natur ,
f. natura, φύσις. II.
zur geschichte und form des wortes. I@11) Vulfila
übersetzt in den uns erhaltenen stellen das griech. φύσις durch gabaurths (
geburt)
oder vists (
wesen, beschaffenheit):
τῶν κατὰ φύσιν κλάδων, thans us gabaurthai astans (der natürlichen zweige Luther)
Röm. 11, 21;
κατὰ φύσιν, bi vistai
Ephes. 2, 3.
Gal. 4, 8,
aber nicht 2, 15,
wo ἡμεῖς φύσει Ἰουδαῖοι wiedergegeben ist durch veis raihtis Judaieis visandans
und raihtis (
allerdings, im vollen sinne des wortes)
das griech. φύσει auszudrücken scheint (
s. Bernhardt
zu der stelle). —
die althochd. versuche, das lat. natura
durch ein einheimisches wort zu übersetzen (natura, bikhunni, kichunni Steinmeyer-Sievers 1, 213, 22, kachunni, kichunni Graff 4, 440,
entsprechend dem ags. gecynd Leo 177, 40;
in der dem anfange des 9.
jahrh. angehörenden interlinearversion der regula s. Benedicti 35. 57. 58
u. ö. wird für natura
das dem lat. natio
urverwandte und dem goth. knôds
entsprechende chnuat
gebraucht, das neben wesanti, wist
und gaburt
auch für das sinnverwandte lat. substantia
verwendet wird Graff 4, 572. Raumer
einwirk. des christenth. auf die ahd. sprache 350),
waren von keiner nachhaltenden wirkung und wurden bald verdrängt durch die förmliche aufnahme des zuerst bei Otfrid (3, 3, 22
und 5, 12, 49)
und dann öfter bei Notker
mit deutscher declination vorkommenden fremdwortes: ahd. natûra,
woraus mhd. natûre, natûr (nattoure Nicol. v. Basel 131, nataur Teichner
hs. A 15
d,
erweitert natâwer Heinr. v. Melk
erinn. 962)
und natiure (
d. h. mit dem laute des franz. nature),
nhd. mit verkürztem auslaute natur (
im 15.
und 16.
jahrh. auch noch nataur Wittenweiler
ring 19
b, 30. 21
b, 41. Bechius 1. 19. 25
u. o.)
entstanden ist und sich so eingebürgert hat, dasz die vereinzelten versuche der puristen, ein deutsches wort an dessen stelle zu setzen, immer erfolglos geblieben sind. freilich hat Schottel (1368)
die in der fruchtbringenden gesellschaft aufgekommene verdeutschung des alten lehnwortes mit zeugemutter
nur aus dem grunde zurückgewiesen, weil er natur
für ein deutsches und älteres wort als das '
gleichstimmende'
lat. natura
hielt, wodurch Stieler (38)
verleitet worden ist, natur
auf ur
zurückzuführen und dieses für eine contraction des niederl. ouder (
alter)
zu erklären ('ab hoc ur venit, quod hactenus ex Latio emendicatum fere iverunt omnes, die natur
i. e. naht ur, nah d'ur,
i. e. nach dem ur'),
welche etymologie schon Frisch (2, 408
c)
gebührender massen abgefertigt und (2, 10
a)
es wieder deutlich ausgesprochen und erklärt hat, dasz unser natur
nichts anderes sei als das lat. natura.
vergl. J. Classen
zur gesch. des wortes natur.
Frankfurt 1863. I@22)
in andern germanischen dialekten erscheint das lehnwort als: altn. nâttûra,
schwed. dän. natur,
altfries. nature,
ostfries. natur
und natür (Stürenburg 158),
engl. nature,
nd. natuur. I@33)
der plural (
wo er stehen kann)
lautet nhd. schwachformig die naturen;
nur vereinzelt zeigt sich im ältern nhd. die schwache flexion auch im singular: von naturen Albertus
guld. sendschr. 1, 199
a. Spee
trutzn. 188. 200
B. der auffallende starkformige genetiv naturs
in naturs grösze (Lessing 8, 529)
ist aber als compositionsgenetiv aufzufassen wie arbeits, liebes
u. s. w. in arbeitslust, liebesfreuden.
s. gr. 2, 938
ff. IIII.
bedeutung und gebrauch. Im älteren latein kommt natura
nicht häufig und nur in der bedeutung von angeborner anlage und begabung vor, die sich aus der ursprünglichen '
die stets fortwirkende thätigkeit des erzeugens und hervorbringens'
erst entwickelt hat; doch schon bei Lucretius
hat das wort unter einflusz des griech. φύσις jene grosze ausdehnung an inhalt und umfang gewonnen, die bei den spätern lat. schriftstellern vorkommt und allmählich auch mit dem lehnworte in die deutsche sprache übergegangen ist (Classen
a. a. o. 9
ff.).
die erste im ahd. nachweisbare bedeutung entspricht der frühlateinischen und drückt die angeborne leibliche oder geistige beschaffenheit aus; das ist auch im nhd. noch vorwiegend der fall und erst seit dem 16.
jahrh. beginnt die angedeutete ausdehnung immer weitere begriffskreise zu bilden, die oft in einander übergreifen (
wie es auch bei vielen der mitgetheilten belege der fall ist),
aber in allen ihren abstufungen auf die zwei begriffe der zeugenden kraft und des durch sie hervorgebrachten, des lebenschaffenden und des lebenden oder belebten zurückzuführen sind. Übrigens wird man in einem lexicalischen artikel eine auch nur annähernd erschöpfende darlegung und behandlung des unendlich oft gebrauchten wortes und seiner begriffsentwickelung (
namentlich nach der theologischen und philosophischen seite hin)
nicht suchen oder von ihm verlangen. II@AA.
die schöpfung im activen sinne: die zeugende, bildende, verändernde, erhaltende und ordnende kraft im weltalle oder in dessen theilen; oft mit mehr oder minder lebendiger personification aufgefaszt, weshalb auch der artikel fehlen kann. II@A@11)
in bezug auf das weltall oder auf die erde und deren reiche und geschöpfe: weil die gantze welt eine krafft hat, wovon alle in ihr sich ereignenden veränderungen entspringen ..., so eignet man auch der gantzen welt eine natur zu und verstehet man demnach die bewegende krafft der welt ... wenn man die natur schlechterdings nennet, zuweilen nennet man es auch die gantze natur. Chr. Wolff
vern. ged. von gott § 629; würkende natur,
natura naturans Zedler 23, 1045; untersuchung der alles würkenden natur. Leibnitz 2, 54; lauter wunderwerke der wirkenden natur. Brockes 1, 62. 156; (
er) beschreibt den ganzen bau der wirkenden natur. Rabener (1771) 2, 7; natur, von deren krafft lufft, weld und himmel sind. Opitz (1645) 1, 22; dann zog uns unser trieb, die klüfte zu befahren, die werkstatt der natur. Drollinger 82; die (
fibern und adern der blume) nach dem grundgesetz, das in dem wesen liegt, die wirksame natur unendlich schön gefügt. Wieland
natur d. dinge 1, 244; die allgewalt der natur. Kant 1, 291; die kräfte der natur. Herder
id. 1, 113. Engel 11, 317.
