Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
leiden
202,10 [Kb, Ra]) und Gl. 2,564,23 (in 2
Hss., 10./11. Jh., bei 1 Hs. aus dem 2. Viertel
des 10. Jh.s Zeit des Gl.eintrags unbekannt):
‚verleumderische Anklage, Anschuldigung;(mhd. lei-
accusatio, calumnia, (lenocinium)‘
de st.f.
‚Leid, Schmerz, Betrübnis‘, frühnhd.
leide f.
‚psychischer Schmerz, Kummer, Mit-; mndd. lēide f.
leid, Gebrechlichkeit‘
‚Leid,; mndl. lede
Schmerz, Angst, Beschwerde‘
f.
‚Leid, Verdruss, Trübsal‘; ae. lǣđđ[u] f.
‚Hass, Unrecht, Beleidigung, Bosheit‘; aisl.
leiða f.
‚Unlust, Widerwille‘). Zu den Be-
legen im Abr vgl. Splett 1976: 128. 282.
Ahd. leida ist postverbal zum sw.v. II leidôn
(s. d.) gebildet (vgl. Wissmann 1975: 94). –
leidagAWB, leidîgAWB adj., Gl. 1,533,29 (3. Viertel
des 11. Jh.s, bair.); 4,73,4 (12. Jh.), in OG,
NBo, NCat, Nps und Npw:
‚leidvoll, betrübt,, leidîg wesan / sîn,
traurig, beunruhigt, gepeinigt, verwirrt, be-
trübt, verhasst; contristatus, invisus, lacer,
odiosus, tristis, turbatus‘
werdan
‚contristari, conturbari, turbatum es-, leidîger fîant
se‘
‚böser Feind [als Bez. des, leidag zi steti stân
Teufels]; nequissimus‘
‚im Wehklagen verharren; stabilis gemere‘
(mhd. leidec, leidic
‚betrübt, böse, wider-, nhd. leidig
wärtig‘
‚ärgerlich, unangenehm,; mndd. lēidich
lästig‘
‚leidvoll, widerwär-). S. leid adj., -îg. – leidagônAWB, leidigônAWB
tig‘
sw.v. II, NBo, NCat, NMC, Nps und Npw:
‚Leid zufügen, betrüben, verwirren; contri-,
stare, conturbare, doloribus ciere, turbare‘
part.prät. gileidigôt
‚getroffen, verwundet;, subst. daz leidigôt
ictus‘
‚Leidvolles; maes-(mhd. leidegen, leidigen
1131 leidaS1132
ta‘
‚betrüben, krän-, frühnhd. leidi-
ken, verletzen, schädigen‘
gen
‚verletzen, schädigen, kränken, schimp-; mndd. lēidigen
fen, quälen‘
‚belästigen‘). –
gileidagônAWB, gileidigônAWB Gl. 2,393,43 (Hs. 2.
Hälfte des 11. Jh.s, Zeit des Gl.eintrags un-
bekannt), Nps und Npw:
‚Leid zufügen, in
Schrecken versetzen; conturbare, debilitare‘
(mhd., frühnhd. geleidigen
‚betrüben, verlet-). – leidagungaAWB f. ō-St., nur NBo:
zen‘
‚Un-(mhd. leidegunge
heil; calamitas‘
‚Beleidi-, frühnhd. leidigung
gung, Verletzung‘
‚Ver-). Verbalabstraktum mit dem
letzung, Bedrängnis, Schmach, Verhasstsein,
Feindschaft‘
Fortsetzer des Suffixes urgerm. *-unō-. S.
leidagôn, -unga. – leidariAWB m. ja-St., im Abr
(1,68,14 [Pa]), Gl. 1,794,1 (in 3 Hss., 10./
11. Jh. bis 3. Viertel des 11. Jh.s). 2 (in 3
Hss., 12. Jh. bis 1. Hälfte des 13. Jh.s) und
NBo:
‚Ankläger, Denunziant, accusans, ac-(mhd. leider
cusatio [für accusator], accusator, deferens,
delator; Hasser, osor‘
‚Anzei-[DRW 8, 1156], nhd. mdartl.
ger, Kläger‘
schweiz. leider
‚Angeber, Ankläger‘[Schweiz.
