leiden,
verb. pati. AA.
Formelles und etymologisches. A@11)
die altgermanischen dialekte besitzen ein wort für gehen, reisen, und namentlich zu schiffe fahren goth. ga-leiþan,
alts. ags. lîðan,
altnord. lîða,
welches auch im ahd. als lîdan,
aber mit der völlig anderen bedeutung dulden bezeugt ist. dasz in der that dasselbe wort, und nicht ein verschiedenes mit nur formeller gleichheit vorliegt, ergeben nicht weniger die ahd. zusammensetzungen ga-lîdan,
welches peregrinari, exire, cedere, abscedere u. ähnl. übersetzt (Graff 2, 179),
und besonders ar-lîdan,
welches sowol transire als pati heiszt (
ebenda 178),
als die natürlichkeit und das nahe liegende des begriffsüberganges nach germanischer vorstellung: wie das subst. elend (
theil 3, 406
fg.)
von dem begriffe des wohnens in der fremde in den des unglücks und der not übertrat, so gewann das verbum lîdan
von der bedeutung des ziehens in ferne lande und über see die des übelbefindens, ertragens und duldens, und an diesem bedeutungsübergange mag eben so sehr das gefühl des heimwehs, wie die fährlichkeit der wanderung antheil haben. er tritt spät hervor: im goth. alts. ags. findet sich keine spur davon, im ahd. erscheint die neue bedeutung seit der 2.
hälfte des 9.
jahrh.; im mittelniederländischen wie im mittelniederdeutschen lîden
geht die alte bedeutung gehen neben der neuen leiden einher; ebenso gewinnt das nordische lîða
erst in jüngerer zeit zu reisen den begriff leiden (Vigfusson 391
a),
und schwed. lida,
dän. lide
haben den einen wie den andern sinn. aber fries. lîtha
heiszt wie ahd. lîdan
nur leiden, das mhd. lîden
gewöhnlich leiden, in mitteldeutschen quellen manchmal auch ziehen, gehen (Lexer
handwb. 1, 1900). A@22)
im ahd. zeigen die mehrsilbigen formen des präteritums wechsel des d
zu t (lîdan, leid
ich litt; aber litum
wir litten, ga-litan
gelitten),
wie auch für das ags. die formen lîðan
reisen, lâð
ich reiste, aber lidon
wir reisten, liden, geliden
gereist, angesetzt werden, wovon jedoch bis jetzt nur das particip bezeugt ist; als ursache dieses wechsels, welcher auch an anderen germanischen verben auftritt, sind uralte accentverhältnisse aufgewiesen worden, dergestalt, dasz vor der festheftung des accents auf der stammsilbe einst die germanischen mehrsilbigen präteritalformen auf der endung, die präsential- und einsilbigen präteritalformen auf der stammsilbe betont wurden, welches eine differenzierung des wurzelauslauts (
hier ags. ð,
ahd. d,
dort ags. d,
ahd. t)
schuf, die auch nach durchdringung der eigenthümlich germanischen accentgesetze blieb (
vergl. die ausführliche darlegung von Verner
in Kuhns zeitschr. 23, 111
ff.).
die fortsetzung der ahd. verhältnisse sehen wir in mhd. liten, geliten
gegen lîden (
das prät. leit
beruht rücksichtlich seines t
auf dem andern gesetz des übergangs einer media in eine tenuis im auslaute),
und im nhd. litten, gelitten,
gegen leiden.
doch nicht durchaus; wie im altsächs. altnfr. der erwähnte wechsel gar nicht mehr auftritt (liðun
wir zogen, gi-liðan
vergangen wie lîðan
reisen),
so begegnet mhd. das part. geliden: sît hât diu heilege cristenheit geliden manec herzeleit.
Renner 4006;
und noch nhd. lidden
litten, part. gelidden: da sie not lidden.
weish. Sal. 11, 5; lidden auch drüber was sie leiden solten. Luther 8, 2
b; das Christus ... mensch worden, gelidden, gestorben, begraben, auferstanden, gen himel gefaren ist. 259
b; gelidden unter Pontio Pilato. 349
a; haben wir allen mangel gelidden.
Jer. 44, 18.
[] A@33)
dem mhd. präsens lîde
ich leide, leit
ich litt, stand im nhd., nach übergang des präsentialen î
in ei,
zunächst gegenüber leide,
prät. leid,
so im 16.
jahrh.: das schiff war schon mitten auf dem meer und leid not von den wellen.
Matth. 14, 24; und doch (
Christus) nichts deste weniger leid, das man jn schlug. Luther 5, 389
a; was sich dann Moses darnach laid in wüstung und auf wilder haid von grobem volk bisz an sein endt, würt inn der bibel wol erkendt. Schwarzenberg 156
b; da ich eins abendts hatt gefast, und leidt für hunger grosze pein. E. Alberus 39;
mit der nebenform leide (
wie sahe
für sah
u. a.): daʒ ers also gedulteklich leite.
d. städtechr. 8, 69, 19; sie sahe jre söne alle sieben auf einen tag nach einander martern, und leide es mit groszer geduld. 2
Macc. 7, 20;
aber schon nahm zu dieser zeit der singular des präteritums den ablaut des plurals an, und es entstand die form litt,
die sich in der 2.
hälfte des 16.
jahrh. ausbreitet: zaigt sy ain hembd von pluot was rot, darinn der vatter litt den tod. Schwarzenberg 147
a; wes Job in groszer duld erlit, des seit erinnert auch hiemit. 156
b; und wie er litt sehr groszen schmerz. Wackernagel
kirchenl. 5, 1174, 24;
mit der nebenform litte,
die noch im späteren 18.
jh. gebraucht wird, so von Lessing
im wechsel mit litt: entschlusz ist vorsatz, that: und ich, ich litt, ich litte blosz. 2, 284.
einer schwachen präteritalform leideten
bedient sich einmal Schuppius: damit sie nicht hunger leideten. 745. BB.