s. th. 5, 1937
und naturkraft: im innern der natur ruht die geheime kraft, die durch sich der dinge bildung schafft. Wieland
natur der dinge 1, 255; natur, die zwei edle metalle, gold und silber, in éiner erde wachsen läszt. J. Grimm
altd. meisterges. 5; die allthätigkeit der natur. Göthe 51, 51; ihr alle fühlt geheimes wirken der ewig waltenden natur. 41, 19; die natur arbeitet auf leben und dasein, auf erhaltung und fortpflanzung ihres geschöpfes. 36, 215; im reich der natur waltet bewegung und that. 19, 169
H.; lebend weben der natur. Herder 15, 46; die wandelnde natur hat sie (
die oberfläche der erde) in ihren fortgehenden perioden geschont.
ideen 1, 62; die natur geht schweigend ihren pfad. Tiedge
Urania 5, 305; die bildende (Brockes 1, 99), die paarende (Hagedorn 2, 74), zeugende natur (Wieland
natur d. dinge 1, 74); so wird, was die natur am prächtigsten gebildet, mit immer neuer lust von einem berg erblickt. Haller 40 (34, 323
Hirzel); da die natur nun allenthalben ... alles aus dem feinsten, kleinesten hervorbringt. Herder
ideen 1, 18; die natur bringt alles zur ordnung. Leibnitz 2, 53; das richtige maasz der natur. 50; alles formt die natur nach einem groszen gesetze. Lavater 5, 103; hier, wo die natur allem gesetze giebet. Haller 28 (26, 121
Hirzel); diese steine hast du nicht gefügt, reichhinstreuende natur! Göthe 2, 177; alles was die gesunde natur thut ist göttlich. Schiller 10, 437; die natur ist der best meister. Frank
sprichw. 1, 148
a; lehre der natur. Leibnitz 1, 45; system der natur ward angekündigt, und wir hofften also wirklich etwas von der natur, unserer abgöttin, zu erfahren. Göthe 26, 69. II@A@1@aa)
besonders in bezug auf die körperliche gestalt oder geistige beschaffenheit lebender wesen: mhd. natûre hât dehein scham erworben an ir lîbe .. .. dar an wære dehein gebrest wandelbære an lîbe noch an muote: sô hât sie mit huote natûre gestellet.
krone 8167
ff.; nhd. das frauenzimmer .. dem volk als ein meisterstück der natur, ja wie ein engel vorkam.
Simpl. 1, 564, 21; die natur müste wol ... eine frau sein, weil sie das frauenzimmer für den männern mit so vielen schönheiten begabt hätte. Lohenstein
Armin. 2, 735
b; die natur hat die frauenzimmer so geschaffen, dasz sie nicht nach principien sondern nach empfindung handeln sollen. Lichtenberg
verm. schriften 1, 173; hier ruht .. die schöne! sie, dein meisterstück, natur! Gotter 1, 105; er plagt sich bis ins grab mit einem flachen leib, den die natur ihm gab. Uz 2, 116; ja! die beselende natur gab gänsen muth und wölfen güte. Hagedorn 2, 123; wie? die natur hätt auch nur éinen zug von mir in deines bruders form gebildet. Lessing 2, 221 (
Nathan 1, 5); natur gab dir so schöne gaben. Göthe 3, 298
H.; schade dasz die natur nur einen menschen aus dir schuf. Schiller 11, 100; das letzte product der sich immer steigernden natur ist der schöne mensch. Göthe 37, 26; die schönheit ist ein geschenk der natur. Hippel
über die ehe 156; die natur hatte ihre ganze kraft verschenkt. Börne 5, 58; die natur selbst stattet die menschen bei ihrer
geburt mit kräften des geistes und des körpers ungleich aus. 3, 66. II@A@1@bb)
in beiden vorhergehenden beziehungen tritt die personification am deutlichsten hervor, wenn der natur
das prädicat mutter
mit menschlicher gestalt und kleidung, mit menschlicher rede, thätigkeit (
vgl. A, 1)
beigelegt wird und die geschöpfe als ihre kinder bezeichnet werden (
vgl. B, 2). die mutter natur, die mütterliche natur: die mutter natur ist ein lebendig-strebsames wesen. Lavater
nachgel. schriften 5, 105; schön ist, mutter natur, deiner erfindungen pracht. Klopstock 1, 69; in zaubernacht, mutter natur, bet ich dich an! Herder 15, 163; die wohlthätige mutter natur hat dem menschen eine schönere hülle gegeben.
ideen 1, 210; empfindungen, welche mutter natur uns eingeprägt hat. Knigge
umgang (1790) 2, 18; du bist im mutterleibe der natur so hübsch zu hause und ich höre dich so gerne reden von urkräften, die von geschlechtern der menschen ungesehen durch das universum wirken. Zelter
an Göthe 566 (4, 416); innen in eingeweiden der natur. Herder 15, 236; seit wann hat die natur uns ihren schoosz entdecket? Wieland
natur der dinge 4, 169; in dem schoosze herrlicher natur.
d. j. Göthe 2, 35; hier (
im haine) bin ich eins mit dir, natur, und falle dir an die brust. Tiedge 2, 88; warum erschlaffte sie (
die üppige ebene) an den brüsten der natur? Herder
ideen 2, 246; die plastische hand der natur. Wieland 14, 74; Eryzinens hauch durchdringet .. alle pulse der natur. Bürger (1778) 11; die hand der wirkenden natur. Brockes 1, 86; in deinen armen, an deinem herzen (
bin ich) wieder, natur. Schiller 11, 90; und falle weinend in die arme der natur. Tiedge
Urania 1, 94; als das auge der natur (
die sonne) sich endlich schlosz. Wieland
Idris 3, 76; das alte, schöne, so oft miszverstandene bild aller geheimnisse, der grosze schleier der natur. Herder
älteste urk. 1, 218; ich höre kommen dich, natur! dein mantel rauscht. Lenau (1880) 1, 231; die sprache der natur ist allgemein. Brockes 1, 86; des beblümten frühlings pracht ist die sprache der natur. 1, 38; so redet die natur! sprich, wollen wir sie hören? Uz 2, 71; die natur spricht nichts aus, was ihr selbst unbequem wäre. Göthe 54, 105; er liebt die wüsten, wo man horcht der stimme der natur. Börne 4, 158; wie die natur ... da webt und auftrennt, zerstört und sticket. Herder
älteste urk. 1, 218; die natur hat hier mit sachter hand das ungeheure zu bereiten angefangen. Göthe 16, 244; die natur hatte bei dem bau dieses menschen ihren plan auf 90 jahre angelegt. Lichtenberg
verm. schriften 2, 86; nie wird die bildnerin natur ein göttlicher modell zu einer Venus bauen als diesen leib. Wieland
Oberon 11, 8; baumeisterin natur scheint für sich selbst zumeist zu baun, und baut zuletzt doch alles für den geist. Rückert
brahm. 1, 16; natur .. baut ganz aus einem stücke. 1, 17; jene segensflut, die aus den wolken quillet, die die natur gekocht. Drollinger 66; als die willige natur aus ihrem überflusz sie (
die liebenden) nährte. Gotter 1, 177; da trägt so mütterlich ... die holde, pflegende natur die junge menschheit auf den armen. Tiedge
Urania 2, 131; so speie die natur mich aus ihren gränzen wie eine bösartige bestie aus. Schiller 2, 171 (
räuber, schausp. 4, 5); segenvolle wolken streuen warme tropfen auf die flur, geben nahrung und gedeihen jedem kinde der natur. Bürger (1778) 2; denn gewisz hat die natur keines ihrer kinder vernachlässigt. Herder
ideen 1, 76; so traure denn, natur! dein sohn ... naht sich seinem ende. Göthe 16, 178; der rohe sohn der natur. Schiller 10, 18. II@A@1@cc)
da die geschöpfe ihr leben der zeugenden natur
verdanken und schulden, so heiszt die schuld der natur bezahlen
s. v. a. sterben: dasz ich aus dieser welt scheiden, die schuld der natur bezahlen solle.
