studieren,
vb. :
herkunft und form. das wort ist aus mlat. studiare, wie in alle europäischen cultursprachen, so auch im 13.
jh. ins deutsche gedrungen Wackernagel
umdeutschungen (1861) 44.
sein lautbestand ist keinem wandel unterworfen gewesen; zu gelegentlichen schwankungen des stammvocals s. student sp. 259.
die früh gebräuchliche substantivierung des infinitivs führt zu vorübergehend festen sonderbedeutungen (A 1 a; A 3 c
γ).
noch stärker sondern sich die participia ab; ihren attributiven und substantivischen gebrauch vgl. unter studierend
und studiert.
anzumerken ist für das part. prät. das präfix ge- Oswald v. Wolkenstein 118, 274
Schatz; D. Schilling
Berner chron. 3
Tobler; Eberlin v. Günzburg
schr. 1, 164
ndr. u. ö.; bei Stieler
beschränkt sich die präfigierte form auf den adjectivischen gebrauch: eine gestudirte predigt, ungestudirte rede,
aber er hat sich krank studirt
stammb. 2218. —
der reiche bestand des intrans. gebrauchs in der älteren geschichte des wortes zeigt ihn als den ursprünglichen. präpositionale ergänzungen treten früh hinzu. der seit dem 14.
jh. danebenstehende transit. gebrauch (pfarrer z.
d. Hechte 175, 7
Sievers, s. C 1;
pilgerf. d. träum. mönchs 4131
Bömer, s. C 2 a)
gewinnt im 17./18.
jh. an mächtigkeit, löst die meisten präpositionalen fügungen ab und schränkt auch den abs. gebrauch ein. —
selten ist ein dat.-obj.: ich hab der schwartzkunst nit studirt H. Sachs
w. 21, 64
lit. ver. —
gebucht wird das wort seit dem 15.
jh.: Diefenbach 557
c s. v. studere, studiosus. bedeutung und gebrauch. AA.
absolut. A@11)
sich mit wissenschaftlicher arbeit beschäftigen, '
litteris studere'. A@1@aa)
allgemein von auf erkenntnis gerichtetem streben ohne die vorstellung einer örtlichen und zeitlichen gebundenheit: wenn Ars studirt, Lex regirt und Mars woll ficht, wie sichs gebürt, dann ist bessers nicht Gabr. Voigtländer
od. u. lied. (1642) 112; (
Cicero) der ... auf dem markt und in den gerichten allain regiert, verliesz doch durch kainerlay geschäft sein studiern Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 9
a; dasz die schrifft (
gelehrte bildung) sie nicht verfüre, dorfft ihr (
der mönche) keyner nicht studire Luther
w. 19, 12
Weim.; viele haben weder lust zur arbeit, noch lust zum studiren und denken, man werde in klöstern vom segen des himmels fett Zimmermann
einsamk. 1, 123.
der substantivierte infinitiv bedeutet im 16.
und 17.
jh. oft geradezu '
wissenschaft': das disz die betrübte beraubung undt schadsal sey unsers itzigen verhynderten studierens (
calamitosam optimorum studiorum vastitatem) Hutten
op. omn. 2, 194
Böcking; es sey ein recht fürstlich werck, ihm das studiren und gute künst lassen befohlen seyn Zinkgref
apophth. 1, 64; gesetzt, dasz du in handwercken, studiren und kriegssachen die fürnehmste (
republik) erhaltest Schupp
schr. 717;
von anfang concurriert mit diesem gebrauch studium,
vor allem der plur. (
s. studium 3)
und verdrängt ihn seit dem 18.
jh. vollkommen. A@1@bb)
im hinblick auf eine ein- oder mehrmalige, oft mühevolle tätigkeit des subjects: ir sult wizzen, daz dirre heilige (
Hieronymus) ist der vir lêrer einre in der kristenheit. sîn leben was so herte, daz er sô sere studierte (
er liest heidenische bücher), daz ime daz gebeine slotterte in sîner hût Hermann v. Fritzlar
in Pfeiffer
dtsche mystiker 1, 210; bey der lieblichen morgenröth das studiren zum besten geht Guarinonius
grewel (1610) 410; ich fande die bibliothec, sondere zimmer, darinn man studirte Grimmelshausen 2, 436
lit. ver.; wie er (
meister Unwirrsch) in seinen seltenen feierstunden so sehr studierte (
in büchern las), ... das stand der frau ... vor der seele Raabe
hungerpastor (1864) 1, 112; die vier schwersten arbeiten auf erden sind studieren, beten, lehren und gebären Kirchhofer
schweiz. sprichw. 137; sie ... lieszen nicht zu, dasz man späte bei liecht studire
Reinicke fuchs (
Rostock 1650) 358.