Bedeutung und gebrauch. B@II. leiden,
intransitiv. B@I@11)
not, pein, plage durchmachen; so von der marter Christi: du bist gesungen und geseit daʒ lamp daʒ unser sünde treit, daʒ dur uns leit mit willen alze verre.
Haupts zeitschr. 4, 539, 70; und er sprach zu jnen, mich hat herzlich verlanget dis osterlamb mit euch zu essen, ehe denn ich leide.
Luc. 22, 15; das Christus muste leiden und auferstehen von den todten.
apost. gesch. 17, 3; ich bin auch darumb geborn, leide und sterbe, das jr das leben in mir habt. Luther 8, 259
b; der (
du) am creuz gelitten, für uns hast gestritten. Wackernagel
kirchenl. 5, 989; du hast dich bei uns eingestellt, an unsrer statt zu leiden. P. Gerhard 160, 88
Gödeke; von not, gefahr, plage, widrigem irgend welcher art, das an den menschen heran tritt: weil der gottlose ubermut treibet, mus der elende leiden.
ps. 10, 2; wo man leidet in des herren furcht, da ist reichthum, ehre und leben.
spr. Sal. 22, 4; der arme mus leiden, und dazu danken.
Sir. 13, 4; niemand aber unter euch leide als ein mörder oder dieb .. leidet er aber als ein christen, so scheme er sich nicht. 1
Petr. 4, 15. 16; hat dir doch der teufel verheiszen, er wölle dir einen stählin leib und seel geben, und solt nicht leiden wie andere verdampte.
volksbuch von dr. Faust 115
Braune; o leb und leide. Göthe 8, 282; mit unerhörtem leichtsinn versäumen sie, sich auf den winter auf längere nächte vorzubereiten, und leiden deszhalb einen guten theil des jahres wie die hunde. 27, 190; bistu doch uns verpflichtet, herr, zu helfen, wenn wir leiden sehr und werden hart geplaget. Wackernagel
kirchenl. 5, 339; drumb schweig, leid, meid und vertrag, dein unglück keinem menschen klag.
volksbuch von dr. Faust 111
Braune; du .. fühlst was er, der arme flüchtling, leidet! Göthe 9, 49; möcht ich doch auch in der hitze nach solchem schauspiel so weit nicht laufen und leiden! fürwahr, ich habe genug am erzählten. 40, 235; der ich, wie sonst, in sonnenferne, im stillen liebe, leide, lerne. 47, 212;
vom seelenschmerz: also sprachen sie. Portia sah den göttlichen leiden; konnte den bangen anblick nicht mehr ertragen. Klopstock 4, 36;
von krankheit und ihren schmerzen: er liegt im bett und leidet sehr; wofür seid ihr ein arzt? ihr kennt mein übel; ihr solltet auch die mittel kennen, sie auch schmackhaft machen, dasz ich nicht noch erst, der leiden los zu sein, recht leiden müsse. Göthe 9, 223;
[] und das part. leidend
wird gern hierauf bezogen: er ist leidend, er ist noch immer leidend; der leidende musz die arznei nehmen und damit fortfahren,
wie patient; wiewol es auch von anderer not stehen kann: der vorsicht räthsel werdest du mir lösen und rechnung halten mit dem leidenden. Schiller
resignation; mit anderem als persönlichem subject: so ein glied leidet, so leiden alle glieder mit.
1 Cor. 12, 26; es war leicht zu sehen, dasz sein herz leiden müsse. Wieland 1, 369. B@I@22)
zusätze mit präpositionen geben grund-, zweck- und artbestimmungen. es heiszt um eines willen leiden: ich mus umb deinen willen leiden.
ps. 16, 2; wir leiden umb unser sünde willen. 2
Macc. 7, 32; was ist das fur ein rhum, so jr umb missethat willen streiche leidet? aber wenn jr umb wolthat willen leidet und erduldet, das ist gnade bei gott. 1
Petr. 2, 20; ob jr auch leidet umb gerechtigkeit willen, so seid jr doch selig. 3, 14; für einen leiden: nu frewe ich mich in meinem leiden, das ich fur euch leide.
Col. 1, 24; sintemal auch Christus gelidden hat fur uns. 1
Petr. 2, 21; mit einem leiden: du .. hast mit gelidden wo mein vater gelidden hat. 1
kön. 2, 26; da leiden von meinen guten herrn und freunden gewisz unschuldig mit! Göthe 8, 135; durch die hitze musten wir leiden; unter dem regimente litt das land unsäglich; also wird auch des menschen son leiden müssen von jnen.
