wassermann,
m. 11)
von menschen. 1@aa)
seemann, schiffer, mhd.: dô sâhens einen marner gên in vaste schiffen her ... 'jâ, hêrre', sprach der waʒʒerman, 'des truchsêʒen eigen ich bin'. H. v. Freiberg
Tristan 4080
Bernt. jetzt im steirischen '
fischer' Unger-Khull 620
b.
anwohner des meeres, bewohner eines wasserreichen landes: contrast zwischen den sitten der hochländer und tiefländer, der continentalen und der wassermänner Ritter
erdkunde 4, 728.
mit anspielung auf wässeriges, phlegmatisches temperament: man musz ein Holländer seyn um mit einer tulpe zu sympathisiren, und dann ist auch die sympathie dieser wassermänner sehr phlegmatisch Göthe 37, 62
Weim. ausg. 1@bb)
wasserleiter (
vgl.wässermann): es söllent die von Roggwil einen wassermann haben in irem kosten, der das waszer leite und wise uff die agker
weisth. 1, 177 (
Roggwil im Bernischen, 15.
jahrh.)
; aquilex Corvinus
fons latin. (1646) 67; burgermeister und rath der stadt Homburg .... verlangt einen wasserman, der dabey pflastern kan
Casseler zeitung 1731,
s. 163;
im Erzgebirge veraltet für '
röhrmeister' Müller-Fraureuth 2, 643
a. 1@cc)
wasserträger: aquarius, waʒʒirman (
neben arpago, haspil) Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 636, 28; wasserer
oder wasserman
oder wassertrager
voc. theut. nn 2
b (
oder zu 5
gehörig?)
; aquarius, qui aquam circumfert venalem Alberus (1540) Z z 2
a;
in dieser bedeutung bei Göthe 43, i, 341 (
Cellini 1)
Weim. ausg. scherzhaft: vil saubere würth stöllen nicht allein in coelo, sondern auch cellario den wassermann, und führen den guten wein wider seinen willen nacher Wasserburg Abr. a S. Clara
Judas (
Salzburg 1686
ff.) 1, 310. wassermanner
unter den seeleuten Stenzel 458
a.
der mit wasser reinigt, scherzhaft: ich lernte schwamm und besen führen als kritiker, als wassermann. Nietzsche 5, 357. 1@dd) der wassermann Johannes (
der täufer) Claudius 8, 218. 1@ee)
wassertrinker: den ihr für einen weinsäuffer ... ausgabt ..., er sey ein wassermann v. Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 3, i, 86; ich will doch nicht hoffen, dasz du den mörder Lukasson für einen wassermann hältst; eher war der unglückliche ein weinmensch Zschokke 10, 147. 1@ff)
nüchterner, geistloser mensch, schriftsteller (
vgl. 6
am ende und wasser II B 1
g): freilich wohl wird er recht haben müssen, der wassermann Weisze
lustspiele 1, 48 (
poeten nach der mode 2, 3); seine (
Göthes) abfertigung der antixenisten durch den zauberlehrling hat mir trefflich gefallen. wie werden sie es denn nun machen, die wassermänner? v. Knebel
nachlasz 3, 27. 1@gg)
harnbeschauer: wie machts Aquarius, der grosze wassermann, der durch ein glas urin unfehlbar wissen kan, wie grosz und alt man ist, wie oft man krank gewesen. Gottsched
gedichte (1736) 618. '
wasserdoktor, quacksalber'
schweiz. id. 4, 286. 22)
menschenähnliches wasserungeheuer: waʒ ditz tier vreissam was, daʒ wil ich sagen; eʒ ... was allenthalben vol an sînem lîbe behangen natern unde slangen, und was ein wilder waʒʒerman. H. v.
d. Türlin
krone 9237.