Simpl. 1, 83, 11; da meine mutter mit einer drückenden beschwerde überfallen wurde, die sie noch fünf jahre trug, ehe sie die schuld der natur bezahlte. Göthe 19, 309; jeder musz der natur seine schuld bezahlen. Simrock
sprichw. 401;
der tod erscheint als bote der natur: der bote der natur ergreifet unsre hand und führt uns .. in ein beglücktres land. Uz 2, 143. II@A@22)
in bezug auf die regelmäszigkeit, ordnung und gesetzmäszigkeit der natürlichen erscheinungen und vorgänge: nothwendigkeit der natur, die ihren grund in dem ... laufe der natur hat, das ist, in dem ... zusammenhange der dinge. Chr. Wolff
vern. ged. von gott § 575; unter natur (im empirischen verstande) verstehen wir den zusammenhang der erscheinungen ihrem dasein nach, nach nothwendigen regeln
d. i. nach gesetzen. Kant 2, 215; ordnung der natur. Luther 1, 57
b; da wir die ordnung der natur nicht ändern können. Börne 3, 79; die natur hat es also geordnet. Maaler 303
c; so müssen auch alle veränderungen der cörper nach und nach geschehen ... und dieses ist es, wenn man saget: die natur thue keinen sprung. Chr. Wolff
a. a. o. § 686; zwar machte die natur auch dieszmahl keinen sprung. Wieland 18, 172; die natur macht nichts incorrectes .. nichts inconsequentes. Göthe 36, 214; gesetzgebung der natur. Schiller 10, 107; wo die natur aus ihren grenzen wanket, da irret alle wissenschaft. 12, 288 (
Wallensteins tod 3, 10); der geist wie die natur kann nicht gesetzlos hüpfen. Wieland
natur d. dinge 3, 398; ahme nicht mit heiszem eifer nach was die natur verbeut. Herder 15, 18; das stärkere (so wills die ganze natur) musz immer dem schwachen zuvorkommen und ihm dienen.
älteste urk. 2, 66; wider alle natur handeln,
polluere foedus naturae Maaler 303
c; darnach sterben all irdisch creature am dreizehenden tag wider nature. Ph. Wackernagel
kirchenl. 3, 896, 3 (
v. j. 1536);
mhd. daʒ reht und diu natûre wert daʒ iemen sîniu kindelîn sterbe durch den willen mî
n. Engelhard 6023. II@A@33)
die natur
als belebende kraft berührt sich mit dem begriff geist (
s. th. 4
1, 2, 2700). II@BB.
die schöpfung im passiven sinne: die erschaffene welt und deren theile. II@B@11)
der inbegriff alles seienden, das weltall, die sichtbare schöpfung: natur im allgemeinsten verstande (der form nach) heiszt das dasein der dinge, sofern es nach allgemeinen gesetzen bestimmt ist. Kant 4, 44. 3, 211; wenn man von dingen der natur redet, so hat man ein bestehendes ganzes in gedanken. 2, 338; natur materialiter betrachtet ist der inbegriff aller gegenstände der erfahrung. 3, 213. 2, 19; die welt wird natur genannt, sofern sie als ein dynamisches ganze betrachtet wird. 2, 338; natur ... als totalität des seienden und werdenden ... aufgefaszt. Humboldt
kosmos 1, 83; kraft, die in dem all der natur verborgen liegt. Göthe 16, 76; wie ist doch unsre ganze erdkugel für ein kleines ding in der natur. Leibnitz 2, 40; alsbald er (
der schöpfer) die natur und diese welt erfunden. Fleming 1, 201; zu sehn den schöpfer der natur, den ursprung aller herrlichkeit. Brockes 1, 69; natur, das schöne weltgebäude. Hagedorn 1, 19; o vater der natur (
gott)! Herder 15, 187; bis zur gränze der natur, wo die lezte sfäre klinget. Bürger (1778) 11; der welt kräfte veralten und die allgemeine natur und deren zustand zerfellet. Schuppius 776; die ganze natur (
vgl. B, 2): als wolle der himmel einfallen und die gantze natur zu grunde gehen. 849; er kommt, uns den tod zu bringen, uns und der ganzen natur. Geszner 1, 50; die ganze sichtbare natur. Herder
älteste urk. 1, 173; forscher der natur. 354; das studium der natur.
ideen 1, 30; die unermeszlichkeit der natur. Wieland 14, 172; in der unermesslichen gestirnten natur. Heinse
Ardingh. (1857) 37; das buch der natur (
vergl.puoch der ding, von den dingen Megenberg 213, 15. 241, 5. 254, 4),
naturgeschichte. Heuslin
vogelbuch 163; buch der natur ist eine verblümte redensart, die eben so viel heiszet, als die werke der natur in ihrem gantzen inbegriff. Zedler 23, 1039; ein groser gelehrter .. verachtet das leichte einfältige buch der natur.
d. j. Göthe 1, 53; nicht sinn ist in dem buche der natur, die traumkunst träumt, und alle zeichen trü
gen. Schiller 14, 109 (
braut von Mess. 4, 4);
plur. die naturen,
die weltkörper, die gesammtheit der dinge: du schöpfer der naturen. Spee
trutzn. 66, 101
B.; o schönheit der naturen. 85; tilge sie (
die liebe) vom uhrwerk der naturen — trümmernd auseinander springt das all. Schiller 1, 210.
Die natur
in ihrer totalität wird wieder als ein lebendiges, beseeltes ganze aufgefaszt, daher der geist der natur
th. 4
1, 2, 2648,
vergl. naturgeist.
gott ist die seele der natur
oder beseelt
sie: o schöpfer! .. du bist die seele der natur. Haller
ged. 2; ja, ein gott bewegt die wunderuhr der welt, die er erfand, beseelet die natur. Wieland
natur d. dinge 1, 149.
vergl. naturseele. II@B@22)
die irdische welt, der erdkörper oder ein theil, ein abgeschlossenes ganze desselben: die reiche der natur. Herder
ideen 1, 90. 2, 309 (
s. naturreich); er sah ihn die äuszere natur umspannen, die welt der steine, pflanzen und thiere durchwandern. Gervinus 5
5, 92; bald aber schlieszt ein kreis um einen muntern alten, der die natur erforscht und ihre schönheit kennt; der kräuter wunder-kraft und ändernde gestalten hat längst sein witz durchsucht und jedes moos benennt; er wirft den scharfen blick in unterirdsche grüfte, die erde deckt vor ihm umsonst ihr falbes gold. Haller 39 (33, 302
Hirzel);
besonders ein theil der erdoberfläche mit ihren natürlichen erzeugnissen, der erdboden, der erdstrich, die gegend, das freie (
im gegensatz zum eingeschlossenen raum der menschlichen wohnungen): die erweichte natur (
der vom regen erweichte erdboden). J. Tobler
Thomsons ged. (1765) 1, 7; der huld der freien natur kannst du mich nicht berauben .. du kannst meinem beständigen fusze nicht erwehren, den wäldern und triften nachzugehn. 3, 77; der grund der armuth ist nicht der natur sondern einer fehlerhaften bearbeitung der natur zuzuschreiben.