Matth. 17, 12; von dem feinde haben wir viel gelitten; wir hatten vom durste zu leiden; und da duftets wie vor alters, da wir noch von liebe litten. Göthe 5, 18; an etwas leiden
aber in bezug auf eine krankheit: er leidet an einem herzfehler; an der schwindsucht leiden;
und danach: weil nu Christus im fleisch fur uns gelidden hat, so wapent euch auch mit demselbigen sinn, denn wer am fleisch leidet, der höret auf von sunden. 1
Petr. 4, 1; unsere zeit leidet an mancherlei übeln. B@I@33) leiden,
in milderem sinne nur beeinträchtigt, benachtheiligt werden, abbruch erfahren an dem was einem sonst zukommt: der kurfürst .. sagte: es bleibet dabei, ich agnoscire nichts von dem, was mein verwalter Jerome inzwischen angeordnet hat. wer darunter leidet, mag sich an meinen verwalter halten. Immermann
Münchh. 1, 15; abbrechen, einziehn, sparen, will ich gern, mir gern gefallen lassen; wenn es mich, blos mich betrift; blos ich, und niemand sonst darunter leidet. Lessing 2, 237;
hier auch gern mit sächlichem subject: ihr verstand fängt an zu leiden. Gotter 3, 118,
verliert die frühere klarheit; der ruhm der wissenschaft musz oft darunter leiden. Cronegk 2, 110; sein geschäft musz leiden, wenn er den vergnügungen so nachgeht; sein ansehen, sein einflusz hat gelitten; ein so zartes geräth leidet durch häufigen gebrauch; der baum leidet, wenn er versetzt wird. B@I@44) leiden,
etwas über sich geschehen lassen, gegensatz von handeln (
no. 10,
theil 4
2, 376)
oder thun: und so haltets auch, ihr hohen, gegen gott wie der geringe, thut und leidet, wie sichs findet, bleibt nur immer guter dinge. Göthe 5, 84;
verschieden von dulden (
gegen unten II, 1): sie schien an allem theil zu nehmen, aber im grunde wirkte nichts auf sie. sie war mild gegen alles und konnte alles dulden ohne zu leiden. 26, 185;
im particip leidend: von nun an ist leidender gehorsam das loos des volkes, und überhaupt aller, die nicht .. an der höchsten gewalt antheil haben. Wieland 28, 324; der romanenheld musz leidend, wenigstens nicht im hohen grade wirkend sein; von dem dramatischen verlangt man wirkung und that. Göthe 19, 181; wann der grammatiker eine schlechte sprache in der bibel finden kann; so darf der kunstrichter auch schlechte bilder darinn finden. der h. geist hat sich in beiden fällen nach dem leidenden subjecte gerichtet; und wann die offenbarung in den nordischen ländern geschehen wäre, so würde sie in einem ganz andern style und unter ganz andern bildern geschehen sein. Lessing 11, 128; haben wir nicht bedacht, dasz recht aus der leidenden verbindlichkeit entsteht, und dasz kein recht sein würde, wenn keine verbindlichkeit wäre? Hippel 6, 98.
in der sprache der deutschen grammatiker: sagt man aber, ich werde geschlagen, ich ward geliebet, .. vernimt man .. dabei ein leiden, und darum wird
[] das zeitwort leidender andeutung, oder leidender art, leidendes geschlechts, generis passivi. Schottel 546; die zeitwörter lassen von sich ableiten zwei mittelwörter, ein wirkendes und ein leidendes (
participium formatur tam a verbo activo, quam passivo). 606;
und seitdem oft. B@IIII. leiden,
transitiv oder mit abhängigem satze. B@II@11)
not, gefahr, widriges aller art durchmachen, zu ertragen haben; schon ahd. mhd. häufig: ih ne sundota unde leid uuiʒʒe. Notker
ps. 68 (
Hattemer 2, 234
a); so lang er sô starkiu ding durch mih leit, irrisiones, flagella, crucem, mortem; uuie ih danne scule zuîvelan deheiner slahto arbeit durch sînen uuillon lîdan? Williram 43, 6; (
der esel) mag scadon harto lîdan,ni kann inan bimîdan. Otfrid 4, 5, 10; selhes kumbers den sî leit, des was ir lîp sô ungewon daʒ sî verzagte dâ von.
Iwein 5788; hie leit er den grimmen tôt. Walther 15, 21; frawen, wenn die den fluʒ leident. Megenberg 442, 7; da nu das ganze Egyptenland auch hunger leid.
1 Mos. 41, 55; so sol sie sieben tage unrein sein, so lange sie jre krankheit leidet.
3 Mos. 12, 2; und wirst gewalt und unrecht leiden müssen dein leben lang.
5 Mos. 28, 29; nach dem wir so lange unglück leiden.
ps. 90, 15; die albern gehen durch, und leiden schaden.
spr. Sal. 27, 12; und werden seine herrlichen hunger leiden, und sein pöbel durst leiden.
Jes. 5, 13; herr ich leide not. 38, 14; haben wir allen mangel gelidden.
Jer. 44, 18; das du .. groszen jamer leiden müssest.
Hes. 22, 5; ich leide pein in dieser flammen.
