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misz

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

misz

Bd. 12, Sp. 2274
misz, betonte untrennbare vorsilbe, in verbindung mit nominibus und verben verfehltes, falsches, unrechtes bezeichnend. goth. missa-, altn. ags. fries. alts. mis-, ahd. missa- und missi-, mhd. misse- und mis-, die nhd. form ist nur ausnahmsweise misse- geblieben, fast durchgängig in misse-that, missethäter (s. d.), auszerdem in älterer sprache neben misz- (vergl. unten unter miszbieten, miszlingen), sonst überalt zu misz- geworden. die bedeutung der vorsilbe war schon früh die des fehlerhaften, so in goth. missa-dêds, ahd. missitât, mistât, älter aber doch die des blosz verschiedenen, wechselnden, wie nicht nur aus den goth. compositis missaleiks verschieden, ahd. missalîh, missilîh, mhd. misselîch, mislîch (vgl. unten miszlich), goth. missa-qiss wechselrede, wortstreit, sondern auch aus dem eigenleben der vorsilbe als einstiges adjectiv erhellt, ein solches goth. miss, stamm missa wird durch das adv. missô wechselseitig, einander (niba þatei izvis missô frijôþ, εἰ μὴ τὸ ἀλλήλους ἀγαπᾶν m. 13, 8; izvarôs missô kaúriþôs baíraiþ, ἀλλήλων τὰ βάρη βαστάζετε Gal. 6, 2) gewährt, ahd. missi verschieden ist bezeugt: sus missemo muatesint ubile joh guate. Otfrid 5, 25, 80 (vgl. 2, 19, 24, wo dafür fêhemo muate steht); die eigentliche bedeutung des wortes gieng also von der des wechsels, der verschiedenheit und des abweichens zu der des mangelns, fehlens (ein mhd. adj. mis mangelnd, entbehrend aufgewiesen von F. Bech in der Germ. 8, 473, vergl. auch das fem. misse fehlen, mangel ebenda; mnd. mis, misse als adverb fehl, sein ziel nicht erreichend, ermangelnd Schiller-Lübben 3, 95a; niederl. mis, misse, erratum malum Kilian; altnord. mis, miss, á miss, (engl.) amiss Vigfusson 430a) und sodann des verfehlten und schlechten über. das innere ss des goth. stammes missa verhält sich, wie gramm. 2, 470 angedeutet ist, wie in goth. vissa, qiss, stass, ist demnach aus angleichung zweier dentalen dt oder þt entstanden; die zu grunde liegende form midta oder miþta gehört wahrscheinlich als passivbildung zu der wurzel mid oder miþ mit der eigentlichen bedeutung des wechselns, vertauschens, verkehrens, vgl. oben sp. 1899. Die untrennbarkeit der partikel ist in der neueren sprache nicht ganz ausnahmslos durchgeführt; namentlich hat die volksmäszige rede Niederdeutschlands, wo mis seltener in der bedeutung übel, häufiger in der des fehlens gebraucht wird, die neigung, es in verbindung mit einem verbum freier und rein adverbial zu diesem zu stellen, vergl. daar kumt he mis, vergeblich, zu spät, dat geit mis, gelingt nicht, mis gaan, fehl gehen, umsonst gehen. brem. wb. 