glimpfen,
vb. herkunft und form. man hat zwischen einem starken verbum und einem denominativum zu glimpf,
adj. oder m., zu unterscheiden, s. 2glimpfen.
das starke verbum ist innerhalb des hd. reichlicher nur im ahd. bezeugt, in späterer zeit einzig in unpersönlichem gebrauch. dem ahd. galimpfan, galimfan
entspricht ags. gelimpan.
daneben steht in gleicher bedeutung ahd. limpfan, limpan;
ags. limpan;
ags. auszerdem ālimpan
und belimpan.
die herkunft der wortfamilie ist unbekannt. die übliche, von Fick III
4 363, Torp 373, Hellquist 438, Falk-Torp 634, Holthausen 203, Weigand-Hirt I 740
f., Kluge-Götze 210, Walde-Pokorny 2, 433
vertretene verbindung mit mhd. limpfen,
ne. limp,
nd. limpen,
ädän. lumpe '
hinken',
ai. lambate '
hängt herab, senkt sich, hängt sich an, zögert'
scheitert daran, dasz sich die bedeutungen nicht befriedigend vermitteln lassen; die von Falk-Torp, Hellquist
u. a. angenommene grundbedeutung '
gehen, fallen, gleiten'
ist weder bezeugt noch paszt sie zu dem behaupteten zusammenhang mit ai. lambate,
und dasz die bedeutung '
das passende'
im präfix ga-
liege, wird durch ags. limpan
und ahd. limpfan
widerlegt. bedeutung und gebrauch. das ahd. galimpfan
erscheint in glossierungen öfter synonym mit garisan
gll. 2, 97, 51; 101, 6; 106, 19; 113, 66
St.-S.; Benedictinerregel (
s. u.).
es übersetzt 11)
lat. competere, convenire (
s. u.)
und pertinere ad Tatian 138, 3
Sievers, vgl. ags. limpan to '
pertinere ad' Bosworth-Toller
suppl. 618
b:
nihil amplius gerant quam illa sola singuli, quae parrochiae propriae competunt kalimfant
gll. 2, 97, 31; 106, 19
St.-S.; de honore monachis competente kalimphanteru
ebda 2, 101, 6; 113, 66; unsaremu inhucti kalimfanti (
nostro sensui conpetens)
Murbacher hymnen 8, 7
Sievers; so er ... chiusit, uuaz iogelichemo gelimpfe, danne gibet er imo, daz er imo bechennet limfen (
qui, cum ... respexit, quid unicuique conveniat, agnoscit et, quod conuenire nouit, accomodat) Notker 1, 283
Piper; dien anderen ahon umbe sih rinnenten, geteta si mit iro giezon under sie gemisten dia metemscaft tiu darazu gelamf (
quibusdam riuulis intermixtis quantum pensabat moderatio temperabatur)
ebda 1, 707. 22)
in unpersönlichem gebrauch übersetzt (ge)limphit
lat. decet, condecet mit dem infinitiv oder abhängigem satz, mit und ohne dativ der person: uzzan so discoom kerisit hoorreen demu meistre so ioh imu forakesehantlihho indi rehto kelimfit alliu kesezzan (
sed sicut discipulis conuenit oboedire magistro, ita et ipsum prouide et iuste concedet [
l. condecet]
cuncta disponere)
Benediktinerregel 3
Steinmeyer kl. ahd. sprachdkm. 203, 9; uns limphit, wir mit willen guatalih irfullen (
decet nos implere omnem iustitiam) Otfrid 1, 25, 12
Erdmann; Tatian 14, 2
Sievers; im Tatian sehr häufig für lat. oportet: gilimphit simbolun zi betonne, nalles zi bilinnenne (
oportet semper orare et non deficere) 122, 1; ni gilamf thir zi miltenne thines ebenscalkes (
non ergo oportuit et te misereri conservi tui), soso ih thir milti uuas? 99, 4;
auch einmal für licet: bithiu gilimphit in sambaztag uuola zi tuonne (
licet sabbato bene facere) 69, 6.
jüngeres unpersönliches es glimpft
weicht in der syntaktischen verwendung von dem ahd. ab; es ist auch nicht in eindeutig starken formen bezeugt. da es aber nicht an das allgemein factitive denominativum anzuschlieszen ist, wird man es doch mit dem ahd. starken verb zu verbinden haben: kalimfan ...
hodie non amplius auditur. utimur tamen impersonali es glimpfet nicht
non congruit, non decet Wachter
gloss. germ. (1737) 596;
vgl. auch gelympen
licere, decere v.
d. Schueren
Teuth. 116
b Verdam; swelch kint schimpht, der schimphe also, daz man dervon nien werde unvro. bœs ernst kumt von bœsem schimphe: man sol schimphen daz ez glimphe (
hs. gelimphe) Thomasin v. Zirclaria
wälscher gast 662
Rückert; und habend aber alle alten, die ich gesehen hab, also daruon (
von der textstelle) geredt, wiewol uns dasselb nit zwingt, aber es glimpfet H. Zwingli
über M. Luthers buoch bekentnusz genant (1528) 65
a;
auch reflexiv: wir mainten, dasz sich das nicht gelimpfen wurd, dasz wir unerfordert also zuo im reiten (1425) herzog Wilhelm
bei Schmeller-Fr.
bair. 2, 468.