schneiden st.: 1. 'mit einem scharfen Werkzeug etwas durchtrennen, zerteilen, entfernen, in etwas eindringen',
schneide (šnaidə) [mancherorts VPf SPf, Altenhofer 29, Buffington-Barba Penns 158 Lambert Penns 137 Don-Schowe Torscha Krämer Gal 190],
schneiðe (šnaiðə) [KU-Kaulb Ingb],
schneire (šnairə) [WPf NPf nördl. VPf mancherorts übrige Pf, Castleman Zwbr. 57, 98 Ehrhardt 50 Henn Mda.-Int. 99, 114 Christmann Kaulb 16 Mang 120 Müller Dietschw 66 Schneckenburger 24, Krämer Gal 190],
schnäire (šnęirə) [ZW-Kl'steinhs],
schneiere (šnaiərə) [RO-Duchr/O'hs],
schnaare (šnārə) [RO-Lohnsf BZ-Nd'horb],
schneile (šnailə) [KU-Bedb Dennw/Frohnb Rathsw LU-Altr],
schniede (šnīdə) [IB-Habkch lothr. SWPf],
schniðe (šniðə) [IB-Bebh],
schnirre (šnirə) [IB-Eschring],
schnille (šnilə) [IB-Ensh (Glass 107)];
Part. Perf.
geschnett (gəšnęt) [KU-A'glan Heinzhs ZW-Bechhf RO-Duchr/O'hs, Henn Mda.-Int. 99 Müller Dietschw 66],
g'schnett (gšnęt) [Mang 98, 195],
geschneet (gəšnēt) [WD-Niedkch],
g'schnedde (gšnędə) [Heeger Südostpf. 9],
geschnitt [KU-Diedk HB-Höch KB-Eisbg, Krämer Gal 190],
g'schnitt [Schneckenburger 45, Don-Schowe Torscha],
g'schnidde [Bertram § 90, Buffington-Barba Penns 158 Lambert Penns 137],
geschniet (gəšnīt) [HB-Brenschb Breitft Jägbg IB-Ballw ZW-Battw PS-Eppbn, Mang 151],
geschnerre (gəšnęrə) [NW-Haardt],
g'schnerre [PS-Haust (Braun Lääsebuuch 197) LA-Birkw BZ-Dernb],
geschnirre (gəšnirə) [LU-Alsh/Gr],
g'schnirre (gšnirə) [PS-Bundth]; Zs.:
ab-,
an-,
auf-,
aus-,
be-,
Besen-,
durch-,
ein-,
ver-,
vor-,
heraus-,
herunter-,
hinein-,
Holz-,
los-,
Reben-,
weg-, zer-,
zu-,
zurückschneiden;
de Bart schneire [ZW-Gr'bundb];
Bahne (Bohnen)
schneile [KU-Bedb, KU-Brück Rockhs KB-Kriegsf];
Brot schneire [PS-Erfw];
Gras schneire (schneide) 'Gras mit der Sichel mähen' [KU-Wolfst HB-Altstdt IB-Rohrb];
Griewe schneire 'Grieben bei der Wurstbereitung schneiden, Metzgerarbeit' [LU-Alsh/Gr NW-Kallstdt];
Grumbeere stückerich (werfelich, dellerich) schneile [KU-Bedb];
Grumbeere schneire 'die für die Saat vorgesehenen Kartoffeln durchschneiden' [KU-Schmittw/O KB-Kriegsf LA-Nd'hochstdt];
Häcksel schneire 'Stroh oder Heu in kleine Stücke schneiden' [KU-Schmittw/O];
Hihneraue schneire [KU-Brück];
die Hoor schneire [FR-Bockh];
Kelder schneire 'den in der Kelter ausgepreßten Traubenrückstand zerteilen' [BZ-Heuchh];
g'schniʳnene Klee [LU-Alsh/Gr];
Kohl schneire [KL-O'arnb];
Kraut schneire (schneide) 'Kraut schärben' [KB-Kriegsf LU-Opp LA-Gommh NW-Kallstdt BZ-Dierb];
die Ohre schneire 'einem jungen Hund die Ohren kupieren' [LU-Ruchh];
Schware schneire 'Schwarten für Schwartenmagen schneiden' [LU-Alsh/Gr];
Speck sch. [Rockhs];
Treppcher geschnitt 'unbeabsichtigt Stufen in die Haare geschnitten' [KU-Diedk];
e Stiftekopp 'Kurzhaarfrisur'
geschnett [RO-Semb];
Stroh schneire [KU-Wolfst].