3, 166; sprichwörtlich dat is mis un even, das ist noch ungewiss, es kann gelingen, aber auch nicht, hebben is wisz, krigen is mis, der wirkliche besitz ist besser, als die hoffnung desselben. ebenda; dat ding geit mis, die sache schlägt fehl. Schütze 3, 102; in Westfalen 't is nich ganz mis, es ist noch nicht ganz verfehlt, in Dortmund selbst ik daue et mis, thue es ungern Woeste 176b; in Ostfriesland du bist hir mis, fehlgegangen, und eine gröszere anzahl ähnlicher wendungen, vgl. ten Doornkaat-Koolman 2, 605b; von Niederdeutschland aus ist einiges in die schriftsprache gekommen: es geht ihm mis und eben. Schottel 1118a; ein guter schütz scheust auch misz. 1132a; bei Klopstock in feierlicher rede: nennet kunst nicht, was mis, wie er auch grübelte, schuf der aesthetiker, mis, wie tiefsinnig der mann auch sich gebehrdete. 2, 57 (= nennt kunst nicht, was der ästhetiker miszschuf, miszgeschaffen); gewöhnlicher in komischer: mariage! rief das fräulein und erröthete. o wie verstehen sie, mein vater, mich einmal wieder recht gründlich misz! Immermann Münchh. 2, 4; schallt ein ruf recht dreist metallen, gleich erregt es sein miszfallen, ja doch, es gefällt ihm misz! Freiligrath dicht. 3, 56; sonst zeigt sich im nhd. der nachklang des adverbialen misz nur noch in seiner öfters freien stellung zum infinitiv mit zu und zum part. prät. (neben der festeren zu miszhandeln auch miszzuhandeln, sowie miszgehandelt, gemiszhandelt, miszhandelt u. a.), worüber ein festes gesetz entgeht, da der sprachgebrauch bei einzelnen verben sich sehr verschieden gestaltet hat. der hochton der partikel, selbstverständlich der vollen und mhd. form misse- zustehend, hat sich bis heute am nomen (míszbrauch, míszfall, míszfällig, mísztrauen, míszton, mísztönig u. a.) erhalten, sowie am verbum in dem falle, wo es auszerdem mit einer untrennbaren partikel zusammengesetzt ist (míszbehagen, míszgebären, míszverstehen); wogegen in der zusammensetzung mit einfachen verben seit dem 17. jahrh. misz- schwankend tieftonig geworden und der hochton auf die stammsilbe des verbums gerückt ist. diese tonverrückung beobachten wir zuerst im verse, für welchen allerdings hochbetontes misz- in dreisilbigen verben besonders ungünstig liegt, nachher ist es auch der prosarede eigen geworden; jetzt, und nach Adelungs zeugnis auch zum theil schon im vorigen jahrhundert, betont man mehr miszbráuchen als míszbrauchen, miszhándeln als míszhandeln, miszlíngen als míszlingen u. a., nur mísztrauen hält sich noch mehr gegen misztraúen. solcher veränderten betonung folgen auch die verbalsubstantive miszáchtung gegen míszachtung, miszdeútung und míszdeutung u. s. w.
5271 Zeichen · 75 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    misz

