werden,
vb. ,
fieri. formen und verbreitung. got. waírþan;
an. und nisl. verða;
aschwed. værþa, varþa;
schwed. varda;
dän. (
veraltet) vorde;
norw. verta;
ae. weorðan;
engl. (
veraltet) worth;
afries. wertha;
anfränk. werthan;
as. werðan;
mnd. werden;
mndl. werden, warden, worden;
ndl. worden;
ahd. werdan;
mhd.-nhd. werden. —
mundartlich ist werden
im gesamten dt. sprachraum geläufig, wobei dentallose formen überwiegen (
vgl. oldenburg. weren Böning 131;
obers. wäärn Müller-Fraureuth 2, 656;
wiener. wern Jakob 218;
schwäb. wərə wrə Fischer 6, 690;
s. ferner V. Schirmunski
schwachbetonte wortformen i. d. dt. maa., in: fragen u. forschungen, festgabe f. Th. Frings z. 70.
geb. [1956] 215);
auch schwund bzw. vokalisierung des r
ist mancherorts zu beobachten (
vgl. və:n Furcht
Altes Land [
bei Stade, Niederelbe] 30; wēen Frederking
Hahlen b. Minden 34; ween Schacherl
Böhmerw. 42; wn Kövi
Zips 59
in: mitt. d. schl. ges. f. volkskde 15; wäde Hönig
Köln 216; wedn Ueberfelder
kärnt. 245).
im nd. ist der stammvokal e
weithin zu a
gesenkt (
vgl. schlesw.-holst. vn Mensing 5, 532;
neumärk. varn Teuchert 87;
mecklenburg. warden Mi 105),
stellenweise auch im md. und obd. (wār'n Liesenberg
Stieger ma. 69; wrən Hofmann
niederhess. 262; babm Tschinkel
Gottschee 301; warte Seiler
Basel 311; bartn Bacher
Lusern 224);
die dehnung des vokals vor r
hat weithin zur zweigipfligkeit oder zu einem zwielaut geführt (wâare Fischer
samländ. 130; vē
e rn Block
Eilsdorf 101; wêarn, wearrn Crecelius
oberhess. 905,
ähnlich Heinzerling-Reuter
Siegerl. 320, Lexer
kärnt. 255, Schöpf
Tirol 812; wi
ä rn Kisch
ungr. 247; wərə Fischer
schwäb. 6, 690; wöərə Berger
St. Galler Rheintal 129). — werden
zeigt im ahd. noch sog. grammatischen wechsel: wirdu, ward; wurtum, wortan;
doch bahnt sich im fränk. schon der ausgleich an (wurdun
Tatian 79, 11
S., s. auch Braune-Mitzka
ahd. gramm. [1955] 306),
der im mhd. schlieszlich durchgeführt ist: wirde, wart; wurden, worden. —
auch die ablautver schiedenheit zwischen sing. u. plur. prät. sucht man früh zugunsten des pluralvokals auszugleichen, der sich ja schon —
nicht immer umgelautet (
s. Weinhold
mhd. gramm. [1883] 358
u. Michels
mhd. elem.-b. [1921] 67) —
in der 2.
pers. sing. und im konj. prät. fand (w
[ü
]rde): man wurdis dicke wol gewar, daz sie gute helede waren (
hs. um 1200
in thür. sprachform geschr.)
Graf Rudolf δb 16
in: mhd. übungsb. (1912) 57
Kraus; ez wurd yederman wider guldin wechslen (
schwäb., hs. v. anf. d. 15.
jhs.)
städtechron. 4, 108 (
Augsburg); nach dem erwarmet sein geblüt und wurd gar reichlichen auszfliessen H. Sachs 7, 395
lit. ver. [] (
neben a-
formen, die noch überwiegen, s. James
die st. prät. bei H. Sachs [
diss. München 1894]; J.
hat bei H. S. 1717
prät. singularformen mit a
und 1163
mit u
gezählt, s. 51);
auch mit unorganischem -e,
das sicher aus dem konjunktiv übernommen ist, so dasz im nhd. er wurd-e (
indik.)
mit er würd-e (
konj.)
korrespondiert: er wurde etwas durch ieren waichen muot vertunkelt (
Ulm 1473) Steinhöwel
de claris mul. 206, 25
Dr. (
neben wurd 117, 24
und häufigerem ward 2, 14; 3, 7
ff.); ich wurde eins in mir gewar Tauler
sermon (
Leipzig 1498) 7
a; wardt aber nichsten dorauss ..., wurde aber balde dornoch wyder genomen (
hs. d. 16.
jhs.)
M. Steinberg
chron. 154, 17 (
script. rerum Siles. XI).
zuweilen wird auch zugunsten des singularvokals ausgeglichen (
zu diesen ausgleichsvorgängen vgl. die materialreichen dissertationen von E. Strömberg [
Göteborg 1907] 84
ff. und E. Alm [
Uppsala 1936] 289
ff., insbes. die zusammenfassung s. 402
ff.): wardent (
um 1400) Twinger v. Königshofen
Straszb. chron. 231, 18 (=
städtechron., bd. 8); warden (1477) Steinhöwel
Äsop 46
lit. ver.; (1522) Luther
Joh. 2, 2 (
neben üblicherem wurden,
das in der fassung von 1546
auch an dieser textstelle eingesetzt ist); Zesen
Assenat (1670) 23.
selbst im 19.
und 20.
jh. finden sich noch vereinzelt a-
formen im plur. prät.: warden Brentano
ges. schr. (1852) 4, 20; St. George
d. jahr d. seele (1929) 66; Paul Ernst
kaiserbuch (1923) 1, 1, 341;
die entwicklung hat jedoch nicht zur alleinherrschaft von wurde
oder ward,
sondern zu einem nebeneinander von ward
und wurde
im prät. sing. geführt, von den nhd. grammatikern allmählich anerkannt (
s. auch Paul
dt. gramm. 2 [1917] 217
ff.): ich ward
oder wurde (geliebet) Gueintz
dt. sprachlehre (1641) 78; ich ward/wurde, du wardest/wurdst, er ward/wurde; wir wurden, ihr wurdet, sie wurden Bödiker
grund-sätze (1709) 102;
ebenso Gottsched
dt. sprachkunst (1762) 306
und Adelung
dt. sprachlehre (1781) 278,
die nur in der endung der 2.
pers. sing. etwas abweichen: du wardst/wurdest (
im wb. 5 [1786] 174
bucht A.
noch als '
seltener': wir warden, ihr wardet, sie warden).
zum nebeneinander der a-
und u-
formen bemerkt Adelung
in seiner grammatik: '
im imperfect des indicativs ist in der ersten und dritten person wurde
im gemeinen leben, ward
aber in der edlern schreibart üblicher; die zweyte person wardst
aber kommt, vermuthlich wegen ihrer härte, auch in der letztern selten vor'
a. a. o. 279.
dies gilt ohne weiteres auch noch für das 19.
und 20.
jh. in dichterischer sprache wird die einsilbige a-
form nicht nur aus klanglichen, sondern oft aus rhythmischen gründen bevorzugt: da wurde es heller in mir, und wie es heller in mir wurde, wich auch der glatte fels zurück, ward trockener, ward gütiger, half oft dem gleitenden fusz H. Hesse
märchen (1930) 86.
konsequent durchgeführte grammatische unterschiede zwischen den beiden formen bestehen jedoch nicht; Campe
erklärt anknüpfend an entsprechende bemerkungen Adelung
s: '
man hat werden,
als für sich bestehendes aussagewort, von werden,
dem hülfsworte, dadurch zu unterscheiden gesucht, dasz man jenes in der unlängst vergangenen zeit immer ward,
und als mittelwort geworden,
dieses aber immer wurde
und worden
umwandelt. dieser unterschied, welchen mehrere gute schriftsteller beobachten, andere aber wieder nicht, wäre gut, wenn er nur durchgeführt wäre ... so darf man wenigstens, da die genannte regel so wenig befestiget und gar nicht durchgeführt ist, denen, welche ward
und wurde
abwechselnd gebrauchen, keinen groszen vorwurf machen'
wb. 5 (1811) 682
f.; s. auch E. Alm
d. ausgleich des ablauts i. st. prät. der ostmd. schriftdialekte (
diss. Uppsala 1936) 404
sowie Paul
a. a. o. 2, 218. —
während die ablautverschiedenheit zwischen sing. und plur. prät. bei werden
aufrechterhalten ist, hat sich wie bei anderen starken verben, die im präs. sing. e/i-
wechsel zeigen, die form der 1.
pers. sing. des indikativs vokalisch an die pluralform bzw. an die form des konjunktivs angeglichen. neben ich wirde
tritt also im späten mhd. ich werde,
zufrühest md. (
s. auch Diefenbach
gl. 627
c):
urk. d. hochstifts Meiszen v. 1359 (=
codex diplom. Saxoniae regiae II 2, 3, 510
u. ö.);
veter buoch 52
P. u. ö. (
schl. [] hs., um 1400
geschr.); J. Rothe
dür. chron. 186
L. u. ö.; (1517) Luther 1, 183, 17
W. u. ö. (
neben vereinzeltem wird[e]
ebda 162, 22; 217, 33); Fischart
flöhhaz 2057
ndr.; weitere belege bei T. Nordström
d. ausbildg. der nhd. st. präsensflexion (
diss. Uppsala 1911).
von den grammatikern werden zunächst beide formen gebucht: ich werd ...
et dicimus ich würd (1573) Ölinger
dt. gramm. 96
ndr.; ich werd
und wird (1573) Albertus
dt. gramm. 111
ndr.; schon Clajus
bucht —
anschlieszend an die werke Luther
s, der in seinen späteren schriften '
fast immer e' (H. Bach
laut- u. formenl. [1934] 88)
hat —
nur ich werde (1578)
dt. gramm. 72
u. 98,
aber: du wirst, er wird (Ölinger 78
u. Albertus 107
verzeichnen auch ausgleichsformen in der 2.
und 3.
sing.: werst, werd).
mundartlich ist die alte e/i-
verteilung noch im obd. weithin bewahrt: i wïrde, de wïrst, er wïrt; mr wërde Hunziker
Aargau 293 (
s. auch Martin-Lienhart
elsäss. 2, 847; Fischer
schwäb. 6, 690
f.; Schmeller-Frommann
bair. 2, 989
sowie die angaben bei Nordström
a. a. o. 105
ff. und Sütterlin
nhd. gramm. [1924] 417
ff.). —
auch beim sing. imperativ ist im nhd. die e-
form an die stelle der i-
form (
ahd. wird,
mhd. wirt!)
getreten, wohl in anschlusz an die 2.
sing. des konj. präs. (werdest)
und in angleichung an den plur. (werdet!): werde (1523) Luther
1. Mos. 24, 60
la.; werde du (1573) Ölinger
dt. gramm. 79
ndr.; (1573) Albertus 113
ndr. wie bei sieh-e!
verstärkt ein unorganisches e
die einsilbige befehlsform, nach analogie der schwachen verben (
s. Paul
a. a. o. 2, 198
u. 218).
einige obd. maa. bewahren auch hier die ältere form: wīrt! (
neben e-
formen) Fischer
schwäb. 6, 691; wir! Jakob
Wien 218. —
die präsensformen der 2.
und 3.
person sing. haben diesen ausgleichsvorgängen widerstehen können, gestützt durch ähnlich abgehobene formen anderer ablautreihen (
vgl. auch gräbst, gräbt; fällst, fällt).
hingegen wurde das —
die vokalabweichung im präsens sing. bedingende — i
der endung (-ist, -it)
früh zu e
abgeschwächt und das zusammentreffen mehrerer dentale durch formvereinfachung beseitigt. —
die kontraktionsformen wirst, wird
werden allerdings erst im mhd. üblich (
s. mhd. wb. 3, 728).
noch bei Notker
herrscht in der 2.
sing. wirdest (
seltener: wirdist);
als form der 3.
sing. ist wirdet (wirdit)
noch zahlreich vertreten, doch bereits in der minderheit gegenüber der kurzform wirt (
s. Sehrt
Notker-wortschatz [1955] 578
f.).
diese wird im nhd. dann —
mit rücksicht auf die übrigen wortformen, vielleicht auch zur graphischen scheidung vom substantiv wirt —
mit d
geschrieben: wird.
wie bei anderen perfektiven verben (finden, kommen;
zum streit, ob werden
perfektiv oder imperfektiv ist, vgl. O. Behaghel
dt. syntax 2, 97)
findet sich die präfixlose partizipialform worden
bis ins ältere nhd. (
s. die nachweise bei Paul
dt. gramm. 2, 277),
vereinzelt sogar noch bei schriftstellern des 19.
jhs.: bin sie los worden O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 111; ist sehend worden Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 32; ist worden A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 21; ist fremd aussehen worden Storm
s. w. (1898) 1, 27; geworden
findet sich zwar schon vereinzelt im ahd. (
s. Braune
ahd. gramm. [1955] 297),
doch üblich wird diese form —
sehen wir vom partizip des kompositums gewerden (
s. teil 4, 1, 3, 5618
ff.)
ab —
erst im frühen nhd. (
noch nicht bei Luther,
s. C. Franke
schriftspr. Luthers 2 [1914] 343
u. H. Bach
laut- u. formenlehre [1934] 106,
ferner teil 4, 1, 4, 6745
ff. s. v. geworden): sind gelêrt geworden (1515) Tunnicius
sprichw. 56
Hoffmann v. Fallersleben; kundbar geworden Abraham a
s. Clara (1679)
w. 2, 16
Strigl; von den grammatikern zunächst nebeneinander gebucht: ich bin geworden
per aphaeresin worden (1573) Albertus
dt. gramm. 112
ndr.; ich bin geworden &
sine augmento worden (1578) Clajus
dt. gramm. 98
ndr.; wir sind worden
oder geworden Schottel
haubtspr. (1663) 553;
schon Frisch
teutsch-lat. wb. (1741) 2, 441
b erklärt: wann werden
kein auxiliare, so kan bey worden
das augmentum ge
stehen, als geworden: er ist zum narren geworden;
und Adelung
dt. sprachl. (1791) 279
formuliert bereits die nhd. regel: '
das participium perfecti [] lautet allemahl geworden,
so oft das verbum ein völliges prädicat ausdrückt: ich bin krank geworden;
verlieret aber sein augment, wenn es ein hlfswort wird: ich bin geschlagen worden'.
nur in der passivkonstruktion (
s. III C 1 a
β)
ist also die präfixlose form noch üblich, wenngleich selbst da vereinzelt geworden
auftritt (
s. auch Paul
dt. gramm 2, 277): die nachmals als dein volk ... beherrscht, berhmt, geschwAecht durch dich geworden seynd König
ged. (1745) 34; als die frucht gespeist geworden eilt sich wieder einzustellen das gehäus woher es kommen Göthe I 4, 26
W.; das ist lange bezahlt geworden ('
manchmal für worden
im passiv') Albrecht
Leipzig 54.
herkunft und verwendung. die germanischen präsensformen gehen ebenso wie lat. verti
und aind. vártatē
auf ein mediales thematisches präsens der idg. wurzel *ṷert '
drehen, wenden'
zurück (
s. Hellquist
31314
sowie über die weitverzweigte sippe Walde-Pokorny 1, 274
u. Walde
lat. etym. wb. 32, 765).
die grundbedeutung ist im dt. von den verwandten bildungen -wärts '
gewendet, gerichtet auf'
und wirtel '
spindelring'
bewahrt, während werden
seit beginn der überlieferung in der allgemeineren bedeutung '
geschehen' (
s. unter I A), '
entstehen' (I B)
üblich ist. gleichen bedeutungswandel setzen lit. pavirstù, pavisti '
umfallen, sich verwandeln in, werden zu',
apreusz. wīrst '
er wird'
und aind. sámvartate '
entsteht'
voraus; das sinnverwandte engl. verbum turn
zeigt noch das nebeneinander der bedeutungen '
wenden'
und '
werden'
; auf romanische parallelen wies W. Schulze
kl. schr. (1933) 481.
es liegt ja nahe, bewegungsverben als bezeichnungen der entwicklung zu gebrauchen (
vgl. engl. become,
frz. devenir
und zur '
synonymik'
im idg. die zusammenstellung bei C. D. Buck
a dictionary of selected synonyms in the principal i.-e. languages [1949] 636
f.).
der ursprüngliche charakter als verb der bewegung wird noch einigermaszen deutlich, wenn werden
in verbindung mit einem prädikativum, d. h. mit einer angabe der vorgangsrichtung oder des entwicklungszieles, gebraucht wird (II),
besonders deutlich auch in umgangssprachlichen wendungen wie wir werden nach Dresden (
s. Müller-Fraureuth
obers. 2, 657
sowie Frischbier
pr. 2, 464),
wo allerdings gehen
oder fahren
erspart sein wird. es scheint nicht verwunderlich, dasz werden
in allen germanischen sprachen früh in die rolle eines hilfsverbs zur passivumschreibung gerät, wo es gilt, eine '
wendung',
veränderung unter äuszerer einwirkung, das hineingeraten in einen anderen zustand, auszudrücken (
s. u. III C
sowie dt. gramm. 4 [1898] 11
ff.);
doch nur im dt., ndl. und nisl. ist es in dieser funktion geläufig geblieben, im engl. infolge des frz. einflusses verdrängt durch to be,
in den skandinav. sprachen ersetzt durch bleiben (
norw. bli,
dän. blive,
schwed. bliva).
weniger verbreitet ist werden
als hilfsverb der futurumschreibung; nur einige norw. mundarten kennen in dieser funktion die verbindung von verta +
infinitiv (
s. Saltveit in:
zfda. 87 [1957] 228);
im übrigen germ. herrschen umschreibungen mit sollen
und wollen,
die auch im ahd. und mhd. zunächst das feld bestritten (
s. u. III B 2
sowie O. Behaghel
dt. syntax 2 [1924] 258
ff.)
und in nordwestdt. mundarten noch heute lebendig sind (
s. Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 384
u. 5, 750
sowie wb. d. Elberfelder ma. 150).
die futurumschreibung mit werden
dringt im dt. erst spät durch. seine präsensformen haben zwar im ahd. und mhd. schon futurischen wert, ja sie stellen geradezu die futurischen formen des verbums sein
dar (
erunt signa uuerdent zeichan
Tatian 145, 15
S.; heres meus erit der wirt mein erbe
erste dt. bibel 3, 85, 48
lit. ver.; s. auch unter III C 1 a
α);
die eigentliche futurumschreibung, die verbindung der präsensformen von werden
mit dem infinitiv, setzt sich jedoch erst im späten mhd. durch (
weiteres s. unter III B 2).
[] II.
absolut (
als vollverb). I@AA. '
geschehen'
; in verschiedener anwendung. I@A@11)
allg., im sinne des lat. fieri: oba ir thesemo berge quedet: nim thih inti uuirph thih in then seo, so uuirdit iz
si monti huic dixeritis: tolle et iacta te in mare, fiet Tatian 121, 3
Sievers; tô uuard taz imo trôumda, taz ... Notker 1, 61, 15
Piper; daz kan niemer werden, wand ez wert ûf der erden diu natûre und ir gebot Konrad v. Würzburg
Silvester 4147
Gereke; dein wil der werd: als im himel vnd in der erde (
fiat uoluntas tua sicut in caelo et in terra)
erste dt. bibel 1, 22
lit. ver.; durch diese wirkliche vorstellung ... unterscheidet sich das drama von der erzählung, welche die handlung als bereits geworden und vorgegangen voraussetzt Eschenburg
entwurf (1783) 163; wenn aus verworrner vorzeit wildem handeln, aus jeder that, die heute ward, wie aus des jahres heil'gem wandeln ein ewig walten dir sich offenbart Geibel
ges. w. (1883) 2, 69 (
einem freunde); überlege, was werden soll; es musz einen weg geben E. Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 65;
in landschaftlicher umgangssprache: was wird denn, wenn er nich kommt? Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657. I@A@22)
im älteren dt. zuweilen —
auf veranstaltungen verschiedener art bezogen —
in der bedeutung '
stattfinden': ni wirdit thing (
gericht), ih sagen thir thaz, er noh sidor sulichaz! Otfrid V 20, 16
Erdmann; bis das teidinc quam vnd die brutloft wart Heinrich v. Veldeke
Eneide 12900
Müller (
Gothaer hs.); habend ... gesprochen, es werd zuo Zürich nur ein keszlertag (
zunfttag der kesselschmiede) und kummen nüt dann keszler zuosammen Zwingli
dt. schr. 1, 114
Sch.; es ist kein dOerfflin so kleyn, es wirt des jars ein mal kirchweihe darinn
schöne weise klugreden (1548) 81
b; das haus, darinnen die hochzeit wird Pomarius
gr. post. (1590) 1, 208
b; vor essens wird kein tantz Eyering
proverb. (1601) 1, 30;
so noch umgangssprachlich: heut wird das kirchen um neune
der gottesdienst wird um 9 uhr gehalten Schöpf
Tirol 813. I@A@33)
formelhafte anwendungen. I@A@3@aa) dessen wird rat '
geschieht abhilfe': noch möhte es alles werden rât, wolden si die grôzen sunde geriuwen dies an mir begât Friderich v. Husen
in: minnes. frühl. 44, 28
Kraus; also ward der sache radt Wickram
rollw. 17, 9
Kurz; sag an, der sachen wirdt wol rath Spreng
Ilias (1610) 1, 3
b; da spricht der arme hirte: 'desz mag noch werden rath, ich weisz geheime wege, die noch kein mensch betrat ...' Uhland
ged. 1, 281
Schmidt-H. (
überfall im wildbad). I@A@3@bb) was wird mit ihm (damit)
u. dgl.: si waren in sorgen waz ir solde werden
genesis 80, 22
Diemer; es kostet dir (
Elisabeth) ein einzig wort. o sage, bestimme, was mit dieser schrift (
dem todesurteil) soll werden! Schiller 12, 544
G.; was ist mit ihm geworden? Tieck
schr. (1828) 1, 95; (
B. mit schmerz:) was ist mit dir geworden, Martin! (
M.:) was mit mir hat werden müssen C. Flaischlen
Martin Lehnhardt (1910) 81. I@A@3@cc) wird's (bald)?!
herrisch-ungeduldige aufforderung: (
Gerson:) ... komme geschwinde heraus, mache fort! (
Pickelhering guckt ein wenig heraus:) sieh da; sieh da; herr seyd ihrs! ja, ja, alsbald (
sihet wider nein); (
Gerson:) nun, was machstu? wenn wirds? Schoch
studentenleben (1668) 27; (
Wumsh.:) geh mir aus den augen!
[] (
Lisette:) wie sie befehlen. (
Wumsh.:) wirds bald? oder soll ich gehn? Lessing 2, 4
L.-M. (
misogyn); da kämpfte ich wohl einen harten kampf. wird's? drängte der polizeischreiber Gaudy
s. w. (1844) 2, 140; wird's einmal werden oder nicht? wann krieg'n wir unser geld? Nestroy
ges. w. (1890) 1, 3;
vor allem in landschaftlicher umgangssprache: na wird's bald? Brendicke
Berlin 192
b; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 847. I@BB.
daneben hat werden
wie lat. fieri
die bedeutung '
entstehen' (
s. auch unter IV A 1). I@B@11)
so seit frühdt. zeit geläufig: at si oriatur aliquid de nullis causis, id uidetur ortum esse de nihilo ube aber îeht uuirdet âne urspring taz ist uuorten fone nîehte Notker 1, 307, 10
Piper; dar in si leiten steine; des wurden guotiu kleit. selbe sneit si Kriemhilt, diu vil hêrlîche meit
Nibelungenlied 362, 3
Bartsch-de Boor; was heut wirt, muosz morgen dran
schöne weise klugreden (1548) 97
a; damit unten auf dem boden keine blasen werden Amaranthes
frauenz. lex. (1715) 6; geworden sey er (
der gedanke), wo oder wie er wolle ... in einem Griechen, oder in Winkelmann (1769) Herder 3, 11
S.; und gab mit bitten nicht nach, bis ich ihr eine fuge aufsetzte, und so ward sie (20. 4. 1782) Mozart
bei O. Jahn
Mozart (1856) 3, 168; nichts könne werden als was schon sei (1792) Göthe I 33, 197
W.; wenn die ernte gut ausfiel, wenn hohe preise wurden! Polenz
Büttnerb. (1895) 121;
als sprichwort findet sich: was nicht ist, kann noch werden Lipperheide
spruchwb. (1934) 1015;
gebucht auch von Mensing
schlesw.-holst. 5, 532; Schambach
Göttingen 295; Bauer-Collitz
Waldeck 111
und Martin-Lienhart
elsäss. 2, 847. I@B@22)
besondere anwendungen. I@B@2@aa)
im sinne von '
zur welt kommen, ins leben treten': ih bin mit givuurti, er thanne er io uuurti (
antequam Abraham fieret, ego sum) Otfrid III 18, 62
Kelle; von erste biz zu leste werdent lte und ligent tot Ulrich v. Türheim
Rennewart 25995
Hübner; wie der fogel zum flug ist worn, zu arbeit ist der mensch geporn H. Sachs 6, 45
lit. ver.; die letsten so der langsammen geburt nit mOegen erwarten, zerreissen der muotter den leib, also dasz si durch iren tod werden unnd leben L. Zoleckhofer
vilvaltige beschr. (1564) 220; einer stirbt der ander wirdt Schulze
bibl. sprichw. (1860) 85;
so noch in dichterischem sprachgebrauch: tugend und grazien wetteiferten, sich selbst zu übertreffen, und Franziska ward! (10. 1. 1778?) Schiller 1, 45
G.; könnt' ich der zukunft ihren schleier lüpfen, zu sehn dahinter einen, der geboren einst werden wird und vom geschick erkoren, des vaterlandes fesseln abzustrüpfen! ... noch eh du wardst, hat dich mein grusz bezeuget; und bin ich, wann du wurdest, längst erblasset, so grüsz' ich dich, ein geist, auf wolken schwebend Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 4; ... du wirst, du stirbst — wess wahr geschöpf du bist, erfährst du nie St. George
d. neue reich (1928) 75;
doch auch den mundarten nicht fremd: ech si wu
erden den 10 mê
ich bin am 10.
mai geboren luxemburg. ma. 484; ein kind wird, ist worde
n; wann bist worde
n? Fischer
schwäb. 6, 692 (
ebda auch hist. belege); er isch a der wienecht worde (
Aargau) Artur Frey
analecta Germanica für H. Paul (1906) 30 (§ 13); əs iš wō
urdən
es ist geboren (
bes. von haustieren) Hotzenköcherle
Mutten 203;
s. ferner Seiler
Basel 311; Stucki
Jaun 295; Brun
Obersaxen 93
u. 177; Schmeller-Frommann
bair. 2, 989
sowie Schmeller
cimbr. 114.
