wasserflusz,
m. seit dem mhd. belegt. 11)
das flieszen des wassers, die strömung: dem wasserflusz wird durch die buhnen eine andere richtung gegeben. 22)
flieszendes wasser (
als inhalt eines wasserbettes): si musten ouch die brunnen graben, obe si waʒʒer wolten haben, die waʒʒerfluʒ niht heten.
das väterbuch 225
Reiszenberger; der (
in der wasserleitung) zugeführte wasserflusz war aber auch zu gering, um nur alle diese gegenden reichlich zu versorgen Niebuhr
röm. gesch. 3, 361. 33)
im 15.
u. 16.
jahrh. (
auch noch später in wörterbüchern)
wolkenbruch, wasserflut, überschwemmung (
vgl.wasserflosz);
cataracta, ein wasserflusz oder ein wolckenbruch
gemma (1508) d 3
b;
alluvies, wasserflusz oder grosz hinreiszung vom wasser
voc. theut. (1482) n n 2
a;
diluvium Calepinus
VII ling. (1731) 1, 282
b (
XI ling. wasserflut): so ain steeg hingeet von wasserflusz und rint für Maretsch
österr. weisth. 5, 209, 11 (
Etschland 1491); das derglichen mer conjunctiones erschinen und dannocht kain wasserflusz ungewonlicher gstalt gevolget sije J. Keszler
sabbata 136. 44)
auch '
woge': eʒ slahen die wind in daʒ mer oder eʒ slahen die ünden, und wie sêr die waʒʒerflüʒʒ dieʒʒen, sô mag daʒ schef weder für sich noch hinder sich K. v. Megenberg 251, 10;
unda, ein wasserwällen, wasserflusz Calepinus
XI ling. (1598) 1560
a.
strudel: vorago, wasserflüsz Diefenbach
nov. gl. 386
a.
wasserstrahl: erstlich ist der walfisch, cetus, der scheust ein groszen wasserflusz in die meerschieff ausz seinem schlund. H. Sachs 7, 457, 7
Keller. 55)
bis ins 18.
jahrh. (
landschaftlich noch später) '
flieszendes gewässer',
es wird jetzt als pleonastisch dem simplex flusz
gegenüber empfunden, Adelung
und Campe
führen das wort nicht an: wovon (
von dem ocean aus) alsdann alle brünnen in der gantzen welt flieszen, die groszen und kleinen wasserflüsse entstehen
Simpl. 2, 58, 32
Kurz. 5@aa)
in der älteren zeit finden sich reichlich belege, wo kleines gewässer, rinnsal, ent- und bewässerungsgraben u. ä. gemeint ist; fluentum, ein bächle
oder wasserflusz Frisius
dict. (1556) 571
b;
rivus Stieler 514: darein (
in den weiher) ain wasserflus aus ain pach ... zu fuern
urkunden z. gesch. Maximilians I. 393
Chmel; därfen die wasserflüsse, die zu bäch oder mühlen gehören, unter keinem vorwand in pfizen gekehret, auf giter verwendet oder sonst auf irgend eine art abgeleitet werden
österr. weisth. 3, 232, 9 (
Oberinnthal 1801); wi's gehirse bremst uont rechzet girig frischer wásserflụs: also gelft fụr duorst zerlechzet mein' sẹl zuo dir, herre s
s. Melissus
ps. 162 (42, 2)
neudr. 5@bb)
doch häufiger '
flusz',
flumen, fluvius '
major est quam rivus' Calepinus
XI ling. (1598) 573
a: jenshalb des wasserflus Inns Aventin 1, 48, 4
Lexer; ich will wasserflüsse (ströme de Wette) auff den höhen öffenen
Jes. 41, 18; in welcher (
zeit) in gemeinen bächen und wasserflüssen zu fischen erlaubet ist
öcon. u. physic. lexicon 4, 93; geh trag dus (
das kind) in den wasserflus. H. Sachs 10, 85, 33
Keller. nebenflusz: durch ein arm oder wasserflusz, der überzwerch vor dem zwinger hinfleust von einem wasserflusz der Begnitz oder swipogen zu dem anderen Tucher
baumeisterbuch 167, 2.
kirchensprachlich an den wasserflüssen (flüssen Koburger, wassern Luther) Babylons: an wasserflüssen Babilon da saszen wir mit schmertzen. W. Dachstein,
Wackernagels kirchenlied 3, 98; das sah im geist der glaube, da er sasz im leid an wasserflüssen Babylon. Rückert
werke 7, 162. 5@cc)
mühlwasser, mühlgerinne (
vgl.wasserflosz): Andres Stromer ... clagt auf die müll und wasserflusz zu Werd mit allen iren zugehorungen ..., wie das er einen drittail der Pegnitz des wasserflusz oberthalb Werde haben solle Tucher
baumeisterbuch 308, 29; fürnehmlich wird zu einem ... mühlwerck ein grosz- und starcker wasserflusz erfordert Abr. a S. Clara
etwas für alle (1699
ff.) 2, 475; eine papiermühle bedarf einen starcken wasserflusz, und ein reines weiches wasser
öcon. u. physic. lexicon 7, 388. 5@dd)
bach-, fluszbett: die erlen in den alten wasserflüssen zu Hocheim sal er leuthern und schneydeln Michelsen
der Mainzer hof zu Erfurt 23; einen solchen graben dem vorigen wasserflusz gemesz zu machen Kirchhof
militaris disciplina (1602) 166. 66)
andere verengte und übertragene bedeutungen. 6@aa)
thränenflusz: meyn augen haben wasserflusz ubergelassen, das die (
widersacher) nit halten dein gesetz Luther 8, 200, 23
Weim. ausg. im vergleich: und augen immer schwimmen, wie stäte wasserflüsz. Spee
güld. tugendbuch 254;
ähnlich Opitz
und Rist
bei Fischer-Tümpel 1, 242. 2, 171. 6@bb)
krankhafte wässerige absonderung. beleg v. 1783
bei Höfler 163
b. 6@cc) '
das zerflieszen von krystallen mit viel krystallwasser' Krünitz 234, 175. 6@dd) '
grosze menge': er (
der teufel) wirdt ein wasserflusz der unglaubigen verschlucken Albertinus
Lucifers königreich 23, 9
v. Liliencron.