dabei läszt die perspective des ungebildeten den gehalt oft verschwommener werden: das haushalten ist mir ärger zuwider als die pest; hergegen liebe ich das studiren aufs höchste, ja ich bin recht verliebt darein Stranitzky
ollapatr. 242
ndr.; fast nur noch '
lesen',
vgl.B 1 b: (
herr, der eine broschüre lesen will, zum diener) 'und nun ... lasz mich ein biszchen studieren'
F. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 16. A@22)
wohl durch die vorstellung einmaliger zwecke in der bestimmteren bedeutung '
sich informieren, lernen',
oft nahe an 1: wer daz einen (
d. einheit d. trinität) wil versten, der muz wol studiren gen, ... er muz die schrift vernemen Tilo v. Kulm 5680;
in schärferer prägung auf ein gröszeres gesamtergebnis gesehen '
seine ausbildung betreiben': wen als daz lebin wirt gewant, daz ez stet an sinir (
d. arztes) hant, also sal he sich zirin, deste baz studirin, daz he die menschliche stift moge irkennen von der schrift pfarrer z.
d. Hechte 310, 32
Sievers; zu dem anderen mâle mac man kunste lerne von der schrift und von flîzegeme studierne Hermann v. Fritzlar
in Pfeiffer
dtsch. myst. 1, 219; durch fragen, behalten, repetiren kompt man fort im studiren Petri
d. Teutsch. weish. 2, i
b. '
lernen'
als bewältigung eines einmaligen pensums: des kopfes mühlwerk mahlt nur gut, wenn man ihm brav aufschütten thut ... (
doch) als ich gestern wollt studiren, da thäten mich schöne jungfern vexieren Baumeister
zimmermannssprüche 69.
lexikalisch ist lernen
synonym bei Frisius (1556) 2
b;
hybride übernahme der rection von lernen: (
ein bauer) künde ... von seinem samen ... studieren und lernen den artikel Luther 34, 2, 124
W.; hat von Calvino so viel studiert, als hab Lutherus in verfüert
N. Frischlin
dtsch. dicht. 166
lit. ver. mit stärkerem hervordringen des besondern zweckes auf dem wege zu specialbedeutungen, so in der musik (
vgl. auch studium '
etüde'
sp. 289; studie 2
sp. 271): dasz die jugent, so erstlich zu lernen anfehet (
in der musik) ... durch kurtzen klaren unterricht ... zum studiern gelocket ... werde
M. Agricola
musica instrum. 2
Eitner;
uneigentlich in der ma.: die vögel studieren '
fangen an zu singen' (
also wohl von den ersten, gleichsam prüfenden tönen) Follmann
dtsch.-lothr. 509. A@33)
dieser gruppe steht nahe die anwendung auf die lernende beschäftigung an ordentlichen lehranstalten; doch steht hier ein in sich fest geschlossener lateinischer gebrauch dem deutschen parallel. A@3@aa)
von einer wiederholbaren handlung, A@3@a@aα)
von der arbeit des lateinschülers: swan si dann gâzen, so gingen si dann studîren, zu andern dêclinîren. als ir iclîch danne gelas ...
d. alten weibes list 23
bei Bartsch
md. ged.; (
der magister kümmerte sich nicht viel um uns domschüler) ich aber hette gären gestudiert, dan ich kond verstan, das zyt war Platter 35
Boos; do macht ich mier ein sitz in eim winkel, nit wyt von des schuolmeisters stuoll und gedacht, in dem winkell wilt studieren oder sterben
ebda 35;
contrastiert: ich studiert und werckt (
las den auf dem hanfhaufen liegenden Plautus und drehte zugleich seile)
ebda 53. A@3@a@bβ)
sachlich identisch und auch in älterer zeit kaum als verschieden von α empfunden von der arbeit des hochschülers, in neuerer zeit mehr und mehr der ausschlieszliche gebrauch: er lag tag und nacht seinem studieren so heftig ob, dasz er schöner weiber freundschaft sich wenig bekümmert Hertzog
schiltwache a 3
a;
geradezu als specificum: (
zwei studenten beim besuch eines dritten:) sie (
anr.) lassen sich nicht irren in ihrem studieren. ich sehe wohl, sie seynd sehr fleiszig Schoch
studentenleben (1657) g 6
b; bin ich müde vom studieren, wann der mond tritt sanft herfür, pfleg ich dann zu musizieren vor der allerschönsten tür Eichendorff
s. w. (1864) 1, 246.
in gewollt komischer wirkung: täglich hab ich mich zehn ganze stunden in den kollegiis bisher eingefunden, und wenn dann diese kollegia aus studier ich in übrigen stunden zu haus Kortum
Jobsiade (1839) 49. A@3@bb)
mit schwund des begriffs einer einzelhandlung als continuierend gedachte, dem ganzen stande zukommende beschäftigungsart. selten von schülern: ob sie (
zwei secundaner) nun wol in Braband zu Mecheln sich auf einer bekanten schule aufhielten und daselbst in studiren sich wol zuerbauen von ihren eltern gehalten wurden Joh. Riemer
polit. maulaffe (1679) 1.