[] I@B@2@bb) '(
heran-)
wachsen, sich entwickeln': got gebot im unde sprah: 'swas das paradis gebirt, holz, obiz und das drinne wirt, das iz algemeine' Rudolf v. Ems
weltchron. 318
Ehrismann u. ö.; wäre esz sach, dasz aichel uf dem wald wurden (
Rotenfels a. Main 1494)
weistümer (1840) 6, 44; disz ... jars ward vil win und korns (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. 2 (1736) 117
u. ö.; quod cito fit, cito perit das ist, was bald wird und auffwechst, vergeht auch bald wider Kirchhof
wendunmuth 2, 18
Ö.; so noch in dichterischer anwendung: welch ein himmlischer garten entspringt aus öd' und aus wüste, wird und lebet und glänzt herrlich im lichte vor mir Göthe I 2, 129
u. ö.; im universum der poesie selbst aber ruht nichts, alles wird und verwandelt sich Fr. Schlegel
jugendschr. 2, 285
M.; einige monate lang vor Annonciaten's geburt war ihre mutter sehr traurig über den tod ihrer eltern ..., so ist das mädchen in kummer und ängsten geworden Brentano
ges. schr. (1852) 5, 304; ihre einsamkeiten, in denen sie wuchs und wurde, verbrachte sie in einer von allen vergessenen wilden rosenlaube (27. 9. 1900) Rilke
br. 1899 —1902 (1931) 338;
vereinzelt auch in landschaftlicher umgangssprache: di olle rön (
rüben) wern hie joanich Lademann
Teltow 279; das kind wird nicht Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657. I@B@2@cc)
mit einem zahlwort verbunden; im sinne von '
sich ergeben; zusammen- bzw. herauskommen': man ahte bî den schilden, wie vil ir möhte sîn, die der schœnen Hilden daz edele magedîn solden helfen bringen ûz Ormanîerîche: der wurden sibenzic tûsent.in gap vrou Hilde ir gâbe kostlîche
Kudrun 1104, 4
Symons; die selben 300 golden mag man rechen zu den 3700, so werden ys denne 4000 golden
Marienburger tresslerb. (1399—1409) 134
Joachim; dann setze 00 zu 0, 5, so wirt 0, 500 Kepler
opera 5, 550
Frisch; multiplicir 354 mit sich selbs, so werden drauss 125 316
ebda 559; theile des bodens höhe in 5, ein jedes fünfftheil wieder in 5, so werden der theil 25, halbier sie, so werden jhr 50
ebda 587;
weitere belege bei A. Götze
anfänge einer mathemat. fachspr. in Keplers deutsch (1919) 212. I@B@2@dd) aus etwas (
oder jemand) werden '
daraus entstehen, sich entwickeln': ausz gescheiden kindern werden gecken
schöne weise klugreden (1548) 63
a; ausz sssem wein wird sawer essig, ausz freunden unversOehnliche feindschafft Lehman
floril. polit. (1662) 1, 218; ja es wAere dazumal wol endlich was aus mir geworden Chr. Reuter
Schelmuffsky 10
ndr.; er (
Rousseau) fängt, wie seine vorgänger, mit dem geschrei der natur an, aus dem die menschliche sprache werde Herder 5, 20
S.; aus den tagen wurden wochen und endlich monate Tieck
schr. (1828) 4, 232; dasz ich dich habe ..., das ist mein glück. was daraus wird, das kümmert mich nicht Fontane
ges. w. (1905) I 5, 149; so geschieht's, dasz in wenigen monaten aus dem gottseibeiuns Fouché der liebling aller geworden ist St. Zweig
Fouché (1954) 94.
diese anwendung konkurriert mit der prädikativen konstruktion (II),
wie einige belege deutlich zeigen: auf die frage, was aus dem wetter werden möge, erwiederte [!] er in pythischem stile: 's kann gut werden, 's kann regnen auch H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 401. Adelung 5 (1786) 174
bemerkt darüber folgendes: '
es scheinet, dasz werden
gemeiniglich alsdann mit zweyen nominativen verbunden wird, wenn es so viel bedeutet, als solche freywillige handlungen vornehmen, wodurch ein gesammter, dauerhafter zustand bewirket wird. ist keine mitwirkung vorhanden, oder ist der übergang nicht freywillig, so bekommt entweder das subject die präposition aus ... (
z. b.: aus pflanzen werden bäume)
oder ... das prädicat bekommt die präposition [] zu'.
besonders häufig sind wendungen wie daraus (
oder aus ihm) wird nichts (gutes): da wird nichts ausz Mathesius
Sarepta (1571) XI
a; frwar es wird nichts guts darausz, wann also fortgeht diser strausz Sprng
Ilias (1610) 12
a; man kan manchen weder mit pfeiffen noch weinen gewinnen, pfeiffe oder weine, so wird doch nichts darausz Lehman
floril. polit. (1662) 2, 788; aus dieser heirath wird — nichts Schiller 14, 139
G.; gott segne deine studia, aus dir wird nichts. halleluja!
altes studentenlied bei Lipperheide
spruchwb. 834
b; es wird doch nichts aus ihm! A. v. Arnim
s. w. 6 (1857) 3; dasz die gründer der stadt dieselbe eine gute halbe stunde von einem schiffbaren flusse angepflanzt, zum deutlichen zeichen, dasz nichts daraus werden solle G. Keller
ges. w. (1889) 4, 7;
zuweilen auch mit alles
verbunden: ein student ist nichts, das ist wahr, aber es kann doch alles aus ihm werden Lenz
ges. schr. (1828) 1, 57. I@B@2@ee)
vom eintreten bzw. zustandekommen eines vorgangs (
α)
oder zustands (
β),
sowie vom eintritt einer tages- oder jahreszeit (
γ). I@B@2@e@aα) strît uuirdet. ube ein man urî sî Notker 1, 596, 11
Piper; den brief an der selben frist hiezz mann dem volk lesen. under dem volk wesen ward ain mürmël grözz
d. grosze Alexander 1663
Guth; da wirt ein lerman vnd ein stryt H. R. Manuel
weinsp. 2623
ndr.; pflumpf! lagst du, und ward ein gezisch und gelächter über dir Schiller 2, 34
G.; ward nun in dem haus ein gehn und kommen auf und ab die stiegen Göthe I 2, 99
W.; und wie es stille gewesen war, dasz man die worte ... vernommen hatte, so wurde jetzt ein schrei, der durch die wolken des himmels drang Stifter
s. w. 11 (1932) 171; über den geborstenen wolken ward jähester sieg der sonne (
nach hagelwetter)
qu. a. d. j. 1923;
so auch in neuerer umgangssprache: kann woll hier wandel werden? Gerh. Hauptmann
weber (1892) 32. I@B@2@e@bβ) fragetun ... oba thiu selba blinti fon sunton sinen uuurti Otfrid III 20, 4
Kelle; kein einigkeit czwischen in werden mocht (1472) Arigo
decamerone 111
lit. ver.; nach freud kan bald vnmuth werden Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) E 2
a; dadurch wird eine unveränderliche ordnung des mit- und nebeneinander im sichtlichen ... raume Herder 22, 57
S.; da ward wieder in mir ruh Müllner
dram. w. (1828) 1, 22; wenn frieden würde, könne er (
Tilly) sich dahin zurückziehen R. Huch
d. grosze krieg (1920) 2, 248. I@B@2@e@gγ) tho iz aband uuard
Tatian 109, 2
Sievers; dô ez tac wart Hartmann v. Aue
Iwein 6587
Benecke-Lachmann; diescit es wirt tag Er. Alberus
dict. (1540) d 4
a; als vil der blumen wolgestallt herausser spriessen von der erden, wann es geleich will sommer werden Spreng
Ilias (1610) 21
b; es wurde mitternacht; es kam der neue gastfreund nicht Pfeffel
poet. vers. (1820) 3, 72; der sturm ... muszte, da es abend geworden, verschoben werden Mommsen
röm. gesch. 2 (
41865) 32.
im älteren dt. zuweilen noch ohne das '
scheinsubjekt' es (
s. Wilmanns
[] dt. gramm. 3, 2 [1909] 467
u. vgl. den entsprechenden gebrauch von sein
teil 10, 1, 259): in sinem houe newirdet niemir nacht pfaffe Konrad
Rolandslied 9050
Wesle; do nun morgen ward (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 7; darnach ward tag Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) e 2
b; ob eyn langer winter werde Sebiz
feldbau (1580) 9;
daneben stehen einzelne fälle mit temporaler präposition, die zu II
überleiten, falls man nicht überhaupt die ganze gruppe γ zu II
rechnen will (
s. auch Paul
dt. gramm. 3, 44): alss aber wardt umb miternacht, handt Juden sich zuesamen gmacht und machten baldt ein falschen rath
Endinger Judenspiel 21
ndr.; aber über unser schwatzen ... ist es schon tief in die nacht geworden Tieck
schr. (1828) 4, 162. I@B@33)
formelhafter gebrauch. I@B@3@aa) werden heiszen
oder lassen: man sol si loben deste baz. der uns alle werden hiez, wie lützel der an ir vergaz! Dietmar v. Eist
in: minnes. frühl. 36, 28
Kraus; das paradiz got werden hiez aller erst von anegenge gar Rudolf v. Ems
weltchron. 266
Ehrismann; ... eh sein allmächtger ruf, was nicht war, werden hiesz und alle welten schuf Giseke
poet. w. (1767) 4;
im neueren dt. wird die verbindung werden lassen
üblich: ja wrmchen, der dich werden liesz, kann sicher auch noch mehr als diesz R.
Z. Becker
mild. liederb. (1799) 27; groszer Brama, herr der mächte! ... oder bist auch du's, der affen werden liesz und unseres gleichen? Göthe I 3, 9
W.; grosze historische erscheinungen ... tragen den charakter des momentes an sich, in dem sie entstanden: so sind sie, wie die thatkraft und der genius der vornehmsten begründer ... sie werden lieszen Ranke
s. w. (1867) 9, 3; und jeden einzigen tag, den gott werden läszt, steht burg und hof und saal geschmückt wie zum fest A. Miegel
ges. ged. (1927) 15.
vereinzelt auch im sinne von '
zulassen, dasz sich etwas entwickelt': die sache werden zu lassen halt ich für gut, damit nur einige bewegung in die schicksale komme, dem ruf zu folgen aber kann ich nie rathen (2. 9. 1786) Göthe IV 8, 21
W. I@B@3@bb) es werde (licht)
u. ä. imperativische wendungen, die an die genesis anschlieszen: und gott sprach, es werde liecht, und es ward liecht (
fiat lux. et facta est lux)
1. Mos. 1, 3 (Zainer 1475: es werde das liecht
erste dt. bibel 3, 44
lit. ver., la.); der mensch war nicht! du sprachst: er werde! da wurden wir und wurden erde Klopstock
w. 7 (1804) 95
Göschen (
dem dreyeinigen); izt sah ich über den altar her ... Schlegeln ... ... kommen und unerschöpflich, vertieft und ernsthaft um sich erschaffen. werdet! da wurden ihm lieder ...
ders., oden 1, 28
M.-P.; und er sprach das wort: es werde! da erklang ein schmerzlich ach! als das all mit machtgebärde in die wirklichkeiten brach Göthe I 3, 75
W. I@B@3@cc) die sache (etwas) wird '
macht sich, geht gut, gelingt, gedeiht' (
vgl. I B 2 b
und c): warlich die vertütschung der bybell würdt nit on grosse wunderbarliche würckung der genaden gottes sein vnd werden Hartmuth v. Cronberg
schr. 65
ndr.; doch will ich es werden lassen, es hat sich alles so gut gemacht ... wo ich nun sitze, hier oder in Franckfurt, das ist eins, und Rom ist der einzige
[] ort in der welt für den künstler, und ich bin doch einmal nichts anders. wäre nur die rückreise im winter oder gegen den winter nicht zu beschwerlich. doch es mag werden (8. 6. 1787) Göthe IV 8, 231
W.; ist mir auch mein liebchen hold, 's war doch, als wenn's nicht werden sollt' Körner
w. 2, 134
H.; es wird schon werden Fontane
ges. w. (1905) I 5, 49;
in landschaftlicher umgangssprache: i trau' mi schon; es wird all's werd'n Schönherr
glaube u. heimat (1910) 28; 's wärd, itze wärd's! (
z. b. der kuchen im backofen bäckt) Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657; des ... wird scho
n werden (
von pflanzen u. leblosen dingen) Fischer
schwäb. 6, 692; s wird scho[n] wern
es wird schon wieder gut werden Jakob
Wien 218. I@CC.
wie zuteil werden (
s. unter II A 3 a
α),
das im neueren dt. üblicher geworden ist; in verschiedener anwendung. I@C@11) jem. werden '
geschehen' (
vgl. I A
sowie die belege unter IV A 1 b),
bes. im negativen sinne von '
widerfahren, zustoszen': iz ni lesent scribara, thaz jungera worolti sulih mord wurti Otfrid I 20, 24
Erdmann; so ne wirt ir leide
s Eilhart v. Oberg
Tristrant. 40
Wagner; bis mir der tod thut werden
volksl. 1, 259
Erlach; wofür ihm eine citation in die kreishauptstadt geworden Gutzkow
zauberer (1858) 1, 161; was soll dem werden, der mit frecher hand den purpur ... um seine stirn zu ziehn sich unterwand? Münchhausen
balladen u. ritterliche lieder (1922) 96;
aber auch im sinne von '
beschieden, vergönnt sein': thiu salida ist uns wortan, thaz wir nan eigun funtan Otfrid II 7, 44
E.; doch wart im selten kumbers buoz Wolfram v. Eschenbach
Parzival 12, 14
Lachmann; dann im derzeit allein mit ir zuo reden nicht werden mocht Wickram
w. 2, 200
Bolte; wenn seinem geist anjetzt ein blick über das aufstrebende Amerika würde: so würde er vielleicht mit eben dem selben blick gewahr, dasz auch in den armen seines alten Tithonus, Europa, eine neue Aurora schlummre Herder 16, 128
S.; ... dem mann musz hülfe werden Schiller 14, 279
G.; nachstehend hab ich dir einiges mittheilen wollen von dem, was mir angenehmes worden ist in meinem ... gartenaufenthalt (9. 6. 1827) Göthe IV 42, 214
W.; es ist mir noch nie geworden, freude an dem gewonnenen zu finden Gutzkow
ges. w. (1872) 4, 9. I@C@22) jem. werden '
ihm gegeben sein, in seinen besitz übergehen, zufallen' (
vgl. die entsprechenden konstruktionen mit sein
teil 10, 1, 268
f.):
non erat illis filius ni ward in sun
Tatian 2, 2
S.; ez regent bêdenthalben mîn, daz mir des alles niht enwirt ein tropfe Walther v.
d. Vogelweide 20, 36
Kraus; groschen wurden ym vom monzmeister
Marienburger tresslerb. (1399—1409) 205
Joachim; was dir nicht werden kan, da wend bey zeit dein hertz davon Lehman
floril. polit. (1662) 1, 499; keinen bessern weihnachten bekomm ich nicht und kann mir nicht werden, als den du, mein lieber Knebel, mir gemacht hast (10. 12. 1783) herzog Karl August
bei Knebel
lit. nachl. 1, 138
Ense-Mundt; so wurde dem fürsten allein die beute der eroberung Eichhorn
staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 78; unter ihren sinnen steht unzweifelhaft der des gesichtes obenan trotz des schwer begreiflichen volksnamens ('
blindschleiche'), der dem tiere geworden ist Brehm
tierl. 7, 108
P.-L. als gewählter ausdruck für '
bekommen'
noch in neuerer dichtersprache lebendig: [] er asz das fleisch der pflaume gern, mir ward der stein, der kahle Rückert
ges. poet. w. (1867) 3, 72; solch einer (
ein seher) ward euch nicht und ich bin es nicht St. George
d. neue reich (1928) 9; ward uns kein mund, der trauernd im gesang die trümmer unsres hohen glücks vereine? R. A. Schröder
ged. (1935) 27;
doch auch dem nordfries. und einigen dt. mundarten nicht fremd: din rocht skëll dî wârde
dein recht soll dir werden Jensen
nordfries. 676; sien prd schall em wull weller warrn Mensing
schlesw.-holst. 5, 532; wan-
et d
e and
e r
en kr
eīget, dan mod-
et m
eī doh auk wǟr
en Bauer-Collitz
Waldeck 111; i
n dir wurd na
ch-n-emüol e drëck uf di
e nas
dir wird's noch einmal schlimm ergehen Martin-Lienhart
elsäss. 2, 847.
im frühnhd. findet sich auch die wendung jem. in die hände werden '
jem. in die hände fallen': der thyrann in wart in die hand H. Sachs 1, 222
lit. ver.; also ist yhnen der kirchenn gut gar in die hendt worden Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 177
ndr.; auff das jm die feindt noch nüchter vnd vnbereit zum künfftigen in die hAend wurden Xylander
Polybius (1574) 165. IIII.
mit einer angabe der vorgangsrichtung oder des entwicklungsziels verbunden. während die '
kopula' sein
zur wesens- oder zustandsbestimmung dient und ein bestehen ausdrückt, bezeichnet werden
ein entstehen, eine wesensveränderung, das hineingeraten in einen anderen (
zu-)—
stand oder eine neue lage (
vgl. I B 2 b—e). II@AA.
in verbindung mit einem substantiv. II@A@11)
mit einem prädikativum im nominativ. II@A@1@aa)
einer sachbezeichnung: legest tv îeht taraz
s. doh ein uerbum. sô uuirdet iz proloquium (
ein ausspruchsatz) Notker 1, 508, 5
Piper; bistu es der sun gotz: so sag daz dise stain werden brot (
dic ut lapides isti panes fiant)
erste dt. bibel 1, 14
lit. ver.; der tag wird tunckle nacht Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch (1647) 72; so wurde dies gesetz segen Herder 5, 6
S.; denn oft wird ein freund, an den man schreibt, mehr der anlasz als der gegenstand des briefes Göthe I 46, 12
W.; und alle meine sorgen wichen, und all mein denken ward gedicht Münchhausen
balladen u. ritterliche lieder (1922) 174; brache ward acker, öde ward dorf und wildnis stadt A. Miegel
herbstgesang (1933) 27.
soll das entwicklungsziel, die '
zielgrösze',
als exemplarischer vertreter einer gattung gekennzeichnet werden, so findet sich das prädikativum mit ein
verbunden: ... swer daz houbet sach, der wart ein stein Marner 110
Strauch; der wilde feind mus nur ein schaff, sein vngestüm ein süszer schlaff vnd sanfte ruhe werden Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 422; ein pferd sey wie es will, ... so wird es unter dir, held, ein Bucephalus König
ged. (1745) 35; ich sah wohl, dasz dies ein bettchen für mich werden sollte Brentano
ges. schr. (1852) 5, 172; das wird eine überraschung! Storm
s. w. (1898) 1, 25;
oft auch mit einem possessivum: sît der schilt von êrste wart mîn dach, hiut ist mîn hôhste ungemach Wolfram v. Eschenbach
Parzival 812, 17
Lachmann; ach lasz, mein hort, dein letztes wort mein letztes wort auch werden Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 335; beider liebe ist eu'r eigenthum geworden Müllner
dram. w. (1828) 2, 70;
[] hingegen wird es mit der, die, das
nur vereinzelt verbunden: wenn ihr freylich wie bisher zusammenhaltet, so musz es das seltsamste werk seyn, werden und bleiben, was die welt gesehen hat (6./7. 6. 1820) Göthe IV 33, 55
W.; sollen wir morgen das mährchen des hauses werden?
ebda I 22, 196; behüte uns überhaupt nur der himmel ... dasz dieselbe liebe und begeisterung ... nicht die thorheit einer jüngeren zeit werde Tieck
schr. (1828) 4, 13; der general Hegermann-Lindencrone besasz einen hübschen landsitz nahe der stadt, welcher der tummelplatz unserer knabenspiele ... wurde Moltke
ges. schr. (1892) 1, 22.
gelegentlich tritt auszer dem prädikativum noch eine dativische bezugsgrösze hinzu (
vgl. die entsprechenden belege unter II A 3 a
α): is sundeon uuerdad imu sorga an mode ...
Heliand 3496
Sievers; der liehte tac wart ir ein naht Hartmann v. Aue
Iwein 1326
Benecke-Lachmann; und altar des lieblichsten danks wird ihm des gefürchteten gipfels schneebehangner scheitel Göthe I 2, 63
W. II@A@1@bb)
einer personenbezeichnung: vnde des fater trût uuirdet mennischo unde irstirbet Notker 2, 90, 19
Piper; vriunde wurde wir Neidhart 46, 21
Wiessner; ich siche wol das es dein wille ist, das ich Krist werde (
che io divenga cristiano) Arigo
decamerone 30
lit. ver.; er kam von seines vaters thron, ward einer armen jungfraw sohn Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 302; na, was das übrige anbetrifft, — bin ich vater geworden, so kann ich am ende auch nichts dagegen einwenden, im laufe der zeiten groszvater zu werden W. Raabe
s. w. II 5, 89
Klemm; der gemäszigte wird über nacht erzradikaler und ultraterrorist St. Zweig
Fouché (1954) 22;
meist einer berufs-, funktions-, rang- oder standesbezeichnung; den eintritt in einen rang, stand oder ein dienstverhältnis bezeichnend: thaz er uuard ... kuning thero liuto Otfrid I 3, 20
Kelle; ich wurde ê münch ze Toberlû Walther v.
d. Vogelweide 76, 21
Kraus; nachmals auch mir, dasz ich magister und doctor bin worden, geholfen (1537) Jac. Schenk
bei Luther
briefw. 8, 117
W.; auff das richteten die ROemer all jre macht an die Gallier, jr glück zuowagen, bischoff oder bader zuowerden (
zu siegen oder zu unterliegen) Stumpf
Schweizer chron. (1606) 161
b; mittler, brg fr jemand werden
entrar mediatore, mallevadore (
cautione)
per uno Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1327
b; die hoffnung ..., wieder minister zu werden Archenholtz
England u. Italien (1785) 1, 1, 37; er war seconde-lieutenant geworden Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 203; es müsse sich doch auch erst zeigen, ob der Peter wirklich geistlicher werden wolle O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 238.
so auch im nordfries. und in dt. mundarten: hî wârt prêrster Jensen
nordfries. 676; hā es schetz
ekēnich wō
arn Heinzerling-Reuter
Siegerland 320; er ist amme (
amtmann) worde Hunziker
Aargau 293.
hinzutretendes ein
kennzeichnet die '
zielgrösze'
als exemplarischen vertreter einer gattung: wurd ich sus ein roubære Rudolf v. Ems
Barlaam 168
Köpke; Noah aber fieng an und ward ein ackerman
1. Mos. 9, 20; wann er aber ein buob wirt, so schilt ich jn
schöne weise klugreden (1548) 47
b; o mensch, beweyne deine sünd, vm welcher willen gottes kind ein mensche muste werden Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 302 (
daneben: wirst mensch
ebda 328; wär er nicht mensch worden
ebda 330);
[] Bullus ist ein artzt geworden und versteht das handwerck nicht Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 129
Neukirch; so hatte man die anwartschaft, ein landbote auf dem babinischen reichstage zu werden Joh. El. Schlegel
w. (1761) 5, 427;
so noch im neueren dt.; doch gemeinhin nur noch '
bei den bezeichnungen des geschlechts und des lebensalters, sowie bei den eigenschaftsbezeichnungen' (Behaghel
dt. syntax 1 [1923] 88): der bildner gleichenfalls vergleicht sich eben dem reiter, der den hals darangegeben, wie Hemelink auch gethan, ein held geworden, durch seine manneskraft ritter vom orden Göthe I 2, 157
W.; er ist kein kind mehr ... er ist ein mann geworden Tügel
Sankt Blehk (1934) 261; sie (
anrede) wollen ein Rauch, sie wollen ein Hähnel werden! bilden sie sich nur das nicht ein! ... das, was man sich nicht einbilden sollte, war: ein groszer künstler zu werden, will heiszen, überhaupt ein künstler zu werden Gerh. Hauptmann
prosa 3 (1956) 341 (
daneben: meine absicht, künstler, und zwar bildhauer zu werden
ebda 325,
wo künstler
einfach berufsangabe ist);
sonst, insbesondere bei berufsbezeichnungen, nur noch vereinzelt: ich ... will ein jäger werden Göthe I 24, 4
W. (
daneben: der ... förster geworden war
ebda I 21, 35); mutter, ich möchte ein ritter werden H. Hesse
fabulierbuch (1935) 73.
auch die fügung mit der, die, das
bleibt auf gelegentliche anwendungen beschränkt: ich darf für dich der edlen kunst mich weihn; denn du, geliebte, willst die muse werden und stiller schutzgeist meiner dichtung sein Novalis
schr. 4, 51
Minor; im Orient ... ward der wahrsager der tyrann und der gehülfe der herrscher Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 93; sie (
prinzessin Orsini) ward die freundin der jungen königin, sie beherrschte den schwachen Philipp
F. C. Schlosser in:
d. 18.
jahrhundert (
51879) 1, 40;
hingegen ist die verbindung mit einem possessiv bestimmten prädikativum seit frühdt. zeit geläufig: et factus est dominus protector meus vnde uuard got mîn scherm Notker 2, 51, 12
Piper; si ward mein herr und ich ir knecht, nu ist mir sicher ungedrot Oswald v. Wolkenstein 39, 4
Schatz; wenn du die Ursel nimmst, wirst du mein tochter-mann Chr. Reuter
harlequins hochzeit-schmausz 60
ndr.; Ewald ward im kurzem sein vertrautester gesellschafter Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 181; du wirst dann wirklich meine frau Storm
s. w. (1898) 1, 6.
als feste wendung findet sich herr (meister) werden: ee ich die rechte kunst erfandt, darinn ich yetz bin meister worden Murner
narrenbeschwör., in: dt. schr. 2, 111
Spanier; ein herr über ihrer mutter ducaten zu werden Grimmelshausen 2, 340
Keller; wenn du meiner nicht herr wirst H. Hesse
fabulierbuch (1935) 101. II@A@22)
im genitiv. II@A@2@aa)
der übergang in ein besitz- oder zugehörigkeitsverhältnis wird bezeichnet (
s. O. Behaghel
dt. syntax 1 [1923] 578
ff. und vgl. II B 1 a): daz sie (
die Ägypter) schebedîg uuurden unde tôdes Notker 2, 319, 9
Piper; die werden ouch der aller hœhsten in dem himelrîche (
gehören auch zu den allerhöchsten) Berthold v. Regensburg
pred. 1, 328
Pf.-Str.; ob ein eigen des riches wirt also daz ez an daz riche erstirbet
Schwabenspiegel 215
Lassberg; sollichs ermessen frumm erber leüt vnder den bAettel Oerden, das sie also das allmuosen essen vnd nichts lobwirdigs dar vmb thuond ... vnd fOerchten sünd do by, das sie so vnuerdient den leüten sOellen iren bltigen schweiss ab essen vnd do by des teüfels werden (
dem [] teufel anheimfallen, verdammt sein) Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 99
ndr.; desz radts vnd desz regiments werden, in radt kommen
adire ad rempublicam Maaler
teutsch spraach (1561) 489
b;
vereinzelt noch in neuerer literatursprache (
s. auch die belege teil 11, 1, 1, 271): (
Kunegunde:) ... denk, schwester! vor drei jahren hat unser vater eine von uns beiden dem pfalzgrafen zur ehe versprochen ... ich kann's nun nicht sein; ... auch du wirst des pfalzgrafen nicht; (
Beatrix:) warum? wer wird denn meines vaters wort erfüllen? J.