Frankfurter gel. anz. 1772 62, 7
neudruck; (
sonnenlicht,) das auf den blättern schwebt und die natur erfrischt. Haller 43 (36, 374
Hirzel); die ländliche, landschaftliche natur. Schiller 5, 161. 10, 237. 244; in der natur selbst wollen wir freie natur ... sehen. 10, 60.
wir sprechen von der schönen, lachenden, blühenden, sanften
oder von der öden, wilden, rauhen natur,
vom leben
oder vom ruhen
derselben, so dasz hier die begriffe der schöpferischen kraft und der angeschaffenen gestalt und art mitwirken und wieder zur personification der als ein ganzes gedachten, uns umgebenden natur
führen: wenn man sich der schönen natur erinnert, welche die alten Griechen umgab. Schiller 10, 442; in Neapel ist das klima am gesündesten ..., die natur am schönsten. Platen
nachl. 2, 196; wenn dann (
beim aufgang der sonne) die natur in verjüngter schönheit glänzet. Geszner 1, 9; bestrahlt von einer schönern sonne blüht eine schönere natur rings um uns auf. Wieland 9, 171; flamme gottes, du stralst .. auf die öde natur leben und schönheit aus. Voss
ged. 3, 80; hier (
in dem gemäszigten erdstriche) gab er dem gebirge eine mildere gegend, mithin eine sanftere natur. Herder
ideen 1, 47; die stille natur um uns ladet uns zum frieden ein.
vom geist der ebr. poesie 1, 262; drückt sich nicht die lebendige natur lebhaft dem sinne des auges ein? Göthe 16, 210; und feiernd tret' in deine lindenschauer das stille leben der natur. Tiedge 3, 3; die unbeseelte natur (
die landschaft),
im gegensatze zur beseelten natur,
den menschen. Schiller 10, 236; der schauplatz, das antlitz der natur: wann die schwarze nacht den schauplatz der natur verborgen. Uz 1, 329; noch war sie (
die erde) .. von kriegrischer verwüstung rein, die, auf den wink verfluchter ehre, das antlitz der natur verderbt, und felder, selbst die meere mit menschenblute färbt. 1, 347;
mit einem die thätigkeit, das leben, ruhen und sterben der (
personificierten) natur
ausdrückenden verb (
vgl. A, 1,
b): bietet nicht die ganze natur (
vgl. B, 1) alle ihre schönheiten an? Geszner 1, 23; die ganze natur feierte im sanften wiederschein des purpurs .. seinen (
des Phöbus, der sonne) abzug. 2, 161; selbst natur lockt mich vergebens. Gotter 1, 104; wie die schöne natur um deinen arbeitssaal schwebt. Götz 1, 44; ihm (
dem weisen) grünet lust und freude, ihm mahlet die natur. Hagedorn 3, 71; hier mahle die natur, die nun, vom lenz umkränzet, in jedem auftritt hier entzückt. Uz 1, 188; beim klang .. der schäferlichen flöte erhebt ihr haupt die festliche natur. Tiedge 2, 167; zwar lachet uns die natur und hat jede ihrer schönheiten um unsre wohnung gesammelt. Geszner 1, 148; wie blitzt der junge klee vom farbenreichen thaue, wie himmlisch lächelt die natur! Uz 1, 191; hier grüszt mich meine ländliche natur, die busenfreundin meiner jungen jahre. Schiller 5, 161 (
don Carlos 1, 3); die deutsche natur lebte ungewandelt wie einst, und der ausgeruhte acker war willig neue frucht zu tragen. Freytag
ahnen 5, 45; des beblühmten frühlings pracht ist die sprache der natur. Brockes 1, 38; heiter und warm redet und singt natur hier im schönen Eutin. Voss
ged. 3, 218; der leiseste west verkörpert sich (
bei der ersten liebe) .. die blumen beseelen sich, die ganze natur redet uns
an. Klinger 10, 37; der schlummer der natur (
bei der nacht) hält rings um uns herum ... aus ehrfurcht alle wesen stumm. Wieland 9, 121; wie versenkt in einen ernsten traum ruhte die natur (
nach dem gewitter). Tiedge 2, 150; gelb ist die trauerfarbe der sterbenden natur. Stilling
jüngl. (1780) 104; sterbeseufzer der natur schauern durch die welken haine. Lenau (1880) 1, 39. II@B@33)
überhaupt das werdende, seiende, wirkliche in seinem natürlichen zustande (
äuszerlich oder innerlich),
besonders im verhältnisse oder gegensatze zum künstlich gemachten. II@B@3@aa) der gröszere fusz der Griechen, die gröszeren zehen .. sind bei ihnen natur. Herder 24, 509
H.; nach der natur (
naturgetreu, nicht idealisiert) mahlen, zeichnen
u. dgl. Lessing 6, 472. Göthe 48, 170; die natur aussprechen. 32, 204;
im verhältnisse oder gegensatze zu kunst (
th. 5, 2682): wie natur und kunst sich paaren. Logau 3, 8, 13; natur und kunst, sie scheinen sich zu fliehen, und haben sich, eh man es denkt, gefunden. Göthe 3, 105
H.; viel grosze kunst ist zwar nicht hier (
in Wandsbeck), doch haben wir natur dafür. Claudius 1, 76; bringt nicht natur und kunst uns ihre hülfe dar? Wieland
natur d. dinge 4, 389; vollkommene kunst wird wieder zur natur. Kant 10, 443; die kunst erfüllt ihren zweck durch nachahmung der natur. Schiller 10, 23. 42; kunst ist schön, wenn sie aussieht wie natur. 56; künstler lernen der natur ihre werke ab. 1, 156; dasz die natur mit der kunst im kontraste stehe. 10, 426; zum naiven wird erfordert, dasz die natur über die kunst den sieg davon trage. 430; o alle kunst, neige dich vor der natur! Heinse
Ardingh. (1857) 42; vollkommne kunst besteht in darstellung nicht der natur überhaupt, oder dieser und jener art von natur, sondern der gebildeten natur in ihrer stärke und fülle, der hohen, schönen, der edelsten und schönsten natur.
