gummi,
m., n. herkunft und form. vereinzelt schon im 13.
jh. (
s. u. 1),
allgemeiner im 15.
jh., aus mlat. gum(m)i (
auch gum[m]a, -um,
s. Diefenbach 271
a)
entlehnt, das selbst über lat. gummi, cummi,
n., griech. κόμμι,
n., auf altägyptisch ḳmj.t
zurückgeht, der bezeichnung eines wohlriechenden harzes, vgl. E. Littmann
morgenländ. wörter2 12; H. Schulz
dt. fremdwb. 1, 258.
die fremde form ganz als deutsch empfunden: gummi lateinisch gleichfalls gummi Wirsung
artzneib. (1588)
reg.; ältere eindeutschung zeigt die endungslose form gum
in selbständigem gebrauch zur glossierung von lat. armoniacum, euforbium, lacca u. ähnl. schon im 15.
jh. bei Diefenbach 637
c; 641
a; 642
a;
noch im 18.
jh.: der klare gumm Brockes
jahreszeiten (1745) 215
und in mod. westl. ma. Martin-Lienhart
elsäss. 1, 219
a;
rhein. wb. 2, 1486;
Elberfelder ma. 64
b; gumme
bei Hesler (
s. u.) und (15.
u. 16.
jh.)
bei Diefenbach 271
a,
ebenso bei Simon Roth
dict. (1572) g 8
b;
noch schweiz.: zweier gattig (
gattungen) gumene J. Gotthelf
ges. schr. 18, 75;
daneben vereinzelt gomme
ndrh. 1507
bei Diefenbach
gloss. 271
a sowie gummis,
f., nach lat. cummis, gummis,
f., Corvinus (1660) 1, 655;
contaminationsformen, latinisierend: ein schaum oder leimächtige gumia Zoleckhofer
beschreibg. (1564) 157;
entsprechend gummien (
pl.) Harsdörfer
frauenzimmergespr. 4, 469;
weiterhin formen wie gumin, gummig
u. ä. das genus schwankt im deutschen seit dem 16.
jh. dem lat. entsprechend scheint das n. vorzuherrschen, so durchaus noch in den wbb. des 18.
jh.: 'gummi
n., von einigen im deutschen irrig im männlichen geschlecht gebraucht' Adelung
vers. 2, 841;
heute neigung zum m., z. b. Seiler
kultur im spiegel d. lehnw. 2, 138; H. Schulz
dt. fremdwb. 1, 258; Weigand-Hirt 1, 779;
aber: 'gummi,
n., österr. als gleichberechtigt auch m., so auch volksmäszig bes. in der bedeutung radiergummi' Duden (1929) 202
b. gummi
gewöhnlich indeclinabel: der mastix, die gummi, die glet
etc. vermögen nicht einen tropfen fleisch zu geben Paracelsus
op. (1616) 1, 42;
für den plural umschreibung durch aus lat. gummata
gebildetes gummate: die mortification der ... gummaten Paracelsus
op. (1616) 1, 895,
ebenso Kaltschmidt
gesamtwb. (1834) 363
a;
für jüngere zeit kennen gen. sg. und n. acc. pl. gummis Sanders 1, 639
c, Duden
a. a. o.; von gum(me)
starke und schwache pluralformen (
s. u.).
bedeutung und gebrauch. 11)
ein z. t. in flüssigkeiten lösliches harz aus dem saft verschiedener bäume, zunächst orientalischer: gummi arabicum heizt ein arabischer zaher Konrad von Megenberg
buch d. nat. 369, 3
Pf.; in einem md. kräuterverzeichnis: armoniacum (
harz des ammoniakbaums),
euforbium (
der milchartige saft eines afrikanischen gewächses),
sarcocolla (
persisches gummi)
u. a. ein gum Diefenbach 637
c; 641
a; 644
a; labdan, das ein gummi aus Cypern ist Herold-Forer
Geszners thierbuch (1563) 19; drithalb lot des frembden gummi armoniaci W. H. Ryff
spiegel u. regiment d. gesundheit (1544) 115
a; ihr (
einer amerikanischen baumart) schweres hartes holz ... liefert ein röthliches gummi G. Forster
s. schr. 4, 192;
auch von einheimischen baumarten, bes. von kirschbäumen: gummi katzen clare flinsche (=
kirschharz)
vel gumme
voc. lat. germ. (15.
jh. md.)