Luc. 16, 24; es ist besser freien, denn brunst leiden.
1 Cor. 7, 9; umb seines namen willen schmach leiden.
ap. gesch. 5, 41; allerlei ungemach, fahr und not darüber leid (
litt). Luther 6, 59
a; darumb ich diese hellische wol verdiente straf und marter leiden, ewiglich verdampt sein musz.
volksbuch von dr. Faust 39
Braune; hoffart will zwang leiden. Simrock
sprichw. 255; eine niederlage leiden,
accipere cladem. Steinbach 1, 1055; schiffbruch leiden,
naufragium perpeti. ebenda; auch sicher glaubeten, dʒ sie im meere wären und schiffbruch leiden müsten. Philander 2 (1643) 228,
vergl. dazu auch erleiden,
was in allen angeführten fällen ebenso gut stehen kann, und den verbalbegriff noch kräftiger hervorhebt, als einfaches leiden; und wesz gewalt würt boszhaft sein, der leit gewaltig ewig pein. Schwarzenberg 134
a; so last uns nun jhm dankbar sein, weil er für uns liedt solche pein. Sandrub
kurzweil 63; sonst müst ich leiden den ewigen todt. Wackernagel
kirchenl. 3, 1095; der die ganze welt allein ziert, schmucket und schön bekleidet, mit tüchlein eingebunden wird, ja frost und kälte leidet. 5, 667; er macht behendein selges end an alle dem, was fromme herzen leiden. P. Gerhard 155, 56
Gödeke; Johannes (
der täufer) ist ein solcher mann, den auch sein feind nicht tadlen kan, noch (
dennoch) musz er strikke leiden. Rist
sabb. seelenl. 17; vieles leiden, viel leiden: der gerecht mus viel leiden.
ps. 34, 20; wer viel leren mus, der mus viel leiden.
pred. Sal. 1, 18; denn wir haben viel leiden müssen, sint der zeit, da wir uns wider die heiden gesetzt haben. 1
Macc. 1, 12; wie er müste hin gen Jerusalem gehen, und viel leiden.
Matth. 16, 21; was hab ich nicht getragen und gelitten in dieser ehe unglücksvollem band! Schiller
Wallensteins tod 3, 3;
in verbindung mit dulden: aber was nennen sie ruhig sein? die hände in den schoosz legen? leiden, was man nicht sollte? dulden, was man nicht dürfte? Lessing 2, 186;
wie auch ahd. mhd.: uuante ih sulehe arbeit unte sulehe persecutiones nune lîdon, so ih êdes in initio fidei doleta. Williram 41, 21; swaʒ schaden mir von im geschiht, den muoʒ ich lîden unde doln.
troj. krieg 6769.
der eigentliche sinn des verbums verblaszt theilweise, indem es nicht nur zu bösem, sondern auch zu gutem gestellt wird: namen sie es an, als die heiligen, beide guts und böses mit einander zu leiden.
weish. Sal. 18, 9; die, mit denen du lieb und leid leiden muszt.
Galmy 133;
wie auch im mhd.: durch die er lîden wolde beidiu freude unde nôt.
Parz. 622, 20.
[] B@II@22) leiden,
in bezug auf widriges oder lästiges, mit der milderen bedeutung etwas sich gefallen lassen, zulassen: die jüngling erkennen ihre fehler und leiden ermahnen. Schuppius 762; viel selbstgefühl und kühner muth, bei gott! doch das war zu erwarten — stolz will ich den Sapanier. ich mag es gerne leiden, wenn auch der becher überschäumt. Schiller
Carlos 3, 10; röslein sprach: ich steche dich, dasz du ewig denkst an mich, und ich wills nicht leiden. Göthe 1, 17;
unpersönlich, mit dativ der person: fürwar, es ist ein groszer tratz, das ein new orden, erst erstanden, den ältern orden so mit schanden das brot darf vor dem maul abschneiden, es ist den münchen kaum zu leiden. Fischart
dicht. 1, 85, 3258;
dann aber auch, mit mehr activem sinne, gestatten, erlauben; in negativen sätzen: das er nicht mehr leiden kondte ewern bösen wandel und grewel, die jr thetet.
Jer. 44, 22; (
seine gesellen, die ihn) monsiour Lælius titulireten, so er aber nicht leiden wolte. Philander 2 (1643) 201; das er kurzumb nicht leiden wolte. 203; wie kommt es, dasz die Calvinisten die bilder nicht wollen leiden in den kirchen, und können sie wol leiden auf der münz? Schuppius 47; nein, Carlos! es gehe wie es wolle, das kann, das werd ich nicht leiden. Göthe 10, 107; es wird nicht gelitten,
non licitum est, non est ulli potestas hoc faciendi. Frisch 1, 601
c; warheit wolt jr nicht leiden. Wackernagel
kirchenl. 5, 363; und keine völker, die das wort vergessen, und nicht leiden, die sollen (findend keinen hort) der höllen straf vermeiden. Weckherlin 33; nicht meines herzens schwellendes gefühl, das braust, den kleinsten flecken nicht zu leiden. Göthe 9, 158;
im positiven satze, mit allgemeinem, verhüllenden object: so'n volk (
von jungen mädchen), im finstern leiden sies (
das liebeln), und wenn es tag wird, so leugnen sies vor ihrem richter ab. H. v. Kleist
zerbroch. krug, 9.
auftr. B@II@33)
in demselben sinne mit einem sächlichen subject, welches durch das verbum ein gewisses persönliches leben empfängt, namentlich wenn der satz negativ oder zweifelnd ist, und dadurch verbot oder einwurf hervorhebt: die zeit hats nicht wollen leiden.
