zwei,
zahlw. ,
indogerm. wort, got. twai, twos, twa;
ahd. zwêne, zwâ
und zwô, zwei;
mhd. zwêne, zwô
und zwâ, zwei;
as. twêne, twô
und twâ, twê;
mnd. twē;
ags. twǣʒen
und twēʒen, twā, tū
und twā;
afries. twēne, twā, twā;
anord. tveir, tvǣr, tvau (
selten tvā
und tū =
aschwed. tū).
die idg. grundform zeigt nach Kretschmer
zs. f. vgl. sprachforschg. 31, 451
f. anm.; Wackernagel
altind. gr. 3, 341
f. ursprünglich nur den nackten stamm *d(u)o
in gr. δύο; armen. erko-tasan '
zwölf'
; got. usw. wit '
wir beide'
aus *wi-da (
auch nach Kluge
urgermanisch 250
f. im got. neutrum twa
und in twalif '
zwölf'?);
noch voreinzelsprachlich ist diese form dualisch flektiert worden: ai. d(u)vā, d(u)vau,
fem. und neutr. d(u)ve;
gr. δύω,
lat. duo,
aksl. dъva,
fem. und neutr. dъvě,
näheres s. bei Brugmann
grundrisz 2, 1, 8
ff., Walde-Pokorny 1, 817
f. das germanische zeigt an dualformen den dativ got. twaim
usw. (
vgl. av. dvaēibya,
lit. dviẽm,
aksl. dъvěma),
den genetiv got. twaddje
usw. (
doch mit anfügung der pluralischen kasusendung gegenüber aind. d(u)váyoḥ),
den nom. neutr. in ags. twā,
afries. twā,
as. twē (
gleich aind. d(u)vé,
apreusz. dwai,
aksl. dъvě)
sowie in aschw., ags. tū
aus dem mask. idg. *d(u)ō,
vielleicht auch in got. usw. twai,
wenn dies eine ursprüngliche neutralform gewesen ist. im übrigen gewinnt in allen germ. sprachen der plural der pronomina und adjectiva starken einflusz auf die formen von zwei.
vgl. auszer dem genannten noch Meringer
zs. f. vgl. sprachforsch. 28, 234
ff., van Helten
idg. forsch. 18, 87
ff. II.
zur geschichte der einzelnen formen. I@11)
masculinum. got. twai
ist entweder eine pluralbildung nach pronominaler art oder auf die idg. dualform dai, doi,
f. und n. zurückzuführen, die in anlehnung an þai
zum masc. gemacht wurde (
vgl. Bethge
bei Dieter
laut- u. formenlehre 561; Hirt
idg. forschungen 12, 238; van Helten
idg. forschg. 18, 87).
ahd. zwêne
ist eine neubildung aus der idg. grundform doino-,
das zu erwartende *zweine
wurde in anlehnung an *zwê,
der lautgesetzlichen entsprechung von got. twai,
zu zwêne (
vgl. Brugmann
distr. und koll. num. 24).
vom 12.
jh. ab erscheinen in analogie zu den ei-
formen des zahlworts vereinzelte zweine:
graf Rudolf 22, 39;
weist. (
v. j. 1320) 1, 667;
codex Tepl. 1, 949
Huttler; B. Ringwald
tr. Eckart (1590) h 4
b.
seltener zwien:
chron. d. dt. st. 2, 245.
im 13.
jh. wird zwêne
zu zwên
verkürzt: gên:zwên
Lohengrin 1461
Rückert; Wolfram v. Eschenbach
Parzival 603, 27; J. Enikel
weltchronik 3656.
im 15.
jh. tritt zwêne
bereits hinter zwên
zurück (
vgl. Stulz
zs. f. dt. wortf. 2, 85). zwêne
hält sich vom 16.-18.
jh. hauptsächlich in Sachsen, Schlesien und bei dichtern aus dem nd. sprachgebiet. Bodmer
und Breitinger
brauchen zwêne,
wenn das zahlwort absolut steht, ebenso regelt Gottsched
sprachkunst (1762) 270
den gebrauch von zwên
und zwêne.
trotzdem verschwindet zwêne
in der 2.
hälfte des 18.
jh. aus der deutschen literatursprache. späte belege: Hagedorn
fabeln u. erz. (1752) 70; Kästner
verm. schr. (1755) 1, 57. zween
lebt einige jahrzehnte länger, es findet sich noch bei Klopstock, Herder, Voss
und Schiller (
vgl. Stulz 90
f.).
in der poesie des 18.
jh. wird zwen
hier und da aus rhythmischen gründen zweisilbig gebraucht: du habest der ehre die fülle gehabt und zwen (
l. zween) Homere mit einmal ertappt Klamer Schmidt
poet. br. (1782) 66; zween Zamoraner ritter sind es von der ersten bravheit Herder 28, 457
S. im 19.
jh. wird zween
von dichtern bewuszt verwandt, um der sprache altertümlichen klang zu geben: Uhland
w. (1898) 1, 264
u. ö.; Mörike
ges. schr. 1, 158
Göschen. I@22)
femininum. got. twos
ist neubildung nach þos. twôs
lebt im as. twô
und in der ahd. nebenform zwô:
ahd. gl. (8./9.
jh.) 1, 447; Steinmeyer
ahd. sprachdenkm. 223;
immer bei Notker
fort, die nicht so häufig wie zwâ
belegt ist. die ahd. hauptform ist das nicht befriedigend erklärte zwâ. zwâ
wird im mhd. nebenform. sie findet sich oft im bair. und md., seltener im alem. zwô
herrscht als feminine hauptform bis zum ausgang des 18.
jh., neben zwô
gibt es ein diphthongiertes zwuo,
es wird vom 12.-16.
