und meinung klerlicher darlege, die ander, das ich drauf antworte Luther 18, 152 W.; es sind zwo welt, eine zürnt, die ander gibt nichts darauff schöne weise klugreden (1548) 79b; das ungerecht gut wil zween schelmen haben, einer der es gewinnt, der ander, der es verthut Lehman flor. pol. (1662) 1, 10; Deutsche haben zwo naturen, denn die mode schaffet an, dasz man, was man gleich nicht ware, durch die mode werden kann Logau sinnged. 606 E.; zwen ärzte verlieh den kranken menschen Apollo, einen dem sterblichen leib, einen dem ewigen geist Herder 26, 30 S.; du bist dir nur des einen triebs bewuszt, o, lerne nie den andern kennen! zwei seelen wohnen, ach! in meiner brust Göthe I 14, 57 W. (Faust). II@5@bb) zwei 'zweierlei, verschieden': wort und werck sind zwey ding Lehman flor. pol. (1662) 3, 492; sagen und thun sind zwey dicere et facere diversa sunt Dentzler (1716) 372a; versprèchen an hale sen der zwee Gangler Luxemb. 495; so ist nun zwei zu thun, doch sint wir zwei: der eine schleicht ins haus, indes der andere die stützen (der brücke) losgräbt ... Grillparzer s. w. 8, 56 Sauer. hierher auch: jedes ding hat zwei seiten: das unternehmen ... hatte zwei seiten, die churfürsten muszten gewonnen, jene antiöstreichische partei muszte aufrecht erhalten, verstärkt werden Ranke s. w. (1867) 1, 243; sieh, Lehnert, es hat ja doch alles seine zwei seiten Fontane ges. w. I 6, 41. II@5@cc) zwei kämpfen gegeneinander: ich stund dabei und sach mit meinen augen zwo ungeheure schar ... miteinander streiten, auf einer grünen heide ackermann aus Böhm. 39 Bernt; und find da ihrer zween, auf einem engen platz im heiszen kampfe stehn D. v. d. Werder Ariost (1636) 11, 16; zweene räuber zankten sich des gestohlnen esels wegen Hagedorn s. poet. w. (1764) 2, 50; sprichwörtlich in vielen wendungen von zweien die unverträglich sind und leicht zum streiten kommen: zwen harte steinmaln nimmer klein Fischart w. 1, 171 Hauffen; zwei, die einen buhlen haben, zwene hunde an einem bein stimmen nimmer oder selten über ein Fr. Wilhelm sprichw.-reg. (1577) a 2a; man findt gar selten in eim hausz zween haan ohn ein tAeglichen strausz. doher man von zween haanen spricht: vertragn sich auff einr misten nicht Eyering cop. prov. (1601) 3, 614; zwen könige können sich nicht in einem reiche vertragen A. Olearius pers. rosenthal (1696) 4; zwei weiber in einem haus ist ein graus Fischer schwäb. 