ende ,
n. finis, ora, goth. andeis
m., ahd. enti
m. n., mhd. ende
m. n., alts. endi
m., nnl. einde
n., ags. ende,
engl. end,
altn. endir, endi,
m., schw. ände
m., ända
f., dän. ende.
auch unser nhd. ende,
nnl. einde
apocopieren oft den vocalauslaut. dem pl. geben wir heute unorganisch enden (
wie betten, hemden
für bette, hemde), Luther
behielt wenigstens in der bibel das richtige ende.
nahe liegt das einstimmende skr. anta,
wonach man goth. anþeis
erwarten, ahd. endi
dem enti
vorziehen sollte; wahrscheinlich verwandt sind die partikeln ante,
ἀντί,
welche die richtung vor und gegen ausdrücken, und wozu auch unser ent
gehört. die urbedeutung des worts scheint spitze, ecke, äuszerstes, wie sich aus dem ahd. andi
und andin
frons ergibt, das bei Graff 1, 363
fehlerhaft von endi
finis gesondert steht und altn. enni
lautet. dies enni
weist wiederum auf goth. anþi
oder anþeis,
ganz wie kunnr, munnr
neben goth. kunþs, munþs
treten, es müssen sich also die begriffe anþi
frons und andeis
finis, ahd. endi
frons und enti
finis, altn. enni
frons, endir
finis allmälich geschieden haben, anfangs aber gehören sie zusammen. Schambach
hat sowol enne
als wenne
für ende, wende.
licht auf ende
werfen zwei andere wörter, ort =
goth. uzds,
ags. ord,
altn. oddr
so wie ahd. prort =
goth. bruzds,
ags. brord,
altn. broddr,
die gleichfalls cuspis, spitze ausdrücken; in endiprurtî, entiprurtan (Graff 3, 313)
erscheinen sogar enti
und prort
verbunden. von andrer seite musz enden
auch mit wenden
verglichen werden. höher aufwärts können selbst lat. finis,
welsches pen,
irisches ceann,
sl. konitz
verwandt liegen. allen diesen voraussetzungen wird näheres eingehen auf die bedeutung zu statten kommen. über die wurzel soll einiges bei dem verbum gesagt werden. beachtenswerth ist, dasz in der grammatischen wortfügung unsre sprache diesem ende
die davon abhängigen genitive vorausgehen zu lassen pflegt, ihm selbst die letzte stelle anweist, beispiele gab ich bei Haupt 2, 275. II.
ende =
äuszerste spitze, ἀκίς,
acies. diese vorstellung ruht deutlich in jenem ahd. andi
oder andin,
altn. enni
frons, ër was êo folches at ente
im Hildebrandslied ist zu übersetzen er war immer an der spitze des volks oder des kampfs, in fronte pugnae. noch heute heiszen uns die zacken des hirschgeweihes enden,
die untersten augsprossen,
die obersten eissprüssel; gabler
ist ein hirsch, der nur éin ende
an jeder stange, zehenender,
der fünfe auf jeder seite hat. des hirsches schwanz nennen wir blume,
mhd. hiesz er auch ende: den brâten, dâ der rucke stieʒ über lanken gein dem ende.
Trist. 74, 23,
denn am untern ende des thierischen leibs ragt der schwanz, am oberen ende das horn, dem insect stehen fühlhörner und stachel an des kopfes spitze. das ende
der hand bilden die finger, das der finger die nägel. insgemein sehen wir ende
das äuszerste (
extremum, ἔσχατον),
bald oberste, bald unterste, kopf oder schweif bezeichnen, jeder sinnliche gegenstand hat zwei enden,
z. b. die brücke einen kopf und schweif. zehen ellen waren von dem ende seines éinen flügels zum ende seines andern (
vulg. a summitate alae).
1 kön. 6, 24; denn der welt ende sind des herrn (
vulg. domini enim sunt cardines terrae).
1 Sam. 2, 8; und bedeckt alle ende des meers (cardines maris operiet).
Hiob 36, 30.
das worin eine sache oben oder unten ausgeht, heiszt ihr ende,
ebenso das was zuletzt von ihr übrig bleibt, der trum (
vgl.endchen): das ende eines lichts, fadens, seils, schiftaues, stabs, balkens.
schweiz. das endi,
der äuszerste rand an der breiten seite eines gewobenen zeugs (Stald. 1, 343).
die enden
an den faden sind filorum capita, an des fadens ende
knüpft die nähterin den knoten. am ende des gewandes hängt der saum, der gêre, den fliehenden greift man am ende,
am zipfel seines kleids; viel kommt darauf an, dasz man ein ding beim rechten ende nimmt. Wieland 19, 236; teuer wurmgewebe im schneckenblut gefärbt (
d. i. purpur), um damit sich zu verhüllen, roth und weisze ende (
wangen?) desto schwerer zu behängen. Butschky
Patm. 42; zween cherubim zu beiden enden des gnadenstuels.
2 Mos. 25, 18; und solt an einem iglichen teppich funfzig schleuflin machen an iren orten, das sie aneinander bei den enden gefüget werden (
vulg. quinquagenas ansulas cortina habebit in utraque parte ita insertas, ut ansa contra ansam veniat et altera alteri possit aptari).
2 Mos. 26, 10.
diese vorstellung beider enden
erscheint aber auch abstract angewendet: beide enden, sinnlichkeit und verstand müssen vermittelst der einbildungskraft zusammenhängen. Kant 2, 656; wenn meine leidenschaft sünde ist, so mögen die enden von tugend und laster in einander flieszen. Schiller 153
b; wie mochte sie (
natur) die beiden letzten enden des menschlichen geschlechtes, mich und ihn durch ein so heilig band zusammen zwingen? 246
b.
sprichwort, es wird kein ende und kein stiel daraus,
es geräth nicht, mislingt. vgl. endel. IIII.
ende =
locus. aus dem begrif der spitze, gleichsam des puncts entspringt der des orts, des festen puncts. ahd. ort
war cuspis, acies, ora, margo (Graff 1, 469),
mhd. ort
ist spitze, ende, aber auch schon stelle, platz, im nhd. ort
erlischt die erste, bleibt nur die letzte bedeutung. das ahd. enti
cuspis, ora empfieng bereits örtlichen sinn und Matth. 25, 21 egressus inde secessit in partes Tyri et Sidonis
sehen wir verdeutscht: thanan arstantanti fuor in thiu enti Tyri et Sidonis,
die partes, die μέρη,
sind plätze, örter. nhd. erscheinen 'ort und ende'
häufig neben einander als gleichbedeutige, sich verstärkende alliteration, 'von allen orten und enden'
meint undique, ex omni parte, von allen seiten her. zuweilen aber klingt auch noch die vorstellung eines abgelegenen, zur seite, in der ecke, am rande liegenden ortes durch, was dem ursprünglichen sinn von spitze, winkel entspricht: als balde man gessen hat, der keiser gieng an der stat zuo dem uszsetzel ellende und fuort in an ein ende (
zur seite).
