unnatur,
f.; schon im mnl. und dann wieder bei uns im verlauf der Rousseaubewegung zunächst als fast nur wortspielender gs. mit natur (
s. d., bes. B 3,
unten 2, 3, unnatürlich 4)
verbunden; wie im nl. wird es mehrfach ersatz für älteres unnatürlichkeit;
rückbildung aus unnatürlich
kommt hauptsächlich bei 6
in frage. erst bei Campe.
aus dem deutschen ins nl. und schwed. gedrungen. vgl. misz- (J. J. Engel), über-, widernatur. 11) unnatürlich, -keit 2
entsprechend (
vgl.natur A A 5 e): soll ich der liebe schmachten durch u. verwildern? Klinger
n. theater 2, 99; ungeheure und finstere verbrechen der u. E.
M. Arndt 4, 343; schreiendste u. Gutzkow 9, 362; aber ein weib, das nicht liebt — 's bleibt immer eine u. Bauernfeld 6, 134; ein kind der u. Bürger 103
b. 22) unnatürlich, -keit 3
entsprechend (
vgl.natur B):
märchen haben uns in der allenthalben natürlichen natur allenthalben un- oder übernatur zu erwarten gelehrt Herder 22, 235; 23, 333; schreiben ist u. Pückler
briefw. 6, 38; die unnatur der überlebten staatsformen Treitschke
d. gesch. 3, 514.
vgl. 5. 33) unnatürlich, -keit 4, natur B 3
entsprechend, meist von cultur- u. kunsterscheinungen: die natur kann keine u. leiden Herder 20, 88; Göthe 48, 172
W.; gute frauen 15, 8
ndr.; es ist daher gar kein wunder, wenn, nachdem die u. uns zur natur geworden, die natur uns erscheint als unnatur Fichte 5, 495;
syn. manier, zwang, schwulst, verfeinerung, affection, ziererei, unkunst, convention
u. dgl. (diese ... unpoetische natur oder vielmehr diese verstandesreiche u. [
madame Stael],
persönlichkeit u. ihr wesen bezeichnend Schiller
briefe 5, 407);
attribute z. b. vollendete, reine, gespreizte u.; die tugendsame u. einer lang aufgewärmten mittelalterlichkeit Scherr
Nemesis 5, 79
Hesse; u. in der deklamation Nicolai
reise 4, 589, im guten und bösen Gervinus
g. d. d. dicht. 5, 159; die u. der schnörkel Justi
Winckelmann 1, 257; die groteske ist grottenverzierung, dann überhaupt u., grillenwerk, seltsamkeit Voigt
geschäftsführung 1, 359. Campe
verd. wb. 343
b. unnaturdichter Rosegger 15, 167, -schule Heine 7, 236 E. 44) unnatürlich, -keit 5, natur B 3 a
entsprechend: alles, was man als verzerrung, u. und steifigkeit der pflanzenformen ansehen könnte, (
ist) wesentlich als eine angemessene umbildung zum eigentlich architektonischen zu betrachten Hegel II 10, 302; herbe u. etruskischer ausführung Gerhard
ak. abh. 1, 106. 55) unnatürlich 6
entsprechend: N. musz sich mit seiner ersonnenen u. viel zu schaffen machen Göthe II 2, 61
W.; I 5, 199
W.; geistige u. Novalis 2, 229
Minor; des halb geschundenen Bartholomäus natürliche u. Herder
bei Sanders 2, 403
c;
von knabenliebe K. O. Müller
Dorier 2, 295; die u. der lage Prutz
pr. gesch. 4, 337. 66) unnatürlich 8
entsprechend: verquickung der künste ist lauter u. Vischer
ästhet. 3
1, 165; damit hatte nun die seit anbeginn unklare .. verwickelte liebesgeschichte den höchsten grad ihrer u. erreicht Holtei
erz. schr. 8, 251; es wäre eine u. gewesen, hätte
M. einen trunkenen Bacchus anders darstellen wollen H. Grimm
Michelangelo 1, 156. 77) unnatürlich 9
entsprechend: nüchtern bis zur u. Arent-Conradi-Henckell 138.