Die Bääm werre g'schnerre [LA-Birkw].
R schneid's Graas, is am Graas schneide [Buffington Penns Var. 230].
Das Kraut werd geschnitte [LU-Limbghf].
Die Bouhne werre geschneet [WD-Niedkch].
Mett 'm Strohmesser werd 's Straustroh (Streustroh)
geschnett [KU-Schmittw/O].
Finf Mark krieh ich fer'se Schneide! [Damm Dreifaltichkäät 65].
Jesses, häb ich mich anneweil g'schnerre, guck der mol die Schlieb aa! [Braun Lääsebuuch 197].
Das erscht, do schneidsch dich beim Raseere! [Ranssweiler 100].
Er zerrt am Ejse. Dem sei Kante schnejde bees in die Hänn [Kraus Arwed 48].
Er hot sich g'schnerre [BZ-Dernb].
's werd awwer jetzde Zitt, dasse dinne Birschde mohl schnille lischd! [IB-Ensh (Glass 5)].
Buub, schaff dich emohl zumm Friseer unn laßda (e) Halblong schnille! [IB-Ensh (Glass 24)].
Er schneid der (dir)
die Hoor [LU-Alsh/Gr].
De Rasierer horrem en de Boart geschnett [RO-Lohnsf]. RA.:
e Kopp wie g'schnitte 'ein schöner, gut geformter Kopf', meist von Mädchen [NW-Geinsh];
die Näggel geschnitt 'jemanden verhauen' [ZW-Bottb];
Kur sch. 'gute Worte geben' [LA-Siebdg];
Holz sch. 'schnarchen' [GH-Schaidt];
Borde sch. 'schnarchen' [PS-Hermbg];
jemonnde die Gerschd schnille 'jemand die Meinung sagen' [IB-Ensh (Glass 81), Krieger 51];
jemand die Hoor (de Bart) sch. 'jemanden in seinen Plänen und Hochstimmung ernüchtern, die Meinung sagen' [ZW-Bechhf FR-Bockh LU-Neuhf]; and. Bed.: 'jemandem auch noch das letzte bißchen abnehmen, was er hat' [KL-Fischb];
die Hoor schnaire (geschnett) 'jemanden betrügen' [KU-Reipkch Rutsw/G Kus].
Dem haw eich de Bart geschnett! 'Dem habe ich hart zugesetzt!' [RO-Rehborn].
Do werd er sich awer en de Bart sch.! 'Da wird er sich aber wundern!' [LA-Herxh].
Er es net sauwer geschnett 'Er stellt gerne anderen Frauen nach' [KU-Schmittw/O LU-Limbghf].
Der hot sich soin Steckel geschnirre 'Der Mann hat glänzende Geschäfte gemacht' [NW-Freinsh, FR-Mühlh LA-Nd'hochstdt].
Wenn oons faul is, haaßt's, der will aa im Wintr dresche un im Summr Rahr (Rohr)
schneide [Don-Neufutok].
Wammer sich in de Finger schneid, kumme die Därem (Därme)
raus, sagt man zu kleinen Kindern, um sie davon abzuhalten, mit Messern zu spielen [KU-Schmittw/O]. Var.:
Wenn sich oons in Finger schneid, sagt mr, dart kumme die kloni Därm raus [Don-Neufutok]. Wenn ein Messer (Beil usw.) sehr
scharf ist:
Das Messer schneid wie's Gewitter [KB-Kriegsf],
wie Gift [NW-Kallstdt, mancherorts ges. Pf]. Wenn ein Messer (Beil usw.) stumpf ist:
Das Messer (Axt, Sens usw.)
schneid wie e Flint [SP-Heiligst],
wie e Hammer [LU-Opp],
wie e Leffelblech [PS-Erfw],
wie e Säch (Sech 1 'Pflugmesser') [KB-Kerzh Kleeberger 128].
Es (die Ax) schneid, was es (se) sieht, nämlich nichts [PS-Erfw]; Var.:
Es schneid alles, was es sieht, awer net, was es krieht [KU-Bedb HB-Kirrbg ZW-Battw KL-Hütschhs PS-Gersb].
Das Messer sieht un schneid net [PS-Geisbg].