M. Babo
Otto v. Wittelsbach 39
Reclam; Eduards werd' ich nie! Göthe I 20, 370
W.; ich möchte oft des teufels drüber werden (
auszer mich geraten), dasz ich immer glauben musz, die kirchenmusik habe uns verlassen Brentano
ges. schr. (1852) 5, 336;
für das nordfries. bezeugt Jensen 677: dy wârst jë wil rîn dës döîwels
du wirst ja wohl rein des teufels. II@A@2@bb)
der eintritt in einen anderen zustand wird ausgedrückt (
s. Behaghel 1, 581
ff.):
et cum factus fuisset annorum duodecim inti mit thiu her uuard giuuortan zuelif iaro
Tatian 12, 2
Sievers; des wart vil unmuotes der Kriemhilde lîp
Nibelungenlied 2024, 2
Zarncke (
fassung C; bei B: des wart in unmuote); er aber ward vnmuths vber der rede
Mark. 10, 22; dargegen die boszhaftigen curtisanen vnd Romanisten ... iren stoltz vnd übermuot gegen mir, etwas nidergelassen, sich vast jngethon, vnnd kleines lauts worden U. v. Hutten
opera 1, 448
B.; aber dieweil sie jrem begeren nach gnugsam gesehen, ... wolt sie nicht weitter für reysen, besonder ward fürhabens zu rück zu ziehen
Amadis 70
Keller; mutare consilium anders rahts werden
nomencl. lat. germ. (
Hamb. 1634) 227; so wurden sie raths (
beschlossen sie), ihn wieder abzunehmen Bode
Tristram Schandi 3 (1776) 22.
nhd. nur noch in wendungen wie anderen sinnes, anderer meinung werden;
s. auch Jensen
nordfries. 677
und Damköhler
Nordharz 226. II@A@33)
fügewörtlich angeschlossen (
s. auch dt. gramm. 4 [1898] 979
ff.). II@A@3@aa)
durch in;
so nur vereinzelt im älteren dt. (
weitere nachweise dt. gramm. a. a. o. sowie PBB. 26, 552):
et erunt prava in directa et aspera in vias planas inti uuerde abahu in rehtu inti unebanu in slehta uuega
Tatian 13, 3
Sievers; insbesondere vom hineingeraten in einen anderen zustand: in abulgi ouh sie wurtin, mit imo iz saman zurntin Otfrid IV 19, 60
Erdmann; des wart in unmuote der lewe, wânde er wære tôt, und was im nâch dem tôde nôt Hartmann v. Aue
Iwein 3950
Benecke-Lachmann; oder eine andere lage, so in der frühnhd. wendung jem. in die hände werden (
s. I C 2). II@A@3@bb)
durch zu (
vgl. W. Wilmanns
dt. gramm. 3, 2 [1909] 679). II@A@3@b@aα)
das prädikativum ist II@A@3@b@a@aaαα)
eine sachbezeichnung: dic ut lapides isti panes fiant quid thaz these steina zi brote uuerden
Tatian 15, 3
Sievers (
ebenso Otfrid II 4, 40
E.); von des steines kraft der fênîs verbrinnet, daz er zaschen wirt Wolfram v. Eschenbach
Parzival 469, 9
Lachmann; der tag, der da nimmer zu abende wirt
altdt. pred. 1, 229, 11
Schönb.; waffen, welche ... zu staub und asche worden Lohenstein
Arminius (1689) 1, b 1 a; ach, wer heilet die schmerzen desz, dem balsam zu gift ward? Göthe I 2, 62
W.; ... die lorbeern werden ... zu palmen Körner
w. 1, 115
H.; so auch im nordfries. und in dt. mundarten: dî mënske wârt wyder tâ stôf
der mensch wird wieder zu staub Jensen
nordfries. 677; s het griesknöpfle
n sölle
n gë
ben,
[] jetz is
t alles ze bäpp wor
de
n Martin-Lienhart
elsäss. 2, 847.
seit dem späten mhd. wird das prädikativum meist mit dem artikel verbunden: das er ... czuo ainem menschen worden sey
Sankt Afra 861
Wilhelm; es brent zeitlich was zur nesseln werden wil
schöne weise klugreden (1548) 36
b; dieses lasz in einem tiegel auff einen kohlfeuer zu einer salben werden Martin Böhme
rosz-artzney (1618) 118; die erde sinkt, wird ihr (
königin Luise v. Dänemark) zum leichten staube; und, nun entschlummert sie Klopstock
oden 1, 100
M.-P.; von natur besitzen wir keinen fehler, der nicht zur tugend, keine tugend, die nicht zum fehler werden könnte Göthe I 24, 193
W.; jetzt wurde er zwischen den ... weinbergsmauern zum hohlwege O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 607; durch die gährung wird der most zum wein Muspratt
chemie 9 (
41921) 114; sie allein werden zum schicksal ihres volkes H. Hesse
Zarathustras wiederkehr (1924) 41.
als feste wendungen begegnen zu schanden werden, zu wasser w.
und zu nichte w.,
die einen miszerfolg, fehlschlag oder unglücklichen ausgang einer entwicklung bezeichnen: an dih kedington sie, unde be diû neuuurden sie ze scandon Notker 2, 67, 7
Piper; es sol och nieman sinen win lesen, die wil der ban wart ... es were denn daz ainer in dem twing gesessen geseche, daz der win ze schanden und verloren wurde an sinen reben (1426)
weistümer (1840) 6, 334; die mechtig stat Rom ... ist durch zwitracht zuo nichtz, v durch die Gotten v Hunen ellendlich zerrissen worden Gebweiler
lob Marie (1523) 44
a; das ist zu nicht worden Lehman
floril. polit. (1662) 1, 130; ward nicht aus zwiespalt blosz ... euch zeit und volk und ruhm zu schanden? Gottsched
ged. (1751) 1, 8; ich gieng in mich selbst, woher ... die besten anschlAege zu wasser wrden (1763) Fr. Carl v. Moser
schr., in: briefe, die neueste litt. betr. 18 (1764) 50; und auch dieser geringe erfolg wurde zunichte
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 128.
ferner —
mit hinzutritt einer dativischen bezugsgrösze — zu teil werden (
vgl. I C): das geweichte (
sakrament) im ze teyle ward Arigo
decamerone 27
lit. ver.; tausent ... den keyner ley dinst oder hilffe ze teyle worden, alle on vnterlasz sturben
ebda 7; warumb ist er nit dester weyter vmbgeritten, das er den veinden nit zutail worden (
in die hände gefallen) wAere? (1509)
Fortunatus 21
ndr.; vnd wer obsigen thut mit heyl, dem wrdet Helena zu theil Spreng
Ilias (1610) 34
b; die würden, ehren und auszeichnungen, die uns da zu theil wurden (14. 4. 1816) Göthe IV 26, 339
W.; sie turnen mit Astolf, und sonder weile wird ihnen beiden gleicher fal zu theile Gries
Bojardo (1835) 1, 60;
und zu willen werden '
willfahren': wo ich sölichen erbern manne und schönen frawen möchte ze liebe und willen werden Arigo
decamerone 17
lit. ver.; er huob auff (
das glas) und tranck, vmb das er ir zuowillen wurd (1509)
Fortunatus 109
ndr.; du (
Cupido) wOellest mir zu willen werden Spreng
Ilias (1610) 18
a; einem jeden zu dienst und willen werden Güntzel
t.-it. (1648) 866.
auch sonst tritt auszer dem prädikativum oft noch eine dativische bezugsgrösze hinzu (
vgl. die entsprechenden belege unter II A 1 a
sowie unter sein
teil 10, 1, 280
f.):
et erunt preda his qui seruiebant sibi endi si uuerdant zi scaahche dhem im aer dheonodon
Isidor 11, 2
Hench; des getrôster sih unde gelobete daz einwîch. daz wart ime sint ze leide Lamprecht
Alexander 4646
Kinzel; [] dô neic si mir vil schône. daz wart mir ze lône Walther v.
d. Vogelweide 74, 34
Kraus; die kleynen fischlin, welche one das den grosen andern fischen zur speiss müssen werden Sebiz
feldbau (1579) 466; dass er yederman zum gespOett worden Stumpf
Schweizer chron. (1606) 251
a; zur last wird mir das dankgefühl für so viel güte werden Müllner
dram. w. (1828) 5, 26; lasz nicht dem sturm zum raube uns werden in der rettung sturmgetösen Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 24. II@A@3@b@a@bbββ)
eine personenbezeichnung: tho er (
Christus) ward zi mannebi sie zi irsterbanne Otfrid V 12, 27
Erdmann u. ö. (
daneben: thaz wort theist man wortan
et verbum caro factum est II 2, 31); do das kind zu manne wardt, das dett nach seines vaters artt Heinrich v. Neustadt
Apollonius v. Tyrland 230
Singer; dieser tyrann zu künig wart H. Sachs 1, 223
lit. ver.; als die mit kummer vnd beschwerden zu wittwen vnd zu waysen werden Spreng
Ilias (1610) 80
a; am schlusse dieser höchst wahrhaften geschichte, als sie selbst zu einem mährchen und alle darin verwickelten hohen und niederen standespersonen zu kindern geworden Brentano
ges. schr. (1852) 5, 3;
seit mhd. zeit meist mit dem artikel verbunden: und wirt mir z'eime trûte daz minneclîche wîp, ich wil durch dînen willen wâgen êre unde lîp
Nibelungenlied 332, 3
Bartsch-de Boor; seit ich pin worden gar zu ainem kinde Oswald v. Wolkenstein 95, 21
Schatz; wer er ein Krist on czweiffel er zuo einem Juden würde Arigo
decamerone 30
lit. ver.; kein messer ist, das schAerpffer schirt, dann wann ein knecht zum herren wirt K. Scheit
Grobianus 76
ndr. (
vgl.: kein schermesser das herter schirt, dann so ein bettler ein herr wirt
schöne weise klugreden [1548] 39
b); Amaryllis, sag' uns doch, wie viel jahre seind verflogen, seit dein treuvergessner mann von dir in den krieg gezogen? ei was wolt ihr also fragen, forschet nur, wie manches mal ich hernach zur mutter worden, dies ist ihre rechte zahl J. Grob
dicht. versuchg. (1678) 75; zum narren werden
diventare pazzo, impazzire Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1477
b; ich, die bin frei nach aller welt berichten, nichts über mich erkennend, das mich zwinge, ward hier im wunderbaren lauf der dinge zur magd und schäme dessen mich mitnichten Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 36; wenn darum Joseph Fouché in Lyon zum massenhenker wird St. Zweig
Fouché (1954) 41. II@A@3@b@a@ggγγ)
ein nomen actionis oder ein infinitiv. dieser gebrauch findet sich nur in einigen festen wendungen des älteren dt. zu wissen werden
zur kenntnis kommen, bekannt werden: ... unkund harto ist iz iu, iz uuirdit ethesuuannethoh iu zi uuizanne Otfrid IV 11, 28
Kelle; ecce nuntiatur aduenire subito deorum pronuba târ uuard zeuuizenne, daz tero goto hîreisara zûofûore Notker 1, 814, 9
Piper; duo si dô wart ze wizzen, daz si mahte sizzen, dô frâcte si der vischære (
der fischer rettete sie vor dem ertrinken)
kaiserchron. 11908
Edw. Schröder; wann nit ist so bedeckt das nit werd eroffnet: noch so verborgen das nit werd zewissen
erste dt. bibel 1, 38
lit. ver.; do wart is dem andirn huffin zu wissen, do des bischoufes vitzthum ynne was (
anf. 15.
jh.) Joh. Rothe
[] düring. chron. 554, 17
Liliencron; auch mnd.: do wart om to wetende dat Grifo to Wasconien were erslagen (14.
jh.)
Magdeburger schöppenchron. 22, 23 (=
städtechron., bd. 7); in den tiden wart keiser Hinrike to weten dat ...
ebda 42, 14. zu rate werden
zu rate gehen, beratend zu einem entschlusz kommen (
s. auch teil 8, 168
sowie mhd. wb. 2, 1, 567): nû wurden si alsô drâte under in ze râte wiez verholen möhte sîn Hartmann v. Aue
Gregorius 683
Paul-Leitzmann; Willehalm wart zu rate mit den rittern die er da hate, wie er den Sarrazinen einen schaden mit den sinen mOehte getuon oder ein herzeleit (
mitte 13. jh.) Ulrich v. Türheim
Rennewart 13711
Hübner; ward man zu rat, dasz man es (
das korn) solt von weil zu weil aufgeben und herhaim schicken (1466)
städtechron. 5, 160, 1 (
Augsburg); die von Schwitz ... wurdend einhellig ze rat von ir vordern marchen nit ze wychen (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 70; do werent si des in Elions hus zu rate worden, wie sie die armen lute ermurden wolten (
um 1600)
Endinger Judenspiel 94
ndr.; auch mnd.: he wart to rade dat he toch to Rome (14.
jh.)
Magdeburger schöppenchron. 55, 4 (=
städtechron., bd. 7). zu rede werden
zu reden beginnen, sich besprechen: diu ... künigîn von hôher art ze rede mit dem künige wart Konrad v. Würzburg
Engelhard 664
H.; sy wurden von vil sachen mit einander zuo rede
volksb. v. Pontus u. Sidonia (1498) f 6
a; vnnd seind also vnter ainander zuored worden Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 41
a; ich weiss nicht wie wir des Nicodemi zuored wurden, wie der ein heimlicher junger gewest Joh. Nas
eins vnd hundert 4 (1569) 253
b; die zwen edlen jüngling ... vil und mancherley zuo red wurden Wickram
w. 1, 24
Bolte; zu red werden, ungefehr zu red werden
venir' in concio à parlare di qualche cosa; man wurde zu red, ob ...
si venne à questione, se ... Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1327
c;
so noch im bair.: sán' davo~ zú réd wo'n Schmeller-Frommann
bair. 2, 990;
weitere literarische belege s. v. rede
teil 8, 454. II@A@3@cc)
durch wie
oder so,
wobei eigentlich eine vergleichsgrösze ausgeschlossen wird: et factus est sudor eius sicut gutte sanguinis uuart tho sin sueiz samaso tropfo bluotes
Tatian 182, 3
Sievers; nim hauswurtz ein handvoll, zerstosz sie mit frawenmilch vnd mit ein wenig rosenwasser, das es werde wie ein pflaster Gäbelkover
artzneybuch (1595) 5
b; ich wollte anders werden. o! ich wollte werden wie sie (
die geliebte) Hölderlin
s. w. 2, 67
Hell. mundartlich: a werd wie a kāse am gesichte. a wurde wie a blutt unterm gesichte Rother
schl. sprichw. 165
a. II@BB.
mit einem pronomen (1)
oder einem pronominal eingeleiteten gliedsatz (2)
verbunden. II@B@11) II@B@1@aa) mein werden
u. dgl.; den übergang in ein besitz- oder zugehörigkeitsverhältnis bezeichnend (
s. II A 2 a): 'wer ist iz', quad er, 'druhtin? theih mit giloubu werde sin!' Otfrid III 20, 175
Erdmann; 'myn entsint sie nicht', sprach der ritter, 'sie sint uwer ...' 'myn enwerdent sie nymer', sprach er (
der knappe)
Lancelot 1, 146, 12
Kluge; kOents ie nit seyn esz wrde mein? Spee
trutznachtigall (1649) 23; Mariane ward wider meinen willen die ihre (
anrede) Göthe I 23, 96
W. II@B@1@bb) das (es)
oder etwas (nichts) werden: denn du thust gott keynen dienst, das du freyest, on ehe bleybest, knecht, frey, dis odder das werdest (1523) Luther 12, 131
W.; wenn ihr krank seyd — nur die leiseste ahndung habt es zu werden, so laszt mich — ich will
[] zu gelegnerer zeit zu euch reden Schiller 2, 14
G.; es ist eine ehre für Jena und Weimar, dasz andre universitäten uns plündern müssen, um etwas zu werden, u
nd dasz etwas gutes bei uns zu holen ist (4. 9. 1803)
ders.,
br. 7, 68
Jonas; ich hätt' es gern euch recht gemacht, es wäre aber nichts geworden Göthe I 3, 320
W.; mädchen sind dumm und werden doch nie was Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 62.
auch jem.
oder einander etwas werden: wir wollen langsam anfangen, sagte Wieland, wir wollen uns zeit nehmen, einander etwas zu werden (24. 7. 1787) Schiller
br. 1, 355
Jonas; da kann ich denn doch hoffen, den freunden noch etwas zu werden (18. 1. 1823) Göthe IV 36, 279
W. werden
mit pronominalem prädikativum ist mundartlich weit verbreitet: ût niks word niks Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 570; mit dat pêrd kann ik nix weren
nicht fertig werden; buten kannst du noch nix weren
nicht arbeiten Böning
Oldenburg 131; dadraus wird nischt
das geschieht nicht Brendicke
Berlin 192
b; die köän bei mei nüscht mihr wern (
hat ausgespielt) Lademann
Teltow 279; aus den zweien wird noch 'was
nämlich ein ehepaar Albrecht
Leipzig 235; er ist's îm worden (
d. i. herr) '
er hat ihn im streite überwältiget' Schöpf
Tirol 813; bis
t eps wor
dd
n?
hast du verloren? (
beim kartenspiel) Martin-Lienhart
elsäss. 2, 847; isch er's worte?
ist er (
zum landrat u. ä.)
gewählt worden? Seiler
Basel 311; er i es wórde Hunziker
Aargau 293. II@B@1@cc) das (es) werden, was
u. ä.: es ist jetzt einer zur stund oder ists gewest weylandt oder kan es werden zur hand, was ein ander ist Lehman
floril. polit. 2 (1662) 523; was deine mutter uns, das wirst du ihnen werden König
ged. (1745) 160; meine absicht bey diesem werke ist, zu zeigen, wie Deutschland ... das worden ist, was es wirklich ist
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 3; (
Gothland:) wie gleichgültig eilt dieser Arboga an das scheuszliche geschäft des mords! er scheint mir das zu seyn, was ich noch werden musz! Grabbe
s. w. 1, 269
Bl.; du also wirst das werden, mein sohn, wozu ich dich bestimmt habe Immermann
w. 1, 27
Hempel. II@B@1@dd) werden
mit relativem oder interrogativem was
verbunden: was hasset doch den edelmann der bürgersmann so viel? er neidet das, was er nicht ist und gerne werden wil Logau
sinnged. 209
lit. ver.; was soll dein sohn werden, sag mir einmahl? Lenz
ges. schr. (1828) 1, 4; was wir geworden sind, ist er (
Max) gebohren Schiller 12, 149
G.; mein talent steigt und stirbt mit deiner liebe; was ich werde, werde ich durch dich und um deinetwillen (4. 5. 1842) A. v. Droste-Hülshoff
br. 54
Schücking; er aber (
Hans Unwirrsch) wuszte nicht, wer sie waren, und was sie ihm werden sollten W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 248.
als verbreitete redewendungen finden sich in landschaftlicher umgangssprache: wat schal dâr ût (dâr fan) worden? Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 570; wat ward darut waren? Dähnert
plattdt. 538; wat ut'n minschen ni all warrn kann! Mensing
schlesw.-holst. 5, 532; wat salliken wern (
beruflich), vater? Lademann
Teltow 279; was wird's? (
halb fragend, halb drohend: wirst du das tun oder nicht?) Spiess
Henneberg 281; wos sōl n ds wārn, wenns fertich īs? Rother
schl. sprichw. 328. II@B@22)
in verbindung mit einem gliedsatz: was wir geworden, wurden wir durch sie (
anrede)! Schiller 6, 3
G.; [] auch durch sie ist er (
Mozart) geworden, was er war O. Jahn
Mozart (1856) 3, 161; andre machen ihn so, wenn er wird, was ihr von ihm meint E. Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 247; schon ward ich was ich will St. George
stern d. bundes (
21914) 4. II@CC.
mit einem adjektivischen oder adverbialen beiwort. II@C@11)
allgemein seit frühdt. zeit; im neueren dt. treten solche fügungen zunehmend an die stelle der alten inchoativa des typus nazzēn, irnazzēn / nasz werden (
s. auch Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657
und über das inhaltliche verhältnis zwischen erröten / rot werden
u. dgl. Sanders
wb. d. dt. synonymen [1871] 728
f.). II@C@1@aa)
mit der grundform verbunden, die im älteren dt. meist, im nhd. stets unflektiert bleibt (
s. W. Wilmanns
dt. gramm. 3, 2 [1909] 738
u. O. Behaghel
dt. syntax 1 [1923] 218
ff.):
salva ero thanne uuirdu ih heil
Tatian 60, 4
Sievers; ez wirt ein man der sinne hât vil lîhte sælic unde wert Reinmar
in: minnes. frühl. 150, 10
Kraus; wer vor xx. jaren nicht hübsch wirt vnd vor xxx. jaren nit starck vnd vor xl. jaren nit witzig, vor fünfftzig jaren nit reich, an dem ist alle hoffnung verloren
schöne weise klugreden (1548) 76
a; also sol auch kein mensch auff erdn nur darumb euangelisch werdn Ringwaldt
laut. warh. (1588) 23; du wirst nicht mächtig, wirst nicht reich, jedoch den gröszten helden gleich Göthe I 6, 50
W.; der tag wird lieblich und die nacht wird helle
ebda I 1, 7; es ward bald unmöglich, ein system mit gewalt aufrecht zu erhalten, welches selbst von denen, auf deren vortheil es berechnet war, untergraben ward
F. C. Schlosser
gesch. d. 18.
jahrh. (1874) 1, 13; und von dem blute des reitersiegs ward rot der blaue flusz Münchhausen
balladen u. ritterliche lieder (1922) 8.
oft treten weitere bestimmungen hinzu (
vgl. die entsprechenden konstruktionen bei sein
teil 10, 1, 286
f.);
genitivische: tho gab er imo antwurti, thoh wirdig er es ni wurti Otfrid II 4, 91
Erdmann; ... dô sî ûf den anger quâmen, dô wart der meie enphangen wol. herze wurden vröuden vol, die mägden wol gezâmen Neidhart 31, 33
Wiessner; trutz-nachtigal mans nennet, ist wund von süssem pfeil: die lieb esz lieblich brennet, wird nie der wunden heil Spee
trutznachtigall 3
ndr.; die einz'ge speise, deren man nicht satt kann werden, ist der kusz Grabbe
s. w. 2, 34
Bl.; akkusativische: vnd derselb Lucas do er ward lxxiiij iar alt do starb er
erste dt. bibel 1, 190
lit. ver.; er war dreiszig jahre alt geworden Göthe I 46, 21
W.; herrn ..., dem ich ... viel schuldig geworden (6. 3. 1817)
ebda IV 28, 2;
präpositional angeschlossene substantive: sô müezt ir zuo der vert gâhens werden bereit Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 22236
Seemüller; und da wir einmal von seiner babylonischen gefängnus frei sein worden durch gott (7. 1. 1537) kurfürst Johann Friedrich
bei Luther
briefw. 8, 6
W.; Schulz ist seit samstag hier, sehr alt geworden an seele und leib (26. 10. 1847) Herwegh
br. (1896) 35;
und infinitive: zue endt desselben, alss die Juden noch nit verreisst, sie rettig wurden, arm Christen leuth heimblich zue tödten
Endinger Judenspiel 21
ndr.; [] hie wollen wyr eyn weyle stillhallten, das nit werde das buch tzu grosz unnd ubirdrussig tzu leszen Luther 10, 1, 1, 278
W.; doch, freund, ich werde müd mit narren umzugehn. mein kurzes urtheil soll in diesem satz bestehn: ... Pfeffel
poet. vers. (1802) 1, 105; die meisten gingen ihrer wege, einige konnten aber gar nicht fertig werden, mir gute nacht zu sagen Brentano
ges. schr. (1852) 5, 173; vor kleinen wasserfällen, die ihnen (
lachse) bei geschwächter kraft schwer zu überwinden werden Ritter
erdk., 3.