jh. besonders im alem. (Weinhold
alem. gram. 306),
im md. (Franck
altfrk. gram. 214)
und in Nürnberg bevorzugt (Dürer
unterweisg. d. messg. [1525] a 4
a). zwue
für zwuo:
Marienburger treszlerbuch 34
Joachim; E. v. Günzburg
s. schr. 3, 224
ndr. zwuo
wird zuerst im md. zu zwu
monophthongiert: zwû nacht
summa theol. 236
Waag; Marienburger treszlerbuch 10
Joach.; cod. Teplensis 25
Huttler; Hoffmann
gesellschaftsl. 11 (
Erfurt 1593).
die form ist im 15.
und 16.
jh. in Nürnberg besonders häufig. später findet sich zwu
auch im alem.: Arigo
decamerone 13
lit. ver.; Spreng
Ilias (1610) 32
b.
vereinzelt treffen wir zwu
noch im 17.
und 18.
jh.: Eyering
sprichw. 1, 172; Pistorius
thes. paroem. (1715) 628. zwone (
analog zu zweene)
ist sehr selten belegt: Henneberg. urk.-buch 2, 90
Schöppach; Ossenfelder
oden u. ld. (1753) 20.
die hauptform zwo
wird bis zum ende des 18.
jh. im groszen ganzen regelmäszig für das femininum verwendet, sie verschwindet erst durch Adelungs
neuordnung, die das n. zwei
für alle geschlechter einführt. vereinzelte zwo
im 19.
jh.: Rückert
w. (1867) 1, 293; Platen
w. 1, 252. Storm
braucht zwo
im altertümelnden chronikstil: w. (1872) 3, 216; 224.
im 20.
jh. ist zwo
von neuem lebendig geworden. um verwechslungen mit drei
zu vermeiden, brauchte man zwo
bei der befehlsübermittelung der artillerie vor dem kriege und während des weltkriegs an der front und heute durch amtliche bestimmung im fernsprechwesen, von dort setzt sich zwo
weiter durch. I@33)
neutrum. got. twa
vielleicht gleich idg. *d(u)o
in gr. δύο usw., s. o. sp. 972.
die oft vertretene annahme, dasz twa
auf einflusz der adjectivflexion beruhe, wird von Jellinek
gesch. d. got. spr. 136
mit recht als bedenklich bezeichnet, da sonst nicht die adjectiva, sondern die pronomina das muster für die umgestaltung der formen von zwei
abgegeben haben. ags. afries. twā,
as. twē
entsprechen dem idg. dual. neutr. *doi
in aind. d(u)ve
usw.; ahd. zwei
vielleicht aus *twau
aus der dualform twai
mit der neutralen pluralendung u,
vgl. dei.
im md. treffen wir vereinzelt zwê
statt zwei: B. v. Holle
Crane 3465; Lamprecht
Alexander 1545
K.; lehnsurk. u. besitzurk. Schles. (
v. j. 1521) 2, 119.
zu zwî
verengt: Diemer
dt. ged. d. 11.
u. 12.
jh. 245;
formen mit gerundetem vokal: zwöi (15.
jh.)
Stretlinger chronik 48
Bächt.; zweu
chron. d. dt. städte (15.
jh.) 2, 327. I@44)
verfall des geschlechts. die ältesten belege mit falsch gebrauchtem geschlecht stammen aus dem mhd.: zvei so hêrlichen scaren Lamprecht
Alexander 3264
K.; zween donnen wînes (
v. j. 1346)
weist. 4, 385; zwu ratzbotschafftner (
v. j. 1489)
chron. d. dt. städte 25, 344.
das mnd. verlor bereits die formen für das m. und f., das n. twe
ersetzt sie (
vgl. A. Lasch
mnd. gram. 208).
in Schlesien setzt sich das neutrum für alle geschlechter bis zum 17.
jh. durch, Gryphius
kennt nur zwei,
in Sachsen gelten zur selben zeit noch zwei formen: m. zween;
f. und n. zwei,
vgl. Stulz 103.
im obd. hingegen werden die drei geschlechter im 18.
jh. im groszen ganzen noch deutlich unterschieden. durch diese sehr verschiedene stellung der literarisch wichtigen landschaften Deutschlands steigerte sich die unsicherheit im gebrauch der formen im 18.
jh. immer mehr (
vgl. Stulz 104
f.).
die grammatiker kämpften für und gegen die einheitsform, der endgültig durch Adelung
lehrgebäude 101;
wb. 1, 568
zum siege verholfen wurde. durch seine regelung gilt zwei
als hochdeutsche form für alle geschlechter. in den deutschen mundarten dagegen spiegeln sich heute noch ungefähr die verhältnisse des beginnenden 18.
jh. I@55)
genetiv. für den gen. gab es seit idg. zeit für alle geschlechter nur eine form. aus urgerm. *twaōm
sind got. twaddje;
an. tveggja;
as. tweio;
ahd. zweiio, zweio
abzuleiten. schon im ahd. wird ein neuer gen. auf adjectivische art gebildet: zweiero manno
Tatian 187.
dieser setzt sich im mhd. durch. vom 15.-17.
jh. begegnet einige male eine schwache form zweien,
die in der stellung nach artikel gebraucht wird (
vgl. Stulz 92
f.),
der bis jetzt späteste beleg: Neumark
poet.-musik. lustw. (1657) 1, 352.
in nhd. zeit macht sich die tendenz bemerkbar, auch für den gen. formen einzuführen, die sich nach den geschlechtern unterscheiden. a)
in anlehnung an zwen
vereinzelt im 17.,
häufig im 18.
jh. zwener:
österr. weist. (
v. j. 1674) 2, 281; J. J. Chr. Bode
gesch. d. Th. Jones (1786) 1, 83; Braun
dtsch. orthogr.-gram. wb. (1798) 221
b; zweener
wird hauptsächlich von dichtern gebraucht, die aus dem nd. sprachgebiet stammen, vielleicht liegt hier auch einflusz von nd. twener
vor (
vgl. Stulz 94). b)
zu dem femininum zwo
wird ein gen. zwoer
gebildet, im 16.