stehend von studenten: (
sie) kamen in kurtzen tagen auff ein gute (
hoch-) schulen, do sie dann gantz fleiszig studierten, also dasz sie in kurtzen zeiten fast hoch erfaren wurden Wickram
w. 2, 37
Bolte; (
dort) solt studieren also, zwey jar lang auf den hohen schul, bis du erreicht der künsten stul H. Sachs
w. 8, 303
lit. ver. A@3@cc)
weiter für das absolvieren einer geregelten ausbildung. A@3@c@aα)
die höhere schule besuchen: die clercken ind schoeler, die to Ruremunde studieren 1471
schulverordn. bei J. Müller
schulordn. 78; Sebastianus ... zu Marburg und andern trivialschulen studiert 1616
stiftungsurk. in mitteil. d. ges. für dtsche erziehungs- u. schulgesch. 3, 226;
in gegensatz gestellt zur niederen ausbildung: will man in der stadt einen deutschen schreiber (
hilfslehrer) haben, der diejenigen, so zum studiren ... nicht düchtig seyn, ... wohl schreiben lehren möge 1662
schulordnung bei Vormbaum
evangel. schulordn. 2, 605;
hierher auch: ick byn de up hevet des mynschen zele yn eynen puncte, dat he kan mer leren den dat he hadde X jar studeret yn der scole
imitat. Christi 46
Hagen; völlig losgelöst: (
ein mann) dem man ein solches weib ins ehebette schicket, das in der tugendschul erst lange zeit studiert Weichmann
poesie d. Nieders. 1, 147.
dieser gebrauch hat sich zusammen mit student 2
nur in einigen maa. gehalten: an einer mittelschule studieren Bacher
Lusern 399; Schöpf
tir. id. 651. A@3@c@bβ)
hauptbedeutung wird '
die universität besuchen'.
in den maa. naturgemäsz nicht allgemein; es notieren Jensen
nordfries. 592;
Elberf. ma. 159;
lux. ma. 425; Follmann
dtsch.-lothr. 509; Lenz
Handschuhsh. 69: ihr legtet eure jugend und eure mittel ... zum studieren an Grimmelshausen 1, 487
lit. ver.; frl. Anna: 'nein — ich studiere.'
fr. Vockerat: 'sie? ... an der universität?' G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 25;
mit socialem wertaccent: ... eines schneiders sohn ... der dumme sohn muszte studiren Eschenburg
theorie 8, 54.
geläufig mit näherer ortsbestimmung: nachdem er etlich jar in Frankreich und Italia studirt
zimmer. chron. 2, 342
Barack; als er zuo Bononia studieret Knebel
chron. v. Kaisheim 348
lit. ver.; in scherzhafter weiterbildung dann mit bestimmungen wie in Waldheim (
wo eine strafanstalt ist) studieren '
zuchthausstrafe erhalten' Müller-Fraureuth
erzgeb. maa. 2, 583.
in fester verbindung hoch studieren: wer rechtsgeschäfte hat und solche nicht verlieren noch schlimm bestehen will, der darf nicht hoch studiren, hinweg Justinian! denn wer der schul-Donat nur aller orten braucht, bekömmet hülf und rat Grob
dichter. versuchgabe (1678) 59;
vgl. auch weiln ich nicht hoch studiert Baumeister
zimmermannssprüche 60,
ebenso Jensen
nordfries. 592.
eine gelegentliche einengung scheint die bedeutung auf die theologie erfahren zu haben: Otto, den andern (
sohn) sandt er auf die hohe schule, zu studiren und darnach geistlich zu werden W. Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 186; und dann den jüngern bruder ..., der sich zum studiren begeben, zu einem geistlichen weihen lassen Feyerabendt
ungerische chronica (1581) 116
b;
ähnlich maler Müller
w. 1, 321.
sociologisch interessant die festlegung auf die jura im 19.
jh.: soldat sollte er werden, natürlich kavallerist; oder ob man ihn studieren liesz? — ja, er sollte studieren; dann konnte er schlieszlich mal landrat werden W. v. Polenz
Grabenh. 2, 339. A@3@c@gγ)
beide gebrauchszweige sind in einer reihe von festen formeln starr geworden: das studieren im sinne von '
ausbildung' (
dafür gewöhnlicher studium): dasz die jugendt zu anfang ihres studierens (
in einer '
trivialschule') recht angeführet und in fundamentis wol unterrichtet (
werde) G. E. Löhneyss
aulicopolitica (1622) 340; die schul erstechen, das studieren an einen nagel hängen Corvinus
fons latinit. (1660) 1, 518
a; ein mitglied des pöbels verdirbt die wenigen naturgaben, die es etwa noch haben mag, durch das studieren Klopstock
gelehrtenrep. (1774) 8.
studiert haben '
akademisch gebildet sein': eine rede, die man begreiffen kan, ohne dasz man studirt haben musz Ramler
einl. in d. schön. wissensch. (1758) 1, 214;
schon schweiz. spiele d. 16.
jh. 2, 255
Bächtold; Harsdörffer
frauenz. gesprächsp. (1641) 1, c 8
a; Rachel
satyr. ged. 49
ndr. studieren lassen: ach, soltet ihr (
ihn) studiren lassen, (
da pfründen niemand erhält,) er habe denn zuvor durch ander leute hulff gestudiret Luther
w. 30, 2, 334
W.; so doch jetz der adel seine kind lasst studieren Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 13
ndr.; es liesz ein mann seinen sohn studiren
kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 68.