Hildeg. 266; wenn sie (
die beschaffenheit der erde) sich einmal durch kunst oder natur völlig ändern sollte. Herder
id. 1, 78; der natur gelingt manches in einer vollkommenheit, dasz die kunst nichts weiter thun kann. Engel 7, 19; nicht decoration, sondern künstliche natur nennen wir das; denn das wort natur, merken sie wohl, musz überall dabei sein. Göthe 14, 22; der architekt hatte gesorgt, die reichen falten des weiszen atlasses mit der künstlichsten natur zu legen. 17, 255. II@B@3@bb)
der (
wirkliche oder vermeintliche)
unverdorbene zustand, wie etwas aus den händen der schaffenden natur
hervorgegangen ist: so wenig er (
der mensch) dürffen ist, so vil mer nAeheret er sich der natur und der volkomenhait. Keisersberg
sieben haupts. (1510) ee 2
b; gott ist die natur, derhalb alle natur von natur gut und aus gott. Frank
de vanit. 114
a; im stande der natur, als .. noch keine herrschaft war, kein rang, kein eigenthum. Hagedorn 1, 49; sobald die menschen aus dem stande der natur heraustraten, sobald ihre bedürfnisse mannigfaltiger wurden. Börne 5, 42; mensch .. der nicht mehr reine und unschuldige natur ist. Schiller 10, 432. 451; unsere kultur soll uns auf dem wege der vernunft und der freiheit zur natur zurückführen. 427; es giebt augenblicke in unserm leben, wo wir der natur in pflanzen, mineralen, thieren, landschaften, sowie der menschlichen natur in kindern, in den sitten des landvolks und der urwelt .. blosz weil sie natur ist, eine art von liebe und von rührender achtung widmen. 425; der alte urstand der natur kehrt wieder, wo mensch dem menschen gegenüber steht. 14, 328 (
Tell 2, 2). II@B@3@cc)
das frei entwickelte und gewordene, das naturwahre und ungezwungene im gegensatze zum anerzogenen, erkünstelten, gemachten (
vgl. naiv): natur gehet für lehr. Frank
sprichw. 1, 65
a; der affect ist auch natur und die regel der anständigkeit ist etwas künstliches. Schiller 10, 431; ein freund der wahrheit und gesunden natur. 2, 348; ich folg im singen der natur. Herder 15, 329; ich fühle, dasz natur sogar in mährchen rührt. Wieland
Idris 1, 5; und ich rufe natur! natur! nichts so natur als Schäckespears menschen.
d. j. Göthe 2, 42; der dichter ist entweder natur oder er wird sie suchen. Schiller 10, 450; in einem gedicht musz alles wahre natur sein. 241; (
er hatte) viel erworbene natur .. und eine alles niedersprechende beredsamkeit. 4, 273; ach, Röschen, als du, ganz natur .. geschlichen, in der dämmrung, kamst. Gotter 1, 16; ich lernte ... ein fräulein kennen, ein liebenswürdiges geschöpf, das sehr viel natur mitten in dem steifen leben erhalten hat. Göthe 16, 96. II@B@3@dd) natur
im gegensatze zu geist (
s. th. 4
1, 2, 2699),
zu idee Göthe 53, 26. II@B@3@ee)
theologisch, im gegensatze zu gnade (
göttliche erleuchtung, offenbarung). Zedler 23, 1100
ff.: was gutes der mensch nach freiheitsgesetzen für sich selbst thun kann, in vergleichung mit dem vermögen, welches ihm nur durch übernatürliche beihülfe möglich ist, kann man natur, zum unterschiede von gnade nennen. Kant 6, 376. II@AAAA.
der zeugende same, das zeugende oder gebärende glied; die schaffende, bildende und erhaltende kraft, der lebenskeim und lebenstrieb des einzeldinges und die daraus hervorgehende natürliche beschaffenheit desselben. II@AA@11)
der männliche oder weibliche zeugungsstoff: die natur, menschlicher saamen,
sperma, genitura Maaler 303
c. Schm. 1, 1769
Fromm.; auf pösen gedänchen .. zu der uncheusch pin ich offt als lang gestanden, das ich pin chömen .. zu der naturleichen sündt daʒ ist zu verrerung meiner natur.
ebend. (15.
jahrh.); do sprach der arzot zuo Ulins frowen: die frowe der daʒ wasser (
der urin) wer, die were ... ein semliche (
solche) frowe, daʒ sü alle mol empfinge, und möhte doch die nature nit vürgang haben, wenne ... die nature lege in dem harn und gewinne nit vürgang.
städtechron. 9, 1026, 30
ff. (
vom jahre 1409); das ainer sein natur halt als lang er wil, so er mit frauen zu schaffen hat. Seb. v. Thurn
arzneibuch (1534) 151
a (
Münchner hs. nr. 3723); ainem zu thun, das er nit mag mit frauen zu schaffen haben .. schaw das du sein natur zuwegen pringst. 152
b; das ain frau ir natur mit einem man lassen musz. 151
a;
ostfries. de natur iss kamen,
der same hat sich ergossen. Stürenburg 158
a. II@AA@22)
wie schon im lateinischen, das männliche oder weibliche zeugungsglied, die schamtheile: die scham oder gemächt, es seie an leuten oder an vych, die natur. Frisius 856
a. Maaler 303
c. Roth
diction. (1571) L 1
b. Frisch 2, 10
a und noch mundartlich, s. Schm. 1, 1769
Fromm. Schöpf 463. Stalder 2, 232: nempt der zepflein eins und tut eʒ in die stat der natur.
recept für eine frau bei Schm.
a. a. o. (15.
jahrh.); er hat einen groszen gewaltigen schaden und bruch an der natur gehabt. Fronsperger
kriegsb. 3, 297
b; es ist derselbe von dem mittel des körpers an bis auf die füsze bekleidet, oder besser zu reden, es ist sein gewand oder mantel bis auf die natur herabgesunken. Winkelmann 4, 91; sollte diese person etwa nicht ein mädchen vorstellen, die verschnitten war, da die Lydier die ersten waren, die an die weibliche natur auf diese art die hand legten. 4, 196.
daher liegt in den ausdrücken die natur des mannes
oder weibes,
die männliche
oder weibliche natur
zunächst der begriff des geschlechtsunterschiedes. vergl. geburt 2,
b, th. 4
1, 1903. II@AA@33)
die zeugungsfähigkeit, zeugungslust, der geschlechtstrieb (Stalder 2, 232)
und die geschlechtliche vermischung: mhd. von ir selber natûre chraft was Sara unberhaft.
Milstäter genes. 35, 24; an deme gebûren die starken natûren ir kraft begunden oigen. Müller
fragm. 41
a; den (
Christum) die dei genetrix sunder natûre truoc. Reinbot
Georg 2616; wir zwei wollen der natûren spiln.
Malagis 32
a. II@AA@44)
die belebende, wirkende und ausgeübte kraft in einem wesen, der lebendige organismus desselben: die natur ist nichts anderes ... dann die eingepflanzt kraft eines jeden dinges vor gott, beide zu wirken und zu leiden. Frank
de vanit. 105
b; dasjenige, was ein ding thätig oder vermögend etwas zu würcken machet, wird seine natur genennet. Chr. Wolff
vern. ged. von gott § 756; also (
durch gesunden schlaf) wird die natur erhalten und bekommet stärke. Schuppius 769. 702; weil mich eben die natur triebe, meine nothdurfft zu thun.
Simpl. 1, 207, 4; die physische (Göthe 25, 111), die thierische (Schiller 1, 142), die sinnliche (10, 153), die körperliche (10, 469. Engel 10, 49) natur
eines menschen (
vergl. 5,
d); dieser wind (
scirocco) entkräftet die ganze natur in menschen, thieren und pflanzen. Winkelmann 3, 55; spürst du nichts in deiner natur? man wird alle tage älter. Stilling
jug. (1780) 122; im sechzigsten jahre wünscht sich alle welt ein landgut, zum zeichen, dasz die natur abgelaufen ist. Hippel
über die ehe 21; und was ist unser wille, wenn die natur versagt! Schiller
an Göthe 52 (1, 119); er hat eine gute, gesunde, starke
oder schwache natur; seine natur hat ihm geholfen
u. dgl. Zedler 23, 1036; wann sie in der jugend ihre gesunde und starke naturen nicht so sehr forcirt hätten. Weise
erzn. 152
neudruck; die ärzte sollen die verschiedenen verrichtungsarten der natur bei heilung von krankheiten ausforschen.