und 17.
jh. finden sich die belege dafür nur vereinzelt, im 18.
jh. sind sie nicht ganz so selten: L. Alberus
teutsch gram. (1573) 63; Ph. Zesen
jugendflammen (1651) 152; Herder 3, 10
S. vom 12.
bis zum 18.
jh. beherrscht zweier als hauptform das feld. I@66)
dativ. die germ. grundform *twaimiz
ist aus einem idg. dual- oder pluralinstrum. herzuleiten. got. twaim;
an. tveim(r);
ahd. zweim;
as. twêm;
ags. twǽm, twá
m. schon im 10.
jh. erscheint zwein
mit auslautendem n:
ahd. gl. 1, 815
und gilt bald allgemein. md. zwên
aus mhd. zeit ist aus -ei-
abzuleiten: deutsche myst. 1, 87
Pf.; livl. reimchron. 8726
M. nhd. zwen
kann nom. masc. sein, der in den dat. eingedrungen ist: Sebiz
feldbau (1570) 6; Spreng
Äneis (1610) 56
a; Wieland
Agathon (1766) 1, 5.
im 13./14.
jh. wird nach dem vorbild der adjectivflexion aus zwein zweien: zweihen
Schwabenspiegel 9
Wackern.; zweien Eckhart
buch der göttl. tröstunge 16
Strauch; Nürnberger polizeiordn. 70.
selten erscheint zwien:
chron. d. dt. städte (15.
jh.) 3, 280;
im 15.
jh. ist zweien
bereits die gebräuchlichere form (
vgl. Stulz 91
f.).
seit dem spätmhd. finden sich ähnlich wie beim gen. nebenformen. a)
für das masc. zwenen
und zweinen:
mit zwenen fanen (
v. j. 1382)
chron. d. dtsch. städte 9, 774; Murner
v. gr. luth. narren 186
W.; zweinen Arigo
decamerone 605
lit. ver. im späten 16.
und 17.
jh. verschwinden die formen fast ganz, um im 18.
jh. noch einmal in ein paar dutzend belegen aufzutauchen, vgl. Stulz 93
f. b)
für das fem. zwoen
und zwuen:
dünn ziehen sich die belege durch das 16.
und 17.
jh.: zwoen Fischart
Gargantua 58
ndr.; zwuen Eyering
sprichw. (1601) 2, 329; zwoen S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn 24; zwoen Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 390.
wie bei zwenen
häufen sich diese formen im 18.
jh., um dann ganz zu verschwinden. I@77)
verfall der flexion. die md. dative zween
aus dem 14.
und 15.
jh. können als formen mit kontrahiertem vokal gedeutet werden. die ersten belege, die den verfall der flexion sicher bezeugen, stammen aus dem 16.
jh.: an zwo stangen Krüger
H. Clawert 12
ndr.; den groszen zwo machten
urkd. Maxim. I. 301
Chmel; vor zwey jaren Scheit
Grobianus 3
ndr. im 17.
jh. überwiegt die unflektierte form schon in Sachsen und Schlesien, in Oberdeutschland werden belege mit unflektiertem zwei
häufiger (
vgl. Stulz 99
f.),
im 18.
jh. gilt nach artikel und präposition bereits die unflektierte form. diesen brauch legt Gottsched
sprachkunst (1762) 270
als erster in einer regel fest, er nimmt allerdings noch den dativ aus; durch Adelung
wird zwei
für alle casus als alleingiltig erklärt. im 18.
und 19.
jh. finden sich nur noch vereinzelte flektierte formen: zweien Tieck
schr. (1828) 5, 440; Grillparzer
s. w. 3, 74
Sauer; C. Harms
pastoraltheol. (1834) 2, 34; Th. Storm
w. (1872) 5, 42.
heute ist zweier
noch gebräuchlich, wenn die flexionsendung des zahlworts das einzige erkennungszeichen des casus ist, und zweien
musz als dativ gesetzt werden, wenn auf das zahlwort kein dazugehöriges hauptwort folgt. in anlehnung an das seit dem ahd. gebräuchliche dreie (
vgl. Behaghel
deutsche syntax 1, 427)
ist zweie
gebildet worden. umgangssprachlich weit verbreitet, in der literatursprache nur ganz vereinzelt: er schlachte der opfer zweie Schiller 11, 288
G.; da ich nicht stoff genug habe für zwei briefe an zweie, die nur eins sind A. v. Droste-Hülshoff
an Louise Schücking 290
Sch.; H. Hopfen der väter zweie (1898) (
buchtitel). IIII.
anwendung. II@11) zwei
als glied der zahlenreihe bei abzählungen und aufzählungen (
im weitesten sinn). II@1@aa)
in einer längeren fortlaufenden abzählung: umme dy buinde sprechin wir, sint sy dar inne geseizchin haint ein jar, sveich, druo, seizhe odir cehinne, daz sy sy bilche behaldin (
v. j. 1308)
hess. urk.-buch 2, 104
W.-R.; (
Annas dat sic pecuniam ...) se hin: ainen, zwen, drey, vier ... schauw, die pesten gib ich dir
altdt. passionssp. aus Tirol 36
Wackernell. häufig in abzählreimen: een, twee, dree du büst free
plattdt. kinderreime aus Schlesw.-Holst. (1908) 103.
