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Schneiden

nhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
16 in 15 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schneiden

Bd. 3, Sp. 1597
Schneiden, verb. irreg. Imperf. ich schnitt; Mittelw. geschnitten; Imper. schneide. Es kommt in doppelter Gestalt vor. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1. Eigentlich, andere Dinge mit der Schärfe durchdringen, wo es von allen mit einer eigentlichen Schärfe versehenen Werkzeugen und Körpern gebraucht wird, und oft so viel als scharf seyn bedeutet. Schneidende Werkzeuge, welche eine Schneide haben, zum Unterschiede von stechenden. Das Messer, die Schere, die Axt, die Sense, die Säge schneidet nicht, will nicht schneiden, schneidet vortrefflich. 2. Figürlich. 1) Einen empfindlichen Schmerz verursachen, welcher dem Schmerze gleicht, welchen schneidende Werkzeuge verursachen. Ein schneidender Wind, eine schneidende Kälte. Der Wind schneidet, schneidet in das Gesicht. Ein schneidender Schmerz. Es schneidet mir im Leibe. Das Schneiden im Leibe haben. Das schneidende Wasser, Stranguria, in den niedrigen Sprecharten die kalte Pisse. Nach einer noch weitern Figur sagt man auch, das schneidet mir ins Herz, in die Seele, verursacht mir einen plötzlichen durchdringenden Schmerz. 2) Das schneidet in den Beutel, in der niedrigen Sprechart, verursacht beträchtlichen Aufwand, empfindliche Verminderung des Geldvorrathes. 3) Schneidende Farben, schneidende Umrisse, in der Mahlerey, welche mit der nächsten Farbe nicht gehörig verschmolzen, sondern gleichsam abgeschnitten sind; Couleurs tranchantes, Contours coupés. II. Als ein Activum, mit einem solchen schneidenden Werkzeuge verletzen oder theilen, wo es doch eigentlich nur alsdann gebraucht wird, wenn es vermittelst eines Zuges oder einfachen Druckes geschiehet; zum Unterschiede von dem Hauen, Hacken u. s. f. 1. Eigentlich. vermittelst eines solchen Werkzeuges, oder der schneidenden Schärfe eines Dinges, verletzen oder verwunden. Sich schneiden, einen Theil seines Leibes an einer schneidenden Schärfe, oder einem schneidenden Werkzeuge verwunden. Sich in den Finger, in die Hand, in den Fuß schneiden. Sich mit dem Messer, mit der Schere schneiden. Ingleichen vermittelst eines schneidenden Werkzeuges mit Ziehen oder Drücken theilen. Etwas klein schneiden, in kleine Stücke schneiden. Mit dem Messer, mit der Schere schneiden. Brot, Fleisch schneiden. Wo es oft für abschneiden stehet; ein Stück Brot schneiden. Das Getreide schneiden, es mit der Sichel abschneiden, zum Unterschiede von dem Mähen oder Hauen, welches mit der Sense geschiehet, daher schneiden da, wo man sich der Sichel bedienet, absolute auch für ernten gebraucht wird. Stroh schneiden, es klein schneiden, zerschneiden. Ingleichen, durch Schneiden hervor bringen. Breter schneiden, sägen; wie denn schneiden fast in allen Fällen für sägen gebraucht werden kann, weil dieses auch mit einem drückenden Ziehen verbunden ist. Eine Feder schneiden.[] Riemen, Pfeifen, Leisten, Formen, Häckerling schneiden, durch Schneiden hervor bringen. Ferner, durch Schneiden bearbeiten. Einen Bruch schneiden, ihn vermittelst des Schnittes heilen. Den Stein, den Wurm schneiden, ihn ausschneiden. Den Wein schneiden, beschneiden. Ein Thier schneiden, ihm die Zeugungstheile durch den Schnitt nehmen, S. Castriren. Die Bienen schneiden, ihnen die Honigscheiben ausschneiden, ohne sie zu tödten; sie zeideln. Von den mit Graben oder Stechen verbundenen künstlichen Bearbeitungen des Holzes, des Stahles und der Steine ist gleichfalls schneiden üblich, ob es gleich eigentlich eine Art des Stechens oder Grabens ist. In Holz, in Stein, in Stahl schneiden. Daher der Stämpelschneider, Formenschneider, Stahlschneider. Auch wird es zuweilen für schleifen gebraucht, von dem Glase oder glasartigen Steinen. Geschnittene Steine, welche durch Schleifen eine gewisse Figur erhalten haben. Geschnittenes Glas. 2. Figürlich. 1) Geld schneiden, einen unerlaubten Gewinn an Gelde machen. Viel bey einer Sache schneiden, sich bey einer Sache einen beträchtlichen unerlaubten Gewinn machen; wofür man auch sagt, seinen Schnitt bey einer Sache machen. Vielleicht ist die Figur von dem Schneiden in der Ernte entlehnet. 2) Mienen schneiden, Gesichter schneiden, ungewöhnliche Mienen oder Geberden machen oder ziehen, wegen der ähnlichen Bewegung. Nun wohl, fährt Paris fort, und schneidt ein Amtsgesicht, Wiel. Auf eben die Art sagt man auch, Capriolen schneiden, aber nicht Sprünge schneiden. 3) Einen Ball schneiden, im Billiardspiele, ihn mit seinem Balle auf der Seite berühren, damit er nach einer schiefen Linie laufe. So auch das Schneiden. Anm. Schon bey dem Ulphilas snejan und sneijthan, welches letztere bey ihm schlachten bedeutet, bey dem Ottfried sniden, im Nieders. sniden, im Angels. snida, im Schwed. snida. Es ist ohne Zweifel eine Nachahmung des Lautes des mit dem Schneiden verbundenen Ziehens bey manchen Körpern, daher es denn nicht bloß von dem Messer und der Schere, sondern auch von der Säge und gewissen Arten des Schleifens und Grabens gebraucht wird. Bey den Jägern wird dieses Zeitwort mit dem Weidemesser bestraft, indem sie dafür schärfen gebrauchen. Schneiden, schnitzen, schnitzeln, und im Nieders. schnippeln, sind abgeleitete Formen. S. dieselben, ingleichen Schnitt.
5123 Zeichen · 80 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schneiden