Diocl. 8674; ir sult uns geben ausz der hend, so wollen wir treten an ein end (
ihr sollt uns entlassen, so wollen wir beiseite, irgendwohin gehen).
fastn. sp. 854, 19; er nam sie bei der hende, bei ihr schneeweiszen hand, fuort sie des walds ein ende,
da er ein bettlin fand.
altes lied z. b. in Hofm.
ges. 190; da nam ers bei der hand, führet sie an ein end, da er ein wirtshaus fand.
Garg. 92
a,
gleichsam zu ende des waldes, abseits. dieser nebenton schlägt auch in einzelnen der folgenden belege an, deren meiste doch mit ende
nichts als ort und stelle ausdrücken: ich bin gewest an manchem end und hab versucht gar vilerlei. Schwarzenberg 150, 2; du solt auch in disem gebott wissen zu eren das heiligtumb der wirdigen heiligen, heilig ende und stett (
loca et sedes) gots und der heiligen.
spiegel des sünders (
um 1470)
bei Gefken
beil. 52; sein kloster, das gar an einem lustigen ende was.
Bocc. 1535. 10
b; so sie beldest mochte, sich an das ende füget, da er ellende jung Lorenz begraben lag. 94
b; was du an einem ort hörest, so schwetzest es an anderm end. Keisersb.
s. d. m. 3
a; das hond die Römer etwan gespürt, man muost öffentlich essen und zuo den zeiten, do man essen solt, mit offenen thüren, und an etlichen enden was verbotten, das man nit me trachten solt haben dan ufgesetzt was bei einer pen. 5
b; andere herren, die nit an demselben end herrn weren. Reuchlin
augensp. 34
b; desselben flecken, ends oder orts aigen oberkait.
ebenda; und die kinder Dan sandten aus iren geschlechtern von iren enden fünf streitbare menner.
richt. 18, 2; so wollet ir vom churfürsten, dem es gebürt, als der ende oberherren, leiden was zu leiden sei. Luther 4, 314
a.
br. 3, 266; was die spital zu Erfurt und andere ende ausstehend haben.
br. 5, 798; sage mir nur die warheit, wer hat dich an das ende (
dahin, an den ort) gebracht?
Bocc. 1, 308
b; in solchem seinem leid er in der statt an ein wild end kam, da er ein höle ersahe, darin er desselbigen nachts zu herbergen meint. 2, 206
a; es würd in kurzer frist ein schön lustlich hus ufgericht an ort und end, da vormaln ein ungeschaffen hus ist gestanden. Schade
pasq. 3, 68; zwölf meil darvon ligt
s. Thomas leibhaftig an eim öden end. Frank
weltb. 204
a; sie wolte sich an ein ende (
dahin, eo locorum) wenden, da sie dem allmächtigen gott andächtiglich möchte dienen.
buch der liebe 40, 3; wolte er mir folgen, so ritte er beizeit an andere ende und stett, da man es ihm besser erbiete denn hie. 89, 2; und als er fand die statt und ende, da er vermeinet sicher zu sein. 92, 1; darzu haben wir ein grosze und lange reise zu thun, sollen wir an ort und end kommen, wie wir hoffen. 199, 2; als sie jetzund an ort und end kommen waren. 237, 2; keiner kunde nicht gesagen oder wissen, an welchem ende der grafe zuletzt gewesen oder blieben war. 264, 3; und was auch nicht ein wunder, ob diese hochzeit etwan frembde daucht, denn an solchem ende also köstliche hochzeit gar ungewöhnlich seind zu haben. 265, 4; es begab sich, dasz ir hauswirt einen groszen al in einem trog an eim heimlichen end behalten hatte, auf dasz, ob ihm etwan ein guter freund zu haus käme, dasz er ihm darmit ehre anthet und ein gut essen haben möchte. 286, 1; (das kraut) vertreibet die geschwulst an den heimlichen enden (
locis, partibus secretis) der weiber. Tabernaemont. 385; hitz im orient, kühl im occident und gäuch an allem end (
allenthalben). Fischart
groszm. 139; er hett dich an keim end (
nirgendwo) besser antreffen können.
ehz. 69; in éiner stund hat er gemacht unglück an tausend enden. Hofm.
gesellsch. l. s. 278; gedachte er solches an ort und end (
dahin) zu notificieren.
Simpl. 2, 70; er wäre an ort und ende hingangen, da viel gelds und gut gelegen. 2, 93; in was ort und ende er auch sei. Butschky
kanzl. 10; an was ort und ende mich auch das gelücke zu führen gewohnet. 29. ums end,
da herum, in der nähe. Schm. 1, 75; am ende bleiben,
im orte. 1, 76.