attributiv als eins und noch ein ebenso beschaffenes, die nebengeordnet sind, von allem zählbaren: zuene bruodera gelicho getane Notker 1, 758
P.; de erste man, de twie echte wif nam
sächs. weltchron. 68
Weiland; mittheilungen ..., die ein junger ... mann ... in groszer hast zweien damen machte K. Gutzkow
ges. w. (1872) 3, 347; die zwei hobitt hant, die erstant ouch mit zweigen
lucidarius 67
Heidlauf; er hatte ... zwey kraut und fleisch allerdings auffgeriben Grimmelshausen
w. 2, 17
Keller; durch die übersetzung zwoer abhandlungen des herrn Hume J. J. Dusch
verm. krit. u. sat. schr. (1758) a 2
b; doch fielen mir zu meinem trost zween gründe bey B. H. Brockes
ird. vergn. (1721) 2, 60; armuot und alter seind zwo schwer bürde
schöne weise klugred. (1548) 46
b. II@1@bb)
bei maszbegriffen kennzeichnet zwei
eine unscheinbare grösze und meint eine ganz kleine menge, entfernung, zeitspanne: zwey tropffen bösen geblütes stecken den gantzen leib an Lohenstein
Arminius (1689) 1, 28
a; weil sarg und brautbett offt zwey zoll entfernt kaum ist
ders. in: Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1731) 6, 7; ich behauptete, das costüm sei nur noch zwei finger breit vom Hanswurst Göthe I 23, 136
W.; ich wette, nach zweien secunden hätten sie sich angesehen Tieck
schr. (1828) 4, 33; allein das glück dauerte nie länger als zwei minuten G. Keller
ges. w. 4, 46.
ganz allgemein: zwei '
einige, ein paar' Fischer 6, 1424. zwei worte reden, sagen
knapp und kurz mit jem. sprechen: durch hoischeit hoirt mich vort, ich ensain uch numme dan zwei wort Gotfried Hagen
köln. reimchron. 2370; ich wollte gern zwey worte mit ihm reden A. Gryphius
t. ged. (1698) 1, 862; ich habe mich hierüber schon erklärt und will es noch mit zwei worten thun E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 372; ich habe nur zwei worte mit einem herrn zu sprechen Schnitzler
liebelei (1896) 56.
seltener in verbindung mit drei: ich erzehlete ... flugs mit zwey drei worten Chr. Reuter
Schellmuffsky 49
abdr. d. vollst. ausg. II@1@cc) einer oder zwei
für eine geringe anzahl, wenige: als mir aber bald darnach solche ding nit einer oder zwen, sonder mer vnnd vil zu erkennen geben Hutten
opera 1, 407
Böcking; das die menschen nit auff einen tag sAeuffer werden, sonder so sie von tag zu tag ... alle tag eines oder zweier becher weins mehr dann vor trincken Ambach
vom zusauffen e 3
a.
asyndetisch: als ich war jung, hett keinen bart, sonder ein härlin, zwey erschin an meinem ungeschornen kin Spreng
Äneis (1610) 155
b.
in derselben bedeutung: zwey oder drey: dasz ich zwey oder drey lateinische ... wörter mit eingeschoben J. Rachel
sat. ged. 12
ndr.; daher sagt man mit recht, dasz es seit erschaffung der welt kaum zwei oder drei poeten gegeben habe Gerstenberg
schlesw. litbr. 232
lit.-denkm. asyndetisch: in zwei, drey tagen wirst du des gewinns genieszen A. Gryphius
t. ged. (1698) 1, 219; zwei, drei bilderläden waren ihm dabei sehr willkommen Fontane
ges. w. I 5, 156. eins, zwei
und eins, zwei, drei
heiszt besonders in der umgangssprache, '
im umsehen, im nu, schnell': ich liesz mich wohl eins, zwei bedunken, es wer erlogen und erstunken P. Rebhuhn
in: schausp. d. 16. jh. 1, 85
Tittmann; ich eile nun auch an meine geschäfte, und eins, zwey, drey ist der mittag da A. v. Kotzebue
s. dram. w. (1827) 2, 33. II@1@dd) zwei
wird zu eins
in beziehung gesetzt, die überwiegende mehrzahl der belege sind sprichwörter. zwei
vermögen mehr als einer: zwêne sint eines her Hartmann v. Aue
Iwein 6636; zwen heben mer dann einer
schöne weise klugreden (1548) 40
b; zween können mehr als einer Spanutius (1720) 634; zwey hunde halten vester ein schwein als einer
kern auserlesener sprichw. (1718) 68; ein schiff steht an zweien anckern fester denn an einem Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, y 3
b; was ein stund nicht kan thuon, das thuond zwo
schöne weise klugreden (1548) 138
a.
umgekehrt: ich næme ains wîsen mannes muot vür zweier rîcher tôren guot
Freidank 80, 17
Gr.; ain wol undterwiszner oder berichteter mensch ist hOeher zuo achten dann zwen ungeleerte Mayr
sprüchw. (1567) e 5
a. zwei
treffend als verdoppelung von eins: mancher ist so glückhaft, wenn er ein thaler auffs hausz wirft, so fallen zween herab Lehman
floril. pol. (1662) 1, 308; ein kreutzer erspahrt, ist zween gewonnen
ebda 2, 745; amptleut geben dem herrn ein ey, sie nehmen den unterthanen zwey
ebda 1, 20; daheim ist ein man zween S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 53
b; aus einer gab werden zwo, gibstus bald
ebda 1, 138
b; dem man ein ey, dem frommen Schweppermann zwey Pistorius
thes. paroem. (1715) 362.
in ironischer umkehrung: dem arbeyter gehOert ein brot, dem feirer zwey S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 132; dem vromen lecht men en kussen, dem schalke twe Tunnicius
sprichw. nr. 208
Hoffmann. zwei
in der bedeutung von doppelt ohne erwähnung der eins: doch thee wy dan twey socke an, dat us de herschap nicht hore ghan H. v. Ghetelen
narrenschip 81
Brandes; so seind doch ewer noch vier, wOelche meiner und desz ritters stercke wol zwo haben Wickram
w. 1, 50
lit. ver.; der staub bedecket die stirne (
Friedrichs d. gr.), die zweene cronen verdient Karschin
ged. (1764) 132.