Phil. 4, 10; so wolte er sich das glück, dergleichen angenehme visiten ins künftige mehr zu genieszen, ausbitten. wenn es die zeit leiden will, antwortete sie, so soll mirs allezeit angenehm sein.
Salinde 29; die ehr, glaub und aug leiden keinen scherz. Frank
spr. 2, 3
b; man musz biszweilen etwas verduschen und verglimpfen, sonderlich in ehesachen, die keinen scherz leiden wöllen. Sandrub
kurzweil (1618) 107; meine jetzige profession wil es nicht allerdings leiden. Schuppius
s. 2; philosophie leidet in sich keine blose überredung. Kant 1, 398; dieser beweis ist unendlich deutlich und leidet keine ausflucht. 8, 139; ein .. erstaunen, dasz seine grosze idee von sich selbst und seine geringe meinung von menschen doch wohl einige ausnahmen leiden dürfte. Schiller 766
a; sie hatte ein herz und wollte es nie wie ein todtes kapital in der brust leiden, sondern es sollte sich verzinsen und umlaufen. J. Paul
Tit. 3, 191;
in positiven sätzen wird durch das verbum öfter das blosze zulassen als das gestatten betont: wenn du unter den unweisen bist, so merke was die zeit leiden wil, aber unter den weisen magstu fortfaren.
Sir. 27, 13; diese stelle leidet eine mehrfache auffassung, eine verschiedene erklärung;
oder auch das vertragen: der fuhrmann fraget ihn (
den wirth), wie viel das fuder (
wein) köndte wasser leiden.
exilium melanch. (1655) 527;
ein sinn der selbst in den des einschlieszens, in sich enthaltens umschlagen kann: wir brauchen (
mit einer allgemeinen erklärung) nicht vorlieb zu nehmen; denn die worte leiden groszen sinn, und das für kopf! und herz! Claudius 4, 99; zwar dichter sind sonst nicht zu höhnen, die reime leiden auch verstand. Haller
schweiz. ged. (1768) 106. B@II@44) leiden,
gestatten, erlauben (
no. 2)
mit abhängigem satze statt des acc. der sache: für usz wolten sy nit liden, das ich dialecticam läsen. Th. Platter 100
Boos; und der herr wird recht richten und strafen, und nicht verziehen, noch die lenge leiden, bis er den unbarmherzigen die lenden zuschmettere.
Sir. 35, 22; leide dasz ich dir erzehle, was ich gehört zu haben
[] ingedenk bin. Schuppius 747; ich leide nicht, herr pastor, dasz ihr euch bemüht. Freytag
ahnen 5, 125; da war natürlich, dasz die schloszpredigerin nicht leiden wollte, wenn ihr gast an die waschgefäsze trat. 142;
statt dessen ungewöhnlich mit infinitiv und zu: zürnend blickt er, winkt und litte nicht zu enden. Stolberg
ged. (1779) 249. B@II@55)
daran angeschlossen ist eine formel ich möchte leiden,
gewöhnlich mit abhängigem satze, die von der bedeutung aus: es wäre mir genehm, recht, einen dringenden wunsch anzeigt: aber do wier wyt uszhi kammen, begägnet uns, das ich hette mögen liden, ich weri in der stadt bliben. Th. Platter 77
Boos; ich sagt: ich gsich woll, das des zangs (
zankes) kein end will sin, ich möcht liden, man näm ein schuolmeister, der do täte alles, was sy welten. 102; sie sprach, es thet jr das haupt wehe, möchte wol leiden, dasz man sie ein wenig ruhen liesze.
buch d. liebe 192
c; du hast einen bösen mantel? ja, junker, sagt der bettler, ich möcht leiden ich hett einen bessern.
wegkürzer 31; ich möcht leiden ich hett das kloster mit einander auf dise zilsatzung. Frey
garteng. 38
b; in Teno ist ein quell, dessen wasser sich unter keinen wein mengen läszt; und ich möchte leiden, dasz alle wässer dieser arten weren. Opitz 2, 289; hätten ihm gern mit freündlichem winken zu verstehen geben, dasz sie wohl leiden möchten, wo er hienüber zu ihnen kommen und kundschaft machen wolte. Philander 2 (1643) 210; Hypokritus möcht es, denk ich, wohl leiden, wenn wir alle krank wären, damit er desto mehr zu heilen hätte. Wieland 19, 247;
Pipin. groszmechtiger keiser, wie, wenn eur son .. sich jetzo wider funden hett?