wassergeist, triton u. ä. der alten mythologie (
hierher pilosus, meerwunder in eynes menschen gestalt, alp
vel wasserman Diefenbach
gl. 435
a): als selbigen (
des Orpheus gesang) die wassermänner einsmahls vernommen, haben sie das meer verlassen v. Butschky
Pathmos 775; sehen sie ... den steinernen wassermann, der ein horn an den mund hält, aus dem er wasser hoch in die luft bläst Ch. v. Schmid (1858
ff.) 9, 177; auch find man wassermann und -frawen, Sirena, so im meer thun wohnen, der schiff und menschen nit verschonen. H Sachs 16, 206, 1
Götze. dann auch für einheimische mythische wesen, den nix (
wfries. wetterman Dijkstra 3, 433;
schwed. dial. vattenmann Rietz 800
b),
zuerst meist im dim.: ein geschlecht ..., welches fürgebe und sich rühme, dasz es von einem wassermännlein seinen ursprung habe Prätorius
anthropodemus plutonicus 2, 85 (wassermann 31. 70); es sey ein schütze auf der spur des wildes bey der see vorüber gangen, der hätte auf demselben ein wassermännlein sitzen sehen, das einen ganzen schosz voll gemüntzte goldsorten gehabt
Simpl. 2, 46, 27
Kurz; ich konte auch gleich so wol als die wassermännlein mit geringer mühe in der see herum webern 2, 56, 12; dasz die wassermännlein die jenige steine, so ich in die see geworffen, wieder in vollem donnerwetter herauf getragen ..., hingegen aber mich mit ihnen hinunter genommen hätten 2, 56, 21.
in die deutsche dichtung besonders durch Herder
gekommen: der wassermann (
dän. havmand) in die kirch ging ein ... und als sie kamen auf den sund, das schöne mädchen sank zu grund ... ich rath euch, jungfern, was ich kann: geht nicht in tanz mit dem wassermann. 25, 442
Suphan; und wär' ich im wasser der wassermann, mit starkem arm faszt' ich sie an, und zög' sie in mich hinunter. Rückert
ges. ged. 3, 103; ihr seid der wassermann, ihr wollt verlocken des dorfes schönen. ich hab' euch erkannt beim ersten blick, an euren fischgrätigen zähnen. Heine 1, 284
Elster; des wassermanns sein töchterlein tanzt auf dem eis im vollmondschein. Mörike
ged.9 185.
im volkslied: es war einmal ein wassermann, der wollte königes tochter han. Mittler 427 (
nr. 546,
schlesisch),
ähnlich v. Arnim (1857) 14, 75. Erck-Böhme
nr. 1
u. 2 (
auch nd.).
in volksüberlieferungen verbreitet Schönwerth
aus der Oberpfalz 2, 179. Vernaleken
mythen u. bräuche des volkes in Österreich 161. John
sitte, brauch u. volksglaube im d. Westböhmen 242. Meiche
sagenbuch des kgr. Sachsen2 nr. 467. 494. 6. Pröhle
Harzsagen2 nr. 9. Müllenhoff
schlesw.-holst. sagen nr. 346. Woeste 317. 33)
im folgenden wol '
wechselbalg' (
vgl. wasserkind, -mensch): herrlich und schön ist deine gestalt, erhabner sherif — würdig ... neben die embrionen, misgeburten und wassermänner gestellet zu werden
F. J. Riedel
der trappenschüzze (1765) 11. 44)
fabelhaftes wasserthier mit menschengestalt (
vgl.wassermönch und meermann): von den wassermennlin, meerfreuwlin und seeelephanten Heyden
Plinius 307 (9, 5); (
see) darinnen crocodill, wasserpferde, wassermänner und wasserweiber gesehen werden Harsdörffer
secretarius 2. 704. (
zu derartigen erzählungen gab bes. das fischsäugethier halicore dugong anlasz, vgl. Brehm
3 3, 559.)
von wirklichen thieren: wasserwanzenarten (
s.wasserläufer 3) Unger-Khull 620
b;
libelle (
vgl.wasserjungfer) Schwenkfeld
bei Popowitsch 508. Nemnich 3, 389;
grosze libelle Heinzerling
wirbellose thiere in der siegerl. mda. 15.
hundename (
vgl.wasser F) Raabe
ges. erzählungen2 4, 286. 55)
wol auf abergläubischen vorstellungen beruhende benennungen von pflanzen. die zehrwurz, aron maculatum: wasserman,
iarus, aquarius oder kalbesfusz,
herba quedam. voc. theut. nn 2
b. -männchen
die weisze seerose und die gelbe teichrose Nemnich 7, 736. Holl 256
b,
sächsischthür. Pritzel - Jessen 249
b,
hessisch Grimm
mythol.4 1, 405 (-männlein,
vgl.wassermuhme).