Frankf. gel. anz. 1772 57, 11
neudruck; der arzt sagte mir, es sei eine crisis der natur. Hermes
Soph. reise 2, 200; deckt euren kranken fein warm zu, und gebt ... achtung, wo die natur hinaus will. Engel
L. Stark 98; nun genas er auch bald, indem sich seine natur wie die eines jünglings schnell wieder herstellte. Göthe 32, 264. II@AA@55)
die an- und eingeborne art und wesenheit. II@AA@5@aa) die natur der dinge,
die den dingen eigenthümliche, vom naturgesetze abhängige form und eigenschaft: natur .. bedeutet das erste innere princip alles dessen, was zum dasein eines dinges gehört ... wesen ist das erste innere princip alles dessen, was zur möglichkeit eines dinges gehört. daher kann man den geometrischen figuren (da in ihrem begriffe nichts was ein dasein ausdrückte gedacht wird) nur ein wesen, nicht aber eine natur beilegen. Kant 8, 441; dinge von verschiedenen naturen. 227; poesie, die die natur der dinge so hoch zusammenfaszt. Herder
vom geist der ebr. poesie 1, 85; die ewigen und nothwendigen gesetze der natur der dinge. Wieland
Hor. briefe 1, 43; die natur der dinge oder die vollkommenste welt (
titel eines lehrgedichtes).
suppl. 1, 15; gesetz ... und zwang, den die natur der dinge vorschreibt. Schiller 10, 241. II@AA@5@a@aα)
die natur
der erde, ihrer theile und producte: mhd. der erde gebôt er, daʒ sî wuocher bræhte alsô sî natûre hæte; wurze und sâmen .. chrout und boume nâch sîner natûre.
Milst. genesis 2, 36
ff.; diu erde ist von ir natûre durre unde kalt.
Meinauer naturlehre 1;
nhd. feld, das zwar von natur fruchtbar seie.
Simpl. 1, 71, 12; olbaum, der von natur wilde war.
Röm. 11, 24; er hat aller kreuter und wurzen natur ... erforscht. Aventin. 4, 524, 4; der böumen und kreuteren natur, krafft, würckung, eigenschafft und art erkennen. Maaler 303
c; durch seine kunst verschaffete (
Faust), dasz zur stund die bäume andere, als ihre natur mit sich brachte, früchte herfür gaben. Widmann
Fausts leben 220
K.; die natur des wassers, der luft. Frisch 10
a; die luft und das wasser sind ihrer natur nach weisz. Göthe 53, 31; die durchsichtige natur und eigenschaft der luft. Wieland 20, 67; die natur des marmors. Schiller 10, 58. II@AA@5@a@bβ)
von andern dingen oder abstractionen: natur und art des gelts. Luther 1, 196
a; welchs wider die natur eins iglichen kauffs ist. 196
b; die art und natur (
das rechtsverhältnis) des mannlehens ... die art und natur des erbes. Dief.-Wülcker 779 (
vom j. 1582); die natur des kriegs (
durch druckfehler königs). Schuppius 753; diese unsere vorstehende hundertjährige alters-zeit, über deren natur und eigenschafft alle klagen. 775; ändre du die allgemeine natur dessen, das schön und gut ist. Geszner 1, 21; die natur (
beschaffenheit, lage) der sache selbst bestätigt diese .. behauptung. Herder
ideen 2, 259; die natur der sprache. Engel 11, 229; dieser widerwille .. ist gänzlich von der natur des eckels. Lessing 6, 516; die natur eines rechtsverhältnisses. Hugo
röm. recht 111. 119. 131; die natur .. der schönen künste.
Frankf. gel. anz. 1772 76, 25
neudruck; und süsz und sauer ist des ehestands natur. Gotter 1, 81. II@AA@5@bb)
von der thierwelt, die körperliche oder instinktive eigenthümlichkeit und anlage: mhd. er (
der adler) sî sneller natûre. Hugo v. L.
Martina 106, 93; in viure er (
der phönix) sich verbrinnen lât, ze selcher nôt in sîn natûre zwinget.
minnesinger 2, 396
b; der visch murena hât kainen man seins geslehtes oder seinr natûr, eʒ sint eitel weip. Megenberg 254, 19; von natûr,
aus instinkt 138, 27. 174, 12. 200, 28;
ebenso aus natur: grosze omeiszen, welche ausz ihrer natur etliche heuser machen den .. othern. Frank
weltb. 216
b; die natur der gemsen ist, das sie sich zusammen stellen. Meurer 90
b; der roszbremen art und natur. Fischart
bienenk. (1580) 237
b; diese vögel (
raubvögel) sind gantz hitziger natur. Heuslin
vogelb. 5; die natur dieses scheuen thiers (
des waldesels). Herder
vom geist der ebr. poesie 1, 120; die schlange handelte in ihrer natur, da sie vom baume asz. 160; dasz wir die sperlinge noch nicht ganz von unsern erbsenfeldern abhalten können, ist ein zeichen, dasz wir die natur der sperlinge noch nicht genug kennen. Lichtenberg
verm. schriften 2, 97; es ist der mensch, der in dem menschen handelt, im thiere waltet die natur. Tiedge
Urania 6, 326. II@AA@5@cc)
vom menschlichen körper und seinen theilen: natur des leibs,
habitudo, constitutio corporis. Dasyp. K 7
a; natur oder wesen des leibs. Luther 6, 264
b; die natûr des gesihtes, des hirns, der negel. Megenberg 9, 15. 21, 15; und ist diu natûr (
das blut und die säfte des körpers) ring, rain und sauber. 183, 16; jedes gesicht ist von natur dumm, dessen stirne ... beträchtlich kürzer ist als die nase. Lavater
hinterl. schriften 5, 64. II@AA@5@dd) menschliche natur,
die körperlichen und geistigen eigenthümlichkeiten und anlagen des menschen oder der menschheit im allgemeinen (
vgl. 4):
mhd. swaʒ von menschlicher art natûre was an in geleit.
Silvester 3711; ein alter maister von der natûr frâgt ainen andern .. 'sag mir, waʒ menschleicher natûr hab ich an mir?' dô antwurt im der grôʒ maister und sprach 'ich hân kainen pœsern noch scherpfern menschen gesehen von natûr wann dich.' Megenberg 29, 7;
nhd. die menschliche natur ... hat ihre gränzen: sie kann freude, leid, schmerzen, bis auf einen gewissen grad ertragen, und geht zu grunde, sobald der überschritten ist. Göthe 16, 68; alle hohen kunstwerke stellen die menschliche natur dar. 38, 35; wenn ich von mysterien höre ..., wodurch die menschliche natur über sich selbst erhoben werden soll. Wieland 27, 36; da kam ein neues leben, das in die menschliche natur .. wie göttliche begeistrung fuhr. Tiedge 3, 111. II@AA@5@ee)
der inbegriff der inneren (
von der leiblichen beeinfluszten)
eigenart des menschen, die naturanlage, das naturell. II@AA@5@e@aα)
das von der complexion abhängige temperament: der kalten und durren natûren sint ouch ein teil der liute. den sprechent die arzâte melancolici.
