abschlagen,
decutere, dejicere, weg, davon schlagen, ahd. apaslahan,
mhd. abeslahen,
nnl. afslaan: früchte, äpfel, birnen, nüsse vom baum abschlagen; ein stück vom steine, den reif vom fasz, das schlosz von der thür abschlagen; dem pferde die eisen abschlagen, dem stier das horn (Graff 6, 766); dem missethäter das haupt
vom rumpfe, die hand
vom arm, den finger
von der hand abschlagen; ich wil ir iren hals abschlagen.
fastn. sp. 256, 18; den kragen abslahen. 475
b 476, 23; den hut
vom kopf, den knopf
vom rock abschlagen. abslahen
auf dem schlitten stehend, die überhangenden äste bei der wegelustration. Kaltenbäck
pant. 1, 264
b.
Im krieg hiesz abschlagen
so viel als erlegen, abnehmen, zurückschlagen: wenn man im ein hundert tausent man abschlüge, so ist er bald wider da mit so viel man. Luther 4, 445
b; an einem orte hat sich eine mutter wider den Türken wehren müssen, die hat dem Türken ihre zween söhne wiederum abgeschlagen und abgenommen. Melanchth. 8, 653; das wir dem teufel viel leute abschlagen und aus seim rachen reiszen. Luther 3, 185; das man inen (
den rottengeistern) ja etliche seelen abschlehet und aus dem irrthumb wider holet. 5, 513
a; das wir unser lere und glauben, Christum und gott behalten, und sie dazu dem teufel abschlahen und gewinnen. 5, 516
b; endlich befahl herzog Ganasch, dasz alles was reiten könnte aufsitzen und nebst ihm seine geraubte tochter Catumern abschlagen solte. Lohenst.
Arm. 2, 694; die loslassung der dem Asdrubal abgeschlagenen Spanier.
das. 1, 854; mit neun denen Batavern, drei den Tencterern und zwei den Römern abgeschlagenen fahnen.
das. 2, 1000; ob ihm wol auf den schlesischen grenzen etliche fähnlein abgeschlagen sind, so ist er dennoch des orts durchgekommen Micrälius
a. Pomm. 5, 179; er ward übermannet und unbarmherzig abgeschlagen.
pers. rosenth. 3, 27; den sechsten wagte man einen generalsturm, Vieilleville an der spitze, allein er wurde abgeschlagen. Schiller 1100; den feind von der stadt abschlagen. Klinger 2, 114; der feige sucht den tod, kühn schlägt ihn der tapfre ab.
das. 2, 158; es liegt in der natur des mannes jeden streich von gewalt abzuschlagen.
das. 1, 351.
gangbar ist heute nur: den angrif, den sturm auf die burg (
besser von der burg) abschlagen,
dagegen den feind zurück schlagen. und helft mir mit sechs dölpeln (
geldstücken) nur, morgen schlagt mir sie wider ab. Ayrer 23
b.
morgen mögt ihr sie mir wieder abnehmen. Im gegensatz des aufschlagens
heiszt abschlagen
mit hammerschlägen niederbrechen, auseinander treiben: ein gezelt, eine bühne, einen schrank, eine bude, ein bett und lager abschlagen: das immer wiederholte ab und aufschlagen des lagers. Göthe 6, 108;
doch kann ein gerüst abschlagen
auch bedeuten es völlig aufschlagen, vgl. abschlag,
den köhlern ist abschlagen,
wenn sie den entzündeten meiler unten schlieszen und bestechen. Auszerdem noch: ein ei
oder eiweisz mit dem querl abschlagen,
was sonst abmachen, abrühren, abquerlen. den mist abschlagen,
ihn mit haken vom wagen ziehen. Einen teich abschlagen,
ihn ablassen, den flusz abschlagen,
ableiten, ihm andern lauf geben; den bach abschlagen,
seinen lauf hemmen, um mit ihm die wiesen zu wässern, weisth. 2, 250; das bier abschlagen,
abziehen. das wasser abschlagen,
den harn lassen, eine althergebrachte redensart (
mhd. sich des waʒʒers erlâʒen, sînen brunnen verswenden): zuletzt wart im von nöthen sein wasser abzuschlagen. Wickram
rollw. 203; er wollte im stall sein wasser abgeschlagen haben.
Simplic. 1, 118; in den hof mein wasser abgeschlagen. Tieck 12, 295; der öfter händel anfängt, als ein trunkenbold sein wasser abschlägt. Göthe 57, 153; sogar hunde wurden arretiert und auf die wache gebracht, welche am schilderhäuschen den sturm der schildwache und ihr eignes wasser abgeschlagen. J. Paul
Nepomukkirche 118.
Figürlich, etwas abschlagen,
von der hand, von sich schlagen, ausschlagen, weigern: darumb woll wir die heirat abschlahen.
fastn. sp. 112, 32; ich hab in nie nichts abgeschlagn. Ayrer 64
a; er ist meiner tochter unwerth und ich musz sie ihm abschlagen; die bitte, das gesuch ward rund abgeschlagen; meint in seiner abschlagenden, herzlosen kälte noch tugendhaft zu handeln. Tieck
nov. 9, 42; ich schlage mir das fest ihres besuchs noch ab,
versage es mir noch. J. Paul
Hesp. 2, 53.
dies weigern geht über in die vorstellung des davon nehmens, abziehens: die lasz ich bleiben und will im ab irer kunst nichts abschlagen. Frank
weltb. 152
a.
Endlich intransitive bedeutungen des abweichens, abnehmens und heruntergehns: welche von gottes wort abweicht und abschlecht.
corp. doctr. christ. Lp. 1560
p. 928; und wie er auf die rechte hand abgeschlagen, ist er eilendts uber den berg gezogen. Fronsp. 3, 296
b; wil derselbe nicht, so macht er einen andern aus, der im sechs oder sieben beut, dasz der arm man sorgen musz, die ware wolle abschlagen, und fro wird, dasz er die acht nimpt, auf dasz er bar gelt kriege. Luther 2, 488
a.
noch heute: er schlug von der heerstrasze ab,
auf einen nebenweg ein; die kugel schlägt ab,
fliegt zur seite; die waare schlägt ab, ist abgeschlagen; das korn schlägt auf und ab (
mhd. slæt daʒ korn ûf, slæt eʒ abe.
Renner 15153); wär es nur nit als teur und tät wider abschlagen. Uhland
volksl. 725; die kälte, das wetter schlägt ab,
wird gelinder; hin und wieder auch: die kuh schlägt ab,
gibt weniger milch. abschlagen
für ausweichen, deflectere de via kann auch durch transitives sich abschlagen
gegeben werden, wie schon H. Sachs
sagt: im wald mich von der strasz abschlug,
und den jägern heiszt, wenn ein thier sich allein begibt: es hat sich von dem wildbret, von den sauen abgeschlagen. von der bildlichen phantasie schlägt der weg des bildlichen witzes sich weit ab. J. Paul
aesth. 2, 28.