Meistentheils ist in diesen beispielen die vorstellung des ortes, wie angedeutet wurde, zu einem bloszen pronominalen und adverbialen begrif geworden, der sich an zwei fällen ganz besonders erzeigt. II@11)
mhd. begegnet oft der gen. sg. 'des endes' (
gramm. 3, 129),
nhd. noch in des endes, wes endes (IV, 1. 2)
und in den zusammensetzungen endesbezeichnet, endesgefertigt;
sonst aber steht lieber der gen. pl. 'der ende, der enden, vieler enden, aller enden': der enden und in aller still. Luther 3, 415; weil unsicher und sorglich sein will, der enden (
ibi, da, dort) mit diesen büchern umbzugehen.
ebenda; sofern im der enden zu bleiben vergünnet. 3, 421; wölle sich ewer einer der enden behausen.
ebenda; so wil er solch einkommen wieder ganghaftig machen oder ander ende (
anderweit, alibi) versichern.
br. 5, 797; der ende da (
da, wo) der andern unterhalt verordnet. 5, 798; der end viel schöner tauben schweben. Spreng
Il. 37
a; erwurgt haimlicher enden (
locis occultis). Melissus
ps. D 4
a; uf dich zu lenden args und bös mancher enden (
multifariam). II 5
a; halt an und sich dich ümm, ob irgends aller enden noch was zu finden sei, das deine qual kan wenden. Fleming 664; aller end her kamen sie zusammen. Göthe 56, 86; wenig habt ihr meiner gedacht, indes ich im lande vieler orten und enden die sorglichste wache gehalten. 40, 147; er führte den satz aus, dasz wer seine leidenschaften, neigungen ... nicht zu verbergen wisse, in der welt zu nichts komme, sondern aller orten und enden gestört und zum besten gehabt werde. 25, 34; klein ist anfang aller enden, doch mit groszem musz es enden. Rückert 226.
s.allerends 1, 222
und vgl. goth. allandjô,
ahd. enteô joh wenteô (
gen. pl.). II@22)
weit häufiger der dat. pl.: die blatteren, die lang zeit an allen enden (
ubivis locorum) geweret hond. Keisersberg
s. d. m. 3
b; und ist angest und not an allen enden.
häslein dd 1
a; das das haus Baal vol ward an allen enden.
2 kön. 10, 21; und sie kamen zu im von allen enden (
πάντοθεν, undique, allaþrô).
Marc. 1, 45; machstu gesund an allen enden (
πανταχοῦ, ubique, and all).
Luc. 9, 6; gleichwie ich an allen enden, in allen gemeinen lere.
1 Cor. 4, 17; zum andern hat er sich erboten in eigener person zu Augsburg oder an andern enden ursach seiner lere und schrift anzuzeigen. Luther 1, 111
a; nit das ich den thalmud wölle gut machen an den enden da er zu verwerfen ist. Reuchlin
augensp. 10
a; herr Tristrant ist ein küner held, als er an manchen enden in harten streiten oft erzeiget hat.
buch der liebe 84, 1; er hat an manchen enden erzeiget, dasz er grosze und manliche thaten thun darf. 85, 1; wolt ihr die sach selbst befinden, so reitet mit dem hofgesinde in den wald jagen. so es denn nacht wird, so lasset das hofgesind an den enden (
ibi) und gehet ir mit mir. 88, 2; also waren sie an den enden gar nahend zwei jar. 92, 1; wein von teutschen landen und sonst von manchen enden. 266, 1; und gedachte, dasz sein weib grosze schand triebe und ietzund vielleicht an solchen enden wer, des sie unehr hett. 273, 2; zu Hibernia, zu Britannien und an andern enden. 289, 2; Mattheus schreibt am fünfzehenden, wie Jesus ausgieng von den enden (
istinc) und entwiche also darvon entgegen Tiro und Sidon. H. Sachs II. 1, 72
a,
wozu man die oben angezogne ahd. übertragung von Matth. 15, 21
halte, in welcher umgedreht ende
vor Tyrus und Sidon gesetzt steht; die Griechen, die sich (
zu Olympia) von allen enden versammelet hatten. Fischart
ehz. 70; und wird (
der honig) an denselben enden sehr grosz geacht.
bienenk. 243; Victoria fleugt nach mit palmen in den händen, geflügelt weisz wie schnee, ganz blosz an allen enden. Opitz 1, 103; ich bin ein junger laffe, der immer nur an beiden enden (
extremen) schwärmt, bald viel zu viel, bald viel zu wenig thut. Lessing 2, 339; an allen orten und enden der christenheit. 10, 217; es ist vielmehr der fehler aller barbarischen jahrhunderte, dasz ihre schriftsteller an beiden enden (
extremen) ausschweifen und eben so oft schwätzer als wortsparer sind. 10, 370; o könnten meine saiten die kinder Teuts von allen enden wecken! Denis
im Göttinger musenalm. 1770; noch ein mittel, das den krieg unvermeidlich an allen enden anblasen wird. Göthe 8, 183; feuerflammen erscheinen an allen ecken und enden. 6, 166; berufe nicht die wolbekannte schar, die strömend sich im dunstkreis überbreitet, dem menschen tausendfältige gefahr von allen enden her bereitet. 12, 61; dann freute ich mich, wenn das willkommene zeichen, nun sei es gelungen, von allen enden widertönte. 19, 129; an einem vulcanischen hügel, er dampfte aus allen enden. 28, 22; aber du übest verrath an allen orten und enden. 40, 147; feuerwerke des abends von allen orten und enden leuchten und knallen. 40, 265; denn sie rufen zusammen aus allen enden die jugend wie das alter. 40, 268; und so hab ich, bezüglich auf den theil der erde, den ich beobachtet, immer regelmäszigkeit und folge und zwar übereinstimmend an mehrern orten und enden gefunden. 51, 189; weil es an allen enden fehlt.
an Schiller 216; an allen orten und enden strömte der überflusz herbei. Schiller 869; es brennt an allen enden. II@33) ende
und ort
gleichen sich auch in einer adverbialen redensart, man sagte 'auf ein ende',
genau, gründlich, endlich, apprime: mhd. daʒ muoste er gar von grunde biʒ ûf ein ende kunnen.
tr. kr. 6167; daʒs alle müesten leisten ir willen ûf ein ende. 7433;
gerade so anderwärts 'ûf ein ort'
und beide wörter verknüpft: gar ûf ein ende und ort.