studierens halber: der eben studierens halben sich zu Greiffswald aufhielt Micrälius
altes Pommerland (1640) 3, 430; studierens halber Immermann 18, 115
Boxb. A@3@dd)
ähnlich auf die ausbildung durch einen einzelnen, meist namentlich genannten lehrer gehend, heute nur von der universitätsausbildung: aufrure und mutwillens under ... den schulern in den obgemelten schulen und denen, die bei dem poeten (
d. h. herumziehenden humanisten) studirend 1505
Nürnberger schulordn. bei J. Müller
vor- u. frühreformat. schulordn. 156;
uneigentlich: fürs ander sagt mein esel, ich hab beym lotterbuben (
wortspiel mit Luther) studiert Joh. Nas
nasenesel (1571) 66
b. A@44)
eine methodisch andere einstellung zum erkenntnisziel zeigt die anwendung auf eine nicht an einen stoff gebundene, frei sinnende tätigkeit. A@4@aa)
die gruppe scheint aus der mystik zu erwachsen: studieren '
über gott nachsinnen, meditieren',
synonym: imaginieren;
vgl. studierung): di gehort ein groz wunderlich fliz zuo, daz der mensche sin meinunge wol bekenne; dar zuo gehoert naht und tac studieren und imaginieren und sich selber visitieren und sehen, was in tribe und bewege zuo allen sinen werken Tauler
predigten 260
Vetter. mit finalem einschlag: ... daz des menschen gemüete genzlîche ze gote gekeret sî, dâr ûf setze allez dîn studieren, daz dir got grôz werde unt daz aller dîn ernst unde flîz zuo ime sî in allen dînen werken und in allem dînen lâzen Eckhart
in Pfeiffer
dtsch. myst. 2, 546.
in der folge im geistlichen lebenskreis immer wieder anklingend und die bedeutung 1 b
für ihn bereichernd und heraushebend: Paulus ermandt Timotheum on underlasz zu studieren Luther 17, 1, 142
W. häufig mit parallelen ausdrücken der geistigen tätigkeit: die ... sich im wort gottes üben mit studieren, lesen und schreiben Nas
antipap. eins und hundert 3, 233
a; damit sie ires studirens, betens und predigens können obligen Mathesius
Sarepta 47
a. A@4@bb)
breite geltung gewinnt diese bedeutung ohne das specielle ziel von a
als '
nachsinnen, nachdenken': die siben meister giengent hin, sy rettent fast under in und studierten gruwelich sere, sy kundent nit künst und lere in keinen weg finden Hans v. Bühel
Diocletian 2991
Keller; er schaut, studirt und kann nicht ruhn, bis es im kopfe reift Göthe 4, 41
W. mundartlich, z. t. in der besonders reichen präpositionalverbindung mit auf (
s.B 3 b),
bei Seiler
Basl. ma. 282; Martin-Lienhart
els. maa. 2, 575. A@55)
die verschiedenen äuszeren umstände des studierens
kommen zum ausdruck in oft redensartlichen wendungen, nicht selten mit ablehnender wertung: des studierens wurzeln sind bitter, die früchte aber wolgeschmack Bachman
zweiflügl. tür zum latein (1631) b 5
a; armut studiert, reichtumb jubiliert Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 39
a; wenn die kinder lernen gute biszlein kennen, so ist das studieren ausz Petri
d. Teutsch. weish. 2, b b b 5
b; voller bauch studiert nit gern Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 19
a; ein hungriger magen studiert nicht gern Petri
d. Teutsch. weish. 2, v 1
b; welcher zu hefftig thut studirn, der schwecht vernunft, leib, heubt und hirn Eyering
proverb. copia 3, 152; der da villeicht auch meinet, seinem weybe mit einem grossen studirn zuo pette ein genügen ze thun Arigo
decam. 155
Keller; sol ich fort und fort studiren und ein blasses leben führen Treuer
teutscher Dädalus 2, 651; worzu dienet das studieren als zu lauter ungemach? unter dessen läufft die bach unsers lebens, das wir führen ... auf ihr letztes ende hin
M. Opitz
in: Königsberger dichterkreis 22
ndr.; fleiszig gebet ist über die helft gestudiret Petri
d. Teutsch. weish. 2, d d 7
b; der hat genug studirt, der sich selbst kennt
ebda 2, o 1
b; probieren geht über studieren
teil 7, 2150. A@66)
einige seltene, ursprünglich scherzhafte anwendungen des wortes haben sich von seinem eigentlichen geltungsbereich entfernt: 'studiren
nannten ehedem (
die papiermacher)
das lumpensortieren und reinigen' Jacobsson 7, 490
b;
das moment der prüfenden aufmerksamkeit in den hauptbedeutungen ist das tertium comparat. —
von gewissen temperamentszuständen der pferde; an 4 b
angeschlossen: das abgetriebene pferd, das den kopf hängen läszt, 'studiert' Hunziker
Aargauer wb. 263;
anders erklärt: die bauern ... pflegen von der sogenannten dummheit eines gauls den malitiösen ausdruck zu brauchen: er hat studiert J. Schwabe
harmlose gesch. (1890) 203; '
kollericht seyn der pferde ... vermutlich aus dem zusammenlauf der wörter stätisch, stutzig
und stutte
entstanden' Schmid
schwäb. wb. 516; Schmeller-Fr.
bair. 2, 734. —
zu 3: eine sache studiert,
sie ist versetzt, verpfändet Ostwald
rinnsteinspr. 150; Hügel
Wiener dial. 160; Schmeller-Fr.