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schneiden , verb. irreg. Imperf. ich schnitt; Mittelw. geschnitten; Imper. schneide. Es kommt in doppelter Gestalt vor. …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schneiden

    Goethe-Wörterbuch

    schneiden häufig PartPrät (einmal abgekürzt ‘geschnitt.’ FfA I 17,630 ), gelegentl subst Inf u PartPräs 1 (an einem Gege…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schneiden

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Schneiden , verschneiden, den Wein mit geringeren Sorten mischen; wohl auch mit Spiritus etc. versetzen (schmieren).

  4. modern
    Dialekt
    schneiden

    Lothringisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schneiden , Schneider s. schnide n , Schnider.

  5. Sprichwörter
    Schneiden

    Wander (Sprichwörter)

    Schneiden 1. Er schneidet aus einem Tage zwei Stunden mehr als andere Leute. 2. Et is nu enmoal snien, et maut ok nu nai…

  6. Spezial
    schneiden

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schnei|den (schnitt, geschnitten) I vb.tr. 1 (mit einem Schneidegerät zerteilen) taié (taia) 2 (in Scheiben schneiden) t…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schneiden

39 Bildungen · 2 Erstglied · 32 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von schneiden 2 Komponenten

sch+neiden

schneiden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schneiden‑ als Erstglied (2 von 2)

schneidenvogel

DWB

schneiden·vogel

schneidenvogel , m. crotophaga, madenfresser Leunis synopsis der naturgesch. des thierreichs 2 § 164, 9.

schneiden als Zweitglied (30 von 32)

abschneiden

DWB

abschneiden , amputare, davon schneiden, nnl. afsnijden, mhd. abe snîden. sinnlich: das korn vom acker, die blume vom strauch, die traube vo…

alplohnschneiden

DRW

alplohnschneiden den Lohn in die Teßle einschneiden SchweizArchVk. 11 (1907) 192

anschneiden

DWB

anschneiden , incidere, admordere, delibare: brot, fleisch, käse, kuchen anschneiden; auf dem kerbholz anschneiden. das korn, das getraide i…

aufschneiden

DWB

auf·schneiden

aufschneiden , dissecare, nnl. opsnijden. 1 1) aufkerben, dem holz einschneiden; der bank, der rinde des baums den namen aufschneiden. 2 2) …

ausschneiden

DWB

aus·schneiden

ausschneiden , exsecare, exscindere, ahd. arsnîdan, ûʒarsnîdan ( Graff 6, 841 ), nnl. uitsnijden. 1 1) einem die zunge ausschneiden: man sol…

außereinanderschneiden

DRW

außereinanderschneiden auseinanderschneiden vgl. A-B-C deser zedulen synt zwa gelych sprechende ... oevermitz boichstaven ABCD etc. uysser e…

Bandschneiden

Wander

band·schneiden

Bandschneiden Er geht Bandschneiden. Band zum Binden der Garben. Da die Weidenbäume meist in der Nähe von Flüssen wachsen, so ist mit dem Sc…

beschneiden

DWB

beschneiden , circumcidere, amputare, mit der bedeutung von be = um, umbi, wie die angegebnen lat. wörter circum und am, amb ἀμφί enthalten;…

durchschneiden

DWB

durch·schneiden

durchschneiden , perscindere persecare, mhd. durchsnîden, niederd. dôrsnîen Schambach 46 a , niederl. doorsnijden. 1 1. untrennbar. 1@a a. e…

einschneiden

DWB

ein·schneiden

einschneiden , incidere, nnl. insnijden. 1 1) einen schnitt in etwas machen: der diamant schneidet in glas ein; seinen namen in den baum, in…

