treppe,
f. ,
stufe, stiege (
gradus, scala).
herkunft und form. nd. md. wort, das dem obd. von haus aus fehlt; afries. treppe,
f., '
stufe',
mnl. trappa, trap,
f. und m., '
tritt, leitersprosse, treppe, leiter',
mnd. treppe, trappe, troppe,
f., mhd. trappe, treppe,
f. und schw. m., auch eyn trap (
md. 15.
jh., Köln 1507) Diefenbach
gloss. 268
a;
daneben vereinzelte formen mit anlautendem d: drap, drepe
vel stafel (
westmd. 15.
jh.) Diefenbach
a. a. o.; trepp, drappe (
westmd. 15.
jh.)
a. a. o. aus dem nd. entlehnt sind norw. tropp, trapp,
aschw., schw. trappa,
dän. trappe
sowie aschw. trappe,
m. wahrscheinlich verwandt mit kleinrussisch drabyna '
leiter',
tschech. drabina '
wagenleiter', '
heuraufe',
poln. drabina '
leiter', drabka '
krippe'
słown. jęz. polsk. 1, 548
b,
vgl.treppe, drapp, trapp '
über d. krippe angebrachte raufe im pferdestall'
in Unterfranken u. Hessen - Nassau (
nach materialien des atlas d. dtsch. volkskunde).
zu *dreb-,
das auch in ags. treppan '
treten' (trepeþ '
terit'
Kent. gl. in zs. f. deutsch. altert. 21, 144)
und hd. trappen (
s. d.)
zugrunde liegt, vgl. Walde-Pokorny 1, 796; Berneker
slav. etym. wb. 219.
zur selben wurzel gehört ags. treppe,
anfränk. trappa (
lex Salica),
ahd. trapo '
falle',
vgl.trappe,
f., tierfalle. —
die form trap
ist auf die bedeutung '
gradus'
beschränkt (Diefenbach
gl. [] 268
a, Diefenbach-Wülcker 876, Lautensack
circkels underweisung [1563] 14
a)
und geographisch nicht so scharf zu umreiszen wie die bedeutung '
scala'.
diese gilt in der form treppe
vorzüglich für das sächsische (Eilhart 8928
Lichtenst.; Frauenlob
spr. 249, 11
Ettm.; Stolle
thür. chron. 204
lit. ver.; chron. d. d. städte (
Braunschweig 1488) 16, 118;
auch passional 8, 91
K.; 9, 16
H.),
in der form trappe
für das rheinische (
träumender mönch 12724;
Limburger chron. 3.
anh. 115;
chron. d. d. städte (
Köln 1395) 12, 299
und 365;
buch d. byen 140
d;
Karlmeinet 103, 2; Arn. v. Harff
pilgerfart 10
Groote).
vom sächsischen bezirk aus verbreitet sich seit der reformation die einheitliche form treppe: Luther 15, 363; 8, 397
W. u. ö.; Lindener
katzipori 141; 187
lit. ver.; Kellner
chronica (1574) 55
a; Kirchhof
wendunmut 2, 79
lit. ver.; Krüger
Clawert 34
ndr.; Weise
drei erznarren 178
ndr. dialektisch gilt die a-
form bes. rheinisch: trapp Wegeler
Coblenz 78;
auch niederrhein. trapp;
lux. ma. 440
b; Meisinger
Rappenauer ma. 204
b; Askenasy
Frankf. 212; Lenz
Handschuhsh. 72; Bauer-Collitz
waldeck. wb. 105
a;
im späten 16.
und im 17.
jh. sind bei md. nd. autoren sporadische formen mit pf
belegt: trepfe, traepfe, trOepfe, trapfe: Forberger
warhaft. beschr. 92; Hüttel
chron. d. stadt Trautenau 243; Hollonius
somnium vitae human. 60
ndr.; Petri
d. Teutsch. weisheit 2, O o 1
r; Kraus
siebenbürg. chron. 1, 45; Lohenstein
blumen (1680) 22; Weck
beschr. v. Dresden (1680) 237;
alamod. techn. interim (1675) 564;
lexikalisch noch im 18.
jh. Steinbach (1734) 2, 840.
bedeutung und gebrauch. AA. treppe '
einzelstufe, gradus'.
bis ins 17.
jh. die hauptanwendung, die in den wbb. des 16.