einen doppelten zweck mit einem mittel erreichen: zwey ding thun in einem streich Dentzler (1716) 372
a; zwei mucke
n auf einen schlag, streich treffe
n Fischer 6, 1423; zwei fliegen mit einem schlage treffen Binder
sprichwörterschatz (1873) 53.
vgl. hierzu 3 c. II@22)
ein ganzes spaltet sich in zwei teile auf: lahan thes tempales zislizzan uuas in zuei teil
Tatian 166, 4
S.; ih meine 'y', der fone einemo cinken in zuene sih spaltet Notker 1, 775
P.; und dich vor menniglichen auff den freyen platz führen lassen, und dein leib mit dem schwerdt zu zweyen stücken schlagen L. Fronsperger
kriegsbuch (1573) 1, 16
b; der könig bricht, wie ers gehört, den becher in zwo stücke Hebbel
w. 7, 85
Werner. daraus erwuchs das adverbielle in zwei (
vgl. ags. on twa Bosworth-Toller 1022;
altostfries. twā
neben atwā v. Helten 336) '
in zwei teile, stücke'
in verbindung mit teilen, schlagen, reiszen, zerbrechen
u. ä.: allero rihho gahuuelih in zuei zasceitan zagengit (
divisum contra se)
Monsee fragm. 7
H.; that fêha lacan tebrast an middion an twe
Heliand 5656; duo diu vrone godes hant diu spêhin werch gescuoph so manicvalt, duo deilti got siniu werch al in zwei
Annolied 23
Rödiger; si hete ir leben in zwei geteilt: daz ein teil gab si dem gebet, ... daz ander gab si zuo erbeiten
d. hlg. regel 13
Priebsch; ein zung in zwey gespalten Maaler (1561) 534
b. in zwey brechen, springen
u. ä. in viele stücke zerbrechen, zu existieren aufhören: lieb on gesicht gar leicht in zwei bricht
schöne weise klugreden (1548) 61
a; sie (
die wagenkette) sprang auf den ersten hieb vor seiner in zwei wie glas bezauberten klinge Wieland
d. neue Amadis (1771) 179. in zwei
in dieser bedeutung in den maa.: Müller-Fraureuth 718.
im nd. twei
alleinstehend: Schambach
Göttingen 237; Danneil
plattdt. wb. 229; Schütze
holstein. id. 4, 293.
seit dem mhd. ist daneben die zusammengewachsene form inzwei, enzwei
immer gebräuchlicher geworden, s. mhd. wb. 3, 952;
heute dafür entzwei (
s. d.). II@33)
von zwei
gegebenheiten wird eine herausgehoben: alteruter einer unter den czwain (
v. j. 1421) Diefenbach
n. gl. 18.
diese verwendung des zahlworts hat in einigen fällen zu sprachlichen sonderprägungen geführt. II@3@aa) zwei
handlungsmöglichkeiten stehen zur wahl: ihr bestes tagwerk ist, die ovenbank zuo messen, und eins von zweyen thun alsz schlaffen oder fressen J. Rachel
sat. ged. 16
ndr. die entscheidung für eine von ihnen fällt aus einer konfliktsituation, die nur ein entweder —
oder zuläszt: wann dem reht sol sin, dem muoss ye under zweyen dingen eins geschehen: entweder er sol gab niemen (
nehmen) und lernen haben in den wercken, oder er sol alle werck lassen Eckhart
rede d. unterscheidg. 13
Diederichs; entweder ihr werdet den mammon müssen hassen und gott lieben oder werdet gott hassen und den mammon lieben: der zweier musz eins sein Luther 6, 49
Erl.2; inn oder ausserhalb der ehe ist beschwerden, yedoch so muosz man under zwayen bOesen das geringst annemen G. Mayr
sprüchw. (1567) b 7
b; aus zweyen eins hast du dir zu erwählen A. G. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 148.
mehr vom logischen aus gesehen: darumb mus der zweier eines sein, das du Luthers schrifft nie recht gelesen noch recht verstanden hast B. Raida
widder Agricola (1539) b 3
a. II@3@bb)
die schwierige lage des menschen, der zwei
dinge auf einmal tun will oder gar in einer konfliktsituation um seines vorteils willen zu keiner klaren entscheidung kommen kann, malt der volksmund in einer reihe von anschaulichen und drastischen bildern aus, das älteste ist biblisch: ni manna mag twaim fraujam skalkinon
Matth. 6, 24; tu nemaht nieht mit einero dohder zeuuena eidima machon Notker 1, 595
P.; zweyen herren dienst zu sagen, mit eym hund zwen hasen iagen, loben dort und dorthin klagen das kan nit seyn durch grosze witzen Murner
schelmenzunft 32
ndr.; zwen brei in einer pfannen kochen
schöne, weise klugreden (1548) 41
b; keiner kan mit einem löffel auff einmahl zwo suppen versuchen Lehman
flor. pol. (1662) 1, 146; zween köpf laszen sich nicht mit einem hut bedecken
ebda 1, 187; wer zween weg will gehen, musz den ars und die bruch zerreiszen
ebda 3, 489; er kan zwu wend auff einmal malen Eyering
cop. prov. (1601) 2, 381.
auf menschen, die mit ihrem reden zwei meinungen, tätigkeiten, parteien gutheiszen, um es mit keiner zu verderben: ausz zweyen münden kallen
schöne weise klugreden (1548) 41
b; du redest mit zweyen zungen Tappius
adag. cent. septem (1545) v 5
a;
duplices viri ... proverbio dicuntur ... ungewisze, falsche leute, die mit zweien zungen reden B. Faber
thes. (1587) 266
b. zwischen zwei stühlen sitzen,
nämlich auf keinem von beiden platz finden, heiszt es von diesen leuten, die durch schwanken oder falschheit es mit beiden parteien verdorben haben, vgl. teil 10, 4,
sp. 333: sus bin ich an die blozen stat zwischen zwein stüelen gesezzen, an der selben stat hat si min vergezzen W. v. Metz
in: minnes. 1, 307
a v. d. Hagen; also das wir zwischen zweyen stüln in die eschen grob möchten nider sitzen und von allen enden verstozen werden Fischart
bienenkorb (1581) 101
a; du benimmst dich falsch und setzest dich zwischen zwey stühle Göthe I 42, 2, 133
W. II@44) zwei
gehören eng zusammen, sie bilden ein paar, in vielen fällen steht hier zwei
an stelle eines alten duals oder für '
beide'. II@4@aa)
von der liebes- und ehegemeinschaft: zauwei gimahhido
par (10.