Karajans Teichner
s. 10
anm. 3.
nhd. und erforschet auf ein end was die schöpferin für sachen in das weltgewölb gelegt, wie die feste sich bewegt. Rompler 86; bös auf ein end,
insigniter improbus. Schmeller 1, 77; der dauphin versteht die landkarte auf ein end. Elis. von Orleans 194.
die ausdrücke von 1—3
lassen recht erkennen, wie analog sich die begriffe des ortes
und des endes
sind. IIIIII.
ende =
finis. sieht man weniger auf die spitze und bestimmte stelle eines gegenstandes, als auf den verhalt seines anfangs und beginns zu seinem ausgang und aufhören, so entspringt die allerüblichste vorstellung des endes.
an und für sich betrachtet sind raum und zeit endlos, beginnen weder noch hören auf; alles aber im raum befindliche musz einen anfang
und ein ende
haben, alles in der zeit erscheinende anheben
und endigen.
der zeit
kommen keine sinnlichen örter und stellen wie dem raume
zu, nur puncte ihrer abstracten erscheinungen, auf welche es doch natürlich ist die räumlichen begriffe des anfangs
und endes
anzuwenden. III@AA)
räumliches ende, πέρας,
grenze, terminus. III@A@11) das ende der welt, der erde,
wo welt und erde aufhören. der volksglaube nahm an, dasz die welt zuletzt mit bretern verschlagen sei. heische von mir, so wil ich dir die heiden zum erbe geben und der welt ende zum eigenthum (
vulg. et possessionem tuam terminos terrae,
bei Notker ende dero ërdo).
ps. 2, 8; vom wasser an bis an der welt ende.
Sirach 44, 23; denn er sihet die ende der erden (fines mundi intuetur).
Hiob 28, 24; sein blitz scheinet auf die ende der erden (lumen illius super terminos terrae). 37, 3; von einem ende des himels bis zum andern.
5 Mos. 4, 32; von einem ende der erden bis an das ander. 13, 7; denn sie kam vom ende der erde (
ahd. fon ente ërdu).
Matth. 12, 42; von dem ende der erden bis zum ende der himel (
goth. fram andjam airþôs and andi himinis).
Marc. 13, 27; bis an das ende der erden.
apostelg. 1, 8. III@A@22) das ende des landes,
seine grenze: das land hat ein ende, wo das meer beginnt; der Rhein ist nicht das ende Deutschlands; hic Sueviae finis.
Tac. Germ. 45;
vgl. altn. endimörk,
extremi limites. III@A@33) das ende der stadt, des dorfes, der häuser: und da sie kamen hin an der stad ende.
1 Sam. 9, 27; er wohnt ganz am ende des dorfs; und am ende der stadt begann das feuer. Göthe 40, 249; am ende der häuser: als er nun hinaus gegangen, wo die letzten häuser sind. Göthe 1, 251; am ende des sales war ein erker angebracht um die aussicht zu genieszen. III@A@44) und ist sein ende an der zunge des salzmeers.
Jos. 18, 19; und gehet erab an des berges ende. 18, 16; hütet euch, das ir nicht auf den berg steiget, noch sein ende anrüret. 2
Mos. 19, 12; eine höle die er hat am ende seines ackers.
1 Mos. 23, 9; das fruchtbare feld hat ein ende, wo der sand beginnt; in diesem lande starren felsen ohne ende (
hören sie nicht auf); wir fuoren fort gegen den nidergang VII tag und kunden der insel Cuba niendert kein end faren. Frank
weltb. 222
b; am ende des steilen pfads, bevor es abwärts gieng, stand eine bank zum ausruhen; gegen das ende hin begann die bahn rauh und schwierig zu werden; der geht den gang zu ende, und öfnet eine truh. Chamisso
ged. 313.
s.hauptende,
stadtende,
nordende, ostende, südende, westende, unende. III@BB)
zeitliches ende, τέλος,
ziel. III@B@11)
untergang der welt, weltende,
verschieden von jenem räumlichen: an demo ende dëro wërlde.
N. ps. 13, 7; thaʒ ist enti thëro wëroltî. T. 76; es ist aber geschriben uns zur warnung, auf welche das ende der welt komen ist (
vulg. in quos fines seculorum devenerunt,
εἰς οὓς τὰ τέλη τῶν αἰώνων κατήντηκεν). 1
Cor. 10, 11. III@B@22)
tod des menschen, finis vitae, wie schon skr. anta,
ahd. enti
mors ausdrücken: comperto fine Augusti,
auf die nachricht von Augustus tod. mhd. unz an daʒ ende mî
n. Nib. 155, 4,
bis zu meinem tod; unz an den ende. 2168, 4; unz an ir endes zît. 6, 3; unz an ir endes zil. 6, 3,
pleonastisch, da schon in ende
das ziel
liegt (
vgl. endziel); bewar uns an dem ende, sô uns der geist verlât. Walth. 78, 6; im hete der recke Hagne den grimmen ende getâ
n. Nib. 2001, 4,
wie sonst steht den grimmen tôt. 460, 2. 1360, 4; dâ von der starke Volkêr dô den ende dâ gewan. 2224, 4; dô ër an sînem ende lac.
gute frau 263.
nhd. er liegt am ende,
am tode, im sterben, schweiz. er liegt im end,
in den letzten zügen (Stald. 1, 343); es geht, nahet sich mit ihm zum ende; ich gehe zu ende,
ich sterbe; auch starben vil des jehen ends. H. Sachs I, 75
c; so geht der mensch zu ende. Schiller 472
a; die ringen nach der bahre und nehmen unverhoft ein schnell und schrecklich end. Gryphius 1, 17; man versieht sich stündlich seines endes, wartet ihm das ende; er hatte ein sanftes, schweres, hartes ende; meine seele müsse sterben des tods der gerechten, und mein ende werde wie dieser ende.
4 Mos. 23, 10; du menschenkind, nu kompt das ende über dich.
Ez. 7, 3; er betete, beichtete vor seinem ende; gott straft solche eerabschneider hartiglich und zuom dickernmal, das sie ire zungen nit mögen bruchen, das sie ire sünd beichten und rüwent, so sie des aller notturftigsten weren an irem end. Keisersb.
s. d. m. 29
a;
schweiz. zum end laufen,
einen sterbenden ausringen sehen; das endzeichen läuten,
für sterbende die glocke anziehen; eine arme frau Kollep wurde dieser tage in der Saane todt gefunden, weil man sie für eine selbstmörderin hielt, wollte die geistlichkeit ihr nicht ins end läuten lassen.
neue Zürcher zeitung 1856
no 105.
formelhaft war die verstärkung durch 'letztes': nun weisz manniglich, dasz ich den buben an seinem letzten ende, als er schon den strick am halse gehabt hat, gemahnet und gebeten zu widerrufen.