und frühen 17.
jh. allein notiert ist z. b. gradus eyn staffel, trappe, tritt Dasypodius 88
b; trapp 442
b;
gradus ein trapp Alberus 248
b;
gradus stuffen, trepffen, stafflen, stiegen Decimator 567; trapp, steige
grado della scala Hulsius
teutsch-fr.-it. 326
b; Weismann (1698) 2, 377;
mit ausdrücklicher unterscheidung scalae stiege,
gradus treppe, tritt, oder stuffe Zehner 514.
seit der zweiten hälfte des 17.
jh. tritt diese bed. in den wbb. aber gegenüber der nunmehr sich vordrängenden bedeutung B '
scala'
zurück (
s. u.B)
und wird seit dem 18.
jh. kaum mehr erwähnt, auch nicht von Kramer
u. Adelung;
zu erwägen ist freilich, wie weit nicht dialektgeogr. momente die aufnahme oder weglassung bedingen: insuper ipsis concedimus edificare quatuor gradus, qui treppen vulgariter dicuntur (1309)
preusz. urkundenb. I 2, 570; (
Maria) die vijftien trappen (
zum tempel) op ghinc (1330)
leken spieghel II,
nr. 4, 29
de Vries; er fûrte sie in ein gewelbe, daz war wol lx treppen tief under der erden
Loher u. Maller bei Lexer 2, 1497; an dem end giengen wir durch ein thür abwerts dreissig steinen trOeppen in ein capellen Joh. Tucher
bericht der meerfart (1561) 12; item bij deser capellen quaemen wir an eyne steynen marmelltrappe, die eecht ind tzentzich trappen hoigh ist ... wir kruffen dese trappe off mit unsen knyen sprechende off yeder trappe eyn pater noster Arn. v. Harff
pilgerfahrt 16
Groote, vgl. dy trap is tweintich treppen heech Diskstra
friesch wb. 3, 313; es hatte der erste tag meiner ankunfft seine endschaft knap erreicht, als ... mich der hauszknecht mit seiner papiernen laterne hundert und 11 treppen hoch zu bett leuchten muszte Chr. Reuter
Schelmuffsky 94
ndr. als auftritt zu möbelstücken: er ist an die seiten gegen der wandt gangen, daselbst die zwo treppen vorm bet ufgestiegen
zimmr. chron. 4, 173; —
in das 16.
u. 17.
jh. drängt sich fast ausschlieszlich die im ganzen seltene bildliche anwendung der bedeutung '
gradus'
zusammen: itlik dach is ein trappe dale gestegen to dem dode 1519 Tunnicius
nr. 1223;
ebenso Petri
d. Teutschen weisheit 1, b 8
a; es wird sich nicht schicken, wenn du ein stiegen hinauf solt gehen, das du gleich auf die öberst träppen wölst springen, sonder du muszt unden anfahen, und ein trapp nach der andern allgemach hinauff steigen Lautensack
circkels underweisung (1563) 14
a; mancher wil auff der spitze desz thurms stehen, were jhm besser, dasz er auff der untersten treppen blieb Lehmann
[] flor. polit. 1, 102; gleichwohl achten sie sich selbst nicht geschikt, die glückseeligkeit zu erreichen, ehe sie durch die treppen der 50 wissenschaften darnach seind aufgestiegen Dapper
Africa (1671) 43
a.
nach dem 17.
jh. in der schriftsprache in der bedeutung '
einzelstufe'
nur noch selten: letzthin kam ich zum brunnen, und fand ein junges dienstmädchen, das ihr gefäsz auf die unterste treppe gesetzt hatte Göthe 19, 11
W.; da du einst ... an den fingern die treppen zähltest von unserm berge herab zu deinen hause Hölderlin 2, 117
L. mundartlich aber, oft als alleinige bedeutung, vielerorts erhalten: Krüger
Emden 69; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 762
b;
treppenstufe allgemein die trappe Askenasy
Frankf. 212; trape,
m., einzelne stufe einer treppe Lenz
Handschuhsheim. 72;
in der bedeutung '
fuszschemel' trappen,
m., bei Stalder
schweiz. idiot. 1, 297;
ebenso trappe, trap Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 430
a; Dijkstra
friesch. wb. 3, 313. BB. treppe '
scala'.