Id. 3, 1087]). Zum Beleg im Abr vgl. Splett
1976: 128. Nomen agentis mit dem Fortset-
zer des lat. Lehnsuffixes urgerm. *-ari̯a-. S.
leidôn, -ari. – leidazzariAWB m. ja-St., Gl. 1,
794,3 (in 4 Hss., 10. und 12. Jh., bei einer
Hs. aus der 1. Hälfte des 12. Jh.s Zeit des
Gl.eintrags unbekannt, alle bair.):
‚Hasser;. Nomen agentis mit dem Fortsetzer des
osor‘
lat. Lehnsuffixes urgerm. *-ari̯a-. S. leidaz-
zen, -ari. – leidazzenAWB sw.v. I, im Abr (1,
22,23 [Ra]. 120,31 [Pa, Kb, Ra]), Sam
(1,3,29) und weiteren Gl., T, NBo, Nps, Npg
und Npw:
‚anklagen, tadeln, verabscheuen,, part.präs. leidazzenti
verfluchen, hassen, unwillig sein, sich ent-
rüsten, sich entsetzen; abominare/-i, accusa-
re, anathematizare, aspernari, aversari, aver-
tere, condemnare, despicere, detestari, ex-
horrescere, exsecrari, horrēre, indignari, per-
horrescere, vituperare‘
‚verhasst; exosus‘(nhd. mdartl. schweiz. lei-
dezen
‚jmdm. ein Leid antun‘[Schweiz. Id.
3, 1085]; ae. lāđettan
‚verabscheuen, has-). Intensivbildung mit dem Fortsetzer des
sen‘
Suffixes urgerm. *-ati̯a-. S. leiden, -azzen. –
leidazzungaAWB f. ō(n)-St., Gl. 2,48,36 (Hs. 2.
Hälfte des 9. Jh.s, Zeit des Gl.eintrags un-
bestimmt) und T:
‚Gräuel; abominatio‘. Ver-
balabstraktum mit dem Fortsetzer des Suf-
S1133leidîg – leidlîh 1134
fixes urgerm. *-unō-. S. leidazzen, -unga. –
leidenAWB sw.v. I, Gl. in Basel, F. III. 15c
(Hs. 8./9. Jh., Zeit des Gl.eintrags unbe-
kannt), O und NBo:
‚verhasst machen, ver-(mhd., frühnhd. leiden
abscheuen, verfluchen; abominari, odiosum
facere‘
‚verhasst ma-; ae. lǣđan
chen, verleiden‘
‚schmähen, has-; aisl. leiða
sen‘
‚verhasst machen, verleiden‘;
vgl. as. alēthian
‚verhasst machen, in Verruf). Denominale Ableitung. S. leid adj.
bringen‘
– leidênAWB sw.v. III, im Abr (1,172,9 [Kb]),
Sam (1,179,21), Gl. 2,159,18 (1. Hälfte des
11. Jh.s, alem.), O und NBo:
‚verhasst sein,,
verleidet sein, anwidern; invisus, sordere‘
part.präs. leidênti
‚verhasst; detestandum‘
(mhd., frühnhd. leiden
‚leid, zuwider, ver-). Denominale Ableitung. S. leid
hasst sein‘
adj. – leidfirwîzAWB m. a-St., nur Npg:
‚Schmä-. Komp. mit
hung, Verleumdung; calumnia‘
adj. VG. S. leid adj., firwîzan. – leidholzAWB n.
a-St., Gl. 2,466,1 (in 2 Hss. des 11. und
11./12. Jh.s, Zeit der Gl.einträge unbekannt):
‚böses, unfruchtbares Gezweig; silvosum ido-. Zur
lum [virgae steriles atque superfluae]‘
Bed. vgl. K.-H. Borck, FS Trier 1954: 466.
472. Determinativkomp. mit adj. VG und
subst. HG. S. leid adj., holz. – Ahd. Wb. 5,
751 ff.; Splett, Ahd. Wb. 1, 398. 521. 522.
523. 1145; Köbler, Wb. d. ahd. Spr. 407.
711; Schützeichel7 195 f.; Starck-Wells 366;
Schützeichel, Glossenwortschatz 6, 24 f.