wasserbach,
m.,
früher wie bach
auch f. Gryphius
trauersp. (1663) 393.
eine pleonastische bildung mit der bedeutung des simplex; ein von Adelung
angenommener gegensatz zu einem nur zeitweise wasser führenden bache (feldbach, zeitbach)
liegt kaum darin, nur die betonung des wasserinhalts. aus dem mhd. ist nur ein beleg vorhanden: wol sprechet mere unde waʒʒerbache (
flumina) deme herren
zeitschr. f. d. alterthum 8, 137 (
Münchener hs. v. 1178);
mnd. waterbeke '
bach'.
erst im 16.
jahrh. ist das wort wieder belegt; bei Luther
gibt es, mit einer ausnahme, hebr. composita wieder. aus der Lutherbibel drang das wort in die gehobene sprache; doch begegnen seit dem 16.
jahrh. auch von der bibelsprache nicht beeinfluszte belege: decursus aquarum, rivuli aquarum, wasserbech Alberus (1540) Zz 1
a;
fluvius Stieler 8; die wasserbeche sind ausgetrockent
Joel 1, 20; ein gemein kraut bey den wasserbächen Frisius (1556) 23
a; fischreiche wasserbäch oder torrentes Guarinonius
grewel der verwüstung 473; überhangende felsen, rauschende wasserbäche Göthe 18, 135
Weim. ausg.; wasserbäche die sich herabstürzen in eiliger hast v. Bismarck
briefe an s. braut u. gattin 526.
übertreibend, von ausgeschüttetem wasser: wenn man ... durch häufiges begieszen (
der zu bleichenden stoffe) sieht kleine wasserbäche flieszen. Brockes
4 2, 395; meine mutter trat herein ... und fand mich halb bewusztlos am boden liegen mitten in den glasscherben, wasserbächen und kobolden G. Keller 1, 105.
in bildern und vergleichen: des königs hertz ist in der hand des herrn, wie wasserbeche. und er neigets wo hin er wil
spr. Sal. 21, 1; so gebe sie (
die vorsehung) ihren worten kraft und nachdruck, die herzen zu lenken wie wasserbäche Caroline Herder
an Gleim, von und an Herder 1, 104; es ist ein gott in uns, ... der lenkt, wie wasserbäche, das schicksal Hölderlin 2, 76
Litzmann; der (
gottesfürchtige) ist wie ein bawm gepflantzet an den wasserbechen, der seine frucht bringet zu seiner zeit
ps. 1, 3; das sie (
deine nachkommen) wachsen sollen wie gras, wie
[] die weiden an den wasserbechen
Jes. 44, 4; was sie (
diese familie) anfing, ging fort, wie die weiden an den wasserbächen Hippel
kreuz- und querzüge (1793
f.) 1, 22; ihr stunden laufft doch fort, fliegt weg, als wasserbäche. Opitz
teutsche poemata 49, 22
neudr.; so schätzt ihr unser blut gleich einer wasserbach? Gryphius
trauersp. (1663) 393; und menschenblut (
soll) dafür wie wasserbäche flieszen. Hartmann
volksschauspiele 31, 74; 's sind reine Alexandriner, die sich über die wiesen wie wasserbäch' ergieszen. v. Kotzebue
dram. werke (1827) 1, 258.
von den thränen: meine augen rinnen mit wasserbechen, über dem jamer der tochter meines volcks
klagel. Jer. 3, 48; erst nachher kamen mir die thränen aus den augen wie ein wasserbach, und ich weinte drei stunden Heine 3, 346
Elster. in einer redensart: der dritt der sprach: 'ich kumm hernach, ich weisz mir ein gelrischen pauren, mich irt doch zwar kein wasserbach, ich weisz ich wil in erlauren'. Uhland
volkslieder 539 (198, 3). —
wasserbächlein, n.: braucht er ... die flüsz vnd wasserbächlin, die matten oder wisen zuo befeüchtigen Ryff
anatomi (1541) A 2
a; im lauff noch immer wöllen sein die wasserbächlein kleine. Spee
gold. tugendbuch 27.
scherzhaft: (
die bezechten) singen grobe noten oder machen ein saubers wasserbächl undern tisch Albertinus
Gusman v. Alfarche 475. —