seit Eilhart 8928
Licht. in dieser bedeutung belegt, die bis ins 17.
jh. gleichwertig neben der bed. A '
einzelstufe'
steht, gelegentlich sogar beide unmittelbar nebeneinander angewandt, vgl. Arn. v. Harff
oben sp. 152.
seit mitte des 17.
jh. aber gewinnt sie mehr und mehr das übergewicht und ist heute, wenigstens schriftsprachlich, die alleinige bedeutung von treppe
geworden. dieses vordringen der bedeutung '
scala'
seit dem 17.
jh. spiegelt sich in der lexikographischen verzeichnung. während sie in den wbb. des 16.
jh. noch fehlt, wird sie
erstmalig als dräppe
gegen trapp '
stufe'
abgesondert bei Hulsius-Ravellus 85
b; 326
b;
an zweiter stelle steht sie noch bei Schottel (1663) 1433; Stieler (1691) 2299,
rückt an die erste stelle bei Stör (1663) 2, 487
a und gilt seit Kramer 2 (1702) 1132
a fast ausnahmslos als einzige bedeutung. B@11)
eigentlich: item 3 firdung an 8 pfenge den bretsnydern vor sthuffenholz zu treppen zu snyden
Marienburg. treszlerbuch 161
Joachim. B@1@aa)
grosze meist steinerne freitreppe aus einer mehrzahl von stufen vor vornehmen häusern, kirchen, im sinne des älteren grede (
s. d. sowie Mor. Heyne
hausaltertümer 1, 219): da waren vunfzen stufen an ein treppen geleit, die man nach gewonheit hinuf in den tempel quam
pass. 8, 91
Hahn; anno domini ... sint bede isern lenen an der langen trappen heruff und die ander bie hern Wolfhaens hues die trappe heruff ... gemachet worden
Limbg. chron. 115
mon. Germ.; bij deser capellen quaemen wir an eyne steinen marmelltrappe ... wir kruffen dese trappe off Arn. v. Harff
pilgerfahrt 16
Groote, s. a. oben A; man führte uns eine grosze steinerne treppe hinauf Schiller 4, 203
Göd.; da haben sie gesehen, dasz keine stiegen oder träppen an dem rathhausz gewesen
grillenvertreiber 159;
so appellativ für '
rathaustreppe': welk Russe de to Nowgorod an de treppe genegelt wert, dat men dat uth scrive an der stede (1402)
livl. urkunden nr. 1602, 8;
bildlich: wy mötet de hoge treppe tohop stygen
wir müssen unsere sache gerichtlich (
im rathause)
ausmachen Strodtmann
id. Osnabr. 251.
im inneren des hauses: Salomo lies aus hebenholz treppen im hause des herrn und im hause des königs machen
2. chron. 9, 11; ehe er die treppen (
vom boden herunter) finden und ein lager erreichen könte Krüger
Clawert 34
ndr.; (
er) schleichet ausz allen leibeskräften zur stuben hinausz, und die treppen hinunter zur küchen zu Weise
erznarren 178
ndr.; da fuhr das bett, als zögens sechs pferde, über schwellen und treppen
kinder- u. hausmärchen 1 (1812) 16; die treppen und gallerien an der inneren burgmauer sind ... erhalten Nitzsch
dtsch. studien 203;
auch oft deminutiv: zwischen alle dem schlängeln sich die corridore, die schmalen treppchen Laube
schr. 4, 26.