jh.)
ahd. gl. 2, 269; zwei herze und einen lîp hân wir gar ungescheiden Wolfram v. Eschenbach
lieder 3; es müssen alle zeit zwei ungleiche zusamen kommen Tappius
adag. cent. sept. (1545) h 2
b; denn da kommen offt zweene ehegatten zusammen, die nicht viel haben Joh. Quirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 96; das liebesband, dessen geheime süszigkeit Clarissa preist, erfordert zwo vereinigte seelen Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 184; ein schauspiel für götter zwei liebende zu sehn Göthe 11, 289
W. vom tierpaar: gabin ... zua gimachun turtilitubun (
par turturum)
Tatian 7, 3
S. absolut: bidhiu huuanda sunu ist, nibu fona zuuem chiboran uuerdhe
Isidor 3, 15
H.; die umb ein genäschelin zwei in eine kamer stôzent Berthold v. Regensburg 1, 121
Pf.; zwei liebten sich und wollten sichs nicht sagen O. Ludwig
ges. schr. 2, 423; zwu sein a par K. Rother
schles. sprichw. 138
a. II@4@bb)
von der freundschaft: also dasz zwen recht ware freund ... gleichsam ein christenlich ehe in got mit einander haben S. Franck
sprüchw. (1545) a 1
a; zween tiefsinnige freunde besprachen sich J. H. Voss
s. ged. (1802) 6, 272; zwei freunde, die wir in des ufers höhlen versteckt gefunden ... ... sind in meiner hand Göthe I 10, 24
W.; zwei musikfreunde brauchen nur erst einmal etliche quartette oder trios schlecht zusammen gegeigt zu haben, dann verstehen sie sich leicht W. H. Riehl
mus. charakterköpfe (1899) 2, 287.
im sprichwort wird den zweien, die zusammenhalten, der dritte entgegengestellt: daz zwein ist reht ze wit ist drin
Winsbeke 9
Haupt; wann zu hof zween zusammen halten, so ist der dritt ihr narr Lehman
flor. pol. (1662) 1, 422; können zwein sich vertragen, hat der dritte nichts zu sagen Simrock
d. sprichw. 668. II@4@dd)
von paarigen körperteilen: due palme zo palma (8./9.
jh.)
ahd. gl. 1, 409; zuêne dine spunne sint samo zuei zuinele kizze der reion Williram
hohes lied 26
Seem.; zwai praune euglin klar Oswald v. Wolkenstein 63
Schatz; ... alse zweiger ougen, swer sich ein ouge keret, der keret sich daz ander nach
lucidarius 75
Heidlauf; sie blickte mich mit ihren groszen seelenvollen zwei beiden augen an Gaudy
s. w. 2, 132; mein lieb gab mir ein umbevank zwe ermlin blank Uhland
volksl. (1844) 1, 86. zwei augen
für einen menschen: zwei augen ändern oft viel Fischer 1, 440; vier augen sehen mehr dann zwey
schöne weise klugreden (1548) 109
a; auf zwei augen leihen
einen hof auf lebenszeit eines, auf vier augen
auf lebenszeit beider gatten verleihen Fischer 1, 440.
ein geschlecht steht auf zwei augen,
wenn es nur noch einen lebenden erben hat: hingegen überkommst du ... die anwarthschafft zu so vielen königreichen. denn diese stehen auf den zweien augen seines einigen sohnes Hippon Lohenstein
Arminius (1689) 1, 157
a; dasz der stamm im norden nur noch auf zwei augen stehe A. Sperl
fahrt nach d. alten urkde (1898) 24. auf zwei beinen
als kennzeichnung des menschen: ufreth sol er gen, an zuein beinen sten
genesis 209
Dollm.; ist denn das auf zwei füszen aufrecht einhergehen etwas so groszes, dasz ... E. Th. A. Hoffmann
s. w. 10, 16
Griesebach; hei wir de allergrötste esel, de up twei beinen rümmer lep
F. Reuter
w. 1, 267
Seelm.; e
n verzwickter pfiffikus wie nid lîcht eine
r uf zwei beine
n schweiz. id. 4, 1295; wenn der weber noch uf zwee been'n rumlauft, da machst du'n schonn a sarg fertig G. Hauptmann
weber (1892) 54. II@4@ee)
von paarigen kleidungsstücken: zweine ermeln
leben d. hl. Elisabeth 8297.
im mhd. häufig für '
ein paar schuhe, strümpfe': der herre bat sie dar bestân und heiz die goltsmide sîn zwêne schuh silberîn îlende giezen unde zwêne von golde
Rother 2024; von vilze truoc er einen huot und zwêne schuohe rinderin Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 1657; alle jar zwen sokche und vier schueh (
v. j. 1325)
mon. boica 12, 167; zwêne niuwe hantschuoh er unz uf den ellenbogen zoch Neithard 75, 13.
mundartlich noch gebräuchlich, s. Schmeller-Fr. 1169. zwei hosen eines tuchs
sagte man früher von gleichgesinnten, gleichgearteten: ich nimm es für eins, procurator und advokat ... es seind zwo hosen eins tuochs Keisersberg
Marie himelfart (1512) 2
c; zwo hosen eins duoches Tappius
adag. cent. septem (1545) b 5
a.
vgl. teil 4, 2,
sp. 1839.