Alexander. vor freud das herz uns weinen thet und möchten solches leiden wol. J. Ayrer 290
c (1450, 31
Keller). B@II@66) leiden,
aushalten: werme reinen brunnen, daʒ er die hant darinne lîden künne.
v. g. spise 14; und alles was das fewr leidet, solt jr durchs fewr lassen gehen, und reinigen, das mit dem sprengwasser entsündiget werde. aber alles was nicht fewr leidet, solt jr durchs wasser gehen lassen. 4
Mos. 31, 23; wie .. etliche alchimisten das kupfer also coloriren und ferben können, das es auch den strich helt und ein fewer oder zwei leiden kan. Mathesius
Sar. 56
a; dasz sie nit trinken mehr, dann jr natur wol leiden mag. E. Alberus 44
b; der tag des herrn ist gros und seer erschrecklich, wer kan jn leiden?
Joel 2, 11; die geister, dieweil sie den anblick der sonnen ... nit erdulden noch leiden können.
volksbuch von dr. Faust 71
Braune; diesen frost können die inwohner von jugend auf leiden,
ad patientiam hujus frigoris incolae hujus regni nati sunt. Frisch 1, 601
c; bring ein paar freunde mit; denn viele, das, freilich, leidet nicht mein wein. Gökingk 1, 202. B@II@77) einen
oder etwas leiden,
seine gemeinschaft oder anwesenheit zulassen, ertragen: si half im inner zweinzec tagen, daʒ man in allenthalben leit und niemen durch die wunden meit.
Trist. 201, 5; darnach kumpt, das eins das ander leidet, sein gebresten treit und seine laster und unvollkommenheiten leidet. Keisersberg
seelenp. 3
b; du must leren die andern leiden, das musz sein, anderst komest du nit zufriden. 61
b; ein verkeret herz mus von mir weichen, den bösen leide ich nicht.
ps. 101, 4; die gemeinschaft derer freunde, so meine mängel und gebrechen tugend heiszen, ... mag ich nicht gerne leiden.
pers. rosenth. 4, 12; der von den spieltischen oder kaperbretern zurückgekehrte Bouverot, den jetzt Liane seit den neuesten nachrichten nur schaudernd litt. J. Paul
Tit. 3, 83; er musz sie (
die frau) doch einen weg wie den andern um sich leiden. Chr. Weise
erzn. 17; da wir das flüchtge wild in büschen leiden können; wer würde thoren auch nicht ihren platz vergönnen? Cronegk 2, 101;
danach gern haben, lieb haben: es mag nieman zweien herren gedienen, eintweders er muosz den einen hassen und den andern liebhaben, oder einen leiden den andern verschmehen.
spiegel menschl. behaltnusz 1492 190
a; einen leiden können
oder mögen,
einen gern haben, etwas nicht leiden können,
nicht ertragen können, einen widerwillen davor haben: kam ein pfaff (
zu) dem grafen, der jhn wol leiden mochte. Kirchhof
wendunm. 448; so hette er seiner noch darzu gespottet, welches die
[] geister oder teufel nit leiden können.
volksbuch von dr. Faust 101; schwefel können die läuse nicht leiden. Coler
hausb. 221; den bäpstischen lehrern ... die alles besser leiden können denn die bibel. L. Sandrub
kurzweil (1618) 52; sie (
die Russen) mögen weder orgel noch andere musicalische instrumente in ihren kirchen leiden. Olearius
pers. reisebeschr. 1, 58; seine mitgenossen, die er nicht wohl leiden kann. Kant 4, 297; er kann die allzu höflichen damen eben so wenig leiden, als die allzu groben wirthe. Lessing 1, 537; sie werden mich leiden können — vielleicht liebgewinnen. Gotter 3, 84; so fühle ich immer für und mit Charlotten, wenn jemand mit dem stuhle schaukelt, weil sie das in den tod nicht leiden kann. Göthe 17, 261; mich konnte er gar gern leiden. 24, 251; eine gewisse art von drolligem humor, den man leiden mag. 43, 119; was unrecht, das sprichst du mit freuden, was recht ist, das kannst du nicht leiden. P. Gerhard 5, 14
Gödeke; unrecht kanstu nicht leiden, drumb must dich lassen neiden, ein heüchler bistu nicht. Philander 2 (1643) 224; wolte auch den geist nit mehr bei jm sehen oder leiden.
volksb. von dr. Faust 109
Braune; dasz ihr solche leut, solche prediger so gern umb euch leiden möget. Schuppius
s. 88; er kan ihn nicht vor augen leiden,
oculi ejus eum ferre non possunt. Frisch 1, 601
c; gute menschen, ... die einen edeln, freien nachbar neben sich leiden konnten. Göthe 8, 111; so konnt er von allem, was einem menschen glich, nur seinen narren und affen um sich leiden. Wieland 4, 49 (
n. Amadis 2, 37). B@II@88)
das part. gelitten,
als gesellschafter angenommen: um sich an den königl. und churfürstlichen höfen, an welchen er gelitten war, nicht in misgunst zu setzen. Lessing 11, 45; Marenholz konnte nicht gelitten sein, weil er fräulein von Ungnaden geheirathet hatte. Wiarda
ostfries. gesch. 5, 9; bei dem fürsten Enno Ludwig war er sehr gelitten. 207; zween freunde gleicher art, bei mädchen wohl gelitten. Hagedorn 2, 94; das seltne glück, bei allen frauenzimmern gelitten sein. Gökingk 2, 190; wir sehen uns nicht nur gelitten, sogar wir sehn uns hochgeehrt. Göthe 11, 342. B@II@99)
unpersönliches leiden,
mit acc. der person, mundartlich zunächst oberdeutsch: bair. es leidet mich nicht,
in kann nicht bleiben, ich habe keine ruhe Schm. 1, 1440
Fromm.; schweizerisch s litt mi nimm lenger do,
ich halte es nicht mehr aus. Seiler 190
a;
jetzt aber auch schriftdeutsch: es leidet mich nicht an einem orte; es litt ihn nicht im zimmer, er muste hinaus ins freie; den doctor aber litt es nicht lange zuzusehen, er zog seinen rock aus und stieg in die öffnung. Freytag
handschr. 3, 334. B@IIIIII. leiden,
reflexiv. B@III@11) sich leiden,
von personen, zufrühest in dem bloszen sinne warten erscheinend: dârumb sô lît dich vor der tür.