besonderer erwähnung wert ist der raum unter oder hinter der treppe, in früherer zeit auch als aufenthaltsort (
M. Heyne
dtsch. wohnungswesen 219)
für elende, bettler, narren: [] des tôren hîz die vrauwe dô gar vlîzlîche plegen unde hîz im dô zu wege stetelîchen betten undir die treppin in irer kemenâtin Eilhard 8928
Lichtenstein; als literarisches motiv bes. in der Alexiuslegende verwandt: (
der vater) bevalch sînen knechten, daz si in (
Alexius) heim furten und leiten in zwischen di ezzelouben unde di kuchin under eine treppin Herm. v. Fritzlar
in d. mystiker 1, 162
Pf.; da muste sie ere legerstedde nemen under eyner treppen Wigand Gerstenberg
chron. 189
Diemar. dann, mit veränderter baulicher voraussetzung, der (
abgeschlossene)
raum für die dienerschaft; übertr.: schon wandelt allmählich die populär gewordene litteratur unter die treppe, und mir ist eine lesegesellschaft bekant, zu welcher ein paar kutscher gehören Sturz
schr. (1779) 1, 119; wer weisz, hinter welcher treppe sie den (
bastard) zu stande gebracht haben
dtsche volksbücher 2, 17
Simrock. mit der vorstellung einer art brückenspukes (
vgl. Fried. Ranke
in J. Meier
deutsche volkskunde 206): es ligt wol ein schalck unter der brücken oder treppen, und lest einen ehrlichen mann drüber hingehen oder reiten Petri
d. Teutsch. weish. 2, C c 2
b; es kOenne wol ein frommer über die trAeppen gehen, da ein schalck undenliege, das kOenne der teufel wol leiden, das Christus uber die zung gehe, und er dieweil darunder lige Zinkgref
apophthegmata 257.
weiterhin von stufenförmigen anlagen mannigfacher art: ego Ludowicus ... clericus do domum meam sitam in pede scale seu trappe cymiterii cum area et fundo ob salutem anime mee ... viris religiosis ... (1327)
hess. urk.b. I 2, 380; man sah in die engen, krummen und mit treppen verbundenen gassen hinein, auf kleine plätze, wo brunnen standen Keller
w. 2, 157;
als deminutiv: wenn du aber die winkel nicht scheust, nicht gäszchen und treppchen Göthe 1, 323
W.; (
ich) sah nicht lange zu, sondern eilte von meinem hohen standorte durch allerlei treppchen und gänge hinunter an die grosze Römerstiege Göthe 26, 321
W.; über dieser war auch noch eine andere und kleinere höle, zu welcher man auf einer ... in den stein gehauenen treppe stiege S. v. Birken
ostländischer lorbeerhäyn 84; dort angelangt begann er ... kunstgerecht eine schnurgrade aufwärts führende treppe in das eis zu schlagen Stratz
der weisze tod 129. B@1@bb)
besondere merkmale einer treppe finden in charakterisierenden adjectiven ihren ausdruck, von denen ein teil sprachläufig geworden ist: als ich eine treppe hoch war, fragte ich die magd. 'ich sollte nur diese gebrochene (
d. h. abgesetzte) treppe hinaufgehen' J. G. Müller
aus dem Herderschen hause 21; die westliche einarmige treppe ... ist eine gewendelte treppe Gersbach
gesch. d. treppenbaus (1917) 39; ... im augenblick nahm sie das nachtlicht und ging bebend für angst zur schneckenförmigen treppe Zachariä
poet. schr. 2, 252,
vgl.wendeltreppe; und so schritt sie dem grafen ... voran in das haus und die breite treppe hinauf Keller
w. 3, 165; wo denn auf- und absteigende geister ... ihm beim scheiden die ohnehin schmale treppe verengen Göthe
w. 41, 2, 370
W.; was siehst du nun? Raphael: eine enge treppe abwärts Klinger
w. 4, 8; wir stiegen eine elende treppe hinauf Göthe
w. 31, 134
W. anderer art: man sieht ... die kabinette, kammern und geheime treppen ... des königs Gottsched
anm. gelehrsamk. 9, 732; den herzog nahm er so ein, dasz geheime treppen gemacht wurden, wodurch er ... unbemerkt in sein zimmer kommen könne J. v. Müller
s. w. 3, 46. B@1@cc)
die function der treppe,
ein unten gelegenes mit einem oberen zu verbinden, begründet ihre häufige syntaktische zusammenfügung mit adverbiellen bestimmungen der richtung, die ihrerseits zumeist mehr oder weniger fest mit verben der bewegung verbunden sind. [] B@1@c@aα)
der eigentlichen aufgabe der treppe gemäsz geht dabei der richtungssinn für das bewusztsein am häufigsten von unten nach oben: hiemit stiegen die geistliche die treppe hinauf und verfügten sich in die kammer Chr. Thomasius
gedanken u. erinnerungen 2, 338; Göthe IV 1, 164
W.; Chamisso
w. (1836) 3, 163
u. oft. nun stürmten sie eilends die treppe hinauf Jacobi
w. 8, 115;
so auch die treppe hinauf kommen, gehen, schreiten
u. ähnl., vgl. auch die belege oben unter a
und b;
auch bei transitiven verben: (
sie) führeten uns die treppe hinauf Chr. Reuter
Schelmuffsky 14,
ndr. in dieser verbindung erscheint treppe
selbst gern als subject: die gerade, ohne gelenke emporführende treppe O. Ludwig
ges. schr. 2, 306; eine reich geschnitzte treppe führte mich in eine reihe von zimmern Moltke
ges. schr. (1892) 1, 205.