6, 1423. II@66) substantivierungen des zahlworts zwei begegnen seit dem ahd. (von personen). II@6@aa) die substantivierung ist manchmal elliptisch zu verstehen: ih gihun ... zuene nibesuonda, so ih solta Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 330; für Salomo zwuo (frauen) kumen sind J. v. Schwarzenberg t. Cicero (1535) 108; ich bin für frieden, aber zum guten frieden gehören zwei Fontane ges. w. I 6, 32. II@6@bb) auf anderer linie liegt die zwei, wo auf vorher erwähntes zurückgegriffen wird; es ist dem häufigeren die beiden gleichwertig (vgl. Behaghel dtsche syntax 1, 437) und kann dualen sinn haben (vgl. 4 h): fone diu inteta sih diu erda unde ferslant Dathan unde beuuarf daz gesemine Abiron. die zuene uuarun des strites houbet Notker 2, 453 P.; ... daz si sahen an diu zwei bî ein ander (Parzival und Kondwiramurs) Wolfram v. Eschenbach 187, 29; der hencker hawt die zwen mit gerten aus H. Sachs w. 2, 19 K.; aber ich habe unter den zweien (freundschaften in der not und im glück) eben den underscheidt, den die ärtzt under den speisen Hutten op. 1, 448 Böcking; ach, möchte von den zweenen nur einer menschlich sein und sich zu leben sehnen! Joh. E. Schlegel w. 1, 42. II@6@cc) zwei, f., als bezeichnung der zahl zwei (vgl. zweier), überall gebräuchlich, ebenso im karten- und würfelspiel die fläche oder karte mit zwei augen. zwei für zweiheit, zerrissenheit in zwei teile; die einheit musz verschlingen die böse zwei dann soll es donnernd klingen: Deutschland ist frei G. Herwegh ged. eines lebendigen (1841) 22. II@6@dd) zwei als uhrzeit: nachdem und es zweu in die nacht ... geslagen hette (15. jh.) chron. d. dtsch. städte 2, 324; do es was umb die zwei, weckt man uns uff Th. u. Fel. Platter 57 Boos; es ist auf den zweyen Dentzler (1716) 317b; um zwei, gottlob, und um die drei glänzet empor ein hahnenschrei Mörike w. 1, 162 Göschen. II@6@ee) zwei, n., für das paar in der poetischen sprache des 17.-19. jh. vorzugsweise vom liebes- und ehepaar: dieses traute zwei Phil. Zesen adr. Rosemund 1 ndr.; lebe wohl, beglücktes zwei! Picander ernst-scherzh. ged. (1727) 109; doch ist diesz hohe zwei der eltern denn nicht hier? v. König ged. (1745) 55; liebe, menschlich zu beglücken, nähert sie ein edles zwei, doch zu göttlichem entzücken bildet sie ein köstlich drei Göthe 15, 1, 228 W. selten vom freundespaar, paarigem körperteil: hier lagert sich das sichre zwey (zwei bürger) recht biedermänniglich von allen sorgen frey Hagedorn nebenstunden 80 ndr.; das wollenweiche zwey der halbversteckten dinger (brüste) Chr. Weise grün. jugend überfl. ged. 23 ndr. II@77) zwei in adverbialer bedeutung für zweimal: wenn er einst oder zwey vermanet ist Luther 8, 174b Jena; wenn ein weib die ehe bricht ... doch inmittelst einmal zwey jhrem ehemann das bett macht Lehman flor. pol. (1662) 1, 51; und schrie ich einmal, zwei oder drei: Christoph! Götz v. Berlichingen lebensbeschreibung 19 Bieling. der bedeutung des adv. sehr nahekommend: darunter ist ein tagwerk, das tregt zwey gras mon. boic. n. folge 2, 1, 314.
36934 Zeichen · 1085 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    zweiNum. Kard.