Diocletian 1859; moht ab ich dir erwerben, daʒ ich dir beneme dîn leit, dar zuo wær ich dir bereit; iedoch lît dich ein wîle. 8734;
gewöhnlich aber sich fügen in unbequemes oder widriges, sich ergeben, sich geduldig, still verhalten (
vergl. sich dulden 2, 1507, sich gedulden 4
1, 2048,
wo erklärung des sich). B@III@1@aa)
einfach: sie wolten zwingen, da prediget ich dawider, darumb mus ich mich leiden. Luther 4, 36
b; doch hat der heilige geist etliche erhalten, die andern haben sich müssen leiden. 174
b; ob du must trawren und leid tragen, und teglich sehen, das dein herz betrübt, so leide dich. 5, 352
b; wie lange sol ich bei euch sein? wie lange sol ich mich mit euch leiden?
Marc. 9, 19; leide dich als ein guter streiter Jhesu Christi.
2 Tim. 2, 3; da muosz sich oft weib und kind leiden. S. Frank
laster h 4
a; leid dich gast, sonst bist ein last.
sprichw. (1541) 1, 61
a; doch leid ich mich gären, nuor das ich mechte bliben und das handwärch lernen. Th. Platter 52
Boos; fasz dir ein herz, muszt dich ein wenig leiden.
buch d. liebe 188
b; der münch kam zuo der tochter und begreif jr den fuosz mit dem (
eingetretenen) dorn, darvon sich die tochter ein wenig übel gehuobe; aber die muoter .. schreie der dochter zuo: leid dich, mein liebs kind, so wirt dir geholfen. Wickram
rollw. 31, 1; also kam es nach und nach dahin, dasz ich mich je länger je mehr leiden muste.
Simpl. 3, 44
Kurz; [] nun leid dich, mein domine, bis das das wetter ubergeh. Fischart
dicht. 1, 135, 61
Kurz; meine seele, sei zufrieden! wann du gleich noch auf der erden vielerseiten angehalten wirst von trübsal und beschwerden, leide dich und sei getreu! Brandt
bericht vom leben Taubmanns 87;
mit verwandten begriffen zusammengestellt: wird aber ein krieg daraus, so mus ich mich abermal leiden, sampt den meinen, und gewarten, was unser gott hierin rahten und richten wird. Luther 5, 275
a; habt geduld ein zeitlang, und leidet euch, bis der landsfürst in der sache spreche. 331
b; die christen aber müssen sich leiden, verfolget werden, in thürmen sitzen.
tischr. 24
b; do htten sich die armen paurn, die müssen sich leiden und herhaben. S. Frank
chron. 217
b; mein kind, wiltu gottes diener sein, so schicke dich zur anfechtung, halte feste und leide dich. Mathes.
Syrach 1, 7
b; Joseph drücket und leidet sich in seinem dienst. 126
b; es sollen auch die armen leut kein verdriesz daran haben, sondern sich leiden und gedulden. Fronsperger
kriegsb. 1, 128
a; so würde er bei den jüden und christen veracht und müste sich leiden, schmücken und trücken. Ayrer
proc. 2, 10; leidt dich ein kleins und hab geduld. G. Gotthard
zerstör. Trojas (
Solothurn 1598)
act 3.
die fügung ist noch jetzt alemannisch: Hans Joggi begriff das wohl und litt sich bestmöglichst, aber es that ihm doch weh. J. Gotthelf
schuldenb. 371; immer hat sich der mann gelitten und hat gemieden. Felder
sonderl. 2, 272. B@III@1@bb)
mit präpositionen: sich mit einem leiden,
geduld mit einem haben, sich mit einem vertragen: do sprach ich den meister frintlich an, er sölte sich mit mier leiden. Th. Platter 52
Boos; mit nachbaurn soll man sich leiden. Agr.
spr. 47
b; wo reisz oder fuszknecht bei einander in einem läger liegen würden, so sollen (
sie) sich mit einander leiden. Fronsperger
kriegsb. 3, 26
b; bei, unter, über, von etwas sich leiden: die so Christum bekennen und darüber sich leiden müssen. Luther 5, 9
a; die unter den tyrannen sich leiden müssen. 6, 337
a; ich muste mich einsmahls ebenmässig von meinem wirth darunter deszhalber gewaltig leiden, er zog mir ein jedes wort aus dem maul durch die hechel.