Das Messer schneid kalt Wasser ohne (uhne) gewärmt [LU-Böhl, mancherorts ges. Pf];
schneid kalt Wasser un wecher (weiße, faule, warme) Kees [RO-Obd KL-Frankst SP-Mechth GH-Nd'lustdt, Kühn Schnitze II 147, Don Krämer Gal 190 Buch];
schneid warem Wasser un wecher (faule) Kees [BZ-Dierb, mancherorts].
Worte steche un schneide 'Worte sind scharf, verletzend' [GH-Schwegh].
Die Luft kann mer sch., von verbrauchter, stickiger Luft in einem Raum [PS-Erfw].
Er hot sich e Krankeschein gehol for die Hoor se sch. 'Er hat sich ohne Grund krank schreiben lassen' [KU-Diedk].
Er hot sich en Mannem (Mannheim)
die Hoor schneire losse, von einem Mann, der unter dem Vorwand des Friseurbesuches verreist war, um ein Freudenhaus aufzusuchen' [LU-Alsh/Gr]; Var.:
d' Hoor sch. losse 'mit einer Frau geschlechtlich verkehren' [GH-Zeisk].
Aus anner Leits Fell loßt sisch gut Rieme schneire 'Auf Kosten anderer läßt sich gut leben' [PS-Rodalb (Bernhard 212)]; Var.:
von annre Leit ehrm Sach [LA-Nußd],
aus annrer Leit ehre Haut 'anderer Leute Vermögen ist leicht zu verschenken' [KU-Bedb Schmittw/O],
aus fremdem Ledder [Bergz (Kamm 87), mancherorts Don Gal Buch],
aus annerleits Ledder [Krieger 13, Land].
Der hot sich ins ääge Flääsch g'schnitte 'Der hat sich selbst geschadet' [GH-Kand, KU-Bedb PS-Erfw LU-Opp NW-Freinsh Kallstdt LA-Gommh Bergz (Kamm 86)].
Der wird sich in den Hals sch. 'Das, was er vorhat, wird ihm nicht gelingen, er täuscht sich' [LA-Gommh]. Tochter:
Uf Oschtere will ich e nei Klääd! Mutter:
Du werscht der in de Hals schneire, mer brauche das Geld notwennicher [PS-Erfw, KU-A'glan Bedb RO-Dielkch Obd KB-Kriegsf LU-Friesh Opp NW-Kallstdt LA-Ilbh Land BZ-Dierb].
Baß uf, daß de bei dere Rechnung net selbscht in de Hals schneidsch! [Kaislt].
Du werscht der awwer in de Finger schneide! 'Du wirst dich zu deinem Nachteil irren, dich verkalkulieren!' [NW-Haßl].
Do hat se sich in de Finger geschnitte [Bergz (Kamm 78)].
Schneid dich net in de Finger!, dass. [KU-A'glan Schmittw/O, mancherorts Don Gal Buch].
Des Kind es seim Vadder wie aus em Gesicht (aus de Aae) geschnett 'Das Kind sieht seinem Vater sehr ähnlich' [FR-Bockh, KU-A'glan Schmittw/O NW-Elmst, Krieger 35]. SprW.:
Wer gut wetze kann, dem schneid's gut [ZW-Gr'bundb].
Schorfe Schwerter schneire sehr, schorfe Zunge noch veel miehⁿ [KU-Schmittw/O].
Zu spitz stecht nit, un zu scharf schneidt nit 'Alle Übertreibungen taugen nichts: zu spitze Gegenstände brechen, zu scharfe werden schartig, zu große Strenge verliert ihre Wirkung' [Bergz (Kamm 86), KU-Schmittw/O RO-Dielkch Obd Kaislt PS-Erfw KB-Bubh Kerzh FR-Albsh LA-Gommh GH-Schwegh, mancherorts Don Gal Buch], bes. auf Beamte bezogen [NW-Frankeck];
vgl. scharf 1. Var.:
Allzu spitz sticht nit un allzu scharf schneid nit [Thielen So rerre mer 112].
Allzu scharf schneid net gud [Krieger 41, LU-Opp].
Net aus jedem Holz kammer Peife sch. [Krieger 36].