bair. wb. 2, 734: da die goldne uhr der mutter fehlte, fragte Leopold ... bei ihm an, ob sie etwa studirt habe O. Jahn
Mozart 2, 321; Nestroy
ges. w. (1890) 1, 6. BB.
präpositionale fügungen. die absolut entwickelten bedeutungen erhalten durch präpositionale ergänzungen eine gröszere straffheit. eine reihe dieser verbindungen bereitet transitiven gebrauch vor. B@11) in etwas studieren. B@1@aa)
eine disciplin zu erlernen suchen: si studieren alle in miner (
der habsucht) konst spade und fre
pilgerf. d. träum. mönchs 9337
Bömer; dir ist nicht gnug, persönlich einen hoff zu zieren, beredt, erfahren, embsig, klug in vilen sprachen zu studieren Weckherlin
ged. 2, 249
lit. ver.; wenn sich die menschen gewöhnen, in der selbsterkänntnis genau zu studiren v. Fleming
vollk. dtsch. soldat (1726) 35.
auch zur angabe des studienfaches: in den rechten, in der arznei studieren Stieler
stammb. 2217; Kramer 2 (1702) 1021
c; in christlicher lere ..., in denen so trewlich vil heilger doctores gstudiert haben Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 164
ndr., vgl. student im rechten, in der gotteslehre
oben sp. 261;
mit scherzhaftem wandel des gebrauches von in: 'sie sollen studieren!' — 'sie werden wol studieren, in der bier- und weinkannen' Schoch
studentenleben (1657) c 2
b.
seit dem 18.
jh. im allgemeinen transitiv. B@1@bb) in einem buche studieren
in ihm in der absicht auf eine erkenntnis lesen: do ward er gefraget, in wellem buch er aller meiste studierte
leb. d. hl. Dominicus 45
König; wenn andere arbeiten, so studiert er im kalender, betrachtet das wetterglas, liest auch wohl in schriften über die landwirtschaft Krünitz 176, 707;
in erweiterter anwendung: unkeusch, wuocher und symoney, das kartenspil und quatter drey ist der gelerten librey da sy studieren ynn Hätzlerin
liederb. 39.
fest heraus hebt sich der geistliche bezirk, bei dem ein anklingen von A 4 b
wahrzunehmen ist: wie lieblich, lieb und wehrt, ist mir dein wort o gott, ich pfleg den gantzen tag darinnen zu studieren Weckherlin
ged. 1, 383
lit. ver.; eine alte postillen, ... da liese und studir ich zu zeiten inne
bei O. Clemen
reformations-flugschr. 1, 32; (
gott ist gekommen) sein kind zu examinirn, wie sie in gottes wort studirn Hans Sachs 1, 53
lit. ver.; vereinzelt sogar: lêr mich stûdieren in dîn wunden
erlösung 215, 23
Bartsch. B@22) an etwas studieren;
selten mit dem acc.: darumb das sie sich selbs suchen, auch an gott mit den selben weisen studiren und gottes erkennen (
gott zu erfassen suchen) Luther 18, 502
W.; lob studiert an die prob (
verlangt nach bewährung) Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 162
a.
mit dem dat. '
sich um das verständnis einer sache bemühen': an disem stuck haben wir unser leben lang zu studiern Luther 17, 1, 186
W.; goldene worte, ... an denen unsere philosophen ... lebenslang zu studieren hätten Lenz
verteidigung d. herrn Wieland 18
Hirzel; mit stärkerem gewicht auf dem verb: wie ist der mensch so recht selig, der es (
gottes wort) zuo allen zyten vor synen ougen hat synes hertzen, und dar an studieret
der ewigen wiszheit betbüchlin (
Basel 1518) 34
a.
vereinzelt wie B 1 a, C 1, '
ein fach erlernen',
auch auszerhalb des geistigen bereichs, vielleicht scherzhaft: Wilbaldus in seinem stat also an dem hirtenampt (
er wird schweinehirt) gar wol und fleiszig studiert Wickram 2, 61
lit. ver. selten wie B 1 b (
vgl.lesen an): wer lesen kan, der neme zur morgens ein psalm fur sich, ... da studir er ein weil an Luther 32, 65
W. B@33) auf etwas studieren. B@3@aa)
in das wesen eines dinges einzudringen suchen: wie kund aim jeden sein erlaubt, das recht ganz pringen an sein stat (
gewalt, willkür), darauff man lang gstudieret hat (
sich bemüht hat) Oswald v. Wolkenstein 118, 274
Schatz; es schiene, als wann sie ihr lebtag sonst nichts gethan als hierauff (
auf die unerhörte liebe, von der sie so geläufig zu reden weisz) studirt hätte Grimmelshausen 4, 539
lit. ver.; ein kalendermacher, der auf regen und wind studirt maler Müller
w. (1811) 1, 309. B@3@bb)
in voller blüte von A 4 b '
sinnen auf'
; noch recht selbständig: er wird auch darauff studiren und nachfragen, bis er einen schönen griff erfinde Spee
güldn. tugendbuch (1649) 261;
mit abhängigem satz: (
dasz sie) mit mengerlei ufsetzen daruf gestudiert haben, wie si dieselbe stat ... undir ir gewaltsami bringen mochten D. Schilling
Bern. chron. 3; platzen sie heraus, studieren sie nicht so lang, wie sies verbergen wollen Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 219; die wackeren gesellen hörten verwundert auf zu kauen und studierten mit einfältigen gesichtern, die seltsame aufgabe zu lösen G. Keller
w. (1892) 4, 249.