gelegentlich bleibt das unterbewuszte bewegungsverb ohne sprachlichen ausdruck: in fünf schritten war ich die treppe hinauf S. v. Laroche
frl. v. Sternheim 2, 35.
mit angabe des zieles, attributiv zu treppe
gestellt: so stieg ich die treppe nach einer ... gallerie hinauf G. Keller
w. 4, 177.
nicht selten findet zusammenrückung des adverbs mit treppe
statt: sie stiegen nun wieder treppauf Fontane
ges. w. I 2, 76; treppauf gelangten wir nun in den corridor Matthison
schr. 2, 19; wie eine spinne rannte der knabe treppan G. Keller
ges. w. 7, 227;
davon treppansteigend: gemurmel zahlreicher stimmen und schleifendes geräusch treppansteigender füsze C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 265.
wenn der richtungsbegriff schon im verb liegt, kann seine angabe durch adverbiale bestimmungen fehlen; so vor allem bei steigen,
meist mit der nebenvorstellung des mühseligen: wer keine treppen steigen kann, wird nie hoch kommen Wander 2, 1306; wer eine treppe steigt, hält sich gern an der lehne
ebda; mit anderm gehalt: (
er lernte) wie gesalzen das brot aus fremden händen schmeckt und wie bitter es ist, fremde treppen zu steigen Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 1, 46. B@1@c@bβ)
im umgekehrten richtungssinne: indesz ich die treppe hinunter ging Göthe 31, 143
W.; ich flog die treppe hinunter mit dem festen vorsatze, das haus nie wieder zu betreten 27, 292; die jungfrauen ... schleicht die ... treppen hinab Joh. Wetzel
reise der söhne Giaffers 127,
lit. ver.;
auch hier wie bei α die zusammenrückung des adverbs mit treppe: er ... stapfte wieder treppab Fontane I 2, 81; und liesz den ängstlich vorschnellenden schneider ... mit der lampe voraus treppab leuchten Raabe
Abu Telfan (1870) 2, 131;
in gelegentlicher analogie auch: dann aber eilte ich trepphinunter aus dem hause G. Keller
ges. w. 1, 124.
eine besondere gruppe von verbalen verbindungen bringt den höhenunterschied, den die treppe überwindet, in der art der bewegung zum bewusztsein; vor allem die treppe hinunter fallen: mancher fellet ein treppen oder stigen ab, dass er selbs nit weyss wie im geschehen ist
theatr. diabol. (1569) 54; darüber war er dermassen ... erschrocken, dasz er gleich die treppen hinunter gefallen und für tott müssen aufgenommen werden Prätorius
glückstopf 67.
in redensarten (
vgl.je höher treppe, je schwerer fall Petri
d. Teutsch. weish. 2, j 8
a): er hat einen anschlägigen kopff, wenn er die treppen hinunter fällt Gryphius
lustsp. 11
Palm; uneigentlich '
sich die haare schneiden lassen',
mundartl. weit verbreitet: Christa
Trier. ma. 70; Damköhler
Nordharzer wb. 196 (
mit nachweis einer parallele aus dem schwedischen); Bruns
volksw. d. prov. Sachsen 69; Frischbier
preusz. sprichw. 1, 266,
vgl. der ist die stiegen 'nabgefallen und hat's haar gebrochen Fischer
schwäb. wb. 5, 1757.
als oxymoron die treppe hinauffallen
in seiner laufbahn unverdientes glück haben Breysig
wb. d. bildersprache 230
b.
in verkürztem ausdruck ohne ein eigenes bewegungsverb: wenn mich nicht noch ein bedienter ergriffen, so hätte ich gewisz meinen jungen hals die treppe hinunter gebrochen
samml. von schauspielen (
Wien 1764-69) 2, 26; der ... wunsch, den er mir nachrief, dasz ich auf der treppe den hals brechen möchte Hebbel (1891) 9, 155.
