trennung,
f. ,
das trennen; das sich-trennen; das getrenntwerden; das getrenntsein. das wort taucht in der ersten hälfte des 16.
jhs. auf; mhd. dafür trenne,
f., Lexer 2, 1504.
die belege des 16.
jhs. lassen fast durchweg uneigentlichen gebrauch erkennen (A);
im eigentlichen, sinnlichen bereich wird das wort erst im laufe des 18.
jhs. heimischer (B).
die bedeutungen schlieszen sich zumeist eng an die des verbs an. AA.
älternhd. gebrauchsweisen in stets uneigentlicher verwendung, die meist nur bis ins 17.
jh. voll lebendig sind. A@11) '
zwist, zwiespalt, uneinigkeit'
in allen abstufungen bis zum kriegerischen zusammenstosz, bruderkampf zwischen zusammengehörigen. zu trennen A 2 a
δ. A@1@aa)
allgemein von menschlich oder politisch verbundenen: die ... sich auff warffen als gelerter und heiliger denn die apostel selbs und dadurch trennung und rotten anrichten (1532) Luther 36, 419
W.; der eckstein zu aller trennung und zweiung in der aidgenossenschaft Fischart
in Euphorion 9 (1902) 642; wie wol under freunden trennung anrichten ein unredlich ... stuck ist Fischart 3, 186
Hauffen; es ist menigklich bewiszt, dasz gemeller meszner entbörung, drennung und auflauff angefangen Nas
antipap. eins u. hundert (1567) 2, a 48; welches italisch reych ... in grosze trennung und zweytracht zerspalten war Stumpf
Schweizerchronik (1606) 241
b; bey diesem misztrauen, uneinigkeit, trennung und spaltung Europae ist endlicher untergang vieler land zu besorgen Rätel
Curäi chron. (1607) 33; also
auch wird euer einhelligkeit euer stärck und unuberwindlichkeit, aber eure trennung und miszhelligkeit euer undergang und verderben seyn Zinkgref
apophthegm. (1628) 1, 421; wer ein land oder statt will verderben, der stifft trennung Lehmann
flor. pol. (1662) 2, 832; allein ihre trennung und jalousien richteten sie (
die griechen) zu grunde Fleming
vollk. teutsche soldat (1726) 87;
ganz ins innere verlegt: so trägt sich ... zu, dasz ... ein ... hertzhaffter mann auff einem pferd sitzet, das nichts solle und ... ein forchtsamer auff einem guten ... lauffhengst: welche ohngleichheit in den mannsgemütern manchmal eine grosze trenn: und unordnung verursachet
Machiavelli kriegskunst (1632) 83.
anders '
verwirrung': man sagt ... dasz mehr Schweitzer in Franckreich, als in jhrem land werden auferstehen, gleich wie mehr Frantzosen in Sicilien und Italien ... wie soll man nicht inn solcher babilonischen trennung die kinder verwechseln Fischart
Gargantua 33
ndr. später abgeschwächt zu '
meinungsverschiedenheit': sie waren der meinung, man solte ihnen im felde entgegen gehen und ihnen nicht länger zusehen, worüber es bald zu rotten und trennungen kam Heilmann
peloponn. krieg (1760) 199; an den mitteln aber, welche man berathschlagte, thaten sich bald trennungen hervor Jac. Grimm
kl. schr. 1, 40; alle trennungen, welche sonst die menschen entfernen, müssen hierbei vergessen werden Martins
trinkerfrage 195.
im 19.
jh. nur noch vereinzelt und fast ausschlieszlich poetisch in der ausgeprägt älternhd. bedeutung: unsrer trennung böse tücke liesz viel hundert jahr die lücke klaffen zwischen chor und thurm (
des Kölner doms) Kinkel
ged. (1868) 2, 118. A@1@bb)
concretisiert zur bedeutung '
partei, parteiung, factio': derhalb seien sie ... in eynigkeit des glaubens versamlet, ... Henricum, das haubt dieser trennung ausz göttlichem eifer auszzumustern S. Franck
chron. Germ. (1538) 127
b; welche rotten (
der bischöfe) aber in zeit einfallender wahl (
des papstes) sich wieder in zerschiedene trennungen theilen
waagschaal d. heut. cardinälen (1655) 6. A@1@cc)
specialisiert auf die religiös-dogmatischen zwistigkeiten in der kirche, kirchenspaltung; schisma, scissura Dasypodius
dict. (1535) B b
2; Alberus (1540) B b 4
b; Frisius 1186;
häufig in der fügung: trennung anrichten Hulsius - Ravellus (1616) 328
a; Wiederhold (1669) 341
b;
dissensio, caritati Christianae contraria, etsi maneat in fide concordia trennung Reyher
thes. (1686) 2278.