teil, 2.
buch, bd. 2 (1833) 108;
häufig auch eine dativische bezugsgrösze: mit leru sie unsih thaktin, fon ungiloubu irwaktin, thaz Kriste iz wurti suazi, in herzen unsen sazi! Otfrid IV 5, 30
Erdmann; nichten wurd (
la. nicht enwurd) euch vnmuglich
erste dt. bibel 1, 66
lit. ver.; das trieb den durst frwar herfr vnd wurd jn sehr die leber drr Fischart
w. 2, 30
Hauffen; hülfreich werde dem volke! ... Göthe I 2, 123
W.; in dem gewühl, in dieser menge wird mir die flur, wird mir die luft zu enge
ebda I 2, 32.
in vielen fällen wird eine gradbezeichnung sowie ein vergleichs- oder folgesatz steigernd hinzugefügt: wart ie manne ein wîp sô liep als si mir ist Reinmar
in: minnes. frühl. 173, 27
Kraus; Zirolane ward ... so wehmthig: dasz sie eine gute weile nur mit thrAenen antworten konte Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1114
a; er ist, o gott, mein trost auf erden, lass ihn dafür so glücklich werden, als dein geschöpf es werden kann Pfeffel
poet. vers. (1802) 1, 6; da lernst nit aus und wurdst so alt als wie der höchste baum im wald Stieler
ged. 1, 9
Reclam; so arg wurde der unfriede, dass Ungarn allen ernstes bedacht war, die verbindung (
mit Österreich) ganz aufzulösen Moltke
ges. schr. (1892) 1, 112. II@C@1@bb)
mit einer vergleichsform (
komparativ): also uuîz tûoh uuîzera uuirdit tanneizêr uuâre, unde uuarm uuazer uuarmera uuirdit, ioh chaltera uuirdit, tanne iz êr uuâre Notker 1, 393, 12
ff. Piper; rûmet ûz die schämel und die stüele! heiz die schragen vürder tragen! hiute sul wir tanzens werden müeder. werfet ûf die stuben, so ist ez küele, daz der wint an diu kint sanfte wæje durch diu übermüeder Neidhart 40, 16
Wiessner; dasz sie sollten durch mein gunst und forderung in ihrem irrtumb gestärkt und ärger werden (11. 6. 1537) Luther
briefw. 8, 90
W.; damit ich, nach einem so lang unterbrochenen verhältnisse, ihnen (
G. W. A. v. Pape) wieder näher werden möge (28. 3. 1797) Göthe IV 12, 81
W.; das verhältnisz der philosophie zur theologie ward freier W. G. Tennemann
grundrisz d. gesch. d. philos. (
41825) 307; 'später wird's schöner', sagte der krebs, als er im kalten wasser aufs feuer gesetzt wurde Lüpkes
seemannsspr. (1900) 127; das wird besser werden (17. 9. 1902) Rilke
br. 1 (1950) 38.
oft mit steigerndem zusatz: das ich yhe lenger yhe fester und stercker werde mit gotts gnaden ynn meiner lere (1527) Luther 23, 37
W.; die guldin zeit ... sey ... nicht mehr bey vns die wir immer Aerger und bOeser werden, zu verhoffen K. Scheit
Grobianus 4
ndr.; dahero sie noch schelliger worden Grimmelshausen 2, 331
Keller; sie (
die welt) wrde viel besser geworden seyn, woferne ... Kästner
verm. schr. (1755) 1, 7; er wird mir immer lieber darum maler Müller
w. (1811) 1, 55;
[] duft-nebel wirbelte von kühlen narden mit denen die vereinten höherem raume entgegenschwebend immer lichter warden — bald eines mit dem reinen äther-flaume St. George
jahr d. seele (1929) 66;
und nachdrücklicher wiederholung des komparativs: da wurd' es mir immer wirbligter und schwirbligter im kopfe E. T. A. Hoffmann
s. w. 4, 97
Gr.; immer müder und müder wurde ihr Gutzkow
zauberer (1858) 1, 73. II@C@22)
besonders geläufige verbindungen, vornehmlich mit solchen beiwörtern, die lediglich prädikativ gebraucht werden oder sonst gemeinhin in anderer bedeutung auftreten. II@C@2@aa)
persönliche konstruktionen. II@C@2@a@aα)
ohne weitere bestimmungsergänzung. II@C@2@a@a@aaαα) aufmerksam, flüchtig, lebendig, nüchtern, trunken, voll, wach werden: dich wecht der durst und anders nicht. nur trinch hinwieder und wirt vol! Peter Suchenwirt 121
Primisser; (
wenn gott sieht, dasz) es in zuo vil wil werden, so enzúhet er in daz bevinden und den trost und den starcken wine und machet sú, das sú also trurig werdent ... und also nhtern alsô sú ie truncken wurdent Tauler
pred. 54, 6
Vetter; wie ... Cayn seynen bruder Abel zutodschlug vnd flchtig ward
erste dt. bibel 3, 462
lit. ver.; lassen vns guoten win trincken vnd voll werden Zwingli
v. freiheit d. speisen 30
ndr.; damit warden sie landreumig und wichen usser land
Zimmer. chron. 21, 48
Barack; er stahl ... auf eine so grobe art, dass er ... flüchtig werden muszte Klinger
w. 3 (1815) 85; wenn Raphael darüber aufmerksam wurde
ebda 4 (1815) 11; der betrunkne ward nüchtern
ebda 3, 79; alle bäume, alle büsche scheinen lebendig zu werden Göthe I 2, 87
W.; fromme schläfer, schwarze mönche, werdet wach in eurer zelle Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 40. voll(er) werden
ist zuweilen mit einer bestimmungsergänzung verbunden: alsbald ich aber ward voll wyn H. R. Manuel
weinsp. 3090
ndr.; da auff antreiben der geistlichen alle tempel voller gold wurden Mathesius
Sarepta (1571) 45
b. II@C@2@a@a@bbββ) gut werden
in frühnhd. rechtssprache für '
bürgend, haftbar werden': do hette uwer gnade mir bevolhen, für solich gelt, mit namen zwölff gúlden, guot zuo werden (14. 3. 1468)
bei Steinhausen
privatbr. 1, 83; vor dissen briff und vorzcicht ist G. P. gut worden (1506)
gerichtsbuch d. st. Cassel 292
Stölzel; noch für sie gut oder pürg werden wöllen
ges. d. neuen ref. d. st. Nuremberg (1564) 29, 4; fr einen, fr allen schaden gut werden
rispondere, far cautione, entrar mallevadore per uno Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1328
a. II@C@2@a@bβ)
mit bestimmungsergänzungen verschiedener art. II@C@2@a@b@aaαα) einer sache ansichtig, bar, bewuszt, brüchig, eingedenk, fällig, gewahr, inne(n), los, mächtig, schlüssig, teil-haftig werden: uuola chad si. uuard ih tes tô geuuar Notker 1, 126, 22
Piper; mirn kunde ez nieman gesagen: nu bin ichs vil unsanfte worden inne Reinmar
in: minnes. frühl. 166, 33
Kraus; dô si der helme wurden bar und si des kunigs wurden gewar Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 835
Seemüller; als aber er vil hergt in der haidenschaft, ward er in gar manigen stucken des heiligen gelaubens vellig Ulrich Füetrer
bayer. chron. 158, 2
Spiller; das wir der zusage ... nicht bruchig wurden (6. 4. 1537) Luther
briefw. 8, 65
W.; wann er sein ansichtig würt
schöne weise klugreden (1548) 149
a; das xx. capitel. was sie vor eine schOene kOechin dingen, und wie sie mit gottes hlff jhrer wieder losz werden Grimmelshausen
Simpl. 555
Kögel; [] Adam möchte sonst leicht deines kummers inne werden maler Müller
w. (1811) 1, 62; die jungen cavaliere, einem müszigen und üppigen leben ergeben, würden dennoch ... befördert, ohne des dienstes mächtig geworden zu sein Ranke
s. w. 31/32 (1877) 38; doch in des lebens wildem strudel ward ich des zieles mir bewuszt Geibel
ges. w. (1883) 1, 2; endlich, wie aus träumen munter, ward ich ihrer (
der harfe) eingedenk, und sie stieg zu mir herunter, meiner jugend weihgeschenk Rückert
ges. poet. w. 7 (1882) 87; um der kunst teilhaftig zu werden Weismantel
A. Dürers brautfahrt (1956) 286.
auch mundartlich: dâ is hochtîd ewest, un wî sind nits dervon gewâr ewôren Schambach
Göttingen 295; er is
t 's inne wur
de
n Martin-Lienhart
elsäss. 2, 848; mei~ mádl dèrfs net inne~ wern Schmeller-Frommann
bair. 2, 990; los
und gewahr werden
finden sich noch im neueren dt. mit dem genitiv verbunden: um der wölfe ... los zu werden Mommsen
röm. gesch. 2 (
41865) 333; aber des spargelkorbes ... gewahr werdend unterbrach er sich Fontane
ges. w. (1905) I 5, 126;
doch ist der akkusativ üblicher: er schleppte sich ... durch einen fuszweg hinauf, den er zwischen den gesträuchen gewahr ward Wieland
Agathon (1766) 1, 3; er ... wird sie gewahr Lenz
ges. schr. (1828) 1, 74; glücklich, wer den fehlschlusz von seinen wünschen auf seine kräfte bald gewahr wird! Göthe I 21, 127
W.; so angenehm auch der knabe war, so suchte ihn Wilhelm doch bald los zu werden
ebda I 23, 8; um nun diese büchse der Pandora los zu werden Brentano
ges. schr. (1852) 5, 403; da könnt ich den schwarzen teufel los werden O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 338. gewahr
und inne(n) werden
sind oft mit einem gliedsatz verbunden: sed experior re. quod tu dudum dixisti ih uuirdo aber nû geuuar des tû fore châde Notker 1, 304, 10
Piper; vnd do man innen ward, das er des willens was, ain weib zunemen, do was yederman fro (1509)
Fortunatus 63
ndr.; das Agamemnon recht erfahr vnd bey ihm selber werd gewahr, woher jhm diser vnfall kumb Spreng
Ilias (1610) 9
b; du würdest innen werden, du! wesz manns jungblühende gemahlinn du geraubt! Bürger
s. w. 151
b Bohtz. schlüssig werden
mit einem infinitiv: als ich schlszig ward, mich selbst einmal an eben dieselbe arbeit zu wagen Gottsched
crit. dichtk. (1751) 5; allein er konte nicht schlszig werden, welche er darzu erwehlen wolte
Götting. student auf d. alt. schlosse Plesse (1748) 1, 71; so ward er schlssig, sich zu ihnen nach dem Hellespont zu begeben Heilmann
Thucydides (1760) 1167; ich ... ward dannenhero schlüssig, wieder nach Europa zu gehen Schnabel
Felsenburg 60
Ullr. II@C@2@a@b@bbββ) jemandem feind, freundlich, gleichgültig, gram, hold, untreu
sowie anders gegen jemanden werden: in wart nie man sô rehte unmære der ir lop gerner hôrte und dem ie ir genâde lieber wære Reinmar
in: minnes. frühl. 163, 27
Kraus; sî wurden ... ein ander gram Neidhart 24, 3
Wiessner; dir werden die junckfrawen holt, ein jede dich gern haben wolt K. Scheit
Grobianus 147
ndr.; wer sanft und frendlich ist, dem wird man bald geneigt J. Grob
dicht. versuchg. (1678) 29; einem feind werden
diventar nemico ad uno Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1327
b; (
Leonore:) erklAere mir doch deutlich, ob Eraste mir untreu worden sey oder nicht? J. v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 50; ich verzweifelte bey mir selbst, ob er jemahls anders gegen mich werde maler Müller
w. (1811) 1, 74; du würdest sterben ... wenn ich nicht dir freundlich würde Tieck
schr. (1828) 1, 94.
[] II@C@2@a@b@ggγγ) mit jemandem (etwas) bekannt, einig (
im ä. dt. auch inein, überein, eins), fertig werden: ez wirt an iu geheizen mein, daz ich mit iu hiut enein wart mîner geheim und mîner sache Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 625
Seemüller u. ö.; die rauber pald vernamen vnd sachen daz er ein kauffman was; auch villeicht meinten er grosses gelt pey im fürte, vnd mit einander eins wurden einer zeit wenn die käme sie in berauben wolten Arigo
decamerone 59
lit. ver.; das glck ... mit ihnen (
anrede) bekannt zu werden Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, VI; dasz er um weihnachten vorigen jahres mit zwei manuscripten ... fertig geworden J. G. Forster
s. schr. (1843) 7, 147; wenn es (
das pferd) euch gefällt, so werden wir vielleicht des handels einig Göthe I 8, 272
W.; wie es das ziel jedes wesens ist, eins mit dem schicksal zu werden H. Hesse
Zarathustras wiederkehr (1924) 32. eins (
oder inein, überein) werden
ist dem älteren dt. auch ohne präpositionalen anschlusz einer partnerbezeichnung geläufig, im sinne von '
sich einigen (
mit anderen oder sich selber),
beschlieszen': unz daz er aber einer vart durch banekie in eine wart Gottfried v. Straszburg
Tristan 412
Ranke; der stete bischof wart in ein daz er den bischof Nonnum vlizeclichen bat darum
väterbuch 29754
Reissenberger; als sy etlich zeit herschten Bayren und Burgund, wurden die zwen fürsten mit ainmüetigem fürnemen über ain, das sy vliehen wolten Ulrich Füetrer
bayer. chron. 62, 28
Spiller; sie wurden der sachen eins
Eulenspiegel 21
ndr.; als ob man nit am tantz eins wrde, wo sich buole v bbin bald hernach finden wOellen Ambach
von tantzen (1543) d 3
b; wir wurden eins das werk zu unternehmen Göthe I 43, 184
W. II@C@2@a@b@ddδδ) aus jemandem (
oder etwas) klug werden: ich bin der erst' im narren-orden, weil ich so klug aus büchern worden Seb. Brant
narrenschiff 4
Z.; insbesondere verneint ich kann nicht klug daraus werden '
ich kann mich darein nicht finden, den zusammenhang nicht einsehen' (Adelung 5 [1786] 175): Gockel konnte aus dem gekritzel nicht klug werden Brentano
ges. schr. (1852) 5, 69; ich werde aus dem burschen nicht klug Holtei
erz. schr. (1861) 1, 58; Abel wurde nicht klug daraus
M. Hausmann
Abel mit der mundharmonika (1932) 121.
für die Teltower volkssprache bezeugt Lademann 318: ik häbe dät nich kluek jewo(r)
n. II@C@2@bb)
unpersönliche anwendungen. II@C@2@b@aα) es wird dunkel (ernst, gut, heisz, kühl, laut, lebendig, leise, ruhig, spät, toll, unheimlich, wahr; anders, ärger, besser, heller, wärmer): gib urlaub meinem herzen, wann es wil werden spat Oswald v. Wolkenstein 14, 50
Schatz; da es schon fast gantz dunckel worden war Chr. Reuter
Schelmuffsky 16
ndr.; es wird an dir wahr werden
istuc vere in te accidit Steinbach (1734) 2, 1031; wenn es unheimlich wird am platz Göthe I 15, 1, 18
W.; ... denn von rosses hufen wird's im vordern schloszhof laut Müllner
dram. w. (1828) 2, 19; es ist worden kühl und spät, nebel auf der wiese weidet, durch die öden haine weht heimweh; — alles flieht und scheidet Lenau
s. w. 38
Barthel; es schien ernst zu werden Mommsen
röm. gesch. 2 (
41865) 145; eines vormittags, wie er in seinem weingarten, der gut über mannshöhe an der strasze liegt, sich redlich abschwitzt, wird's unten lebendig Anzengruber
ges. w. (1890) 3, 346.
mit gradierendem so
oder zu:
[] nu wachâ, kint, jâ wirt ez dir ze spæte
Wartburgkrieg 29, 10
Simrock; zuletzt wards zu toll (30. 8. 1786) Göthe IV 8, 10
W.; es wurde zu heisz E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 16
Gr.; im kleinen häuschen ... ward es so laut, dasz es sich von weitem wie streit anhörte Bettine
Günderode (1840) 1, 13;
komparativisch: damit es nicht hernach ärger werde denn zuvor (1. 12. 1537) Luther
briefw. 8, 152
W.; der arme esel gar erlag vnd sprach: es will nicht besser wern! den winter thet wider begern Waldis
Esopus 2, 93
Kurz; wenn es nur wermer wirt (10. 2. 1562) erzbischof Anton Brus v. Müglitz
br. 25
Steinherz; gieb es ihm (
dem vieh) zu lecken ... so wird es bald besser mit ihm werden
viehbüchlein C 1
b; es wurd immer heller (28. 10. 1779) Göthe IV 4, 99
W. II@C@2@b@bβ) jemandem wird (es) angst (bange, gut, heisz, hell, kalt, leicht, schlecht, schwül, warm, weh, wohl; besser, freier, schlimmer, wohler): wîlent kalt und wîlent heiz wart ir von süezer minne gir Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 8863
Keller; o wie wol vnd wee würt manchem in der ee
schöne weise klugreden (1548) 62
b; ach wer es mir so gut doch worden, dasz ich vor deinem letsten end dir hett gebotten meine hAend Spreng
Ilias (1610) 353
a; mir wird's so schwül, mir wird's so bang Göthe I 16, 151
W.; himmel ach! so ruft man aus, wenn's uns schlecht geworden
ebda I 2, 158; dem vater ward unter der weile angst, das mädchen müszte ungetauft verscheiden br. Grimm
märchen (1843) 1, 163; wenn ich, mein lieber! nahe dir, wallt rasch mein blut, das träg' sonst schleicht, und sprichst du lieder, wird es mir wie einer gemse luftig leicht Just. Kerner
ausgew. poet. w. 2 (1879) 16; wenn ich mit dir getändelt, ward mir's helle A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 116.
mit komparativ: ... thanne uuirdit imo baz Otfrid III 23, 45
Kelle; nim frischen geiszkAesz, bind jhn mit einem tuch auff das haupt, so wrdt dir basz Gäbelkover
artzneybuch (1596) 1, 3; nun ward mir immer wohler und kecker ums herz maler Müller
w. (1811) 1, 126; ... da ging ich zu Wieland und ward mir wieder freyer Göthe (22. 6. 1776) IV 3, 77
W.; setzt euch nieder. — wird euch besser? Müllner
dram. w. (1828) 1, 51; mir wird schlimmer
ebda 2, 78; i
ch bin krank wor
de
n; jetz wurd's m
ir o
ch nimm
er besser! (
ausruf des erstaunens und schreckens bei einer unerwarteten unangenehmen nachricht) Martin-Lienhart
elsäss. 2, 847.
oft tritt zu mute
verdeutlichend zum prädikativum: ganzer fröiden wart mir nie sô wol ze muote Walther v.
d. Vogelweide 109, 1
Kraus; fröhlich ward's dem jungen hirten nun zu muthe maler Müller
w. (1811) 1, 171; als ich nun ... dem ... mädchen ... meine hand bot, ward mir so weinerlich zu muthe Thümmel
reise (1791) 10, 397; dem herzog wards wunderlich dabey zu muthe (23. 8. 1786) Göthe IV 8, 7
W.; immer besser ... wurde mir zu mute E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 17
Gr.; auch nordfries.: mî wyrd hîn' tâ moîd's
mir wurde schlecht zumute Jensen 677.
[] II@C@2@b@gγ) jemandem wird etwas bekannt (klar, kund, lang, leicht, offenbar, sauer, schwer, zu viel, vonnöten): so chunt uuard în mîn
resurrectio urstendida Notker 2, 8, 25
Piper; ist zwîvel herzen nâchgebûr, daz muoz der sêle werden sûr Wolfram v. Eschenbach
Parzival 1, 2
Lachmann; wie wol nun der glückselig zuachten, dem nye von nöten ward, einen freünd diszer gestalt zu probieren U. v. Hutten
opera 1, 447
B.; die sach (
das schreiben des buchs) ist grosz vnd wirt mir sauer K. Scheit
Grobianus 101
ndr.; dieses gedicht ist bisz dahin allzu wenigen personen bekannt worden Bodmer
abh. v. d. wunderbaren (1740) 3; so bald er ihn (
seinen schmerz) in worte bringen kann, wird das drückende weh seines herzens ihm leichter Herder 15, 210
S.; dies war mir ... zu viel geworden E.
M. Arndt
ausgew. w. (1892) 1, 63; soviel wurde mir klar Holtei
erz. schr. (1861) 1, 6; dann würde mir die verstellung nicht mehr schwer werden Pückler
briefw. (1873) 1, 436.
häufig in verbindungen wie die zeit wird (die jahre werden) ihm lang
oder kurz: ein rehtiu liebe mich betwanc daz ich ir gap daz herze mîn: des werdent mir diu jâr sô lanc, sol ich von der gescheiden sîn Dietmar v. Eist
in: minnes. frühl. 34, 25
Kraus; aber die zeit wird mir zu kurz (3. 1. 1538) Georg Karg
bei Luther
briefw. 8, 183
W.; machten jn allenthalben bang, das jn beid zeit vnd weil wardt lang Waldis
Esopus 4, 57
Kurz; die zeit wird ihm lang Lessing 1, 336
L.-M.; damit mir die weile in dem schönen garten nicht zu lang wurde Göthe I 22, 298
W.; wo bleibt er nur? mir werden zeit und weile lang R. E. Prutz
d. polit. wochenstube (1845) 127;
sowie in der wendung es sich sauer werden lassen: es würt keim nicht, es muosz jms sawr lassen werden
schöne weise klugreden (1548) 29
b; er läszt es sich sauer werden
gibt sich viele beschwerliche mühe Adelung 5 (1786) 175; vor dem weiler an der kirchhofmauer läszt der seiler sich es werden sauer Rückert
ges. poet. w. (1867) 2, 166. II@C@33)
besondere fügungen. II@C@3@aa) aus, für, hin, ohne, über, wi(e)der, zu werden (
vgl. die entsprechenden verbindungen mit sein
teil 10, 1, 295
ff.): do diu fluot fure wart (
vorbeigegangen war, sich verlaufen hatte) unde diu arche stuont in monte Ararat
Wiener genesis 1427
Dollmayr; ouwî sî sint des vil vrô daz sî der lantwer alsô über werden müezen (
dasz sie der landesverteidigung überhoben werden sollen) Hartmann v. Aue
Iwein 2169
Benecke-Lachmann; do diu vremede hine wart (
als die unvertrautheit dahin, d. h. verschwunden war), do was ir heinliche (
ihre vertraulichkeit) rilich unde riche Gottfried v. Straszburg
Tristan 12376
Ranke; iedoch hât man leut funden, den ir gesicht über zehen jâr wider wart (
zurückgegeben) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 10, 18
Pfeiffer; darmitt (
mit seiner lebensführung) er grosz guot on ward vnnd seine freünd wol kunden mercken, das er mer on ward, dann sein nutzung ertragen mocht (1509)
Fortunatus 4
ndr.; also worden Israel die stedte wider, die die Philister jnen genomen hatten
1. Sam. 7, 14; wanns mit uns hie wird aus, so hilf uns frölich sterben Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 344 ;
[] viel geld ohn-
ò an-werden
venir' a perdere molti danari Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1328
b; das Fräle begriff nicht, wie ihr das kleid zu geworden sei O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 296; hin musz er (
der rabe) werden, und hin wird er (
sagt der jäger) A. Zweig
einsetzg. e. königs (1950) 353 (
s. auch ebda 17).
neuere umgangssprache kennt noch über werden
im sinne von '
zuviel, zuwider werden': solange es ihm nicht über wurde, sich unnützlich ... zu wissen H. Kutzleb
Grimmenstein (1939) 26; wieder werden '
gesunden, genesen': er mag sterben oder wieder (
gesund) werden Grimmelshausen
Simpl. 2 (1713) 258; 's geht d'arbet nit, und schaug, sie sagn: i tuar aa nimmer wern Stieler
ged. 1, 58
Reclam; landschaftlich weit verbreitet: hei kann wedder warden Mi
Mecklenburg 105; er wird wieder; der werd ni(ch) wieder Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657; s īs asū wiedr geworrn (
ohne arzt) Rother
schl. sprichw. 116
a;
s. auch Dähnert
plattdt. 538; Bauer-Collitz
Waldeck 111; Spiess
Henneberg 281; Fischer
schwäb. 6, 692; Schmeller-Frommann
bair. 2, 989
und Blumer
Nordwestböhmen 93; Schöpf
Tirol 812
bucht: une wrn (
mit accus.)
