wassergang,
m. ähnlich wie wasserlauf
in verschiedenen, leicht in einander übergehenden bedeutungen. 11)
das flieszen, das gefäll des wassers: welicher ungewonleich schütt oder ander unsauberkait auf di gassen tregt und der wassergang in den flus dadurch geirt wird
österr. weist. 9, 253, 30 (
Herzogenburg um 1500); wa aber bühel oder berglin weren, die solchen wassergang verhindern Sebiz
feldbau (1579) 15.
im bergbau das aufgehen der wasser (
veraltet) Veith 557: diesem bruch folgete bald ein groszer wassergang und das bergwerck wurde gäntzlich auflässig Zückert
Oberhartz (1762) 94.
jetzt noch hoher wassergang: es wurde ein notflosz gezimmert, doch bei dem hohen wassergang wagte sich niemand dran Rosegger III, 8, 131. 22)
auch das flieszende wasser eines wasserbettes: das dij perrer einin kandil unde einin waszirganc gekort unde gemachit han, der ubir den kirchop get, ... unde hat der waszirganc dij kirchobis muore neddir geworfin
hessisches urkundenbuch I, 3, 91, 24 (um 1370); da schwamm
auch ein groszer trach mit vil schlangen in dem regen wassergang der Tiber durch die statt bisz in das meer S. Franck
chron. Germaniae (
Augsb. 1538) 61
a; da keine ziehebrunnen sind, ... ists bequem, dasz man wassergänge durch wasserröhren oder durch rinnen leite Comenius
sprachenthür (1634) § 583. 33)
das bett eines gewässers, besonders ein künstliches, ein oben geschlossenes, kanal, wasserleitung, röhre usw., mit seinem inhalte, doch auch ohne diesen, z. b. (
vgl. auch unter a—
d): wasserlaytung oder wassergangk eins gelayten wassers,
aqueductus. voc. theut. nn 2
a; wassergang oder ein schluch da durch man wasser leytet
gemma (1508) b 3
a; canal oder wassergang oder rynne da das wasser uszgat d 1
a; liesz er wieder auffbawen ... die wassergenge, die türne und mauren der stadt Nigrinus
papist. inquis. 282; dasz man die wassergeng, oder die röhr nicht ausz jedwederm ... stein ... gezimmert Guarinonius
grewel der verwüstung 614; wenn aber unter den kaisern ein neuer wassergang über eine alte wasserleitung angelegt worden, ist derselbe von ziegeln Winckelmann 1, 539. 3@aa)
kleinerer, künstlich geregelter wasserlauf; im gegensatz zu wasser: ir seyt ... zcum ampt der wassermeister gekoren, solt mir ... sweren, die wasser und wassergeinge zcu Erfort zcu rechtfertigen
rechtsdenkmale aus Thüringen 112
Michelsen; wo spän seynd in hegen weeg' und straszen, ackher und wayden, in wasser und wassergengen
landbuch des kantons Appenzell Innerrhoden (1585)
ausg. v. 1828,
s. 76 (
art. 152).
ferner: alle recht wegen und wassergenge, die nicht ufrecht seind, wo man die weisz, die soll man rugen
weisth. 5, 624 (
bei Worms 1300); alle wassergeng und lauf und all viechtrift die sollen allezeit geraumbt und in rechter weit sein
österr. weisth. 8, 719, 30 (
vor 1483); hier (
auf den matten) waren die kleinen wassergänge zu reinigen Gotthelf (1855
f.) 2, 179.
wasserleitung: es geschicht auch underweylen, dasz die wassergeng verstopft werden S. Münster
cosmogr. 5; wie Ptolemeus ... die wassergeng verschlüge Xylander
Polybius (1574) 297; der hauptmann über das wasser ... hatte die aufsicht darauf, dasz die wasserröhre und wassergänge in Jerusalem richtig giengen D. Schneider
biblisches lexicon 2 (1730) 71
b.
wasserrohr: dasz sie (
das standbild der Thetis) aus allen ihren wassergängen häufig wasser über uns herspritzete Lindenborn
Diogenes 1, 592.