auch literarisch im 16.
und 17.
jh. reich bezeugt: die kirche Christi (
wird) angefochten durch ... spaltung und trennung gantzer kirchen Hedio
chron. Germ. (1530) 4
a; die zwiespalt und trennungen sind durch der teufel listige anstifftung immer gröszer und schedlicher worden Menius
chron. Carionis (1562) 3, 110
a; allerley schwermer und ketzer, die ... mit jren zusetzen vil ergernusz, unfugs und trennung erregten Mathesius
Sarepta (1571) 68
a; es schwebet zu dieser zeit des bapstthums halb ein grosz scisma oder trennung in gmeiner christenheit, welche von hie ... in die neun und dreissig jar gewäret Wurstisen
Basler chron. (1580) 193; als solt sie spalt und trennung machen in religions und gottes sachen Nik. Frischlin
dtsch. dicht. 169
lit. ver.; unsere sünden haben diese trennung der kirchen verursacht Lehmann
floril. polit. 3, 357; vom jahr Christi 252 biss 1449 rechnet Onuphrius ... allein 28 schismata und trennungen Schupp
schr. (1663) 876.
dazu trennungsgefährte; -geist
s. an alphab. stelle. im 18.
jh. verliert die bedeutung den terminologischen charakter: die trennung der lateinischen abendländischen kirche von der griechischen morgenländischen Jung-Stilling 3, 176
Grollmann; vgl. B 1 c.
s. auch trenner
sp. 134. A@22)
in der älteren kriegssprache bis ins 18.
jh. für das auseinandersprengen von truppenmassen; '
schlappe, niederlage, besiegung'
: rotta d' un essercito Hulsius (1618) 2, 342
b; Kramer 2 (1702) 1131
a;
zu trennen A 1 e
α ββ.
manchmal lassen die belege noch deutlich die entstehung des ausdrucks aus der sinnlichen vorstellung des auseinandergetrieben-werdens erkennen: jede schlachtordnung sol ... mit rechtgeschaffnen leuten ... verwart seyn, ... das sie ... die trennung und hinder sich weichen desz hauffens aufhalten und verhindern Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1, s 2
r;
wohl auch hierher: eine abschrift dieser befehle theilte er dem Capitain Furneaux mit, und zeigte ihm zugleich die sammelplätze im fall einer trennung an J. G. Forster (1843) 1, 30.
zumeist ganz entsinnlicht: die formb, wie man sein volck nach einer niderlag oder trennung wider zusammenbringen ... solle
Machiavelli kriegskunst (1623),
register 2; (
brigade) welche schnell ... auf des feindes vierten bataillon ... traff; denselben ganz zertrennete, ... hernach auf den anderen nächst dabei mit gleicher ruin und trennung desselben vorging Chemnitz
schwed. krieg 1, 465
a; die confusion und trennung solcher grossen machinen (
armeen) geschiehet mit solchem ... feuer, dasz niemand davon widerstand thun kann Fleming
vollk. teutsch. soldat (1726) 261; solch zahlreich heer floh nicht mit stillschweigen durch die tiefe, da es quer über ecke ausrisz, und eine trennung nach der anderen erlitt Bodmer
abh. v. d. wunderbaren (1740) 342.
in neuerer zeit nicht mehr terminologisch, sondern sinnlich (
vgl.B 1 a
α)
für räumlich getrenntes marschieren von truppenkörpern: das offensive vorgehen ... vereinigte alle korps auf dem schlachtfelde selbst und verwandelte so den strategischen nachtheil der trennung in den taktischen vortheil einer völligen umfassung des feindes Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 29. A@33)
juristischer terminus. A@3@aa)
für die auflösung einer ehe, wofür heute scheidung
üblich ist; zu trennen A 2 c
α,
sp. 125.