Galmy 249; also vor aller menge des volks auf sein letzt ende genommen hat, dasz der sach nit anderst sei. 250; dieweil ich von manniglich vernimm, dasz der schandlich bub darauf gestorben und solches auf sein letztes ende behalten hab. 265; die weil er die ding auf sein letztes end behalten hat. 281; es nahet ewer letztes end. H. Sachs III. 1, 178
d; unsrer strafen ende wollen wir erleben, wolln den sünden ende dennoch nimmer geben, lassen letztes ende drüber einher schweben. Logau 3, 60, 18. III@B@33)
thierischen tod drückt nicht leicht ende
aus, obgleich weidmännisch vom hirsch verenden
gesagt wird. die fabel darf aber den thieren ende
zuschreiben. III@B@44)
alles was sich in der zeit ereignet, hat wie einen anfang
so auch ein ende: das ende des jahrs, des frühlings, sommers, des monats, der woche; ich komme erst ende septembers oder anfang octobers; die langen tage haben nun ein ende; es geschieht erst am ende der zeit. III@B@55)
von allen dingen heiszt es ein gutes
oder böses ende, ein guter
oder böser ausgang: end gut, alles gut. Lehmann 195; end bös, alles bö
s. Otho
krankentrost 7; das ende bedenken,
respicere finem; dasz wir unserer arbeit kein ende sahen.
Felsenb. 4, 237. III@B@66) 'am ende'
hat den sinn des lat. ad ultimum, denique, tandem, unseres zuletzt
und gleicht, wie endlich,
manchmal einer bloszen in die rede geworfenen lebloseren partikel, oft mit zutretendem vielleicht
oder doch: ëʒ ist ein lob ob allem lobe, der an dem ende rëhte tuot.
Winsb. 60, 10; dein belz würde mich am ende siebenmal mehr kosten. Lessing 1, 162. Göthe
gebraucht es häufig: denn 'ihr mädchen bleibt am ende doch die betrognen' sagte der vater, wenn auch leichter die mutter es nahm. und so bin ich denn auch am ende betrogen! du zürnest nur zum scheine mit mir, weil du zu fliehen gedenkst. 1, 268; ja, das geht nicht so leicht. 'am ende gibt sichs doch' 7, 104; ich soll ihn noch wol gar am ende fragen wie tugendhaft sie ist? 7, 105; und lasz mich der gelegenheit, dem glück auch ihren theil an deiner bildung geben, du hast sie doch, und bists am ende doch. 9, 105; (
der) etwas zu suchen scheint, das wir nicht kennen, und er vielleicht am ende selbst nicht kennt. 9, 107; nicht so geschwind! dort hinten kommen zwei, sie sind gar niedlich angezogen ... sie gehen ihren stillen schritt und nehmen uns doch auch am ende mit. 12, 50; ihr durchstudiert die grosz und kleine welt, um es am ende gehn zu lassen, wies gott gefällt. 12, 99; und am ende werden wir sterben oder uns ergeben. 8, 105; er fieng an mehr über kunst zu sprechen, denn er war am ende doch ein Deutscher, und diese nation gibt sich gern rechenschaft von dem, was sie thut. 19, 177; sollte der hausherr das alles nicht sorgfältig zusammen bringen und zusammen halten, weil am ende der genusz nur vorübergehend ist. 19, 195; es thäte noth, ich verrichtete alles selbst, und am ende, wenn man sich darauf einrichtete, müste es auch gehen. 20, 39; am ende, sagte sie, ist es das beste, die gesellschaft bleibt beisammen. 24, 312; der klage gibt man wenig gehör und sie ermüdet am ende. 40, 132; am ende ist es wahr, was du mir aufbindest; am ende ists einerlei, ob es so oder so gemacht wird; wir erwarten unsern freund schon so lange, am ende kommt er gar nicht. Butschky
setzte dafür im ende: wolthätigkeit ist der magnet, welcher die dankbarkeit an sich ziehet und im ende ist sie die frucht der christlichen liebe.
Patm. 119.
nnl. sagt man 'in het einde',
franz. enfin. III@CC)
eine menge von redensarten wird mit ende
gebildet, wobei sich räumliches oder zeitliches nicht von einander sondern lassen. die eilf ersten enthalten intransitive, die übrigen transitive vorstellungen. III@C@11)
mhd. daʒ ist ein ende.
Reinh. 1769; mîn lîp ist hie, sô wont bî ir mîn sin, der wil von ir niht, dêst ein ende. Walth. 44, 18; dêst ein ende: swaʒ si mir getuot, sô mac si wol verwænen sich. 73, 13; daʒ ist ein ende, ëʒ ist alsô. 74, 11; niender vinde ich triuwe, dêst ein ende, dâ ich sie doch gedienet hâ
n. MS. 1, 68
b; wan ich wil stërben und genësen mit ir, daʒ ist ein ende.
tr. kr. 28831;
das steht fest, das ist sicher, ausgemacht, wahrscheinlich nach der zweiten bedeutung von ende =
fester punct, und nicht etwa zu erklären das ist unbestritten, darüber ist aller streit, was einen gen. der sache fordern würde. diese ausdrucksweise scheint späterhin erloschen, doch gleicht ihr die folgende. III@C@22) das ist das ende,
dabei bleibt es stehen, bewendet es, damit ist es aus, hört es auf: und ist dieses das ende vom liede, wenn sie es theten oder erleubten, so were es recht. Luther 4, 383
a; da sol mirs bei bleiben, das sol das ende vom liede sein. 5, 70
a; das ende vom liede.
Harnisch 278; das ist das ende vom liede! Lessing 2, 539.
bei einigen umgedreht: und dies war dazumal das lied vom ende. Weise
erzn. 203; und das ist das lied vom ende. 467; hiermit ist das lied vom ende. Weisze
lustsp. 3, 192; lied vom ende. 3, 250; das ist also, ihr dienstmägde, das lied vom ende und eurer untreu.
unterricht für hausmägde s. 61.
man sagt auch: das ende vom weg,
nd. dat enne von weg. Schambach 56
b. III@C@33) das ist ohne ende,
hört nicht auf: der narren zal ist on end, vil seind deren, die den weg des heils verlassen und gond den grasigen, lustigen weg. Keisersb.
s. d. m. 28
a. 'kein ende'
nach persönlichen wörtern: narren und kein ende! kerl und kein ende!
bei Schambach 56
b kerel un kein enne; rîtensplît (
reiszenspleisz) un kein enne. 174
a. potz geck und kein ende! Lessing 1, 550; Shakspeare und kein ende! Göthe 45, 38; doch kritik und kein ende! Lessing 7, 43.
gleichsam, es will damit nicht aufhören, kehrt immer wieder. III@C@44)
ahd. mhd. ës ist ein ende,
hört auf, läszt nach. dô châm sunchevir, dës ende ne was (
vulg. venit locusta et brucus, cujus non erat numerus).