hierher auch: cloaca, ein watergank, eyn hemelcheyt Diefenbach
nov. gl. 97
a (
vgl. cloaca, wasserlauf
gl. 128
a). 3@bb)
im besonderen auch das mühlgerinne: an deme waszersgange uf ire molen tzu gende
hessisches urkundenbuch I, 1, 109, 21 (1370); (
dasz) ain iglicher mullner den waʒʒerganch alle zeit pessern schol mit unserm erdreich
urkunden der abtei zum heil. Lambert in Altenburg, Niederösterr. nr. 297 (1377,
s. 268); wassergang das wasser auf ein mühlrad zu führen Rondeau. 3@cc)
abzugskanal im deichwesen Benzler 2, 261: von wallungen, dämmen, schleusen, wassergängen und dem auszendeich
quellen u. darstellungen z. gesch. Westpreuszens 2, 104 (
willkür 1605).
abzugsgraben eines teiches Pierer
univ.-lex.4 18, 898. 3@dd)
seltener von natürlichen wasserbetten; venae aquae dulcis, foecundae, wassergenge B. Faber (1587) 912
b: weil nemlich der höchste in der erschaffung solche wassergänge (
quellen) hat gleichsam angezäpft, dasz sich das wasser nach und nach herausziehet Harsdörffer
gesprechspiele 7, 239; dieses wasser wird durch verborgene unterirdische canäle und wassergänge zu- und abgeführet Behrens
Hercynia curiosa (1712) 99; deinen heiligen hain, den Oanus-strom, den vaterländischen see, die heilgen wassergänge, mit denen Hipparis die völker tränkt. Herder 26, 201
Suphan. 44)
das recht, bestimmte gewässer zu benutzen, nach weidegang, buschgang
gebildet (
s.gang i 2
b),
doch mit einmischung schon angeführter bedeutungen: antrefend den wassergang (
ist beschlossen), dasz ein jeglicher gemeinsmann sich des wassers solle gebrauchen ohn desz andern groszen schadten Wasserschleben
deutsche rechtsquellen 254 (1484); zu bruchen ir wege und stege, weyde und wassergangk, und cleinbuschegang und nit hoebuschgang
weisth. 4, 710 (
Saargegend, ende 15.
jahrh.);
vgl. 6, 608.
formelhaft: wir ... weisen im (
dem erbvogt) heutzutage zu waszergankh klockenkhlank zu richten uber haltz und buch
weisth. 2, 662 (
bei Bonn 1547),
vgl. 1, 631. 2, 705. Grimm
rechtsalt.4 1, 64
f. 55)
der weg 5@aa)
eines schiffes im wasser: vür den koggin starkin musten geyn Denemarkin des königes koggen wichen, sy in mochten sich in nicht glichen. süs wart yn da sündir wang geuffint widder ir waszirgang. Kirchberg
chronicon Mecklenburg. 791
a. 5@bb)
zum wasser: zwischen Meiszgens und Mühlers guit sall ein wasserganck gehen, dha ein frawe gewunlich mit zweien eymern uffs nechst wasser ungezwongen gehen kan
weisth. 2, 695 (
Münstereifel 1593); ein freyer wassergang zwischen Clas Rüdesheim und Peter Braunen solle offen pleiben
weist. d. kurfürstent. Trier 1, 73, 38 (1684)
Lörsch. 5@cc)
zwischen wasserstrahlen (
vgl.wasserbogen): (
dieser garten) hatte unterschiedene spatziergäng, theils betriegliche wassergänge, auch etliche springbrunnen Hulsius 23.
schiffahrt 156. 5@dd)
die innen am schiffbord entlang laufende deckplanke, auch leibholz,
ndl. watergang,
engl. waterway Röding 6, 877. Stenzler 458
a. 66)
als krankheit unfreiwilliges harnlassen, beleg von 1608
bei Höfler 183
b. 77)
bezeichnung von (
nur z. th. feuchtigkeit durchlassenden)
kanälen im körper Pierer
med. realwb. anat. 1, 345. 7@aa)
harngang: (
die süszweine) passiren auch nicht so leicht in die adern und durch den wassergang Marperger
küch- u. keller-dict. 1289
b; (
harngries, der) durch die wassergänge offt mit beschwerlichkeit ausgeführet wird
öc. u. physic. lex. 4, 1347. '
harnleiter'
Paré deutsch bei Hyrtl
kunstw. der anat. 138, '
harnstrang' (1632) 159. 7@bb)
die nuckischen wassergänge
in der harten augenhaut. onomatol. medica, zergliederungswiss. (1756) 68;
der sylvische wassergang
in den vierhügeln des gehirns. ebda; der wassergang des ohrs,
die eustachische röhre Pierer
a. a. o. 2, 839. 88)
wellenähnliches muster (
vgl.wasser II C 3
b):
undulata vestis, ad undarum similitudinem picta, ein kleid darein wassergenge gewirket B. Faber (1587) 956
b.