wassersuppe,
f. 11)
mit wasser gekochte suppe, als gegensatz zu milch-, bier-, wein-
usw., besonders aber zu fleischbrühsuppe;
erwähnt im kochbüchlein aus Tegernsee, Germania 9, 201,
vgl. die curieuse köchin (1706) 2. 1@aa)
ipa est panis tinctus in aqua, ein wassersup
gemma (1508) n 4
a; wasser -
sive bornsuppe Stieler 1687; wir ... haben eine wassersuppen mit brodt gekochet, die uns gar wol geschmecket Hulsius 3.
schiffahrt 114; wenn mein frauchen das mehl röstet für die gewohnte wassersuppe Gotthelf (1855
f.) 6, 339; seine pfründe war mager, aber aus der menschen thorheit fiel ihm immer noch ein hinlängliches ab. dasz er seine wassersuppen schmälzen konnte Scheffel
Ekkeh. 280.
eine ungemachte (
s. dort v. Schönberg
und unten der gewissenh. priester und Herberger),
d. i. ungeschmalzte wassersuppe
medic. maulaffe 120; das wir nit dörften üeber tag ungmach e kraut- und wassersuppen sauffen. H. Sachs
fab. u. schw. 5, 219, 17
Götze-Drescher; gejammert hat wohl deine Xantuppe oft über die magre wa sersuppe, woraus niemals ein auge von fett sie tröstend angelächelt hätt'. Heine 2, 219
Elster. 1@bb)
sie wird gern als beispiel geringer kost gewählt 1@b@aα)
für eine einfach zu bereitende speise: solche liebe dingergen, die nicht wissen eine wassersuppe zu machen, sondern sich auff die mägde verlassen J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 201. 1@b@bβ)
für eine billige speise: wann am andern morgen hernach der gäst einer widerumb zuo dir käme, und bedörfft einer wassersuppen, du würst es ihm versagen
Petrarche trostbücher (1559) 16
b; eine wassersuppen reist dort (
bei manchen wirten) mehr in beutel, als ein erwachsener bach in ein gestetten Abr. a S. Clara
etwas für alle (1699
ff.) 1, 623. 1@b@gγ)
sie ist eine kost der darbenden: (
sie) hat mich und die kinder lassen därben, grütz und wassersuppen fressen Cochlaeus
gespräch von Hussen 24
neudr.; der schooszhund friszt rebhühner, aber die magd und ich wir essen wassersuppen v. Kotzebue
dram. werke 30, 14 (
belag. v. Saragossa 1, 4); der schuster und der schneider verzehrten zum frühstück wassersuppe statt kaffee und zucker Freytag 4, 432 (
soll u. h. 3, 2); nun hatte sich der böse küchenmeister, herr Schmalhans, endlich ganz bei ihnen eingestellt, und gab, statt braten, wein und kuchen, ein wassersüppchen zu versuchen. Langbein
2 1, 277.
der genügsamen: einer die weil er arm ist, so laszt er sich beniegen mit einer wassersuppen, wenn er reich würt, so müssen alle schleck da sein Keisersberg
brösamlin (1517) 1, 99
a; das guet leben und offt salm essen hie gern einem andern gönnen, ich daheim mitt einer wassersuppen fürlieb nehmen wolt Paumgartner
briefwechsel 41 (1584)
Steinhausen; ich will bey der wassersuppen bleiben, und ihm sein bisthumb lassen Paracelsus
op. (1616) 2, 206 B;
auch so hett ihm ein wassersuppen vil basz geschmecket mit fryden bey seiner Feronica dann an des keysers zu Algery hof gesottens und gebratens Schumann
nachtbüchlein 146
Bolte. als krankenkost: das essen soll sein hnerbrlin ..., wassersuppen und jüsselin Gäbelkover
artzneybuch (1595
f.) 2, 186: sie müssen sich zu bette legen. viel wassersuppen, viel limonade Kotzebue
dramat. spiele 2, 262.