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    misz- , betonte untrennbare vorsilbe, in verbindung mit nominibus und verben verfehltes, falsches, unrechtes bezeichnend…

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329 Bildungen · 328 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

misz‑ als Erstglied (30 von 328)

miszachten

DWB

miszachten , verb. schlecht, übel, gering achten: misachten, gering-, klein-, nichtsachten, flocci facere, nauci habere, indignum deputare S…

miszachtung

DWB

miszachtung , f. : Zachariae beschäftigt sich viel mit landedelleuten, stellt ihre liebhabereien und eigenheiten komisch dar, aber ohne misz…

miszanlage

DWB

miszanlage , f. verfehlte anlage: unregelmäszige leidenschaften und miszanlagen der natur. Herder.

miszarbeit

DWB

miszarbeit , f. vanus et irritus labor. Stieler 49 .

miszarbeiten

DWB

miszarbeiten , verb. in laborando aberrare, ludere operam, laterem, Aethiopem lavare. ebenda.

miszart

DWB

mis·zart

miszart , f. verfehlte, üble art: auch so ein miszarth in virtute crescitiva ist. Paracels. opp. 1, 678 B .

miszarten

DWB

mis·zarten

miszarten , verb. non insistere vestigiis parentum, depravare, deflectere a bono, a virtute desciscere, ausarten, abarten. Stieler 59 , mit …

miszarznei

DWB

miszarznei , f. verfehlte, schlechte arznei: wie von diesen zweien ( arzneien ) steht, also mein ichs auch von andern miszarzneien. Paracels…

miszbären

DWB

miszbären , verb. falsch gebären ( vergl. miszgebären und miszburt): solche besondere liebe miszbirt etwenn und gemainlich flaischliche lieb…

miszbau

DWB

miszbau , m. aedificium non bene exstructum. Keisersberg bei Frisch 1, 665 a . das mhd. missebû bezieht sich auf die schlechte bebauung des …

miszbedienen

DWB

miszbedienen , verb. fehlerhaft bedienen: aber sich hierunder ( in der verwechslung des d und t ) einer allzugroszen freiheit, ja gar ungewi…

miszbefinden

DWB

miszbefinden , n. nicht gutes befinden: ein augenblickliches miszbefinden. Göthe 22, 82 .

miszbefriedigung

DWB

miszbefriedigung , f. verfehlte oder nicht erlangte befriedigung: verstimmung und miszbefriedigung legte sich anfangs manchmal über den klei…

miszbeginnen

DWB

miszbeginnen , n. übles beginnen: ( die liebe ) die herrscherin der sinnen, die sterbende beseelt, das wilde miszbeginnen der grimmen tyger …

miszbegriff

DWB

miszbegriff , m. verfehlter oder falscher begriff: mitwirkung des h. geistes genug, wenn er nur den zum schreiben antrieb, in dem er die wen…

miszbehagen

DWB

miszbehagen , verb. displicere, aegre ferre. Stieler 728 ; wer ihm selbst behagt, der misbehaget gemeiniglich andern, temneris multis, si tu…

miszbehaglich

DWB

miszbehaglich , adj. und adv. molestus, ingratus; ingratiis, aegre, moleste, ingrate. Stieler 728 : er fand da an öffentlichen orten überall…

miszbejahen

DWB

miszbejahen , verb. negare, diffiteri. Stieler 873 .

miszbelieben

DWB

miszbelieben , verb. displicere, rejicere, repudiare, reprobare, item despicere, contemnere, negligere, nihil reputare, nauci habere. Stiele…

miszbeliebig

DWB

miszbeliebig , adj. : aus besorgnis, ein plötzlicher ausbruch möchte zu miszbeliebigen erläuterungen anlasz geben. Wieland 3, 107 ; den misz…

miszbeliebung

DWB

miszbeliebung , f. displicentia, repudiatio, rejectio, despicientia, contemtio. Stieler 1160 .

miszbeobachten

DWB

miszbeobachten , verb. flocci facere, susque deque habere, nulla cura rei tangi. Stieler 11 .

miszbeobachtung

DWB

miszbeobachtung , f. negligentia, socordia, neglectus, unbeobachtung. Stieler 11 ; die miszbeobachtung ist sehr leicht, und eben dasselbe is…

miszbeschaffenheit

DWB

miszbeschaffenheit , f. verfehlte, schlechte beschaffenheit: warum all diese dinge ihr gesetz, natur und angeschaffne gaben wandeln in miszb…

miszbeziehen

DWB

miszbeziehen , verb. verkehrt beziehen: er hatte eine äuszerung des andern auf sich miszbezogen.

miszbeziehung

DWB

miszbeziehung , f. : doch ein neues weltereignis hob unsern helden aus allen diesen miszverhältnissen und miszbeziehungen plötzlich wieder h…

miszbieten

DWB

miszbieten , verb. einem übel bieten, einem unglimpfliches zufügen, lästern: verachten die herrschaften, sind thürstig und halten viel von i…

miszbietig

DWB

miszbietig , adj. : dieser artikel ist irrig, unchristlich, in das gesetz und gesetzgeber lesterig, und den heiligen misbietig. Luther 1, 54…

miszbietung

DWB

miszbietung , f. : ( wenn jemand ) gott selbst lästerung oder unehr zulegt oder seiner allmächtigkeit miszbietung oder verminderung thät. re…

Ableitungen von misz (1 von 1)

unmisz

DWB

unmisz , adj. adv. , nach dem nd.: unmisse rechnung bezahlt nicht, schad auch nicht Petri V v 3 a ; ein bot kan unmisz werben t 1 b . Doornk…