N. ps. 104, 34,
bei Luther: da kamen hewschrecken und kefer on zal,
wie sich zal
und zil
nahe liegen, das zahllose ist auch unendlich, es wimmelte von diesen käfern. irer schetze ist kein ende, ir land ist vol rosse und irer wagen ist kein ende.
Es. 2, 7; seines königreichs wird kein ende sein.
Luc. 1, 33.
wir sagen noch nhd. des ungeziefers war kein ende; des volks ist kein ende; des geschwätzes ist kein ende; war des hin und wieder ziehens kein ende. Göthe 24, 310.
am liebsten im verneinenden satz, doch auch: und da alle der kriegsleute ein ende war.
5 Mos. 2, 16; des geschwätzes, zankes ist nun ein ende,
wie mhd. lieʒe ëht sis ein ende sî
n. MS. 1, 74
a.
den gen. vertreten praepositionen: und gond ausz einer lügin zehen lügin, ie eine uber die andern, und ist kein end daran. Keisersberg
s. d. m. 13
a; wenn wils denn ein ende sein mit solchen wundern?
Dan. 12, 6; es ist nun mit dem krieg ein ende. III@C@55) zu ende, am ende sein: der feldzug ist zu ende; das buch ist zu ende,
schlieszt damit oder auch ist ausgelesen; das regenwetter ist zu ende; die schönen tage in Aranjuez sind nun zu ende. Schiller 243
a; ich bin zu ende (
bin fertig damit). Lessing 2, 278; je früher mein portrait zu ende (
fertig) ist. Klinger 1, 456; das geht zu weit, meine geduld ist am ende. Schiller 644
b; ich bin mit dem geld am ende,
habe alles ausgegeben. auch das geld, das brot ist zu ende. III@C@66)
mhd. ës wirt ein ende,
ganz wie ës ist
unter 4: sô ist nieman der mir sage, wenne ein ende wërde mîner klage.
MS. 1, 68
b.
nhd. bis das ein ende ward alle des geschlechts.
4 Mos. 32, 13; bis das ir ein ende würde.
5 Mos. 2, 15; so laszt doch sehen und versuchen, wie es mit im ein ende werden wil.
weish. Salom. 2, 17; sihe drein und schilt, das des brennens und reiszens ein ende werde.
ps. 80, 17; des lärmens wird jetzt ein ende, will gar kein ende werden. III@C@77) zu ende, ans ende kommen,
fertig werden: wër möhtes alles zende komen, waʒ wunders Lanzelet begienc.
Lanz. 9428; und dise rede sagende, dër ich bin zem ende komen.
Engelh. 5419; ich wolte sonst bald mit dir zu ende kommen sein.
Galmy 321; dasz uns got durch ander weg helfen mag, dardurch wir (
mit) unserm begeren ohn sorg zu ende kommen.
buch der liebe 247, 1; so ist nunmehr der feinde heer mit seinem namen in den staub und zu dem end gekommen. Weckherlin 29; war ich bedacht mir ein hübsches logis zu miethen und ich kam auch damit bald zu ende.
Plesse 1, 74; komm mit deinem märchen nur bald zu ende! wirds? Lessing 2, 278; nun bist du ans ende gekommen. Göthe 40, 146,
mit deinen losen worten; der weg war lang, wir sind nun ans ende gekommen; ich kann mit dieser arbeit nicht zu ende kommen. III@C@88) zu ende laufen: der faden läuft zu ende; die zeit, die stunde lief schnell zu ende,
lief ab, verlief; ob denn und wie das werk zu ende könne laufen. Gryphius 1, 315; der weg läuft hier zu ende. III@C@99) zu ende gehen: das licht geht zu ende,
ist fast ausgebrannt; der vorrat, der wein geht uns zu ende,
geht uns aus; als es mit meiner barschaft zu ende gieng, liesz ich sie es merken. Göthe 23, 81; es geht mit ihm zum ende,
er stirbt. III@C@1010) zu ende neigen: der tag, die sonne neigt zu ende; das bier im fasz neigt zu ende; unser geld neigt zu ende; mein leben neigt zu ende.
eben so sich neigen. III@C@1111) ein ende haben:
mhd. hie hât daʒ mær ein ende.
Nib. 2316, 4; dô diu naht het ende und der tac erschein. 749, 1; ëʒ hât nu alleʒ ende an uns, sorge unde leit. 934, 2; daʒ anegenge ist sëlten guot, daʒ bœseʒ ende hât. Walth. 83, 39; diu nôt sol schiere ein ende hâ
n. Parz. 468, 7; wan ëʒ muoʒ doch mîn sënediu nôt mit dem tôde ein ende hâ
n. Iw. 4237;
nhd. wenn hat die pubrei (
büberei) ein end?
fastn. sp. 188, 7; im Algew, da das brot ein end het. Keisersb.
omeis 16
b.
d; und dise plagen der blattern hont nun acht oder neun jar mit uns gewert und wirt noch lang kein end nit haben.
s. d. m. 2
b; wöllen die lose wort kein ende haben?
Hiob 16, 3; die wort Hiob haben ein end. 31, 40; die schwerte des feindes haben ein ende.
ps. 9, 7; und wenn die reiche das gut verzert, so hat die lieb ein ende. Uhland 261; sieh eim mädeli nur uf daugen, därfst sichäli glauben, so lang es daugen nit wend, hat die lieb noch kein end; hier hat die gebahnte strasze ein end, und fängt der sand
an. 'eines dinges ein ende hân'
hiesz mhd. es sicher wissen, auskunft darüber haben: dës mag ich niht ein ende hâ
n. Parz. 397, 11,
vgl.daʒ ist ein ende
unter 1. III@C@1212) ein ende nehmen:
mhd. nu hât gar ein ende genomen der gemach.