im 16.
jh. schwingt bei seiner verwendung wohl noch die sinnliche vorstellung der durchschneidung des ehebandes mit: diese trennung oder zerreiszung wirglicher volnzogener und stehender ehe Menius
chron. Carionis (1562) 3, 143
b; scheidung (
die) rächtliche trännung der eelichen banden Maaler 349
a;
seitdem und bis heute fester rechtlicher terminus: dieser unzüchtige bube ... durfte die trennung der ehe zulassen Bucholtz
Herkuliskus (1665) 115; wie aber, wenn das schicksal ... uns auf ewig an ein geschöpf gekettet hat, das ... der liebe und achtung edler menschen unwerth ist ... überlege wohl, ob eine trennung nöthig sey Knigge
umgang m. menschen (1796) 2, 25.
gegenüber scheidung
ist trennung
die ungültigerklärung einer nicht zu recht bestehenden ehe Zedler 8, 351.
im modernen sinn ist trennung '
eine trennung von tisch und bett
ohne aufhebung des ehebandes'
schweiz. civilgesetzb. (1901)
s. 136;
auch zu tisch und bett Hugo
enzyklop. 1, 251; für die wirkung einer beständigen oder zeitweiligen trennung von tisch und bett ... bleiben die bisherigen gesetze maszgebend
einf.-ges. z. bürgerl. gesetzb., art. 202; die klage geht entweder auf scheidung der ehe oder auf trennung der ehegatten
schweiz. civilgesetzb., art. 143.
gelegentlich in älterer zeit auch auf persönlichere bindungen übertragen: von trennung der verlöbnusz ... wegen entstandener feindschafft Thomasius
ernsth. ged. u. erinn. (1720) 3, 345; was vorhin das ... band ... unserer ... freundschafft war, dinet hernach ... zu ... ihrer trennung Butschky
Pathmos (1677) 60. A@3@bb)
auflösung einer öffentlich-rechtlichen körperschaft: trennung der handelssozietät Zedler 38, 183
u. 217. A@44)
fachausdruck der scholastik; s. unter B 2 a. BB.
seit dem 18.
jh. übliche gebrauchsweisen in concreter wie übertragener verwendung. B@11)
das unter mehr oder weniger starker gewaltanwendung erfolgende auseinanderlösen oder abspalten von fest zu einer einheit verbundenen teilen oder die zerstörung einer ursprünglich vollkommenen einheit überhaupt. B@1@aa)
zwischen seelisch eng verbundenen menschen. B@1@a@aα)
zur bezeichnung eines räumlichen auseinandergehens: der himmel bind euch fest zusammen, bis selbst der tod die trennung macht Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. 2, 468; (
Adam:) so sey dir (
Eva) von wenigen stunden eine trennung erlaubt Zachariä
poet. schr. (1763) 8, 173; sie glaubt nicht mehr an genesung, sondern hält die baldige trennung von gatten und kindern für völlig entschieden Matthisson
schriften (1825) 7, 225; und weil die so, die anders wollte wallen, entschlossen sich zur trennung alle drei Rückert (1867) 3, 114;
sich im sinn der volkwerdung absondern: die trennung der familien in abgesonderte nationen Herder 5, 129
S.; man hat ... versucht, ... schlüsse auf die urheimat der indogermanen zu ziehen,
d. h. auf die gegend, wo sie unmittelbar vor ihrer trennung in einzelvölker und einzelsprachen wohnten Hoops
waldb. u. kulturpflanzen (1905) 114;
seltener auch in bezug auf die loslösung von dingen: eins bemerkte ich oft an ihm ... eine zärtliche langweilige trennung vom geliebten gelde bey nöthigen ausgaben
portraits (1779) 200. B@1@a@bβ)
vielfach schlieszt die körperliche scheidung auch eine innere entfremdung ein: (
hochzeitgedicht:) gott ... wird es fügen, dasz ihr bis auf späte jahre keiner trennung fähig seyd Stoppe
Parnasz (1735) 357; wir suchen uns stets fester zu vereinen, bis, trotz der zwietracht wuth und list, die trennung nicht mehr möglich ist Ebert
episteln (1789) 58;
oder der vorstellungsinhalt liegt ganz auf der seelischen absonderung, die die körperliche scheidung im gefolge haben kann: die trennung der herzen in der ehe Löwen
schriften (1765) 4, 122; hier auf erden war ihre trennung so weit gegangen, dasz er und sie in den letzten jahren zwei ganz verschiedene häuser bewohnten Forster
s. schr. (1843) 5, 53.