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    zwei , Num. Kard. Vw.: s. zwēne*

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zwei

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    zwei s. zwêne, zwî.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zwei

    Campe (1807–1813) · +4 Parallelbelege

    Zwei , ein Wort, welches eine Grundzahl, die so viele Einheiten enthält als hier Punke stehen, .. bezeichnet; und welche…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    zwei

    Goethe-Wörterbuch

    zwei [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zwei

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Zwei , die erste gerade Zahl und zugleich die einzige gerade Primzahl. Über das auf die 2 begründete (dyadische) Zahlens…

  6. modern
    Dialekt
    zweiaZlwort

    Lothringisches Wb. · +3 Parallelbelege

    zwei [tswai Fo. u. s.; tswén, tswó, tswai Grt. Ett. Karl. ; tswén, tswou, tswǽ D. Si. ; swén, swó, sweï Falk. ; dswén, d…

  7. Sprichwörter
    Zwei

    Wander (Sprichwörter)

    Zwei 1. Bei zweien guter Rath, bei dreien oft Verrath. 2. Bei zweien kann man lang auf Ketzereien lauern: bei Glöcknern …

  8. Spezial
    zwei

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    zwei num. card. dui (döes). ▬ zwei Uhr les döes ; zwei zu viel dui (döes) demassa ; zwei Frauen döes ëres ; zwei minus e…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zwei

1.148 Bildungen · 1.133 Erstglied · 4 Zweitglied · 11 Ableitungen

zwei‑ als Erstglied (30 von 1.133)

zwei(er)wërdig

Idiotikon

zwei(er)wërdig Band 16, Spalte 1331 zwei(er)wërdig 16,1331

zwei(ge)töret

Idiotikon

zwei(ge)töret Band 13, Spalte 1292 zwei(ge)töret 13,1292

zweibeinig

SHW

zwei-beinig Band 6, Spalte 973-974

Zweibeuter

SHW

Zwei-beuter Band 6, Spalte 973-974

Zweiborn

SHW

Zwei-born Band 6, Spalte 973-974

zweideutig

SHW

zwei-deutig Band 6, Spalte 973-974

zweidoldig

SHW

zwei-doldig Band 6, Spalte 973-974

Zweietager

SHW

Zwei-etager Band 6, Spalte 975-976

zweifach

SHW

zwei-fach Band 6, Spalte 975-976

Zweigemahd

SHW

Zwei-gemahd Band 6, Spalte 975-976

zweilattig

SHW

zwei-lattig Band 6, Spalte 977-978

zweilefzig

SHW

zwei-lefzig Band 6, Spalte 977-978

zweimal

SHW

zwei-mal Band 6, Spalte 977-978

zweiohmig

SHW

zwei-ohmig Band 6, Spalte 977-978

zwei als Zweitglied (4 von 4)

enzwei

Lexer

enz·wei

en-zwei adv. BMZ = in zwei näml. stücke, teile: entzwei. allgem. ( Er. 6078. Silv. 4837. Lieht. 70,18. 81,26. 88,6. 115, 28. Karl 122 a . Ms…

gezwei

Lexer

ge-zwei adj. BMZ je zwei und zwei Ls. ;

Ableitungen von zwei (11 von 11)

Bezweien

Wander

Bezweien Boass sich bezwäht, bedrett sich. ( Henneberg. ) Was zweimal geschehen ist, geschieht wol auch dreimal. Wird am häufigsten auf Mädc…

entzwei

DWB

entzwei , in duo, in duas partes, verderbt ( wie entgegen aus engegen) aus inzwei, enzwei, worin der heute ungefühlte pl. n. zwei enthalten …

entzweien

DWB

entzweien , disjungere, dissociare, nicht aus entzwei gebildet, sondern aus zweien und der hier also organischen partikel ent. da nun mhd. z…

entzweiung

DWB

entzweiung , f. discordia, zwietracht, uneinigkeit. Stieler 2659 .

erzwei

PfWB

er-zwei s. entzwei .

gezwei

Lexer

ge-zwei adj. BMZ je zwei und zwei Ls. ;

gezweie

Lexer

ge-zweie stn. entzweiung, uneinigkeit. âne zwîfil und ân gezweie Rsp. 732. si erhûben daʒ gezweie Kirchb. 636,14.

gezweien

DWB

gezweien , vb. , zweige treiben, s. u. 2 gezweigen.

gezweiung

DWB

gezweiung , f. , auch in der form gezweigung ( s. u. ), ein fachausdruck der neueren ganzheitlich ( universalistisch ) gerichteten gesellsch…

verzweien

DWB

verzweien , auch sich verzweien, vb., zu zweien 2; wie entzweien ( s. d. ), vgl. 'verzweyen und zerzweyen, propr. est scindere, dissecare, d…

zweie

Lexer

zweie stf. zweiheit, alternative. ir fleische enstûnt ein zweie (: leie), nû wullen nû hêrîn gewant ir zarten lîbe wart erkant Elis. 2004. i…