Nib. 2195, 2; daʒ guot ende nie genam. Walth. 53, 12; und jâmerlîche ir ende nam.
En. 36, 11; dô daʒ wëter ende nam.
Iw. 999; gar schiere ein ende nam der tanz.
Parz. 641, 1;
nhd. er wird ein ende nemen und sein zweig wird nicht grunen.
Hiob 15, 32; und sollen ein jemerlich ende nemen.
Amos 8, 10; denn die ungerechten nemen ein bös ende.
weish. Sal. 3, 19; denn der ungerechten bosheit nimpt ein ende. 14, 31; schon hat der tag sein ende genommen; unser brot nimmt bald ein ende; da nam ein end ir regiment und priesterthum. H. Sachs I, 75
d; man trinkt in die runde schon dreimal und vier, und noch nimmt der krug nicht ein ende (
versiegt nicht). Göthe 1, 227; dasz solche spiele mit händeln und verdrusz ein schreckliches ende nahmen. 24, 76; mit schimpf und schande wird der streit ein ende nehmen. III@C@1313) ein ende geben, einem ding ein ende geben:
mhd. mir ist lieber daʒ mîn lîp bescheidenlîche ein ende gëbe, dan daʒ ich lasterlichen lëbe.
Greg. 1893; daʒ dîn frœlicheʒ sanc ein vil riwic ende gît.
Er. 8163; wand ër bœseʒ ende gît. Walth. 123, 2; diu gir nâch grôʒem guote vil bœseʒ ende gît.
Nib. 1494, 2; die heten deme langen tage mit manegem rîterlîchen slage nâch êren ende gegëben.
Iw. 7345;
nhd. der tod warlichen bald meinem trawren ein ende geben wird.
buch der liebe 257, 4; ich bin also hart verwundet, dasz ich mit dem leben nicht darvon komme und ich werde bald end geben und nicht lang für basz leben. 268, 1; mit dém Wernhart seiner red ein ende gab.
Galmy 129; mit solchen worten seiner red ein ende gab. 18; seiner red ein ende gab.
alte weisen 124
a.
sehr oft drückt dies 'ende geben'
aus nicht lange schwätzen, eilen, fortmachen: du narr, gib end! H. Sachs II. 2, 37
c; du blas zu und gib end! Haupt 8, 537; gib flucks end und mach nit vil wort! Ayrer 389
d; leg flux den stein fürs loch, gib end, o bewerlein, sei nun behend! Alberus
Esop 160
b; wie wol der dieb gab weidlich end (
schnell davon lief), war er ihm doch viel zu behend. 146
b.
heute in allen bedeutungen erloschen. III@C@1414) ein ende, einem ding, mit einem ding
und eines dings ein ende machen, ein ende daraus machen:
mhd. der anegenge machen kan der kan wol ende machen und ân ende. Walther 78, 26.
nhd. verschrib im der kunig und verspräch im ain ganz end zu machen, so wolt er zu im reiten gen Nurnberg. Katzmairs
denkschrift 147; wenn wolt ir der rede ein ende machen.
Hiob 18, 2; der herr wirds ein ende machen umb meinen willen.
ps. 138, 8; ich hab des gesangs ein ende gemacht.
Es. 16, 10; denn ich wils mit allen heiden ein ende machen.
Jer. 30, 11; denn er wirds plötzlich ein ende machen mit allen die im lande wonen.
Zeph. 1, 18; und (
der herr) wird sein (
des boshaftigen) ein ende machen durch die erscheinung seiner zukunft.
2 Thess. 2, 8; ich selbs wil die hirten strafen und wils mit ihnen ein ende machen. Melanchth. im
corp. doctr. 501; viel hände machen ende.
Felsenb. 4, 274; o gott, o gott, mach ende!
in einem liede Gerhards; Friedrich sprang auf, schlug in die hände und wollte des bravorufens kein ende machen. Göthe 23, 38; und damit wir des wesens ein ende machen. 57, 130; ich will eurem roman ein tragisches ende machen. Gotter 3, 95; mache der sache ein ende!; jetzt macht ein ende, schwester! Schiller 428
a. III@C@1515) an ein ende, zu ende bringen:
mhd. ich bring ëʒ an ein ende, sprach daʒ edel wîp.
Nib. 2306, 1; du hâst ëʒ nâch dînem willen ze einem ende brâht. 2307, 3; des solt ir mir getrûwen, ich bringʒ iu an ein ende.
Gudr. 240, 3; ich wilʒ an ein ende gërne bringen. 759, 4; der himiliske vater guoter, der wolte dô sîne muoter chumftiger dinge an ein ende bringen.
Maria 193, 27; daʒ ich dis âventiure mac ûf ein ende bringen.
tr. kr. 311;
nhd. sei stille meine tochter, bis du erferest wo es hinaus wil, denn der man wird nicht rugen, er brings denn heute zu ende.
Ruth 3, 18; so ihr meines rats pflegen wöllet, so wöllen wir morgen zu tag die sach nach unserm willen zu end bringen.
buch der liebe 239, 2; derhalben ist mein bitt, du wöllest zum ende bringen, damit mir der heillose ritter ausz meinen augen komm. 254, 4; dies, und was sonst noch noth thut, wollen wir mit gottes gnade, nach masz und ort und zeit zu ende bringen. Schiller 581
b; sie geben der tante unbedingte vollmacht, diese sache zu ende zu bringen. 648
b; ich kann das buch nicht zu ende bringen.
ähnlich, zu ende lesen, das lied zu ende singen
u. a. m. III@C@1616) ein ende gewinnen:
mhd. gewinne ich iemer dës ein ende.
MS. 1, 74
a; der ouch sîn ende aldâ gewan.
Parz. 28, 2; nu gewan daʒ krachen ende. 568, 15;
nhd. machet, das die versuchung so ein ende gewinne, das irs künd ertragen.