Meinauer naturl. 1; von natur heisz oder hitzig,
fervidus ingenio Maaler 303
c; eine kalte, eine hitzige natur. Stieler 38; wie
d. Faustus seine complexion und natur erforschet. Widmann
Fausts leben 78
K. II@AA@5@e@bβ)
der naturtrieb, die natürliche regung, das natürliche gefühl: mhd. diu natiure (
das verwandtschaftliche gefühl) zôh in dar.
Tristan 3243;
nhd. betrachte nur die regungen der pflicht und der natur. Hagedorn 2, 175; folget nur den sanften trieben der natur. Götz 1, 48; die allmacht der natur empfind ich, dir zu füszen, o mutter, will ich gern für das geschehne büszen. Gotter 2, 17; nun ist die natur in ihrem herzen .. erloschen. 3, 83; o gott, du gabest mir natur. Schiller 1, 27; die bruderfehde löst alle bande der natur. 14, 17 (
braut v. Mess. 1, 1); zu lange schon erstickt' ich der natur (
des muttergefühls) gewaltge regung. 14, 19 (1, 2); vor dem glauben gilt keine stimme der natur. 5, 1, 447 (
don Carlos 5, 10); die weibliche natur (
das weibliche gefühl der scham). Herder
ideen 1, 152; knaben und mädchen waren in diesen spielen nicht lange beisammen, als die natur sich zu regen .. anfing. Göthe 18, 40; liebkosungen, welche ihr die natur eingab. 60. II@AA@5@e@gγ)
das ganze eigenartige innere wesen, die geistige und sittliche naturanlage, die natürliche fähigkeit, neigung oder gewohnheit (
als zweite, andere natur),
die sinnes- oder gemüthsart. die jeweilige abstufung der bedeutung nach den verschiedenen seiten des inneren lebens ergiebt sich leicht aus dem zusammenhange: mhd. daʒ ist ir natûre, daʒ si den minnære machet wunt.
Flore 732; wî gnâde an dirre frouwen kan .. verwinden die natûre unde ir mit fullen an gesigen.
Elisabeth 8376;
nhd. anzeigen der natur,
indoles Dasyp. (1556) K 7
a; natur und weisz ze thuon, eines ieden natürliche neigung etwar zuo,
ingenium Maaler 303
c; sein weisz, art und natur bedenken.
ebend.; dieweil .. daran (
zur magie) meine natur .. geneigt. Widmann
Fausts leben 121
K.; was von böser üppiger art ist, das sol man strafen, und nit aus natur erst gewonheit machen. Keisersberg
seelensp. vorr. iii
a; ob du schon die natur mit schlägen treibest aus, so kumpt sie dir doch wider zu haus.
Bocc. 83
a; natur uberwindt gwonheit. Frank
sprichw. 1, 122
b; ursach, gesatz, gebot, schrift, künst ändern nichts an der natur, und machen kein ander wesen im menschen.
de vanit. 105
b; die natur ist meister. Simrock
sprichw. 400; die natur läszt sich biegen aber nicht brechen. 401; wehe dem unglücklichen, in welchem die natur erwacht war. Schiller 4, 105; ich habe .. gerungen und gekämpft, in keine solche thorheit wieder hinein zu gerathen; aber alles musz seiner natur folgen. Heinse
Ardingh. (1857) 187; leute, welche euch ganze wochen lang von wesen und naturen .. unterhalten. Wieland 13, 157. von natur,
nach angeborner art, der naturanlage gemäsz, nativitus Stieler 38: ich kann mich von natur nicht verstellen,
simulatio non est mea. Frisch 2, 10
a; die .. von natur (
φύσει) thun des gesetzes werk.
Röm. 2, 14; die von natur nicht götter sind.
Gal. 4, 8; ob er schon von naturen ein frommer fürst war. Albertinus
guld. sendschr. (1625) 1, 199
a; solche leute, die von natur barbaren. Schuppius 548; ich von wesen und naturen bin ein grober menschenknecht. Spee
trutzn. 188
B.; ach, wie waret ihr geblieben von naturen eben wild. 200; weil ich von natur geneigt, das junkernhandwerk zu treiben.
Simpl. 1, 26, 5; der mensch ist von natur gut .. böse. Kant 6, 179; mein gemüth war von natur zur ehrerbietung geneigt. Göthe 24, 72; die tochter hatte von natur eine recht schöne stimme. Göthe 31, 112; damen, die von natur sanfter als das stärkere geschlecht sind. Engel 7, 129.
vergl. von haus
th. 4
2, 646. von natur aus: eine solche heiterkeit von natur aus ist mir unbegreiflich. Göthe 25, 349 (
vergl. von haus aus); aus natur: gutes thut er .. aus natur und ohne reflexion. Schiller 15, 1, 186. in der natur: mir sind dergleichen salbaderische gemeinplätze in der natur zuwider. Göthe
an Schiller 441 (4, 149). gegen, wider die natur: mir ists gegen die natur. 41, 25.
Näher bestimmt durch einen genetiv, durch ein adjectiv oder pronomen: nach art und natur der Franzosen. Schuppius 741; das unvereinbare von Vossens und Stolbergs natur. Göthe 32, 179; die natur unsrer seele. Schiller 10, 36; es ist die natur der menschlichen seele, alles auf sich zu beziehen. Herder
ebr. poesie 2, 13; wer diesz mit der natur der seele reimen kann. Wieland
natur d. dinge 3, 260; die begierde .., die natur des gemüthes, der gedanken und affecten zu untersuchen. Leibnitz 1, 266; wenn die methode fest steht ... und die natur dieser überzeugung wohl eingesehen wird. Kant 1, 65; kalte richter kennet ihr die natur keiner empfindung? Herder
älteste urk. 2, 137; und werden faul und hinlessig, die sündliche natur zu tödten. Luther 1, 184
a. 186
b (der leib so gantz in sünden empfangen ist, das sünde sein natur ist. 184
a); denn wo .. wir nicht leiden noch ubung haben, so uberwindet die böse natur den menschen. 185
a; doch hat er (
Caligula) sein tyrannisch und lesterlich natur nit können verbergen. Polychorius
Sueton. 39
a; die zwei andern (
charaktere) sind wahre und menschliche naturen. Schiller
an Göthe 179 (2, 89); die übersinnliche natur des menschen.
werke 10, 156; unsere moralische natur. 10, 21. 165; unsere sittliche natur. 10, 30. Göthe 25, 111; nun vernahm ich eine musik aus dem tiefsten sinne der trefflichsten menschlichen naturen entsprungen. 19, 347; einen offenen sinn, ein erweitertes herz, einen frischen und ungeschwächten geist musz man dazu mitbringen, seine ganze natur musz man beisammen haben. Schiller 10, 506; darüber musz ihre eigenste natur entscheiden.
an Göthe 185 (2, 126); der fehler ... kommt aus meiner innersten natur. Göthe
an Schiller 184 (2, 121); ich gab sie (
almosen) ihm, denn es ist in meiner natur.
werke 34, 31; für diese schönheit war Winckelmann, seiner natur nach, fähig. 37, 27; eine lebhafte, glücklich begabte natur. 18, 202; weil ich von einer leichten nachahmenden natur war. 279; ihr kind wuchs heran und zeigte bald eine sonderbare natur. 20, 271; eine übermüthige natur. 18, 304; eine hohle, leere natur. 22, 45; es (
das kind) ist so (
ohnediesz) stillerer natur als seinem vater lieb ist.