eines dinges loswerden, es an den mann bringen (<
mhd. âne wërden). II@C@3@bb)
in verbindung mit so (
α), wie (
β)
oder einem durch als
oder wie
eingeleiteten gliedsatz (
γ). II@C@3@b@aα) wie die lere ist, also werden dein hAertzigung vnd sitten Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 29
ndr.; darumb kans nicht lenger mit mir also werden
schausp. d. engl. comöd. 284
Creizenach; und doch lehrt die ... notenbeilage ii, dasz er (
der schlusz der arie 28
im '
Figaro') erst nach verschiedenen versuchen so geworden ist O. Jahn
Mozart (1856) 3, 449. II@C@3@b@bβ) die jhr offt dencket, wie doch wol disz oder jenes werden sol Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 321; so lange er aber Fichten selbst, wie er ist und wird, nicht begriffe, würde der beste dilettant zwar einiges in seiner philosophie vollkommen fassen, in andres sich aber gar nicht finden können Fr. Schlegel in:
Athenäum (1798) 2, 32; wie soll es nur werden? H. Seidel
vorstadtgesch. (1880) 81;
meist tritt eine bezugsgrösze hinzu, im dativ: ich weisz fast selbst nicht wie mir wird (1696) Chr. Reuter
ehrl. frau Schlampampe 117
ndr.; wie aber wird mir umb das hertz? Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 59
Neukirch; wie wird euch, theure lady! ihr verblaszt Schiller 12, 491
G.; weiszt du, wie mirs wird? — dreherig Bettine
Günderode (1840) 1, 16;
oder in präpositionaler fügung: wie wils auf erden doch endlich mit mir werden? Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 368; wie wird's nun werden mit den worten allen, in welchen ich so liebevoll mein streben um deine gunst dir an den tag gegeben, wenn diese blosz an deinem ohr verhallen? Göthe I 2, 15
W.; wie's nachher mit der zeche werden solle, war mir noch nicht recht einleuchtend Gaudy
s. w. (1844) 2, 51; hernachen hat er auch noch gesagt, wies mit der leich soll werden (1854) O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 163. II@C@3@b@gγ) ich halte das mitleid nicht länger aus, mir wird, wie der grosze dichter in der poesie sagt: liebes kind! was soll mir das? wein' nicht so, du wirst ganz nasz Brentano
ges. schr. (1852) 5, 128; man orgelt schon, mir wird dabei, als säsz' ich in der sakristei Mörike
ges. schr. (1905) 1, 163. II@C@3@cc)
der typus zwanzig
oder zwanzig jahre werden
erklärt sich wohl aus ersparung eines beiworts, zwanzig jahre (alt) werden:
[] geh in dich, nimm dein ende wahr! wirst nicht noch einmal hundert jahr' Mörike
w. 1, 147
Maync; Anna, die wert nu fumszehn in mai Lademann
Teltow 279,
vgl. drei jahre sein
teil 10, 1, 333. IIIIII.
in verbindung mit verbalen infinitformen. III@AA.
mit der ablaufform (
participium praesentis),
zunächst das hineingeraten in einen zustand oder vorgang, das zustandekommen einer handlung bezeichnend (
s. auch die belege bei Behaghel
dt. syntax 2, 383):
at stupebant omnes turbae enti uuntrentiu uurtun elliu dhiu fole
Monsee fragm. 5, 17
Hench; et eris tacens inti nu uuirdist thû (
Zacharias) suigenti
Tatian 2, 9
Sievers; ioh sehenti auur uurti, ther blint uuas fon giburti Otfrid III 20, 122
Kelle; ih chom in disa uuerlt ... daz die die nu nieht nigisehent gisehente uuerden Notker 3, 312, 23
Piper. mhd. häufig belegt, in verschiedener anwendung (
s. J. Winkler
die periphr. verbindung der verba sîn
und werden
mit dem participium praesentis im mhd. des 12. und 13. jhs. [
diss. Heidelberg 1913] 70
ff. sowie A. W. Aron
die '
progressiven'
formen im mhd. u. frühnhd. [1914] 13
ff. und 71
ff.);
inchoativ: die haltzen werdent gênde, die tôten erstênde, die topen gehôrent, di armen werdent gelêret, di blinden gesêhende, di menige ist worden dêhente frau Ava 1, 337
Piper; daz was vil sciere getan, gesehende wart der selbe man
ebda 2, 1003; wie wol ich wiste al dise vart, sit ich in merkende wart Gottfried v. Straszburg
Tristan 10128
Ranke; man wirt uns schiere komend an von den burgæren mit übelichen mæren
ebda 8702;
zuweilen mehr die dauer und intensität als den beginn eines vorgangs ausdrückend: diu maget diu wart sich wider den man so rehte lieplich machende, smierende unde lachende, kallende unde kosende, smeichende unde losende Gottfried v. Straszburg
Tristan 19240
Ranke; doch wirt uns manicvaltic nôt dâ vor niun jâr geschehende Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 24240
Keller; und oft dem einfachen verb gleichkommend, aus reimgründen bevorzugt; schon J. Grimm
stellte fest, '
nahe in form und bedeutung an die vorhergehende (
konstruktion mit sein)
reicht die umschreibung durch werden
und das part. präs. es kann damit das entspringen, das ebeneintreten der handlung bezeichnet sein, artet aber gewöhnlich in den bloszen verbalbegriff aus' (
dt. gramm. 4 [1898] 7): diu huote vuoret unde birt, da man si vuorende wirt, niwan den hagen unde den dorn Gottfried v. Straszburg
Tristan 17860
Ranke; sust muoz di leien riwen, daz Constantinus niht spart die milde, daz er gebend wart den phaffen, des si niht bestuont Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 488
Seemüller. die verbindung eines partizips mit einer präsensform von werden
bezieht sich in vielen fällen deutlich auf die zukunft und dient dazu, das künftige eintreten eines vorgangs oder zustands auszudrücken: sol si nemen Etzelgelebt si an die stunt, si getuot uns nochvil leide, swie siz getraget
an. jâ wirt ir dienendevil manic wætlîcher man
Nibelungenlied 1210, 4
Bartsch-de Boor; [] Rual der höfsche guote, der gedahte in sinem muote: ... er (
der könig) wirt mich gerne sehende und wirde ich ime verjehende umb sinen neven, der hie stat Gottfried v. Straszburg
Tristan 3987
f. Ranke, waz er scheltworte lîdet ... unde noch lîdende wirt
dt. mystiker 1, 318, 39
Pfeiffer; vnd daz er bi demselben aid, so er schwerent ... wird, niemer fluhtsam noch abdrùnig werden ... sol
qu. a. d. j. 1396
bei H. Schmid
St. Galler urk.-sprache i. d. 2.
h. d. 14.
jhs. (1953) 156.
im 14./15.
jh. wird die fügung mit der ablaufform (
part. präs.)
allmählich durch die verbindung mit der grundform (
infin.)
verdrängt (
s. u.B
und M. Kleiner
z. entwicklung d. futur-umschreibung werden
mit dem inf. [
university of California 1925] 87): wen ich kussen werde (1343)
Matthias v. Beheims evangelienb., Mark. 14, 44 (
neben: wen ich kussinde werde
ebda, Matth. 26, 48)
u. ö.; do wurt er weinende und zene klapperen Tauler
pred. 403, 6
Vetter; wenn man das treybt ob dem prunnen, so gat das wasser übersich auf und wirt über fliessen. das ist der gOetlich prunn der parmhertzikayt, der wirt über fliessend meister Ingold
d. goldene spiel 84, 7
E. Schröder; do aber die mus merket, daz sie sterben wurde von dem frosch, ward sie schryend und klagen (
clamabat) Steinhöwel
Aesop 74, 11
Ö.; die plag wurt vber narren gan sie werdent wiszheyt sehen an vnd den lon, der drumb ist bereit vnd werend wurt jn ewikeyt S. Brant
narrenschiff 22, 29
ff. Z.; spätere belege sind selten: so ein rosz auff allen vieren hinckend wird. wenn ein rosz auff allen vieren hinckend wrde so nimm ... Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 78; lauffend, gehend
etc. werden
scattare Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1328
a; die blindheit unsres auges ist sehend worden Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 32; als ich aber geendet, wurde der schullehrer ganz lachend und rief: da fehlts bedeutend, lieber herr Steub
wanderungen (1862) 17.
auch im modernen dt. findet sich werden
gelegentlich noch mit einem part. präs., doch in der regel nur, wenn dies schon weitgehend den charakter eines adjektivs angenommen hat: dasz die einzelnen sagenkreise sinnbildlich sprechend (
ausdrucksvoll) werden P. Böckmann
formgesch. d. dt. dichtg. 1 (1949) 101.
über den mundartlichen gebrauch vgl. Wunderlich-Reis
d. dt. satzbau 1 (1924) 256
anm. sowie Fischer
schwäb. 6, 693
und Schmeller-Frommann
bair. 2, 990,
der die verbindung von werden
mit dem part. präs. (
z. b. hupfend werden)
als '
sehr volksüblich'
bezeichnet. III@BB.
mit der grundform (
infinitiv). III@B@11)
inchoativ wie A (
s. dort),
das hineingeraten in einen zustand oder vorgang, das zustandekommen einer handlung bezeichnend. der gebrauch der infinitivform wurde durch das vorbild der infinitivfügung mit wollen
nahegelegt, das auch dazu diente, den beginn einer handlung auszudrücken (
s. teil 14, 2, 1356
f.; weiteres über das vordringen des infinitivs unter 2). III@B@1@aa)
die präsensform des hilfsverbs werden
findet sich allerdings nur vereinzelt in dieser anwendung, da sie im nhd. vornehmlich zur umschreibung des futurs dient (
s. u. 2): hört! wenn Mesias kummen wirt ... der löw beim kalb wirt wonen wern (!), die kw sich weidnen by dem bern H. Sachs 1, 169
lit. ver. (
s. auch den beleg bei O. Behaghel
dt. syntax 2 [1924] 261
anm.);
im schlesw.-holst. ist sie noch lebendig: de wind ward susen
fängt an zu sausen Mensing 5, 533. III@B@1@bb)
häufiger erscheint die präteritalform von werden
mit dem infinitiv (
weitere belege bei Behaghel
dt. syntax 2 [1924] 365
f.);
früh im (
ost-)
md.: [] er wart mit vlîze vrâgen sie, daz sie im rechte seiten, wie ez in dem lande wære gestalt (
ende 13. jh.)
livländ. reimchron. 319
Meyer; '... beide lîb unde leben must du genzlich ûf geben binnen diesen drîzic tagen.' den bischof wart sîn angest jagen (
ende 13. jh.)
Marienlegenden 8, 66
Pfeiffer; waz sol ich iu mêre sagen? der künec wart sie vaste klagen (
ostfränk. um 1300)
die heidin (
IV. red.) 1658
Henschel-Pretzel; daz selbe daz in ê dar truoc daz wart in tragend (
rheinfränk. hs., 2.
h. d. 14.
jhs.: dragen) aber sît Konrad v. Würzburg
schwanritter 1289
E. Schröder; nu lagk mit om yn seyner jogunt eynes reichen burgers sson von Prage gnant Pauel mit om zu schule und worden sich etzwas zweien (
entzweien, streiten) (
anf. 15.
jh.) Joh. Rothe
dür. chron. 603, 7
Liliencron (
ähnlich 649, 25);
und obd.: das merer tail ward jechen: 'dy tauf müs an us geschehen, das uns darinn niem schaden kan! ...' (
bair.-österr., wohl 13. jh.) Havich
d. Kellner
sankt Stephans leben 979
McClean u. ö.; sie was an dem lîbe als milch und bluot getân: dô wart Wolfdietrîch so tiuvellîchen stân (
alem., ende 13. jhs.)
Wolfdietrich D 6, 100, 4
in: dt. heldenbuch 4, 85
Amelung-Jänicke; den, die sich gesundert heten von den getriwen — die ez hernâch wart geriwen, daz si sô verre volgen wolden dem schutzenmeister Perhtolden (
anf. 14. jh.) Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 98237
Seemüller; do drot ich dem hunt das er ze der selben stunt stille suchen wart ich spürt er sucht die rechten vart (
alem., 2.
hälfte d. 14. jhs.)
d. jagd d. minne in: liedersaal 2, 294
Laszberg; si wurden seuften und klagen mit geslossen mündlin vein (
anf. 15. jh.) Oswald v. Wolkenstein
ged. 7, 32
Schatz u. ö. im 15.
und 16.
jh. noch weit verbreitet (
s. auch die belege bei Fischer
schwäb. 6, 693
u. Schmeller-Frommann
bair. 2, 990): auf stunde ein heftiger ... wint, ... von dem daz mere sich pläen und wachsen warde Arigo
decamerone 75
lit. ver. u. ö.; Moses aber wart zittern (1522)
apost. 7, 32
u. 16, 29; nach dem erwarmet sein geblüt und wurd gar reichlichen auszfliessen H. Sachs 7, 395
lit. ver.; und derselben seiner ersten tochter ain jung edel gesell ir lieb und huld tragen warde, sein gemüth gantz zuo ir kehren ward Lindener
rastbüchlein 163
lit. ver. u. ö.; alsbald solchs könig Karle erfuor, wardt es ine nit wenig beschweren
Zimmer. chron. 21, 40
Barack u. ö.; von desz wegen der Apiarius, wiewol er seer erzürnt war, ward lachen und vertruogen sich zeletst gtigklich Wickram
w. 3, 16
Bolte u. ö.; auch im nd. (
s. Schiller-Lübben 5, 674
f.): do wart he lude ropen (1514)
städtechron. 16, 398 (
Braunschweig); do worden se dencken, dat he neyne orfeyde gedan hadde
ebda 372.
hier in einigen mundarten bewahrt (
s. auch O. Weise
unsere maa. [1910] 223; Wunderlich-Reis
satzbau 1 [1924] 253),
ansonsten unüblich geworden: un dormit ward hei in de kamer gahn, leggt sick dal, un snart slöppt hei los Fritz Reuter
w. 3, 291
S.; he worr wenen
er brach in tränen aus Mensing
schlesw.-holst. 5, 533. III@B@1@cc)
zuweilen auch im perfekt: (
der fiscal hat die citation) einen notari geben zuverlesen Oeffentlich, ist der notarius darob weinen worden (1527) Luther 23, 465
W.; schau nur, wie fremd und vornehm er aussehen worden ist Storm
s. w. (1898) 1, 27.
[] III@B@22)
futurisch, das künftige eintreten eines vorgangs oder zustands ausdrückend. die futurumschreibung mit werden
und infinitiv ersetzt im spätmittelalterlichen dt. allmählich die entsprechende fügung mit dem part. präs. (
s. auch unter A).
gemeinhin wird angenommen, dasz '
lautliche entwicklung' (O. Behaghel
dt. syntax 2 [1924] 262)
und '
analogie nach dem gebrauch bei den übrigen hilfsverben' (H. Naumann
k. hist. syntax [1915] 117)
von der form des partizips zur infinitivform geführt haben. '
unter dem einfluss der synonymen verba trat an die stelle des partizipiums der infinitiv. dann aber wurde die verbreitung der infinitivkonstruktion ... kräftig unterstützt durch den lautlichen verfall der partizipialendung, durch den eine vermischung von partizipium und infinitiv herbeigeführt wurde' (W. Wilmanns
dt. gramm. 3, 1 [1906] 177).
allerdings vermochte die gründliche untersuchung der alem. überlieferung von M. Kleiner
die lautliche erklärung nicht zu stützen: '
ein abfall der partizipialendung -de
ist im alemannischen des 13.
jh. nicht festzustellen' (
zur entwicklung der futur-umschreibung werden
mit dem infinitiv [
California 1925] 91,
ähnlich 57). '
dagegen ist die vermischung der form des part. präs. mit der form des flektierten inf. ganz augenfällig; sie macht sich vorzüglich in dem eindringen der endung -ende
in den dat. inf. bemerkbar. da der dat. inf. gelegentlich auch ohne flektion gebraucht wurde, so mag die infinitivform nach werden
dadurch entstanden sein, dasz analog auch beim part. präs. die endung -de
weggelassen wurde' (
ebda 91,
ähnlich 58).
gegenüber dieser herrschenden ansicht erklärte H. Paul,
allerdings ohne dies näher auszuführen: '
das erste auftreten und die verbreitung nötigt dazu, einen selbständigen ursprung der inf.-konstruktion ohne einflusz des part. anzunehmen' (
dt. gramm. 4 [1920] 127).
eine stütze für diese ansicht bietet neuerdings L. Saltveit
durch den hinweis auf eine parallelentwicklung in norw. maa.: '
die norw. sprache hat in gewissen mundarten aus einer ursprünglich modal-futurischen konstruktion verða > verta +
inf. ein futurum herausgebildet. die sprache besitzt auch, ebenfalls mundartlich, eine funktionell entsprechende konstruktion mit dem part. präs., die sich wegen der lautlichen verhältnisse von der ersteren scharf unterscheiden läszt. dieser sachverhalt, der wahrscheinlich auf sprachverhältnissen in älterer zeit fuszt, unterstützt die annahme, dasz ebenfalls das deutsche fut. nicht nur auf die konstruktion werden +
part. präs., sondern auch auf eine ursprünglich davon völlig unabhängige konstruktion werden +
inf. zurückgeht ... die inf.-konstruktion kann in derselben weise wie der inf. nach den bewegungsverben entstanden sein' (
bemerkungen zum dt. futurum in: zfda. 87 [1957] 228).
dieser letztgenannten erklärung scheint zu widersprechen, dasz der infinitiv etwa gleichzeitig auch in die fügung von sein
und part. präs. eindringt (
s. teil 10, 1, 324
f. sowie Behaghel
a. a. o. 2, 262): der herre ... der uns werden soll gesant er ist uns breiden alle lant
die erlösung 1254
B. (
hs. N, 1465
im Neckartal geschrieben); wer vil ist leszen der würdt geleert Keisersberg
pred. (1508) 77
b.
jedoch trat dort wohl die entwicklung ein, '
indem das verbum durch ellipse von partizipien wie gegangen, gevarn
selbst zu einem bewegungsverbum wurde ... dementsprechend verband es sich dann wie andere bewegungsverba ... mit dem infinitiv' (Wilmanns
a. a. o. 3, 1, 176
f.).
aber unerklärt ist bislang die entsprechende entwicklung von bleiben
und part. präs. (>
inf., s. Behaghel
a. a. o. 2, 366
u. 383
f.);
auch sie wäre in eine umfassende untersuchung einzubeziehen. formvermischung zwischen partizip und infinitiv (
s. auch die belege unter III A
und vgl. die miszverständliche konstruktion des im as. verbreiteten typus wirðit thiu tid cuman
Hel. 4280
S., eig. '
wird eine gekommene sein'),
dazu die analogie, bes. nach den inf.-verbindungen von bewegungsverben (
z. b. gehen)
und modalverben (sollen, wollen)
waren bei diesen sich auch gegenseitig beeinflussenden vorgängen sicher im spiel, vielleicht auch das vorbild miszverständlicher passivkonstruktionen [] (
z. b. er wird vergessen),
doch wird es schwer sein, ursachen und sekundäre einflüsse klar zu unterscheiden. III@B@2@aa)
präsensformen von werden
in verbindung III@B@2@a@aα)
mit einem einfachen infinitiv; früh im alem. nachweisbar, wenn sich auch gegen die vielzitierten Notker-
belege allerhand bedenken vorbringen lassen (
s. M. Kleiner
z. entwicklung der futur-umschreibung werden
mit dem infinitiv [1925] 26
anm.): ... gebærden ... die ich an iu hân gesehen. ich wæne ir werdent mir es jehen, swaz ir anders gelernet hânt (
um 1220) Konrad Fleck
Flore u. Blanscheflur 3144
E. Sommer u. ö.; das wirt an dir rechen ein lewe und dich zer brechen (
mitte 13. jh.) Rudolf v. Ems
weltchron. 35047
Ehrismann; die stimme die wirt sprechen: 'got wil sich hiute rechen. stet uf ir toten, get fur got!' (2.
hälfte d. 13. jhs.)
vom jüngsten tage 37
in: kl. mhd. erz., fabeln u. lehrgedichte 3, 1
Rosenhagen (
ähnl. v. 499); fröwe dich, daz wîp unde man dîne gnâd werdent rüeffen an (
um 1300) Walther v. Rheinau
Marienleben 48, 59
Keller u. ö.; der wirt als ein pantier sinen sssen smak wite zerspreiten Seuse
dt. schr. 452, 19
Bihlmeyer; '
im 15.
jh. nimmt der gebrauch von werden
mit inf. schnell zu. die eigentliche verdrängung von werden
mit part. präs. durch diese umschreibung fällt ungefähr in den zeitraum von 1375—1450.
sie ist langsamer im Elsasz als im östlichen Alemannien. der vorgang ist mithin ein vordringen von osten nach westen' (
M. Kleiner
a. a. o. 92).
auch im md. und bair. finden sich frühe belege (
über einen umstrittenen rheinfränk. beleg des 9./10.
jhs. vgl. Kleiner
a. a. o. 25
f. und Saltveit in:
zfda. 87 [1957] 222):
quoniam quis in nubibus equabitur domino: similis erit domino in filiis dei? wand wer wirt in den luften gelichen dem herren, wer wirt gelich wesen dem herren in den chinderen gotes? (12.
jh.)
bair. interlinearversion des 88.
psalms, in: zfda. 20 (1876) 146; sô mîn schilt und mîn sper wirt suochen daz velt, ich geswache etlîch gezelt (
bair., anf. 13. jh.) Heinrich v.
d. Türlin
diu crône 18323
Scholl; dû maht dem man zuo kumen, der dich twingt und nâch sînen siten bringt, sô wirt dir übele ergên, dir wirt der slege michels mê, denne der pfenninge (
thür., 13. jh.) Sibot
frauenzucht 117
in: gesamtabenteuer 1, 44
v. d. Hagen; cognoscam wierd ich erchennen (
bair. um 1300)
Olmützer pericopen 1. Kor. 13, 12
in: zfdph. 12 (1881) 20;
ridebitis ir werdit lachin
Matthias v. Beheims evangelienb., Luk. 6, 21
Bechstein u. ö.; her jünglink, euch möcht friesen, ir habt verschroten zwir, wert ir das dritt verliesen, das habt ir neur von ir Oswald v. Wolkenstein
ged. 112, 67
Schatz u. ö.; mndl. und mnd. belege aus dem 14.
und 15.
jh. sind jedoch selten (
s. H. Kurrelmeyer
the historical development of the forms of the future tense in middle high German [
diss. Baltimore 1904] 26
ff.): wert he denne dwelen vp der straten unde moet den rechten wech vor laten de moet dicke sunder lof wedder soken sines heren hof (
mnd., 14. jh.) meister Stephan
schachbuch 5050
gelehrte estnische gesellsch.; de werke goddes, de oldinghes god ghedân heft bî den Joden unde hûten dôn wirt bî ju (1431)
nd. erz. a. d. 15.
jh. in: Germ. 9 (1864) 271;
noch in der münsterischen grammatik von ca. 1480
wird die verbindung von werden
und infinitiv als hd. bezeichnet: legam ick wil edder ick
[] schal lesen, edder alse de averlender (!) seggen: ik werde lesen (
bei Wilmanns
a. a. o. 3, 1, 178).
die frühnhd. grammatiken buchen seit Albertus (1573), Ölinger (1573)
und Clajus (1578) werden
als hilfsverb der futurumschreibung, bis zu Gottsched
oft unterschiedslos neben wollen,
vereinzelt auch neben sollen (
s. die übersicht bei M. H. Jellinek
gesch. d. nhd. gramm. 2 [1914] 330
f.).
das stimmt zu dem befund Brodführer
s: '
für die vierte bibel (
in Augsburg 1475
bei Zainer gedruckt)
darf die umschreibung des futurums als das regelmäszige hingestellt werden; das gewöhnliche hilfsverbum ist werden,
bisweilen wird wellen,
selten súllen
gebraucht'
untersuchungen zur vorluther. bibelübersetzung (1922) 111
f. die futurumschreibung mit werden
erscheint im nhd. vornehmlich in nachdrücklichen ankündigungen künftiger zustände, vorgänge oder handlungen, deren eintritt oder vollzug der sprecher mit sicherheit erwartet (
vgl. Gottsched
s unterscheidung: 1.
die ungewisz zukünftige zeit ich will schreiben; 2.
die gewisz zukünftige zeit ich werde schreiben
dt. sprachkunst [1762] 294): umb ursach, darvon ich euch hernach sagen wird (
um 1480) Ulrich Füetrer
bayer. chron. 106, 6
Spiller; Christus ist jtzund schwach, aber er wird noch stark werden; ihr werdets sehen, er wird noch etwas ausrichten Joh. Aurifaber
bei Luther
tischr. 6, 219
W.; geht! heist mir sein weib herausz gehn! (
der erst knecht spricht:) sie ist gleich in der küchen stehn und richtet zu auffs aller-best. mein herr wirdt haben heint vil gest H. Sachs 6, 144
lit. ver.; es fällt mir jetzt aber ein, vnter dessen ich mich vollend anziehen werde, so hole die zeitung oder avisen, Stephan, dass wir sehen, was guts newes drinnen stehet Martin
colloques francais et allemand (1628) 25; dich und was die musen schrieben werd' ich, weil ich lebe, lieben Stieler
geharnschte Venus 67
ndr.; er wird mirs noch einsweils dancken
egli mene ringratierà, renderà gratie un giorno Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1297
c; (
Ferdinand:) 'laszt uns eilen, pferde zuzureiten, wir werden sie bald brauchen!' rief er mir entgegen. er werde mich noch heute wiedersehn, sagte er ... (
Alba:) er wird dich wiedersehn Göthe I 8, 258
W.; es wird eine lange, weite wanderung werden, lieber leser Gutzkow
ritter (1850) 1, 1; unmittelbar auf den vorliegenden band wird die herausgabe von bd 33 ... erfolgen, dann werden sich anschlieszen ... Drescher
im vorw. zu Luther 10, 2 (1907) V
W.; 'du wirst ein kind haben, Jürgen', sagte sie E. Wiechert
Doskocil (1932) 151 (
ebda 78
mit ersparung des infinitivs: wann wird der herr weiter?); nun werde ich die stäbchen legen H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 180.