In de Juchend muß mer sich e Stecke schneire, daß mer sich em Alter droⁿ hewe 'festhalten'
kann [KU-Schmittw/O]. Volksgl.:
Mer schneid sich en Gabel vume Haselnißbaam wammer suche will fer Wasser. Mer hebt die Gabel in die Hand un wu sie sich nunnerziegt, dart kammer Wasser finne, wammer dief ginung grabt [Fogel Beliefs Penns Nr. 1958]. Rätsel: Frage:
Wann werren die Weire geschnidde? Antwort:
Wann die Nohe (die Nahen)
all sinn [NW-Haßl (Wilde 256)]. KR.:
Reene, reene Troppe! / Die Buwe muß mer kloppe. / Die Määd muß mer traa, / die Buwe muß mer schneide / mit de lange Weide; / die Määd kummen ins Fedderbett, die Buwe kummen ins Scheißeck [Gal-Brig]; Var.
s. Bube 1,
Dornenhecke 2,
Tropfen 1 a,
Federbett. VR.:
's Hinkel un de Hahⁿ,
/ die gehn mitnanner draⁿ,
/ 's Hinkel hot e Messer im Sack / schneid em Hahⁿ 's Schwänzel ab [LA-Offb].
Was hämmer dann fer'n Bader / in unsre alde Stadt? / De Bader esch 'n Knochefresser / er schneid die Leit im G'sicht mim Messer! / Was hämmer dann fer'n Bader [LA-Hainf]. — 2.a. 'mit Sichel oder Sense Getreide mähen'
schneire [verbr.],
schneide [mancherorts],
schneile [KU-Bedb Dennw/Frohnb Rathsw],
schneine [Gimmel in: PfL 11. 8. 1922]; Syn.
s. mähen1; weitere Syn.:
abgrotzen,
abhacken 2,
abknäckern 2,
abschlägeln,
abschlagen I 1a
γ,
absicheln,
an-,
auf- 1,
ausmähen,
tief 3 (halten), durchmähen, fäseln, voraus-, vormähen, herabmachen 2,
hinhauen 3,
köpfen 1c
β,
nachmähen 3,
schaben 1d
β,
scheren 1 1 b,
schruppen 3,
sicheln;
schneire gehn [KU-A'glan, mancherorts];
die Frucht sch. 'mit der Sichel Getreide mähen' [IB-Blickw Pirmas LU-Altr];
Korn sch. 'mit der Sichel Roggen mähen' [KU-A'glan RO-Sippf];
mit (met) de Sichel (Korn) sch. [KU-Diedk Dietschw Etschbg Föckbg Friedhs Jettb Wolfst IB-Eschring RO-Duchr/O'hs Kalkof KL-O'arnb SP-Berghs];
mit de Sichel geschnitt [KU-Krottb].
Heit schneide mer Korn [LA-Herxh]. RA.: Grußformeln bei Begegnungen während der Feldarbeit, bes. beim Mähen:
Schneire! [LU-Alsh/Gr BZ-Dierb Nd'ottb GH-Kand].
Ehr (ihr)
schneide! [BZ-Steinf]. Var.:
Tun ehr Frucht schneire? [BZ-Dernb].
Korn schneide? [GH-Max'au].
Schneid's? [KL-Stelzbg BZ-Schweighf].
Na, schneid's? [KU-Kaulb].
Schneid's recht? [LU-Friesh].
Schneid's ordentlich? [PS-Geisbg].
Schneid's gut? [LA-Gommh].
Schneid sich's gut? [KU-Schmittw/O]. Antworten der Mäher:
Besser wie de Grummet; Es geht net gut; 's geht oon [KU-Schmittw/O].
Es hot uns geschnett 'Wir sind beim Mähen gut voran gekommen' [WD-Niedkch]. Weitere RA.:
en die Hand schneire 'Getreide handvollweise abschneiden' [KB-Zell];
iwwer die Hand schneire, dass. [KU-O'alb NW-Geinsh];
jemand die Gäärschd schneide 'jemand die Meinung sagen' [Hussong Kirkel 53].
Es schneid mer 'Ich kann die Sense gut wetzen' [WD-Niedkch].
Es schneid em net 'Er kann seine Sense nicht gut wetzen' [WD-Niedkch].
Dem schneid's 'Er ist ein guter Mäher' [HB-Brenschb].