bei Diefenbach 271
a;
gummi gumme, bech, hartz, aber solches von weichsel- und kirschbäumen, das fein braun ist, wie man an dem arabischen sicht, den man für den besten achtet S. Roth
teutsch dict. (1572) g 8
b;
s. auch unten Sebiz
feldbau (1579) 348; v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 340
b;
das fremde und das einheimische gummi
gegenübergestellt: gummi cerasorum kirschbäumen gummi
und gummi arabicum arabisch gummi Joh. Orsäus
nomenclator method. (1623) 243; in der teutschen sprache aber soll er (
der Harz) den namen haben vom hartze oder dem zehen safft und gummi, so häuffig ausz den bäumen im walde fleust J. Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 75;
als krankheitserscheinung: also wie ein baum, wann er aus untauglicher erden die nahrung an sich ziehen musz, von brand, wurm, gummi und andern zufällen belästiget wird W. H. v. Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 155;
auch mundartlich für harzflusz, s. rhein. wb. 2, 1486;
in dieser verallgemeinerung erscheint es im gewöhnlichen sprachgebrauch bis ins 18.
jh.: gummi wird insgemein eine jede gestandene öligte oder hartzigte feuchtigkeit genennet, so aus ... bäumen geflossen und hernach hart geworden ist G. H. Zincke
allgem. ökonom. lex. (1744) 1005;
heute wieder beschränkt auf das harz bestimmter tropischer bäume, aus dem insbes. gummi elasticum
gewonnen wird, s. u. 3.
in dem weiteren sinne nur noch fachsprachlich für bestimmte organische säfte überhaupt: die bestandteile der pilze sind ... pilzstoffe, zucker, gummi, gallert Oken
naturgesch. 3, 36; gummi und rohrzucker gelangen durch die nahrungsmittel ins blut Sömmerring
menschl. körper 6, 975; gummi ein höher organisirter körper als zucker Sprengel
chem. f. landw. 2, 167.
unbestimmter in den frühesten belegen als besondere kostbarkeit: stuchten (
lat. stactes), gumin und resin sol iuwer kleinöde sin R. v. Ems
weltchr. 7644;
als räuchermittel: do wart im in daz vaz (
d. i. rouchvaz) gegeben ein brunst, allen guten smacken eben ... das sint al edele gumme, die vor gote wol riechen H. v. Hesler
apokal. 12796;
vgl. der weyhrauch, die myrre, der mastik ... und das pech sindt gewisser bäume säfft und gummi Comenius
janua aur. iv
ling. (1643) 39;
vor allem als arzneimittel, innerlich und äuszerlich (
vgl. gummipflaster)
angewandt: wenn man den diadragant (
ein harz) zerlæt in warmem gerstwazzer und tuot dar zuo den zaher, der gummi arabicum heiszt, und gorgelt in der keln damit, daz ist gar guot wider die kalten huosten Konrad von Megenberg
buch d. nat. 376
Pf.; von pflastern ... da inne geent kostliche stugke zaffran, kamfir und edele gummen (1461)
bei Kriegk
bürgerth. im ma. (1868) 73; euforbium, ein gumi ... ist gut, den unflat ausz zu ziehen ausz den glidern T. v. Vachenberg
marg. med. (1516) 16
v; balsamus ist ein gumi ... mit groszer, wolschmäckender subtiligkeit Braunschweig
chirurg. (1539) 117
b; gummi von kirssbäumen ... zermalen den ... plasenstein Sebiz
feldbau (1579) 348; ... so wirst du sehen, dasz von diesem gummi (
pflaumenbaumharz) die wunde so bald zuheilen wird, als wenn du ein ander kostbar pflaster darauf gehabt hättest v. Fleming
d. vollk. teut. soldat (1726) 340
b;
weiter als färb- und bindemittel: weullendoich ... mit gallen, leckmoisz ind gummen verwen (15.
jh.)
Kölner zunfturk. 2, 107; farben ... einmachen und genau erkennen, zu welchen gummi ... erfordert wird v. Fleming
vollk. teut. soldat 16;
als schminke (
vgl. gummiwasser): sie aber bleibt, wie sie ihr schöpfer hat gezieret, hat sich mit gumme nicht noch silberglät beschmieret Zesen
verm. Helikon 1, 76
a; schreibdinte ausz ... kupferwasser gummi und wein ... zu machen Mathesius
Sarepta (1571) c 4
a; du must auch, fuhr die arglist fort, mehr gummi in die dinte schmeiszen; die schrift wird desto schöner gleiszen Stoppe
Parnasz (1735) 141; zu rogeten (
raketen) ... zum zusatz griechisch hartz oder reschen gummi, genannt colophonium L. Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) z 6
v.