gefängniskost: dieses wird ihn hernach schon ... zu ewigen wassersuppen in ein loch hinabdammnieren v. Bucher
werke 6, 440
v. Klessing. 1@b@dδ)
mit andern geringen speisen zusammen genannt (
vgl. auch oben): selig ist der hauszwird, der sein eigen töpfflein und saltzmeszlein lecket, da er schon nur ein wassersuppen und sawerkraut biszweilen hette Mathesius
hochzeitspred. 240
Lösche; sie gab im nichts als sauerkraut und wassersuppe darneben. Uhland
volksl. 754; bei wassersupp' und trocknem brot soll das dichten einem wahrlich bald vergehn. Hoffmann v. Fallersleben 5, 301. 1@cc)
in sprichwörtern und redensarten: ist der mund fieberig und ungeschmack, so ist im wol das honig bitter, gesundt schmeckt im auch ein wassersup S. Franck
sprichw. 2, 181
b; er singt wol von guotem leben ob einer wassersuppen
sprichwörter klugreden (1548) 148
b; bei öhlenlichtern wassersuppen essen (
schlecht leben) Lehmann 162; er macht drey tag an einer wassersup Eyering 2, 397;
linum lino nectere, infirmis infirma copulare, eine wassersuppe mit brunn schmeltzen Reyher
ed. Gesner (1733) 1311.
ostfränk. i' bin á' nît uf dúr wászersuppún hárgúschwummá,
nicht von schlechter herkunft Frommann 6, 326, '
unehelich geboren' Ruckert 194.
in vergleichen: höre auf zu lachen! du lachest das beste und allerfayste herab, und wir müssen ungesaltzen und ungeschmaltzen ding lachen, wie die schwäbischen wassersuppen Lindener
Katzipori 142
Lichtenstein; wacker, wacker, wie der hasz auf dem acker, ain herz wie ein kalt wassersupp, lustig wie faul öpfel auf dem stro Fischart 3, 20, 6 (
podagr. trostb.)
Hauffen; mein man der thut nach unglück ringen, hat ein hertz wie ein wassersuppen. H. Sachs 9, 111, 27
Keller; (
er) schwor mir hoch und theuer, dasz ich wie eine wassersuppe aussähe v. Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 3, i, 256,
d. h. '
erbärmlich' Kindleben 212
neudr.; herr Perlenmeier (
der volksredner) schwamm damals oben auf wie das fettauge auf der wassersuppe W. O. v. Horn
aus der Maje 1, 107. 1@dd)
gern von geisteserzeugnissen und deren urhebern: gemeine sprache ist wassersuppe. ausgesuchte worte sind canel, muscatennusz Hippel 1, 330 (
lebensl. 1).
besonders von gehaltsarmut (
vgl.wasser II B 1
g): ein gelerter prediger, der doch unerfarn ist ... wirdet verleicht ainer wassersuppen die ungesaltzen und ungeschmaltzen ist, die setigt wol, gibt aber kain zulegung der krafft Staupitz 1, 28 (1517)
Knaake; wenn ein richter das wissen nicht hat, so ist er wie eine ungemachte wassersuppe Herberger
trawrbinden 1, 75; freylich ists hoch von nöthen, dasz einem prediger seine bibel läuffig und bekand sey ..., sonst ists ein ungemachte wassersuppe, sie sey mit worten gespicket und gefrenselt, wie sie wolle
der gewissenhafte priester (1694) 71; endlich, das stinkende fett, womit diese herren ihre kritischen wassersuppen zurichten! Lessing 8, 206; aber da höre ich einen, der gibt mir schult, ich hätte aus dem grichischen ragout eine deutsche wassersuppe gemacht Reiske
Thukydides, vorrede; so viele teutsche pharisäer und schriftgelehrten unter dem volke haben diesen rabbi (
Herder) mit schneebällen gesteinigt, weil er nicht französische wassersuppe mit essen wollte Lose
schattenrisse 1, 101; ich habe nie daran gezweifelt, dasz sie (
die diplomaten) alle mit wasser kochen; aber eine solche nüchterne einfältige wassersuppe, in der nicht ein einziges fettauge von hammeltalg zu spüren ist, überrascht mich v. Bismarck
briefe an s. braut u. gattin 281.
auch von musik: hier gibt es confuse weitläuffigkeit, und ungegründete exempla, die so lang ausgerecket sind, als dünne wassersuppen Mattheson
critica musica 1, 80; (
die tonkünstler schreiben) musikalische wassersuppen unter dem titel paraphrasen
F. M. Böhme
gesch. des tanzes 277. 22)
übertragen das wie eine wässerige geschwulst herabhängende unterkinn, bezeugt aus dem obersächsischen und hennebergischen Rädlein 1034
a.
öcon. u. physic. lex. 5, 1142. Rüdiger 2, 128. Albrecht 234. Müller-Fraureuth 2, 590
a.
mittheil. des geschichtsver. Eisenberg 4, 123 (
Altenburg). Reinwald 2, 137. Spiesz 276. Dellit 238. -süppchen Kindleben 212
neudr.