wasserstrom,
m. mhd. -strâm,
mnd. waterstrôm,
ags. wæterstream '
flumen' Bosworth-Toller 1161
b (
vgl.wasserflusz). 11)
die strömung des wassers: dieser angriff oder schlacht ist geschehen gegen dem Dyebeshorn, und musten die unsern widern strom, der feind aber hatte den wasserstrom zum vortheil Pomarius
magdeburgische stadtchronik (1587) D d 4
b; hat sie (
die Katzbach) doch müssen erweitert werden ..., welches ein herrlich gutes werk gewesen und dem wasserstrom sehr zuträglich v. Schweinichen
denkwürd. 494
Österley; mitten im wasserstrohm, mitten im fahrwasser Ludwig 2397; wider wasserstrome schwimmen will mühe und arbeit han. v. Liliencron
hist. volksl. 513
b, 25 (1545). 22)
strömendes wasser (
im gegens. zu blutstrom
usw. Campe,
vgl. 4),
bes. 2@aa)
als inhalt eines wasserbettes: die alljährliche trockne zeit, in der die erde nach dem wasserstrohm des Nilus lechzt Creuzer
symbolik 2, 77. 2@bb)
welle: schosz ain groszer wasserstram oder wäll daher Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 22
a; waterstroom,
unda (
neben fluctus, flumen) Kilian 649
b.
strudel: vorago, wasserstram Diefenbach
gl. 629
a. 2@cc)
strömender regen: (
wie ein wetter) aus den zerrisznen wolken strenge wasserströme geuszt Triller
poet. betracht. 5, 13; die wolken troffen wasserstrom. Herder 12, 172
Suphan. 2@dd)
starker wasserstrahl, wassergusz: wann es (
das feuer) zu seinen kräfften kommet, so spottet es gleichsam alle wasserström Dannhawer
catechismusmilch 1, 256; die wasserströme, die er (
der walfisch) aus seinen nasenlöchern ausspritzte Wieland 12, 227 (
don Sylvio 6, 2); zischend griffen die wasserströme das feuer über seiner beute an Gotthelf (1855
f.) 1, 169; von allen treppen rauschten (
bei der reinigung) die wasserströme Raabe
hungerpastor30 362; seh' ich über jede schwelle doch schon wasserströme laufen. Göthe 1, 217
Weim. ausg. 2@ee)
flieszendes, umlaufendes wasser in maschinen Karmarsch-Heeren
3 5, 73,
in organischen körpern: ein in der pflanze sich bewegender wasserstrom von den wurzeln aus nach den grünen theilen hin Leunis
bot.3 1, 611. 33)
flieszendes gewässer: ein kleiner, groszer wasserstrohm Ludwig 2397; '
fleuve' Rondeau,
jetzt nicht mehr gebräuchlich (
bei Adelung
fehlt das wort ganz); isleich waʒʒerstrames fluʒ daʒ ist gemaine ze varn und ze vischen dar inne
spiegel deutscher leute 1, 138 (
s. 110)
Ficker; alle landtstraszen und wasserstram durchausz frei und los
weisth. 2, 103 (
im Hochwald 1587).
rechtlich in die bedeutung '
benutzung desselben'
übergehend: weisen die scheffen irem juncker zu den wasserstrom und die fischerei 2, 568 (
Prüm 1497).
verkehr auf dem strome: aufsleg auf der Tunau ..., dadurch der wasserstram gancz erligen und gespert mocht werden
quellen z. gesch. d. st. Wien 2, 3, 158 (1471).
ferner: ein wasserstram, den ich mit keinem tam noch gewere kan schutzen, wenn ich yhn gehn lasse, szo helt er sich selb auff Luther 7, 359, 32
Weim. ausg.; und ist zwischen der lufft und den winden kein anderer unterschied, als wie zwischen einem stehenden see und flieszendem wasserstrom v. Hohberg
Georgica (1682) 1, 163; do gbot er schnel den wasserstrumen (
flumina), dasz sie all solten fürher kummen und auch das meer mit seinen wellen. Wickram 7, 85, 893
Bolte. bes. ein groszes: herr, die wasserströme erheben sich, die wasserströme erheben ir brausen, die wasserströme heben empor die wellen
ps. 93, 3; der herr ... lies beche aus den felsen flieszen, das sie hin ab flossen wie wasserströme
ps. 78, 16 (
sehr häufig in der Lutherbibel, pl. -strom
Jes. 42, 15); mein bächlein grosz wasserstrom werden. H. Sachs 19, 101, 40
Götze. 44)
thränenstrom: wo sind hie wasserstrom, ja, blutstrom, die billich unszer augen weynen solten Luther 10, i, 1, 672, 22; (
die) im herzen aber blut- und wasserströme weinen. Neukirch
ged. (1744) 130. 55)
in vergleichen und bildern. 5@aa) wasser in der schrift haiszt leiden ... wasserstrom (
ps. 109, 8) ist geschwind und starcks grosz leiden Luther 1, 706, 38. 5@bb) also thut auch S. Petrus am pfingsttage, do ehr mit einer predigt, als mit einem wasserstrom aus des teuffels reich ... ausschwemmet bei drei tausendt menschen 33, 437, 5; was die jugend belanget, ... kan und vermag sie sich selber nicht ziehen, ... sondern gehet wie ein wasserstrom seiner natur und gang nach
theatr. diabol. (1569) 160
a; so machet er ihn (
der teufel den menschen) gar leichtmüthig ...: also fähret das gemüthe so leichte dahin, wie ein windtwirbel oder wasserstrohm J. Böhme (1620) 3, 104; er regieret die hertzen der fürsten wie wasserströme Harsdörffer
t. secretarius 1, Ff 2
b (
vgl. wasserbach); in vergangnen jahren, die wie ein wasserstrohm gar still dahin gefahren. Neumark
fortgepfl. lustw. (1657) 2, 192. 5@cc) sie (
die hypothese) war so recht aus dem wasserstrom des jahrhunderts emporgequollen Herder 6, 389
Suphan; das recht des genies, die werke desselben ... sind geltend gemacht worden gegen die ... breiten wasserströme von theorien Hegel 10, i, 28. 5@dd)
im vergleich und übertragen '
wellenförmiges muster' (
s.wasser II C 3
b): die andere deckin war schamlot ausz geiszen und bockshaaren gewülcket oder gestreimlet, wie wolcken und wasserström Heyden
Plinius (1565) 262 (8, 50,
nota); dieweil disz (
maszholder-)holtz ... mit vilen wasserströmen oder flammen erscheinet, so würt es ... zu schönem geschirr ... erwehlet Bock (1595) 417
b; masern und wasserström Lonicerus 43
a.