ähnlich: dat sün twe el vun een stück Mensing 5, 213. II@4@ff) zu zweien
als feste verbindung: steigt er (
der basz) ... per gradus herunter, so musz man alzeit zu zweyen frische concordantzien spielen
Königsbg. dichterkreis 36
ndr.; einzeln, zu zweien und vielen Göthe I 15, 4
W. (
Faust); ich mag recht viel erzählt haben, sie wissen, so zu zweien, und beim guten glase Storm
w. (1899) 4, 195; und Minz und Maunz, die schreien gar jämmerlich zu zweien
Struwwelpeter 7; sechs türme steigen zu zweien übereinander an der steilen seite eines fast senkrechten felsens empor Moltke
schr. u. denkw. 1, 118.
ma. zu zween Martin-Lienhart 2, 922.
mit fortfall der dativendung: wir wandelten zufrieden, wir glaubten uns zu zwei Göthe I 1, 114
W.; könig Helge, der held, und die maid Sigrun, sie muszten zu zwei im hügel ruhn W. v. Strachwitz
ged. (1891) 235; nu also denn! wir sind zu zwei Grillparzer
s. w. 8, 27
Sauer. jünger und seltener zu zweit: unten an der stieg hört ich drauf zu zweit pispern maler Müller (1811) 3, 137; ich habe schon gehört, dasz ihr zu zweit mitwollt Hans Grimm
volk ohne raum 2, 444.
vgl.zu zwät gehn
schwanger sein Martin-Lienhart 2, 922
b. II@4@gg) je zwei und zwei
in distributiver verwendung schon dem germanischen eigen, vgl. aisl. oe tuinne ok tuinne: irweliti sibincig unta ziweni iungerun, der er ie ziweni unde ziweni furisanti (11.-12.
jh.) Graff
diut. 3, 120; mit Noe in der arke waren allerhande vogele, dier ja tve und tve
sächs. weltchron. 69
Weiland; sich ye zwen und zwen zuosammen thetten Wickram
w. 1, 63
lit. ver.; je zwey
sive je zwey und zwey
alias je zwene
bini, binae, bina Stieler 2657.
im spätmhd. kommt daneben zwei und zwei
auf, das sich im nhd. durchsetzt: ... so sach ich zway und zway hübscher wort in züchten pflegen Hätzlerin
liederb. 138
Haltaus; zwischen zwei und zweien schiffen W. Xylander
Polybius (1574) 19; es theilten zwey und zwey den humpen unter sich und soffen auf die reyh J. Rachel
sat. ged. 86
ndr.; die quellen sich gesellen, die vöglein zwei und zwei ... Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 274.
mundartlich: zwei und zwei
in paaren Martin-Lienhart 2, 922. II@4@hh)
duale bedeutung hat zwei
besonders nach pers. pron. es vertritt in dieser stellung beide: uuîb, ih zellu thir ein,uuaz drifit sulih zi uns zwein Otfrid 2, 8, 17
P.; son weiz doch lützel ieman, wiez under uns zwein ist getân Kürenberg
in: minnes. frühl. 10, 8; si beide einander meinden mit solher kraft, daz von in zwein ir beider muot sich slôz in ein Rudolf v. Ems
Alexander 15347
J.; unser meister hat uns gesant uns tzwen zu dir ...
altdt. passionssp. aus Tirol 22
Wackernell; geht hin, ir zwen H. Sachs
w. 2, 33
K.; nach dem ich von dir gekommen und wir zwey geschieden seyn
Venusgärtlein 7
ndr.; ich denke, wir zween kennen uns genauer Schiller 1, 200
G. und liesz uns zwei bein knechten daheim im hinterhalt Fr. Rückert
w. (1867) 1, 63.
in pleonastischer ausdrucksweise werden zwei
und beide
zusammengestellt: met dem nette er besloch si twei beide Heinrich v. Veldeke
Eneide 5646; ja, wenn er wüszte, was wir zwei beide, ich und du, alles schon darüber verhandelt hatten B. v. Arnim
Cl. Brentanos frühlingskr. (1844) 1, 236; das fleisch gibt wintervorrat für uns zweibeide J.
V. v. Scheffel
ges. w. (1907) 2, 159.
mundartlich bes. md. und nd.: mir zwä bäde Jecht
Mansfeld 129
b; mer gehn alle zwee beede hin Albrecht
Leipzig 242
b; wir zwee beede Brendicke
Berlin 169; Mensing 5, 215. II@55) zwei
sind sehr verschieden untereinander, diese verschiedenheit kann sich bis zum kampf gegeneinander steigern. II@5@aa)
eine gegebenheit wird von einer zweiten deutlich abgegrenzt, ihr anderssein wird betont: dannini lisit man, daz zwâ werilte sî
n. diu eine, da wir inne birin, diu ander ist geistin
Annolied 26
Rödiger; drum ich zwo erbeit thun, die erste, das ich dr. Carlstadts grund und meinung klerlicher darlege, die ander, das ich drauf antworte Luther 18, 152
W.; es sind zwo welt, eine zürnt, die ander gibt nichts darauff
schöne weise klugreden (1548) 79
b; das ungerecht gut wil zween schelmen haben, einer der es gewinnt, der ander, der es verthut Lehman
flor. pol. (1662) 1, 10; Deutsche haben zwo naturen, denn die mode schaffet an, dasz man, was man gleich nicht ware, durch die mode werden kann Logau
sinnged. 606
E.; zwen ärzte verlieh den kranken menschen Apollo, einen dem sterblichen leib, einen dem ewigen geist Herder 26, 30
S.; du bist dir nur des einen triebs bewuszt, o, lerne nie den andern kennen! zwei seelen wohnen, ach! in meiner brust Göthe I 14, 57
W. (
Faust). II@5@bb) zwei '
zweierlei, verschieden': wort und werck sind zwey ding Lehman
flor. pol. (1662) 3, 492; sagen und thun sind zwey
dicere et facere diversa sunt Dentzler (1716) 372
a; versprèchen an hale sen der zwee Gangler
Luxemb. 495; so ist nun zwei zu thun, doch sint wir zwei: der eine schleicht ins haus, indes der andere die stützen (
der brücke) losgräbt ... Grillparzer
s. w. 8, 56
Sauer. hierher auch: jedes ding hat zwei seiten: das unternehmen ... hatte zwei seiten, die churfürsten muszten gewonnen, jene antiöstreichische partei muszte aufrecht erhalten, verstärkt werden Ranke
s. w. (1867) 1, 243; sieh, Lehnert, es hat ja doch alles seine zwei seiten Fontane
ges. w. I 6, 41. II@5@cc) zwei
kämpfen gegeneinander: ich stund dabei und sach mit meinen augen zwo ungeheure schar ... miteinander streiten, auf einer grünen heide
ackermann aus Böhm. 39
Bernt; und find da ihrer zween, auf einem engen platz im heiszen kampfe stehn D. v.