Simpl. 4, 389
Kurz; gewisses, wie gering es sei, das nemm an, und leid dich dabei, dasz dirs nicht geh wie jenem hundt. E. Alberus 84
b; eur lieb sei noch auf meiner seitn, die wissen, was ich mich musz leidn von der Römer aufrührischen rott. J. Ayrer 85
d (438, 17
Keller);
mit einem genitiv: ist mein unterthänige bitt, i. k.
f. g. wollten ihm mit derselben pfarre begnaden ... er wäre viel bessers werth, aber weil sonst nichts vorhanden, musz er sich der noth so lange leiden, bis besser wird. Luther
br. 3, 223. B@III@22) sich leiden,
auch mit schärferer bedeutung, in schaden kommen, not leiden: nun hatten sich etliche knecht in der kirchen versäumt, da man das pulver anzündt, ... und hett sie das pulver auch ereilt, die müsten sich auch jämmerlich im feuer leiden, nit weisz ich, ob sie todt oder lebendig sein blieben. Götz v. Berl. 42; ich (
spricht der november) mach es allenthalben kalt, des musz sich leiden hart der walt. H. Sachs 1, 319
b; weil sich wald und felder leiden, nirgends finden schutz und trost für der kält und strengem ost. S. Dach 2
b; unser hof hat solche gicht, da von händen und von füszen sich die nerven, nicht von nerven händ und füsze leiden müssen. Logau 2, 5, 9; belustigst du dich dan mit vilmal-näuem kleid, so kan dein armer leib vil plagen nicht vermeiden, und bleibt das sprichwort wahr: die hohfart mus sich leiden. Rompler 213; zum dritten, kompt dieser text Luce, .. der mus sich leiden, und sind noch heutiges tages nicht eines, wie sie denselbigen gnug martern und radbrechen wollen. Luther 3, 494
a. B@III@33)
aber auch sich halten, in einem zustande halten, ohne dasz widriges oder not betont wird: hie werden die gelübt aufgehebt, hie den münchen freiheit geben aus den orden zu gehen, hie ist frei der ehelich stand den geistlichen, .. hie mus sich der ehelich stand leiden, der in verbotem grad oder sonst, ein mangel hat. Luther 1, 297
a;
sich behelfen: ich hab mich wol vj oder vij jar mit jm gelitten, ja so wol, dasz ich weisz was er für ein gsell ist. Frey
gartenges. 34 (
cap. 20); das mensch (
unsere tochter) ist gleichwol schon vorlängst mannbar gewest und hat, dir zu gehorsamen, etliche heirath ausgeschlagen,
[] sich auch bei uns viel mehr als eine magd gelitten und ihr bestes gethan.
Simpl. 3, 319
Kurz. B@III@44) etwas leidet sich,
schickt sich, fügt sich, reimt sich zusammen: darumb wil sichs in keinen weg leiden, das wir sicher und stolz in unserm thun wolten sein. Luther 1, 5
b; das man die, so da recht gleubten, künde auf ein ort sondern. ich wolt es wol lengst gerne gethan haben, aber es hat sich nicht wöllen leiden, denn es noch nicht gnug gepredigt und getrieben ist. 3, 158
b; es wil sich nicht leiden, das unser heubt Christus am creuz stirbt und dornen kronen tregt, und wir solten mit eitel lust und freuden one alles leiden selig werden. 390
b; wenn nu hie die praedicatio identica wil drein reden, es könne weder in der schrift noch vernunft sich leiden, das zweierlei wesen ein ding sei. 485
b; denn es leidet sich nicht, das jemand mit leuten umbgehe, und nicht offenbare, was jnen dienet zur seelen seligkeit. 4, 80
a; darumb wird sichs nicht leiden, das einerlei wort, als da binden, solt heiszen zugleich gebieten und sünde behalten. 5, 218
b; solchs leret auch die vernunft selbs, das es sich nicht leidet, zween ungleichen herrn zu gleich dienen. 418
a; weil nu solche grewliche irrthum die lere vom glauben und reich Christi ganz verfinstert haben, wil es sich in keinen weg leiden, das man dazu solte still schweigen. 6, 526
a; dasz man sie unberufen und unverhört verjagen sollte, will sich nicht leiden.
br. 2, 258; darnach sichs hat mit rath guter freunde leiden wollen. 4, 533; so vil ... sich in den kirchen leiden und gezimmen wil. Mathesius
Sar. 27
a; davon (
von heimlicher kunst) wolt er jhm offenbaren, was er meint, was sich leiden wolt.
froschmäus. J 6
b (
b. 1, 2, 6). sich leiden mit etwas: denn es wöllen und können sich nicht mit einander leiden, gnade und werk, glauben und gesetz, eins mus allein da sein, so fern es das gewissen betrifft. Luther 3, 260
b; darumb leidet sich das ewangelium nicht mit menschen leren. 4, 69
b. B@III@55) es musz sich leiden,
es musz gut sein, in einer antwort auf die frage nach dem befinden: Nero. aber sihe, dort kompt Fidelis her, zu dem wil ich gehen .. wie stehet es, Fidelis?
Fid. es mus sich leiden. H. J. v. Braunschweig 369.