Hineinschneiden

Wander

hinein·schneiden

Hineinschneiden Er schneidet hinein 1 wie der Gärtner in den Buchsbaum. 1 ) Der Schneider in den Zeug, der Wundarzt ins Fleisch u.s.w.; rück…

Krabbenschneiden

Wander

krabben·schneiden

Krabbenschneiden Krabbenschneiden gehen. So nannte man im 18. Jahrhundert das Verfahren der Soldaten in Deutschland, namentlich in der Mark,…

leibschneiden

DWB

leib·schneiden

leibschneiden , n. schneidendes weh im unterleib: wer so sich stopft wie du dich gestopft, — und den magen pfropft wie du ihn gepfropft, — d…

nachschneiden

DWB

nach·schneiden

nachschneiden , verb. 1 1) scalpturam imitari Stieler 1899 . 2 2) schneidend nachbessern: mit einer nachgeschnittenen feder ist, wie erfahrn…

Ohrenabschneiden

DRW

ohren·abschneiden

Ohrenabschneiden, n. eine Leibesstrafe Sachhinweis: HRG.¹ III 1227 die merklich scheden mit stocken, blochen, orenabschneiden und dergleiche…

Pfennigbeschneiden

DRW

pfennig·beschneiden

Pfennigbeschneiden, n. Verkleinerung und damit Wertminderung von Münzen durch Abschneiden der Ränder vgl. kippen, Münzverfälschung d[arumbe]…

Riemenschneiden

DRW

riemen·schneiden

Riemenschneiden, n. Strafe und Folter, wobei ¹Riemen (II) aus der Haut eines Delinquenten geschnitten werden bdv.: Riemenschnitt kombt aber …

Schweinschneiden

DRW

schwein·schneiden

Schweinschneiden, n. (privilegierte) Tätigkeit, Gewerbe des Kastrierens von ¹Schweinen (I); auch das Privileg hierzu sowie die Einnahmen dar…

Strohschneiden

DRW

stroh·schneiden

Strohschneiden, n. Zerkleinern von Strohhalmen zu Häcksel daß die jenigen personen, so sich deß stroschneidens ernehren, hin vnd wider bey d…

Traubenschneiden

DRW

trauben·schneiden

Traubenschneiden, n. Abschneiden von Trauben; Traubenlese im weingart ... druben schniden ... ist dye eynung 1 diepschilling 1491 Hunsrück/G…

umschneiden

DWB

umschneiden , vb. 1 1) untrennbar. um — herum schneiden, ringsum beschneiden, ringsum abschneiden; circumscindere umbsnyden Diefenbach 122 b…

verschneiden

DWB

versch·neiden

verschneiden , verb. durch schneiden kürzen, verletzen, vernichten, hinwegnehmen, ahd. farsnîdan Graff 6, 842 , mhd. versnîden Lexer handwb.…

vorschneiden

DWB

vorsch·neiden

vorschneiden , verb. , vgl. fürschneiden th. 4, 1, 1, sp. 801 ( dort die lexik. belege für für- und vor-); mhd. vürsnîden Lexer 3, 609 ; pre…

Wégschneiden

Adelung

weg·schneiden

Wégschneiden , verb. irregul. act. (S. Adelung Schneiden ,) schneidend, durch einen oder mehrere Schnitte wegschaffen.

Ableitungen von schneiden (5 von 5)

beschneiden

DWB

beschneiden , circumcidere, amputare, mit der bedeutung von be = um, umbi, wie die angegebnen lat. wörter circum und am, amb ἀμφί enthalten;…

erschneiden

DWB

erschneiden , emetere Maaler 116 d , succidere Stieler 1899 : man kanns nicht erschneiden, falci repugnat.

geschneiden

DWB

geschneiden , verb. schneiden, übertragen auf innere empfindung, kümmern: hei! was geschneids dann auch mich? Simpl. 2, 30.

verschneiden

DWB

verschneiden , verb. durch schneiden kürzen, verletzen, vernichten, hinwegnehmen, ahd. farsnîdan Graff 6, 842 , mhd. versnîden Lexer handwb.…

zerschneiden

DWB

zerschneiden , verb. , zu schneiden ( th. 9, 1252); ahd. zasnîdan, mhd. zersnîden, mnd. to-, mnld. tesnîden; Diefenbach gl. 138 c ; Alberus …

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APA
Cotta, M. (2026). „schneiden". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schneiden/adelung?formid=S02480
MLA
Cotta, Marcel. „schneiden". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schneiden/adelung?formid=S02480. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schneiden". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schneiden/adelung?formid=S02480.
BibTeX
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