fester noch mit nomen: der correctur etlich wenig ruochen, uff grosz beschisz vil yetz studyeren, vil drucken, wenig corrigyeren Brant
narrensch. 103, 83
Zarncke; nun studiere ich allmehlich auff ein schön abschiedsliedgen Weise
grün. jugend 238
ndr. bis ins 19.
jh. hinein belegt. B@3@cc) '
sich durch lernen, memorieren auf etwas vorbereiten' (
zu A 2): dann kein advokat studieret auff die rechtssache
grillenvertreiber 3, 186.
besonders vom pfarrer, der seine predigt memoriert: ain prediger muosz nichtsweniger aus freyem willen studiern auf die predig und sich nit ze vast verlassen auf die gnad Berthold v. Chiemsee
teutsche theologey 276
Reithmeyer; für solch bcher ausschreiben solte Antenor auf seine predigten fleisziger studiren Schupp
bücherdieb (1658) 47; Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 45.
seit dem ende des 18.
jh. durch die transitive fügung abgelöst (
s.C 4). B@3@dd)
zur angabe des studienzieles (
zu A 3 c): 'auf etwas studiren
studiare una facoltà' Kramer 2 (1702) 1021
c; auf die sprachen, auf die redkunst studiren
ebda; einer meiner gesellen, ... der ... mehr auf die medicin als auf die musik studierte Göthe 43, 103
W. seit dem 18.
jh. meist transitiv. — auf einen doctor studiren Kramer
a. a. o.; Rovenhagen
Aachener ma. 143; er soll halt gstudiern auf an geistlinga herrn Karl Stieler
ged. 4, 22
Reclam. B@44) mit jemand studieren '
disputieren'
; vielleicht zu einer mlat. grundbedeutung: in den selben gezîten begunste meister Clingesor zu Warperg uff dem mûshûse zu studiren behendiclich met Wolframe von Eschinbach umbe di meisterschaft der getichte unde gesange
leb. d. hl. Ludwig v. Thüringen 11
Rückert; 'nun get herein', die fürstin sprach, 'ich musz alhie mit euch (
d. pfarrer) studieren. und habt ir weder maid noch dieren?'
pfarrer v. Kalenberg 51
ndr.; hierher auch: von einem bauren, der seinen pfarrherrn über studiert (
er verteidigt sich mit erfolg) Frey
gartenges. 50
lit. ver. in heutiger ma.: studiern '
reden, sprechen' Schacherl
Böhmerwald 38. B@55) von etwas studieren
s. unter A 2. CC.
transitive fügungen. der transitive gebrauch verlegt im lauf der entwicklung den accent immer stärker vom verbum auf das object. C@11)
in den ältesten gebrauchsarten bleiben die absoluten bedeutungen auch hier voll sinnhaltig; zunächst noch gern mit einem aus dem begriff des verbs entwickelten object: allein si (
die Athener) werin also kluc sie kunden schrift genuc, sie doch studirtin gerne durch horin nuwe lerne pfarrer z.
d. Hechte 175, 7
Sievers; herre wir wüllent fur traben und wellent studieren unser list, das unser jeglicher üch gefrist einen tag (
vor der hinrichtung) Hans v. Bühel
Diocletian 650
Keller; die alle geschrifft (
wissenschaft) zu studieren verachten und allein auf den geist merken Nas
antipap. eins und hundert (1567) 1, 108
b.
weiter zu A 2,
bis ins 18.
jh. neben der präpositionalen rection: das alte schulhaus, das hier stand, wo mancher ... das liebe a b c studiert Baumeister
zimmermannsprüche 50; dasz ... auch erwachsene gesellen bis ins 30 jahr musicam studieren und üben müsten C. Spangenberg
v. d. musica 8
lit. ver.; also hiesze es widersinnisch verfahren, wenn man eine sprache zuerst aus den poeten studiren wolte Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 4, 5.
mit scharfer begrenzung gegen C 2 b: 'eine wissenschaft studieren
heiszt eigentlich nur: sich in kenntnis derjenigen erfahrungen ... setzen wollen, welche bisher ... gemacht ... wurden' Hartig
forstl. convers.-lex. 792. studiert haben
als '
beherrschen': ich hab der schwartzkunst nit studirt Hans Sachs 21, 64
lit. ver.; wer nit die rechte kunst studiert (
sc. hat), der selb im wol die schellen rrt und wurt am narren seyl gefrt S. Brant
narrensch. 29
Zarncke; den medicis, so ihr sach gestudiert (
die ihre sache verstehn) Gäbelkover
artzneyb. (1595) a 3
a;
nicht selten von nichtgeistiger fertigkeit (
vgl.B 1 a; B 2): ihr mädgen von der Pleisze, die ihr mit höchstem fleisze die höflichkeit studiert Weise
grün. jugend 75
ndr.; die kochkunst studiren Göthe IV 1, 109
W. (
nicht scherzhaft).