mit derselben erlebnisvorstellung übertragen: ich bin auch auff den selben treppen (
eines religiösen irrtums) gewest, ich
[] hab aber ein bein druber zubrochen Luther 23, 198
W. so auch bei transitiven verben: ich habe selbst hohe und niedrige geistliche allerhand religion mit verwunderung am tantze geschäfftiger als weltliche gesehen, und liesze der fürst ... einen deszwegen die trapfen hinunter hals über kopff gängelen
alamod. techn. interim (1675) 564;
bes. jem. die treppe hinunterwerfen
u. ähnl.: do warff der son synen vater usz dem bette und dy treppen en nyder jin das husz, als man solde dencke, he hette sich selbest todt gefallen Stolle
thür. chron. 204
lit. ver.; mit andrer örtlicher vorstellung: etliche schüler hatten jhren praeceptorem die treppen ... hineingeworfen Lehmann
florileg. polit. 4, 206.
in neuerer zeit redensartlich abgeschwächt zu '
hinauswerfen': nun bey meiner ehre, es wäre fürwahr kein wunder, sie schmissen mich die treppe hinunter, wenn ich ... käme, sie zu besuchen (1780) Lichtenberg
br. 2, 59.
burschikos: augere aliquem honore einen die treppe hinunterstoszen Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte 101.
wohl mit anlehnung an tür 1 b: würde man ihm nicht die treppen oder stiegen weisen? Dannhawer
catechismusmilch 7, 133. B@1@c@gγ)
beide richtungsangaben verbunden: wann sich dan nahet ihre zeit, dasz sie der frucht soll werden queit, so sollen sie spacieren thon, die treppen auf und nieder gohn Ruoff
hebammenbuch 249;
mit dem beisinn der emsigkeit oder ruhelosigkeit: als man sie (
die heinzelmännchen) hören soll, die treppe herunter und herauff steigen Prätorius
anthropodemus pluton. 1, 373; dieser führte ihn trepp auf, trepp ab, sperrte thüren auf und zu Stifter
w. 2, 66;
so oft formelhaft: und nun ging es sogleich herzhaft an die nöthigen vorbereitungen, trepp auf, trepp ab, die thüren flogen Eichendorff
s. w. (1864) 3, 373. trepp hinauf, hinunter sonder rast und ruh! Hoffmann v. Fallersleben
schr. 2, 241.
abgeschwächt zur bewegungsbezeichnung schlechthin: Tom Otter ist seines weibes unterthan, er ... geht ... ihr im hause nach, trepp auf und ab, wie ein page Tieck
schr. 12, 216; Beathe lief schon an Augusts ... hand trepp auf trepp ab Holtei
erz. schr. 18, 161.
örtliche vielartigkeit bezeichnend, wenn die parallelsatzteile gleichfalls ortsangaben sind: die quer und läng trepp auf, trepp ab, durch enge gäng verfallne wüste keller Göthe 1, 166
W.; er ist mir durch jeden winkel ... nachgeschwebt, oben und unten — trepp auf, trepp nieder Fr. L. Schröder
dram. w. 2, 86. B@1@dd)
von den sonstigen verbalen verbindungen mit treppe
erscheinen diejenigen häufiger, die das akustische moment zum ausdruck bringen: da knarrte Nettchens treppe von ihrem fusz Göckingk
ged. (1781) 2, 201; kaum ist der morgen grau, so kracht die treppe schon von blau und gelben röcken mit briefen, ballen, unfrankierten päcken signiert: an die berühmte frau Schiller
w. 6, 29
Gödeke, vgl. in dem hause, wo ich wohnte, hatte ich den klang und die stimmung jeder stufe einer alten hölzernen treppe gelernt Lichtenberg
verm. schr. 1, 15. B@22)
gewisse anwendungen von treppe
führen zu bedeutungsabschattungen im sinne von '
treppenabsatz': auf der ersten treppe der kanzlei harrte meiner ... ein 73 jährige mutter Schubart
s briefe in D. Fr. Strausz
w. 9, 246.