d. Werder
Ariost (1636) 11, 16; zweene räuber zankten sich des gestohlnen esels wegen Hagedorn
s. poet. w. (1764) 2, 50;
sprichwörtlich in vielen wendungen von zweien
die unverträglich sind und leicht zum streiten kommen: zwen harte steinmaln nimmer klein Fischart
w. 1, 171
Hauffen; zwei, die einen buhlen haben, zwene hunde an einem bein stimmen nimmer oder selten über ein Fr. Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) a 2
a; man findt gar selten in eim hausz zween haan ohn ein tAeglichen strausz. doher man von zween haanen spricht: vertragn sich auff einr misten nicht Eyering
cop. prov. (1601) 3, 614; zwen könige können sich nicht in einem reiche vertragen A. Olearius
pers. rosenthal (1696) 4; zwei weiber in einem haus ist ein graus Fischer
schwäb. 6, 1423. II@66)
substantivierungen des zahlworts zwei
begegnen seit dem ahd. (
von personen). II@6@aa)
die substantivierung ist manchmal elliptisch zu verstehen: ih gihun ... zuene nibesuonda, so ih solta Steinmeyer
kl. ahd. sprachdenkm. 330; für Salomo zwuo (
frauen) kumen sind J. v. Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 108; ich bin für frieden, aber zum guten frieden gehören zwei Fontane
ges. w. I 6, 32. II@6@bb)
auf anderer linie liegt die zwei,
wo auf vorher erwähntes zurückgegriffen wird; es ist dem häufigeren die beiden
gleichwertig (
vgl. Behaghel
dtsche syntax 1, 437)
und kann dualen sinn haben (
vgl. 4 h): fone diu inteta sih diu erda unde ferslant Dathan unde beuuarf daz gesemine Abiron. die zuene uuarun des strites houbet Notker 2, 453
P.; ... daz si sahen an diu zwei bî ein ander (
Parzival und Kondwiramurs) Wolfram v. Eschenbach 187, 29; der hencker hawt die zwen mit gerten aus H. Sachs
w. 2, 19
K.; aber ich habe unter den zweien (
freundschaften in der not und im glück) eben den underscheidt, den die ärtzt under den speisen Hutten
op. 1, 448
Böcking; ach, möchte von den zweenen nur einer menschlich sein und sich zu leben sehnen! Joh. E. Schlegel
w. 1, 42. II@6@cc) zwei,
f., als bezeichnung der zahl zwei (
vgl. zweier),
überall gebräuchlich, ebenso im karten- und würfelspiel die fläche oder karte mit zwei
augen. zwei
für zweiheit, zerrissenheit in zwei teile; die einheit musz verschlingen die böse zwei dann soll es donnernd klingen: Deutschland ist frei G. Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 22. II@6@dd) zwei
als uhrzeit: nachdem und es zweu in die nacht ... geslagen hette (15.
jh.)
chron. d. dtsch. städte 2, 324; do es was umb die zwei, weckt man uns uff Th.
u. Fel. Platter 57
Boos; es ist auf den zweyen Dentzler (1716) 317
b; um zwei, gottlob, und um die drei glänzet empor ein hahnenschrei Mörike
w. 1, 162
Göschen. II@6@ee) zwei,
n., für das paar in der poetischen sprache des 17.-19.
jh. vorzugsweise vom liebes- und ehepaar: dieses traute zwei Phil. Zesen
adr. Rosemund 1
ndr.; lebe wohl, beglücktes zwei! Picander
ernst-scherzh. ged. (1727) 109; doch ist diesz hohe zwei der eltern denn nicht hier? v. König
ged. (1745) 55; liebe, menschlich zu beglücken, nähert sie ein edles zwei, doch zu göttlichem entzücken bildet sie ein köstlich drei Göthe 15, 1, 228
W. selten vom freundespaar, paarigem körperteil: hier lagert sich das sichre zwey (
zwei bürger) recht biedermänniglich von allen sorgen frey Hagedorn
nebenstunden 80
ndr.; das wollenweiche zwey der halbversteckten dinger (
brüste) Chr. Weise
grün. jugend überfl. ged. 23
ndr. II@77) zwei
in adverbialer bedeutung für zweimal: wenn er einst oder zwey vermanet ist Luther 8, 174
b Jena; wenn ein weib die ehe bricht ... doch inmittelst einmal zwey jhrem ehemann das bett macht Lehman
flor. pol. (1662) 1, 51; und schrie ich einmal, zwei oder drei: Christoph! Götz v. Berlichingen
lebensbeschreibung 19
Bieling. der bedeutung des adv. sehr nahekommend: darunter ist ein tagwerk, das tregt zwey gras
mon. boic. n. folge 2, 1, 314.