zu A 3: jedermann studiert zuo diser zeit jura Seb. Franck
sprüchw. (1538) 159; wenn er (
das wort gottes) so woll als liegen und leute ausrichten (
durchhecheln) gestudieret hette Thurneysser
magn. alchymia (1583) 17; habe nun, ach! philosophie, juristerei und medicin, und leider auch theologie durchaus studirt, mit heiszem bemühn Göthe
Faust; mit stützendem präfix: ach bruder, ... ists nicht eine schand, dasz ich (
ein student) nicht so viel künst erstudirt haben sol, vermittelst deren ich mich jetzund füttern könte? Grimmelshausen 1, 357
Keller. C@22)
das object rückt noch mehr in den vordergrund, wenn es ein wahrnehmungsziel enthält. C@2@aa)
dabei kann die absicht der erkenntnis im gegenstand der aufmerksamkeit begrenzt bleiben: da lernt man die wahrheit ... in des allmächtigen offenbarung selbst zu studieren K. L. v. Haller
restaur. d. staatswissensch. (1816) 1, lix;
am stärksten entwickelt in alltäglicher anwendung als optische tätigkeit '
etwas aufmerksam betrachten': (
ich habe) den Nürnberger bilderbogen von der verkehrten welt genauer studirt Cl. Brentano
ges. schr. 5, 4; wie ich aber das bild länger studierte, glaubte ich zu entdecken, dasz die von dem maler getroffenen abänderungen ... für meine platonische art (
zu malen) eher schädlich gewesen seien G. Keller
ges. w. 3, 38; dieselbe schöne, blauäugige dame, deren angesicht ich oft in der Annenkirche studirte Stifter
s. w. 1, 152.
auch: (
landleute) denen der mund immer zu einem behaglichen lächeln steht, wenn sie unter der arbeit nach jeder fünften minute die wolken studiren und aus ihren kurzen stummelchen gen himmel rauchen A. v. Droste-Hülshoff
w. (1879) 2, 318.
ein fester kreis, durch die alte tradition auch in absolutem gebrauch (
vgl.B 1 b; A 1 b)
als ursprung der ganzen gruppe C 2
vermutbar, '
etwas aufmerksam lesen': und wiltu daz studieren und lesen (
die geschichte des wynnebrotes), in dem buche der konnige findestu daz wesen
pilgerf. d. träum. mönchs 4131
Bömer; du hast den Amadis ... nie oder nicht genug gelesen und studirt Logau
sinnged. 234
lit. ver.; soeben studire ich deine briefe, welche sauber geheftet vorliegen Göthe IV 39, 199
W. das '
verstehen'
gehört nicht notwendig zum begriff: so ich noch den Aristotilem gestudiert und gefressen, aber nit verdeuet het Lindener
rastb. 7
lit. ver. in fester fügung vom studium der acten Göthe III 4, 344
W.; (
ich) studirte in der milden herbstsonne ihren brief wie ein fremdes aktenstück fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 136.
der sinn ist besonders voll, wenn das physisch-optische mit hineinschwingt: damit fing er an, die fremden zeichen der pergamentrolle zu studieren E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 223
Griseb.; hier auch mit dem nebensinn einer gewissen umständlichkeit: um ... einen auf grosze ... zettel gedruckten straszenanschlag zu studieren Fontane
ges. w. I 1, 537.
auch contrastierung strafft den gehalt: in ... Schopenhauers schriften braucht man nur zu blättern — obwohl man übrigens gut thut, nicht blosz darin zu blättern, sondern sie zu studiren D.
F. Strausz
schr. 6, 95.
zu der erkenntnishaltung von b
leiten fälle wie: es ist äuszerst belehrend, die biographie Plutarchs und Shakespeares Coriolan daneben zu studieren O. Ludwig 5, 241. C@2@bb)
die erkenntnisabsicht kann über den gegenstand hinaus auf ein allgemeineres ziel gehen: '
in das wesen eines dinges einzudringen suchen, es in seiner gesetzmäszigkeit oder eigenart zu verstehen suchen'. C@2@b@aα)
bei einem vereinzelten gegenstand: der sy hindert an flyssigem studieren das göttlich gesatz, sündet in got und ire seel Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 33
ndr.; die britische verfassung studieren Gentz
schr. 2, 125
Schlesier; die sitten der Deutschen studiren
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 8.
fest ist die natur studieren Forster
s. schr. (1843) 1, 3; Kant
w. (1839) 2, 530
Hart.; Möser
s. w. (1842) 1, 134.
in der gleichen anwendung auch mit persönlichem object: wenn der arzt den patienten zuvor nie gesehen hat, wenn er erst alle eigenthümlichkeiten desselben kennen lernen, ihn erst ganz studiren musz Bremser
medicin. parömien (1806) 109.
reicher: sei weiser, wags, dich selber zu studiren! Zachariä
poet. schr. 5, 176.