ins geistige gewendet für politische verhältnisse: bei uns ist die trennung zwischen hof und bürgerstand jetzt so grosz, wie sie noch nie war Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 1, 333; ich finde es jetzt für richtig, Östreich bei uns zu haben; ob der augenblick der trennung kommt, das werden wir sehen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 21
volksausg. B@1@a@gγ)
häufig im sinne von '
abschied': die empfindlichkeit des liebenswürdigen fräulein von C. hatte vieles bey unserer trennung zu leiden S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 117; in jeder groszen trennung liegt ein keim von wahnsinn Göthe 32, 297
W.; mit formeller folgerung, '
bruch': trotz der entschiedenheit, mit der er sich von jeder verpflichtung gegen das mädchen frei sprach, konnte Nolten das herbste, das letzte — die trennung förmlich zu erklären, nicht über sich gewinnen Mörike 3, 65
Göschen. B@1@bb)
von dingen. B@1@b@aα)
die sinnlich vorgestellte scheidung von leib und seele durch den tod. und ein zufellige ursach kein trennung zwischen beyden (
leib und seele) mach A. Lobwasser
Calumnia f 5; und wie der kranke leib, wann seinen freund, den geist, den liebgewesnen gast, der tod von hinnen reiszt, sich vor der trennung krümmt, und, wann er dann verflieget, zu allem ungeschickt, erblaszt und leblos lieget Giseke
poet. w. (1767) 48; die seelen beschäfftigen sich nach der trennung von ihren körpern am liebsten mit denen sachen, an welchen sie im leben auf dieser welt ihr grösztes vergnügen gefunden haben Rabener 2, 91; der schlaf ist eine art trennung der seele vom leibe Löhe
evangeliumpostille (1848) 2, 170
a. B@1@b@bβ)
die körperliche aufspaltung oder räumliche absonderung concreter gegenstände: schon hab ich ungern die trennung des diwans von seinen erklärungen zugegeben Göthe IV 42, 185
W.; trennung von himmel und erde Ratzel
völkerkunde 2, 128; des schweren von dem leichten Brentano
ges. schr. (1852) 5, 381; zwar bleibt die reizbarkeit nach der trennung von dem organismus länger in muskeln, die von gangliennerven versorgt werden Sömmerring
bau d. menschl. körpers (1839) 6, 725; hierdurch (
durch die wärme) erfolgt nothwendig eine trennung; nimmt die hitze ab, so nähern sich die theilchen wieder einander Liebig
chem. briefe (1844) 37; beim ausschmieden in der hitze entstehen im inneren leicht trennungen, theils risse quer gegen die kanten oder auch der länge nach Muspratt
chemie 2, 1354; diese trennung (
des porphyrgebirges) in schichten ist wesentlich von der senkrechten zerspaltung verschieden v. Buch
ges. schr. 1, 312.