1 Cor. 10, 13. III@C@1717) ein ende hören: das meidlin stund neben der wende, es höret der red ein ende. Uhland 247; der knab stund unter einer linden, er hört der red ein ende. 261,
d. i. hörte zu von anfang bis zu ende. III@C@1818) ein ende finden: der lust kein ende finden; sie konnten des tanzes lange kein ende finden,
hörten nicht auf zu tanzen; er fand das ende seiner erzählung nicht. III@C@1919) ein ende kiesen:
mhd. der rîterlîchen ende kôs von einer tjoste, diu in sluoc.
Parz. 91, 26; der werlîchen ende kôs mit rëhter manlîcher gër. 111, 18; der werlichen ende kô
s. Geo. 1259;
wie es auch hiesz den tôt kiesen. III@C@2020) ein ende warten, sehen: und als Clemens diesen dingen allen ein ende gewartet hatte, da ersihet er, dasz er noch keine sporen anhatt.
buch der liebe 19, 2; ich sehe meinem processe unter keinen vier monaten ein ende. Lessing 12, 94.
üblicher ist absehen: ich sehe das ende, ein ende gar nicht ab; er sah die zeit ab, wo er kommen konnte. IVIV.
ende =
scopus, consilium, ziel, zweck, absicht. so häufig dem lat. finis
diese bedeutung einwohnt, so wenig zeigt sie sich ahd. und mhd., erst nhd. kommt sie namentlich bei Luther
vor und scheint dann eben verdeutschung des lat. ausdrucks: zum dritten, das es frucht bringt, denn das ist das ende und fürnemlich ampt der ehe. 1, 171; darumb fasse es aufs allereinfeltigst also, das dis der taufe kraft, werk, nutz, frucht und ende ist, das sie selig mache. 4, 422
b; ob gleich das ende solcher werke ganz göttlich und zugelassen were. 5, 117
b; wo der stifter nicht ist, da kan das ende nicht sein.
ebenda; weil ir den stifter verwerfet und dringet doch auf das ende.
ebenda; das ende menschlicher satzungen (
am rande: darumb sie eingesetzt sind). 5, 118
a; das ist das ende, dazu er unser herr ist, das er uns aus des teufels gewalt, tod und aller not helfe. 6, 71
b; denn geselliglich leben ist nicht des menschen ende, dazu er geschaffen ist, sondern nur ein mittel. aber das fürnembste ende, darumb er geschaffen, ist das einer den andern von gott lehre.
tischr. 170
a; denn das ist ir (
der satzungen) ende, dazu sie sollen eingesetzet werden. 273
b; zeiget mir einen juristen, des ende sei, das er die rechte warheit lerne. 396
a.
doch alle diese stellen entstammen nicht Luthers
bibel, sondern nur seinen übrigen schriften, die bedeutung scheint auch in die übrige sprache bis auf heute nicht gedrungen, wir gebrauchen dafür ziel, zweck
oder die zusammensetzung endziel, endzweck,
nicht das einfache ende.
Blosz in den folgenden adverbialen ausdrücken ist allerdings ein ende
im sinn des lat. finis für absicht und ziel enthalten, sichtbar aber liegt ihnen der sp. 451
erörterte raumbegrif unter. IV@11) des endes,
ursprünglich da, dahin, eo trat über in die bedeutung von ideo, eo fine, eo consilio, darum, deswegen, deshalb: eine stunde hernach stieg auch Eberhard herab, gieng und hatte einen haken, um rasen damit abzuschälen. er gieng des endes oben an den wald. Stilling 1, 116; ihm hatte, ich weisz nicht was an dem braunen manne gefallen, das ihm zu einer nähern bekanntschaft lust machte. er hatte sich des endes schon über der mittagstafel bei einigen leuten erkundigt, wes geistes kind der braune mann sei.
Siegfr. von Lindenb. 2, 4. IV@22) wes endes,
weshalb, weswegen: wes endes er dann seine hand in den beutel steckte. Bodes
Tristr. Sh. 3, 70. IV@33) zu dem ende,
ad eum finem, deshalb: zu dem ende (
in der absicht) erzählte ich ihm, was sich ereignet hatte; ich that es zu dem ende, um ihm allen argwohn zu benehmen; die maier werden zu unterschiedlichem ende bestellt. Hohberg 2, 250
a; ich suchte mich zu bereden, dasz er diese komödie nur zu dem ende gespielt habe, um mich von der eitelkeit der theurgie, in die er mich so verliebt gesehen hatte, desto besser überzeugen zu können. Wieland 2, 22; anstatt zu verlangen, dasz sich die umstände nach uns richten, oder ihnen zu diesem ende gewalt anthun zu wollen. 3, 20; es werden auch für jede stadt und jeden der kleinen bezirke, in welche die provinzen zu diesem ende abgetheilt worden, besondere aufseher angeordnet. 7, 221; er war itzt im begrif ihn in einen kleinen käficht zu stecken, den er zu diesem ende bei sich trug. 11, 47; zu dem ende. Kant 5, 295; man wolle die arbeiten beschleunigen, zu dem ende gelder aufnehmen. Göthe 17, 143.
wenn Fischart
im bienenk. sagt: dasz gott uns strafet zur warnung und besserung und zu andern dergleichen enden mehr, welche allzulang weren zu erzelen,
so ist hier die bedeutung von zwecken und absichten unverkennbar. IV@44) zu welchem ende,
quem in finem, warum? zu welchem end erzehl ich seine proben hier, da sie euch wol so voll bekand doch sein als mir? Werders
Ar. 11, 5; ein fremder arzt hatte sich den ruf auszerordentlicher heilungen erworben, zu welchem ende ihn viele kranke aufsuchten; warum und zu welchem ende ... diese form ihnen gegeben. Kant 7, 249. IV@55)
es heiszt auch zu was ende? Rädlein 237
b. Frisch 1, 226
b.
nnl. tot wat einde zegt gij dat? zu was ende sagt ihr das?; von wem und zu was ende erbaut. Wieland 19, 5; euch kann ichs wol entdecken.'zu was ende? erlassen sie mirs, lieber prinz'. Schiller 268
b.
auch hierzu läszt sich eine ähnliche ältere stelle aus Fischart
anführen: auf was ander end hin (
quem in finem alium) wolt sonst ein solche unerschöpfliche lieb und lust kinder zu tragen ... in ihr herz eingestigen sein?
Garg. 66
b.