oft im sinne von inductiver beobachtung: hier meine liebe tochter, abermals eine pflanzenlection (
-sammlung), studire sie fleiszig Göthe IV 28, 37
W.; es wäre ein unternehmen, ... den charakter aller dieser pflanzengruppen nicht in treibhäusern, ... sondern in der tropennatur selbst zu studiren A. v. Humboldt
ansicht. d. natur (1808) 1, 199. '
eine erscheinung untersuchen': unter 136 rhythmusarten der skalden habe ich nur einen, den sangbaren ... näher studirt Herder
w. 5, 165
S. besonders prägnant, wenn das object eine dem ergebnis schon angenäherte aussage macht: die chemie ... musz ... zuerst wissen, woraus die körper, deren veränderung sie studiren will, bestehen Stöckhardt
chem. feldpredigten 1, 6; der verlauf seiner (
des auges) fasern ist noch nicht studirt worden Sömmerring
bau d. menschl. körpers 5, 765; da studirt alles, was astronomie liebt, wie (
der komet) seinen gang nimmt Jung-Stilling
s. schr. 6, 479. C@2@b@bβ)
mit complexerem object '
ein wissensgebiet erforschen': unser trieb, geschichte zu studieren, ist die sehnsucht, das gesetz dieser functionen und der sie bedingenden kraftverteilung zu erkennen Herman Grimm
Michelangelo (1890) 1, 53; der kann unmöglich unsere politische und litteraturgeschichte ... studiert haben Adelung
magacin f. d. dtsche sprache (1783) 2, 13; ich glaube, die dramatische dichtkunst studiert zu haben, sie mehr studiert zu haben, als zwanzig, die sie ausüben Lessing 10, 214
L.-M. C@33)
zunächst als specielle anwendung erwächst aus diesem gebrauch diejenige auf die vorbereitungsarbeit eines künstlers: die vornehmste forderung ... an den künstler ... bleibt immer die, dasz er sich an die natur halten, sie studieren, sie nachbilden ... soll Göthe 47, 11
W. in der bildenden kunst kommt sie durch den aufs rein sinnliche gerichteten zweck (
s.C 2 a)
zum range einer besonderen bedeutung, begünstigt durch die parallelentwicklung von studium, studie (
s. sp. 271): die beleuchtung ist ein ander mal zu studieren, da der baum im schatten steht G. Keller
ges. w. 5, 108; nur dem oheim gefiel es, dasz man (
in der skizze) doch gleich ein junges eschchen erkannte, und er forderte mich auf, ... die waldbäume recht zu studieren, wozu er mir als forstmann behilflich sein wolle
ebda 1, 204.
secundär auch absolut gebraucht ('
studien machen'): alles drängt sich vor, in der von ihm (
Masaccio) gemachten capelle zu studiren Göthe 44, 305
W. C@44)
eine weitere specialisierung geht von der bedeutung des genauen erfassens und durchforschens aus: da ich ... verstanden, welcher gestalt (
sie als anrede) selbige (
arien) so gnädigst gewürdigt, dasz sie solche nicht allein gerne musicieren und singen hören, sondern auch ein gnädigstes belieben getragen, etliche aus ihnen ... selbsten zu studieren und sich bekannt zu machen H. Albert in:
Königsb. dichterkreis 2
ndr. voll lebenskräftig seit dem 18.
jh. als '
vorbereiten, einüben' (
vgl. einstudieren): ich studiere immer mienen vor dem spiegel, um dir zu gefallen Cl. Brentano
ges. schr. 7, 16; ein einfall (
was man in gesellschaft sagen soll), der nur in etwas studiert ist, wird sodann wunderbar sein J. E. Schlegel
w. 3, 398.
jetzt auch von der musik als fester gebrauch: an den ... vierstimmigen gesängen wird schon fleiszig studirt Göthe IV 19, 417
W. andere lebensbezirke: als eine schar von lumpgen handwerksleuten ... zusammenkömmt und hier ein (
theater-)stück propirt, so sie auf (
für) Theseus hochzeittag studirt
Shakespeare 1, 230.
eine rolle studieren; noch mit dem ursprünglichen sinn '
sie durchdenken': ich glaubte sie (
die rolle) zu studiren, indem ich anfing, die stärksten stellen ... zu memorieren Göthe 22, 26
W. meist nur '
auswendig lernen': die gräfin studirt ihre rolle zur morgenden komödie Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 2, 151.
ähnlich eine rede studieren: den eindruck unmittelbaren ergusses zu erhöhen, studierte er sie (
die rede) vorher Scheffel
ges. w. (1907) 1, 147; Rich. Wagner
ges. schr. u. dicht. 1, 37. '
eine predigt memorieren' (
vgl.B 3 c);
schon früh: valete und studiert etwas guots von der kirchweihe und machents nit lang, dan die bauren hOern on das nit gern lang predig O. Clemen
reformations-flugschr. 3, 52;
später deutlicher: mehrmals hatt ich schon eine lange predigt studirt U. Bräker
s. schr. 1, 259; mein herr fangt an sein predigtlein studieren Mörike
w. (1905) 1, 161
Göschen. DD.
die seit dem 15.
jh. belegten zusammensetzungen mit studier-
als erstem bestandteil ermöglichen ursprünglich die zuordnung zu allen tätigkeitsaggregaten von studieren,
also sowohl zu dem der vorgangslosen beschäftigung (A 1 a; A 3 b
und c):