der gemeine wolfsfusz, lycopus europaeus L. wb. der luxemb. mda. 478. 66)
das elfte sternbild des thierkreises, schon mhd. belegt: aquarius, wasserman (1440) Diefenbach
gl. 44
a.
voc. inc. teut. C 2
b usw. (
s. Gryphius
unter wasserlisse): wenn sie ihr haupt erhob ausz ihrer marmelwanne, schien sie das ebenbild der sonn' im wassermanne. v. Lohenstein
Ibrahim Suttan 15; schlag' ich dein haubt dir ab, so schleudr' ich es bis an die sterne des zodiacus, dasz es im schaff des wassermanns ersaufe. Platen 193 (
Berengar).
er bringt regen: im januar würd die sonn umb ein stund früer auffstehn, und der wasserman ein warmes bad gieszen Fischart
groszm. 16
neudr.; der wassermann stunde mit seinem eimer noch immerfort am himmel, und gösserte S. v. Birken
Pegnesis 1, 397.
sein einflusz auf das gemüt des menschen: gäch durch des zornes flamme, zu wankelhait geplunst, auszrichtig von dem stamme des wassermannes flunst. O. v. Wolkenstein 79, 152
Schatz; wenn ein fürst im wassermanne, welcher fischer macht, ... gebohren wird, ist es schon genung, dasz er zu selbigen übungen eine heftige zuneigung habe v. Lohenstein
Arminius 1, 268; ich konnte ohnmöglich (
schreiben), die tage waren kurz, mein gehirn, wegen der einstrahlung des steinbocks und wassermanns, etwas kalt und feucht Göthe
briefe 1, 189
Weim. ausg. sein einflusz bei der heilkunst: aquarius der wassermann ist ein zeychen des jenners, in dem guot lasszen ist, und aber nit guot artzneyen, die waden und schinbein bitz zuo den fsszen Gersdorff
wundarzney (1517) 18
a,
vgl. jahrb. f. Elsasz-Lothr. 25, 165
f.; der steinbock (
hat immer) die knye und schinbein, der wasserman die flächs Abr. a S. Clara
Judas (
Cöln 1687) 1, 281.
scherzhaft in beziehung zum wassertrinken gesetzt: zwischen arm und reich ist es fast nacht ... und würd der wassermann meh bey ihnen sein dan der weinmann Fischart
groszm. 6
neudr.; mein maul ist unter dem zeichen desz wassermanns, ich getrau mir keinen wein zu trincken Abr. a S. Clara
a. a. o. 1, 197; sind sie auch im zeichen des wassermannes gebohren, dasz sie nach der, einen deutschen magen entehrenden tränke (
zum thee) eilen? Musäus
physiogn. reisen 4, 275.
wortspielend mit der bedeutung 1
f.: zeichen des wassermanns. übrigens haltet (
distichen) euch ja dem Dr
* * * *r wassermann (
Adelung) ferne, dasz er nicht über euch her giesze den Elbestrom aus. Schiller 11, 108 (
xenien 86); Mäv schwingt sich immer zu den sternen; dasz dies dem re mer glücken kann mag jeder aus dem thierkreis lernen; ist nicht dort auch ein wassermann? Pfeffel
poet. versuche 9, 72. 77)
ausgestopfte puppe, die zu pfingsten ins wasser geworfen wird Panzer
beitrag z. deutschen myth. 2, 82,
vgl. wasservogel 3. 88)
aufrecht schwimmendes hölzchen als spielzeug. schweiz. id. 4, 286. 99) wassermännchen machen,
flache steine auf der wasseroberfläche hüpfen lassen Schmeller 2, 1019. Frommann 4, 8 (
elsäss.),
vgl.: man musz ... ein geldstück ... in ein gewässer werfen, um die dem wassermann verfallene seele zu lösen John
a. a. o. 242
und wasserjungfer 3.