so auch mundartlich gebraucht, soweit nicht andere umschreibungen —
im nd. besonders sollen —
oder das futurische präsens üblich sind (
s. Behaghel
dt. syntax 2, 263): öckh wâa schlpe Fischer
samländ. 216 (
s. auch ebda 131); wir werden das kind schon schaukeln (
nur mut) Rother
schl. sprichw. 241; haed-ōmd' wa
rd-s rēnə' (
heute abend wird's regnen) Polenz
altenburgische sprachlandsch. 99 (
dem altenburgischen ist darüber hinaus eine umschreibung des futurs mit la
rnds '
lernen'
geläufig); ich werde morgen na' Dommsch '
ich reise morgen nach Dommitzsch' (
mit ersparung des infinitivs gehen, fahren) Bruns
volksw. 274; dat wi
erd sech dā fenn
e das wird sich dann finden Heinzerling-Reuter
Siegerland 320; wann de könner zänncher maachen lönners dau-en hihre pein: onner sorjen, onner laachen wöhrs dau ömmer omm se sein Ph. Laven
ged. i. Trierer ma. (1858) 128; iΧ wä bindn (
werde binden) Schübel
d. ostfränk.-bamberg. ma. v. Stadtsteinach 334; dǣər wært lf
der wird laufen (
ironisch),
d. h. der (
genannte)
wird sich hüten, das ihm zugemu tete zu tun Gebhardt
Nürnberg 300; ich werre
schun kumme Follmann
Lothringen 538; ši wεrdə grat
[] xonn
sie werden (
wohl)
gleich kommen (
mutmaszend, ansonsten ist das präsens üblich) Hotzenköcherle
Mutten 446; i wart machen Zingerle
Lusern 17, Bacher 224; bir ven sehn (
wir werden sehen) Kövi
Zipser ma. als besonderheit erscheint der gebrauch der umschreibung in lebhafter erzählung vergangener begebenheiten, die vom erzähler noch z. t. als zukünftig angesehen und angekündigt werden (
s. auch Behaghel
dt. syntax 2, 265
f.): gestern ging ich spazieren; da werde ich den
N. treffen Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657; nu wird er wollen zärtlich werden
jetzt wollte er zärtlich werden Lasch
berlinisch 307.
wie sehr diese futurumschreibung mit der vorstellung sicherer erwartung verbunden ist, wird besonders beim imperativischen gebrauch deutlich: des wert ir mir eüer trewe geben Arigo
decamerone 230
lit. ver.; du wirst mich nicht hungers sterben lassen, mein vater! (1768) Gerstenberg
Ugolino 248
H.; du wirst den apfel schieszen von dem kopf des knaben — ich begehrs und wills Schiller 14, 357
G.; leb wohl! an deinen schwur ich mahne kaum, du wirst verschwiegen sein zu eignem heil A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 110; se werden ergebenst entschuldigen, mein herr (=
entschuldigen sie bitte!) Gerh. Hauptmann
weber (1892) 49;
der auch für einige mundarten bezeugt ist: du wirscht (
plattdt. warscht) zu hause bleiben! Frischbier
pr. 2, 464; wärschte (gleich)! =
wirst du (
sofort)
hören, gehen! usw. wärschte nich! =
wirst du das nicht tun! (
mit auslassung des infinitivs) Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657; dāt wi
erschd
e schē
ach
es blīw
e lōs
e das wirst du schön bleiben lassen! Heinzerling-Reuter
Siegerland 320; des wiršd abər nəməd sagə! Staedele
Stahringen 43;
sowie bei drohenden wendungen der umgangssprache wie ich werde dir gleich helfen
oder dir werde ich helfen; dem werde ich's zeigen (
s. auch Frischbier
pr. 2, 464),
wobei oft der infinitiv erspart wird: ja, ich werde dir — ich will den hundsföttischen malitiösen brief den augenblick — (
zerreiszt ihn) Lenz
ges. schr. (1828) 1, 67; dir wird ma
n! (
hiebe geben o. ä.) Fischer
schwäb. 6, 692;
doch auch bei der anwendung nach einem konditionalen vordersatz; die erfüllung der vorgenannten bedingung läszt —
diese gewiszheit drückt die umschreibung mit werden
aus —
das vom sprecher erwartete und für den genannten fall angekündigte sicher eintreten: würt dir das (
das gesprächbüchlein '
Vadiscus') gefallen, so würstu auch on zweyfel meiner meinung, das ich mich vom hoff gethan, nit entgegen sein U. v. Hutten
opera 1, 323
B.; nun hört und schweygt! so werd irs sehen H. Sachs 2, 4
lit. ver.; wenn die vhren allzugleich eins schlagen werden, so wird fried vnd einigkeit zwischen allen landen vnd leuten seyn Lehman
floril. polit. (1662) 1, 186; und schiesz' ich morgen nimmer, weil krank ich oder todt, so wird ein andrer schieszen, dem's waidmannsheil sich bot Lenau
s. w. 195
Barthel; lernet, dasz schicksal nicht von götzen kommt, so werdet ihr auch endlich lernen, dasz es keine götzen und götter gibt! H. Hesse
Zarathustras wiederkehr (1924) 14;
ja so oft eintreten, wie die bedingung, die nicht immer in einem konditionalsatz ausgesprochen sein musz, dazu gegeben ist; die umschreibung mit werden
bezieht sich dann nicht auf einen künftigen einzelfall, sondern allgemein auf etwas, das sich jederzeit ereignen kann und unter bestimmten bedingungen stets zu erwarten ist (
s. auch Behaghel
a. a. o. 2, 263
f.): wan sô ein mensche etwenne sîne sünde bedenket und ernstlîche merket, sô wirt er weinen meister Eckhart in:
dt. mystiker 2, 361
Pfeiffer; ein jeder der mich vergicht vor den menschen, den würd ouch ich verjehen vor minem vatter der in den himlen ist, welicher aber minen [!] leugnen würt vor den menschen, desz wird ouch ich leugnen Zwingli
v. freiheit d. speisen 21
[] ndr.; der wird dieselbe (
seele) nicht schmcken vnd zieren, der sein leib nicht in ehren hAelt, darin die seel wohnet Lehman
floril. polit. (1662) 1, 278; ein leidendes thier so wohl, als der held Philoktet, wenn es der schmerz anfällt, wird wimmern! wird ächzen! Herder 5, 5
S.; wen du nicht verlässest, genius, wird dem regengewölk, wird dem schlossensturm entgegen singen Göthe I 2, 67
W.; hierzu stellt sich auch der umgangssprachlich häufige und schon von Adelung 5 (1786) 177
festgestellte typus wer wird denn gleich weinen (wenn ...).
oft findet sich die umschreibung auch beim ausdruck von befürchtungen, hoffnungen und mutmaszenden überlegungen, die sich auf künftiges richten, wobei der sicherheitsgrad der aussage vielfach durch einen entsprechenden '
vorspann'
eingeschränkt ist: seht, werden si (
die gerechten) sprechen, dirre man enwolde niht haben got zuo helfe (13./1.
h. 14.
jh.)
altdt. pred. 1, 7, 24
Schönbach; ich fürcht, si werd mich laichen, wie vil ich auff si pau Oswald v. Wolkenstein 91, 15
Schatz; mein ich wol jr werdind sagen das die spysz noturfftiger syg dann das gAelt Zwingli
v. freiheit d. speisen 11
ndr.; ich hoff, du wersts nicht schlagen ab H. Sachs 2, 24
lit. ver., zu einer zeit ..., da der geschmack seine höchste feinheit — wo nicht erreicht hat, doch höchstwahrscheinlich bald erreichen wird ... Gerstenberg
schlesw. lit. br. 14
lit.-denkm.; und da unterhalte ich mich dictando in der gegenwart, hoffend es werde künftig in die ferne wirken (28. 6. 1818) Göthe IV 29, 220
W.; 'hafer wird es geben', dachte er E. Wiechert
Doskocil (1932) 57;
oder durch die form der direkten oder indirekten frage: hoch dienstlich ist es zuwissen, ob eyn früh oder spat jar kommen werde Sebiz
feldbau (1580) 10; ... was werd ich machen dan? Spee
trutznachtigall (1649) 14; teufel! sie wird doch nicht — ich eile nach — ich musz für ihr leben bürgen (
mit unterdrückung des infinitivs) Schiller 3, 441
G.; wird es nicht ein nagel an dem sarge des schöppen werden? Klinger
w. 3 (1815) 76; ob ein mensch zugegen sein werde, auf den jene in unbestimmten ausdrücken angedeutete bezeichnung passe? ob ein solcher mensch ... ihnen am weihkessel sich zeigen werde? ... diese und ähnliche fragen beschäftigten die schwache ... frau Holtei
erz. schr. 4 (1861) 153; werde ich im dunklen tappen ...? Nic. Hartmann
ethik (
21935) 9.
im berlin. findet sich: na sie wern doch nich (das thun)? (
antwort auf eine drohung) Brendicke
Berlin 192
b. III@B@2@a@bβ)
mit einem infinitiv des perfekts (
das sog. futurum exactum);
hier tritt werden
vor allem an die stelle von sollen (ich sol sim schiere hân benomen Hartmann
Iwein 4650
B.-L.),
soweit überhaupt ein futurisches hilfsverb gebraucht und nicht die einfache perfektkonstruktion gewählt wird (das habt ihr bald erledigt,
so schon mhd.: daz hât man schiere gesehn Hartmann
Iwein 4988
B.-L.): vnd so du sin (
des fisches) mul wirdst vff thon han, wirdst ein stater (
einen pfennig) finden Zwingli
v. freiheit d. speisen 28
ndr.; ob dann gleich der prophet verfrt wrde ..., so werd ich der herr selbs disen propheten verfrt haben Dietenberger
Ezechiel 14 (
Mainz 1534) 375
b; wann ich sie dann dergestalt genug gejagt und geplagt haben werde, so wil ich sie erst ... an eine säule binden Grimmelshausen
Simpl. 218
Scholte; wenn ich es werde gethan haben
when I shall have done it Ludwig
dt.-engl. (1716) 2454; und am ende werden wir sterben oder uns ergeben. du wirst deinen edeln mann mit mir in ein schicksal geweint haben (1773) Göthe I 8, 108
W.; ... vergebens werdet ihr für euren feldherrn euch geopfert haben Schiller 12, 302
G.; [] ich werd' dir'n gleich wieder angenäht haben Anzengruber
ges. w. (
31897) 3, 141;
so noch gelegentlich in moderner hochsprache: morgen um diese zeit werden sie alle in Berlin eingetroffen sein;
vereinzelt auch mundartlich: öckh wâa jewoǎrde sönn
ich werde geworden sein Fischer
samländ. 131; wenn er wird gegessen haben; wer sich mit ihm wird einlassen; ich bin neugierig, wie's ihm wird gehen Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 656; hái~t üwə ús gàue (
jahr) weə'n mə ús scho üwəstàndn ho(b)m Schiepek
satzbau d. Egerländer ma. 151; īΧ wä gəbundn hōum Schübel
d. ostfränk.-bambergische ma. v. Stadtsteinach 336; eds werə mər s bald ibərštandə ha Staedele
Stahringen 43; ben i bərt žain gəštoarbm
wenn ich gestorben sein werde; ben ar bərt hubm gəriəfm
wenn er gerufen haben wird Tschinkel
Gottschee 304.
das futurum II wird schon von einigen älteren grammatikern gebucht (
s. auch die nachweise bei Jellinek
gesch. d. nhd. gramm. 2 [1914] 331
f.):
Germani quoque habent tertium futurum, quod meritò perfectum futurum vocamus: vt in his exemplis ich würd geschrieben haben, wann er wider kompt, vmb die zeit würdt er kommen sein (1573) Ölinger
dt. gramm. 98
ndr.; so ich werde geliebet haben; so du wirst geliebet haben (1578) Clajus
grammatica 83
ndr.; Adelung
umst. lehrgebäude d. dt. sprache 2 (1782) 385
f. erklärt: '
statt des futur II gebraucht man oft das perfekt: wenn mein gebein längst verweset ist (verweset sein wird), dann werden die welten alle vergehen;
aber es besteht ein unterschied: morgen hat er es überstanden
prädicieret den satz mit gewiszheit, morgen wird er es überstanden haben
mit mehr ungewiszheit'. III@B@2@bb)
präteritale konjunktivformen von werden
mit einer verbalen grundform, die zukunft von einem standpunkt der vergangenheit aus bezeichnend: und swer ir îlen het gesehen, der müeste des fürwâr jehen, daz nie von kuniges kinde wart gesehen alsô swinde über velt gegangen, dâ si wurd enphangen von Arrogûn diu kunigin (
wo die königin von A. sie empfangen würde) (
anf. 14. jh.) Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 4712
Seemüller; weil sie (
die römischen buben) wol gewust, das mit dem Turcken vnd Frantzosen dis iar so stehen wurde (1537?) Luther
briefw. 8, 38
W.; ob wol den heiden zugesagt, das sie in mitler weil auch zur kirchen gottes komen, v des segēs des gebenedeiten samens Abrahe geniessen wurden, so ware doch solche predig noch nicht bey den heiden offenbaret Gretter
ep. Pauli a. d. Römer (1566) 897; ferrer verhiesz er jnen, dasz sie im paradeysz ... wrden ... zarte speisen essen vnd kOestliche wein trincken Albertinus
der kriegszleut weckuhr (1601) 1, 67
b; ich schliche mit, ... nur zu hören, wie doch der juncker seinen ersten aufzug ins schlosz bemänteln würde Grimmelshausen 2, 337
Keller; und bald konnt' ich glauben, dasz ich mit zeit und weile mich vollkommen wieder erholen und von meinem ganzen schuldenlast entledigen wrde Bräker
s. schr. (1789) 1, 225; hier einsam abgeschieden erharrten sie (
unschuld u. friede) die zeit, bis drauszen sich befrieden würde der erde streit Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 131; ich unterschätzte gewaltig die höhe, welche ich bis dahin noch zu bewältigen haben würde H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 63; Blandine glaubte, dasz in ihrem leben sich nicht viel ändern würde. sie würde die ziege melken, sich die suppe kochen und handeln gehen ... sie hatte nie mangel gelitten, würde ihn auch ferner nicht leiden E. Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 175; Jürgen wuszte, dasz die sonne kommen würde E. Wiechert
Doskocil (1932) 27; am abend des 4. dezember tanzten bei windstille weisze flocken um die zelte ... würde Georg in tückischen schneewehen steckenbleiben? Sven Hedin
d. seidenstrasze (
41938) 45.
doch finden sich gelegentlich auch präsensformen von werden: nachdem ...
[] der einfuhrzoll ... herabgesetzt worden, machte man sich die gröszte hoffnung, dasz die ungarische weinhandlung nach Ruszland sehr blühend werden werde Nicolai
reise d. Deutschl. (1783) 6, 374; sie wuszte, er werde doch nicht wiederkommen Heyse
novellensch. 17, 256;
weitere belege bei Behaghel
dt. syntax 3 (1928) 687
u. Matthias
sprachleben (1921) 399. III@B@33)
potential. '
auf dem ... motiv der unsicherheit des urteils beruht der gebrauch des futurischen indikativs, wo von etwas gegenwärtigem oder vergangenem die rede ist; z. b. das wird so sein, das wird so gewesen sein. ...
die wahl des futurums beruht auf der erwartung des sprechenden, dasz sich seine aussage als richtig erweisen werde' (K. Brugmann
verschiedenheiten der satzgestaltung nach maszgabe der seelischen grundfunktionen in den idg. sprachen =
berichte üb. d. verhandlungen d. sächs. gesellsch. d. wiss. zu Leipzig, phil.-hist. kl. 70, 6 [1918] 74
f.). III@B@3@aa) werden
in verbindung mit einem einfachen infinitiv; durchweg mit der grundform eines imperfektiven verbs: (
Jonas:) ... ey, es ist Spalatinus, der wirdt freilich auch etwas davon wissen ... habt jr nitt ein newe tragedien gesehen? (
Agricola:) frage Spalatinum, der wirdts wol wissen Vogelgesang-Cochläus
Joh. Huss 5
ndr.; wilstu fremde fehler zählen, heb an deinen an zu zählen; ist mir recht, dir wird die weile zu den fremden fehlern fehlen Logau
sinnged. 249
lit. ver.; den winter wird man loben müssen, alsdann erqvickt ein glühnder wein
poesie d. Nieders. (1721) 5, 89
Weichmann; hier, dacht' ich, wird die tugend wohnen Kretschmann
s. w. (1784) 1, 67; wo wird der jetzt einsam sitzen maler Müller
w. (1811) 1, 61; sie werden sich verwundern, dasz die verlaszne stelle eigentlich keine stelle ist und kaum glauben, wie die guten menschen in diesem departement sich beholfen haben und behelfen (
dez. 1809) Göthe IV 30, 129
W.; besonders häufig mit sein
verbunden: es wird warlich mein bruder sein H. Sachs 1, 59
lit. ver.; sind frauen dan, wie jr sagt, zart, warum beisst jr sie dan so hart, vnd sind euer waidwerk allain? aber dis würd die vrsach sein: diweil jr wüszt, das euer spis sie meh dan ain bauren vertris Fischart
w. 1, 89
Hauffen; ja, ja, das wird es seyn! Pfeffel
poet. vers. (1802) 1, 24;
ahd. belege werden selten sein J. Grimm in:
zfda. 7 (1849) 451; die Sannel ... ist rotbäckig wie ein honigapfel und wird auch nicht bitterer sein O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 312.
mundartlich weit verbreitet: dät wert woll so sinn Lademann
Teltow 279; des wird wohl so sei
n! Fischer
schwäb. 6, 693; wæər štέitèn dÒrt?
wer steht denn dort? des wærtər Māiər s
es ist wohl Meyer Gebhardt
Nürnberg 300; da wern se schonn recht hab'n Gerh. Hauptmann
ausgew. dramen 2 (1956) 87; dass wirt ər færtik hæ
das wird er (
wohl)
fertig haben Brun
Obersaxen 171; i würə müəssə ga kšOwə
ich werde (
nachsehen)
gehen müssen Henzen
Freiburg 203. III@B@3@bb)
mit einem infinitiv des perfekts verbunden: es ist blut, die könige haben sich mit dem schwert verderbet, vnd einer wird den andern geschlagen haben
2. kön. 3, 23; ... unser getane bewilligung, die auch nunmehr unsers erachtens wirklich vollstrackt sein wirdet (16. 8. 1537) kurf. Joh. Friedrich
bei Luther
briefw. 8, 111
W.; dann er ine wüert gekant haben
d. reisen d. Samuel Kiechel 201
lit. ver.; sie werden ihn in Leipzig oft genug müssen gesehen haben, den bösen buben Lenz
ges. schr. (1828) 1, 70; wirst dich g'wundert und g'fragt hab'n Anzengruber
ges. w. 3 (
31897) 342; 's wird wohl gut gewesen sein Rosegger
waldbauernbub 2 (1933) 108;
so im neueren dt. noch durchaus geläufig (
s. auch Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657
und E. Abegg
ma. v. Urseren § 86): er wird seinen bruder besucht haben, wird verreist gewesen sein.
[] III@B@44)
konditional; als ersatzfügung für die präteritale möglichkeitsform in hypothetischen sätzen gebraucht (
z. b. würde helfen
statt: hälfe, würde geholfen haben
statt: hätte geholfen). III@B@4@aa)
mit einem einfachen infinitiv (
vgl. den entsprechenden gebrauch von wollen
teil 14, 2, 1342
ff.). III@B@4@a@aα)
im übergeordneten satz: si hi tacuerint, lapides clamabant ob dise swigen, die steine worden schrîen (1343)
Matthias v. Beheims evangelienb., Luk. 19, 40
Bechstein; sOeltent ir mich lOesen so wrdent mich die bOesen schAetzen nach irs hertzen gir (
hs., 1433
in Konstanz geschr.)
klage an eine harte frau, in: liedersaal 1, 15
Laszberg; und wär ich ietz eur leis- er hort es würd euch morgen greuen (1.
hälfte d. 15. jhs.) Oswald v. Wolkenstein 20, 40
Schatz; seit dem 16.
jh. oft bezeugt: wen aber die ubirkeyten drauff decht, wie man das junge volck ehlich zusammen brecht, wurde einem yglichen die hoffnung ehlichs stands fast wol helffen tragen und weeren der anfechtungen (1520) Luther 6, 467
W.; wenn mein weyb noch bey leben wer, sie wurd die ding noch klerer sagen H. Sachs 2, 11
lit. ver.; solstu gottes hertze sehen, wie sich da der kummer häuft, wie es dürstet, jächt und brent nach dem, der sich abgewändt von ihm und auch von den seinen, würdest du vor liebe weinen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 299; hätte sie gedanken wie ich denke, hätte sie gefühl wie ich empfinde, würde sie den morgen nicht erwarten würde schon in dieser stunde kommen Göthe I 2, 99
W.; auf welche weise aber, mein freund, würdest du deine ansicht über dergleichen gegenstände mittheilen, im fall du einmal deinen widerwillen künftig etwas mehr bezwingen solltest Tieck
schr. (1828) 4, 10; aber du wenns d' was wissetst han i denkt, vön dem alln, na wurn dir die zaunschlupferln bald nimmer gfalln Stieler
ged. 4, 50
Reclam. auch in hypothetischen aussagen, deren zugrundeliegende bedingung nicht in einem konditionalsatz ausdrücklich genannt ist: denn ihr Jüden würdet ja nimmermehr einen gehenkten ... heiden nach seinem tod für einen herrn anbeten (11. 6. 1537) Luther
briefw. 8, 90
W.; wir wolten nun hin auf den plan, an markt, da mOecht vns basz gelingen, diweil die weiber vnsrer dingen von jrem gschwez nicht würden achten Fischart
w. 1, 39
Hauffen; der ehestand ist nicht genug artzeney fr hurerey vnd vnzucht, sonst wrde es nicht so viel ehebruch geben Lehman
floril. polit. (1662) 1, 432; ich würde rathen, ihren (
anrede) plan aufzuschieben Göthe I 23, 20
W.; diese conceptionen in einem singbaren gedichte auszusprechen würde ich mit dem donner auf Sinai, mit dem 'du sollst!' beginnen (14. 11. 1816)
ebda IV 27, 234; dank würde meine frau für die kollegenschaft mir schwerlich wissen Gaudy
s. w. (1844) 2, 15.
in landschaftlicher umgangssprache ist vielfach statt würde
das hilfsverb täte
üblich geworden (
s. Behaghel
dt. syntax 2, 244): i dd dər s sagə, wn i s wīszt Staedele
syntax d. ma. v. Stahringen (
diss. Freiberg i. Br. 1927) 45. III@B@4@a@bβ)
im untergeordneten satz; einigermaszen geläufig nur im spätmhd. und frühnhd. (
s. Behaghel
a. a. o. 2, 245): ob ir nû kæmet ûf ein hûs und ouch immer wurdet phlegen, sô müest ir iuch bewegen unser aller, die hie sîn (
anf. 14. jh.) Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 57 003
Seemüller; [] auff das wer das wurd lesen wurd nutz do von haben (1466)
erste dt. bibel 1, 118
lit. ver.; wo sie aber des sich halsstarriglich wegern würde, alsdann soll man ihr sagen, dasz sie ihr lebenlang keinen andern ehlichen mann haben kann noch soll (31. 10. 1537) Luther
briefw. 8, 135
W. (
u. ö., sogar im irrealen vergleichssatz: als würde ich euch ... nimmermehr sehen
ebda 51); hierauss kOennen auss den yetzigen anderthalb hundert secten bald noch so vil werden, wo man nit der lugen mit gewalt würd wehren Joh. Nas
eins vnd hundert 1 (1567) 3
a; wrd er jhn vmb ein pferd zur tagreisz ansprechen, er wrde es jhm abschlagen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 50; ich glaube sicherlich, du bleibest auch dahinden, wenn sich kein laster mehr wurd' an den menschen finden J. Grob
dicht. versuchg. (1678) 41;
doch finden sich auch im neueren dt. einzelne belege (
s. auch Andresen
sprachgebrauch u. sprachrichtigkeit [1923] 112
f. und Matthias
sprachleben u. sprachschäden [1921] 395
ff.): wenn ... nicht meine mutter ... sehnlich auf mich harren würde (22. 9. 1850) G. Keller
leben, br. u. tageb. 2, 129
Erm. III@B@4@bb)
mit einem infinitiv des perfekts (
vgl. die entsprechende anwendung von wollen
teil 14, 2, 1344): wer das euangelion da gewest, so wer es nicht mglich, das es so lang uff eym klumpen solt gehangen sein, der tewffell wrs nicht gelyden haben (1523) Luther 12, 467
W.; aber wann jr von stuck zu stuck gesehen hetten das schOen geprAem, ... so wrden jhr gefragt haben ob kOenig Ortwin vnd Ottnitt ... inn aller jre herrlichkeit herrlicher gewesen seien vnd wirden gewisz es verglichen haben dem ... horn der geysz Amalthee Fischart
Garg. 175
ndr.; wann lachen nicht ein wohlstand were, wrde die natur den menschen nicht damit begabet haben Lehman
floril. polit. (1662) 1, 307; was wrde er gethan haben, wann
etc. che cosa havrebbe egli fatto se etc. Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1327
a; hAetten unsere feinde vor 13 oder 1400 jahren gelebet und etwas zu sagen gehabt: so wAere kein einziges concilium gehalten worden und die ketzer wrden freye hAende gehabt haben, den weinberg der christlichen kirche nach belieben zu verwsten Liscow
satyr. u. ernsth. schr. (1739) 484; auf ew. wohlgeb. werthes schreiben vom 19. februar würde früher geantwortet haben, wenn sich nicht bey unserm theater veränderungen ereignet hätten (8. 3. 1817) Göthe IV 28, 2
W.; unter anderen verhältnissen würde er sich dagegen zur wehre gesetzt haben Holtei
erz. schr. 5 (1861) 37. III@CC.
mit der vollendungsform (
part. prät.). III@C@11)
eines objektbezogenen (
transitiven)
verbs; die umschreibung des (
vorgangs-)
passivs. diese ausdrucksform ermöglicht die darstellung eines ablaufenden geschehens vom betroffenen objekt (
patiens)
aus; dabei bezeichnet das verbaladjektiv (
part. prät.)
den von der tätigkeit geschaffenen zustand des patiens, werden
das hineingeraten des veränderten objekts in diesen zustand. die vorgangsrichtung (
genus verbi)
kommt im partizip zum ausdruck, tempus und modus im hilfsverb. die verbindung erscheint zunächst —
im got. ausschlieszlich, im frühen ahd. vornehmlich —
futurisch (wairþiþ þus usguldan
γενήσεταί σοι ἀνταπόδομα Luk. 14, 12; arslagan uuirdit Christ [
occidetur]
Isidor 27, 13)
und präterital (du stauai gatauhans warþ
ὅτι κατεκρίθη Matth. 27, 3; uuardh ... chinemnit [
nominabatur]
Isidor 31, 4),
erst im verlauf der ahd. zeit auch zunehmend präsentisch (daz hû
s. tes rehto unde redelîcho geflegen uuirdet
domus ea, qu ratione regitur Notker 1, 614, 12
P.);
weiteres über den ausbau des tempussystems und die opposition zum zustandspassiv (
typus: ist / war gebunden)
s. u., ferner bei H. Brinkmann
sprachwandel und sprachbewegung in ahd. zeit (1931) 10
ff., W. Schröder in:
PBB. 77 (1955) 1
ff. und 79 (1957) 1
ff. sowie H. Rupp
ebda 78 (1956) 265
ff. verwiesen sei schlieszlich auf L. Mittner
s interessante hypothese, dasz die umschreibung mit werden
zunächst [] eine ausdrucksform der germanischen sakralsprache war, zur bezeichnung oder prophezeiung einer schicksalhaften wende diente und von da in die dichtung gedrungen, verchristlicht und grammatikalisiert worden ist: Wurd (1955) 110
ff., insbes. 133. III@C@1@aa)
indikativisch. III@C@1@a@aα)
mit präsentischem wert; zufrühest in allgemeinen oder hypothetischen aussagen, wobei auch noch die beziehung auf einen erst zukünftigen eintritt oder vollzug der handlung gegeben ist (
s. P. Kaufmann
über genera verbi im ahd. [
diss. Leipzig 1912]
insbes. 60
u. 69
sowie O. Behaghel
dt. syntax 2, 201):
qu scilicet LXX ebdomad si a tempore Danielis numerentur chiuuisso nu ibu dhea sibunzo uuehhono fona Daniheles zide uuerdhant chizelido
Isidor 26, 10
Hench; filii huius saeculi nubent et traduntur ad nuptias thiu kind therro uuerolti gihiuuent inti uuerdent furselit zi brûtlouftin
Tatian 127, 3
Sievers; wirdit thaz ouh ana wan ofto in sambazdag gidan Otfrid III 16, 37
Erdmann; als früheste belege für die bezeichnung bestimmter, gegenwärtig vollzogener handlungen sind wohl —
trotz Kaufmann
a. a. o. 58
u. 63 —
anzusehen: dimittuntur tibi peccata forlazseno dhir uuerdant dhino suntea
Monsee fragm. 1, 15
Hench (
im Tatian ist hier das zustandspassiv, die umschreibung mit sein,
gewählt, d. h. der blick nicht auf den sich vollziehenden vorgang, sondern den gegebenen neuen zustand des patiens gerichtet: sint thir furlazano sunta 54, 6
Sievers);
unde huic sapientia haec et virtutes tales, que per manus eius efficiuntur uuanan ist thesemo thisiu spahida inti solihiu megin, thiu thuruh sino henti uuerdent gifremit?