's schneirem nit 'Er drückt sich gerne vor der Arbeit des Mähens' [ZW-L'wied]. SprW.:
Mer schneid doch net die Spelz vor'm Korn, sagt man, wenn eine jüngere Schwester vor der älteren heiratet [Land und Umg.]. BR.:
Die Margret (Margaretentag)
schneid un wanns Wasser in de Färcht (Furche)
steht [NW-Haßl]. a. 1425:
ein morgen haberns vorrechts zu snyden u binden und zu bereiden [LeinArch. Löhne]. a. 1553:
korn in der erndt zu schneiden [ABlieskst 25 (IB-Blieskst)]. a. 1533:
so sollen sie ein tag schneiden zu handfrohn [ABlieskst 25 (IB-Lautzkch)]. a. 1567:
den dritten tag im ernd zu schneiden [PfWeist. I 72 (KL-Baalbn)]. a. 1582:
der soll ein weg schneiden durch sein frucht [PfWeist. 521 (FR-Flomh)]. — b. 'mit einer Rebschere überflüssiges Rebholz oder Rebenlaub schneiden', Winzerarbeit,
Rewe sch. [FR-Gr'niedh BZ-Dernb Pleisw/O'hf GH-Erlb];
vgl. Schnitt 1 c;
uf siwe (vier) Aue sch. 'die Tragreben kürzen, so daß nur sieben bzw. vier Knospen stehen bleiben' [RO-Odh, vereinzelt];
uf Stifde sch. 'die verholzten Reben auf etwa Fingerlänge bzw. zwei Knospen kürzen und als Grundlage für spätere Tragreben stehenlassen' [RO-Schiersf];
Laab (Laub)
sch. [FR-Albsh, mancherorts].
Im Februar schun werrn die Rewe gschnidde [BZ-Nd'horb, Karch Jockgr/Nd'horb 144].
's schneid sich gut uf Wei 'Die Knospen setzen gut an' [NW-Meckh].
Die neegscht Wuch fange mr an se schneire [KU-Brück, LU-Oggh].
Eich (Ich)
gihn (Wingert) schneire [RO-Rehborn].
Ich hab zwä Wingert se schneire [LU-Alsh/Gr, KU-Adb]. BR.:
Vinzenz (Patron der Winzer, 22. Januar)
schneid de Stock un trink ens! [Bergz (Kamm 122), Feierowend 51/1951].
Hot mer de Woistock gut g'schnerre, so fillt er die Bitte (Bütten) [NW-Dürkh].
Mer kann mehr Wein in die Forch schneire als ins Faß [LA-Edk]. a. 1554:
Item in solchen dorfern und bann hat unser gnädigst. Herr eigene reben, die dan die unterthanen in der frohn hacken, rühren, schneiden, inführen und in summa erbauen und erhalten müssen [ABlieskst 92 (IB-Blieskst)]. a. 1574:
Unnd nachdem alle inwohner beyder dorff vor alters schuldig geweßen, der herrschafft reben in den weinbergen oder frucht in der ernde zu schneiden [PfWeist. 834 (RO-Gundw)]. — 3. medizinisch. a. 'operieren';
sich schneire losse 'sich operieren lassen' [NW-Frankeck];
an sich schneire losse [NW-Kallstdt].
Ich losse nit an mer schneire [RO-Odh].
Er muß geschnitte werre, er werd geschnitte [LU-Limbghf].
Der is aach geschnett worr [PS-Geisbg].
Er isch geschnirre (geschnerre) worre [GH-Kand BZ-Dierb].
Sie hun an em geschnett [KB-Kerzh].
Die Dokter schneire gere [KU-Schmittw/O]. — b. 'ein männliches Tier kastrieren'
schneide [ZW-Lambsbn, mancherorts VPf, mancherorts Don Gal],
schneile [KU-Erdb BZ-Steinf GH-Jockgr],
schnäile [HB-Böckw],
schneire [mancherorts],
schnirre [IB-Eschring]; Syn.
s. kastrieren; weitere Syn.:
beschneiden,
entmannen,
vergelzen,
verkappen,
verknippen,
vernonnen,
kernen 2,
knippen 1,
reinigen2,
schättern2.
Er isch geschnied [IB-Eschring].
Die Ferkel werrn geschnett [PS-Schmalbg]. — Zu Wort und Lautung
s. ALLG I K. 259 'Den Stier verschneiden', K. 319 'Den Eber verschneiden'; ALA II, 6. — 4. übertr. a. 'sich selbst betrügen, sich täuschen, verrechnen, irren',
sich schneire [KU-A'glan Hundh],
sich schneide [Bergz (Kamm 58), Don-Schowe Albrecht 111];
vgl. schnärren 7.
Du werscht dich schneere! [Heeger Nachlaß].