das schon früh (
vgl. oben Konrad von Megenberg 369)
aus den verschiedenen gummiharzen hervorgehobene gummi arabicum
aus der rinde, zunächst arabischer akazienarten bleibt auch später von bedeutung: das gemein gummi, welchs die apotecker arabicum nennen Ryff
confectb. (1548) d 3
b;
auch übersetzt: ein ... linderung von arabischem gummi Sebiz
feldbau (1579) 75;
in der folge auch umgangssprachlich geläufig für das gewöhnlich aus ihm hergestellte gummi 2,
bes. zum unterschied von gummi elasticum (
s. 3)
so benannt. 22)
klebstoff, der seit dem 17.
jh. in der umgangssprache aus der im täglichen leben gewöhnlichsten verwendung des stoffes entwickelte sinn: denn diese (
die liebe) ist ... das festeste ... gummi der welt Lohenstein
Arminius 2, 135
a (
vgl. zuvor: meine seele fester als eine klette klebt); einem halben dürren leim oder gummi ähnlich (1732)
bei H. Schulz
dt. fremdwb. 258; ..., dasz man mit etwas gummi ein ... stück papier darauf leimt Lichtenberg
verm. schr. (1800) 6, 470; mit jenem gummi, das aus der rinde der arabischen acacia vera quillt, ... bilder ... auf papier zu heften Cl. Brentano
ges. schr. 5, 4;
so bis heute vor allem gummiarabicum,
s. oben 1
ende. 33)
der feste elastische stoff, das gleichfalls aus bestimmten gummiharzen durch eintrocknen gewonnene gummi elasticum
oder kautschuk, auch federharz
genannt, 1736
in Europa eingeführt; zunächst gewöhnlich gummi elasticum,
in jüngerer zeit einfach gummi,
bei zurücktreten der verwendung von gummi 2
ausreichend eindeutig: gummi elasticum, elastisches gummi, federharz, ein zäher saft aus der rinde eines baumes in Südamerika Heyse
verdeutschg.-wb. (1819) 238.
da im gebrauch nur in verarbeitetem zustand, vorzugsweise componiert mit dem aus ihm hergestellten gegenstand (
s. 4)
; als simplex für radiergummi
geläufig: Siegbert antwortete, indem er mit dem gummi die negerknaben etwas corrigiren wollte Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 3, 289;
sonst für die entspr. composita z. b. redensartlich: fahren auf gummi (
auf gummireifen) C. Viebig
schlaf. heer (1904) 1, 134;
oder bildlich und vergleichsweise: denke nur, welche treue und ausdauer dazu gehört — gummielastikum ist ja garnichts dagegen Seidel
Leb. Hühnchen (1899) 45;
für elastische beweglichkeit: so einen vom jahrmarkt ... halb närrisch herumtanzen ... und kerzengerade in die höhe hupsen, als sei er von gummi Emil Strausz
freund Hein (1909) 121;
dehnbarkeit, abschätzig: eine rede, die sich etwas in die länge zog wie gummi elasticum Heine
sämtl. w. 3, 148
E.; der abend dehnte sich wie elastisches gummi in das unendliche Jul. Mosen
sämtl. w. (1863) 7, 422; ein gewissen wie gummi
bei Heyne 1 (1890) 1272. 44)
composita mit gummi
begegnen seit dem 16.
jh., vgl. gummitragant,
gummipflaster, gummireich,
adj., Sebiz
feldbau (1579) 424,
bis auf gelegenheitsbildungen wie gummiähnlich, -artig, -haltig, -reich,
substantivisch; zunächst in der bedeutung 1
in der medizin (
vgl. gummipflaster, -tragant, -gutt),
vor allem im botanischen bereich zur bezeichnung gummihaltiger pflanzen und bäume, vgl. gummiakazie (Ritter
erdkde 14, 174), -baum, -distel (Oken 3, 734), -wirbelkraut (
ders. 3, 1628)
u. a. sowie für die aus ihnen gewonnenen producte wie gummiharz, -lack, -wasser.
in neuerer zeit überwuchert von den zahlreichen bildungen von gummi 3
zur bezeichnung von gerätschaften der technischen und chemischen industrie (
z. b. gummikabel, -pfropfen, -riemen, -rohr, -scheibe),
diese bedeutung ist auch umgangssprachlich die vorherrschende; in niederer sprachschicht scherzhaft verächtlich bes. von zähen speisen gummibälle (
klösze), -gans, -wurst; -soldat (
armierungssoldat Imme
soldatenspr. 108).
bemerkenswerte bildungen: gummiball: gewöhnliche gummibälle werden leicht hart und brüchig Kregenow-Samel
gerätkde (1905) 114;
öfter vergleichsweise: bei jedem schritt federte der ganze körper mit wie ein gummiball v. Kahlenberg
d. familie Barchwitz (1902) 127;