Tatian 78, 2
Sievers; doch erst seit Notker
etwa '
ist wirdit
c. part. das gewöhnliche mittel der präsensumschreibung' (Fr. Cuny
d. temporale wert der passiven umschreibungen i. ahd. [
diss. Bonn 1905] 9),
wenn auch bei ihm der typus ist gebunden
nicht selten noch präsentischen wert hat (
s. Twaddell werden
and wesen
with the passive in Notker, in: the Germanic Review 5 [1930] 291
f.)
und die fügung mit werden
bis ins hd. auch noch das futur bezeichnen kann (
s. u.δ sowie Rupp in:
PBB. 78 [1956] 282
f.):
domus ea qu ratione regitur ... daz hû
s. tes rehto unde redelîcho geflegen uuirdet Notker 1, 614, 12
Piper; animal namque diuiditur in hc. in uolatile. et gressibile. et aquatile animal uuirdet keskidôt in uligendez. gâendez. suummendez
ebda 1, 490, 7;
opponitur autem unumquodque istorum tirro îogelîh uuirdet ingagen stellet
ebda 1, 469, 1 (
weitere belege bei Cuny
a. a. o. 9
ff.); swâ der hôhe nider gât und ouch der nider an hôhen rât gezucket wirt, dâ ist der hof verirret Walther v.
d. Vogelweide 83, 16
Kraus; vnd in der figur eins adlers: wirt hie aus gesprochen daz sacrament gOetlicher wirdikeit (1466)
erste dt. bibel 1, 6
lit. ver.; wan ein buch erbliket wird, welches schOen und nett gebunden, so gedenkt man alsobald: hier wird etwas rars gefunden J. Grob
dicht. versuchg. (1678) 27; so wird ein jüngling ... zur ehre erwählt, vom Fo besessen zu werden A. v. Haller
Usong (1771) 6; von Hamburg aus werde ich noch immer mit den schönsten versprechungen gefüttert (18. 1. 1834) Hebbel
br. 1, 26
Werner; in sprachlandschaften, die ans romanische grenzen, findet sich im präsens noch sein
statt werden;
so '
ist im schweizerischen schriftdeutsch ungemein häufig zu finden, dasz sein
statt werden
gebraucht wird bei aufforderungen wie die schulbehörden sind eingeladen
anstatt werden eingeladen' Blümner
z. schweizer. schriftdeutsch (1892) 39;
auch '
setzt sich in der zeitungssprache Elsasz-Lothringens die umschreibung mit sein (
z. b. ich bin gebeten)
durch' D. Magenau
unters. z. form d. dt. schriftspr. i. Elsasz-Lothringen (
maschinenschriftl. diss. Tübingen 1957) 304;
und im cimbr. wird '
das passiv ... wie im ital. mit sain,
auch wohl mit kemen
und bolaiben
gebildet: [] ich bin (kime, bolaibe) gaslat
ich werde geschlagen' Schmeller-Bergmann 59;
s. auch Tschinkel
Gottschee 304.
vereinzelt wird auch kommen
oder gehen
als hilfsverb des passivs gebraucht; s. Christa
Trier 216
sowie Hotzenköcherle
Mutten 446
und Schmeller-Bergmann
cimbr. 59. III@C@1@a@bβ)
auf vergangene vorgänge bezogen. III@C@1@a@b@aaαα)
präterital; so schon im got. (
s. o.)
und ahd. geläufig, wenngleich die verbindung noch häufig einem perfekt oder plusquamperfekt entspricht (
s. die belege bei Fr. Cuny
der temporale wert der passiven umschreibungen im ahd. [
diss. Bonn 1905] 12
ff.) —
zeitwerte, deren besonderheit im germ. zunächst nicht sprachlich gefaszt war (
s. auch Rupp in:
PBB. 78, 279).
im gleichen masze wie die —
ursprünglich präsentische bzw. präteritale —
passivumschreibung mit sein (ist / war gebunden)
als umschreibung des perfekts und plusquamperfekts üblich wurde, erlangte der typus ward gebunden
rein präteritalen wert, d. h. die opposition zustandspassiv (ist/war gebunden) —
vorgangspassiv (wird/ward gebunden)
wird allmählich zu einem deutlichen gegensatz von zeitstufen: nam auses quidam ... a Moyse Iesus cognominabatur huuanda bidhiu uuardh chiuuisso auses ... fona Moysise in binamin Iesus chinemnit
Isidor 31, 4
Hench; puer ... confortabatur spiritu ther kneht ... uuard gistrengisot geiste
Tatian 4, 19
Sievers; so ward er hiar (thes was not!) fon thesemo firdamnot Otfrid II 5, 24
Erdmann; bei Notker
findet sich die fügung mit ward
zwar schon relativ häufig, auch als wiedergabe präteritaler passivformen des lateinischen, doch entspricht das verhältnis von ward / ist
und war gebunden
noch nicht ganz der nhd. regelung; die passivverbindung mit ward
erscheint noch häufig für ein lat. perfekt, die mit ist
nicht selten für ein lat. präsens (
s. Twaddell werden
and wesen
with the passive in Notker, in: the Germanic Review 5 [1930] 291
f.):
quasi lugens et contristatus. sic humiliabar also uuuôfenter unde leîdeger so genideret uuard ih Notker 2, 119, 21
Piper; tota die uerba mea execrabantur allen dag uuurden geleîdezet mîniu uuort
ebda 2, 212, 25. '
aber auch nachdem die anwendung von ist, was +
part. praet. als formen der relativen zeitstufe fest geregelt worden, bewahrt das allgemeine praeteritum die fähigkeit, auch die relativität innerhalb der vergangenheit auszudrücken, ohne dass es darum ein perfekt oder plusquamperfekt wäre. ... im mhd. ist dies eine sehr gewöhnliche erscheinung' (Öberg
üb. d. hochdt. passivumschreibung mit sein
und werden [
diss. Lund 1907] 65
f.): dô der vride wart getân (
als der waffenstillstand geschlossen war), daz volc huop sich von strîte sân Wolfram v. Eschenbach
Parzival 413, 21
Lachmann; doch entspricht der sprachgebrauch zunehmend der heutigen anwendung: si wurden wol enpfangenvon vriunden ûf den wegen. dâ ze Pazzouweman konde ir niht gelegen. si muosen über'z wazzer,dâ si funden velt. dâ wurden ûf gespannenbeide hütten und gezelt
Nibelungenlied 1629
Bartsch-de Boor; ere unde amtes beide were er (
St. Thomas) gerne vri gewesen, idoch so wart er uzgelesen von deme volke in der zit und zu dem amte gewit
passional 54, 38
Köpke; die brnne der tieffen wurden verstopffet sampt den fenstern des himels, vnd dem regen vom himel ward gewehret
1. Mos. 8, 2; weiland ward geschätzt der glaube nach vergosznem blute; nunmehr wird geschätzt der glaube nach besesznem gute Logau
sinnged. 10
lit. ver.; mein führer zupfte an der binde knoten. ward der gelöst und frei des blutes lauf, gewisz, nichts gutes ward mir dann geboten! A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 100;
[] das hübsche mädchen ward aufgefordert zu singen, wehrte sich heftig und muszte am ende doch H. Hesse
Gertrud (1910) 7. III@C@1@a@b@bbββ)
in der perfektkonstruktion. die im ahd. aufkommende perfektumschreibung mit sein (ist gebunden)
wird seit mhd. zeit durch worden
verdeutlicht (ist gebunden worden).
die syntaktische herleitung hat Behaghel
dt. syntax 2, 202
treffend dargelegt: '
wie überhaupt sich neben das prät. die perfektumschreibung stellte, neben er was
ein ist gewesen,
neben er wart groz
ein er ist groz worden,
so stellte sich neben wart geboren
ein ist geboren worden'.
damit fand werden
auch im perfekt wieder eingang in die passivkonstruktion; begonnen hat diese entwicklung offenbar bei verben, deren partizip adjektivischen charakter angenommen hatte: der bin ich worden undertân, als daz schif dem stiurman Dietmar v. Eist
in: minnesangs frühl. 38, 34
Kraus; oder oft in verbindung mit syntaktisch gleichgeordneten adjektiven erschien: diu hût was im überal erswarzet gar und worden sal (
dunkel) Rudolf v. Ems
Barlaam 163
Pfeiffer; auf die gleiche weise kam es ja etwa gleichzeitig zu der seltener gebrauchten konstruktion mit gewesen,
die zeitweilige dauer eines passivischen zustands ausdrückt (
s. auch Öberg
a. a. o. 98
ff.): in senender nôt bin ich begraben gewesen lange stunde Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 16948
f. Keller; seit dem 13.
jh. mehren sich die belege (
s. auch die nachweise bei Öberg
a. a. o. 81
ff. sowie Brodführer
unters. z. vorluth. bibelübers. [1922] 1): wan ir von ungemüete sît enpferwet worden sêre Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 7917
Keller; mit rimen schon zwigenge sint disiu lieder worden gemezzen rechter lenge Albrecht v. Scharfenberg
jüngerer Titurel 499 A
Wolf (
in einem nachträglichen einschub); hinach volget wie das concilium gelait ist worden gen Costenz (1.
hälfte 15.
jh.) Ulrich v. Richental
chron. d. Constanzer concils 13
lit. ver.; (
die liebe zu der verbotenen frucht) ist von den nachkomenen bisz auff uns, von tag zu tag grOeblich gebessert worden K. Scheit
Grobianus 6
ndr.; (
er ist) von dem sigristen mit abgOettischem weihwasser besprenget worden Dannhawer
catech. (1657) 1, 118; es ist darin ... gar manches zerstört worden Göthe II 6, 6
W.; die merkwürdige Napoleon-scene, wodurch Fontainebleau neuerdings ... historisch geweiht worden ist Laube
ges. schr. 4 (1876) 47.
im nhd. ist der typus die ausstellung ist eröffnet worden (
vorgangsbezeichnung)
merklich unterschieden von der konstruktion ohne werden,
die sich bei perfektiven verben nicht selten findet (
s. Behaghel
a. a. o. 2, 208
f. sowie Öberg
a. a. o. 90
ff.): die ausstellung ist eröffnet (
zustandsangabe);
imperfektive verben hingegen können in der passivischen perfektkonstruktion worden
kaum entbehren; man vgl.: sie sind gebeten / beobachtet / bewundert / gehaszt (worden).
andererseits ist im älteren nhd. vielfach das hilfsverb sein
erspart, doch nur im abhängigen satz (
vgl. die entsprechende erscheinung unter γγ): aus disen baiden dise nachvolgende capitl, so vil es die freiherrn von Zimbern belangen thut, gezogen worden
Zimmer. chron. 21, 86
Barack; also hat man bis anhero in der meinung gelebet, das die deutsche sprache ... in reichs abschieden am besten in acht genommen worden Gueintz
rechtschr. (1666) 4; woselbst das ritter-band vom elephanten-orden vielmehr, als du von ihm, durch dich gezieret worden König
ged. (1745) 4; ..., wovon glücklicherweise zu verschiedenen zeiten nachbildungen besorgt worden (13. 3. 1822) Göthe IV 35, 287
W. u. ö.; ich habe die katze an das nest der
[] Gallina geführt; ich bin schuld, dasz sie gefressen worden Brentano
ges. schr. (1852) 5, 100. III@C@1@a@b@ggγγ)
beim plusquamperfekt. auch hier erscheint worden
seit mhd. zeit (
zur entwicklung vgl. ββ): daz Gahmuret geprîset vil was worden dâ ze Zazamanc Wolfram v. Eschenbach
Parzival 58, 1
Lachmann; sus was der himelische ruom in allen gotes orden an im ervüllet worden Rudolf v. Ems
Barlaam 397
Pfeiffer; die zuuor von anderen musicweisern vnderricht waren worden Fischart
Garg. 272
ndr.; für solche zufälligen fremden gäste bedurfte es einer anderen (
theater-)kost als für die früheren bescheidenen hausfreunde, die noch mit dem edlen wein der classischen zeit getränkt worden waren P. Heyse
jugenderinn. u. bekenntn. (1900) 369.
wie beim perfekt (
s. unter ββ)
ist zuweilen das hilfsverb sein
erspart, doch nur im abhängigen satz, wo der doppelte w-
anlaut der aufeinanderfolgenden hilfsverben gern vermieden wird: er aber in der weil da sie geschlagen worden, ist sicher mit den bürgen wider gehn Syracus kommen Xylander
Polybius (1574) 6; sintemal ihm sein weib im haupt verruckt worden und dannenher ins toll-hausz gesperret war Francisci
trauersaal (1669) 2, 290; wenn sie die engen gAeszchen der stadt fleissig mit wein besprengen wrden. als nun dieses Oefters gethan worden (denn die Athenienser waren keine leute, die auf so etwas nicht geachtet hAetten) hOerte die pest bey ihnen auf Wieland
Lucian 4 (1789) 306; es blieb deshalb, nachdem der eindringling hinausgeschickt worden, noch ein gutes weilchen still G. Keller
ges. w. (1889) 2, 99; auf die schweren weine, die mir zu anfang der tafel servirt worden, hatte ich bereits eine flasche Veuve Cliquot gesetzt
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 288; während man hinter den tischen sasz, auch des tanzes eine weile satt, dem vordem gefröhnt worden, ... E. Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 278. III@C@1@a@gγ)
futurisch. III@C@1@a@g@aaαα)
wie unter α angedeutet, kann die einfache passivumschreibung mit der 1.
stammform von werden
weiterhin futurisch gebraucht werden, wie ja auch sonst die präsensformen (
und bes. perfektiver verben)
auf zukünftige vorgänge bezogen werden können: mouebuntur omnia fundamenta terrae dannan uuerdent iruueget alliû phundement dero erdo Notker 2, 341, 17
Piper; ... daz wirdet nimmer getân
Nibelungenlied 1559, 4
Bartsch-de Boor; das wird auf der nächsten sitzung besprochen;
doch erscheinen seit dem frühen nhd. fügungen wie (es) wird gefunden werden
als deutlichere ausdrucksformen des futurischen passivs (
über ansätze zu entsprechenden konstruktionen mit sollen
in frühdt. zeit s. Behaghel
dt. syntax 2, 201
sowie Schröder in:
PBB. 77 [1955] 38,
einen vereinzelten mndl. beleg des 14.
jhs. bei Verwijs-Verdam 9, 2, 2182
s. v. werden [10]): derhalben zu verhoffen ist, ... was er (
der Grobianus) verbeut von guoten sitten, ... werde also wider angezndt werden (1551) K. Scheit
Grobianus 6
ndr.; si uont gantz yr geschlecht duorch-aus von dir ab diser ærden wærn ausgereuttet wærden (1572) Schede
psalmen 75
ndr.; gott wird werden angeschaut dann von mir in diesem leibe Luise Henriette v. Brandenburg
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 5, 577; welches denn alles ... umständlicher wird ausgeführt werden können (9. 3. 1817) Göthe IV 28, 8
W.; könnt' ich der zukunft ihren schleier lüpfen, zu sehn dahinter einen, der geboren einst werden wird Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 4; der verwundete ... weisz nicht, ob er je transportiert werden wird
qu. a. d. j. 1952; wird er noch einmal getroffen
[] werden?
ebda. schon von grammatikern des 16.
jhs. verzeichnet: ich wille
vel werde geschlagen werden (1573) Ölinger
dt. gramm. 91
ndr.; ich wird
oder will gehabt werden (1573) Albertus
dt. gramm. 116
ndr.; amabor ich will / werde geliebet werden (1578) Clajus
dt. gramm. 85
ndr. III@C@1@a@g@bbββ)
das futurum II (
futurum exactum)
ist nur vereinzelt belegt; wie beim perfekt erscheint dabei worden: hoffentlich wird demnach in betracht des wintzers seiner pflicht und des weinberg-baues beobachtung und rechte nichts vergessen worden seyn, was diesfalls zu diesem öconomischen wercke gehOeret
allg. haushaltungslex. (1749) 3, 746; ich werde gelobet worden seyn Adelung
dt. sprachlehre (1781) 281. III@C@1@bb)
konjunktivisch. III@C@1@b@aα)
der konjunktiv präs. der passivumschreibung (
s. Behaghel
a. a. o. 2, 203
f.):
nisi ex duobus nascatur nibu fona zuuem chiboran uuerdhe
Isidor 3, 15
Hench; respice ... an hinc quoque idem firmius approbetur, quod ... n chius tir, ube ouh fone disên rationibus keuuâret uuerde, daz ... Notker 1, 187, 25
Piper; daneben ist auch einem erbern rat angezaigt, das die roren oder rynnen an dem schonen prunnen ... bey weilen mit waschen geunsewbert werde (1485)
Nürnb. polizeiordnungen 281
lit. ver.; es kan mich niemant auff nemen ader vorstehn, es wert ym dan geben vom vatter Luther 2, 112
W.; herrn staatsrath Schulz sage, dasz sein aufsatz ... abgedruckt werde (21. 5. 1816) Göthe IV 27, 16
W.; ... der nicht geduldet hat, dasz die leiche von seinem bette genommen werde Holtei
erz. schr. 14 (1862) 183; einen bund ..., worin sie sich verpflichteten, ... falls einer von ihnen angegriffen werde, sich gemeinschaftlich zur wehre zu setzen Ranke
s. w. 4 (1868) 49;
besonders im wunsch- und zwecksatz, also auf handlungen bezogen, deren verwirklichung noch aussteht: ut consumetur praeuaricatio et ... deleatur iniquitas dhazs chiendot uuerdhe dhiu aboha ubarhlaupnissi endi ... unrehd uuerdhe ardilet
Isidor 26, 3
ff. Hench; irfirrit uuerde balo sin, thu, druhtin, rihti uuort min! Otfrid I 2, 32
Kelle; sanctificetur nomen tuum dîn namo uuerde geheîligot Notker 2, 633, 6
Piper; alsus werde iu benomen al iuwer swære Hartmann v. Aue
Iwein 5920
Benecke-Lachmann; durch got yr mich des nit verzeicht, helfft, das ich zu priester werd gweicht
pfarrer vom Kalenberg 204
ndr.; ... ich will im mit der hand schreyben gar ein kleglichen brieff, anzeygen mein lieb hoch und tieff, dardurch er werd zu lieb geneygt, darinnen im auch werd anzeygt der heymlich eingang in mein kemnat H. Sachs 2, 27
lit. ver.; ach wacht und bätet, bätet, wacht, damit jhr von des feindes macht nicht werdet hintergangen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 303; dasz sie von dir öfters gelesen werde, wünsche und hoff ich (7. 11. 1816) Göthe IV 27, 223
W.; pressest du aus der gesamten unzähligen summe nur einen neuen gedanken heraus, werde die summe verziehn Platen
s. w. 4, 164
Koch. III@C@1@b@bβ)
der konjunktiv prät., meist in bedingungs- und absichtssätzen, also auf zukünftiges bezogen (
s. Behaghel
dt. syntax 2, 204):
ut impleretur dhazs arfullit uurdi
Isidor 28, 5
Hench; souueder sie châdîn de clo an ex hominibus sô uuurtîn sie geuangen Notker 1, 85, 30
Piper; die scham wir alle müesen klagn, wurd er in iwerem hûs erslagn Wolfram v. Eschenbach
Parzival 425, 28
Lachmann; der meszner wolt dem vnlust wern vnd wolt die linsz vom altar kern, das do geschmecht nit wuord die pfar
pfarrer vom Kalenberg 417
ndr.; [] du mstest dennoch gleuben, das sie dich zum heiligen und merterer machten und gewis sein, das du ynn einem rechten stand und gehorsam erfunden wrdest Luther 30, 2, 175
W.; wenn er (
Jupiter) allzeit würd' erhitzet, wenn man ihn schilt ohne scheu, so würd' er in kurzen weilen werden arm an blitz und keilen P. Fleming
dt. ged. 1, 83
lit. ver.; ich würde gelobet Adelung
dt. sprachlehre (1781) 281;
daher zuweilen auch in der verbindung mit werden (
vgl.C 1 a
γ): die sonst villeicht gebessert weren wurden (8.
od. 9. 2. 1537?) Luther
briefw. 8, 37
W.; ihre absicht würde sehr miszverstanden werden, wenn man glaubte ... Eschenburg
entwurf (1783)
vorr. 3
a. III@C@1@b@gγ)
der konjunktiv des perfekts und plusquamperfekts: ê icht geschaffen wære worden
daz anegenge in: ged. d. 12. u. 13. jhs. 6
a Hahn; ... ez wære in worden nie noch gegeben Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 48631
Keller; und wiewohl vielleicht von ihnen ... dasselbe also stillschweigende bishero geduldet wäre worden (1537) Brück (?)
bei Luther
briefw. 8, 83
W.; ... ob die gleich von den päpstischen bischofen geweihet worden sein
ebda 82; dasz bey diesem brande das vermaledeyte trompeterstückchen gerettet worden sey (3. 5. 1816) Göthe IV 27, 7
W.; die Moslemen sagen, er (
Esra) sei in seinen überwältigenden schmerzen und weinen über das gefallene Jerusalem von Jehovah getroffen worden Ritter
erdk., teil 11 (1844) 946. Adelung
setzt an: perf. ich sey gelobet worden;
plusq. ich wäre gelobet worden
dt. sprachlehre (1781) 281. III@C@1@cc)
imperativisch, so jedoch nicht gegenüber dem typus sei(d) gegrüszt
durchdringend (
s. Wunderlich-Reis
d. dt. satzbau 1 [
31924] 204):
in his ergo venite et curamini, et non in die sabbati in then cumet ir inti uuerdet giheilit, nalles in sambuztag
Tatian 103, 3
Sievers; du solt der meide wol geborn sichern und mîn dienest sagen: oder wirt alhie erslagen Wolfram v. Eschenbach
Parzival 267, 20
Lachmann; vnd Iosue sprach zuo dem volck. werdet geheilgt (
sanctificamini)
erste dt. bibel 4, 258
lit. ver.; gehet hin, meine kinder, und werdet zum himmelreich gelehrt, geschickter als euer vater, glückseeliger als eure landsleute, weiser als die alte, gemachte menschenfischer Ph. D. Burk
evangelienpostille (1774) 3, 10;
so auch von einigen grammatikern gebucht: sey
oder werde du gehabt! (1573) Albertus
dt. gramm. 117
ndr.; werde du gelobet! werdet ihr gelobet! Gottsched
dt. sprachkunst (1762) 319;
doch von Aichinger
und Adelung
dann als undeutsch bezeichnet (
s. Jellinek
gesch. d. nhd. gramm. 2 [1914] 308). III@C@1@dd)
infinitivisch. III@C@1@d@aα)
der einfache infinitiv des passivs findet sich oft nach dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen (
über den typus wird gefunden werden
und wird gefunden worden sein
s.C 1 a
γ):
ego a te debeo baptizari ih scal fon thir gitoufit uuerdan
Tatian 14, 2
Sievers; dez solte si gewert werden und der anderen zwirent alse vile (13.
jh.)