besonders aber dient treppe
zur angabe des stockwerks, indem der weg an stelle des zieles genannt oder treppe
in verbindung mit zahlen u. ä. innerhalb des mehrstöckigen gebäudes als masz genommen wird: er wohnet ein, zwey oder drey treppen hoch Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2014; (
er) liesz sich bey seinem nachbar eine treppe hoch melden Nicolai
Seb. Nothanker 2, 107; bey der groszen
[] noth um quartiere ... bin (
ich) eine treppe höher gezogen Göthe IV 21, 358
W.; abends, wenns dämmert noch, steig ich vier treppen hoch, poch ans thor Grillparzer
s. w. (1887) 1, 42. B@33)
bildlicher und übertragener gebrauch. B@3@aa)
übertragung auf grund der function (
zu B 1 c).
das räumliche oben und unten der treppe wird dabei in irgendeinem sinne wertend verstanden. dazu kommen vorstellungen, wie sie auch verwandten begriffen wie leiter, stufe (
s. d.)
eigentümlich sind; treppe
als weg zu einem meist erstrebenswerten ziele, seltener im umgekehrten sinne: den blick stets auf den gipfel der treppe gerichtet, konnte er es nie über sich gewinnen, die unteren stufen zu betreten Geibel
briefe 78
Litzmann; die gabe zu unterrichten ... hat jeder mensch ... wer eine treppe in die höhe steigen kann, wird sie auch herabsteigen Hippel
lebensläufe 1, 196.
besonders scharf bei moralischer wertung: Bruno stürzte den (
leib) die treppe der dirnen hinunter A. Schäffer
d. prisma (1926) 134;
redensartlich: wer die treppe hinunterfällt, musz ohne aufenthalt vorwärts Wander 2, 1307.
social wertend: wenn man die treppe kehrt, fängt man oben an '
bei den majoriten, nicht bei den minoriten' Binder 196,
mit deutlicherer vorstellung des stufigen: wie der priester ... zu den 7 kleineren ämtern, deren treppe erst zur priesterwürde führen, sich ... hinaufschwingt Jean Paul
w. 30, 19
Hempel. auf zeitliches übertragen: die schritte werden immer kleiner im leben, und bin ich ohnlange immer zwei stufen auf einmal die treppe hinaufgestiegen, so wird jetzt eine nach der andern in gemächlichkeit abgetan Görres
briefe 3, 616.
mit dem empfinden für das bequeme im gegensatz zu sonstigem an- oder abstieg: was unsern wünschen unersteigbare klippen sind, werden jenem (
dem unglück) bequeme treppen Fouqué
zauberring 1, 47; lasz auch hindernisse wie gebürge zwischen uns treten, ich will sie für treppen nehmen Schiller 3, 37
G. die zielvorstellung wird herrschend: nu ist aber die demut die staffel, leiter und treppen darzu, dasz man hoch steige, und empor komme J. Westphal
hoffartsteuffel, im theatr. diabol. 2, 14
a;
concreter: ebensowenig fand er für sich oder für ein blatt eine treppe zu ihr J. Paul
w. 15-18, 327
H. insbes. für den weg zu gott: das was eine hohe treppen an den Christus hinan Luther 16, 531
W.; das wir nit anfahen, eygen treppen tzu machen und nach got tappen, wie die schullerer unsz leren 8, 397.
im 16./17.
jh. häufiges bild Mathesius
Sarepta (1571) 140
b; Herberger
hertzpostille 1, 509; Lohenstein
himmelschlüssel (1680) 22.
für den weg zum verständnis; zu grunde liegend schon bei Luther
in der wendung: wie reimet sich das? die treppen hinein uber heubt undt rucken
d. h. '
führt nicht zum verständnis, ist falsch' 33, 111
W.; ähnl. 23, 199; auf der metaphysik steppe hat Albin ein schlosz gebaut, leider ists beym licht beschaut eine sternwart ohne treppe Pfeffel
poet. vers. 8, 40; immerhin ihr guten leute! doch gesteht, in diesem tempel (
der natur) sind die treppen unbequem — niederträchtig schlechte treppen! H. Heine
w. 2, 378
Elster; es fehlt mer e trapp '
eine erklärung' Askenasy
Frankf. 38.