Schneid dich net! [LU-Maud]. — b. 'jemanden anderen betrügen, täuschen, übervorteilen, übertrumpfen, bes. bei Handel oder Geldspiel' [PS-Geisbg NW-Frankeck, Journ. 4/1787 S. 215];
änner schneire [PS-Schmalbg].
Der schneid die Leit 'Der nimmt den Leuten mehr Geld ab, als sie schuldig sind' [PS-Schmalbg].
Der hot mich geheerich g'schnitte 'Der hat mir zuviel berechnet' [GH-Schwegh]. — 5.a. Ausdruck beim Kartenspiel,
geschnitt (geschnett) sein 'die Hälfte der zum Spielgewinn nötigen Spielaugen nicht haben' [LU-Limbghf, RO-Dielkch];
geschnett senn 'nicht den Schneider 8 haben' [KU-Bedb];
geschnerre werre [LA-Wollmh];
geschnitte werre (worre) [NW-Frankeck GH-Kand];
vgl. schnippeln 3.
Mir (Mer) sin geschnitte! [ZW-Battw LU-Opp]. — b. 'beim Klickerspiel alle Klicker verlieren'.
Er is geschnett [KU-Hachb]. — c. 'beim Sport besiegen'
schneide [Kus]. — 6. 'jemanden nicht beachten, links liegenlassen, absichtlich übersehen';
ane (een, enne) schneide [RO-Obd KB-Bubh LU-Maud NW-Frankeck LA-Wollmh];
äner (jemand) schneire [RO-Dielkch PS-Gersb NW-Hardbg];
g'schnidde werre [Land].
Den schneid ich! [Land].
Ich hun en geschnett [KB-Kriegsf].
Ich haw en geschnidde [LU-Oggh].
Der schneid mich 'Der weicht mir bei jeder Gelegenheit aus' [LA-Gommh LU-Limbghf].
Er hot en g'schnidde, er isch g'schnidde worre [GH-Kand]. — 7.a. 'zielen, zu etwas hin führen'.
Die Grenz schneid uf das Hauseck zu 'Die Grenze verläuft zur Ecke des Hauses' [KU-A'glan]. — b. 'scharf auf etwas auftreffen', von eisigem Wind.
De Wind (die Luft, die Kält) schneid 'Es weht ein eisiger Wind' [KU-Hundh Kollw WD-Niedkch RO-Dielkch PS-Schmalbg LU-Maud Opp NW-Elmst Kallstdt LA-Wollmh Land].
De Wind schneid eim ens Gesicht [RO-Obd].
Wind un Kält schneire ahm 's Gesicht dorch [NW-Frankeck].
Heit dut die Luft schneire [LU-Alsh/Gr].
Die Kält schneid awwer heit [LA-Gommh].
Die Käll (Luft) schneid eim dorch un dorch [RO-Als, GH-Schwegh]. — 8. 'einen besonderen Gesichtsausdruck haben', nur in den Wendungen:
Der schneid e Gesicht 'Er verzieht sein Gesicht' [NW-Elmst, mancherorts],
schneid e Fratz [ZW-Bechhf PS-Gersb];
Fratz schnille [IB-Ensh].
De Buu schneid seim Unkel Gesichter 'Der Junge zeigt seinem Onkel Grimassen, Fratzen' [Kaislt, mancherorts].
Er schneid e G'sicht, als wann 'r Essich getrunke hätt 'Er macht ein saures Gesicht' [NW-Hardbg],
wie en Aff [LU-Alsh/Gr],
wie e Katz wann's dunnert [PS-Burgalb],
wie drei (siwwe) Daae Regewerrer [PS-Burgalb LU-Limbghf],
wie wann er am Verrecke wär [PS-Burgalb].
Er schneid e schief G'sicht 'Er ist mit etwas unzufrieden' [NW-Hardbg].
Der schneid em e G'sicht 'Dem steht der Ärger im Gesicht' [Kus].
Der hot mer e Gesicht geschnett [FR-Bockh].
Un schneid sofort mei grimmigscht Gesicht [Münch Werke II 233].
Do hor er awer ä bes Gsicht gschnede, oh weh häw ich do gedenkt, aweil hoscht de Kuh ins Aach geschlache [NW-Gimmdg]. —
Rhein. VII 1587 ff.;
Lothr. 460,
Els. II 493 schniden; Schwäb. V 1052 ff.; Hess.-Nass. III 350/51;
DWb. IX 1252 ff.; Frankf. V 2784/85.