in verschiedenen specialgebieten auf einen in der art der materie begründeten, ganz bestimmten ab- oder auflösungsvorgang eingeschränkt; für das auseinandertrennen von stoffen (
vgl.trennen A 1 c
α): wir fanden sie selbst bei der trennung des schönen gewebes Voss
Odüssee 22
Bernays; in der chirurgie: diaeresis operatio chirurgica est, quae partes praeter naturam unitas ... separat trennung der knochen St. Blancard
lex. med. 1, 415; trennung
das zersägen des holzes sciage du bois nouv. dict. all.-fr. (1762) 1, 913 (
vgl.trennen A 2 c
β);
auf dem gebiet der sprache und schrift: in trennung der zusammengesetzten wörter ... hat man sich ferner auch wohl zu hüten Zesen
verm. Helikon (1656) 1, 206; der miszbrauch hat hernach das foeden in feodum durch eine blosze trennung und versetzung der selbstlaute verwandelt Gottsched
anm. gelehrsamk. (1751) 8, 213;
ähnlich puristisch: trennung
subtractio Bürja
gröszenlehre (1799) 20. B@1@b@gγ)
zerlegung von chemischer oder physikalischer materie durch künstliche einwirkung, z. b. scheidung von erzen im hüttenwesen Karmarsch-Heeren 7, 580;
mineralogisch: désagrégation Beil 607;
chemisch: zersetzung, zerlegung, decomposition Hoyer-Kreuter 1, 776: jeder neuen verbindung, die durch chemische mittel bewirkt wird, musz eine chemische trennung vorangehen v. Schelling (1856) 1, 2, 258; trennung einer flüssigen wassermasse in die einzelnen dampfmoleküle Boltzmann
popul. schr. 41; trennung
das zerspalten von farben in der optik s. Boltzmann
popul. schr. (1905) 59; in jenen poren und irrgängen ... müdet sich nun das licht ... gewaltig ab und erleidet eine zerstreuung, zerbrechung, zerreiszung und ... eine trennung Göthe II 3, 312
W. B@1@cc)
übertragen auf politische oder staatsrechtliche aufteilungs- oder ablösungsvorgänge; rein concreter art: Deutschland ward dadurch in eine lage gesetzt, dasz es ... nach der wirklichen trennung von den übrigen theilen der fränkischen monarchie der mächtigste staat ... ward
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 422; diese trennung (
des weltstaates) in wenige grosze theile Herder 17, 126
S.; bei der anlage der congregation des hl. Johannes des täufers, welche Gottfried von Bouillon ... stiftete, ohne dasz die jungfrau Maria diese trennung ungnädig aufnahm Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 244; 1831 einigte sich die conferenz über die grundlagen der trennung der Niederlande Treitschke
dtsche gesch. (1897) 4, 71;
anders, administrativ: man spricht von einer trennung der geistlichen angelegenheiten im Altenstein'schen ministerium Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 1, 167.
als geistig-begrifflicher vorgang: jede trennung eines theils der königlichen macht vom consulat Niebuhr
röm. gesch. (1812) 2, 117; trennung der gewalten v. Haller
restaur. d. staatswiss. 1,
einl. 74; die aufgeklärte trennung der kirche und des staats Hegel (1832) 1, 114; der mann, welcher die legislative trennung Englands von Rom ... durchgeführt Ranke 4, 97; trennung von kirche und schule Raabe
Horacker (1876) 156. B@22)
die zerlegung abstracter begriffe. B@2@aa)
rein theoretisch durch analysieren von complex gefaszten vorstellungen. in dieser verwendung schon als philosophischer terminus technicus der scholastik (
vgl.trennen II A 2 b
α)
im frühnhd.: wo Christus ist, da ist er gantz on trennung der naturen Ringwaldt
evangelia s 7
b.
in dieser verwendung erst wieder aufgenommen von der philosophie der aufklärung (
vgl.trennen II A 2 b
β): so pfleget man das urtheil durch eine verknüpfung oder trennung unterschiedener begriffe zu erklären Chr. Wolff
vernünft. ged. v. gott (1720) 139; alle verbindung oder trennung, welche das denken ausmacht Kant 3, 274
akad. ausg. (
krit. d. r. vern.)
, seitdem allgemein: trennt die religion ganz von der moral, so habt ihr die eigentliche energie des bösen im menschen. hier straft sich die trennung des untheilbaren
Athenäum 3, 28; soll denn die poesie schlechthin eingetheilt seyn? oder soll sie die eine und untheilbare bleiben? oder wechseln zwischen trennung und verbindung?
ebda 1, 141.
vereinzelt, eine spaltung in sich selbst: auch würden wir, seine leser, diese willkürliche trennung seiner selbst (
in dichter und in mensch) ... zu ahnden wissen J. J. Engel
schriften (1801) 2, 66. B@2@bb)
die durch die entwicklung entstandene praktische aufspaltung eines ursprünglich einheitlichen lebens- oder wissensgebietes: was hilft es uns zu erfahren, dasz tanz, musik und poesie in den ersten zeiten natürlich verbunden gewesen, wenn wir ihre trennung in den spätern zeiten für nicht minder natürlich halten müssen Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 242
lit.-denkm.; die trennung in empirie und formale logik Solger
vorles. über ästhetik (1829) 15; in diese periode fällt die berühmte trennung der medizin in die diätetik, chirurgie ... Liebig
hdb. d. chemie (1843) 1, 3.