bemerkenswert ist die übertragen gebrauchte, in verschiedener bedeutung verbreitete redensart jemandem etwas auf die treppe legen, werfen
ironisch '
jemanden abweisen' Follmann
lothr. 102
b;
lux. ma. 440
b; Hönig
Köln. 182
a; Weyden
Kölner sagen (1839) 2, 8; Leihener
Cronenberg. 124;
brem.-ndsächs. wb. 5, 106. '
jem. ein hindernis in den weg legen' Müller-Weitz
Aachen. 247. etwas auf die treppe werfen
missilia iacere, stipem publice iacere ('
eins ausgeben') Serz
teutsche idiotism. (1797) 157
b.
wohl im sinne der alten volkstümlichen vorstellung, dasz auf freude leid folgt: wenn das vergnügen im saale ist, ist der verdrusz auf der treppe Düringsfeld
sprichw. 1, 254
b;
[] B@3@bb)
übertragung von der form der treppe (
vgl. bei stufe
sp. 296
f.)
ist meist an concreta gebunden. es kann das ganze der treppe
übertragen werden hauptsächlich bei in der natur vorgefundenen stufenbildungen, zunächst mit dem bewusztsein ihrer verwendung: eine natürliche treppe bildeten die baumwurzeln H. Heine
w. 3, 51
E.; eine treppe groben gerölles Moltke
ges. schr. 4, 21;
für geographischgeologische formationen: (
die) treppen des Alpengebirges Hölderlin 1, 263
L.; eine massige treppe zerborstener, übereinander gestürzter felswürfel baut zur neuen höhe sich auf H. v. Barth
Kalkalpen 505.
einzelne merkmale der treppe
werden als charakteristisch für andre gegenstände gesehen; nur selten die schrägneigung: flog dann hinan des ufers jähre treppe, dasz kies und mergel dran herunter klirrten Freiligrath
ges. dicht. 1, 180.
constitutiv ist das stufige, gegliederte: der mond, der über eine durchbrochene treppe von wolken stieg Jean Paul
w. 1, 250
Hempel. zu neuer dingbezeichnung führend: treppchen
bei weinnamen: z. b. Erdener tr.
von der anlage der weinberge; treppen schneiden '
die haare schlecht, mit abstufungen schneiden' Hönig
Köln. ma. 182
a;
lux. ma. 440
b; Christa
Trier. ma. 70
u. sonst. treppen
im gewebten stoffe '
streifen von ungleicher dichte' Br. Bucher
reall. 410; wenn ihr ock eure sache besser verstehn thät't. treppen hat's wieder drinne ... a guter weber verschiebt's aufbäumen nich wer weesz wie lange Hauptmann
weber (1891) 6. treppen der laffette Beil
technol. wb. 607; treppe '
gesägtes eisenband am vorderen ende des pflugbaumes ... zur einstellung des joches' Frischbier 2, 496
b. trappe '
aufschlag am kleid' Kehrein
nassau. volksk. 1, 408. —
von der wendeltreppe ist übertragen: treppe
als teil des schneckengangs im ohr Blancard
arzneiwb. 1, 588
a; treppe
als schneckenname Campe 4, 877. CC.
zusammensetzungen mit treppe
an erster stelle, seit ende des 14.
jh. belegt (treppennagel 1399
cod. dipl. Lus. sup. 3, 339; -geld 1420 [
s. d.]),
gewinnen erst seit dem 17.
u. 18.
jh. gröszere verbreitung. gebildet werden sie mittels des compositionselementes treppen-,
neben dem in vereinzelten nebenformen zu sonst regulären bildungen trepp-
vorkommt, s. treppklampe, -luke.
sie sind meist technische bezeichnungen. zu grunde liegt ausschlieszlich die bedeutung '
scala'
; gelegentliches anklingen von '
gradus'
bezieht sich auf die stufenform der treppe,
nicht direct auf die bedeutung A
selbst, vgl. z. b. treppenaufgang, -strasze, -weg.
eine feste gruppe von zusammensetzungen verwendet die gestufte, in regelmäszige absätze gegliederte form der treppe
zu übertragener anwendung auf gegenstände von ähnlichem bau oder stufenartiger zeichnung (
vgl.B 3 b),
z. b. treppenkühler, -moos, -natter, -pasz, -rost, -schnitt, -visier.
in manchen fällen klingt auch in den zusammensetzungen die association des minderwertigen an, die dem simplex öfter anhaftet (
s. bei B 1 a): treppenarbeit, -heirat,
vgl. auch treppenfleisch, -fratz, -schleppe, -träger.