d. heil. regel f. ein vollk. leben 33, 16
Priebsch; das wir allenthalben hündbegreber mussen geschmeht werden (26. 7. 1537) Luther
briefw. 8, 102
W.; Griechen land hat ... gehabt die sinnreichsten ... mAenner so in aller welt haben mgen erfunden werden Seb. Münster
cosmogr. (1550)
vorr. 1; wir wollen ... von aller blintheit des herzens erlOeset werden Joh. Arndt
nachfolgung Christi (1631) 2; die nit allezeit auff das geweyhte begraben werden können Grimmelshausen
Simpl. 325
Scholte; diese dinge dürfen nicht historisch, sondern lyrisch verknüpft werden (14. 11. 1816) Göthe IV 27, 236
W.; denn es mochte den leuten etwas noch so unglaubliches vorgeschwätzt werden Immermann
w. 1, 8
Hempel; auf den hügeln um die mühlen sollen weinberge
[] angelegt werden Holtei
erz. schr. 25 (1862) 165.
gelegentlich auch —
als präpositionaler infinitiv —
nach anderen verben: ... ungeacht dasz ich ... von beruhrtem klostergut mein lebenlang versorget und erhalten zu werden belehnet und eingenommen bin (28. 6. 1537) Severin Schultze
bei Luther
briefw. 8, 92
W.; weil jede tugend ... durch einen eignen thron verdient belohnt zu werden König
ged. (1745) 11; jedes wünscht in diesem wettstreite lieber überwunden zu werden, als zu überwinden Göthe I 21, 94
W.; sowie substantiven: sie hielten auch ihr gewehr immer fix und dreheten die augen aus furcht, überfallen zu werden, immer von einer seite zur andern Kramer
leben d. seehelden (1681) 553; sie konnte der wonne nicht widerstehen, zu reizen und gereizt zu werden Göthe I 23, 57
W.; ferner vereinzelt statt der grundform des aktivs (
s. auch Behaghel
dt. syntax 2, 205): ih sah tero lantliuto gûot ferôset uuerden Notker 1, 26, 24
Piper; auf dasz dich einst ... mein auge nicht geschlagen werden sehe ... Bürger
s. w. 149
a Bohtz. III@C@1@d@bβ)
der infinitiv des perfekts ist weniger üblich: du insoldes nie sin worden under fursten kint gezalt (
anf. 14. jh.)
leben d. heil. Elisabeth 1196
Rieger; ihr fürchtet, betrogen worden zu sein Sütterlin
d. dt. spr. d. gegenwart (
41918) 274. III@C@22)
eines (
intransitiven)
vorgangs- oder zustandsverbs. auch hier besteht seit frühdt. zeit die möglichkeit der passivbildung, die allerdings klar unterschieden ist von dem im älteren dt. auch vertretenen und im ndl. fortlebenden aktivischen typus uuardh quhoman
Isidor 33, 1
H. (
s. Behaghel
dt. syntax 2, 410; Rupp in:
PBB. 78, 273
sowie Kern
de met het participium praet. omschreven werkwoordsvormen in: 't Nederlands verhandel. der koninkl. ak. van wetensch. te Amsterdam, afdeel. letterk. n. r. 12 [1912] 18
f. u. 295). III@C@2@aa)
die sogen. unpersönliche (
subjektlose)
passivkonstruktion, deren sich der sprecher bedient, wenn er vom träger des vorgangs absehen und nur den vollzug des geschehens bezeichnen will. III@C@2@a@aα)
bei verben ohne objektsbestimmung: nu uuirt aber uuîselicho gesungen Notker 2, 179, 22
Piper; ... dâ wart vil grimme gestriten
Nibelungenlied 1608, 4
Bartsch-de Boor; wiewol von Deütschen, insonderhait dem adl, gar ernstlich ward gestritten, ... waren inen doch die Türken ... überlegen
Zimmer. chron. 21, 91
Barack; jetzt ... soll gleich, sobald unsere rathsitzung geschlossen ist, in die kirche gezogen werden, um den segen des himmels zu erflehen Brentano
ges. schr. (1852) 5, 175; noch besitzen wir das ... nicht ohne ironie gezeichnete bild, wie ..., als es gegen Ariovist gehen sollte, geflucht und geweint und an testamenten ... gearbeitet ward Mommsen
röm. gesch. 3 (
41866) 482; in der hauptstadt ward auf Lepidus rechnung in den weinhäusern gezecht
ebda 23;
imperativisch: jetzt wird geschlafen! hier wird nicht gebrüllt! Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657.
oft findet sich eine unpersönliche konstruktion mit es: es ward ... von der weinausfuhre gesprochen (28. 9. 1797) Göthe I 34, 1, 384
W.; wie oft trat nicht die herrschaft schon herein! es ward gepocht, die symphonie fiel ein
ebda I 16, 135; es wird gebadet und getruncken (9. 8. 1816)
ebda IV 27, 140;
wie schon einige vorgenannte belege erkennen lassen, werden auch transitive verben zuweilen unpersönlich gebraucht: dâ wart von tûsent heldenvil kunstlîch geriten
Nibelungenlied 1891, 3
Bartsch-de Boor; [] die ... zwischenzeit ward benutzt, um wurfgeschütze und rüstungen herzustellen; tag und nacht ward ... an maschinen und waffen gezimmert und gehämmert Mommsen
röm. gesch. 2 (
41865) 27. III@C@2@a@bβ)
bei verben mit genitivischer oder dativischer bestimmungsergänzung: pulsanti aperietur clophontemo uuirdit gioffanot
Tatian 40, 5
Sievers; des wirt noch gelachet Walther v.
d. Vogelweide 40, 4
Kraus; und swig ich nu die lenge zwar, so wurd mein schier vergessen gar Oswald v. Wolkenstein 122, 2
Schatz; eischt vnd euch wirt gegeben, suocht vnd ir vindet, klopfet vnd euch wirt aufgetan
erste dt. bibel 1, 26
lit. ver.; dem rAegen vom himel ward geweert
Zürcher bibel (1531) 4
a (
1. Mos. 8); damit meines stammens vnd namens bey euch in allen groben stcken gedacht werde K. Scheit
Grobianus 10
ndr.; dem mann kann geholfen werden Schiller 2, 204
G.; hierauf wurde durch weihgeschenke und opfer den göttern für den errungenen sieg gedankt
F. Ch. Schlosser
weltgesch. (1844) 1, 375. III@C@2@bb)
zuweilen wird auch von solchen verben ein persönliches passiv gebildet, im älteren dt. vor allem von verben mit dativischer ergänzung (
weitere fälle, auch scherzhafte bildungen des typus er wird gegangen,
verzeichnet Behaghel
dt. syntax 2, 212): ... dasz gedachter magister unser und unsers ... lieben bruders kurfurstentumb ... ewiglichen auch vorboten wurd (16. 8. 1537) kurfürst Johann Friedrich
bei Luther
briefw. 8, 110
W.; sie werden auf den zahn gefühlt werden Immermann
bei Behaghel 2, 212.
davon zu scheiden sind allerdings fälle, die zunächst oder landschaftlich den akkusativ regieren, also ein reguläres passiv bilden: wird ich der beider hie gewert Wolfram v. Eschenbach
Parzival 87, 4
Lachmann; den narren spiegel ich disz nenn in dem ein yeder narr sich kenn wer yeder sy wurt er bericht Seb. Brant
narrenschiff 2
Z.; die Weiland-angehörigen, besonders die einwohner der landschaft March, wurden von derselben Schwyzerlandsgemeinde durch eilboten angefragt: ob sie bei der allgemeinen drohenden gefahr sich an die Waldstätte anschliessen wollen oder nicht? Zschokke
ausgew. schr. 6 (1825) 162;
im bair. findet sich auch verunglücken
passivisch konstruiert: a martertaferl ... wie s' san so an die straszen vorn, wo oaner is verunglückt worn Stieler
ged. 1, 57
Reclam. III@C@33)
vereinzelt auch eines rückbezüglichen verbs (
reflexivums),
zur bildung eines unpersönlichen passivs: swâ mite heinlich suln sîn zwô frowen an tugenden vollekomen, des wart sich von in an genomen Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelet 5396
Hahn; sehen sie, lieben freunde, nun wird sich wo anders geärgert O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 418;
weitere belege bei Behaghel
dt. syntax 2, 214
f. diese konstruktion findet sich auch in landschaftlicher umgangssprache: do wū
er sech g
ewē
art
da wehrte man sich Heinzerling-Reuter
Siegerland 320; in der stube wird sich unterhalten
man unterhält sich Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 657; haynt wært si pat
heute wird sich gebadet Gebhardt
Nürnberg 300. IVIV.
adjektivischer und substantivischer gebrauch der nominalformen. IV@AA.
die beiwörtlich gebrauchten partizipialformen werdend
und geworden. IV@A@11)
attributiv. IV@A@1@aa)
das part. präs. IV@A@1@a@aα)
als beiwort im sinne von '
entstehend; im entstehen, in der entwicklung begriffen' (
zu I B);
in mannigfacher anwendung: ein werdender edelmann (1573) Ölinger
[] dt. gramm. 101
ndr.; welche kette er (
der schützenkönig) bis künfftig jahr die ehre hatt zu behalten, sodan dieselbe aber dem derozeit werdenden könige überliefern musz (1714)
Berliner geschrieb. zeit. 18
Friedländer; wer das vertraun vergiftet, o der mordet das werdende geschlecht im leib der mutter! Schiller 12, 309
G.; wie der werdende schmetterling sich in den cocon spinnt Gutzkow
ritter (1850) 1, 10; guter rath für werdende schriftsteller
ders., ges. w. (1872) 11, 31; es war nicht eigentlich ein erwachsenes mädchen, sondern ein ding, das noch zwischen kind und werdender jungfrau stand Stifter
s. w. 4, 1 (1911) 84; die verantwortung für dieses werdende wesen Polenz
Grabenh. (1898) 2, 148; dem werdenden künstler St. Zweig
welt v. gestern (1947) 36; die werdenden mütter A. Zweig
einsetzg. e. königs (1950) 199.
auch sonst neben substantiven der verschiedensten art, beliebt in der neueren dichtersprache (
s. auch Adelung 5 [1786] 179): ein werdender duft (
nebel) Klopstock
Messias (1780) 337; ... des winters werdender tag
ders., oden 1, 173
M.-P.; Homer mahlet nehmlich das schild nicht als ein fertiges vollendetes, sondern als ein werdendes schild Lessing 9, 111
L.-M.; die geschichte unsrer werdenden liebe (25. 8. 1789) Schiller
br. 2, 315
Jonas; der aufwand ... von gewordenen und werdenden welten Göthe I 46, 22
W.; die werdende philosophie Fr. Schlegel
jugendschr. 1, 244
M.; in der werdenden (
eintretenden) stille Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria (1911) 70; über dem werdenden feld E. Wiechert
Doskocil (1932) 61; das geheimnis eines werdenden lebens
ders., missa sine nomine (1950) 260;
und der sprache der wissenschaft: für den werdenden staat Ranke
s. w. 31/32 (1877) 11; eine werdende theologie
ebda 1 (1867) 289; das werdende grosse ostreich Treitschke
hist. aufs. (1886) 2, 27; die idee des werdenden stückes G. Freytag
ges. w. 14 (1887) 12; mit der werdenden gotik haben sie innerlich nichts zu tun Dehio
gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 123; in einem werdenden deutsch W. Pinder
d. kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 60.
als besonders auffällige anwendungen finden sich: da wir, wenn er kaum reift, schon den gedanken sehn und die werdende that, eh sie hinübertrit vor das auge des schauers und nun andre geberden hat! Klopstock
oden 1, 92
M.-P.; ihr singet ... dem künftig werdenden genusse entgegen maler Müller
w. (1811) 1, 53; spazirgang ... die Dessauer strasze zu ende in's freie, wo bauten und erd- und wasserarbeiten betrieben werden; ein werdender marktplatz (30. 10. 1848) Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 5, 254; die damalige republik war nichts als revolution, ... ihre gesetze, wie in werdenden zeiten immer, starben schnell ab Gutzkow
ges. w. (1872) 9, 113; Lucullus hatte ... seine werdende flotte in den kyprischen ... häfen verstärkt Mommsen
röm. gesch. 3 (
41865) 301; als sähen sie dem werdenden geschehen mit denselben empfindungen entgegen, mit denen sie etwa die eröffnung eines neuen theaters erwartet hätten E. Mühsam
namen u. menschen (1949) 223; von der silbernen sichel des werdenden mondes A. Zweig
einsetzg. e. königs (1950) 138; im werdenden frühling
ebda 172. IV@A@1@a@bβ)
selbst mit einem prädikativum verbunden (
vgl. II)
findet sich werdend
oft beiwörtlich gebraucht: ein ihm gefällig werdend lied Denis
lieder Sineds (1772) 96; dessen zu grosz werdender reichtum (31. 8. 1809) J. Grimm
an Savigny 76
Schoof; in einer beynahe unverständlich werdenden sprache (10. 6. 1822) Göthe IV 36, 60
W.; meine mündig werdende phantasie Tieck
schr. (1828) 4, 27;
[] auf einmal schwebt vor meinem blick das hier einheimisch werdende glück! Baumeister
zimmermannsspr. (1837) 6; eine ... den ansprüchen der philosophischen forschung gerecht werdende gesamtdarstellung der wichtigen epoche (1924) W. Moog
vorw. z. 12.
aufl. v. Ueberweg
s grundrisz d. gesch. d. philos. 3 (1957) VII; die flügge werdenden mädchen
qu. a. d. j. 1926.
auch in verbindung mit einem komparativ: die in Deutschland immer allgemeiner werdende bildung Göthe I 46, 9
W.; in den goldener werdenden strahlen der sich senkenden sonne Gutzkow
ritter (1850) 1, 51; unter immer munterer werdendem schellengeläut Fontane
ges. w. (1905) I 1, 5; eine pause trat ein, die dann und wann von Tonys allmählich seltener werdendem schluchzen unterbrochen ward Th. Mann
ges. w. (1955) 1, 383.
ganz vereinzelt steht ein konditionaler gebrauch: meine gegenwärtigen verhältnisse ... erlauben mir nicht, in eine verbindung einzugehen, die bey ihrer bedeutung und der nöthig seyn würdenden aufmerksamkeit auf alles, was in Deutschland geschieht, einen sehr groszen theil meiner zeit und meiner interessen in anspruch nehmen möchte Eckermann
sein leben f. Goethe 1, 341
Houben. IV@A@1@bb)
das part. prät. IV@A@1@b@aα)
als beiwort sowohl im sinne von '
entstanden, gewachsen' (
vgl. I B): mehr eine geschaffene als eine gewordene stadt Mommsen
röm. gesch. 1 (
41856) 48;
als auch gelegentlich von '
zuteil geworden' (
vgl. I C): voller unmuth über die ihr gewordene kündigung hatte sie eine wohnung gesucht Gutzkow
zauberer (1858) 1, 319; die umsicht, mit welcher sie (
anrede) sich des ihnen gewordenen auftrages entledigen (19. 8. 1837) Krauseneck
bei Moltke
ges. schr. (1892) 1, 140. IV@A@1@b@bβ)
in verbindung mit einem prädikativum (
vgl. II): dasz ein durch Christum gerecht wordener mensch durch die wercke der liebe noch mehr gerecht werden kan J. Scheffler
ecclesiologia (1735) 2, 439
b; einen ganz frisch fertig gewordenen hanswurst Göthe I 21, 18
W.; die römisch gewordenen völker Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 16; Gackeleia ... lief ihrer flüchtig gewordenen schönen kunstfigur nach Brentano
ges. schr. (1852) 5, 156; auswahl der sprüchwörtlich gewordenen characteristiken Justi
Winckelmann (1866) 1, 217; ruhig gewordener gesichtszüge Paul Ernst
zehn gesch. 13
Potthoff. auch mit einem komparativ verbunden: eine spätere, durch schwere erfahrungen und kämpfe aller art ernster gewordene generation O. Jahn
Mozart (1856) 4, 207;
sowie vereinzelt mit einem prädikativum, das präpositional angeschlossen ist: es war ... ein bleibender und zur verfassung gewordener zustand Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 82. IV@A@22)
als prädikatives beiwort nur vereinzelt gebraucht: man kann nämlich die durch die objective prismatische wirkung entstandenen bilder als immer werdende und bewegliche ansehen Göthe II 2, 81
W. IV@BB.
substantivischer gebrauch IV@B@11)
des infinitivs IV@B@1@aa) (das) werden: sol mich nu hie ermorden, von des libe ich bin geborn, so wær min werden baz verborn Ulrich v. Türheim
Rennewart 20936
Hübner; daz würken und daz werden ist ein meister Eckhart
dt. w. 1, 114
Qu.; wil der fried' im werden sterben Joh. Rist
d. friedewünschende Teutschland (1648) 30.
seit dem 18.
jh. auszerordentlich häufig, in der sprache der wissenschaft und dichtung geradezu ein modewort: nachgehends wird beschrieben, wie Adam sich ber sein eigenes werden bestrtzet Bodmer
abh. v. d. wunderbaren (1740) 369; sie (
die natur) verschwor sich wider mich schon in der stunde meines werdens Schiller 2, 216
G.; nun rede ich hier von dem seyn des lebens,
[] d. i. eines absoluten werdens Fichte
s. w. (1845) 2, 681; es kam vielmehr darauf an, die momente des historischen werdens ... zu vergegenwärtigen Ranke
s. w. 25 (1874) XI; da ging ein werden durch weite welt Münchhausen
balladen u. ritterliche lieder (1908) 106; der mensch, als wäre er soeben aus der dunkelheit des werdens gestiegen, der erste von seiner art H. Hesse
Zarathustras wiederkehr (1924) 8.
oft mit einer genitivischen bezeichnung des vorgangträgers: ob aber Homer dies werden des schildes ergriffen, um gleichsam mit dem consekutiven ein coexsistirendes zu liefern? Herder 3, 147
S.; von dem allerersten werden der unendlichen natur alles göttliche auf erden ist ein lichtgedanke nur Schiller 11, 360
G.; man musz nämlich prismen von wenigen graden ... anwenden, wobei man das werden des bildes deutlich beobachten kann Göthe II 2, 59
W.; das werden gewisser grammatischer formen (6. 11. 1821) W. v. Humboldt
br. a. Welcker 52
Haym; dies werden der deutschen philologie (4. 4. 1875) Müllenhoff
a. W. Scherer in: briefw. 562
Leitzmann; das werden einer that G. Freytag
ges. w. 14 (1887) 18; das dramatische im werden Wagner's Nietzsche
w. I 1 (
41895) 502; das werden des gotischen stils Dehio
kunstgesch. aufs. (1914) 25; auf diese versuche (
bilder und gefühle in musik wiederzugeben) folgt nun aber nicht ein langsames werden der Bachschen tonsprache. urplötzlich steht sie fertig und ausgebildet da Schweitzer
Bach (1948) 448; vom werden lyrischer gedichte erzählen E. Mühsam
namen u. menschen (1949) 233.
als feste wendung erscheint im werden sein: 1725, wo Herrnhut völlig im werden war Jung-Stilling
s. schr. 3 (1835) 251; unsere literatur hatte, gott sei dank, noch kein goldenes zeitalter, und wie das übrige so ist unser theater noch erst im werden Göthe I 40, 81
W.; alles war noch im werden, noch ziemlich formlos: an eine befestigte kirchenverfassung war noch nicht zu denken Ranke
s. w. 3 (1868) 339; im 14. jahrhundert war sie (
die eigentlich städtische kultur) erst im werden Dehio
gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 6; ein neuer tag war im werden H. Carossa
d. tag d. arztes (1955) 196;
auch im werden begriffen sein: 'statt' zwar den nahmen einer präposition ... verdienet, 'anstatt' aber noch erst im werden begriffen ist Adelung
lehrgeb. (1782) 2, 118; sie (
die stadt) war zu meines groszvaters zeit noch ganz in ihrem werden begriffen J. Kerner
bilderbuch (1849) 31; denn in unaufhörlichem werden sind sie begriffen Ranke
s. w. 38 (1874) 239.
darüber hinaus findet sich werden
in einer reihe zweigliedriger fügungen, verbunden mit einem sinnverwandten wort: es ist wunderbar wie alte verfassungen, die blosz auf seyn und erhalten gegründet sind, sich in zeiten ausnehmen, wo alles zum werden und verändern strebt (25. 10. 1797) Göthe IV 12, 347
W.; das waren die schönen zeiten jenes geists der consociationen, durch welchen Europa sich emporhob und alles im werden und blühen begriffen war K. L. v. Haller
staatswissensch. (1816) 2, 120; ... dass sie im werden und entstehen belauscht werden müssen Gervinus
dt. dichtg. (1853) 5, 432; und zweck der biographie ist stets: ein individuum in seinem eigenartigen werden und vollbringen zu zeigen Scherer
kl. schr. (1893) 1, 77;
besonders gleichen anlauts: denn wie sollte man an einem solchen werden und wirken nicht einen redlichen theil nehmen (11. 3. 1827) Göthe IV 42, 81
W.; die sprache in ihrem wachsen und werden belauschen Schmeller
maa. Bayerns (1821) 22; das zeichen ..., dasz etwas im werke und werden war Gutzkow
ritter (1850) 1, 103; werden und wachsen des deutschen rechtes Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 313;
oder mit einem gegensätzlichen gefügepartner, das wesen (
oder sein) und werden: dann würde das weltall ... den gipfel des eigenen werdens und wesens bewundern
[] Göthe I 46, 22
W.; die mannichfaltigkeit des seins und werdens
ebda II 6, 5; plötzlich kaufte ich einige bücher schreibpapier und begann, um mir mein werden und wesen einmal recht anschaulich zu machen, eine darstellung meines bisherigen lebens und erfahrens G. Keller
ges. w. (1889) 3, 59; das ist für eine betrachtung von wesen und werden deutscher formen nicht so entscheidend W. Pinder
d. dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 271; das werden und vergehen: der inhalt des dramas ist ein werden oder ein vergehn Novalis
schr. 3, 9
Minor; alle diese welten sind dem werden und vergehen unterworfen Lange
materialismus (1866) 48. IV@B@1@bb)
der typus (das) schwarz werden: alsô uuideruuartîg uuehsal ist uuîz uuerden demo suarz uuerden Notker 1, 494, 6
f. P.; ehelich werden ist eine aerznei fur hurerei (1531) Veit Dietrich
bei Luther
tischr. 1, 6
W.; fromm werden bringet glück Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 344; die wissenschaft vom wirklich werden alles dessen, was praktisch nothwendig ist A. W. Schlegel
vorlesungen üb. schöne litt. u. kunst 1, 14
dt. lit.-denkm.; sein allmähliges grausam werden (7. 6. 1882) C.
F. Meyer
an J. Rodenberg in: br. 109
Langm.; das immer-leerer-werden der bänke vor mir Klemperer
l. t. i. (1949) 17. IV@B@22)
das part. präs. IV@B@2@aa) der werdende: wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen; ein werdender wird immer dankbar sein Göthe I 14, 14
W. aus seinen zügen leuchtete der glanz einer unverwelklichen jugend. die jugend des mit bewusztsein werdenden
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 3, 21; dasz irgendwo um schöne werdende eine heimat steht ... (18. 10. 1900) Rilke
br. 1899 —1902 (1931) 53; war es denn (
bei dem Erlanger selbstbildnis Dürers) nicht gar so, dasz der werdende zuerst noch nicht an zeichnen dachte, als er vor dem spiegel träumte, mit den heiszen fragen der jugend W. Pinder
d. dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 14;
in dichterischer steigerung: und du bist der, in dem ich nicht geirrt, den ich betrat wie ein bewohntes haus. jetzt geht dein wachsen über mich hinaus: du bist der werdendste, der wird (4. 10. 1900) Rilke
br. 1899—1902 (1931) 368. IV@B@2@bb) das werdende: das werdende, das ewig wirkt und lebt, umfass' euch mit der liebe holden schranken Göthe I 14, 23
W.; welche wissenschaft ... könnte wol ein solcher zug sein für die seele von dem werdenden zu dem seienden? Schleiermacher
Platon 3, 1 (1828) 372; ein ... talent, eben so fähig, das bestehende zu erschüttern, zu zerstören, wie das werdende zusammenzuhalten Ranke
s. w. 16 (1870) 178; man musz froh sein, wenn die zeit erweist, dasz man wenigstens in den hauptsachen auf der rechten seite gestanden und zuweilen das werdende richtig gedeutet hat (11. 2. 1886) G. Freytag
br. a. s. gattin (1912) 40; das werdende wirkt stets anders als das gewordene Dehio
gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 5.
mit hinzutritt einer umstandsbestimmung: weil hier ... ein immer werdendes sich zeigt ... Ritter
erdk., teil 1 (1822) 9; Platon würdigte ihren (
der zeit) gegenstand herab, als das immerdar werdende, aber nie seiende Schopenhauer
s. w. 1, 38
Gr.; sie (
die zoologie) gleicht darin der psychologie, die auch eine art von mumienschändung ist, indem sie aus dem gewordenen auf das immerdar werdende zu schlieszen ... sucht
qu. a. d. j. 1929. IV@B@2@cc)
vereinzelt fälle des passivischen typus die mitgeteilt werdenden
verzeichnet Behaghel
dt. syntax 2, 205;
s. auch unter 3 c.
[] IV@B@33)
das part. prät. IV@B@3@aa) das gewordene: mannigfaltig, wechselvoll, wie alles gewordene H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 636. IV@B@3@bb) das (ein) geworden sein;
nur vereinzelt bezeugt: sobald ... irgend ein werden oder gewordenseyn oder werdenwerden sich vorfindet Schopenhauer
s. w. 1, 358
Gr.; der sinn für geschichte ... will nicht mehr sterile epigonale einsicht in ein gewordensein ... er hält sich an die person
qu. a. d. j. 1933. IV@B@3@cc)
das part. prät. der passivumschreibung wird kaum substantiviert gebraucht: es giebt solche menschen, in der reihe der geboren wordenen und werdenden (10. 1. 1812) Rahel
bei Varnhagen v. Ense
Rahel (1834) 2, 6.