anders: '
unterschied': der ländlichsittliche gebrauch, ... die flächen, mögen sie tief oder absolut hoch liegen, ebenen zu nennen ... hat verleitet, über den kleineren trennungen den überwiegenden zusammenhang zu übersehen Ritter
erdk. (1822) 1, 72;
nichtidentität: die früheren Portugiesen hatten den Senegal für einerlei mit dem Nigerflusz gehalten ... die französischen geographen fanden überzeugende gründe für die trennung der ströme auf
ebda 1, 416. B@33)
durativ. B@3@aa)
das örtliche geschiedensein, die räumliche entfernung; von eng verbundenen menschen, liebenden, freunden: (
glaube, dasz) meiner fest beschlosznen treu die trennung selbst nicht schädlich sey Gottsched
ged. (1751) 1, 215; in dieser dunkelheit der trennungen von freunden Lenz
ged. 225
Weinhold; sahst du, welche glühenden blicke er zwischen uns warf und uns trennung drohte? Tieck (1828) 11, 299;
von gegenständen, vornehmlich politischen oder geographischen charakters: verschiedene sprache, ... farbe, trennung durch meere, ströme oder gebirge (
hindert) die weitere vereinigung (
bürgerlicher gesellschaften) v. Schubert
verm. schr. (1823) 1, 249; an dieser ungleich groszen räumlichen trennung der beiden brennpunkte amerikanischer gesittung Peschel
völkerkunde (1874) 472; wenn der junge künstler ... die sich theilweise deckenden bäume in optische trennung bringen kann Stifter 14, 119
Sauer. entsinnlicht: unser dasein ist unsere trennung von dem äuszeren durch die sinne Bettine
Cl. Brentanos frühlingskr. (1844) 203; um so mehr müssen wir jene natürliche trennung des lebens und der wissenschaften ... zu vermitteln suchen Solger
Erwin (1815) 1, 5;
schillernd: der heilige abend war gekommen. die ... insassen der burg versammelten sich ... zwischen herrschaft und gesind sollte heut keine trennung sein Scheffel (1907) 1, 225. B@3@bb)
mit scharfer concretisierung '
sonderungsstelle; grenze': scheitel, die trennung der kopfhaare Gottsched
dtsche sprachkunst (1788) 98;
ritter: nicht das auge, nur der geist dahinter siehet ...
Faust: wo denn die trennung zwischen geist und körper Grabbe (1874) 2, 44. B@3@cc)
verallgemeinert '
unterschied': wenn beyde theile (
eines arientextes) ohne unterschied zusammenhängen; wie will es möglich seyn, die gehörige trennung zu beobachten und jeden theil besonders zu setzen? Scheibe
kritische musicus (1745) 241; (
ich) musz ... die bemerkung vorausschicken, dasz im götterdienste der beiden völker ... keine trennung stattfand Müller
Etrusker 2, 64. CC.
composita treten ganz vereinzelt im 17. (
vgl.trennungsgefährte; -mittel),
häufiger im 18.,
hier fast ausschlieszlich in der unter a (
s. u.)
zusammengefaszten bed.-gruppe und in grammatischer terminologie, zuletzt üppig wuchernd und seither immer zunehmend im 19.
jh., vorzüglich in concreter, praktisch-technischer verwendung (d),
hervor. C@aa)
composita, die sich auf eine trennung von menschen, sowohl auf momentane (
abschied; z. b. trennungsstunde)
als auch durative (
das getrenntsein; z. b. trennungsjahr),
beziehen. C@a@aα)
nomina: trennungsabend: das nämliche zimmer, ... wo Wolkenstein, am traurigen trennungsabende, die worte Klopstocks in mein taschenbuch schrieb Matthisson
schriften 6, 14; er schilderte jenen anderen trennungsabend auf St. Helena, an dem um die gefangeneninsel die seegewitter standen Hans Grimm
volk ohne raum 2, 328;