d. j. Göthe 2, 57; am sonntag ward sie behender natur. Voss
ged. 2, 111; eine gute natur darff keines meisters. Frank
sprichw. 1, 71
a; ein junger student, welcher von guter natur, herrlichem verstande.
pers. rosenth. 4, 3;
holsteinisch de mann hett en goode natur,
er denkt gut. Schütze 3, 137; die Göthesche, Schillersche natur
u. dgl.; du weist, dasz ich die Homerische natur tiefer fühle als das vornehme weltvolk. Heinse
Ardingh. (1857) 86; der radicale unterschied unserer naturen. Schiller
an Göthe 263 (3, 13); Vossens .. poetische natur. 642 (5, 199). die andere, die zweite natur: allein diese krankheit ist mir schon zur andern natur geworden. Lichtenberg 1, 16; kunst, die diesem geschöpfe (
dem menschen) zweite natur ist. Herder
ideen 1, 210. II@AA@5@e@dδ)
philosophisch für wesen: und wie sich unser aug am kleid der dinge stöszt, vor eurem (
der höheren wesen) scharfen blick sich die natur entblöszt. Haller 147 (128, 88
II.). II@AA@5@ff)
von der natur
der gottheit und höherer wesen: die göttliche natur. 2
Petr. 1, 4; die vereinigung göttlicher und menschlicher natur in Christo. Luther 1, 170
b; welcher allein der herre Christ nach beiderlei naturen ist. Ringwald
laut. wahrh. (1609) 423; philosoph, der die natur der gottheit entfaltet. Schiller 1, 149; heilige naturen (
englische charaktere).
an Göthe 179 (2, 89); eine geistige natur würde darum doch dem lichte nicht zukommen, da es einen unserer äuszern sinne rührt. Engel 10, 47. II@BBBB.
das einzelne eigenartige geschöpf oder wesen, ein naturkörper, das individuum; häufig im plural. II@BB@11)
allgemein, schon ahd. kot allerô natûrôn skepfor. Notker
Boet. 5;
nhd. gewürkte natur heiszet ... nichts anderes als die creatur. Zedler 23, 1044; organische naturen. Göthe 32, 6. 38, 12. 36. 36, 214; unorganische naturen. 38, 13; chemische naturen. 17, 51; elementarische naturen.
an Schiller 198 (2, 160); dann rauscheten wallende lüfte in der ceder ihr leben, es fühlten sich alle naturen (
wesen) um mich herum. Klopstock
Mess. 18, 622; da ward sein (
des frühlings) göttlicher odem durch alle naturen gefühlt. E. v. Kleist 2, 4; du vertrautest ihm die wissenschaft aller irdischen naturen kraft zu dem heil der menschen auszukunden. Bürger 88
a; froher meines seins und des mitseins aller naturen. Lavater
hinterl. schriften 3, 216; frei von jeder wallung sterblicher naturen. Schiller 5, 1, 129 (
don Carlos 2, 10). II@BB@22)
vom menschen. II@BB@2@aa)
mehr auf die körperbildung bezogen: als gott beschuff all creatur, nach im bildt er menschlich natur. Schwarzenberg 98, 2; warum die frauenzimmer so gern an der natur meistern? Rabener (1771) 4, 277; die natur (
der körper), von der fremden hülle entkleidet. Göthe 16, 217; die familie über die natur in gyps abgieszen. 38, 67; ein der natur unmittelbar abgenommenes portrait. 16, 210; (
die gegenseitige ähnlichkeit) ganz nach der natur! zug vor zug. Engel
L. Stark 35; ein kopf (
der madonna) ganz aus der natur. Heinse
Ardingh. (1857) 38; mangel der natur (
körpergebrechen). Hippel
über die ehe 128.
man sagt die natur ist zu kurz,
wenn man etwas mit den händen nicht erreichen kann oder (
übertragen)
einer sache nicht gewachsen ist. Schm. 1, 1769
Fromm. Albrecht
Leipziger mundart 175
a. Schütze
holst. idiot. 3, 137; die natur (
den leib durch verrichtung der nothdurft) erleichtern. Wieland 11, 306. II@BB@2@bb)
der mensch als welt für sich: indem der mensch auf den gipfel der natur gestellt ist, so sieht er sich wieder als eine ganze natur an, die in sich abermals einen gipfel hervorzubringen hat. Göthe 37, 26. II@BB@2@cc) die menschliche natur,
alle menschen, die menschheit. Lenz 2, 108;
ebenso die beseelte natur Schiller 10, 236, die sterbliche natur 11, 56, alle denkenden naturen 1, 97. II@BB@2@dd)
die person, persönlichkeit, näher charakterisiert durch ein adjectiv: die falsche natur schwer dazu ist, das sie denen wolthue, die ir ubel than haben. Luther 1, 190
b; er hatte eine junge person geheirathet, eine stille, leidliche natur. Göthe 15, 286; sie sollte .. sich jener edlen natur nicht nahen, noch weniger sie berühren. 19, 45; unser feldjäger ist eine von haus aus gute natur. 45, 259; problematische natur. 53, 163; denn nur Natalie ist eigentlich eine rein ästhetische natur. Schiller
an Göthe 179 (2, 90); Rousseau war .. eine tiefe und ursprüngliche natur. Hettner
franz. litteraturgesch. 407;
im plural: gute, böse naturen. Aler 1455
a; anmaszliche naturen. Göthe 36, 183; er war eine von den trockenen gewandten .. naturen. 25, 276; es giebt problematische naturen, die keiner lage gewachsen sind. 19, 39
H.; die liebe wird leicht zur wut in heftigen naturen. Schiller 14, 96 (
braut von Mess. 4, 1); Homer .. und Shakespeare .. zwei höchst verschiedene, durch den unendlichen abstand der zeitalter getrennte naturen. 10, 447; bornirte naturen.
an Göthe 180 (2, 102); sentimentale naturen. 185 (2, 131); faustische naturen. Gervinus 5
5, 280; er ist von jenen feurigen naturen, die das unmögliche zu reizen pflegt. Platen (1847) 3, 54. II@BB@2@ee)
von höheren wesen: euch kennt kein sterblicher, ihr himmlischen naturen! Haller 147 (128, 77
H.); dieser wundersame mann pflegt umgang mit der heerschaare höherer naturen. J. Tobler
Thomsons ged. (1765) 3, 169; die übrigen erhabenen naturen (
vorher die höheren wesen), gott und die engel. Göthe 53, 97; wir schweben zwischen himmel und erde in der mitte, von der vaterseite, so zu sagen, den höhern naturen, von unsrer mutter erde seite den thieren des feldes verwandt. Wieland 27, 37; die gespielin seliger naturen. Schiller 11, 55; wolgesichert eiltest du, junge himmlische, dem frieden seliger naturen zu. Tiedge 2, 37; zween, die mit mir überfuhren, waren geistige naturen (
geister). Uhland (1879) 1, 59. II@BB@2@ff)
auch von abstractionen: geist und sinnlichkeit ... diese beiden einander verschmähenden naturen. Schiller 10, 75. II@CC.
sehr zahlreich sind die mit natur
gebildeten neueren composita; die im folgenden mitgetheilten erklären sich in der regel von selbst durch die beigesetzten belege.