zweierlei,
adv. ,
adj., subst. von, auf zwei arten, zwei verschiedene. vom 13.
jh. ab bezeugt durch zusammenrückung der genetive zweier
und leie
gebildet. die schreibung in zwei wörtern ist später nur noch vereinzelt überliefert: zweier lei bch (
obd. 14.
jh.) Diefenbach
n. gl. 53
b; twier leye lde (
nd. 1417)
ebda 53
a. zweierlei
ist jünger als zweierhand,
es ersetzt dieses gelegentlich in jüngeren ausgaben, s. Hugo v. Trimberg
renner 19028
Ehrism. zweier hande,
für das der Frankfurter druck zweierlei
einsetzt, s. Warlies
Frankf. druck d. renner 64.
im 16.
jh. verdrängt zweierlei
das ältere zweierhand
gänzlich. 11)
attributiv, frühzeitig adjektivisch empfunden, wie vereinzelt auftretende flexion zeigt: und ein mensche gewart von der zweierleien art des vleischs und ouch der gotheit H. Hesler
apokal. 13012
Helm; wir schicken dir hiemit zweyerlei müntz
privatbr. des mittelalters 1, 129
Steinhausen; hie soltu mercken, das zwayerlay volkomenhait ist Keisersberg
granatapfel (1510) f 4
a; nicht zwei oder dreyerley getreide, sondern allerley C. Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 1; ider mensch hat zweyerley gestalt: eine euszerliche und innerliche Butschky
Pathmos (1677) 44; zweyerley frömmigkeit und zweyerley tugend entstand ... in Egypten Zimmermann
über d. einsamkeit 1, 150; die hat zweierlei gesichter, eins für sich und eins für die andern leut O. Ludwig
ges. schr. 2, 353.
vom abendmahl: das sacrament in zwayerley gestaltt
reform. flugschr. 1, 67
O. Clemen; ... man den leyen geben sol also dein heilig abendmal in zweyerley gestalt B. Krüger
aktion v. anfang u. ende d. welt (1580) j 2
b. zweierlei tuch
vom rock des soldaten: darum soll ich zweierlei tuch tragen und zur fahnen schwören Holtei
erz. schr. 7, 107; sie will nur liebhaber von zwarala tuch Hügel
Wien 200.
von den beiden geschlechtern: der mensch ist von zweyen stücken ... geschaffen und hat zweyerley eltern R. Lorichius
paedag. principum (1595) 206; wenn einer in sein zwanzigstes geht, darf er schon ahnden, es gebe zweyerley leuthe U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 60.
schon früh gerät die bedeutung von -lei
in vergessenheit, weise, weg, art
wird zu zweierlei
hinzugefügt: nu dise mirr wirt an gesehen in zweyerlay weiss Tauler
sermones (1508) 10
a; solches aber ist auff zweierley weisz warzunemen C. Huberinus
spiegel d. hauszucht (1553) 77
a; von dieser frag ... welche in zweyerley weg verstanden wirdt Ph. Bech
Agricolas bergw.-buch (1621) 2; sie können auf zweierlei weise wohnen H. Grimm
volk ohne raum 1, 256. 22)
prädikativ: der aufgank und der underval der himelzaichen ist zwaierlay Konrad v. Megenberg
sphaera 27
Matth.; videtur, quasi sint zweyerley,
sed puto unum esse Luther 34, 1, 236
W.; die tonart ist wie bekannt zweyerley, die harte und die weiche J. Quantz
anweisung d. flöte zu spielen (1789) 53; tod und leben sind nicht so zweierlei, als man sich einbildet Fouqué
alts. bildersaal (1818) 3, 125; wir vergessen in Deutschland gern, dasz forschung und darstellung zweierlei ist W. Scherer
kl. schr. 1, 455.
beliebte form der sentenz, um auszudrücken, dasz zwei dinge, zustände, handlungen weit voneinander entfernt sind, wenn sie auch zusammenzugehören scheinen, vgl. zwei 5 b: lieb und freundschaft ist zweierlei Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 10
a; gereden und halten ist zweierlei
schöne weise klugreden (1548) 134
a; ampt und person seynd zweyerley Lehman
flor. polit. (1662) 1, 19; künstler sein und genie sein — ist zweyerley Lavater
physiogn. fragm. (1775) 3, 95; freund! demonstrieren und empfinden sind zweierlei G. Forster
s. schr. (1843) 7, 181. 33)
subst. als subj. und obj., seit dem frühnhd. bezeugt: deren ich zweyerley befind Stumpf
Schweizerchron. (1606) 431
a; zweyerley bitt ich von dir, zweyerley trag ich dir für P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 313; es musz mir der könig von A. ... zweierlei versprechen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 175; denn dazu hat mich zweierlei bewogen J. Riemer
polit. maulaffe (1679)
widm.; wie schön ist die aufgabe des zweierlei (
ohne abgötterei und heuchelei und weder in armuth noch in reichtum zu leben) im leben gewandt Herder 12, 188
S.; zweierlei wird man uns lassen müssen: leidenschaft und phantasie Fontane
ges. w. I 1, 272.
mit präp.: war seine (
Friedr. d. gr.) absicht auf zweierlei gerichtet Ranke
s. w. 28, 390. 44)
im älteren nhd. selten als adverb: got schowt man zwayerley Luther 10, 3, 406
W.; wir mögen disz wort zweierley gebrauchen
schöne, weise klugreden (1568) 54
a. —